Lage der christlichen Gemeinden im Libanon im Kontext von Staatskrise, bewaffneten Konflikten und demografischen Veränderungen
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Lage der christlichen Gemeinden im Libanon im Kontext von Staatskrise, bewaffneten Konflikten und demografischen Veränderungen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7318
21. Wahlperiode 24.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Nicole Höchst, Dr. Rainer Rothfuß, Stefan Keuter, Udo Theodor
Hemmelgarn, Dr. Alexander Wolf und der Fraktion der AfD
Lage der christlichen Gemeinden im Libanon im Kontext von Staatskrise,
bewaffneten Konflikten und demografischen Veränderungen
Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer tiefgreifenden politischen,
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Krise. Der Zusammenbruch staatlicher
Strukturen, die Folgen der Explosion im Hafen von Beirut 2020, die anhaltende
Wirtschaftskrise sowie regionale Konflikte haben zu einer erheblichen
Verschlechterung der Lebensbedingungen geführt (www.securitycouncilreport.org/
monthly-forecast/2026-05/lebanon-38.php).
Nach Einschätzung von Human Rights Watch ist der Libanon in der jüngeren
Vergangenheit und weiterhin von institutionellem Versagen, wirtschaftlichem
Niedergang und zunehmender Unsicherheit geprägt (www.hrw.org/world-repor
t/2025/country-chapters/lebanon).
Zugleich verschärfen militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und
der im Libanon operierenden Hisbollah die Lage insbesondere im Süden des
Landes. Medienberichte dokumentieren dabei auch Schäden an religiösen
Einrichtungen, darunter christliche Gebäude wie Klöster und Kirchen (https://apne
ws.com/article/f1eee1a81a4b1eb846efa1f400537c30).
Der Libanon ist historisch ein konfessionell strukturierter Staat, in dem
christliche Gemeinschaften – insbesondere Maroniten, griechisch-orthodoxe und
andere Kirchen – eine zentrale Rolle im politischen System spielen. Gleichzeitig ist
ihr Bevölkerungsanteil seit Jahrzehnten rückläufig, unter anderem durch
Auswanderung und demografische Entwicklungen.
Analysen weisen darauf hin, dass sich die Lage christlicher Gemeinden
zunehmend durch wirtschaftlichen Druck, politische Marginalisierung,
Sicherheitsrisiken sowie die wachsende Bedeutung nichtstaatlicher bewaffneter Akteure
verändert (www.opendoors.org/research-reports/country-dossiers/WWL-2025-
Lebanon-Persecution-Dynamics).
Zudem verschärft die humanitäre Lage den Druck auf die Gesamtbevölkerung.
Laut internationalen Berichten sind über eine Million Menschen im Libanon
von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen (www.reuters.com/world/
middleeast/more-than-1-million-lebanon-expected-face-acute-food-insecurity-
hungermonitor-2026-04-29/).
Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, wie die
Bundesregierung die Lage der christlichen Gemeinden im Libanon bewertet und
welche politischen Schlussfolgerungen sie daraus zieht.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Verfügt die Bundesregierung über Informationen zur aktuellen Lage der
christlichen Gemeinden im Libanon vor, insbesondere seit 2023, und
wenn ja, welche?
2. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung gebildet zu den
Auswirkungen der wirtschaftlichen und staatlichen Krise im Libanon auf
christliche Gemeinden, kirchliche Einrichtungen und soziale Infrastruktur,
und wenn ja, wie lautet diese?
3. Liegen der Bundesregierung gegebenenfalls Erkenntnisse über die
Abwanderung christlicher Bevölkerungsteile aus dem Libanon vor, und wenn
ja, welche (bitte dabei auch auf deren Umfang und Ursachen eingehen)?
