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Entwurf der Aufgabenplanung 2026 bis 2029

dip / drucksache 20.04.2026 · WP 21 · 21/5500 · Unterrichtung · Original ↗

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Entwurf der Aufgabenplanung 2026 bis 2029 Deutscher Bundestag Drucksache 21/5500 21. Wahlperiode 20.04.2026 Unterrichtung durch die Deutsche Welle Entwurf der Aufgabenplanung 2026 bis 2029 Zugeleitet mit Schreiben der Deutschen Welle vom 16. April 2026 gemäß § 4a des Deutsche-Welle-Gesetzes. 2/61 Freiheit. Innovation. Dialog. Das Leitmotiv der neuen Aufgabenplanung der Deutschen Welle ist strategischer Kompass und Anspruch eines unabhängigen Journalismus mit Wirkung: eines Journalismus, der jede Woche weltweit hunderte Millionen Menschen erreicht, unabhängig und verlässlich informiert und Orientierung gibt. In einer Zeit geopolitischer Veränderungen machen wir deutsche und europäische Perspektiven weltweit sichtbar. Freiheit. Innovation. Dialog. wird sich sowohl im Profil unserer Berichterstattung spiegeln als auch handlungsleitend für unsere DW-interne Arbeit sein. Freiheit In einer globalen Informationsunordnung, geprägt von geopolitischen Rivalitäten, Wettstreit um Ressourcen sowie erstarkenden autoritären Modellen, sichern wir Zugang zu verlässlichen, faktenbasierten Informationen in Europa und der Welt. Und das gerade dort, wo Zensur, Desinformation und propagandistische Einflussnahme als Teil moderner Konfliktführung, hybrider Kriegsführung und Machtpolitik das öffentliche Leben prägen. Wir stärken die europäische Resilienz mit unabhängiger Berichterstattung in den Regionen, die seit Jahren besonders intensiv von russischer Desinformation betroffen sind – von Mittel- und Südosteuropa über die Ukraine bis hin zu Schlüsselländern wie Indien, Indonesien und Brasilien sowie Teilen Afrikas, des arabischen Raums, Lateinamerikas und Südostasiens. Wir wirken dort, wo Gesellschaften versuchen, sich zu wandeln - wie in Syrien und Iran. Die Neuordnung der Welt erhöht die Bedeutung einer starken medialen Präsenz Deutschlands und Europas. Während Staaten ihre internationalen Beziehungen neu ausrichten, macht die DW europäische Perspektiven sichtbar und gibt der Stimme der Freiheit, der Demokratie und der Verlässlichkeit einer regelbasierten Ordnung eine Plattform – auch in Ländern, mit denen Deutschland neue Partnerschaften sucht. Unsere Perspektivenvielfalt und unsere regionale Expertise in über 30 Sprachen bilden einen zentralen Erfolgsfaktor. Wir arbeiten auf der Basis von Fakten und Expertise. Als Pfeiler demokratischer Resilienz wirken wir durch regionale Verankerung, mit über 3.000 lokalen Partnern sowie innovativen Ansätzen zur Umgehung digitaler Abschottung. Die DW ist verlässliche Quelle in Zeiten wachsender Unsicherheiten und eine europäische Stimme, die dort Vertrauen schafft und Orientierung gibt, wo Informationsräume politisiert, fragmentiert oder gezielt manipuliert werden. Innovation Unsere Berichterstattung stärkt jene Kräfte, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel vorantreiben - jungen, gebildeten und global vernetzten Menschen, die in ihren Ländern Entwicklungen prägen, bietet die DW Orientierung und unterschiedliche Perspektiven in Zeiten tiefgreifender Transformation. Wir machen sichtbar, wo technologische, wirtschaftliche und soziale Lösungen entstehen– und wo sich innovative, kreative Ansätze partnerschaftlich potenzieren. So inspirieren wir Changemaker und Talente weltweit und stärken die internationale Vernetzung für zukunftsweisende Lösungen in Gesellschaft und Wirtschaft. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 2 – 3/61 Deutschlernenden, einschließlich Fachkräften in der Vorintegration im Ausland, bieten wir ein aktuelles und didaktisch aufbereitetes journalistisches Angebot. Durch klare Analysen und multiperspektivische Erklärformate vermitteln wir Europa als offenen, kooperationsfähigen Innovationsraum und stärken Vertrauen in europäische Zukunftsmodelle. Unsere Berichterstattung verknüpft regionale Dynamiken mit globalen Entwicklungen und macht sichtbar, wie Innovationen in unseren Zielregionen Impulse für Europa liefern – und umgekehrt. Die DW wirkt als Katalysator in einer Welt im Wandel. Parallel modernisieren wir uns selbst konsequent, in der Produktion, in journalistischen wie betriebswirtschaftlichen Prozessen: KI-Transformation, Automatisierung und digitale Standards schaffen mehr Effizienz. Strategische Partnerschaften eröffnen uns neue Möglichkeiten. Unsere Ressourcen wirken dort, wo sie maximale Wirkung entfalten – in originärem, faktenbasiertem und vor Ort produziertem Journalismus, der Gegenwart und Zukunft verständlich macht. Wir stellen die DW zukunftssicher auf mit einer modernen, inklusiven Unternehmenskultur, die Veränderung als Normalität versteht und die Mitarbeitenden stärkt, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Dialog Die DW ist Deutschlands internationale Medienmarke – ein Ort für offenen, glaubwürdigen Austausch in einer Welt wachsender Polarisierung. Sie verbindet die Perspektiven aus den verschiedenen Weltregionen mit deutschen und europäischen Sichtweisen und schafft auf den Plattformen, auf denen die Menschen sind, Räume, in denen Austausch möglich ist. Dieser Dialog verpflichtet auch nach Innen, mit offenen Diskussionsräumen und konstruktiver Feedbackkultur. Als internationaler Sender mit hoher regionaler Bekanntheit arbeiten wir gezielt mit strategischen Partnerschaften vor Ort in unseren weltweiten Zielmärkten – und stärken europäische Allianzen, insbesondere entlang der deutsch‑französischen Achse mit France Médias Monde und ARTE im europäischen Raum. Wir wirken komplementär und kulturverbindend, um Desinformation und Propaganda verlässliche Informationen, journalistische Qualität und kulturelle Nähe entgegenzustellen. KI‑Systeme und Chat‑Interfaces werden zentrale Zugänge zu Informationen. Wir setzen neben eigenen Plattformen auf starke KI‑Partnerschaften und passende Lizenzmodelle, damit unsere Inhalte auch dort sichtbar und wirksam bleiben. Als DW-Organisation für internationale Medienentwicklung, journalistische Aus- und Fortbildung und Wissensvermittlung fördert die DW Akademie Medienfreiheit, Informationskompetenz und Widerstandskraft gegen Desinformation und Propaganda – zentrale Voraussetzungen für stabile demokratische Systeme. Mit ihren Projekten stärkt sie das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung und ungehinderten Zugang zu Informationen. Die DW wirkt als Brückenbauerin zwischen Deutschland, Europa und der Welt: unabhängig, multiperspektivisch und auf Augenhöhe. Die Bundesrepublik löst das Versprechen ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auch mit den unabhängigen journalistischen Angeboten der DW ein. Die DW unterstützt mit ihrer unabhängigen Berichterstattung und ihrer Akademie in strategisch wichtigen Ländern Informationszugang und Medienpluralität und trägt damit zu stabilen Partnerschaften auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene bei. Der Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 3 – 4/61 ungehinderte Zugang zu freien und verlässlichen Informationen schützt Demokratien, Zivilgesellschaften und die globale Sicherheit. Berlin, März 2026 Barbara Massing Deutscher Bundestag – 21. WahlperiodeDrucksache 21/5500 – 4 – 5/61 Inhaltsverzeichnis Freiheit. Innovation. Dialog. 2 1 Einführung 6 2 Globale Herausforderungen 6 3 Strategischer Rahmen 10 3.1 Leitbild 10 3.2 Wirkungsabsichten 12 3.3 Zielgruppen 13 3.4 Zielgebiete 14 4 Unternehmensziele 2026 - 2029 18 4.1 Schwerpunkte für die Jahre 2026-2029 19 5 Strategische Partnerschaften und Projekte 26 6 Strategische Ausrichtung der Angebote pro Region 31 6.1 Europa 31 6.2 Subsahara-Afrika 38 6.3 Asien 41 6.4 Amerika 44 6.5 MENA 48 6.6 Englisch 50 6.7 Deutsch 54 7 DW Akademie 55 8 Finanzieller Rahmen 56 Anhang: Kriterien für die Bewertung der Angebote 59 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 5 – 6/61 1 Einführung Die DW ist gemäß § 4a des Deutsche-Welle-Gesetzes aufgefordert, in eigener Verantwortung eine Aufgabenplanung für einen Zeitraum von vier Jahren zu erstellen. In der Aufgabenplanung legt sie ihre Programmziele, Schwerpunktvorhaben und deren Gewichtung zur Erfüllung ihrer Aufgaben dar, aufgeschlüsselt nach Zielgebieten, Zielgruppen, Verbreitungswegen und Angebotsformen. Zudem wird ausgeführt, wie die DW zur Aus- und Fortbildung von Medienschaffenden beiträgt, insbesondere im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der Förderung der auswärtigen Beziehungen. Die Aufgabenplanung wird durch den Rundfunkrat der DW beschlossen, mit Zustimmung des Verwaltungsrates und unter Einbeziehung von Stellungnahmen des Deutschen Bundestages, der Bundesregierung sowie der interessierten Öffentlichkeit.1 In die vorliegende Aufgabenplanung sind die Ergebnisse und Erkenntnisse des Evaluationsberichts 2025 eingeflossen. 2 Globale Herausforderungen Liberale Werte und demokratische Prinzipien wie Meinungsfreiheit, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit geraten weltweit zunehmend unter Druck. Geopolitische Umbrüche, gewaltsame Konflikte und der wachsende Einfluss autoritärer Regime stellen die regelbasierte internationale Ordnung und multilaterale Institutionen infrage. Zugleich verschärfen populistische, extremistische und demokratiefeindliche Kräfte vielerorts gesellschaftliche Spannungen. Exemplarisch für die zugespitzte Weltlage stehen der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, die Eskalation im Nahen Osten sowie die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und Vertrauensverluste in demokratische Institutionen, etwa in den USA ebenso wie zunehmend auch in Europa. Auch die Folgen des Klimawandels bedrohen Frieden, Stabilität und Sicherheit, insbesondere durch Ressourcenknappheit, Migration und soziale Spannungen. Hinzu kommen Handelskonflikte und ein verschärfter globaler Wettbewerb um Rohstoffe, Technologie und Know-how, der geopolitische Rivalitäten erzeugt, neue strategische Partnerschaften erfordert und maßgeblich für künftigen Wohlstand und wirtschaftliche Wertschöpfung ist. Ein zentraler Bestandteil dieser fragilen Lage ist ein zunehmend hybrid geführter Konflikt, bei dem militärische, ökonomische und kommunikative Mittel miteinander verknüpft werden. Autoritäre Akteure setzen gezielt Desinformation und Propaganda ein, um demokratische Gesellschaften und Institutionen zu destabilisieren, Vertrauen in Medien zu untergraben und manipulative Narrative zu verbreiten. Unabhängige 1 Der Entwurf wurde durch den Rundfunkrat mit Zustimmung des Verwaltungsrats beschlossen. