Vertiefung der militärischen, polizeilichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit Israel
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Vertiefung der militärischen, polizeilichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit Israel
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3151
21. Wahlperiode 08.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lea Reisner, Ulrich Thoden, Desiree Becker, Gökay Akbulut,
Janina Böttger, Maik Brückner, Clara Bünger, Agnes Conrad, Katrin Fey, Vinzenz
Glaser, Ates Gürpinar, Jan Köstering, Stella Merendino, Edis Mirze, Charlotte
Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Zada Salihović, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Vertiefung der militärischen, polizeilichen und sicherheitspolitischen
Zusammenarbeit mit Israel
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren die militärische,
polizeiliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Israel vertieft.
Kooperationen erstrecken sich von gemeinsamen Ausbildungsprogrammen über den
Austausch von Technologien bis hin zu Fachgesprächen in sensiblen Bereichen wie
Cyberabwehr, Künstliche Intelligenz und „Gefangenenwesen“ (Antwort auf die
Mündliche Frage 72 der Abgeordneten Gökay Akbulut auf Plenarprotokoll
21/30). Die Bundeswehr kooperiert mit dem israelischen Militär insbesondere
im Bereich von Ausbildung, Drohnen- und Flugabwehr. Deutsche Soldatinnen
und Soldaten werden an Systemen wie der bewaffnungsfähigen Drohne Heron
TP sowie dem Raketenabwehrsystem Arrow geschult. Parallel dazu finden
gegenseitige Lehrgänge und Trainings in Deutschland und Israel statt.
Auch die polizeiliche Zusammenarbeit wird kontinuierlich ausgebaut (Antwort
auf die Schriftliche Frage 33 der Abgeordneten Lea Reisner auf
Bundestagsdrucksache 21/1831). Neben dem Bundeskriminalamt (BKA) ist auch die
Bundespolizei in gemeinsame Projekte eingebunden. So war beim Besuch des
israelischen Polizeichefs Daniel Levy Anfang September 2025 ein Austausch
sowohl mit dem Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin als
auch mit der Bundespolizeidirektion in Potsdam vorgesehen. Über die
geplanten Inhalte dieses – nicht zustande gekommenen – Treffens und mögliche
Kooperationen liegen bislang keine detaillierten Informationen vor.
Im Juni 2025 kündigte der Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt
zudem einen umfassenden „Cyber- und Sicherheitspakt“ mit Israel an, der Schutz
kritischer Infrastruktur, Bevölkerungsschutz und Drohnenabwehr umfassen soll
(„Deutschland profitiert von Gaza als Tech-Testlabor“, nd vom 23. Juli 2025,
www.nd-aktuell.de/artikel/1192806.ki-im-gaza-krieg-deutschland-profitiert-vo
n-gaza-als-tech-testlabor.html). Zugleich gab es Presseberichten zufolge im
Rahmen einer internationalen Konferenz in Tel Aviv aus Sicht der
Fragestellerinnen und Fragesteller fragwürdige Äußerungen deutscher Vertreter des
Bundesministeriums des Innern („Bundeswehr und BKA bauen Zusammenarbeit
mit Israel aus“, nd vom 9. Oktober 2025, www.nd-aktuell.de/artikel/1194615.n
ahost-konflikt-bundeswehr-und-bka-bauen-zusammenarbeit-mit-israel-au
s.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Ausbildungsmaßnahmen deutscher Soldatinnen und Soldaten in
Israel sowie israelischer Soldatinnen und Soldaten in Deutschland fanden
nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2020 im Rahmen der
Kooperationen statt (bitte nach Jahr, Ort, Thema und beteiligten Institutionen
aufschlüsseln)?
2. In welchem Umfang erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung die
Ausbildung deutscher Soldatinnen und Soldaten an israelischen Drohnen- und
Flugabwehrsystemen (Heron TP, Arrow, AWS-G), und welche deutschen
Standorte der Bundeswehr sind daran beteiligt?
3. Welche militärischen oder polizeilichen Behörden sollen nach Wissen der
Bundesregierung künftig Zugriff auf vom Abwehrsystem AWS-G
generierte Lagebilder erhalten?
4. Welche Inhalte und Zielsetzungen haben die militärischen „Fach- und
Expertengespräche“ nach Kenntnis der Bundesregierung zu den Themen
Logistik, Neubeschaffung, Operation, Erhebung, Ermittlung und
insbesondere zum „Gefangenenwesen“ (bitte zu den einzelnen Schlagwörtern kurz
skizzieren)?
5. Welche weiteren Zusammenarbeitsformen gibt es nach Wissen der
Bundesregierung seitdem zu den Themen Logistik, Neubeschaffung,
Operation, Erhebung, Ermittlung und insbesondere zum „Gefangenenwesen“?
6. Wie bewertet die Bundesregierung ihre militärische Kooperation vor dem
Hintergrund der dokumentierten Kriegsverbrechen israelischer Streitkräfte
im Gazastreifen?
