Rede von Dr. Peter Danckert (SPD) – Drucksache 16/11217
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3 und 4: Drucksache 16/11217 –.
Text
Rede von Dr. Peter Danckert (SPD) – Drucksache 16/11217
Herr Kollege Mayer, mir ist bei Ihrer Rede
aufgefallen, dass Sie sich heute noch nicht zur
Olympiabewerbung geäußert haben. Ich gebe Ihnen Gelegenheit, uns
zu sagen, ob Sie Ihre Meinung in dieser Frage geändert
haben oder ob diese Bewerbung nach wie vor ein
gemeinsames Anliegen unserer Koalition ist.
Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU):
Sehr verehrter Herr Vorsitzender, lieber Herr Kollege
Danckert, ich danke Ihnen, dass Sie meiner Rede
vorgreifen. Ich werde Ihnen im Nachhinein meinen
Stichwortzettel zeigen; dann werden Sie sehen, dass dieses
Thema jetzt unmittelbar von mir angesprochen worden
wäre. Aber Sie verlängern dadurch natürlich meine
Redezeit. Ich weiß, dass ich Sie außerordentlich enttäuscht
hätte, wenn ich die Olympiabewerbung für 2018 nicht
angesprochen hätte.
Ich komme also zu meinem nächsten Punkt, den
sportlichen Großereignissen. Natürlich ist Deutschland
auch Austragungsort für herausragende Großereignisse.
Im nächsten Jahr wird hier in der Bundeshauptstadt die
Leichtathletikweltmeisterschaft stattfinden, im Jahr 2011
die Ski-alpin-WM in Garmisch-Partenkirchen. Es ist
unser aller Ziel – ich hoffe, ich habe Sie alle mit im Boot –,
die schon gestartete Bewerbung Münchens zusammen
mit Garmisch-Partenkirchen für die Olympischen
Winterspiele 2018 zu befördern. Wir sind auf einem guten
Weg. Auch der Sportausschuss tut gut daran, diese
Bewerbung tatkräftig und nachdrücklich zu unterstützen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der
FDP)
Nicht nur das Austragen von Spitzensportereignissen
in Deutschland ist ein guter Werbeträger für unser Land,
sondern auch die auswärtige Bildungs- und
Kulturpolitik. Auch auf diesem Gebiet ist in den letzten Jahren
Gott sei Dank einiges erreicht worden: Trainingslager
werden mitfinanziert und Trainer unterstützt,
insbesondere in afrikanischen Ländern. Insoweit trägt die
Sportförderung des Bundes auch zu Frieden und
Völkerverständigung bei.
Sportpolitik vollzieht sich nicht nur auf Landes- und
Bundesebene, Sportpolitik vollzieht sich auch auf
europäischer Ebene. Die EU-Kommission hat das Weißbuch
„Sport“ am 10. Juli des letzten Jahres verabschiedet. Das
Weißbuch „Sport“ ist grundsätzlich zu begrüßen. Darin
wird klargemacht, dass dem Sport ein besonderer Stel-lenwert zukommt. Ich denke, dass wir als Parlamentarier
gut beraten sind – das gilt insbesondere für die
Bundesregierung –, immer wieder klarzumachen, dass bei der
Sportpolitik und der Sportförderung der hehre und
wichtige Grundsatz der Subsidiarität und die Autonomie des
Sportes zu beachten sind. Ich hätte Bauchschmerzen – das
sage ich in aller Offenheit –, wenn wir, was die
Sportpolitik anbelangt, sukzessive Kompetenzen von den
Nationalstaaten an die europäische Ebene abgeben würden.
Es ist gut, dass die EU-Kommission auf diesem Gebiet
koordinierend tätig ist; das ist keine Frage. Es ist auch zu
begrüßen, dass ein EU-Sportprogramm erarbeitet
werden soll. Als Parlamentarier sind wir gut beraten, uns
sehr frühzeitig in die Ausgestaltung dieses
Sportprogramms einzubringen. Insgesamt gesehen sollte es aber
bei dem Grundsatz bleiben: Die Sportpolitik ist auf
kommunaler, Landes- und Bundesebene in bester Hand.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der SPD)
Ich danke dem Bundesinnenminister ganz herzlich
dafür, dass er das Programm „Sport und Wettbewerb“
initiiert hat. Es bringt meines Erachtens eine
Besonderheit des Sports in herausragender Weise zum Ausdruck:
Wir haben einen freien Binnenmarkt in Europa; der ist
wichtig, und davon profitiert Deutschland in
wirtschaftlicher Hinsicht sehr stark. Wir müssen aber auch zur
Kenntnis nehmen, dass der Sport in vielerlei Hinsicht
Spezifika aufweist. Insbesondere was das Kartellrecht
anbelangt, was die Verwertung von Medienrechten und
Lizenzvergaberechten anbelangt, muss man
berücksichtigen, dass es beim Sport gewisse Besonderheiten gibt.
Ich bin der FIFA sehr dankbar dafür, dass sie mit dem
Modell „6 plus 5“ eines ganz klar propagiert, nämlich
dass nationale Nachwuchskräfte trotz des Bosman-
Urteils die Chance haben müssen, in Spitzenvereinen, sei
es im Fußball, im Handball oder im Basketball, in den
deutschen Bundesligen zum Einsatz zu kommen. Das ist
ein wichtiger Ansatzpunkt. Ich glaube, wir sind gut
beraten, dieses Programm zu fördern.
(Beifall bei der CDU/CSU – Detlef Parr
[FDP]: Das ist auch ein guter Teil eures
Antrages!)
Gesundheitsvorsorge spielt im Sport natürlich eine
große Rolle. Ich begrüße die Initiative „In Form“ der
Bundesregierung. Sportliche Betätigung ist die beste
Medizin gegen Adipositas, gegen bestimmte Herz-
Kreislauf-Erkrankungen und gegen Diabetes.
Entscheidend ist insbesondere, dass das in der deutschen
Gesellschaft um sich greifende Übergewicht am besten
durch sportliche Betätigung abgebaut werden kann.
Zum Abschluss möchte ich sagen: Sport ist ein
herausragendes Kulturgut,
(Ute Kumpf [SPD]: Da müssen sich die
Männer ein bisschen anstrengen! – Dr. Peter
Danckert [SPD]: Und gehört ins
Grundgesetz!)
und Deutschland ist Sportland. Deswegen sind wir als
Parlamentarier gut beraten – daran sollten wir uns
ausrichten –, alles dafür zu tun, die sportliche Betätigung
und ehrenamtliches Engagement in Deutschland zu
unterstützen. Mit dem Gesetz zur weiteren Stärkung des
bürgerschaftlichen Engagements haben wir in dieser
Legislaturperiode einiges geschafft. Wir werden Weiteres
erreichen, zum Beispiel die Haftungsregelungen
reduzieren.