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 6 – 7/61 internationale Medien wie die DW geraten dabei verstärkt ins Visier politischer Attacken, digitaler Angriffe und rechtlicher Repressionen. Eingeschränkter Zugang zu verlässlichen Informationen Vor diesem Hintergrund verschlechtern sich weltweit die Bedingungen für den freien Zugang zu unabhängigen Informationen. In vielen Ländern fehlt ein unabhängiges öffentlich-rechtliches oder privates Medienangebot. Staatliche Anbieter fungieren oftmals als Sprachrohre der Regierungen; kommerzieller Druck und politische Vereinnahmung führen bei privaten Medien teils zu eingeschränkter Angebotsvielfalt. Gleichzeitig nehmen staatliche Kontrolle, Zensur und Eingriffe in journalistische Arbeit weltweit zu. In zahlreichen Ländern werden Medieninhalte gefiltert, Nachrichtenangebote blockiert und Journalistinnen und Journalisten durch Gesetze, Drohungen oder Repressionen eingeschüchtert, etwa in Russland, Iran, China und der Türkei. Auch Internetsperren, Blockaden oder Einschränkungen sozialer Netzwerke erschweren den Zugang zu verlässlichem Journalismus, insbesondere in Krisen- und Konfliktsituationen. Digitale Ungleichheit, begrenzte Medienkompetenz und sprachliche Barrieren verstärken die Informationsdefizite zusätzlich. Der beabsichtigte Rückbau US-amerikanischer Auslandsmedien reißt besonders in vulnerablen Regionen Lücken, die zunehmend von russischen und chinesischen Propagandaangeboten gefüllt werden. Damit verschiebt sich das globale Informationsangebot zulasten unabhängiger, faktenbasierter Berichterstattung. Wandel der Mediennutzung Auch dort, wo der Zugang zu Informationen besteht, verändern sich Nutzung, Auffindbarkeit und Vertrauen tiefgreifend. Die Nutzung klassischer Medien geht in vielen Zielmärkten zurück, besonders bei jungen Zielgruppen. Nachrichten werden überwiegend digital und mobil konsumiert, auch wenn Fernsehen und Radio insbesondere in Teilen Afrikas weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Die Zielgruppen der DW nutzen Inhalte vor allem über soziale Netzwerke, Messenger, Video-Plattformen und zunehmend KI-gestützte Such- und Informationsangebote. Klassische Websites verlieren dabei an Bedeutung, da Inhalte häufig über Suchmaschinen, KI-Dienste, soziale Netzwerke und aggregierende Plattformen gesucht werden. Algorithmen bestimmen maßgeblich die Sichtbarkeit und Reichweite; auffindbar ist vor allem, was als individuell relevant eingestuft wird. Die Dominanz kommerziell gesteuerter Plattformen erschwert es journalistischen Medien, dauerhaft sichtbar zu bleiben und stabile Publikumsbeziehungen aufzubauen. Zugleich stehen journalistische Medien unter wachsendem Rechtfertigungsdruck und sehen sich gezielten Angriffen auf ihre Glaubwürdigkeit ausgesetzt. Besonders in polarisierten Öffentlichkeiten findet zunehmend nur noch Akzeptanz, was dem eigenen Weltbild entspricht. Auswirkungen Künstlicher Intelligenz KI verändert die journalistische Arbeit grundlegend. Sie ermöglicht effizientere redaktionelle Prozesse, neue Formen der Recherche, Produktion, Übersetzung, Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 7 – 8/61 Verbreitung und Personalisierung. Zugleich wird KI von autoritären Akteuren zur Irreführung, Zensur, Überwachung und Kontrolle eingesetzt und gezielt mit Falschinformationen gespeist, die in KI-generierte Antworten einfließen. Deepfakes, synthetische Stimmen und automatisierte Desinformationskampagnen verschärfen die Dynamik im digitalen Informationsraum. Ein verantwortungsvoller und transparenter KI- Einsatz wird damit zentral für journalistische Glaubwürdigkeit. Für Medienhäuser entstehen daraus erhebliche Herausforderungen: Journalistische Inhalte werden zunehmend personalisiert ausgespielt, auch in Form automatisch erzeugter Zusammenfassungen oder als modular neu zusammengesetzter liquid content. Sichtbarkeit entsteht vermehrt innerhalb von KI-Antworten, wie in AI Overviews oder AI Mode, statt über den Aufruf von Websites. Hierdurch ist die Beziehung zwischen Medienmarke und Nutzenden sehr viel schwieriger zu halten. Zudem haben Medien bei KI- generierten Antworten nur eingeschränkten Einfluss darauf, in welchem Kontext und in welcher Gewichtung ihre Inhalte erscheinen. Werden journalistische Beiträge verkürzt oder neu kombiniert, kann sich ihre Bedeutung verändern. Entsprechend gewinnen strukturierte Inhalte, verlässliche Metadaten, klare Zuschreibungen, formale Vereinbarungen und Lizenzmodelle mit KI-Plattformen sowie gesonderte, unabhängige Trusted-Content-Plattformen an Bedeutung, um Qualität, Herkunft und Kontext auch in KI- basierten Umgebungen sichtbar und nachvollziehbar zu halten. Darüber hinaus verlagern sich zunehmend Einnahmen zu Plattformbetreibern, wodurch Geschäftsmodelle unter Druck geraten und sowohl Medienvielfalt als auch die demokratische Öffentlichkeit gefährdet werden. Gerade vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung unabhängiger Informationsanbieter deutlich. In einer zunehmend KI-vermittelten Informationsumgebung braucht es verlässliche journalistische Akteure, die für hohe redaktionelle Standards, gründliche Recherche und sorgfältige Einordnung stehen. KI bietet zugleich erhebliche Chancen, Inhalte plattformspezifisch und mehrsprachig effizient zu erstellen, neue Zielgruppen zu erreichen und redaktionelle sowie organisatorische Prozesse zu optimieren. Voraussetzung hierfür ist ein verantwortungsvoller, transparenter und wertebasierter Einsatz dieser Technologien. Intensivierter Wettbewerb im digitalen Raum Während früher professionelle Medienunternehmen über Radio, Fernsehen und Print ein breites Publikum erreichten, können heute auch Einzelpersonen mit geringem technischem und finanziellem Aufwand erhebliche Reichweiten erzielen. Influencerinnen, Influencer und digitale Meinungsmacher verschärfen den Wettbewerb um Aufmerksamkeit deutlich, oft ohne journalistische Standards oder redaktionelle Verantwortung. Mit der zunehmenden Verbreitung KI-generierter Inhalte wird es für Nutzende zudem schwieriger, zwischen verlässlichen Informationen und manipulativen Inhalten zu unterscheiden. Orientierung, Einordnung und journalistische Qualität werden damit zentrale Differenzierungsmerkmale. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 8 – 9/61 Konsequenzen für die DW In einer fragmentierten und zunehmend polarisierten Medienumgebung steht die DW vor der Aufgabe, ihre Zielgruppen unter veränderten technologischen und geopolitischen Bedingungen zuverlässig zu erreichen und ihre Rolle im globalen Informationsraum zu behaupten. Das Leitmotiv Freiheit, Innovation und Dialog bildet hierfür den handlungsleitenden Rahmen, um unabhängigen Qualitätsjournalismus zu sichern, technologische und organisatorische Transformation aktiv zu gestalten und globale Verständigung zu stärken. Der wachsende Druck auf unabhängige Medien, staatliche Einflussnahme, organisierte Desinformation und digitale Repression erhöhen die strategische Bedeutung frei zugänglicher, faktenbasierter Informationsangebote aus deutsch-europäischer Perspektive. Für die DW bedeutet dies, ihre Präsenz insbesondere in Regionen mit eingeschränkter Medienfreiheit, ausgeprägter Polarisierung und hoher Relevanz für Deutschland auszubauen und die demokratische Resilienz gegenüber manipulativen Einflussstrategien zu stärken. Das veränderte Umfeld erfordert zugleich, zukunftsweisende soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen und als Medienunternehmen selbst konsequent innovativ zu agieren – sowohl in journalistischen Produkten und Formaten als auch in organisatorischer Aufstellung, Zusammenarbeit, Administration und Technik. Die DW muss ihre technologische und organisatorische Anpassungsfähigkeit weiter erhöhen, neue Distributionslogiken aktiv für ihre Präsenz nutzen und ihre Inhalte plattform- und zielgruppengerecht weiterentwickeln, um im Wettbewerb um Aufmerksamkeit sichtbar zu bleiben. In zunehmend polarisierten Öffentlichkeiten wächst der Bedarf an vertrauenswürdigen, multiperspektivischen Angeboten, die Einordnung ermöglichen und als Grundlage für konstruktiven Dialog dienen. Für die DW ergibt sich daraus die Notwendigkeit, dialogorientierte Angebote systematisch zu stärken, Austausch in den Zielgebieten zu fördern und ihre regionale Vernetzung auszubauen, um als Brückenakteurin zwischen Deutschland, Europa und ihren Zielregionen zu wirken. Das Prinzip des konstruktiven Dialogs auf Augenhöhe verpflichtet auch nach innen, zur Erhöhung der Perspektivenvielfalt und Stärkung der DW-Exzellenz. Die DW gut positioniert, diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen und die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen. Ihre journalistische Expertise, regionale Präsenz, Mehrsprachigkeit ebenso wie ihre starken Partner und ihre hohe Innovationskraft bilden hierfür eine tragfähige Grundlage. Zentrale Voraussetzung bleibt eine nachhaltige, angemessene Finanzierung, orientiert an der Ausstattung der BBC. So kann die DW eine führende Rolle im globalen Informationsraum einnehmen – als Garant verlässlicher Informationen, als Stimme freiheitlich-demokratischer Werte, als Impulsgeberin für Innovation und als wirksames Gegengewicht zu Propaganda und Desinformation. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 9 – 10/61 3 Strategischer Rahmen Der Auftrag der Deutschen Welle ist im DW-Gesetz, § 4, festgelegt: „Die Angebote der Deutschen Welle sollen Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich machen. Sie sollen deutschen und anderen Sichtweisen zu wesentlichen Themen vor allem der Politik, Kultur und Wirtschaft sowohl in Europa wie in anderen Kontinenten ein Forum geben mit dem Ziel, das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern. Die Deutsche Welle fördert dabei insbesondere die deutsche Sprache.