7. Wie hat die israelische Seite nach Kenntnis der Bundesregierung auf
deutsche Anmerkungen hierzu reagiert?
8. Welche weiteren Vereinbarungen folgten nach Kenntnis der
Bundesregierung dem Besuch des israelischen Polizeichefs Daniel Levy beim
Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum im September 2025?
9. In welchem Umfang und zu welchen Themen erfolgt nach Wissen der
Bundesregierung ein Informationsaustausch zwischen dem BKA und der
israelischen Polizei über mutmaßliche Aktivitäten der Hamas in
Deutschland?
10. Inwiefern und in welchem Umfang werden nach Kenntnis der
Bundesregierung dabei auch Personendaten ausgetauscht?
11. Welche Formen der Zusammenarbeit bestehen nach Kenntnis der
Bundesregierung im Bereich Finanzermittlungen, und welche rechtlichen
Grundlagen gelten für den Austausch personenbezogener Daten?
12. Welche Projekte verfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung das BKA
gemeinsam mit israelischen Partnern im Bereich Künstliche Intelligenz,
insbesondere zur Gesichtserkennung und Tatortanalyse mittels Virtual
Reality?
13. Mit welchem Ziel werden nach Kenntnis der Bundesregierung
Vertreterinnen und Vertreter des BKA im Dezember 2025 an der „Konferenz der
Notfallmanagementbeauftragten“ in Israel teilnehmen, und welche
Beiträge sind vorgesehen?
14. Welche konkreten Inhalte und Ziele hatte nach Kenntnis der
Bundesregierung das ursprünglich geplante Treffen der israelischen Delegation mit der
Bundespolizei in Potsdam oder Berlin, und inwiefern gab es nach der
vorzeitigen Abreise Daniel Levys dennoch Treffen seiner Delegation mit
Angehörigen der Bundespolizei?
15. In welchem Umfang erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung ein
strategischer Austausch zwischen der Bundespolizei und der israelischen
Polizei (etwa zu Grenzsicherung, Migration und Antiterrormaßnahmen)?
16. Welche laufenden oder geplanten Kooperationsprojekte zwischen der
Bundespolizei und israelischen Sicherheitsbehörden bestehen oder sind
nach Wissen der Bundesregierung geplant (bitte einzeln auflisten und die
jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkte nennen)?
17. Welche deutschen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten haben nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2020 an Konferenzen, Schulungen
oder Trainingsmaßnahmen in Israel teilgenommen, und welche Themen
wurden dort behandelt?
18. Welche Fortschritte gibt es nach Wissen der Bundesregierung beim
angekündigten „Cyber- und Sicherheitspakt“ mit Israel, und welche
Bundesressorts sind an dessen Ausarbeitung beteiligt?
19. Mit welchen Vorschlägen geht nach Kenntnis der Bundesregierung die
deutsche Seite in entsprechende Gespräche oder Verhandlungen?
20. Inwiefern ist nach Kenntnis der Bundesregierung eine Beteiligung
israelischer Unternehmen oder Sicherheitsbehörden an Projekten zur
Drohnenabwehr und zum Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland
vorgesehen?
21. Welche Maßnahmen zur „Antisemitismussensibilisierung“ im Rahmen der
Kooperation mit der Gedenkstätte Yad Vashem sind nach Kenntnis der
Bundesregierung bisher geplant, wer ist daran beteiligt, und welche
Haushaltsmittel hat die Bundesregierung dafür bereitgestellt?
22. Wie bewertet die Bundesregierung die Äußerungen deutscher Vertreter
des Bundesinnenministeriums und der Bundespolizei auf einem
„Antiterrorismus-Kongress“ im September 2025 in Tel Aviv, wonach
Proteste gegen den Gaza-Krieg in Deutschland „oft antijüdisch“ seien, weil
Aktivistinnen und Aktivisten die Worte „Apartheid“ und „Genozid“
benutzten, oder dass Deutschland „illegale Migration“ signifikant gestoppt
habe und dadurch auch die Terrorismusgefahr geringer geworden sei
(„Bundeswehr und BKA bauen Zusammenarbeit mit Israel aus“, nd vom
9. Oktober 2025, www.nd-aktuell.de/artikel/1194615.nahost-konflikt-bun
deswehr-und-bka-bauen-zusammenarbeit-mit-israel-aus.html)?
23. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber, dass auf derselben
Konferenz Redner den Internationalen Strafgerichtshof diffamierten und
israelkritische Menschenrechtsarbeit als „antisemitisch“ bezeichneten, und
welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus („Bundeswehr und BKA
bauen Zusammenarbeit mit Israel aus“, nd vom 9. Oktober 2025, www.nd-akt
uell.de/artikel/1194615.nahost-konflikt-bundeswehr-und-bka-bauen-zusa
mmenarbeit-mit-israel-aus.html)?
Berlin, den 26. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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