Fragen zum Anschlag auf Nord Stream sowie zur Ausbildung von ukrainischen Soldaten in Deutschland
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Fragen zum Anschlag auf Nord Stream sowie zur Ausbildung von ukrainischen Soldaten in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1947
21. Wahlperiode 01.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Gerold Otten, René Springer, Stefan Keuter, Steffen Kotré, Uwe
Schulz, Jan Wenzel Schmidt, Hannes Gnauck, Dr. Rainer Rothfuß, Martin Hess
und der Fraktion der AfD
Fragen zum Anschlag auf Nord Stream sowie zur Ausbildung von ukrainischen
Soldaten in Deutschland
Nachdem die Bundesanwaltschaft in Italien S. K. als mutmaßlichen
Koordinator festnehmen ließ – in Italien hat ein Gericht nun seine Auslieferung nach
Deutschland angeordnet –, sollen nunmehr die deutschen Behörden sechs
weitere Tatverdächtige und damit alle Mitglieder der ukrainischen Gruppe
identifiziert haben, die für die Ausführung der Sabotage von Nord Stream 1 und 2 im
September 2022 verantwortlich sein soll; so aktuelle Rechercheergebnisse und
Medienberichte (www.n-tv.de/politik/Bericht-Alle-Saboteure-der-Nord-Strea
m-Pipeline-identifiziert-article25992752.html m. w. N.).
Demnach erhärteten neue Ermittlungsbefunde den Verdacht, dass die Gruppe
den Anschlag mithilfe von ukrainischen Behörden ausführen konnte. So seien
zum einen die Verdächtigen mit echten ukrainischen Pässen, die jedoch falsche
Namen enthielten, durch Polen nach Deutschland gereist, wo sie dann von
Rostock aus zum Anschlagsort mit Sprengsätzen für die Pipelines per Boot
gefahren sein sollen. Zum anderen sei einer der Verdächtigen ferner im
Sommer 2024 in einem Auto des ukrainischen Militärattachés aus Polen in die
Ukraine gebracht worden, um einer Festnahme zu entgehen (ebd. m. w. N.).
Schließlich gehört nach diesen Medienberichten zu den neuen Erkenntnissen
insbesondere auch, dass ein Mitglied der Gruppe – gegen die anderen sechs
Mitglieder sollen Haftbefehle vorliegen –, der mittlerweile in der Ostukraine
bei den Kämpfen gestorbene ukrainische Soldat W. K., noch im vergangenen
Jahr im bayerischen Wildflecken eine militärische Ausbildung bei der
Bundeswehr erhalten haben soll (ebd. m. w. N.).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung mit der ukrainischen Regierung zu den laut
Medienberichten neuen Erkenntnissen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)
bereits Gespräche geführt, und wenn ja, wann, mit welcher Botschaft bzw.
welchen Forderungen, und mit welchen Ergebnissen, und wenn nein,
warum nicht?
2. Haben die laut Medienberichten neuen Erkenntnisse Auswirkungen auf
die Positionierung der Bundesregierung in den deutsch-ukrainischen
Beziehungen im Ganzen und betreffend die milliardenschwere Unterstützung
der Ukraine im Einzelnen, und wenn ja, welche (bitte begründen)?
3. Zieht die Bundesregierung etwaige politische Konsequenzen speziell aus
dem Umstand, dass möglicherweise ukrainische Behörden bzw. staatliche
Stellen an der Durchführung des Anschlags auf Nord Stream beteiligt
waren, und wenn ja, welche (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
4. Hat die Bundesregierung inzwischen gegebenenfalls eigene Erkenntnisse
darüber, ob und in welchem Umfang ukrainische Behörden oder staatliche
Stellen gegebenenfalls in die Vorbereitung und Durchführung des
Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines involviert waren, und wenn ja,
welche?
5. Wird die Bundesregierung gegebenenfalls die Sabotage an Nord Stream
als Terrorakt von staatlichen Akteuren einstufen, Entschädigung von den
jeweiligen Staaten fordern oder Sanktionen erlassen (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller, bitte begründen)?
6. Zieht die Bundesregierung im Besonderen Konsequenzen aus den laut
Medienberichten vorliegenden Erkenntnissen (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller), dass die mutmaßlichen Täter mit echten ukrainischen Pässen
unter falschen Namen nach Deutschland eingereist sein sollen, und wenn
ja, welche?
7. Haben deutsche Behörden an den Grenzübergängen nach Deutschland
Auffälligkeiten registriert, als die mutmaßlichen Täter einreisten, und hat
die Bundesregierung eigene Erkenntnisse über die Herkunft und
mutmaßliche Ausstellung der echten ukrainischen Pässe mit falschen Namen (bitte
gegebenenfalls ausführen)?
8. Liegen der Bundesregierung eigene Erkenntnisse darüber vor, dass ein
Mitglied der Gruppe im Sommer 2023 in einem Fahrzeug des
ukrainischen Militärattachés von Polen in die Ukraine verbracht worden sein soll,
um sich einer Festnahme zu entziehen, und wenn ja, wie lauten diese
Erkenntnisse, und welche Konsequenzen zieht sie gegebenenfalls hieraus
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
9. Liegen der Bundesregierung inzwischen gegebenenfalls eigene
Erkenntnisse vor über mögliche Unterstützerstrukturen oder Netzwerke in
Deutschland, die die Gruppe vor oder nach dem Anschlag logistisch oder
operativ unterstützt haben, und wenn ja, welche?
10. Ergreift oder plant die Bundesregierung derzeit Maßnahmen, um eine
Auslieferung des als mutmaßlichen Gruppenkoordinator Tatverdächtigen
S. K. aus Italien nach Deutschland sicherzustellen, und wenn ja, welche,
wann, und in welchem Format?
11. Aus welchen rechtlichen oder anderen Gründen ist nach Kenntnis der
Bundesregierung bislang die Auslieferung des als mutmaßlichen
Gruppenkoordinator Tatverdächtigen S. K. nach Deutschland nicht erfolgt, und
lag gegebenenfalls eine Verweigerung der Auslieferung vor (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
12. Zieht die Bundesregierung aus der bislang nicht erfolgten, gegebenenfalls
verweigerten (siehe Frage 11) Auslieferung von S. K. durch Italien
etwaige Schlussfolgerungen für ihre bisherige bzw. heutige Außen- und
Europapolitik, und wenn ja, welche (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
13. Werden heute und wurden bislang (gegebenenfalls seit wann)
Überprüfungen bei der Auswahl ukrainischer Soldaten für Ausbildungsmaßnahmen in
Deutschland durchgeführt, und wenn ja, welche (z. B. Sicherheits- bzw.
Identitätsprüfung, Abgleich mit Fahndungsdatenbanken)?
14. Wurden konkret im Fall des laut Medienberichten 2024 in Wildflecken
ausgebildeten ukrainischen Soldaten W. K. Sicherheits- oder andere
Prüfungen vorgenommen, und wenn ja, welche, sowie gegebenenfalls mit
welchem Ergebnis (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
15. Zieht die Bundesregierung Lehren aus dem Umstand, dass ein laut
Medienberichten mutmaßlich an einem Anschlag auf eine deutsche kritische
Infrastruktur Beteiligter später in Deutschland militärisch ausgebildet
wurde, und wenn ja, welche (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, bitte
begründen)?
Berlin, den 16. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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