Rede von Ute Granold (CDU/CSU) – Unterrichtung durch den
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 12 a: Beratung der Unterrichtung durch den.
Text
Rede von Ute Granold (CDU/CSU) – Unterrichtung durch den
Herr Kollege Beck, Sie haben gerade anhand des
Falles Daschner ausgeführt, dass unser Rechtsstaat
funktioniert.
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Er hat sich selbst angezeigt!)
Darauf können wir stolz sein. Deutschland ist ein
Rechtsstaat, der weltweit seinesgleichen sucht.
Können Sie bestätigen, dass, wenn es diesen
Kontrollmechanismus gibt, wir für diese Maßnahme
300 000 Euro in den Haushalt einstellen, wir dahin
gehend Einvernehmen erzielt haben, dass wir dann eine
Evaluation vornehmen wollen, um festzustellen, ob
mehr Geld – dem verschließen wir uns nicht –
erforderlich ist?
Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Es geht um die Grundannahmen. Es geht darum, vor
welchem Hintergrund man über diese Frage diskutiert.
Selbstverständlich ist Deutschland ein sehr guter
Rechtsstaat. Ob er seinesgleichen sucht, weiß ich nicht. In
Europa gibt es noch viele andere Rechtsstaaten. Ich glaube,
wir sollten nicht überheblich sein und behaupten, dass
wir Deutschen auch das viel besser können, weil wir im-
Volker Beck (Köln)mer alles viel besser können. Ich finde, diese Tonlage ist
unangemessen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Meine Güte!
Waren Sie schon mal im Ausland?)
– Wenn Sie diese Tonlage für angemessen halten, ist das
Ihre Sache. Das respektiere ich. Ich finde, das ist die
falsche Haltung gegenüber unseren europäischen
Nachbarn.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Abg. Ute Granold [CDU/CSU] nimmt wieder
Platz)
Frau Granold, ich bin noch bei der Beantwortung
Ihrer Frage. Deshalb bitte ich Sie, entsprechend den
Gepflogenheiten des Hauses stehenzubleiben; denn meine
Redezeit läuft sonst gleich ab.
Wir müssen das Ganze unter folgender Fragestellung
diskutieren: Welches Signal senden wir an andere
Staaten aus? Was soll Marieluise Beck sagen, wenn sie nach
Russland oder Zentralasien fährt? Soll sie sagen: Ja, wir
haben vier Ehrenamtliche dafür!?
(Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]:
Das ist doch nicht die Antwort! Das ist
Zeitschinden!)
– Das ist die Antwort auf die Frage. Wenn Sie mich
fragen, müssen Sie mir die Antwort überlassen. So ist das
in der Demokratie.
Wir müssen den Ländern sagen – das ist das
Entscheidende –: Wir machen das so wirkungsvoll, dass ihr das
nachmachen könnt. Wenn wir das mangelhaft machen,
werden sie sich auch daran orientieren und sich darauf
herausreden. Das wird insbesondere für die Länder
gelten, die Unterstützung beim Thema Folterprävention
eigentlich dringend nötig hätten.
Nicht ohne Grund hat uns der UN-
Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, heute ins Stammbuch
geschrieben, dass er den Gesetzentwurf, den wir auf dem
Tisch haben, kritisiert. Ich zitiere aus einer Meldung der
Nachrichtenagentur des Evangelischen Pressedienstes:
Er bezweifele, ob Deutschland die Konvention zur
Folterprävention angemessen umsetzt und
genügend bezahltes Personal bereitstellt, sagte Nowak
im Deutschlandradio Kultur. „Mit ein paar
unbezahlten, freiwilligen Mitarbeitern kann man diese
wichtige Aufgabe sicherlich nicht durchführen.“
Recht hat er. Stimmen Sie unserem Antrag zu, damit wir
eine Blamage Deutschlands bei der Ratifizierung
verhindern. Noch ist das möglich.