“ 3.1 Leitbild Das Leitbild der DW übersetzt den gesetzlichen Auftrag in eine prägnante Mission, eine Vision und einen Markenkern, die Orientierung für alle Bereiche der DW bieten. Es schafft Klarheit darüber, wofür die DW steht, welchen Beitrag sie im internationalen Medienumfeld leisten will und welches Zielbild sie anstrebt. Am Leitbild orientieren sich das journalistische Profil sowie die internen Schwerpunktsetzungen der nächsten Jahre. Abbildung 1: Leitbild der DW Freiheit In einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen, einer sich neu justierenden globalen Ordnung, der Gefahr eines eskalierenden Krieges in Europa und eines Erstarkens autoritärer Kräfte positioniert sich die DW als glaubwürdige Quelle für unabhängigen, faktenbasierten und multiperspektivischen Journalismus. Sie stärkt weltweit Informations- und Meinungsfreiheit und wirkt Propaganda sowie Desinformation wirksam entgegen. Mit regional relevanten, inhaltlich exzellenten und inspirierenden Angeboten erreicht sie insbesondere junge, digital vernetzte Zielgruppen in Regionen mit eingeschränkter Medienfreiheit oder hoher Polarisierung, die für Deutschland strategisch bedeutsam sind. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 10 – 11/61 Ihre Berichterstattung zeichnet sich durch Tiefe, sorgfältige Faktenprüfung und klare Unterscheidbarkeit von KI-generierten Inhalten aus. Ihre thematische Ausrichtung ist regional differenziert, bleibt jedoch stets verankert in den Werten und Prinzipien, für die Deutschland steht: Freiheit, liberale Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Innovationskraft. Auf dieser Grundlage und aus dieser Perspektive heraus machen die Angebote der DW Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich und gewährleisten zugleich, dass die Angebote relevant und anschlussfähig für die weltweiten Zielgruppen sind. So stärkt die DW ihre Markenidentität als Referenz für freiheitsorientierten Qualitätsjournalismus. Diese wird getragen von starken journalistischen Persönlichkeiten, die Vertrauen schaffen und die Bindung zur Marke stärken. In zensierten Märkten unterstützt sie den Zugang zu unabhängigen Informationen auch durch technische Lösungen. Bildungs- und Beratungsangebote der DW-Akademie ergänzen das journalistische Portfolio und fördern Medienfreiheit, Medienkompetenz sowie demokratische Resilienz. Innovation Innovationen prägen die Inhalte und Distribution der DW ebenso wie die Organisation selbst. Die DW macht in ihrer Berichterstattung zukunftsweisende Entwicklungen sichtbar. Die DW stellt dar, welche neuartigen technologischen, wirtschaftlichen und sozialen Ansätze und innovative Lösungen in Deutschland, Europa und den weltweiten Zielregionen entstehen und welche Impulse sich daraus für gesellschaftlichen Fortschritt ergeben. Die DW verfolgt eine agile, plattformübergreifende Strategie zur Verbreitung ihrer Angebote: Sie kooperiert mit europäischen Partnern, lokalen – insbesondere digitalen – Medien, Influencerinnen und Influencern sowie Plattformen und geht Partnerschaften mit KI-Diensten ein, ohne ihre redaktionelle Unabhängigkeit zu gefährden. Ihre eigenen Plattformen dienen als stabiles technisches Rückgrat und als verlässliche Quellen für qualitätsgesicherte Inhalte. Gleichzeitig treibt die DW ihre eigene digitale Transformation konsequent voran – durch den verantwortungsvollen Einsatz von KI, effiziente Prozesse und eine innovationsorientierte Unternehmenskultur, die kontinuierliche Weiterentwicklung ermöglicht. Dialog In einer Welt wachsender Polarisierung fördert die DW offene Debatten, vielfältige Perspektiven und konstruktiven Austausch. Interaktive, dialogorientierte und auch Gaming-fokussierte Formate vertiefen diesen Anspruch und fördern den Dialog mit der Community. Neben ihrer faktenbasierten Berichterstattung legt die DW daher Wert auf Debatten und vielfältige Positionen, um freien Meinungsaustausch in den Zielregionen zu fördern und als Katalysator für gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt zu wirken. Strategische Partnerschaften und die enge Vernetzung vor Ort in ihren Zielgebieten sind dafür von zentraler Bedeutung. So verbindet die DW regionale, europäische und globale Perspektiven und wirkt als Brückenbauerin zwischen Deutschland, Europa und der Welt. Mit dieser strategischen Ausrichtung führt die DW journalistische Exzellenz, Innovationskraft und dialogische Offenheit auf Basis verlässlicher Informationen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 11 – 12/61 zusammen. Sie erfüllt ihren gesetzlichen Auftrag wirksam und zeitgemäß und behauptet sich als relevantes, unabhängiges und zukunftsfähiges Medienhaus im globalen Informationsraum. 3.2 Wirkungsabsichten Auf Grundlage der im DW-Gesetz verankerten Ziele, des Leitbilds sowie der beschriebenen Herausforderungen hat die DW folgende Wirkungsabsichten formuliert. 1. Zugang zu unabhängigen Informationen ermöglichen Die DW stellt qualitativ hochwertige Informationen bereit – insbesondere dort, wo deren Verfügbarkeit eingeschränkt oder nicht gewährleistet ist. 2. Freie Meinungsbildung fördern Die DW bietet eine verlässliche, faktenbasierte Informationsgrundlage, die es Menschen erlaubt, sich informiert eine Meinung zu bilden und fundiert Entscheidungen zu treffen. 3. Verständnis freiheitlich-demokratischer Werte stärken Die DW vermittelt und fördert das Verständnis für liberale, demokratische und freiheitliche Werte und Prinzipien wie Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. 4. Gesellschaftlichen Dialog und Innovationsfähigkeit unterstützen Durch dialogorientierte Formate und vielfältige Perspektiven stärkt die DW Austausch und Teilhabe – insbesondere in fragmentierten oder repressiven Informationsräumen. Sie fördert einen offenen gesellschaftlichen Dialog, der auch zu Innovation und zur Entwicklung von Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen inspiriert. 5. Medienkompetenz und freie Mediensysteme stärken Die DW leistet Unterstützung dabei, Informationen kritisch einzuordnen und Desinformation zu erkennen. Sie unterstützt Journalistinnen, Journalisten und Institutionen beim Aufbau unabhängiger und pluraler Mediensysteme. 6. Verständnis von Deutschland, Europa und der deutschen Sprache fördern Die DW vermittelt ein realistisches und differenziertes Bild von Deutschland und Europa und leistet damit einen Beitrag zu Völkerverständigung, internationalem Austausch und Vertrauensaufbau. Als Brückenbauerin stärkt sie Beziehungen zwischen Deutschland und den Zielregionen. Mit ihren deutschsprachigen Angeboten fördert sie zudem die deutsche Sprache. Abbildung 2: Wirkungsabsichten der DW Mit ihren Wirkungsabsichten trägt die DW dazu bei, das demokratische Versprechen Deutschlands international einzulösen. Sie stärkt verlässliche Informationsräume und wirkt Desinformation im Ausland – auch über Deutschland und Europa - entgegen, die öffentliche Debatten verzerrt. In ihrem unabhängigen journalistischen Angebot vermittelt sie Grundlagen freiheitlich-demokratischer Gesellschaften und macht Werte und Prinzipien sichtbar, die europäisches Handeln prägen. Zugleich leistet sie einen Beitrag zu Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 12 – 13/61 Deutschlands Sichtbarkeit im Ausland sowie internationaler Verständigung als Grundlagen stabiler Partnerschaften. Die Wirkungsabsichten bilden eine zentrale Grundlage für die strategische und programmliche Planung. Zudem dienen sie als Maßstab für die Evaluation: Sie machen nachvollziehbar, inwieweit die DW ihren Auftrag wirksam erfüllt oder ob Anpassungsbedarf besteht. Damit verbinden die Wirkungsabsichten Auftrag, Leitbild, Zielsetzungen und Erfolgskontrolle zu einem konsistenten Rahmen (siehe auch Anhang: DW-Kriterien für die Bewertung ihrer Angebote). 3.3 Zielgruppen Die Zielgruppendefinition ist ein zentrales Instrument der Angebotssteuerung und Profilierung der DW. Nur wenn klar bestimmt ist, welche Zielgruppen prioritär erreicht werden sollen, können Inhalte, Formate und Distributionswege wirksam, effizient und zielgerichtet gestaltet werden. Zugleich ist das Angebot der DW offen und frei zugänglich für alle Menschen – unabhängig davon, ob sie zur definierten Zielgruppe gehören. Niemand wird von der Nutzung ausgeschlossen. Die DW richtet sich weltweit prioritär an junge Akteurinnen und Akteure der politischen und gesellschaftlichen Meinungsbildung. Sie prägen öffentliche Debatten, bringen neue Impulse in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur ein und fungieren als zentrale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Abbildung 3: Zielgruppenbeschreibung der DW Die Konzentration auf eine junge, gebildete und urbane Zielgruppe ist für die DW eine wichtige Schwerpunktsetzung. In vielen Zielregionen, insbesondere in Asien und Afrika, stellen junge Menschen einen großen Anteil der Bevölkerung. Sie prägen gesellschaftliche Entwicklungen und Wandel, sind digital vernetzt, in sozialen Medien aktiv, treiben Innovation in Politik, Gesellschaft und Unternehmertum voran und verfügen über ein hohes Multiplikationspotenzial. Die DW fokussiert sich zudem auf urbane Räume, da Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 13 – 14/61 diese Zentren von Politik, Wirtschaft, Medien, Bildung, Innovation und gesellschaftlichem Diskurs sind und über eine vergleichsweise gute digitale Infrastruktur verfügen. Die Zielgruppe umfasst alle Geschlechter. Frauen sind in der Mediennutzung in vielen Regionen noch unterrepräsentiert oder werden durch bestehende Informationsangebote häufig weniger gut erreicht als Männer. Da Frauen in vielen Regionen im öffentlichen Diskurs marginalisiert sind und zugleich zentrale Rollen in Familien und Gemeinschaften einnehmen, trägt ihre gezielte Ansprache dazu bei, die Wirkung der DW als vertrauenswürdige Informationsquelle zu stärken. Insgesamt ermöglicht die gezielte Ansprache dieser Zielgruppe einen wirkungsvollen Einsatz begrenzter Ressourcen. 