Frühjahrsdürre und Hitzeprognosen ernst nehmen - Jetzt entschlossen handeln
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Frühjahrsdürre und Hitzeprognosen ernst nehmen - Jetzt entschlossen handeln
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/351
21. Wahlperiode 03.06.2025
Antrag
der Abgeordneten Steffi Lemke, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Julia Schneider,
Lisa Badum, Harald Ebner, Niklas Wagener, Dr. Armin Grau, Dr. Zoe Mayer,
Karl Bär, Johannes Wagner, Katrin Uhlig, Stefan Schmidt, Dr. Ophelia Nick,
Swantje Henrike Michaelsen, Matthias Gastel, Julian Joswig, Sylvia
Rietenberg, Victoria Broßart und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Frühjahrsdürre und Hitzeprognosen ernst nehmen – Jetzt entschlossen
handeln
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Durch die Klimakrise nehmen Dürre und Hitze zu. Das gefährdet zunehmend die
Grundlagen unseres Lebens.
Wasser sichert das Überleben von uns Menschen, unserer Natur, unserer Wirtschaft
und Landwirtschaft. Doch bereits in der ersten Jahreshälfte 2025 zeichnet sich eine
ernste, anhaltende Dürre auf dem Weg zu einem Hitzesommer in Deutschland ab. Der
Boden ist so ausgetrocknet wie noch nie seit Beginn der Messungen vor fast 100
Jahren. Unsere Binnenschifffahrt, Bauernhöfe und Bäckereien ächzen schon jetzt unter
der Last der Trockenheit. Das fehlende Wasser in unseren Flüssen und auf unseren
Feldern führt zu höheren Preisen für Bier, Brot und andere Produkte unseres Alltags.
Ob beim teureren Lebensmitteleinkauf, beim Wald- und Wiesenspaziergang oder in
unserem Garten – wir alle spüren die Folgen des zunehmenden Wassermangels in
unserem Alltag.
Die Waldbrandgefahr ist bereits seit Wochen vielerorts erhöht und schon im Frühjahr
2025 sind Waldbrände aufgetreten. Anhaltende Trockenheit und aufkommende Hitze
führen nicht nur zu Ernteausfällen, sondern verwandeln unsere Marktplätze und
Schulhöfe im Sommer in Hitzefallen. Für Menschen, die auch bei Hitze im Freien arbeiten,
sei es auf der Baustelle oder dem Müllfahrzeug, steigen Gesundheitsbelastung und
Hautkrebsrisiko.
Es braucht konsequentes und bundesweit koordiniertes Vorgehen, um gegenzusteuern
und unseren Wasserhaushalt langfristig zu sichern. Entscheidend ist, dass
entschlossener Klimaschutz nicht auf die lange Bank geschoben wird. In der vergangenen
Legislatur ist es durch entschiedenes Handeln gelungen, die deutschen
Treibhausgasemissionen signifikant zu senken und das Erreichen des 2030-Klimaziels wieder zu
ermöglichen. Diesen Weg muss die neue Bundesregierung entschlossen weitergehen.
Für das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz und für andere Klimaschutz- und
Klimaanpassungsmaßnahmen braucht es mehr Geld, um die negativen Auswirkungen
zunehmender Trockenheitsperioden abzumildern und unseren Wohlstand zu sichern.
Der Deutsche Bundestag begrüßt daher, dass im Rahmen des neuen Sondervermögens
für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und zur Erreichung der
Klimaneutralität bis 2045 100 Milliarden Euro dem Klima- und Transformationsfonds zugeführt
werden. Als weiteren Schritt muss die Bundesregierung zügig zusammen mit Ländern
und demokratischen Oppositionsfraktionen dafür sorgen, dass die Menschen vor Ort
mit dem Geld planen und Projekte schnellstmöglich umsetzen können.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Nationale Wasserstrategie und die aktuelle Deutsche
Klimaanpassungsstrategie umzusetzen;
2. Maßnahmen zu ergreifen, um Wasser in der Landschaft und im Kreislauf zu
halten: Dazu gehören die Wiederherstellung von Mooren und Auen, der Ausbau von
Versickerungsflächen inklusive Maßnahmen für mehr Entsiegelung und weniger
Versiegelung, Grauwassersystemen, Rückbau von Entwässerungsstrukturen,
Rückhaltungs- und Speichersystemen von (Regen-)Wasser in der Landschaft und
in Städten;
3. das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) langfristig zu verstetigen
und auszubauen;
4. alle notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz zu beschließen, um die
Klimaziele von Paris zu erreichen;
5. den Hitzeschutz im Gesundheitsbereich und beim Arbeitsschutz zu verbessern;
6. die Ernährungsgrundlagen langfristig zu sichern, indem mehr Anreize für
agrarökologische Ansätze wie Ökolandbau und Agroforstsysteme geschaffen
werden, die die Bodenfruchtbarkeit verbessern und bei Trockenheit länger Wasser
im Boden halten;
7. die Folgen immer wiederkehrender Dürren für die Mobilität von Menschen und
den Transport von Gütern zu berücksichtigen;
8. die nötigen Finanzierungsgrundlagen für alle notwendigen Maßnahmen vor Ort
und für eine Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung bereitzustellen.
Berlin, den 3. Juni 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Begründung
Zu 1.:
Die Umsetzung ist notwendig, um unsere Lebensgrundlagen und unseren Lebensstandard zu sichern und umfasst
auch eine Unterstützung zum Wassersparen in Landwirtschaft und Industrie einschließlich einem Wassercent,
einer Mindestgebühr für die Grundwassernutzung sowie die Förderung technischer Wassersparmaßnahmen.
