Strukturelle Krise der deutschen Schweinehaltung, Preisverfall, Folgen der Afrikanischen Schweinepest und Wettbewerbsnachteil im EU-Binnenmarkt
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Strukturelle Krise der deutschen Schweinehaltung, Preisverfall, Folgen der Afrikanischen Schweinepest und Wettbewerbsnachteil im EU-Binnenmarkt
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7914
21. Wahlperiode 08.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Bernd Schattner, Peter
Felser, Danny Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Steffen Janich, Enrico
Komning, Stefan Schröder, Lars Schieske, Dario Seifert, Dr. Michael Blos, Olaf
Hilmer und der Fraktion der AfD
Strukturelle Krise der deutschen Schweinehaltung, Preisverfall, Folgen der
Afrikanischen Schweinepest und Wettbewerbsnachteil im EU-Binnenmarkt
Schwankende Erzeugerpreise gehören aufgrund des sogenannten
Schweinezyklus seit jeher zu den Besonderheiten des Schweinemarktes. Nach Phasen
niedriger Preise und einer daraus folgenden Produktionsanpassung folgt
üblicherweise eine Erholung der Erzeugerpreise. Diese Marktbewegungen wiederholen
sich in der Regel in mehrjährigen Abständen (www.bmel-statistik.de/preise/pre
ise-fleisch/schweinezyklus).
Die derzeitige Situation unterscheidet sich jedoch deutlich von diesem
typischen Verlauf. Der Preis für Schlachtschweine ist auf unter 1,50 Euro je
Kilogramm Schlachtgewicht gefallen, während die Produktionskosten erheblich
gestiegen sind. Für zahlreiche Schweinehalter ist eine kostendeckende Erzeugung
derzeit nicht mehr möglich (https://wlv.de/mitgliederservice/agrarinfos/preisstu
rz-verschaerft-krise-der-schweinehalter).
Als Ursache gelten unter anderem Verschiebungen auf dem europäischen
Schweinemarkt. Während die Schweineproduktion in Deutschland in den
vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist, wurde sie insbesondere in
Spanien erheblich ausgeweitet (www.schweine.net/news/spanien-festigt-euspitzenpo
sition-sauenbestand.html). Gleichzeitig führen Absatzverschiebungen innerhalb
des europäischen Binnenmarktes zu einem erhöhten Wettbewerbsdruck auf
deutsche Erzeuger. Eine marktübliche Preiserholung ist bislang ausgeblieben.
Hinzu kommen die anhaltenden Auswirkungen der Afrikanischen
Schweinepest (ASP). Aufgrund bestehender Importbeschränkungen, insbesondere durch
China, sind wichtige Exportmärkte für deutsches Schweinefleisch weiterhin nur
eingeschränkt zugänglich. Vor diesem Hintergrund strebt nach Medienberichten
das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Regionalisierungsabkommen mit Drittstaaten wie China an, um den Export aus
seuchenfreien Regionen Deutschlands wieder zu ermöglichen (www.bmleh.de/Sha
redDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/057-china.html).
Gleichzeitig sehen sich schweinehaltende Betriebe weiterhin mit erheblichen
Unsicherheiten beim Stallumbau, hohen regulatorischen Anforderungen sowie
fehlenden Finanzierungsperspektiven konfrontiert. Branchenvertreter warnen
deshalb vor einem weiteren Strukturbruch insbesondere in der Sauenhaltung
(https://wlv.de/kreisverbaende/minden-lubbecke/aktuell/kreisverbands-meldun
gen/heimische-schweinehalter-stehen-mit-dem-ruecken-zur-wand).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung gebildet zu dem
aktuellen Preisrückgang bei Schlachtschweinen und Ferkeln seit dem
1. Januar 2024, und wenn ja, welche, und geht sie davon aus, dass es sich
noch um einen normalen Schweinepreiszyklus oder bereits um eine
strukturelle Marktkrise handelt (www.fleischwirtschaft.de/markt/nachrichten/p
reisrueckgang-erzeugerpreise-fuer-tiere-weiter-unter-druck-66576)?
2. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
schweinehaltenden Betriebe, der Mastschweinebestand und der
Zuchtsauenbestand in Deutschland seit 2020 entwickelt (bitte jährlich und wenn
möglich nach Bundesländern tabellarisch darstellen)?
3. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse, ob die Zahl der schweinehaltenden
Betriebe seit 2020 deutlich stärker zurückgegangen ist als die Zahl der
gehaltenen Schweine, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht sie
daraus für Familienbetriebe, regionale Wertschöpfung und
Versorgungssicherheit?
4. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Schweinefleischimporte nach Deutschland aus Spanien, Dänemark, den Niederlanden,
Frankreich und Polen seit 2020 entwickelt (bitte jährlich nach Menge,
Warenwert, Schlachtkörpern, Verarbeitungsware und Nebenprodukte
aufschlüsseln)?
5. In welchem Umfang führt die Bundesregierung den aktuellen Preisdruck
auf dem deutschen Schweinemarkt gegebenenfalls auf zusätzliche
Angebotsmengen aus Spanien zurück (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über die
Entwicklung der spanischen Schweineproduktion, des spanischen
Sauenbestandes und der spanischen Schweinefleischexporte seit 2020, und hat sie
sich eine eigene Auffassung erarbeitet zu dieser Entwicklung im Hinblick
auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Schweinehalter (bitte
gegebenenfalls ausführen)?
7. Welche Drittlandsmärkte sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit
dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im Jahr
2020 ganz oder teilweise für deutsches Schweinefleisch beziehungsweise
Schweinefleischprodukte geschlossen oder eingeschränkt worden?
8. Wie hoch schätzt die Bundesregierung gegebenenfalls die seit 2020
entstandenen Exportverluste der deutschen Schweinebranche durch den
Wegfall des chinesischen Marktes ein (www.handelsblatt.com/politik/internati
onal/schweinepest-china-verbietet-import-von-deutschem-schweinefleisc
h/26182300.html) (bitte nach Jahren sowie nach Fleisch, und
Nebenprodukten differenzieren, soweit Daten vorliegen)?
9. Welche konkreten Schritte, Fristen und Zwischenergebnisse umfasst der
mit China angekündigte Fahrplan für ein Regionalisierungsabkommen
(www.rind-schwein.de/brs-news/deutschland-und-china-vereinbaren-fahr
plan-fuer-re.html) (bitte angeben, welche Behörden beteiligt sind, welche
Prüfkriterien gelten und wann die Bundesregierung mit einem
rechtsverbindlichen Abschluss rechnet)?
10. Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die konkreten Gründe dafür,
dass bislang kein Regionalisierungsabkommen mit China abgeschlossen
werden konnte, obwohl andere Staaten wie beispielsweise Frankreich
entsprechende Regionalisierungsmechanismen seit Langem abgeschlossen
haben (www.schweine.net/news/asp-frankreich-erreicht-regionalisierungs
abkommen.html) (bitte veterinärrechtliche, technische und
handelspolitische Hindernisse getrennt darstellen)?
11. Welche weiteren Regionalisierungsabkommen oder
Marktzugangsverbesserungen für deutsches Schweinefleisch verhandelt die Bundesregierung
gegebenenfalls derzeit mit Drittstaaten, insbesondere auf asiatischen
Märkten (bitte je Land die betroffene Produktgruppen und potenziellen
Mengen nennen)?
12. Wie bewertet die Bundesregierung gegebenenfalls die
Wettbewerbswirkung nationaler deutscher Tierhaltungs-, Bau-, Genehmigungs-,
Dokumentations- und Kontrollauflagen gegenüber wichtigen EU-
Wettbewerbern wie Spanien, Dänemark, Frankreich, Polen und den
Niederlanden (bitte darstellen, in welchen Bereichen Deutschland über EU-
Mindeststandards hinausgeht) und welche Mehrkosten je Mastplatz
beziehungsweise Sauenplatz daraus nach Kenntnis der Bundesregierung
entstehen?