4. Welche belastbaren Daten oder Berichte liegen der Bundesregierung
gegebenenfalls zu Schäden an christlichen Kirchen, Klöstern oder anderen
religiösen Einrichtungen infolge militärischer Auseinandersetzungen im
Libanon vor (bitte gegebenenfalls auch angeben, durch welche
Konfliktpartei nach Kenntnis der Bundesregierung die Schäden verursacht wurden,
wenn hierzu Erkenntnisse vorliegen)?
5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über die
Auswirkungen der militärischen Aktivitäten der Hisbollah auf die
Sicherheitslage christlicher Gemeinden, insbesondere im Süden des Libanon?
6. Inwieweit liegen der Bundesregierung gegebenenfalls Hinweise dazu vor,
dass christliche Gemeinden im Libanon womöglich politisch oder
gesellschaftlich an Einfluss verlieren (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
7. Welche internationalen Berichte (z. B. von Human Rights Watch, Open
Doors, Vereinten Nationen oder von anderen Organisationen) zieht die
Bundesregierung gegebenenfalls zur Bewertung der Lage der Christen im
Libanon heran?
8. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Positionierung erarbeitet zur
langfristigen Entwicklung des konfessionellen Gleichgewichts im Libanon
im Hinblick auf die Stellung der christlichen Bevölkerung, und wenn ja,
wie lautet diese?
9. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über
regionale Unterschiede innerhalb des Libanon hinsichtlich der Sicherheits- und
Lebenslage christlicher Gemeinden?
10. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung im Rahmen ihrer
bilateralen Beziehungen zum Libanon gegebenenfalls, um den Schutz religiöser
Gemeinschaften zu unterstützen?
11. In welcher Form engagiert sich die Bundesregierung im Rahmen
internationaler Organisationen (z. B. Vereinte Nationen, Europäische Union)
gegebenenfalls für Stabilität und den Schutz religiöser Vielfalt im Libanon?
12. Welche humanitären Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung kommen
derzeit auch christlichen Gemeinden oder kirchlichen Organisationen im
Libanon zugute?
13. Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung gegebenenfalls die
besondere Rolle christlicher Einrichtungen (z. B. Schulen, Krankenhäuser) bei
der Stabilisierung des Landes?
14. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls über die
Auswirkungen der Flüchtlingssituation (insbesondere syrische
Flüchtlinge) auf das konfessionelle Gleichgewicht im Libanon vor?
15. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung gegebenenfalls, den
Fortbestand religiöser Vielfalt und insbesondere christlicher Gemeinden
im Libanon langfristig zu unterstützen?
16. Gibt es Projekte oder Vorhaben, welche von der Bundesregierung
finanziert werden und im Sinne der Fragestellung aus Frage 15 wirken, und
wenn ja, welche (bitte die Haushaltstitel, Projekttitel, Zielgruppen,
Fördersummen und den Zeitraum sowie die Durchführungs- und
Trägerorganisationen angeben)?
17. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zum politischen Willen
staatlicher Institutionen im Libanon, zum konfessionellen Gleichgewicht
und zum Schutz religiöser Gemeinschaften gebildet, und wenn ja, wie
lautet diese?
18. Inwieweit macht die Bundesregierung ihre Unterstützung für den Libanon
gegebenenfalls von Fortschritten bei der staatlichen Stabilisierung, der
Gewährleistung der inneren Sicherheit und beim Schutz der religiösen
Vielfalt abhängig?
19. Verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse zur
a) Anzahl der Asylbewerber aus dem Libanon seit 2017 (bittet nach
Jahren aufschlüsseln),
b) Religionszugehörigkeit der Asylbewerber aus dem Libanon seit 2017,
c) Geschlechts- und Altersstruktur der Asylbewerber aus dem Libanon
seit 2017 (bitte jeweils gemäß der Fragestellung aufschlüsseln) und
d) Rückführungsquote der Asylbewerber aus dem Libanon seit 2017
(bitte nach Religionszugehörigkeiten und Jahren aufschlüsseln)
und wenn ja, über welche?
Berlin, den 30. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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