Mögliche Kontakte deutscher Behörden und etwaig geförderter Unternehmen zur Kommunistischen Partei Chinas sowie Abhängigkeiten bei der Energiewende
Text
Mögliche Kontakte deutscher Behörden und etwaig geförderter Unternehmen zur Kommunistischen Partei Chinas sowie Abhängigkeiten bei der Energiewende
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2358
21. Wahlperiode 21.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Raimond Scheirich, Leif-Erik Holm, Marc Bernhard, Bernd
Schattner, Stefan Henze, Andreas Mayer, Christian Reck und der Fraktion der AfD
Mögliche Kontakte deutscher Behörden und etwaig geförderter Unternehmen zur
Kommunistischen Partei Chinas sowie Abhängigkeiten bei der Energiewende
Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) verfügt über gesetzlich
vorgeschriebene Parteistrukturen in zahlreichen chinesischen Unternehmen. Diese
Parteikomitees nehmen direkten Einfluss auf geschäftliche Entscheidungen.
Viele dieser Unternehmen sind mittlerweile auch in Deutschland tätig, teils mit
eigenen Tochtergesellschaften oder Produktionsstätten.
Gleichzeitig bestehen gravierende ressourcentechnische und technologische
Abhängigkeiten der Bundesrepublik Deutschland von der Volksrepublik China:
– Bei Photovoltaik-Systemen lag der Importanteil aus China in die EU im
Jahr 2023 bei rund 79 Prozent, bei PV-Modulen (PV = Photovoltaik) und
Fotoelementen sogar bei etwa 94 Prozent (https://eur-lex.europa.eu/legal-co
ntent/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:C_202503236).
– Rund 50 Prozent aller in der EU eingesetzten Wechselrichter stammen aus
chinesischer Produktion (ebd.).
– Bei Dauermagneten für Windkraftanlagen liegt die Importabhängigkeit von
China bei etwa 93 Prozent (ebd.).
– Im Bereich Batteriezellen, Batteriesätze und Batteriemodule stammen etwa
50 Prozent der importierten Produkte aus China, während bei
Anodenmaterialien der chinesische Anteil rund 81 Prozent beträgt (ebd.).
– Auch bei zahlreichen kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Graphit
und Magnesium liegt die Importabhängigkeit Deutschlands und Europas
bei teils über 66 Prozent bis 98 Prozent aus China (Antwort zu Frage 4 auf
Bundestagsdrucksache 21/1444).
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die für die Energiewende wesentlichen
Schlüsseltechnologien und Rohstoffe in hohem Maße von Importen aus China
abhängen.
In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der
AfD (Antwort zu Frage 12 auf Bundestagsdrucksache 21/1444) wurde
ausgeführt, dass ohne die Nennung konkreter Unternehmen keine Auswertung zu
Fördermitteln für Unternehmen mit chinesischer Eigentümerschaft oder
Konzernverflechtung möglich sei, jedenfalls „nicht im Rahmen der üblichen Frist
zur Beantwortung parlamentarischer Fragen“. Warum die Bundesregierung
keine Bitte zur Fristverlängerung an die Fragsteller herangetragen hat, ist den
Fragestellern nicht bekannt. In jedem Fall halten die Fragesteller
weitergehende, konkretisierte Fragen für erforderlich, die neben den Fördermitteln auch die
politischen und strukturellen Verflechtungen mit der KPCh sowie deren
sicherheitsrelevante Folgen in den Blick nehmen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Haben seit 2018 die folgenden Unternehmen – bzw. deren deutsche
Tochtergesellschaften –
a) VENSYS Energy AG/Goldwind,
b) MingYang Smart Energy,
c) Titan Wind Energy,
d) Sany Renewable Energy,
e) Envision Energy/Envision Digital,
f) Huawei (Digital Power, Wechselrichter),
g) Sungrow,
h) Trina Solar,
i) JinkoSolar,
j) JA Solar,
k) LONGi Solar,
l) CATL (Contemporary Amperex Technology, Thüringen),
m) Gotion High-Tech (Göttingen),
n) SVOLT Energy,
o) Farasis Energy,
p) BYD,
q) Nexperia (Wingtech),
r) Chint/Astronergy,
s) HiTHIUM,
t) CALB,
u) EVE Energy,
v) COSCO (CSPL – HHLA/CTT Hamburg),
w) ZPMC (Shanghai Zhenhua – Hafenkrane),
x) GoodWe,
y) Solis (Ginlong Technologies),
z) Growatt
Fördermittel aus Programmen des Bundes im Bereich Energie, Wirtschaft
oder Forschung erhalten, und wenn ja, in welcher Höhe (bitte tabellarisch
nach Unternehmen, Jahr, Programm, Zuwendungsgeber und Förderhöhe
aufschlüsseln)?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob die in Frage 1 genannten
Unternehmen über aktive Parteikomitees der Kommunistischen Partei
Chinas verfügen und ob diese Einfluss auf Unternehmensentscheidungen
in Deutschland oder Europa nehmen, und wenn ja, welche?