13. Liegen der Bundesregierung Informationen vor, ob in Polen die
Schweinehaltung durch Stallneubauten umfangreich mit EU-Finanzmitteln
gefördert wird, und wenn ja, in welcher Höhe, und mit welchen Programmen?
14. Wie viele schweinehaltende Betriebe haben seit Beginn des
Bundesprogramms Umbau der Tierhaltung Anträge auf investive Förderung oder
laufende Mehrkostenförderung gestellt, wie viele Anträge wurden
bewilligt, abgelehnt oder noch nicht beschieden, und welches Fördervolumen
wurde jeweils beantragt und bewilligt (www.ble.de/DE/Projektfoerderun
g/Foerderungen-Auftraege/Bundesprogramm_Umbau_Tierhaltung/BUT_
node.html) (bitte nach Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
15. Reichen die im Bundeshaushalt verfügbaren Mittel nach Einschätzung der
Bundesregierung aus, um den gesetzlich und politisch geforderten Umbau
der Schweinehaltung tatsächlich zu finanzieren, ohne weitere
Betriebsaufgaben auszulösen (bitte den geschätzten Gesamtinvestitionsbedarf, die
vorhandenen Haushaltsmittel und die Zahl eventuell nicht förderfähiger
Betriebe angeben)?
16. Welche Maßnahmen prüft oder plant die Bundesregierung gegebenenfalls,
um einen möglichen drohenden Strukturbruch in der Ferkelerzeugung und
Schweinemast in Deutschland zu verhindern (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller, bitte insbesondere zu steuerlichen Entlastungen,
Liquiditätshilfen, EU-Kriseninstrumenten, privater Lagerhaltung, Absatzförderung und
Exportförderung Stellung nehmen)?
17. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse, ob die Marktmacht großer
Schlachtunternehmen und des Lebensmitteleinzelhandels zur aktuellen
Preisentwicklung zulasten der Schweinehalter beiträgt (bitte
gegebenenfalls darstellen, ob Gespräche mit dem Bundeskartellamt,
Marktteilnehmern oder Branchenverbänden geführt wurden und welche Erkenntnisse
zu Preisgestaltungen und Marktkonzentration vorliegen)?
18. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls zur
Verteilung der Wertschöpfung zwischen Erzeugern, Schlachtung,
Verarbeitung und Lebensmitteleinzelhandel vor?
19. Hat sich die Bundesregierung mit der aus Sicht der Fragesteller
potenziellen Gefahr einer wachsenden Importabhängigkeit Deutschlands nach
einem möglichen drohenden Strukturbruch bei Schweinefleisch, und
Ferkeln, wenn insbesondere die heimische Ferkelerzeugung weiter stark
zurückgeht, auseinandergesetzt, bzw. sich eine eigene Auffassung dazu
erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese (bitte gegebenenfalls Prognosen bis
2030 und 2035 darstellen)?
20. Welche Zielgröße verfolgt die Bundesregierung gegebenenfalls für die
künftige heimische Schweinehaltung in Deutschland (bitte angeben, ob
die Bundesregierung gegebenenfalls eine stabile inländische
Schweinefleischerzeugung, oder eine weitere Reduzierung der Tierbestände
anstrebt und welche weiteren, konkreten Ziele dem zugrunde liegt)?
21. Hat sich die Bundesregierung zu der Entschließung des Europäischen
Parlaments, dass die heimischen Tierhalter stärker unterstützt sowie vor
Konkurrenz durch Importe aus Drittstaaten geschützt werden sollen, um eine
Verlagerung der Produktion ins außereuropäische Ausland zu verhindern
(www.dgs-magazin.de/aktuelles/news/article-10699021-4627/europaparla
ment-fordert-staerkung-der-tierhaltung-.html), eine eigene Positionierung
erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese?
Berlin, den 7. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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