Aussagen der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, zu der Berichterstattung über die Kandidatin für ein Richteramt am Bundesverfassungsgericht Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf
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Aussagen der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, zu der Berichterstattung über die Kandidatin für ein Richteramt am Bundesverfassungsgericht Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2354
21. Wahlperiode 21.10.2025
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Markus Matzerath und der Fraktion der AfD
Aussagen der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, Reem Alabali Radovan, zu der Berichterstattung über die
Kandidatin für ein Richteramt am Bundesverfassungsgericht, Prof. Dr. Frauke
Brosius-Gersdorf
Mehrere Mitglieder der Bundesregierung äußerten sich unlängst öffentlich zum
Fall Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, die Kandidatin für ein Richteramt am
Bundesverfassungsgericht war und später ihre Kandidatur nach öffentlichen
Diskussionen zurückzog.
Unter anderem äußerte sich die Bundesministerin für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, auf dem Portal
„Instagram“ zum Fall Brosius-Gersdorf.
In der Beschreibung ihres Profils auf „Instagram“ schreibt Reem Alabali
Radovan: „Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
@bmz_bund“ (www.instagram.com/reem.alabaliradovan).
Regelmäßig verbreitet Reem Alabali Radovan dort Beiträge als „Ministerin“
und veröffentlicht auch Beiträge gemeinsam mit dem Profil „bmz_bund“
(www.instagram.com/bmz_bund/) des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ; www.instagram.com/p/DNShEc6t
IxM/, www.instagram.com/p/DNGN8p0tZ92/, www.instagram.com/p/DMpv_h
StCKQ/, www.instagram.com/p/DMmnbCgtYFO/, www.instagram.com/p/DM
kQUwKNVrc/).
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan behauptete, es hätte im
Fall der Kandidatur von Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf „politische
Stimmungsmache“ und „verzerrte Debatten“ gegeben (Beitrag der Bundesministerin
vom 7. August 2025, www.instagram.com/reem.alabaliradovan/p/DNDvvCT
t1q7).
Die Fragesteller interessieren sich dabei insbesondere dafür, wie die
Bundesministerin Reem Alabali Radovan eine „Stimmungsmache“ von
journalistischer Berichterstattung abgrenze, die nach Ansicht der Bundesministerin keine
„Stimmungsmache“ darstelle.
Reem Alabali Radovan bewertete ferner die „fachliche Kompetenz“ von Prof.
Dr. Frauke Brosius-Gersdorf und nannte sie eine „herausragende
Persönlichkeit“ ebd.). Die Fragesteller interessieren sich daher dafür, ob und welche
Primärquellen die Bundesministerin Reem Alabali Radovan von der Juristin Prof.
Dr. Frauke Brosius-Gersdorf gelesen und kritisch gewürdigt hat, die Reem
Alabali Radovan zu ihrer Annahme hat gelangen lassen.
Weiter schreibt Reem Alabali Radovan, Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf sei
Ziel einer „Hetzkampagne“ gewesen. Die Fragesteller interessieren sich dabei
vor allem für die Frage, ob die Bundesministerin den Begriff ausreichend klar
definieren kann, sodass die Subsumtion nach objektiven Kriterien
nachvollzogen und geprüft werden kann.
Bundesministerin Reem Alabali Radovan schrieb am 7. August 2025 auf
Instagram im Wortlaut: „Die Entscheidung von Prof. Frauke Brosius-Gersdorf, ihre
Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht zurückzuziehen, ist kein ‚
normaler‘ Schritt in einem demokratischen Verfahren. Sie ist das Ergebnis politischer
Stimmungsmache, verzerrter Debatten und einer Kultur, in der Menschen mit
Haltung und fachlicher Kompetenz öffentlich diskreditiert werden“.
Und weiter: „Diese Eskalation offenbart ein ernstes Problem: Wenn
herausragende Persönlichkeiten zur Zielscheibe von Hetzkampagnen werden, leidet das
Vertrauen in unsere Institutionen. Und ja – Frauen, die klar Position beziehen,
trifft es dabei besonders häufig und besonders hart“.
Bundesministerin Reem Alabali Radovan weiter: „Ich bin überzeugt: Brosius-
Gersdorf war fachlich hervorragend geeignet. Ihr Rückzug ist sehr
bedauerlich – aber angesichts der persönlichen Anfeindungen und der unsachlichen
Debatten der letzten Wochen nachvollziehbar. Wir als SPD haben ihre
Nominierung aus voller Überzeugung getragen – und wir haben ihr bis zuletzt den
Rücken gestärkt.
