Altschulden der Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland
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Altschulden der Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/695
21. Wahlperiode 30.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ina Latendorf, Caren Lay, Sascha Wagner, Doris Achelwilm,
Marcel Bauer, Lorenz Gösta Beutin, Violetta Bock, Janina Böttger, Jörg Cezanne,
Agnes Conrad, Dr. Fabian Fahl, Katalin Gennburg, Christian Görke, Mareike
Hermeier, Cem Ince, Sahra Mirow, Luigi Pantisano, David Schliesing und der
Fraktion Die Linke
Altschulden der Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW) sehen 34 Prozent der befragten Kämmerer die finanzielle Situation von
Städten, Gemeinden und Landkreisen als „mangelhaft“ an. Nur 17 Prozent
gaben an, dass ihre Finanzen in einem „guten“ oder gar „sehr guten“ Zustand
seien. Dieser Zustand hat Rückwirkungen auf die Investitions- und
Zukunftsaussichten der Städte und Gemeinden und in den Kommunen. 88 Prozent
blicken pessimistisch in die Zukunft (www.sueddeutsche.de/panorama/kfw-umfra
ge-wachsende-sorge-in-kommunen-wegen-enger-finanzen-dpa.urn-newsml-dp
a-com-20090101-240523-99-134381). Das Thema der kommunalen
Altschulden ist 2025 in der Wahrnehmung nochmals gestiegen: Mit 70 Prozent (2024:
50 Prozent) Nennung lässt es andere Themen wie Wohnen, die Unterbringung
Geflüchteter oder den Klimaschutz hinter sich (nachrichten.idw-online.de/202
5/04/15/kommunen-finanzen-dominieren-demokratiesorge-waechst).
Gleichzeitig erschien nach Ansicht der Fragestellerinnen und Fragesteller durch den
Kabinettsbeschluss der damaligen Minderheitsregierung von SPD und BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNENvom 24. Januar 2025 Licht am Ende des Tunnels:
Artikel 143h des Grundgesetzes (GG) sollte dergestalt angepasst werden, dass dem
Bund einmalig die hälftige Übernahme des Entschuldungsvolumens des
jeweiligen Landes möglich ist (www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Press
emitteilungen/Finanzpolitik/2025/01/2025-01-24-kommunale-altschuldenprobl
ematik.html). Der Bundesrat hat daraufhin beschlossen, gegen diesen
Regierungsvorschlag keine Einwände zu erheben (www.bundesrat.de/SharedDocs/do
wnloads/DE/plenarprotokolle/2025/Plenarprotokoll-1053.pdf?__blob=publicati
onFile&v=3). Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD erkennt die
Bundesregierung in Zeile 1764 an, dass es eine kommunale
Altschuldenproblematik gibt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell die Altschulden
aller Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland, und wie haben sie
sich innerhalb der letzten zehn Jahre entwickelt (bitte nach Jahren,
Bundesländern und zusätzlich pro Kopf aufschlüsseln)?
2. Wie hoch ist dabei der Anteil an den bestehenden kommunalen
Altschulden in Form von Kassenkrediten im Verlauf der letzten zehn Jahre (bitte
nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln)?
3. In welcher Höhe bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung weiterhin
in den ostdeutschen Kommunen Altschulden kommunaler
Wohnungsunternehmen, und wie haben sich diese im Verlauf der letzten zehn Jahre
entwickelt (bitte nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln)?
4. Wie hoch war die kumulierte Zinslast durch die kommunalen Altschulden
im Verlauf der letzten zehn Jahre?
5. Plant die Bundesregierung eine entsprechende Änderung von Artikel 143h
GG, die es dem Bund einmalig ermöglicht, die Hälfte des
Entschuldungsvolumens der Länder zu übernehmen?
6. Wann wird die Bundesregierung die ostdeutschen Bundesländer beim
Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz (AAÜG) um weitere
10 Prozentpunkte entlasten, wie im Koalitionsvertrag notiert?
7. Welchen Einfluss hatten die kommunalen Altschulden nach Kenntnis der
Bundesregierung auf das Investitionsverhalten von Kommunen und
Ländern in den letzten 25 Jahren?
8. Welchen Einfluss haben die kommunalen Altschulden auf die
Investitionsvorhaben der Bundesregierung und des Sondervermögens
Infrastruktur?
9. Durch welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, die
Investitionsfähigkeit der durch hohe Altschulden belasteten Kommunen zu erhöhen?
10. Welche Folgen haben die Altschuldenbelastungen der Kommunen aus
Sicht der Bundesregierung für die Bürgerinnen und Bürger, und wie hoch
werden nach Schätzung der Bundesregierung die Einnahmeausfälle für
Länder und Kommunen durch die Kabinettsbeschlüsse vom 4. Juni 2025
(www.bundesregierung.de/breg-de/suche/kabinett-beschliesst-wachstums
booster-2351752) in den nächsten fünf Jahren ausfallen (bitte nach Jahren
und Bundesländern aufschlüsseln)?
11. Durch welche Maßnahmen und innerhalb von welchem Zeitrahmen plant
die Bundesregierung, die Einnahmeausfälle für Länder und Kommunen zu
kompensieren, nachdem laut Koalitionsvertrag auch Mindereinnahmen
der Veranlassungskonnexität unterliegen (Koalitionsvertrag, S. 144)?
12. Durch welche konkreten Maßnahmen wird die im Koalitionsvertrag
vereinbarte Bundesbeteiligung an den Entschuldungsmaßnahmen der Länder
in Höhe von 250 Mio. Euro pro Jahr umgesetzt, fanden hierzu bereits
Gespräche mit den Ländern statt, und welche Ergebnisse wurden erzielt?
13. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Finanzsituation
der Kommunen in den nächsten Jahren strukturell zu verbessern (bitte
nach Programmen, Laufzeit und Höhe der Unterstützung aufschlüsseln)?
14. Wie haben sich die kommunalen Einnahmen im Vergleich zu den
kommunalen Ausgaben im Zeitraum der letzten zehn Jahren nach Kenntnis der
Bundesregierung entwickelt, und welche Gründe bestehen aus Sicht der
Bundesregierung für diese Entwicklung (bitte nach Ausgaben,
Bundesländern und prozentualer Veränderung aufschlüsseln)?
15. Wie viele Kommunen mussten nach Kenntnis der Bundesregierung in den
letzten zehn Jahren unter Haushaltssicherungsmaßnahmen arbeiten (bitte
nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Berlin, den 18. Juni 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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