3.4 Zielgebiete Die DW richtet ihre journalistischen Angebote auf jene Zielgebiete aus, in denen sie im Sinne ihres Auftrags die größte Wirkung erzielen kann. Im Fokus stehen dabei Regionen, in denen Demokratie und Freiheit unter Druck stehen, unabhängige sowie unvoreingenommene Berichterstattung eingeschränkt ist und die von hoher Relevanz für Deutschland sind, sodass – auch infolge geografischer Entfernung – die Brückenfunktion der DW gefragt ist. In diesen Kontexten besteht ein besonderer Bedarf an verlässlichen Informationen aus deutsch-europäischer Perspektive. Hier kann die DW als kulturelle Vermittlerin zwischen Deutschland und anderen Weltregionen wirken, das Verständnis für demokratische Werte und gesellschaftliche Vielfalt stärken sowie innovative Entwicklungen sichtbar machen und den Austausch hierzu fördern. Fokus auf 16 Prio A-Länder Digitale Plattformen und KI‑basierte, personalisierte Ausspielung verändern die Mediennutzung grundlegend. Um in diesem Umfeld sichtbar zu bleiben, braucht es klar profilierte und auf die Zielgruppen zugeschnittene Angebote. Angesichts begrenzter Ressourcen fokussiert die DW ihre Zielgebiete, um mit maßgeschneiderten und regional verankerten Inhalten den größten strategischen Beitrag zu leisten. Ihre Sprachenvielfalt sichert dabei die regionale Verankerung ihres Journalismus und damit ihre Relevanz für die Nutzenden. Im Fokus ihrer journalistischen Angebote stehen 16 Prio A-Länder. In diesen Ländern verfolgt die DW eine intensive Profilierung durch originäre, exklusive und einzigartige journalistische Inhalte, eine starke redaktionelle Präsenz vor Ort, den Einsatz profilprägender journalistischer Persönlichkeiten und ein ausgeprägtes Community- Building. Zudem führt die DW in diesen Ländern verstärkt Vertriebstätigkeiten durch, um durch Kooperationen mit ausgewählten Partnern vor Ort die Zielgruppe noch besser zu erreichen. Auf diese Weise stärkt die DW ihre Markenidentität, erhöht ihre Sichtbarkeit und fördert einen kontinuierlichen Dialog mit ihren Zielgruppen. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 14 – 15/61 Abbildung 4: Prioritäre Zielländer der DW In Europa adressiert die DW die Prio A-Länder Russland und Ukraine mit russisch- und ukrainischsprachigen Angeboten und erreicht zugleich russischsprachige Anrainerstaaten in Osteuropa und Zentralasien mit regionalisierten Inhalten. Zusätzlich bietet die DW Sprachangebote für Mittel-, Südost- und Osteuropa – zur Stärkung der europäischen Resilienz in einer Region, die besonders im Fokus russischer Beeinflussungsversuche steht. Von besonderer strategischer Bedeutung ist zudem das Prio A-Land Türkei. In Subsahara-Afrika bietet die DW Inhalte in Englisch, Französisch und Portugiesisch für Afrika sowie Amharisch, Haussa und Kisuaheli an. Nigeria und die Demokratische Republik Kongo stehen dabei im Zentrum. Zugleich werden zentrale Länder in West-, Zentral-, Ost- und Südafrika erreicht. In Asien ist die DW mit den Regionalsprachen Bengalisch, Chinesisch, Dari, Farsi, Hindi, Indonesisch, Paschtu, Tamil und Urdu vertreten. Besondere Priorität haben China, Indien, Indonesien, Iran und Pakistan. Darüber hinaus werden weitere wichtige Länder der Region wie zum Beispiel Afghanistan und Bangladesch abgedeckt. In Amerika ist die DW mit englischen, spanischen und brasilianisch‑portugiesischen Angeboten präsent. Der Schwerpunkt liegt auf den Prio-A-Ländern USA, Brasilien und Mexiko. Das spanischsprachige Angebot ermöglicht darüber hinaus eine regionale Abdeckung weiter Teile Lateinamerikas. In der MENA-Region fokussiert sich die DW auf Ägypten, Irak und Syrien. Die arabischsprachigen Angebote sind darüber hinaus im gesamten Nahen Osten sowie in Nordafrika nutzbar. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 15 – 16/61 Die Zielländer geben an, auf welche Länder die DW ihre Ressourcen fokussiert, nicht, aus welchen Ländern sie berichtet. Die DW berichtet über wichtige Ereignisse aus der ganzen Welt, sofern sie für ihre Zielgruppen relevant sind und im Rahmen ihres Auftrags liegen. Die Auswahl der Zielländer erfolgt auf Basis klar definierter Kriterien unter Nutzung anerkannter internationaler Indizes und Studien, offizieller Statistiken sowie interner Analysen und Erhebungen. Berücksichtigt werden vor allem Demokratisierung und Freiheitsrechte, Relevanz für Deutschland, die Position der DW sowie Nutzungspotenziale. Die Priorisierung wird regelmäßig überprüft, um auf politische und gesellschaftliche Veränderungen in den Zielgebieten reagieren zu können. Angebote, die ein oder mehrere hochpriorisierte Länder adressieren, werden gezielt gestärkt, um originäre, exklusive und regionalisierte journalistische Angebote zu ermöglichen. Die weiteren Angebote sind eng in übergreifende Kooperations- und Produktionsstrukturen eingebunden. Durch effiziente Zusammenarbeit, enge redaktionelle Abstimmung und eine koordinierte thematische Schwerpunktsetzung entstehen länderübergreifende Inhalte, die mehrere Zielländer bedienen. In mehrsprachigen Regionen vereinfacht der gezielte Einsatz von KI künftig noch stärker, Inhalte aus einem Zielland effizient in andere in der Region vorkommende Sprachen zu adaptieren. So können Synergieeffekte systematisch genutzt werden, sodass die DW Wirkung über die Kern-Zielländer hinaus erzielt. Sprachenvielfalt als strategischer Mehrwert Die DW ist mit Angeboten in derzeit 32 Sprachen2 in ihren Zielmärkten präsent. Diese Sprachenvielfalt ermöglicht es, Zielgruppen in ihren jeweiligen kulturellen und sprachlichen Kontexten zu erreichen, Vertrauen aufzubauen und regionale Perspektiven systematisch in die journalistische Arbeit einzubeziehen. Dies ist ein zentrales Differenzierungsmerkmal im internationalen Wettbewerb und zugleich ein wesentlicher Bestandteil des Auftrags der DW, das Verständnis und den Austausch zwischen Kulturen und Völkern zu fördern. Eine detaillierte Beschreibung der Angebote je Weltregion findet sich in Kapitel 6. 2 Das Sprachangebot Griechisch kann unter den aktuell bekannten Budgetbedingungen voraussichtlich ab 2027 nicht fortgeführt werden. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 16 – 17/61 Abbildung 5: Überblick über die TV-, Radio-, und digitalen Angebote der DW in 32 Sprachen Die Priorisierung der Länder hat zudem Einfluss auf die Auslandspräsenz der DW. Damit ist die DW an weltpolitisch zentralen und für Deutschland geopolitisch relevanten Standorten vertreten, um globale politische und wirtschaftliche Entwicklungen unmittelbar erfassen und einordnen zu können. Zudem stärkt sie ihre Präsenz in prioritären Zielländern, um durch lokale Expertise und Nähe zum Publikum eine stärker regionalisierte und kontextualisierte Berichterstattung zu gewährleisten, die Resonanz und Wirkung bei den Zielgruppen ermöglicht. Neben den Studios in Brüssel, Jakarta, Kyjiw, Neu-Delhi, Riga – das nach der Schließung des Moskauer Studios durch die russischen Behörden im Jahr 2022 etabliert wurde –, Taipeh und Washington unterhält die DW Korrespondentinnen- und Korrespondentenbüros in Beirut, Bogotá, Chennai, Istanbul, Jerusalem, Johannesburg, Kinshasa, Lagos, Nairobi und Warschau. Die Standorte in Kyjiw und Beirut werden gemeinsam von DW und DW Akademie genutzt. Die DW Akademie verfügt zudem über Büros in Accra, Bogotá, Islamabad, Kampala, Mexiko-Stadt, Tunis und Windhuk. Der Standort Mexiko-Stadt soll ausgebaut und künftig ebenfalls gemeinsam von DW und DW Akademie genutzt werden. Zudem kooperieren DW und France Médias Monde (FMM) am Standort von RFI România in Bukarest. Ein weiterer Ausbau der Auslandsstandorte ist für die kommenden Jahre vorgesehen. Dieser ist eine zentrale Voraussetzung für die Erstellung regional relevanter Inhalte sowie für den Dialog mit den Nutzenden (vgl. Schwerpunkt 3, Kapitel 4). Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 17 – 18/61 Abbildung 6: Auslandspräsenz der DW 4 Unternehmensziele 2026 - 2029 Für den Zeitraum der Aufgabenplanung 2026–2029 setzt sich die DW drei übergreifende Ziele: 1. Die DW erhöht die Relevanz ihrer Angebote. 2. Die DW steigert ihre Reichweite auf 420 Millionen wöchentliche Nutzende. 3. Die DW stärkt den Dialog. Abbildung 7: Die übergreifenden Ziele der Aufgabenplanung 2026-2029 Diese Ziele zahlen unmittelbar auf die Wirkungsabsichten der DW ein. Relevanz entsteht, wenn Inhalte als glaubwürdig, qualitativ hochwertig und lebensnah wahrgenommen werden. Sie entscheidet darüber, ob Zielgruppen die Angebote der DW nutzen, ihnen vertrauen und regelmäßig darauf zurückgreifen. Ebenso muss Relevanz aus DW-Sicht gewährleistet sein: Inhalte müssen im Einklang mit Auftrag, Marke und den Profilthemen stehen und den hohen qualitativen Standards der DW entsprechen. In einer zunehmend unübersichtlichen Medienlandschaft, die verstärkt von KI-generierten Inhalten und Desinformation geprägt ist, stellen Glaubwürdigkeit und Vertrauen die zentralen Parameter dar, um als relevant wahrgenommen zu werden. Eine hohe Reichweite ist Voraussetzung für die Wirksamkeit des DW-Auftrags: Je mehr Menschen Zugang zu den Angeboten der DW haben, desto besser kann die DW die Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 18 – 19/61 intendierte Wirkung entfalten. Ziel ist es, trotz des gestiegenen Wettbewerbsdrucks und der Fragmentierung der Medienlandschaft die Zahl der Menschen weiter zu steigern, die Angebote der DW nutzen. Dabei ist die Steigerung der Reichweite für die DW kein Selbstzweck, sondern Ergebnis relevanter, glaubwürdiger und qualitativ hochwertiger Inhalte sowie einer erfolgreichen Distribution. Zudem ist Reichweite im Zusammenhang mit weiteren Faktoren zu bewerten: Maßgeblich ist dabei das Erreichen der jeweiligen Zielgruppen, beispielsweise mit Blick auf die definierten Zielländer und Altersgruppen. Entscheidend ist zudem nicht nur, wie viele und welche Menschen erreicht werden, sondern wie intensiv und nachhaltig die Angebote genutzt werden – je nach Plattform, Produkt und Kontext kann das beispielsweise an Kriterien wie Verweildauer, Interactions und Häufigkeit der Nutzung betrachtet werden. Dialog stärken bedeutet, Zielgruppen dabei zu unterstützen, konstruktive Debatten über gesellschaftlich relevante Themen zu führen. Dies gelingt durch multiperspektivische Berichterstattung, dialogorientierte Formate sowie Debatten- und Meinungsbeiträge, die unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen, Austausch ermöglichen und so als Katalysator für Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung wirken können. Zugleich schafft der direkte Dialog – online wie offline – Vertrauen und Bindung, weil Bedürfnisse, Erwartungen und Kritik frühzeitig erkennbar werden und in die Weiterentwicklung der Angebote einfließen können. Dialog erhöht damit Nutzendenorientierung und Transparenz: Die DW sendet nicht nur, sondern hört aktiv zu und geht in den konstruktiven Austausch. Darüber hinaus umfasst das Dialog-Ziel die internationale Medienentwicklungszusammenarbeit: Beratung und Trainings der DW Akademie stärken Medienkompetenz, fördern den souveränen Umgang mit Informationen und unterstützen freie, pluralistische Mediensysteme (siehe Kapitel 7, DW Akademie). 