Rede von Florian Toncar (FDP) – Unterrichtung durch den
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 12 a: Beratung der Unterrichtung durch den.
Text
Rede von Florian Toncar (FDP) – Unterrichtung durch den
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Die
parlamentarische Behandlung der Konvention, über die wir heute
sprechen, ist ein angenehmer Anlass. Ich glaube aber,
Florian Toncarwir sind uns einig, dass der Schutz vor Folter ein ernstes,
weil ein gegenwärtiges Thema ist und dass wir die
Ächtung der Folter als zentrale zivilisatorische
Errungenschaft auch weiterhin aktiv verteidigen müssen.
Es ist immer wieder unvorstellbar, was Menschen
einander antun können. Wir wissen, dass Folter in der
Welt heute noch weit verbreitet ist. Selbst dort, wo die
Folter offiziell, also nach den Gesetzen eines Landes,
abgeschafft ist, herrscht nicht selten ein Klima, in dem es
regelmäßig zu Misshandlungen in Gefängnissen oder auf
Polizeistationen kommt, ohne dass diese geahndet
werden. Lange hat das Völkerrecht gebraucht, um auf diese
Probleme eine Antwort zu finden. Die UN-
Antifolterkonvention von 1984 stellt dazu den entscheidenden
Beitrag dar.
Natürlich wissen wir, dass Folter heute hauptsächlich
ein Problem von klassischen Unrechtsstaaten ist, die
keine entwickelte Justiz haben. Ich möchte aber auch
sagen, wie sehr mich beunruhigt, dass etwa im Zuge des
Kampfes gegen den Terrorismus auch in entwickelten
Rechtsstaaten Folter teils diskutiert und teils – Stichwort
„Waterboarding“ – auch praktiziert wird. Das ist eine
höchst beunruhigende Entwicklung.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich glaube, dass wir auch dadurch, wie wir heute
abstimmen, deutlich machen müssen, dass wir gegen jede
Aufweichung des absoluten Folterverbotes in
Deutschland und auch in der Welt sind. Natürlich steht die
Misshandlung von Menschen bei uns in Deutschland unter
Strafe. Natürlich treffen wir bereits heute weiter gehende
Maßnahmen, um Folter zu vermeiden. Wir schieben
beispielsweise keine Ausländer ab, wenn ihnen dann Folter
droht, und wir verwerten durch Folter erlangte Aussagen
nicht in Strafverfahren.
(Michael Leutert [DIE LINKE]: Ach so! Das
ist mir aber ganz neu!)
Neu ist aber – das soll heute umgesetzt werden –, dass
wir zu einer aktiven Folterprävention kommen. Wir
wollen einerseits ein Vorbild für andere Staaten abgeben, die
diesem Mechanismus beitreten wollen, indem wir das
Zusatzprotokoll in Deutschland vorbildlich umsetzen.
Andererseits wollen wir durch aktive Kontrolle und
Prävention dafür sorgen, dass Misshandlungen in
staatlichen Einrichtungen – bei uns handelt es sich dabei
immer nur um Einzelfälle – noch weiter gehender
unterbunden werden, als es bislang durch das Strafrecht getan
wird. Aus diesem Grund kommt der heute anstehenden
Ratifizierung wirklich große Bedeutung zu.
Es ist immer gut, wenn eine staatliche Instanz durch
unabhängige Experten kontrolliert wird. Das ist kein
Ausdruck des Misstrauens gegen die Mitarbeiter in
solchen Einrichtungen; ihnen vertrauen wir grundsätzlich.
Wir wissen aber auch: Je mehr es in den
Grundrechtebereich hineingeht, je sensibler die Bereiche sind – ich
nenne beispielsweise Gefängnisse oder
Polizeistationen –, umso gründlicher muss die Kontrolle sein, damit
auch die wenigen Einzelfälle von Misshandlungen
aufgedeckt werden. Dass es dabei immer besser ist, wennjemand von außen kontrolliert und nicht jemand, der aus
dem Apparat bzw. der Behörde selbst stammt, ist, wie
ich glaube, uns allen klar.
Insofern ist die Tatsache, dass das Zusatzprotokoll
nunmehr ratifiziert wird, auch für die FDP-Fraktion ein
Grund zur Freude.
Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch kritische
Anmerkungen.
Die Vorlaufzeit bis zur Ratifikation war sehr lang; das
hing damit zusammen, dass sich Bund und Länder
zunächst nicht über die Umsetzung der Konvention in
unseren nationalen Präventionsmechanismus einigen
konnten. Keiner von uns möchte überflüssige neue Strukturen
schaffen.
Keiner von uns möchte, dass neu einzustellende
Beamte bzw. staatliche Angestellte Dinge tun, die längst
getan werden. Darum geht es keinem von uns. Es geht
vielmehr darum, dass die Instrumente, die auf Bundes-
und Länderebene bestehen, vernetzt und koordiniert
werden und jemand dafür sorgt, dass keine Schutzlücken
entstehen. Das muss sichergestellt sein. In diesem Falle
kann man nicht davon reden, dass neue bzw. zusätzliche
Bürokratie geschaffen wird.
Was wir wollen, wird mit den derzeit vorgesehenen
Ressourcen nur schwer zu erreichen sein. Die
Länderkommission, die eine ganz wichtige Aufgabe erfüllt,
weil sich die meisten Einrichtungen, um die es geht, in
Trägerschaft der Länder befinden, ist mit vier
Ehrenamtlichen besetzt, die die Kontrollaufgaben übernehmen.
Dass diese Ehrenamtlichen in 16 Bundesländern keine
ausreichende Präsenz in den vielen Einrichtungen zeigen
können, liegt auf der Hand.
Der Bund finanziert im Wesentlichen lediglich eine
neue Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters. Das
Gesamtbudget für den Nationalen
Präventionsmechanismus beträgt 300 000 Euro. Das ist ausgesprochen wenig.
Unter diesen Umständen wird es nicht mehr geben als
nur Stichproben. Anders gesagt: Wenn auch nur eine
einzige Kontrolle irgendwo im Bundesgebiet stattfindet,
geht bei der Koordinierungsstelle nur der
Anrufbeantworter an.
Wir sind zwar glücklich, dass es Fortschritte gegeben
hat, aber wir sehen auch die Defizite. Die FDP-Fraktion
möchte, dass das Instrument, das wir jetzt einführen,
zügig evaluiert wird. Der Menschenrechtsausschuss wird
sich mit Sicherheit auch mit den Personen, die diese
Kontrollen konkret vornehmen, zusammensetzen und
sich von ihrer Arbeit berichten lassen.
Der zum Ratifikationsgesetz vorgelegte Antrag der
Grünen nennt notwendige Aspekte – sowohl
internationale als auch innerstaatliche –, die wir beachten müssen.
Die FDP schließt sich den entsprechenden Forderungen
an. Wir selbst haben einen Antrag eingebracht, in dem
ähnliche Gedanken aufgegriffen wurden und der im
Laufe dieses Jahres im parlamentarischen Verfahren
bedauerlicherweise von der Koalition abgelehnt worden
ist. Wir werden deshalb dem inhaltlich sehr ähnlichen
Florian ToncarAntrag der Grünen zustimmen und hoffen sehr, dass wir
das Instrument so effektiv wie möglich ausgestalten
können.
(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Relationen
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