Zu 2.:
Um mehr Wasser zu speichern, sind die natürlichen Speicher wie Moore und Auen unverzichtbar.
Um die Flächenversiegelung deutlich zu reduzieren und Entsiegelungspotenziale zu heben, müssen
entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, wie beispielsweise der Fokus auf Bauen im Bestand anstatt Neubau.
Zudem soll das Baurecht dahingehend angepasst werden, dass Städte grüner werden können. Damit ermöglichen
wir eine klimaangepasste Stadtentwicklung hin zur Schwammstadt, die Wasser speichert und das Mikroklima
kühlt, mit mehr Grün- und Baumflächen, Gebäudebegrünung, Zisternen, Frischluftschneisen sowie eine
flächensparende Innenentwicklung und Verkehrsinfrastruktur.
Zu 3.:
Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) wurden auf Grüne Initiative hin im bislang nie da
gewesenen Umfang Mittel von 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um Auen und Moore wiederzubeleben, unsere
Wälder gegen die Klimakrise widerstandsfähiger zu machen und mit mehr Grün frische Luft und mehr
Lebensqualität in unsere Städte zu bringen. Eine gute Abwehr gegen Hitze und Hochwasser, für eine gesündere Natur
und gesündere Menschen. Es ist dringend geboten das ANK langfristig zu verstetigen und auszubauen und damit
zur Stärkung von Dürreprävention, Hitzeschutz, Gewässerrenaturierung und naturnahen und klimaangepassten
Waldökosystemen beizutragen.
Zu 4.:
Erste Äußerungen der Bundesregierung lassen befürchten, dass die Klimaziele in Gefahr sind und Klimaschutz
ins Hintertreffen gerät. Das hat zunehmend einen negativen Einfluss auf die Dürresituation in Deutschland.
Deswegen müssen Maßnahmen wie der Kohle- und Gasausstieg, der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Wärme-
und Mobilitätswende sowie die bereits beschlossene Überführung der nationalen CO2-Bepreisung im Verkehrs-
und Gebäudesektor auf die europäische Ebene (ETS II) weiter konsequent vorangebracht werden. Es ist
essenziell, dass zusätzliche Maßnahmen in den Sektoren Verkehr, Gebäude und Landnutzung (LULUCF), die derzeit
ihre Sektorziele verfehlen, beschlossen werden.
Zu 5.:
In diesem Bereich bestehen Schwachstellen, die von der Bundesregierung dringend behoben werden müssen. Es
muss Priorität der Bundesregierung sein, das Monitoring von Hitzetoten und hitzebedingten Erkrankungen weiter
auszubauen, Hitzeschutz im Arbeitsschutz sowie in der Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen stärker
zu verankern und eine Abrechnungsziffer für ärztliche Hitzeschutzberatung einzuführen. Die Rolle des
Öffentlichen Gesundheitsdiensts im Hitzeschutz gilt es auszubauen, zielgerichtete Aufklärungskampagnen, insbesondere
für vulnerable Gruppen, durchzuführen, den von der Bundesregierung in der vergangenen Legislatur eingeführten
nationalen Hitzeschutzplan fortzuführen, zu evaluieren und weiterzuentwickeln, insbesondere auch mit Blick auf
eine auskömmliche Finanzierung. Der ebenfalls neu etablierte Austausch der Regierung in der Interministerielle
Arbeitsgruppe „Hitzeschutz“ als auch mit Akteuren des Gesundheitswesens muss weitergeführt und vertieft
werden.
Zu 6.:
Zur langfristigen Sicherung der Ernährungsgrundlagen müssen unter anderem bei der Neuausrichtung der GAP
nach 2027 Umwelt- und Klimaleistungen gemäß dem Prinzip „öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen“
einkommenswirksam honoriert. Die Forschung muss ausgebaut und beispielsweise ein Forschungsprogramm für
dürreresiliente Anbauverfahren und gentechnikfreie Sorten aufgelegt werden. Ebenso muss die
Ernährungsstrategie umgesetzt werden, um eine pflanzenbetonte Ernährung zu stärken und beispielsweise mit alternativen
Proteinquellen, mehr Trinkwasserspendern im öffentlichen Raum und in sozialen Einrichtungen sowie Obst und
Gemüse aus wassersparender Produktion eine gesunde Ernährung zu sichern.
Zu 7.:
Um die Verlässlichkeit der Binnenschifffahrt auch in Dürrezeiten sicherzustellen, muss die Entwicklung von
flachwassertauglicheren und klimafreundlichen Schiffen unterstützt werden. Auch die klima- und
energieeffiziente Schiene muss ausgebaut werden, um Ausweichmöglichkeiten für die Kapazitäten der Binnenschifffahrt zu
schaffen. Diese notwendigen Schienenkapazitäten in Dürrezeiten müssen im Deutschlandtakt berücksichtigt
werden.
Zu 8.:
Länder und Kommunen brauchen langfristig Planungssicherheit für Investitionen in Klimaschutz und -anpassung
als neue Aufgabe der Daseinsvorsorge. Daher muss die Bundesregierung zügig zusammen mit Ländern und
demokratischen Oppositionsfraktionen die nötige Finanzierungsgrundlagen anstoßen.
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ISSN 0722-8333]
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