4.1 Schwerpunkte für die Jahre 2026-2029 Um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen und ihre Ziele zu erreichen, setzt die DW vier Schwerpunkte für die Umsetzung in den Jahren 2026-2029. Sie bilden den verbindlichen Rahmen für die Ausrichtung von Aktivitäten, Angeboten, Strukturen und Ressourcen: 1. Marke der Freiheit - Die DW positioniert sich als glaubwürdige Informationsquelle zu Freiheitsthemen. 2. Exzellenter Journalismus - Die DW bietet regional profilierte Angebote von herausragender Qualität und Expertise. 3. Starke Präsenz - Die DW steigert die Sichtbarkeit ihrer Angebote in den Zielmärkten. 4. KI-Transformation - Die DW stärkt ihre Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Abbildung 8: Schwerpunkte der Aufgabenplanung 2026-2029 Schwerpunkt 1: Marke der Freiheit Im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Zielgruppen setzt die DW klare Akzente und stärkt eine wiedererkennbare Identität. Angesichts des wachsenden Drucks auf liberale Prinzipien und individuelle Freiheitsrechte weltweit positioniert sich die DW als unabhängige, verlässliche und glaubwürdige Informationsquelle, die es Menschen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 19 – 20/61 ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich aktiv und konstruktiv an Debatten zu beteiligen. Sie macht dabei auch Transformations- und Innovationsprozesse in Deutschland und den Zielregionen sichtbar und bietet Inspiration für zukunftsweisende Ansätze und Lösungen, die gesellschaftlichen Fortschritt und Freiheit stärken. Presse- und Meinungsfreiheit sind grundlegende Voraussetzungen freier Meinungsbildung und demokratischer Prozesse. Fundiertes, faktenbasiertes Wissen ist die Basis für informierte Entscheidungen und stärkt demokratische Widerstandsfähigkeit, gesellschaftliche Innovationskraft sowie einen konstruktiven öffentlichen Diskurs. Ziel ist es, die internationale Markenbekanntheit und Sichtbarkeit der DW auszubauen, Vertrauen zu festigen und die Bindung zu den Zielgruppen zu stärken. So verankert sich die DW als globale Referenz für unabhängigen, freiheitsorientierten Qualitätsjournalismus. Die DW steht für Freiheit, Innovation und Dialog. Mit diesem Blickwinkel gestaltet sie auch ihre journalistischen Angebote. Vor dem Hintergrund dieser Markenpositionierung berichtet sie zu den Themenfeldern Freiheits- und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Technologie und Welthandel, Umwelt, Gesundheit sowie Kultur und Leben in Deutschland und Europa. Auf diese Weise macht die DW Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich. Durch den Aufbau weiterer starker journalistischer Persönlichkeiten und Programmmarken schafft die DW Vertrauen, Orientierung und emotionale Bindung. Dies ist besonders wichtig, da immer mehr Nutzende in einem zunehmend unübersichtlichen Medienangebot einzelnen journalistischen Persönlichkeiten stärker vertrauen als abstrakten Institutionen. Diese Persönlichkeiten stehen für Glaubwürdigkeit und journalistische Exzellenz – sie prägen das Bild der Marke und machen sie für die Nutzenden erlebbar. Erfolgreiche Beispiele wie Love Matters mit Leeza Mangaldas – eine Koproduktion mit The Indian Express -, Cómo te afecta mit Ernesto Andrés Fuenmayor und Tamara Rivera Castro oder The 77 Percent mit Edith Kimani dienen dabei als Vorbilder für markenprägende Formate und Persönlichkeiten, die zentrale Lebens- und Freiheitsthemen glaubwürdig vermitteln. Die DW stärkt zudem interaktive und dialogorientierte Formate, die den Austausch in den Zielregionen und mit dem Publikum fördern und inspirierende Perspektiven eröffnen, beispielsweise auch durch Gaming-Formate, die unterschiedliche Positionen sichtbar machen und konstruktiven Austausch ermöglichen. Dabei entstehen Communitys rund um Themen, Formate und Persönlichkeiten, die sich aktiv einbringen, diskutieren und gemeinsam Werte von Freiheit und Demokratie lebendig halten. Erfolgreiche Formate wie Step-by-Step mit Jaafar, das durch die Verbindung von Interaktivität, Gamification und Storytelling neue Maßstäbe für partizipativen Journalismus setzt, dienen dabei als Vorbild. Um den Dialog nachhaltig zu stärken, baut die DW ihr Community Management gezielt aus. Moderierte Interaktion und aktives Zuhören fördern einen respektvollen Austausch, stärken Vertrauen und vertiefen die Bindung zur Marke in digitalen Öffentlichkeiten. Ein wichtiges Element für die Markenbekanntheit ist das visuelle Erscheinungsbild. Bereits heute verfügt die DW über eine klare Gestaltung, die kontinuierlich weiterentwickelt und an neue gestalterische und technologische Standards angepasst wird. Konsistente Designprinzipien, wiedererkennbare Codes und etablierte Formatlogiken stärken die Markenwahrnehmung und sorgen für Sichtbarkeit über alle Plattformen hinweg. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 20 – 21/61 Darüber hinaus baut die DW ihre Bildungs- und Beratungsangebote durch die DW Akademie gezielt aus, um Medienkompetenz, Medienfreiheit und demokratische Resilienz zu fördern. So leistet sie einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung freier Informationsräume und eines offenen gesellschaftlichen Diskurses (siehe Kapitel 7, DW Akademie). Auf diese Weise wird die Marke DW langfristig als vertrauenswürdige Orientierung in einer fragmentierten, polarisierten Medienwelt etabliert und emotional wie rational im Bewusstsein der Zielgruppen verankert. Schwerpunkt 2: Exzellenter Journalismus Die DW bietet Angebote von außergewöhnlicher Qualität und Expertise – multiperspektivisch und regional profiliert. Ihr Journalismus hebt sich ab von Angeboten, die Wettbewerber und KI-Dienste bereitstellen. Im Mittelpunkt steht eine klare thematische und regionale Fokussierung des Angebots je Zielgebiet. Damit schafft die DW relevante, präzise und qualitätsgesicherte Inhalte, die den unterschiedlichen Informationsbedürfnissen ihres internationalen Publikums gerecht werden. Die thematische Profilierung wird durch den gezielten Ausbau journalistischer Expertise in ausgewählten Themenfeldern gestärkt, abgestimmt auf die Profilthemen der DW und die Bedürfnisse des jeweiligen Zielmarkts. Dazu etabliert und konsolidiert die DW ressort- und regionenübergreifend arbeitende Fokusteams, die Wissen und Quellen bündeln und die gemeinsame Entwicklung journalistischer Inhalte fördern. Die Fokussierung geht mit einer Reduzierung von Breite und einer klaren Ausrichtung einher. Dabei verstärkt die DW den eingeschlagenen Weg der Profilierung und führt die kontinuierliche Qualitäts- und Produktverbesserung konsequent fort. Dies ermöglicht es, veränderten Nutzungsgewohnheiten gerecht zu werden und agil auf die Bedürfnisse der Zielgruppen zu reagieren. Ein zentrales Element ist ein stringentes Portfolio- Management, das Angebote systematisch bewertet, weiterentwickelt oder beendet. Diese Ausrichtung dient der Bündelung von Ressourcen, der Steigerung journalistischer Wirkung und der klaren Positionierung der Marke in den jeweiligen Zielmärkten. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau exklusiver, originärer und herausragender Inhalte mit hohem journalistischem Mehrwert. Im Fokus steht erklärender, multiperspektivischer Journalismus, der komplexe Themen verständlich einordnet und unterschiedliche Sichtweisen sichtbar macht, um konstruktiven Austausch zu fördern. Recherche, Datenanalysen und investigative Berichterstattung sind dabei zentrale Elemente, um faktengeprüfte, kontextualisierte Inhalte bereitzustellen, die sich klar von KI- generierten Angeboten unterscheiden. Zur wirksamen Bekämpfung von Desinformation hat die DW ihre Verifikations- und Fact- Checking-Kompetenzen deutlich gestärkt und investiert weiter in die Entwicklung innovativer, technologiegestützter Lösungen. Ein international vernetztes Kompetenzteam koordiniert die Verifikation, führt eigenständige Faktenchecks durch und unterstützt Sprachredaktionen sowie Korrespondentinnen und Korrespondenten durch systematischen Wissenstransfer. Zusätzlich erarbeitet das Team transparente Standards für die Verifikation. Zu den zentralen technologischen Bausteinen zählt die von der DW gemeinsam mit Partnern entwickelte kollaborative Verifikationsplattform Truly Media, die Journalistinnen und Journalisten bei der Analyse und Überprüfung digitaler Inhalte – insbesondere aus sozialen Netzwerken – unterstützt. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 21 – 22/61 Darüber hinaus wird der lösungsorientierte Journalismus systematisch weiterentwickelt. Neben der Beschreibung und Analyse von Problemen und Herausforderungen werden auch innovative Lösungsansätze, Handlungsspielräume, zukunftsgerichtete und kreativgestaltende Perspektiven aufgezeigt, um einer einseitig negativen Berichterstattung entgegenzuwirken, Ohnmachtsgefühle zu vermeiden, der daraus resultierenden Nachrichtenmüdigkeit sowie Nachrichtenvermeidung entgegenzutreten – und die Zielgruppen zu inspirieren. Dabei treibt die DW Innovationen in allen Programmbereichen konsequent voran. Getragen von Einheiten wie Formatentwicklung, DW Lab und Audience Development entstehen neue journalistische Formate und Erzählweisen, die konsequent auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen ausgerichtet sind. Dazu gehören weiterentwickelte digitale Live-News-Formate, dialog- und Community-orientierte Angebote sowie gamifizierte und partizipative Formate für junge Nutzerinnen und Nutzer. Zugleich stärkt die DW exzellenten Journalismus vor Ort sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und fördert unabhängige journalistische Stimmen. Verbindliche Qualitätsstandards, eine konsequente Schlussredaktion sowie kontinuierliche Feedback- und Abnahmeprozesse sichern journalistische Qualität in allen Angeboten. Schwerpunkt 3: Starke Präsenz Die DW steigert die Sichtbarkeit ihrer Angebote durch strategische Partnerschaften in Europa und ihren weltweiten Zielregionen sowie durch eine stärkere Vernetzung vor Ort, den konsequenten Ausbau digitaler und KI-gestützter Verbreitungswege sowie durch verstärkte Maßnahmen zur Zensurumgehung. Zentrale Voraussetzung für die Erstellung regional relevanter Inhalte und für den Dialog mit den Nutzenden ist der gezielte Ausbau der Präsenz vor Ort. Die DW konzentriert sich dabei auf strategisch besonders relevante Märkte, sowie auf Regionen, in denen der Bedarf an unabhängiger, verlässlicher Information hoch ist. Zudem verstärkt die DW Kooperationen mit lokalen Medien, Influencerinnen und Influencern, die die Werte von Demokratie und Freiheit teilen und so zur Verankerung der Marke und Profilthemen in den jeweiligen Regionen beitragen. Die DW setzt auf eine Strategie der Regionalisierung. Regionalisierung bedeutet dabei die bewusste Auswahl von für die Zielgruppen relevanten Themen, Perspektiven und Erzählweisen, die Orientierung bieten und Menschen befähigen und inspirieren, fundierte Entscheidungen zu treffen und an gesellschaftlichen und politischen Debatten teilzunehmen. Um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen, baut die DW strategische Partnerschaften mit globalen Plattformen, KI-Diensten, regionalen, insbesondere digitalen Medien sowie europäischen und nationalen öffentlich-rechtlichen wie privaten Medienanbietern aus. Ziel ist es, Reichweite zu erhöhen, Synergien bei Produktion und Distribution zu nutzen und die Sichtbarkeit der DW-Inhalte im digitalen Ökosystem langfristig zu sichern (siehe auch Kapitel 5, Strategische Kooperationen und Projekte). Vor dem Hintergrund, dass KI- Systeme und Chat-Interfaces zunehmend als zentrale Zugangspunkte zu Informationen fungieren, priorisiert die DW den Aufbau tragfähiger Kooperationen im KI-Kontext und prüft Modelle der Content-Lizenzierung, um ihre journalistischen Inhalte auch in einer KI- geprägten Medienlandschaft auffindbar zu machen. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 22 – 23/61 Die zentrale Bedeutung von Kooperationen und Partnerschaften erfordert zugleich eine systematische Absicherung der Werte- und Markenintegrität der DW. Daher stellt die DW sicher, dass Kooperationen mit Distributoren, Plattformen, KI-Anbietern, Dienstleistern und Produktionspartnern im Einklang mit ihren journalistischen, demokratischen und ethischen Werten stehen. Ein etabliertes Third-Party-Risk-Management unterstützt die risikoadäquate Bewertung und Steuerung von Geschäftsbeziehungen und schafft so die Grundlage für nachhaltige, vertrauenswürdige und wertekonforme Partnerschaften. Mit einem konsequenten Fokus auf On-Demand-optimierte, crossmediale und personalisierte Angebote stellt die DW sicher, dass ihre Inhalte nutzendenzentriert und zielgerichtet über Plattformen, Sprachen und Zielgruppen hinweg verbreitet werden. Entsprechend werden TV-Angebote umgebaut oder durch digital abrufoptimierte Formate ersetzt. Die TV-Kanäle werden unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Reichweite sukzessive im Aufwand reduziert, etwa durch eine geringere Anzahl an TV-first-Produkten, höhere Wiederholungsraten sowie eine stärker automatisierte und standardisierte Produktion. Ein weiteres Kernelement ist die konsequente Weiterentwicklung der Multiplattformstrategie. Durch die Optimierung ihrer eigenen digitalen Plattformen stellt sie eine bestmögliche Auffindbarkeit und Verbreitung der Inhalte über Suchmaschinen, Chat-Interfaces und KI-Dienste hinweg sicher. Die eigenen Plattformen dw.com und die DW-Apps bleiben dabei ein wichtiger Ort für Markenpräsenz, redaktionelle Unabhängigkeit und den direkten Zugang der Nutzenden zu den Angeboten der DW. Zugleich bilden sie die technische Grundlage für die strukturierte Vorhaltung und Distribution von Inhalten auf Drittplattformen und an Distributionspartner. In zensierten Märkten setzt sich die DW aktiv für freien und sicheren Informationszugang ein und investiert – auch gemeinsam mit Partnern –in innovative Technologien zur Zensurumgehung. Ein zentrales Element dieser Strategie ist die Entwicklung der neuen mobilen App DW Access. Durch die Kombination von Zensurumgehungstechnologien, datensparsamen Sicherheitsfunktionen und Offline-Fähigkeiten ermöglicht sie einen sicheren, stabilen und zensurresilienten Zugang zu den Inhalten der DW – auch unter hochrestriktiven digitalen Bedingungen. Vor dem Hintergrund der Kürzungen bei USAGM und der gefährdeten Finanzierung des Open Technology Fund droht eine erhebliche Finanzierungslücke. Die DW engagiert sich daher für die Einrichtung eines europäischen Technology Fund, der diese Lücke schließt und den Zugang zu unabhängigen Informationen in restriktiven Medienumgebungen stärkt. Schwerpunkt 4: KI-Transformation Um den dynamischen Wandel der Medienlandschaft aktiv mitzugestalten, stärkt die DW ihre Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit durch KI-optimierte Abläufe, moderne Arbeitsstrukturen und einen nachhaltigen, flexiblen Ressourceneinsatz. KI- und digitale Transformation werden dabei nicht nur als technologische Vorhaben verstanden, sondern als ganzheitlicher organisatorischer und kultureller Veränderungsprozess, der nachhaltig im Unternehmen verankert wird. Im Mittelpunkt steht der gezielte Einsatz von KI-Anwendungen zur effizienteren Erstellung, Verbreitung und Personalisierung von Inhalten. Die Einführung und Weiterentwicklung von KI erfolgt dabei systematisch auf Grundlage einer organisationsweiten KI-Agenda, in der konkrete Anwendungsfelder und der damit Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 23 – 24/61 verbundene Finanzbedarf definiert und priorisiert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Prozessen mit hoher Wertschöpfung wie Adaption, Videoschnitt, Übersetzung sowie auf Distribution und Personalisierung. Bereits heute nutzt die DW etablierte, datenschutzkonforme KI-Lösungen, darunter das von der DW mitentwickelte System plain.X zur Unterstützung redaktioneller Workflows für Adaption, Übersetzung, Schnitt und Distribution. Flankierend treibt die DW Forschung zu KI-gestützter Sprachverarbeitung und Sprachmodellen voran – auch für weniger verbreitete Sprachen – und stärkt so gezielt ihre Mehrsprachigkeit. Ergänzend wird eine zentrale technische Infrastruktur und Datenplattform aufgebaut, die einen sicheren, flexiblen und kontrollierten Einsatz verschiedener KI-Dienste entlang der redaktionellen, produktionellen und distributiven Kernprozesse ermöglicht. Der Einsatz von KI in der journalistischen Inhaltserstellung erfolgt auf Grundlage redaktioneller KI-Guidelines, die Qualität, Verantwortung und Vertrauenswürdigkeit sicherstellen. Parallel werden Verwaltung und interne Abläufe konsequent modernisiert. Durch Digitalisierung und Automatisierung werden Prozesse verschlankt, Ressourcen effizienter eingesetzt und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit verbessert. KI-gestützte Automatisierungspotenziale werden systematisch identifiziert und – wo sinnvoll – in bestehende Softwarelösungen integriert. Insbesondere in den Bereichen Personal, Finanzen, Einkauf und Dienstreisen werden so Effizienzgewinne realisiert, Kosten gesenkt und Freiräume für Tätigkeiten jenseits der standardisierten Prozesse geschaffen. Ziel ist der Aufbau einer integrierten und durchgängigen Prozesslandschaft, die Effizienz, Transparenz, Compliance und Nutzerfreundlichkeit gleichermaßen stärkt und im Einklang mit der Unternehmenskultur weiterentwickelt wird. Eine verlässliche Data Governance bildet die Grundlage für Automatisierung, hohe Datenqualität und den verantwortungsvollen Einsatz von KI. Hierfür etabliert die DW klare Strukturen und Standards in einem unternehmensweiten Data-Governance-Framework. Angesichts zunehmender Bedrohungen und Angriffe auf IT-Systeme und Infrastruktur stärkt die DW ihre Cyber- und Informationssicherheit durch eine systematische Steuerung, Überwachung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Informationssicherheit. Ergänzend kommen moderne, teilweise KI-gestützte Sicherheitslösungen zum Einsatz, um Cyberresilienz, Informationssicherheit und den Schutz zensurbetroffener Zielgruppen zu erhöhen. Ein wesentlicher Bestandteil der Transformation ist die Qualifizierung der Mitarbeitenden. Ziel ist es, digitale und KI-bezogene Kompetenzen auszubauen. Dazu wird ein DW-weites Schulungs- und Beratungsangebot etabliert. Zukunftskompetenzen – insbesondere Technologieverständnis, Prozessdenken und Veränderungsfähigkeit – werden gezielt in Personalentwicklung, strategischer Personalplanung und Recruiting verankert. Eine vorausschauende und strategische Personalplanung ermöglicht dabei eine effiziente Ressourcensteuerung und schafft Flexibilität, auch im Kontext anstehender personalbezogener Maßnahmen und Tarifverhandlungen. Recruiting und Personalentwicklung werden hierfür konsequent skill- und kompetenzbasiert weiterentwickelt. Darüber hinaus stärkt die DW ihre organisationale Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können. Ein strukturiertes Change Management hilft Mitarbeitenden dabei, neue Arbeitsweisen zu etablieren, Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 24 – 25/61 bereichsübergreifend zusammenzuarbeiten und Veränderungen aktiv mitzugestalten. Führungskräfte werden unterstützt, KI zur Automatisierung von Routinetätigkeiten, zur besseren Nutzung von Wissen sowie für fundierte Entscheidungsprozesse einzusetzen und gleichzeitig Räume für menschliche Stärken wie Kreativität, Empathie und strategisches Denken zu sichern. Mit diesen vier Schwerpunkten trägt die DW den globalen, geopolitischen und technologischen Herausforderungen Rechnung und schafft einen verbindlichen Orientierungsrahmen für die strategische Ausrichtung von Aktivitäten, Angeboten, Strukturen und Ressourcen. Somit werden die Voraussetzungen geschaffen für die Erreichung von Vision und Zielen im Zeitraum 2026-2029. Unternehmenskultur & Nachhaltigkeit Eine moderne, inklusive Arbeitskultur bildet den Rahmen der Transformation. Sie fördert Eigenverantwortung, Innovationsgeist, vernetztes Denken und lösungsorientierte Zusammenarbeit, getragen von einer gelebten Feedback- und Fehlerkultur. Hybride, direktionsübergreifende und kollaborative Arbeitsformen schaffen eine agile Organisation, die den Herausforderungen der digitalen Zukunft offen und