3. Haben die Bundesministerien oder nachgeordnete Behörden seit 2018
Kontakte zu Repräsentanten, Parteikomitees oder offiziellen Vertretern der
in Frage 1 genannten Unternehmen gepflegt, und wenn ja, welche (bitte
nach Jahr, Ressort, Art und Anlass des Kontaktes aufschlüsseln)?
4. Bestehen institutionelle Dialogformate, Abkommen oder
Kooperationsprojekte seit 2018 zwischen der Bundesregierung bzw. ihren Behörden
und den in Frage 1 genannten Unternehmen oder deren KPCh-
Parteikomitees, und wenn ja, welche?
5. Welche Maßnahmen trifft die Bundesregierung ggf., um sicherzustellen,
dass durch die in Frage 1 genannten Unternehmen keine
sicherheitsrelevanten Abhängigkeiten oder politischen Einflussnahmen durch die KPCh
entstehen, wenn diese Fördermittel erhalten oder mit Bundesministerien in
Kontakt treten?
6. In welchem Umfang sind seit 2018 Mitglieder der Bundesregierung oder
ihrer Bundesministerien auf Reisen in die Volksrepublik China auch
offiziell mit Funktionären der Kommunistischen Partei Chinas
zusammengetroffen (bitte nach Jahr, Ressort und Anlass aufschlüsseln)?
7. Welche offiziellen Delegationen oder Arbeitsgruppen deutscher
Bundesministerien haben seit 2018 in der Volksrepublik China Gespräche mit
Parteistrukturen oder Funktionären der Kommunistischen Partei Chinas
geführt (bitte nach Jahr, beteiligtem Ressort und Thema auflisten)?
8. Bestehen Pläne der Bundesregierung, die bestehende
ressourcentechnische Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland von der
Volksrepublik China abzubauen und zu beenden, und welche Maßnahmen sind hierzu
seit 2018 konkret eingeleitet worden?
9. Welche Studien, Lagebilder, Risikoanalysen, internen Vermerke oder
sonstigen Auswertungen hat die Bundesregierung seit 2018 erstellt oder in
Auftrag gegeben, in denen mögliche politische Einflussmöglichkeiten der
Kommunistischen Partei Chinas auf die deutsche Außen- oder
Innenpolitik aufgrund bestehender ressourcentechnischer Abhängigkeiten
thematisiert werden, und hat die Bundesregierung seit 2018 festgestellt, dass
derartige Abhängigkeiten von der Volksrepublik China im Bereich kritischer
Rohstoffe oder Vorprodukte zu politischen Forderungen, Drucksituationen
oder Einflussnahmen durch die Kommunistische Partei Chinas geführt
haben, und wenn ja, in welchen Fällen (bitte jeweils nach Jahr, Ressort,
Anlass und Kernaussagen aufschlüsseln)?
10. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass mit den
bestehenden Maßnahmen zur Förderung von Photovoltaikanlagen und
anderen Netto-Null-Technologien bewusst eine weitere Abhängigkeit von
chinesischen Herstellern in Kauf genommen wird, und aus welchen
Gründen wurde vor der Einführung der Fördermaßnahmen zur Energiewende
nicht stärker darauf hingewirkt, dass ausreichende europäische,
technologisch gleichwertige und bezahlbare Produktionsmöglichkeiten zur
Verfügung stehen?
11. Ist die Interpretation der Fragesteller zutreffend, dass aus den
existenziellen ressourcentechnischen und industriellen Verflechtungen sowie
personellen und politischen Kontakten der Bundesrepublik Deutschland mit der
Volksrepublik China eine gewollte politische Annäherung der
Bundesregierung an die Kommunistische Partei Chinas zu entnehmen ist, und
welche Indikatoren zieht die Bundesregierung hierfür heran?
Berlin, den 1. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Andreas Mayer (Kleine Anfrage)
- asked ← Bernd Schattner (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Reck (Kleine Anfrage)
- asked ← Leif-Erik Holm (Kleine Anfrage)
- asked ← Marc Bernhard (Kleine Anfrage)
- asked ← Raimond Scheirich (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Henze (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Leif-Erik Holm
- authored ← Raimond Scheirich
- part_of_vorgang → Mögliche Kontakte deutscher Behörden und etwaig geförderter Unternehmen zur Kommunistischen Partei Chinas sowie Abhängigkeiten bei der Energ (Kleine Anfrage)