polradar

Rede von Dr. Peter Danckert (SPD) – Drucksache 16/11217

dip / rede 04.12.2008 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3 und 4: Drucksache 16/11217 –.

Im Graph öffnen

Text

Rede von Dr. Peter Danckert (SPD) – Drucksache 16/11217 Herr Kollege Mayer, mir ist bei Ihrer Rede aufgefallen, dass Sie sich heute noch nicht zur Olympiabewerbung geäußert haben. Ich gebe Ihnen Gelegenheit, uns zu sagen, ob Sie Ihre Meinung in dieser Frage geändert haben oder ob diese Bewerbung nach wie vor ein gemeinsames Anliegen unserer Koalition ist. Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Sehr verehrter Herr Vorsitzender, lieber Herr Kollege Danckert, ich danke Ihnen, dass Sie meiner Rede vorgreifen. Ich werde Ihnen im Nachhinein meinen Stichwortzettel zeigen; dann werden Sie sehen, dass dieses Thema jetzt unmittelbar von mir angesprochen worden wäre. Aber Sie verlängern dadurch natürlich meine Redezeit. Ich weiß, dass ich Sie außerordentlich enttäuscht hätte, wenn ich die Olympiabewerbung für 2018 nicht angesprochen hätte. Ich komme also zu meinem nächsten Punkt, den sportlichen Großereignissen. Natürlich ist Deutschland auch Austragungsort für herausragende Großereignisse. Im nächsten Jahr wird hier in der Bundeshauptstadt die Leichtathletikweltmeisterschaft stattfinden, im Jahr 2011 die Ski-alpin-WM in Garmisch-Partenkirchen. Es ist unser aller Ziel – ich hoffe, ich habe Sie alle mit im Boot –, die schon gestartete Bewerbung Münchens zusammen mit Garmisch-Partenkirchen für die Olympischen Winterspiele 2018 zu befördern. Wir sind auf einem guten Weg. Auch der Sportausschuss tut gut daran, diese Bewerbung tatkräftig und nachdrücklich zu unterstützen. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP) Nicht nur das Austragen von Spitzensportereignissen in Deutschland ist ein guter Werbeträger für unser Land, sondern auch die auswärtige Bildungs- und Kulturpolitik. Auch auf diesem Gebiet ist in den letzten Jahren Gott sei Dank einiges erreicht worden: Trainingslager werden mitfinanziert und Trainer unterstützt, insbesondere in afrikanischen Ländern. Insoweit trägt die Sportförderung des Bundes auch zu Frieden und Völkerverständigung bei. Sportpolitik vollzieht sich nicht nur auf Landes- und Bundesebene, Sportpolitik vollzieht sich auch auf europäischer Ebene. Die EU-Kommission hat das Weißbuch „Sport“ am 10. Juli des letzten Jahres verabschiedet. Das Weißbuch „Sport“ ist grundsätzlich zu begrüßen. Darin wird klargemacht, dass dem Sport ein besonderer Stel-lenwert zukommt. Ich denke, dass wir als Parlamentarier gut beraten sind – das gilt insbesondere für die Bundesregierung –, immer wieder klarzumachen, dass bei der Sportpolitik und der Sportförderung der hehre und wichtige Grundsatz der Subsidiarität und die Autonomie des Sportes zu beachten sind. Ich hätte Bauchschmerzen – das sage ich in aller Offenheit –, wenn wir, was die Sportpolitik anbelangt, sukzessive Kompetenzen von den Nationalstaaten an die europäische Ebene abgeben würden. Es ist gut, dass die EU-Kommission auf diesem Gebiet koordinierend tätig ist; das ist keine Frage. Es ist auch zu begrüßen, dass ein EU-Sportprogramm erarbeitet werden soll. Als Parlamentarier sind wir gut beraten, uns sehr frühzeitig in die Ausgestaltung dieses Sportprogramms einzubringen. Insgesamt gesehen sollte es aber bei dem Grundsatz bleiben: Die Sportpolitik ist auf kommunaler, Landes- und Bundesebene in bester Hand. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Ich danke dem Bundesinnenminister ganz herzlich dafür, dass er das Programm „Sport und Wettbewerb“ initiiert hat. Es bringt meines Erachtens eine Besonderheit des Sports in herausragender Weise zum Ausdruck: Wir haben einen freien Binnenmarkt in Europa; der ist wichtig, und davon profitiert Deutschland in wirtschaftlicher Hinsicht sehr stark. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass der Sport in vielerlei Hinsicht Spezifika aufweist. Insbesondere was das Kartellrecht anbelangt, was die Verwertung von Medienrechten und Lizenzvergaberechten anbelangt, muss man berücksichtigen, dass es beim Sport gewisse Besonderheiten gibt. Ich bin der FIFA sehr dankbar dafür, dass sie mit dem Modell „6 plus 5“ eines ganz klar propagiert, nämlich dass nationale Nachwuchskräfte trotz des Bosman- Urteils die Chance haben müssen, in Spitzenvereinen, sei es im Fußball, im Handball oder im Basketball, in den deutschen Bundesligen zum Einsatz zu kommen. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt. Ich glaube, wir sind gut beraten, dieses Programm zu fördern. (Beifall bei der CDU/CSU – Detlef Parr [FDP]: Das ist auch ein guter Teil eures Antrages!) Gesundheitsvorsorge spielt im Sport natürlich eine große Rolle. Ich begrüße die Initiative „In Form“ der Bundesregierung. Sportliche Betätigung ist die beste Medizin gegen Adipositas, gegen bestimmte Herz- Kreislauf-Erkrankungen und gegen Diabetes. Entscheidend ist insbesondere, dass das in der deutschen Gesellschaft um sich greifende Übergewicht am besten durch sportliche Betätigung abgebaut werden kann. Zum Abschluss möchte ich sagen: Sport ist ein herausragendes Kulturgut, (Ute Kumpf [SPD]: Da müssen sich die Männer ein bisschen anstrengen! – Dr. Peter Danckert [SPD]: Und gehört ins Grundgesetz!) und Deutschland ist Sportland. Deswegen sind wir als Parlamentarier gut beraten – daran sollten wir uns ausrichten –, alles dafür zu tun, die sportliche Betätigung und ehrenamtliches Engagement in Deutschland zu unterstützen. Mit dem Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements haben wir in dieser Legislaturperiode einiges geschafft. Wir werden Weiteres erreichen, zum Beispiel die Haftungsregelungen reduzieren.

Relationen