Ausländische Beschäftigte in Engpassberufen
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Ausländische Beschäftigte in Engpassberufen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7127
21. Wahlperiode 13.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Pascal Meiser, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Janina Böttger, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze
Edis, Christian Görke, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Zada Salihović,
Lisa Schubert, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sarah Vollath, Sascha Wagner,
Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Ausländische Beschäftigte in Engpassberufen
Die demografische Entwicklung stellt den deutschen Arbeitsmarkt vor
tiefgreifende strukturelle Herausforderungen. In den kommenden Jahren treten große
geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand ein, während zugleich deutlich
kleinere Kohorten junger Menschen in das Erwerbsleben nachrücken. Zahlreiche
Branchen kämpfen bereits heute mit spürbarem Arbeitskräftemangel – eine
Entwicklung, die sich nach bisherigen Prognosen weiter verschärfen wird. So
erwartet etwa das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung einen Rückgang
der Erwerbsbevölkerung um mehrere Millionen Menschen bis Mitte der
2030er-Jahre.
Ausländische Arbeitskräfte sind in diesem Kontext zu einer tragenden Säule
geworden – insbesondere für Engpass- und Schlüsselberufe, ohne die zentrale
gesellschaftliche Bereiche wie Gesundheitswesen, Pflege, Verkauf, Logistik
oder Gastronomie nicht funktionsfähig wären. Besonders in ostdeutschen
Bundesländern ist der Beitrag ausländischer Arbeitskräfte heute schon
unverzichtbar, weil dort die demografischen Veränderungen früher und deutlicher
durchschlagen.
Damit stellt sich für die Fragestellenden die Frage, welche politischen
Rahmenbedingungen eine faire und nachhaltige Fachkräftezuwanderung ermöglichen.
Ebenso relevant erscheint, welchen Einfluss migrationspolitische Debatten und
gesellschaftliche Stimmungen auf die Attraktivität Deutschlands für
Arbeitskräfte aus dem Ausland haben – ein Aspekt, den die aktuelle Forschung, wie
die DeZIM-Studie (DeZIM = Deutsches Zentrum für Integrations- und
Migrationsforschung) „Jenseits der Verwertungslogik?“ (www.dezim-institut.de/publik
ationen/publikation-detail/jenseits-der-verwertungslogik/), ausdrücklich
hervorhebt.
Von besonderem Interesse sind dabei nicht nur die Weiterentwicklung der
Sprachförderung und die Anerkennung ausländischer Qualifikationen, sondern
ebenso die Arbeits- und Lebensbedingungen, die Möglichkeiten sozialer
Teilhabe und langfristiger Bleibeperspektiven.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die absoluten Zahlen
und der prozentuale Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen
(Engpassbewertung ≥2,0) seit 2015 in Deutschland entwickelt (bitte die
aktuellsten verfügbaren Daten ausweisen und nach Jahren sowie nach Ost
und West, Bundesländern und Berufsgruppen differenzieren)?
2. Welchen aufenthaltsrechtlichen Status besitzen die in Engpassberufen
beschäftigten ausländischen Arbeitskräfte nach Kenntnis der
Bundesregierung (bitte jeweils absolut und prozentual für die unterschiedlichen
Statusgruppen ausweisen sowie, soweit möglich, für die jeweiligen
Engpassberufe und nach Bundesländern differenzieren)?
3. Wie viele ausländische Beschäftigte in Engpassberufen verfügen nach
Kenntnis der Bundesregierung über einen unbefristeten Aufenthaltstitel,
und wie hat sich dieser Anteil innerhalb der letzten zehn Jahre verändert?
4. Wie verteilen sich nach Kenntnis der Bundesregierung ausländische
Beschäftigte in Engpassberufen nach Herkunftsregionen bzw.
Herkunftsländern?
5. Welche jährliche Nettozuwanderung ist nach Kenntnis der
Bundesregierung erforderlich, um das Arbeitskräfteangebot in Deutschland langfristig
stabil zu halten (bitte auch nach Ost und West differenzieren)?
6. Welche Maßnahmen plant oder fördert die Bundesregierung speziell zur
sprachlichen, sozialen und beruflichen Integration ausländischer
Beschäftigter in Engpassberufen?
7. Wie bewertet die Bundesregierung die Bedeutung kommunaler und
landespolitischer Rahmenbedingungen (z. B. Wohnraum, Kita-Plätze,
Integrationseinrichtungen) für die erfolgreiche Integration ausländischer
Fachkräfte, und wie koordiniert sie sich mit Ländern und Kommunen in
diesem Bereich?
8. Welche gesetzlichen Änderungen prüft oder plant die Bundesregierung,
um Aufenthaltsqualität und langfristige Bleibeperspektiven ausländischer
Arbeitskräfte in Engpassberufen zu verbessern?
9. Ist der Bundesregierung die Studie „Jenseits der Verwertungslogik?“ des
DeZIM-Instituts bekannt, und welche Schlüsse zieht sie daraus für die
Fachkräfteanwerbung und Integration?
10. Ist der Bundesregierung die Studie „Expat Insider 2025“ von InterNations
bekannt, und welche Schlüsse zieht sie daraus insbesondere mit Blick auf
das schlechte Abschneiden Deutschlands insgesamt und bei den Feldern
Willkommenskultur bzw. Einfindung (www.internations.org/content-asset
s/static/dd4b614d816f1b6777b53d4fe8d0e206/Expat-Insider-2025-surve
y-report_by-InterNations.pdf)?
11. Wie bewertet die Bundesregierung aktuelle Zahlen, nach denen
Diskriminierungserfahrungen eine wichtige Rolle spielen, bei der Entscheidung
ausländischer Fachkräfte, Deutschland zu verlassen (www.dezim-institu
t.de/fileadmin/user_upload/fis/publikation_pdf/FA-6470.pdf)?
12. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der Migrationskonferenz
der Bundesagentur für Arbeit im Januar 2026 in Berlin?
13. Wie bewertet die Bundesregierung, dass die Fortzüge von EU-
Staatsangehörigen zuletzt die Zuzüge dieser Gruppe überstiegen hat, und
welche Gründe führen laut Bundesregierung zu dieser Entwicklung?
14. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen
ausländerfeindlicher und migrationspolitisch polarisiert geführter Debatten hinsichtlich
der Attraktivität Deutschlands für Arbeitskräfte aus dem Ausland, und
welche Maßnahmen plant sie gegebenenfalls, um etwaigen negativen
Effekten entgegenzuwirken?
Berlin, den 9. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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