Bundesprogramm "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" bedarfsgerecht ausbauen und die vierte Förderphase für die Jahre 2028 bis 2032 nachhaltig verstetigen
Text
Bundesprogramm "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" bedarfsgerecht ausbauen und die vierte Förderphase für die Jahre 2028 bis 2032 nachhaltig verstetigen
Antrag
der Abgeordneten David Schliesing, Nicole Gohlke, Clara Bünger, Doris
Achelwilm, Dr. Michael Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik
Brückner, Mandy Eißing, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates
Gürpinar, Dr. Gregor Gysi, Mareike Hermeier, Luke Hoß, Maren Kaminski,
Ferat Koçak, Cansin Köktürk, Jan Köstering, Ina Latendorf, Sonja Lemke,
Stella Merendino, Sören Pellmann, Bodo Ramelow, Heidi Reichinnek, Evelyn
Schötz, Julia-Christina Stange, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin
Willnat und der Fraktion Die Linke
Bundesprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“
bedarfsgerecht ausbauen und die vierte Förderphase für die Jahre 2028 bis
2032 nachhaltig verstetigen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die soziale Herkunft entscheidet in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor in
einem hohen Ausmaß über den individuellen Bildungserfolg und die
gesellschaftlichen Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen – im internationalen Vergleich
deutlich stärker als in vielen anderen Ländern (vgl. u. a. www.wuebben-stiftung-bil-
dung.org/wp-content/uploads/2024/11/WST-47-001-WOHER-UND-WOHIN-WEB-
_final.pdf). Der Zugang zu Kunst, Kultur und musischer Bildung ist erheblich ungleich
verteilt und hängt stark von den ökonomischen, kulturellen und sozialen Ressourcen
des Elternhauses ab (vgl. u. a. https://miz.org/de/fokus/amateurmusizieren-in-deutsch-
land).
Das seit dem Jahr 2013 bestehende Bundesprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse
für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bietet ein
empirisch belegtes Programm, das gezielt außerschulische kulturelle
Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche in benachteiligten Wohn‑ und Lebenslagen schafft
und damit dazu beiträgt, Bildungsbenachteiligungen zu verringern. Durch das
Programm werden kontinuierlich junge Menschen erreicht, die aufgrund finanzieller
Hürden, fehlender Unterstützung oder geringerer Zugänge in ihrem direkten Umfeld sonst
nur eingeschränkt oder gar nicht an Theatern, Museen, Bibliotheken, soziokulturellen
Zentren oder Musikschulen teilnehmen könnten.
Die aktuelle Zwischenevaluation der InterVal GmbH zur dritten Förderphase (2023–
2027), welche im Juni 2025 vorgelegt wurde, belegt erneut die außerordentlich hohe
Wirksamkeit des Programms. Bislang entstanden allein in der ersten Hälfte dieser
aktuellen Phase fast 11.000 kulturelle Bildungsangebote, die über 250.000 Kinder und
Jugendliche erreichten (vgl. www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/2025/-
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6466
21. Wahlperiode 11.06.2026
zwischenbericht_evaluation_kultur-macht-stark.pdf?__blob=publicationFile&v=2).
Die Wirkungsdimensionen auf individueller Ebene sind profund. Laut der
wissenschaftlichen Begleitforschung geben über 90 Prozent der teilnehmenden Kinder und
Jugendlichen an, sich nach dem Abschluss der Projekte sicherer und grundlegend
überzeugter von ihren eigenen Fähigkeiten zu fühlen (vgl. ebd). Dies ist ein unschätzbarer
Beitrag zur psychosozialen Stabilisierung junger Menschen in krisenhaften Zeiten.
Trotz der nachweislichen Erfolge auf kommunaler Ebene und einer massiven
Überzeichnung des Programms – die Nachfrage der zivilgesellschaftlichen Akteure nach
Fördermitteln übersteigt das zur Verfügung stehende Budget bei Weitem – ist die
langfristige Perspektive des Programms ungesichert. Die aktuelle, dritte Förderphase ist
zeitlich befristet und endet im Jahr 2027. Gleichzeitig ist die kulturelle Infrastruktur in
Deutschland, insbesondere die freie Szene, durch drastische Kürzungspläne im
aktuellen Bundeshaushalt existenziell bedroht. So ist beispielsweise vorgesehen, den
Bundesbeitrag für die Bundeskulturfonds von 32 Millionen Euro auf lediglich 18
Millionen Euro abzusenken. Eine fehlende Planungssicherheit auf Seiten des Bundes
gefährdet die mühsam aufgebauten lokalen Bündnisse für Bildung, die zu einem sehr großen
Teil von ehrenamtlichem Engagement getragen werden. Zudem mangelt es der
aktuellen kultur- und bildungspolitischen Ausrichtung der Bundesregierung an einer
strukturellen Verknüpfung der außerschulischen kulturellen Bildung mit dem ab dem Jahr
2026 sukzessive greifenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für
Grundschulkinder. Ein weiteres eklatantes Problemfeld ist die fehlende adäquate Honorierung der
an den Projekten beteiligten Kulturschaffenden, Künstlerinnen und Künstler sowie
Kulturpädagoginnen und Kulturpädagogen, die trotz ihrer hochqualifizierten
pädagogischen Arbeit oftmals unter äußerst prekären Bedingungen arbeiten müssen und von
Altersarmut bedroht sind. Zudem stellen administrative Hürden, insbesondere im
Rahmen der zentralen Online-Förderdatenbank „Kumasta“, ehrenamtliche Bündnispartner
immer noch vor unverhältnismäßige zeitliche und ressourcentechnische
Herausforderungen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die vierte Förderphase (2028–2032) des Bundesprogrammes „Kultur macht stark.
Bündnisse für Bildung“ umgehend vertraglich abzusichern;
2. die jährlichen Haushaltsmittel für „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“
ab dem kommenden Bundeshaushalt um mindestens 10 Millionen Euro
aufzustocken;
3. die Förderrichtlinien des Bundesprogramms so zu reformieren, dass die Zahlung
von Zuwendungen an die Einhaltung branchenspezifischer Honoraruntergrenzen
und fairer Vergütungsmodelle sowie an eine pauschalierte Vergütung für Vor‑
und Nachbereitungszeiten gebunden ist;
4. in enger Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Verbänden und
außerschulischen Bildungs- und Kultureinrichtungen ein spezifisches Förderinstrument
„Digital-Allianz Bildung“ im Bereich der kulturellen Bildung zu etablieren;
5. die institutionelle Kooperation von Regelschulen und außerschulischen Partnern
der kulturellen Bildung im Rahmen des ab dem Schuljahr 2026/2027 geltenden
Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung systematisch, finanziell und rechtlich zu
fördern;
6. die administrativen Hürden, insbesondere die Usability und der bürokratische
Overhead der zentralen Förderdatenbank „Kumasta“ drastisch zu senken;
7. die Förderung kultureller Projekte in strukturschwachen, deindustrialisierten und
ländlichen Räumen durch verbesserte finanzielle Rahmenbedingungen – etwa
deutlich erhöhte Mobilitäts-, Transport- und Übernachtungspauschalen – massiv
auszubauen und inklusive, queer‑feministische, antirassistische und migrantische
Ansätze gezielt durch Sonderkontingente zu unterstützen, um einen barrierefreien
und diskriminierungsfreien Zugang für alle Gruppen flächendeckend
sicherzustellen;
8. „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ perspektivisch von einer befristeten
Projektförderung in ein gesetzlich verstetigtes Dauerprogramm des Bundes zu
überführen.
Berlin, den 9. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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