Dass sie am Ende keine andere Möglichkeit mehr sah, als sich selbst
zurückzuziehen, um Schaden vom Verfassungsgericht abzuwenden, ist beschämend – für
die politische Debatte, aber auch für den Zustand unserer demokratischen
Kultur. Die persönlichen Angriffe, denen sie ausgesetzt war, überschreiten jede
Grenze fairer politischer Debatte.
Die Art und Weise, wie dieses Verfahren politisch beschädigt wurde, hinterlässt
Spuren – auch am Ansehen unseres höchsten Gerichts. Wer aus kurzfristigem
Kalkül das Vertrauen in Institutionen untergräbt, gefährdet weit mehr als eine
Personalie.
Diese Entwicklung macht mir Sorgen. Sie sollte uns allen zu denken geben“
(ebd.).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Was versteht die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, unter dem Begriff „politische
Stimmungsmache“, den sie im Zusammenhang mit der Rückziehung der
Kandidatur von Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf verwendet hat (Zitat,
siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
2. Welche konkreten Einzelhandlungen oder Aussagen stuft die
Bundesministerin Reem Alabali Radovan im Fall Brosius-Gersdorf als „politische
Stimmungsmache“ ein (Zitat, siehe Vorbemerkung der Fragesteller; bitte
einzeln auflisten und Akteuren zuordnen)?
3. Nach welchen objektiven Kriterien bestimmt die Bundesministerin Reem
Alabali Radovan, wann eine Debatte als „verzerrt“ zu bezeichnen ist, wie
von ihr im genannten Kontext getan (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
4. Meinte Bundesministerin Reem Alabali Radovan mit der Bemerkung, die
Debatte sei „verzerrt“, die Berichterstattung des ZDF, bei der das ZDF
Falschaussagen über die Berichterstattung von Apollo News verbreitete,
wobei das ZDF später deswegen eine Unterlassungserklärung abgab
(www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/zdf-korrig
iert-brosius-gersdorf-bericht-ueber-apollo-news-110618353.html; www.w
elt.de/politik/deutschland/article688b86444ab4754741bfa083/Brosius-Ger
sdorf-ZDF-aendert-Heute-Journal-Beitrag-zu-Richter-Kandidatin.html)?
5. Was konkret war nach Ansicht der Bundesministerin Reem Alabali
Radovan an der Debatte „verzerrt“, und wie hätte ihrer Ansicht nach die
Debatte richtigerweise ablaufen müssen?
6. Kann Bundesministerin Reem Alabali Radovan konkrete falsche
Tatsachenbehauptungen betreffend Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, die von
Medien des rechten oder linken Spektrums verbreitet wurden, benennen?
a) Wenn ja, welche sind das (bitte Zitat der falschen
Tatsachenbehauptung mit Quelle sowie die wahren Tatsachen angeben)?
b) Wenn ja, warum hat die Bundesministerin dann nicht konkrete falsche
Tatsachenbehauptungen öffentlich benannt?
c) Wenn nein, hält die Bundesministerin Reem Alabali Radovan die
Intensität ihrer Kritik („kein normaler Schritt“, „Hetzkampagne“,
„beschämend“; vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) dann trotzdem für
gerechtfertigt?
7. Hat die Bundesministerin Reem Alabali Radovan Aufsätze oder sonstige
Veröffentlichungen in Textform, die Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf
verfasst hat, persönlich gelesen, und ist Reem Alabali Radovan nach der
kritischen Würdigung der Primärquellen von der „hervorragenden
fachlichen Eignung überzeugt“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, welche Texte waren das?
b) Wenn nein, hält die Bundesministerin Reem Alabali Radovan es dann
trotzdem für angemessen, die „fachliche Eignung“ als „hervorragend“
zu bewerten, und wenn ja, warum?
c) Beruht die Bewertung der „fachlichen Eignung“ von Prof. Dr. Frauke
Brosius-Gersdorf als „hervorragend“ auf einer sonstigen fachlichen
Grundlage, wenn ja, auf welcher, und mit welcher Methodik hat die
Bundesministerin Reem Alabali Radovan die Bewertung
vorgenommen?