innovationsfreudig begegnet. Die strukturelle Verankerung von Diversity, Equity and Inclusion (Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Inklusion) stärkt den Wandel der DW und ihre journalistische Mission. Perspektivenvielfalt und der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen entlang klar definierter Grundsätze werden gefördert, ebenso das klare Eintreten gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung. Als internationales Medienhaus versteht die DW Vielfalt zugleich als zentralen Faktor für Recruiting, Personalbindung und Erfolg: Eine inklusive Unternehmenskultur erhöht die Attraktivität für Talente, stärkt Innovationsfähigkeit und Glaubwürdigkeit und sichert die Zukunftsfähigkeit der DW. Die DW misst der Prävention von Antisemitismus hohe Bedeutung bei und hat dafür verbindliche Strukturen, Standards und Verfahren etabliert. Dazu gehören Leitlinien, kontinuierliche Sensibilisierung sowie qualitätssichernde Maßnahmen in Redaktion und Organisation. Ergänzend wirken organisationsinterne Fokusgruppen und Dialogformate präventiv und sichern eine faktenbasierte, diskriminierungsfreie Berichterstattung. Auch im Bereich der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit setzt die DW ihren Kurs fort. Auf Grundlage ihrer Klimaschutzstrategie verfolgt sie das Ziel, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 2019 deutlich zu reduzieren. Hierfür wurden entsprechende Strukturen etabliert und Prozesse angepasst, insbesondere in den Handlungsfeldern Mobilität, Produktion und Beschaffung. Ergänzend wird ein Energiemanagementsystem eingeführt, um die Energieeffizienz kontinuierlich zu steigern. Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit stärkt die DW ihr nachhaltiges Organisationsverständnis, unter anderem durch flexible Arbeitsmodelle oder Tarifverträge. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 25 – 26/61 5 Strategische Partnerschaften und Projekte Kooperationen ermöglichen der DW, ihre Relevanz, Reichweite und Wirkung in hochkompetitiven und polarisierten Medienumgebungen deutlich zu erhöhen. Durch die Zusammenarbeit mit Partnern erreicht sie größere und diversere Öffentlichkeiten, erzielt eine höhere politische und gesellschaftliche Durchschlagskraft und nutzt redaktionelle, technische und organisatorische Ressourcen effizienter. Zugleich stärken Kooperationen die Sichtbarkeit der DW als Marke der Freiheit und erhöhen die Resilienz unabhängiger Medienangebote. Sie sind damit zugleich ein Instrument zur Stärkung von Freiheit, Innovationsfähigkeit und dialogischer Vernetzung. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks, fragmentierter Mediennutzung und wachsender Desinformation gewinnen Kooperationen und Partnerschaften weiter an Bedeutung. Die DW setzt daher gezielt auf unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit – auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Strategische Partnerschaften mit Auslandssendern Ein wichtiges Instrument ist die Zusammenarbeit mit demokratisch ausgerichteten Auslandssendern. Dazu gehört u.a. der enge Austausch mit BBC World Service, CBC/ Radio-Canada und NHK World Japan. Insbesondere in Europa intensiviert die DW die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern, Netzwerken und Plattformen, vor allem im EBU-Kontext, um gemeinsam die Sichtbarkeit und Wirkung im europäischen Medienraum zu verstärken. Einen Schwerpunkt setzt die DW auf die Partnerschaft mit France Médias Monde (FMM), um Inhalte in wichtigen Regionen noch besser zu verbreiten und Ressourcen zu bündeln. Ein Beispiel ist der im Dezember 2025 eröffnete gemeinsame Standort im Büro von RFI România in Bukarest. Die zusätzlich von FMM und DW gemeinsam gestartete Information Shield Initiative knüpft eng an die aktuelle European-Democracy- Shield-Initiative der EU-Kommission an, die darauf abzielt, europäische Demokratien wirksam vor gezielter Desinformation zu schützen. Gemeinsam mit europäischen Partnern wie beispielsweise TVP World wollen DW und FMM ihre Präsenz in besonders gefährdeten Regionen ausbauen und freie, unabhängige und ausgewogene Informationen in Osteuropa, dem Kaukasus sowie weiteren Regionen stärken. Die DW zielt zudem auf eine vertiefte Zusammenarbeit mit ARTE ab, um komplementär die Zielgruppen in Osteuropa noch wirksamer zu erreichen. Den Fokus legt die DW auf unabhängige Nachrichten, faktenbasierte Einordnung und Informationsangebote. Von Vorteil ist die langjährig etablierte Präsenz der DW in der Region – mit Angeboten in den lokalen Sprachen sowie fest verankerten redaktionellen Strukturen. In Zukunft möchte die DW die Koproduktion von hochwertigen Dokumentationen ausbauen. Ziel ist es, die jeweiligen Stärken der beiden Partner für ein breites europäisches Medienangebot zu nutzen. Darüber hinaus betreibt die DW erfolgreiche Gemeinschaftsprojekte mit internationalen Auslandssendern wie InfoMigrants, +90 und ENTR. InfoMigrants wird seit 2017 gemeinsam mit FMM und der italienischen Nachrichtenagentur Agenzia Nazionale Stampa Associata (ANSA) produziert. Es richtet sich an Menschen, die darüber nachdenken ihr Land zu verlassen, sich bereits auf der Flucht befinden oder in europäische Länder migriert sind. Das Format wirkt Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 26 – 27/61 Desinformation entgegen und wird auf Englisch, Französisch, Arabisch, Bengalisch, Dari und Paschtu über eine gemeinsam betriebene Website sowie Social Media ausgespielt. Inhalte werden kontinuierlich weiterentwickelt und plattformspezifisch angepasst, zuletzt mit einem erfolgreichen TikTok-Kanal für das bengalische Angebot. Die EU-Förderung ist bis Ende 2026 gesichert und das Angebot soll durch Kooperationen mit DW-Redaktionen weiter ausgebaut werden. Das seit 2019 von DW, BBC, France24 und VOA gemeinsam entwickelte Kooperationsprojekt +90 richtet sich an junge Menschen in der Türkei. +90 informiert über relevante gesellschaftliche und politische Themen in der Türkei – mit dem Ziel, Debatten anzustoßen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Der Fokus liegt auf datengetriebenen Erklärformaten, Kurzvideos zu internationalen Inhalten und Storys, die das Leben junger Menschen weltweit beleuchten. Hinzu kommen regelmäßige längere Reportagen und exklusive Beiträge mit tieferen Einblicken. Dabei wird auf Social- Media-Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok und X gesetzt. Durch enge Abstimmung und konsequente Ausrichtung auf die Zielgruppe hat sich +90 als relevante Plattform in der Türkei etablieren können. Trotz des derzeitigen Rückzugs von VOA wollen DW, BBC und France 24 das Projekt fortführen und insbesondere den Bereich der konstruktiven Berichterstattung weiterentwickeln. Das paneuropäische, rein digitale Medienprojekt ENTR richtet sich an junge Europäerinnen und Europäer und produziert Inhalte in zehn Sprachen für Plattformen wie Instagram, TikTok, YouTube und Facebook. Ziel ist es, junge Zielgruppen mit relevanten europäischen Themen zu erreichen, den Austausch über Grenzen hinweg zu fördern und vielfältige und inspirierende Perspektiven sichtbar zu machen. Das Medienprojekt wird von der Europäischen Kommission, dem Auswärtigen Amt (AA) sowie dem französischen Ministère de la Culture kofinanziert. Ziel ist es, eine dauerhafte Finanzierung über den mehrjährigen Finanzrahmen der EU für das Projekt zu sichern. Kooperationen im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk Mit den ARD-Landesrundfunkanstalten, dem ZDF und dem Deutschlandradio entstehen regelmäßig gemeinsame Produktionen – derzeit sind es mehr als ein Dutzend laufender oder geplanter Projekte, darunter hochwertige Dokumentarfilme mit großem Reichweitenpotential. Darüber hinaus werden Formate im Programmaustausch wechselseitig genutzt, etwa das wöchentliche DW-Tech-Format Shift, das auf Tagesschau24 ausgespielt wird. Im Kulturbereich wird die Zusammenarbeit um innovative Social-Media-Formate- erweitert, die klassische Musik für ein jüngeres Publikum zugänglich machen. Als ARD-Mitglied arbeitet die DW in allen relevanten ARD-übergreifenden Kommissionen und Arbeitsgruppen mit – in einigen Bereichen in leitenden Funktionen. Diese Zusammenarbeit stärkt nicht nur Effizienz, sondern fördert auch gemeinsame Innovationsprozesse innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems. Sie ermöglicht es der DW, zentrale Themen wie Finanzen, Personal, Beschaffung, Gebäudemanagement sowie gemeinsame IT-Kooperationen nicht nur mitzugestalten, sondern auch von Synergien, Volumeneffekten und Best Practices innerhalb der ARD zu profitieren. Die ARD- weite Einführung von (D)ein SAP hat auch bei der die DW betriebswirtschaftliche Prozesse vereinheitlicht und an ARD-Standards angepasst. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 27 – 28/61 Auch im Archivbereich bestehen enge Kooperationen mit der ARD, dem ZDF, Deutschlandradio sowie teilweise mit ORF und SRF – darunter gemeinsame Datenbanksysteme und einheitliche Standards. Auch international werden Ressourcen gebündelt und mit Auslandsstudios kooperiert: Anfang 2026 zog eröffnete die DW beispielsweise mit dem WDR ein gemeinsames Studio in Washington, 2026 folgt ein gemeinsames Studio mit dem SWR in Mexiko-Stadt. Aufgrund ihrer Auslandskompetenz und zur Klärung und Vereinheitlichung rechtlicher Fragestellungen baut die DW derzeit federführend eine AG Ausland als Untergruppe der Juristischen Kommission auf. Darüber hinaus ist die DW Teil des ARD-weiten KI-Netzwerks, in dem unter anderem ARD-weite KI- Maß-nahmen vorangetrieben werden. Im Bereich IT und Technik ist die DW in der ARD Tech Unit sowie in der Expertengruppe Digitale Verwaltung vertreten und arbeitet aktiv und gestaltend an gemeinsamen Zielen, Projekten und Beschaffungen. Ebenso ist die DW im Bereich Medienforschung in den relevanten Arbeitsgruppen und Kommissionen vertreten. Zudem baut die DW ihre Fact-Checking-Kompetenz aus. Die systematische Weiterentwicklung technologischer Verifikationsinstrumente verbindet Innovationskraft mit dem Schutz freiheitlicher Informationsräume. Als Teil des 2025 gegründeten ARD- Faktencheck-Netzwerks arbeitet sie gemeinsam mit Tagesschau, den ARD- Landesrundfunkanstalten, funk und Deutschlandradio an gemeinsamen Standards, effizienter Ressourcennutzung und senderübergreifenden