Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken - Nationale Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen
Text
Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken - Nationale Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen
Antrag
der Abgeordneten Danny Meiners, Stephan Protschka, Bernd Schattner, Peter
Felser, Christian Reck, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Steffen Janich,
Stefan Schröder, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Andreas
Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Thomas Korell,
Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul
Schmidt, Alexander Arpaschi, Joachim Bloch, René Bochmann, Thomas
Dietz, Boris Gamanov, Alexis L. Giersch, Mirco Hanker, Udo Theodor
Hemmelgarn, Nicole Höchst, Dr. Malte Kaufmann, Rocco Kever, Kurt
Kleinschmidt, Achim Köhler, Iris Nieland, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß,
Manfred Schiller, Dr. Paul Schmidt, Georg Schroeter, Thomas Stephan,
Martina Uhr, Sven Wendorf, Dr. Daniel Zerbin, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons
und der Fraktion der AfD
Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken – Nationale
Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Waldbrandgefahr in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich
zugenommen. Wissenschaftliche Analysen und einsatzbezogene Auswertungen bestätigen,
dass Vegetationsbrände in Deutschland zunehmend häufiger auftreten und
Einsatzkräfte vor wachsende Herausforderungen gestellt werden. Waldbrände auf
munitionsbelasteten Flächen, insbesondere auf militärischen Liegenschaften, stellen aufgrund
der Explosionsgefahr und eingeschränkter Zugänglichkeit eine besondere
Herausforderung für eine effektive Brandbekämpfung dar.
Aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der AfD
„Waldbrandbekämpfung in Deutschland“ auf Bundestagsdrucksache 21/2367 ergibt
sich, dass die Waldbrandbekämpfung in Deutschland weiterhin überwiegend föderal
organisiert ist und maßgeblich in der Verantwortung der Länder und Kommunen liegt.
Eine bundesweit einheitliche Strategie zur Waldbrandprävention und
Waldbrandbekämpfung existiert bislang nicht.
Die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort darauf, dass Ausstattung, Organisation
und Einsatz der Feuerwehren sowie Maßnahmen der Gefahrenabwehr grundsätzlich
Aufgaben der Länder und Kommunen sind (Bundestagsdrucksache 21/2367).
Gleichzeitig zeigt die Antwort, dass bundesweit koordinierte Ansätze etwa bei Forschung,
Risikoanalyse, Ausbildung, europäischer Zusammenarbeit und strategischer Planung
eine wichtige Ergänzung der föderalen Strukturen darstellen können.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6033
21. Wahlperiode 20.05.2026
Darüber hinaus wird in der forstwissenschaftlichen Fachwelt seit Jahren darauf
hingewiesen, dass Kenntnisse über Waldbrandentstehung, Vegetationsbranddynamik und
spezielle Bekämpfungsmethoden in der forstlichen Ausbildung zunehmend an
Bedeutung verlieren. Eigenständige Lehrveranstaltungen zur Waldbrandkunde oder
Vegetationsbrandbekämpfung sind an vielen forstlichen Hochschulen und Fakultäten nicht
mehr fester Bestandteil des Curriculums oder werden nur noch punktuell im Rahmen
anderer Module behandelt.
Fachinstitutionen weisen jedoch darauf hin, dass die steigende Waldbrandgefahr eine
stärkere wissenschaftliche Ausbildung und Forschung in diesem Bereich erforderlich
macht. So betont das Global Fire Monitoring Center (GFMC) der Universität Freiburg
die zunehmende Bedeutung von Ausbildung, Forschung und internationaler
Zusammenarbeit im Bereich des Wildland Fire Managements.
Auch wissenschaftliche Analysen zur Vegetationsbrandbekämpfung zeigen, dass
spezialisierte Kenntnisse über Brandverhalten, Vegetationsstruktur, Topographie und
Einsatztechnik entscheidend für eine effektive Brandbekämpfung sind.