8. Was versteht die Bundesministerin Reem Alabali Radovan unter dem
Begriff „Hetzkampagne“, den sie im Zusammenhang mit Prof. Dr. Frauke
Brosius-Gersdorf verwendete (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
9. Kann die Bundesministerin Reem Alabali Radovan konkrete, belegbare
Handlungen oder koordinierte Aktionen benennen, die nach Auffassung
der Bundesministerin unter die in Frage 8 erfragte Definition einer
„Hetzkampagne“ fallen?
a) Wenn ja, welche waren das (bitte unter Angabe von Akteuren, Datum,
Plattform und Inhalt benennen)?
b) Wenn nein, wie rechtfertigt die Bundesministerin dann ihre
Bewertung?
10. Stützt die Bundesministerin Reem Alabali Radovan ihre Aussage,
„Frauen, die klar Position beziehen, [wären] […] besonders häufig und
besonders hart von Hetzkampagnen betroffen“ auf bestimmte empirische
Daten oder wissenschaftliche Studien (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
a) Wenn ja, auf welche?
b) Wenn ja, wie wurden in diesen Studien „klare Positionen“
operationalisiert und von anderen Äußerungen abgegrenzt?
c) Wenn ja, wie wurden die Begriffe „besonders häufig“ und „besonders
hart“ in diesen Studien quantifiziert und gemessen?
11. Welche konkreten Debattenbeiträge und welche einzelnen Aussagen darin
hält die Bundesministerin Reem Alabali Radovan für „unsachlich“ (Zitat,
siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
12. Hält die Bundesministerin Reem Alabali Radovan auch die Debatte um
die Einhaltung wissenschaftlicher Standards in Bezug auf die Dissertation
von Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf für „unsachlich“?
13. Worin sieht die Bundesministerin Reem Alabali Radovan exakt den
kausalen Zusammenhang („um Schaden vom Verfassungsgericht
abzuwenden“), der Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf laut ihrer Aussage zur
Rückziehung bewog, und wie wird dieser belegt (Zitat, siehe Vorbemerkung
der Fragesteller)?
14. Welche konkreten „persönlichen Angriffe“ gegen Prof. Dr. Frauke
Brosius-Gersdorf (bitte Wortlaut, Urheber, Datum, Verbreitungskanal
angeben) stuft die Bundesministerin Reem Alabali Radovan als
Grenzüberschreitung „fairer politischer Debatte“ ein (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
15. Liegen Bundesministerin Reem Alabali Radovan Belege oder Indizien
vor, die zeigen, dass die „persönlichen Angriffe“, denen Prof. Dr. Frauke
Brosius-Gersdorf ausgesetzt gewesen sein soll, in ihrer Intensität die
Angriffe gegen politische Bewerber aus dem konservativen, rechten oder
libertären politischen Spektrum übertrafen, und wenn ja, welche sind das?
16. Inwiefern und mit welchen konkreten Maßnahmen oder Aussagen welcher
konkret benennbaren Akteure wurde laut Bundesministerin Reem Alabali
Radovan „das Verfahren [der Wahl von Richtern an das
Bundesverfassungsgericht] politisch beschädigt“ (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
17. Welche messbaren Indikatoren oder konkreten Vorfälle belegen nach
Auffassung der Bundesministerin Reem Alabali Radovan eine
„Beschädigung“ des „Ansehens unseres höchsten Gerichts“ durch den Vorgang um
Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller)?
18. Kann die Bundesministerin Reem Alabali Radovan ein konkretes Maß an
„Ansehen unseres höchsten Gerichts“ benennen, das diesem
richtigerweise zuzukommen hat?
19. Sollte sich das „Ansehen unseres höchsten Gerichts“ nach Ansicht der
Bundesministerin Reem Alabali Radovan in Anhängigkeit von den dort
konkret ergangenen Handlungen und Entscheidungen ergeben oder sollte
es davon unabhängig sein?
20. Kann die Bundesministerin Reem Alabali Radovan das richtige Maß von
„Vertrauen in Institutionen“ benennen, dass deutsche Bürger in
„Institutionen“ haben sollten?
21. Begrüßt es die Bundesministerin Reem Alabali Radovan, wenn deutsche
Bürger Entscheidungen der „Institutionen“ (Zitat, siehe Vorbemerkung der
Fragesteller) gründlich prüfen und gegebenenfalls öffentlich und deutlich
kritisieren?
Berlin, den 2. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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