Lage der christlichen Minderheit in Israel und den Palästinensischen Gebieten im Kontext zunehmender Übergriffe auf religiöse Einrichtungen und Personen
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Lage der christlichen Minderheit in Israel und den Palästinensischen Gebieten im Kontext zunehmender Übergriffe auf religiöse Einrichtungen und Personen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7224
21. Wahlperiode 21.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Höchst, Dr. Rainer Rothfuß, Stefan Keuter, Udo Theodor
Hemmelgarn, Dr. Alexander Wolf und der Fraktion der AfD
Lage der christlichen Minderheit in Israel und den Palästinensischen Gebieten im
Kontext zunehmender Übergriffe auf religiöse Einrichtungen und Personen
Israel versteht sich als jüdischer und demokratischer Staat mit garantierter
Religionsfreiheit. Gleichzeitig berichten internationale Medien, kirchliche
Einrichtungen sowie Beobachtungsstellen über zunehmende Spannungen und
Übergriffe gegenüber christlichen Einrichtungen und Geistlichen, insbesondere in
Jerusalem (s. u.).
So wurde am 28. April 2026 eine katholische Ordensfrau auf dem Berg Zion in
Jerusalem tätlich angegriffen. Videoaufnahmen zeigen, wie ein Mann die
Nonne von hinten zu Boden stößt und anschließend auf sie eintritt; sie erlitt
Verletzungen im Gesicht. Die israelische Polizei nahm einen Tatverdächtigen fest und
erklärte, der Angriff werde als mutmaßlich religiös bzw. rassistisch motivierte
Tat bewertet (www.theguardian.com/world/2026/may/-01/video-attack-
frenchnun-jerusalem).
Darüber hinaus dokumentieren zivilgesellschaftliche Organisationen eine
steigende Zahl antichristlicher Vorfälle. Das Rossing Center for Education and
Dialogue weist in seinem Jahresbericht 2025 insgesamt 155 Vorfälle gegen
Christen in Israel und Ost-Jerusalem aus, darunter 61 physische Angriffe, 52 auf
Kirchenbesitz sowie 28 verbale Belästigungen (https://rossingcenter.org/attacks-o
n-christians-in-israel-and-east-jerusalem-annual-report-2025/, vgl Zahlen aus
dem Report vom Jahr 2024: https://rossingcenter.org/the-2024-annual-report/).
Im regionalen Kontext ist der christliche Bevölkerungsanteil im Nahen Osten
insgesamt langfristig stark rückläufig, was nicht zuletzt auf den Bürgerkrieg in
Syrien und die US-Intervention und den anschließenden Bürgerkrieg im Irak
zurückzuführen ist (vgl. www.kas.de/de/web/auslandsinformationen-/artikel/de
tail/content/hoffen-auf-ein-wunder).
Im Kontext des Iran-Kriegs sieht sich das Christentum u. a. im Irak und im
Libanon existenzgefährdenden Tendenzen gegenüber (vgl. https://-de.catholicnew
sagency.com/index.php/news/23561/nahost-krieg-christen-im-libanon-und-im-i
rak-furchten-um-existenz).
Für die Palästinensischen Gebiete berichten internationale Organisationen über
einen erheblichen Rückgang der christlichen Bevölkerung, insbesondere im
Gazastreifen seit der Machtübernahme der islamistischen Hamas im Jahr 2007.
Schätzungen zufolge sank die Zahl der Christen dort von mehreren Tausend auf
heute nur noch wenige Hundert. Berichte verweisen auf eine Kombination aus
sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren,
darunter auch religiös motivierter Druck sowie eingeschränkte
Entfaltungsmöglichkeiten religiösen Lebens (www.opendoors.org/persecution/countries/, https://ac
ninternational.org/religiousfreedomreport/).
Die Gewährleistung der Religionsfreiheit ist ein völkerrechtlich verankerter
Kernbestandteil der internationalen Menschenrechtsordnung und ein erklärtes
Ziel deutscher Außen- und Entwicklungspolitik. Deutschland unterhält enge
bilaterale Beziehungen zum Staat Israel und leistet erhebliche finanzielle und
humanitäre Unterstützung in den Palästinensischen Gebieten. Vor dem
Hintergrund der dokumentierten Übergriffe auf Christen in Jerusalem, des
erheblichen demografischen Rückgangs christlicher Gemeinden insbesondere unter
der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen sowie in den Augen der Fragesteller
offener Fragen zur Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen und zur Kohärenz der
deutschen Menschenrechtspolitik besteht nach Auffassung der Fragesteller ein
berechtigtes parlamentarisches Interesse an einer transparenten, datenbasierten
und regional differenzierten Auskunft der Bundesregierung. Dies dient auch der
parlamentarischen Kontrolle über den Einsatz deutscher Steuergelder und über
die Konsistenz deutscher Interessenpolitik im Nahen Osten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse zur aktuellen Sicherheitslage
christlicher Minderheiten vor, und wenn ja, welche (bitte getrennt nach
dem Staat Israel, dem Gazastreifen und der Westbank aufschlüsseln)?
2. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über Übergriffe auf Christen,
christliche Geistliche oder kirchliche Einrichtungen für die Jahre 2023 bis
2026, und wenn ja, welche (bitte getrennt nach Israel, Gazastreifen und
Westbank sowie nach Jahren, Art der Delikte und Tatorten aufschlüsseln)?
