Fragen zum Maßregelvollzug in Deutschland
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Fragen zum Maßregelvollzug in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3226
21. Wahlperiode 11.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Kerstin Przygodda, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina
Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Alexis L. Giersch,
Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas
Fetsch und der Fraktion der AfD
Fragen zum Maßregelvollzug in Deutschland
Im Sommer 2025 legte die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter sowohl
der deutschen Bundesregierung als auch dem Deutschen Bundestag ihren
Jahresbericht vor. Im Jahresbericht, der den Berichtszeitraum 1. Januar 2024 bis
31. Dezember 2024 umfasst, finden sich auch Ausführungen über den
Maßregelvollzug in Deutschland (vgl. Bundestagsdrucksache 21/800, S. 75 bis 85).
Der diesbezügliche Berichtsteil ruft bei den Fragestellern Fragen zu den
Zuständen Forensischer Psychiatrien in Deutschland und den damit
einhergehenden gesundheitlichen Belastungen für das dort diensttuende Personal
sowie für die dort untergebrachten Personen hervor.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sieht die Bundesregierung gegenwärtig dahingehenden Handlungsbedarf,
die durch die laut Nationaler Stelle zur Verhütung von Folter gegenwärtig
in nahezu allen Bundesländern vorhandene Über- bzw. Vollbelegung
deutscher Forensischer Psychiatrien (vgl. Bundestagsdrucksache 21/800,
S. 76) entstehenden möglichen negativen gesundheitlichen und
psychischen Auswirkungen auf die dort untergebrachten Personen untersuchen
zu lassen?
2. Stimmt die Bundesregierung mit der Feststellung der Nationalen Stelle
zur Verhütung von Folter überein, dass eine gegenwärtig in Forensischen
Psychiatrien in Deutschland zu beobachtende Zimmerbelegung mit bis zu
drei Personen die medizinische und therapeutische Behandlung der dort
untergebrachten Personen deutlich erschweren kann (vgl.
Bundestagsdrucksache 21/800, S. 77), und wenn ja, sieht die Bundesregierung
gegenwärtig dementsprechenden Handlungsbedarf?
3. Sieht die Bundesregierung gegenwärtig dahingehenden Handlungsbedarf,
der angespannten Personalsituation und der damit einhergehenden ,,
Überarbeitung des Restpersonals“ (vgl. Bundestagsdrucksache 21/800, S. 78)
in Forensischen Psychiatrien in Deutschland durch geeignete Maßnahmen
zu begegnen, und wenn ja, welche Maßnahmen prüft die Bundesregierung
gegenwärtig?
4. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, in wie vielen
Fällen seit dem Jahr 2015 das in Forensischen Psychiatrien in Deutschland
diensttuende Personal aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem
Dienst geschieden ist, und wenn ja, welche sind dies?
5. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, in wie vielen
Fällen seit dem Jahr 2015 das in Forensischen Psychiatrien in Deutschland
diensttuende Personal durch dort untergebrachte Personen körperlich
attackiert worden ist, und wenn ja, welche sind dies?
6. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, in wie vielen
Fällen seit dem Jahr 2015 das in Forensischen Psychiatrien in Deutschland
diensttuende Personal vorzeitig aus dem Dienst schied, weil es zuvor
durch dort untergebrachte Personen körperlich attackiert worden war, und
wenn ja, welche sind dies?
7. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, wie viele der in
Forensischen Psychiatrien in Deutschland untergebrachten Personen seit dem
Jahr 2015 während ihrer Haftzeit eines natürlichen Todes starben, und
wenn ja, welche sind dies?
8. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, ob in Forensischen
Psychiatrien in Deutschland untergebrachte Personen seit dem Jahr 2015
während ihrer Haftzeit durch Mitpatienten getötet worden sind, und wenn
ja, welche sind dies?
9. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, ob in Forensischen
Psychiatrien in Deutschland untergebrachte Personen seit dem Jahr 2015
während ihrer Haftzeit durch Mitpatienten tätlich angegriffen und dabei
verletzt worden sind, und wenn ja, welche sind dies?
10. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, bei wie vielen der
in Forensischen Kliniken in Deutschland untergebrachten Personen seit
dem Jahr 2015 im Verlauf ihrer Unterbringungszeit eine schwerwiegende
Krankheit diagnostiziert wurde, die nicht mit der Krankheit identisch war,
die zur Einweisung in die Forensische Psychiatrien geführt hatte, und
wenn ja, welche sind dies?
11. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, wie hoch die
durchschnittlichen monatlichen Kosten für die Unterbringung einer
Person in Forensischen Psychiatrien in Deutschland gegenwärtig sind, und
wenn ja, welche sind dies?
12. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, wie viele
Dolmetscher in Forensischen Psychiatrien in Deutschland gegenwärtig insgesamt
arbeiten, und wenn ja, welche sind dies?
13. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, ob seit dem Jahr
2015 in Forensischen Psychiatrien arbeitende Dolmetscher durch dort
untergebrachte Personen tätlich attackiert worden sind, und wenn ja, welche
sind dies?
14. Verfügt die Bundesregierung über Kenntnisse darüber, wie hoch
gegenwärtig die durchschnittlichen monatlichen Kosten für einen in
Forensischen Psychiatrien in Deutschland diensttuenden Dolmetscher sind?
15. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Gesamtzahl der nach
§ 63 des Strafgesetzbuchs (StGB) in Forensischen Psychiatrien in
Deutschland untergebrachten Personen im gesamten Bundesgebiet (bitte
je nach Jahr und Bundesland aufschlüsseln) seit dem Jahr 2015
entwickelt?
16. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie viele der nach § 63
StGB in Forensischen Psychiatrien in Deutschland seit dem Jahr 2015
untergebrachten Personen aufgrund des während der Unterbringungszeit
erfolgten Konsums von Betäubungsmitteln weitere gesundheitliche Schäden
erlitten, und wenn ja, welche sind dies?
17. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, die die Angabe der
Nationalen Stelle zur Verhütung von Folter bestätigen, nach der eine große Anzahl
der in verschiedenen Bundesländern in Forensischen Psychiatrien in
Deutschland untergebrachten Patienten der deutschen Sprache nur sehr
bedingt mächtig ist (vgl. Bundestagsdrucksache 21/800, S. 84), und wenn
ja, welche Kenntnisse sind dies?
18. Welche Staatsangehörigkeit besitzen die in den Jahren von 2020 bis 2024
in den Forensischen Psychiatrien in Deutschland untergebrachten
Personen (bitte je nach Jahr, Nationalität und Bundesland aufschlüsseln)?
19. Besitzt die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob die häufigen
Ausbrüche von Straftätern aus Forensischen Psychiatrien in Deutschland (www.b
ild.de/regional/niedersachsen/bremen-aus-psychiatrie-geflohen-messer-kil
ler-am-bahnhof-gefasst-68d506e024619b7e72e4f3f8, zuletzt abgerufen
am 3. November 2025; www.br.de/nachrichten/bayern/amoklaeufer-von-a
nsbach-flieht-aus-psychiatrie-was-bislang-bekannt-ist,UuKI56v, zuletzt
abgerufen am 3. November 2025; www.tagesschau.de/inland/regional/hes
sen/hr-haeftling-flieht-aus-psychiatrie-in-hadamar-polizei-fahndet-mit-fot
o-100.html, zuletzt abgerufen am 3. November 2025) auf eine
Überlastung des diesen Dienst tuenden Restpersonals zurückzuführen ist, und
wenn nein, besitzt die Bundesregierung andere Kenntnisse, die diesen
Befund erklären können?
Berlin, den 1. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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