Auch in fachlichen Anhörungen des Deutschen Bundestages wurde darauf
hingewiesen, dass steigende Vegetations- und Waldbrandrisiken neue Anforderungen an
Prävention, Ausbildung, Forschung und Einsatzkonzepte stellen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. eine nationale Waldbrandstrategie vorzulegen, die Maßnahmen des Bundes zur
Prävention, Früherkennung, Forschung, Ausbildung und internationalen
Zusammenarbeit bündelt und die Koordination zwischen Bund, Ländern und
europäischen Partnern verbessert;
2. die Koordinierungsfunktion des Bundes im Bevölkerungsschutz zu stärken,
insbesondere durch Ausbau der Lagebild- und Koordinierungsfähigkeiten des
Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für großflächige
Vegetations- und Waldbrandlagen;
3. ein dauerhaftes Bundesförderprogramm für Waldbrandprävention aufzulegen,
das Länder, Kommunen und Waldbesitzer beim Ausbau von
Löschwasserinfrastruktur, bei präventiven Waldschutzmaßnahmen sowie bei der Verbesserung der
Waldbrandfrüherkennung unterstützt;
4. Forschung und Entwicklung zur Waldbrandprävention und
Vegetationsbrandbekämpfung auf Bundesebene zu intensivieren, insbesondere in den Bereichen
satellitengestützte Früherkennung, Drohnentechnologie, Einsatztechnik,
Vegetationsbrandtaktik und Brandverhalten;
5. die wissenschaftliche Ausbildung und Lehre im Bereich Waldbrandprävention
und Vegetationsbrandbekämpfung an forstlichen Hochschulen und Fakultäten
stärker zu fördern, insbesondere durch entsprechende Forschungsprogramme,
Lehrkooperationen und Förderinitiativen des Bundes;
6. den bundesweiten Wissenstransfer sowie Aus- und Fortbildungsprogramme im
Bereich Vegetationsbrandbekämpfung zu fördern, insbesondere durch fachliche
Austauschplattformen, gemeinsame Übungen und Kooperationen zwischen
Bundeseinrichtungen, Forschungseinrichtungen und Einsatzorganisationen;
7. die Unterstützungsmöglichkeiten der Bundeswehr im Rahmen der Amtshilfe bei
Waldbrandlagen weiterzuentwickeln, insbesondere durch abgestimmte
Einsatzkonzepte, regelmäßige Übungen und eine verbesserte Abstimmung mit zivilen
Einsatzstrukturen;
8. ein bundesweites satellitengestütztes Monitoring- und Frühwarnsystem für
Vegetations- und Waldbrände weiterzuentwickeln und in das Lagebild des Bundes im
Bevölkerungsschutz zu integrieren;
9. eine Strategie zur Waldbrandprävention auf munitionsbelasteten Flächen
ehemaliger militärischer Nutzung zu entwickeln und entsprechende
Präventionsmaßnahmen auf Bundesliegenschaften umzusetzen;
10. die Zusammenarbeit Deutschlands im europäischen
Katastrophenschutzmechanismus weiter auszubauen, insbesondere im Bereich der Waldbrandbekämpfung,
der gemeinsamen Einsatzplanung sowie der Nutzung europäischer Ressourcen;
11. die Entwicklung national verfügbarer Luftunterstützungskapazitäten zur
Bekämpfung großflächiger Vegetations- und Waldbrände im Rahmen des
Bevölkerungsschutzes und des europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu prüfen;
12. eine regelmäßige bundesweite Risikoanalyse zur Waldbrandgefahr vorzulegen,
um Präventionsmaßnahmen, Ressourceneinsatz und Kooperation im
Bevölkerungsschutz strategisch planen zu können, Forschung und Innovation im Bereich
effizienter Düngetechnologien, Präzisionslandwirtschaft und Nährstoffrecycling
auszubauen.
Berlin, den 19. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die zunehmende Waldbrandgefahr stellt Deutschland vor neue Herausforderungen im Bevölkerungsschutz.
Neben nationalen Maßnahmen gewinnt auch die europäische Zusammenarbeit an Bedeutung. In mehreren
Mitgliedstaaten kam es in den vergangenen Jahren zu großflächigen Waldbränden mit erheblichen Schäden für
Bevölkerung, Infrastruktur und Ökosysteme. Die Europäische Union hat deshalb ihre gemeinsame
Katastrophenschutzarchitektur weiter ausgebaut und stellt zusätzliche Ressourcen für die Waldbrandbekämpfung bereit, darunter
Einsatzkräfte sowie Löschflugzeuge und Hubschrauber im Rahmen des europäischen
Katastrophenschutzmechanismus. Großbrände machen nicht an Staatsgrenzen halt und erfordern daher eine enge europäische
Zusammenarbeit bei Prävention, Lagebeobachtung und Einsatzunterstützung. Vor diesem Hintergrund erscheint es
erforderlich, die bestehenden nationalen Strukturen im Bereich der Waldbrandprävention und Waldbrandbekämpfung
weiterzuentwickeln. Eine stärkere strategische Koordination auf Bundesebene kann dazu beitragen, bestehende
föderale Strukturen zu ergänzen, Forschung und Ausbildung zu stärken, Wissenstransfer zu verbessern und
Deutschland besser in europäische Katastrophenschutzmechanismen einzubinden. Der vorliegende Antrag
verfolgt daher das Ziel, die Maßnahmen des Bundes im Bereich Waldbrandprävention, Forschung, Risikoanalyse,
Ausbildung, Koordination und internationale Zusammenarbeit zu stärken und damit einen Beitrag zur
langfristigen Verbesserung des Waldbrandschutzes in Deutschland zu leisten.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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