Diskriminierung im Gesundheitswesen - Datenlage zur queersensiblen Gesundheitsversorgung in Deutschland
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Diskriminierung im Gesundheitswesen - Datenlage zur queersensiblen Gesundheitsversorgung in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5991
21. Wahlperiode 19.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stella Merendino, Maik Brückner, Nicole Gohlke, Dr. Michael
Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Christian
Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina
Latendorf, Sonja Lemke, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada Salihović,
David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt,
Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Diskriminierung im Gesundheitswesen – Datenlage zur queersensiblen
Gesundheitsversorgung in Deutschland
Von Diskriminierung betroffene Menschen, gerade dann, wenn sie von
mehreren Diskriminierungsmerkmalen betroffen sind, berichten von
Ungleichbehandlung in der gesundheitlichen Versorgung. Etwa ein Sechstel der befragten
queeren Menschen gaben an, im Kontakt mit gesundheitlichem Fachpersonal
diskriminiert worden zu sein (https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-
2020-lgbti-equality-1_en.pdf). Zugleich sind queere Menschen häufiger von
Erkrankungen betroffen und haben besondere Bedarfe, wie z. B. im Rahmen
von geschlechtsangleichenden Maßnahmen (Coleman E, Bockting W, Botzer
M et al.: Standards of care for the health of transsexual, transgender, and
gender-non-conforming people, version 7. International Journal of
Transgenderism 2012;13:1-3; Berner AM, Connolly DJ, Pinnell I et al.: Attitudes of
transgender men and non-binary people to cervical screening: a cross-sectional
mixed-methods study in the UK. British Journal of General Practice
2021;71:621-623). Eine queersensible Gesundheitsversorgung kann die
Gesundheit der Betroffenen verbessern, zur Gleichstellung der Geschlechter
beitragen und Gesundheitsgerechtigkeit fördern (Wie HT, Chen MH, Ku WW:
Fostering LGBT-friendly healthcare services. Hu Li Za Zhi 2015; 62:1-2).
Auch der Aktionsplan „Queer leben“ beschreibt das Ziel einer bedarfsgerechten
und diskriminierungsfreien Versorgung für alle (https://dserver.bundestag.de/bt
d/20/045/2004573.pdf). Gleichzeitig werden Diskriminierungserfahrungen im
Gesundheitswesen in Deutschland nicht bundesweit einheitlich erfasst. Es
fehlen darüber hinaus bislang systematische Daten über Gesundheitsangebote, die
die Vielfalt von Gesellschaft berücksichtigen. Zudem bedürfte es struktureller
Maßnahmen, um der Diskriminierung vorzubeugen. Zivilgesellschaftliche
Organisationen wie Queermed Deutschland listen Gesundheitsangebote, die
von Patientinnen und Patienten als queersensibel empfunden wurden, und
versuchen so, Lücken im Gesundheitssystem zu schließen (https://queermed-deuts
chland.de/nach-empfehlungen-suchen/).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Liegen der Bundesregierung Daten über die Anzahl und Verteilung
queersensibler Gesundheitsangebote vor, und wenn ja, inwiefern werden
Community-basierte Datenquellen (z. B. zivilgesellschaftliche
Organisationen wie Queermed) in die Datenerhebung einbezogen?
2. Inwiefern wird die Studienlage über die queersensible
Versorgungsstruktur in Deutschland von der Bundesregierung als ausreichend bewertet, und
wenn sie als nicht ausreichend bewertet wird, welche Maßnahmen ergreift
die Bundesregierung, um eine systematische Erhebung
diskriminierungsrelevanter und queersensibler Daten im Gesundheitswesen zu
ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf Mehrfachdiskriminierung und
Intersektionalität, und welche Zeitpläne verfolgt die Bundesregierung für den
Aufbau einer verbesserten Dateninfrastruktur?
3. Welche Bundesbehörden sind derzeit für die Erhebung von Daten zu
Diskriminierung im Gesundheitswesen zuständig, und wie ist deren
Zusammenarbeit organisiert?
4. Plant die Bundesregierung die Einrichtung eines einzigen, bundesweit
einheitlichen Monitoringsystems zu Diskriminierung im Gesundheitswesen,
und wenn ja, wie kann Queerfeindlichkeit im Kontext von verschiedenen
Diskriminierungsformen adressiert und gesondert erhoben werden?
5. Welche internationalen Best-Practice-Modelle zur Datenerhebung werden
berücksichtigt oder geprüft?
6. Ist aus Sicht der Bundesregierung der Datenschutz im Zusammenhang mit
intersektionaler, queerinklusiver Forschung in der Gender Medicine dahin
gehend sichergestellt, dass Forschende einen sicheren Umgang mit Daten
garantieren können und Patientinnen und Patienten entsprechend
Vertrauen fassen?
7. Wie kann die Bundesregierung sicherstellen, dass erhobene Daten auch
tatsächlich in gesundheitspolitische Maßnahmen übersetzt werden?
8. Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung Mehrfachdiskriminierung
in der nationalen Gesundheitspolitik, und welche konkreten Strategien
existieren, um Mehrfachdiskriminierung im Gesundheitswesen zu
erforschen und zu adressieren?
9. Welche Studien zur Diskriminierung von queeren Beschäftigten im
Gesundheitsbereich sind der Bundesregierung bekannt?
10. Inwiefern ist geplant, die Datenlage zu queeren Beschäftigten zu
verbessern?
Berlin, den 12. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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