3. Welche eigenen Daten oder Bewertungen liegen der Bundesregierung
gegebenenfalls zu den im Bericht des Rossing Center dokumentierten
155 Vorfällen im Jahr 2025 vor, und inwieweit werden diese Zahlen
gegebenenfalls bestätigt oder abweichend eingeschätzt (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls zu den
Motiven der Täter bei Übergriffen auf Christen vor (bitte differenziert
nach politisch, religiös, ethnisch oder anderweitig motivierten Taten und
getrennt nach Regionen aufschlüsseln)?
5. In wie vielen Fällen kam es nach Kenntnis der Bundesregierung zu
strafrechtlicher Verfolgung und Verurteilung der Täter (vgl. Frage 4; bitte nach
Jahren und Regionen aufschlüsseln)?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls zu
Übergriffen, Diskriminierung, Enteignungen oder sonstigem Druck auf
christliche Einrichtungen und Personen in den Palästinensischen Gebieten vor
(bitte gegebenenfalls nach Art der Vorfälle, Häufigkeit und Regionen
differenzieren)?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls zum
Rückgang der christlichen Bevölkerung im Gazastreifen seit 2007 vor,
und welchen Anteil haben nach Einschätzung der Bundesregierung
gegebenenfalls jeweils
a) sicherheitspolitische Faktoren,
b) wirtschaftliche Faktoren,
c) religiös motivierter Druck,
d) politische Rahmenbedingungen und
e) Auswirkungen der Hamas-Herrschaft und des Krieges seit Oktober
2023?
8. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung erarbeitet zur
Entwicklung der Religionsfreiheit für Christen im internationalen Vergleich
(und wenn ja, welche), differenziert nach
a) Sicherheit von Geistlichen,
b) Schutz religiöser Einrichtungen,
c) Zugang zu heiligen Stätten und
d) strafrechtlicher Verfolgung von Tätern,
jeweils getrennt nach Israel, Gazastreifen und Westbank?
9. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über
Einschränkungen religiöser Praxis für Christen (z. B. Zugang zu heiligen
Stätten, Durchführung religiöser Feiern, Sicherheitsauflagen), getrennt
nach den in Frage 8 genannten Regionen?
10. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls zur
Entwicklung der Zahlen der christlichen Bevölkerung seit dem Jahr 2000 vor
(bitte getrennt nach Israel, Gazastreifen und Westbank und möglichst
jährlich aufschlüsseln)?
11. Welche Ursachen sieht die Bundesregierung gegebenenfalls für die
unterschiedlichen demografischen Entwicklungen christlicher Gemeinschaften
in Israel im Vergleich zu den Palästinensischen Gebieten?
12. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung in den genannten Gebieten
christliche Einrichtungen Ziel von Vandalismus oder Politisch motivierter
Kriminalität geworden, und wenn ja, inwieweit (bitte nach Regionen und
Deliktarten differenzieren)?
13. Welche Maßnahmen ergreifen nach Kenntnis der Bundesregierung die
Behörden des Staates Israel zum Schutz christlicher Minderheiten und
religiöser Einrichtungen?
14. Welche Maßnahmen (oder deren Fehlen) sind der Bundesregierung in den
palästinensischen Gebieten zum Schutz christlicher Minderheiten
bekannt?
15. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung gebildet zur
Wirksamkeit dieser in Frage 14 erfragten möglichen Maßnahmen im Vergleich
zwischen Israel und den Palästinensischen Gebieten anhand konkreter
Kriterien (z. B. Rückgang von Übergriffen, Aufklärungsquote,
Schutzkonzepte), und wenn ja, welche Auffassung vertritt die Bundesregierung?
16. Welche Rolle spielt gegebenenfalls das Thema Religionsfreiheit für
Christen in den bilateralen Beziehungen Deutschlands zu den beteiligten
Akteuren?
17. Fördert die Bundesregierung Projekte oder Programme zur Unterstützung
christlicher Gemeinschaften im Heiligen Land (bitte nach Regionen sowie
Haushaltstiteln, Projekttiteln, Zielgruppen, Fördersummen, Zeiträumen,
Durchführungs- und Trägerorganisationen aufschlüsseln)?
18. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls über
Aktivitäten religiös oder ideologisch motivierter Tätergruppen vor, die
sich in den genannten Gebieten gegen Christen richten (bitte nach
Regionen differenzieren)?
19. Inwieweit liegen der Bundesregierung gegebenenfalls Hinweise darauf
vor, dass Übergriffe auf Christen in den in Frage 10 genannten Gebieten
systematisch zunehmen, und auf welche Datengrundlagen stützt sich diese
Einschätzung (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
20. Hat sich die Bundesregierung eine Positionierung erarbeitet zu den
Berichten internationaler Organisationen über eine steigende Zahl
antichristlicher Vorfälle in Jerusalem sowie über den deutlichen Rückgang
christlicher Gemeinden im Gazastreifen, und wenn ja, welche (bitte Quellen
angeben)?
21. Wenn der Bundesregierung zu einzelnen der vorstehenden Fragen keine
eigenen Daten vorliegen, werden entsprechende Daten erhoben, und wenn
nein, aus welchen Gründen nicht?
22. Verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse zur
a) Anzahl der Asylbewerber aus den Palästinensischen Gebieten seit
2017 (bitte nach Jahren aufschlüsseln),
b) Religionszugehörigkeit der Asylbewerber aus den Palästinensischen
Gebieten seit 2017,
c) Geschlechts- und Altersstruktur der Asylbewerber aus den
Palästinensischen Gebieten seit 2017 (bitte jeweils gemäß der Fragestellung
aufschlüsseln),
d) Rückführungsquote der Asylbewerber aus den Palästinensischen
Gebieten seit 2017 (bitte nach Religionszugehörigkeiten und Jahren
aufschlüsseln)?
Berlin, den 30. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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