Teams bei besonderen Ereignissen wie beispielsweise Wahlen. Die DW hat dafür ihre Fact-Checking-Einheit als zentrale Kompetenzstelle für Verifikation und Open-Source- Intelligence (OSINT) etabliert. Neben der internen Verifizierung, Trainings und Formatentwicklung in den Sprachen Chinesisch, Indonesisch, Arabisch und Spanisch sind für das Jahr 2026 ein Advanced-Training und ein KI-Detektionstraining geplant. International engagiert sich die DW im Eurovision News Spotlight der EBU, um grenzüberschreitende Narrative zu analysieren und Skills zu Open Source Intelligence auszubauen. Zudem gehört die DW zur Fact-Checking- Community der European Digital Media Observatory (EDMO) und ist zertifiziertes Mitglied des International Fact-Checking Network (IFCN). Partnerschaften als zentrales Element der Vertriebsstrategie Für die weltweite Distribution der DW spielen verlässliche Partnerschaften eine zentrale Rolle. Mit mehr als 3.000 Distributionspartnern, die regional und global agieren, vereinbart die DW Vertriebskooperationen, die sowohl Reichweite als auch Sichtbarkeit der Inhalte stärken. Der kontinuierliche Austausch mit diesen Partnern sichert die inhaltliche Relevanz für die jeweiligen Zielgruppen und ermöglicht eine wirksame Ausspielung über deren Plattformen. Verschiedene Distributionsmodelle ermöglichen marktspezifische und flexible Kooperationsweisen. Dazu zählt die Weitergabe von Inhalten aus dem Angebotsportfolio und deren Platzierung auf digitalen Plattformen von Distributionspartnern, die Verbreitung von TV‑Sendungen oder ‑Kanälen über Sender und Infrastrukturbetreiber, ebenso wie Adaptionen, Lokalisierungen und gemeinsame Koproduktionen mit regionalen Partnern. Ergänzend bietet die DW über DW Premium und Transtel exklusive Inhalte für spezifische Marktbedürfnisse. Kontinuierlich entstehen adaptive und innovationsorientierte Distributionsstrukturen, die publizistische Wirkung und technologische Weiterentwicklung verbinden. Mit DW Premium verfügt die DW über ein maßgeschneidertes Angebot für ausgewählte Partner. Dieses richtet sich an die reichweitenstärksten Anbieter in den jeweiligen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 28 – 29/61 Zielländern und umfasst aktuelle Nachrichtenbeiträge, TV-Schalten und exklusive Video- Reihen in bis zu 29 Sprachen, darunter Arabisch, Englisch, Französisch, Hindi, Portugiesisch und Spanisch. Kriterien wie Zielgruppenkongruenz und Professionalität sind dabei entscheidend. Durch den engen Austausch mit Distributionspartnern gewinnt die DW wertvolle Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Nutzenden und kann ihre Inhalte entsprechend präziser ausrichten. Gleichzeitig profitieren Partner von exklusiven Inhalten in höchster Qualität. DW Premium gliedert sich dabei in drei Sparten: • DW Premium News (DWPN): Stellt täglich News-Beiträge für TV und Online bereit und identifiziert dafür drei bis fünf Beiträge für die Weitergabe an Premium-Distributoren. • DW Premium Library (DWPL): Bietet digitale, zeitlose Video-Reihen zu Themen wie Wirtschaft, Wissenschaft, Umwelt, Gesundheit, Sport, Lifestyle, Gesellschaft und Kultur. • Premium-TV-Schalten: DW-Journalistinnen und -Journalisten aus Deutschland werden in Nachrichtensendungen nationaler TV-Sender geschaltet und sprechen zu Themen wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Dieses Modell wird kontinuierlich ausgebaut und durch neue Partner und Schalten zu zentralen DW-Profilthemen wie Freiheit, Demokratie und Innovation ergänzt. DWPL baut zudem sein Library-Portfolio mit mehr als 50 Reihen in mehreren Sprachen kontinuierlich aus und reagiert agil auf Markttrends, um die Bandbreite von Social Media bis OTT abzudecken. DW Transtel lizenziert Dokumentationen und Sachbeiträge an ein breites Partnernetzwerk: Von Video-on-Demand-Plattformen und Fernsehsendern bis hin zu Fluggesellschaften und Bildungseinrichtungen. Gleichzeitig unterstützt DW Transtel die Transformation vom linearen Fernsehen hin zu OTT und On-Demand durch ein etabliertes Lizenzmodell, Präsenz im Markt und hochwertige Inhalte mit vollständigen Rechten und Metadaten. Dies ermöglicht den Zugang zu neuen Plattformen und Geschäftsbereichen wie beispielsweise Netflix, Amazon, Pluto TV oder YouTube. Damit positioniert sich die DW auch in neuen digitalen Ökosystemen als innovativer Content-Partner und stärkt ihre Sichtbarkeit in sich wandelnden Medienmärkten. Kooperationen mit privaten Medienhäusern Neben der Zusammenarbeit mit öffentlichen Partnern, internationalen Organisationen und Auslandssendern kooperiert die DW auch mit privaten Medienhäusern. So gründete sie 2022 gemeinsam mit der Rheinischen Post Mediengruppe, RTL Deutschland und dem dänischen Constructive Institute das Bonn Institute für Journalismus und konstruktiven Dialog. Ziel ist es, Journalismus nicht nur zukunftsfähig zu machen, sondern angesichts zunehmender Nachrichtenvermeidung und Polarisierung eine Berichterstattung zu fördern, die Menschen einen echten Mehrwert bietet und demokratische Gesellschaften stärkt. Auch das 2023 gemeinsam mit dem Bonn Institute gegründete DW–Bonn Institute Constructive Journalism Fellowship wird fortgeführt. Es qualifiziert ausgewählte DW-Journalistinnen und Journalisten in konstruktiver Berichterstattung und wird durch bedarfsorientierte Weiterbildungsangebote in Kooperation mit dem Bonn Institute ergänzt. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 29 – 30/61 Gemeinsam mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bietet die DW in ihrem German News Service (GNS) zusätzlich kostenlose Nachrichtenangebote für alle, die sich über deutsche Themen informieren oder darüber berichten möchten. Finanziert wird es durch Projektmittel des AAs. Das Angebot liefert Medienpartnern sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weltweit täglich multimediale Inhalte zu Deutschland – darunter GNS Klassik in Arabisch, Deutsch, Englisch und Spanisch, GNS Balkan in Bosnisch und Serbisch sowie GNS Russisch Französisch. Internationale Organisationen, Netzwerke und Think Tanks Auch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) und Medienverbände wie die Asia-Pacific Broadcasting Union (ABU) bieten Plattformen für Wissenstransfer, Präsenz und Kooperationen. Insbesondere in der European Broadcasting Union (EBU) engagiert sich die DW durch die Beteiligung an Chefredaktionsrunden, Programmaustausch und Rechercheprojekten. Zudem arbeitet sie eng mit Akteuren der auswärtigen Politik und Kultur zusammen – darunter Think Tanks wie die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und Mittlerorganisationen wie das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). In den kommenden Jahren will sie diese Partnerschaften gezielt ausbauen und neue Allianzen in priorisierten Regionen wie der MENA-Region und Nordamerika etablieren. Veranstaltungen und Dialog Als weiteres wichtiges Instrument zur Stärkung der Präsenz und Förderung des Dialogs setzt die DW auf Veranstaltungen, die direkten Austausch ermöglichen. Das bedeutendste Format stellt das jährliche Global Media Forum (GMF) mit rund 1.500 Teilnehmenden aus über 100 Ländern dar. Mit Zuwendungen des AAs, des Landes Nordrhein-Westfalen, des BMZ sowie der Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse Bonn hat sich das GMF als internationale Netzwerkplattform etabliert. Bei der jährlichen Veranstaltung diskutieren Expertinnen und Experten interdisziplinäre und zukunftsweisende Lösungen für globale Herausforderungen, in denen Medien eine Schlüsselrolle spielen. Dabei werden auch innovative Ansätze zur Sicherung von Medienfreiheit und demokratischer Öffentlichkeit entwickelt und vernetzt. In diesem Rahmen positionieren sich DW und DW Akademie als zentrale Akteure für unabhängigen Journalismus. Seit 2001 verfolgt die DW gemeinsam mit der Internationalen Beethovenfeste Bonn gGmbH das Ziel, klassische Musik als Teil des europäischen Kulturerbes weltweit erlebbar zu machen. Dabei setzt sie auf innovative digitale Formate und nutzt die künstlerische Kompetenz und organisatorische Stärke des Festivals, um kulturelle Bildung und interkulturellen Dialog nachhaltig zu fördern. Über plattformgerechte Kurzvideos in sozialen Medien werden junge Nutzerinnen und Nutzer spielerisch an klassische Musik herangeführt, während Konzertübertragungen das Erlebnis vertiefen. Ein zentrales Element ist das jährlich stattfindende Campus-Projekt, das den direkten Austausch zwischen herausragenden Nachwuchsmusikerinnen und -musikern des Bundesjugendorchesters und einem jeweils wechselnden Partnerland aus dem Kreis der DW-Zielländer ermöglicht. Durch Aufführungen und mediale Begleitung ist es weltweit zugänglich und stärkt die Rolle der DW als Kulturvermittlerin im internationalen Kontext. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 30 – 31/61 Zu den bedeutenden Kulturkooperationen der DW zählt auch die langjährige Partnerschaft mit dem Goethe-Institut. Sowohl die DW-Redaktionen als auch die Verantwortlichen für die Deutschlernangebote arbeiten vertrauensvoll mit der gemeinnützigen Einrichtung zusammen. Auch beim GMF ist das Goethe- Institut regelmäßig mit seiner Expertise präsent. Darüber hinaus tauschen sich DW und Goethe-Institut regelmäßig zu strategischen Fragen aus. 6 Strategische Ausrichtung der Angebote pro Region 6.1 Europa In Europa ist die DW mit Angeboten für Osteuropa, Mittel- und Südosteuropa sowie die Türkei präsent. Diese Zielregion ist für die europäische Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Zugleich ist sie von gesellschaftlichen Spannungen, intensiver geopolitischer Rivalität sowie dem wachsenden Einfluss populistischer und nationalistischer Kräfte geprägt. Die Region umfasst sowohl EU‑Mitgliedstaaten als auch unmittelbare Nachbarländer der EU und bildet damit ein Umfeld, in dem Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt entscheidende Voraussetzungen für europäische Resilienz bilden. In diesem Umfeld leistet die DW einen wichtigen Beitrag, indem sie verlässliche, faktenbasierte Informationen bereitstellt, Räume für freien Austausch schafft und verständliche Einordnung ermöglicht – insbesondere dort, wo öffentliche Debatten eingeschränkt oder stark polarisiert sind. In Osteuropa ist die DW mit Angeboten in Russisch und Ukrainisch vertreten. Im Zentrum stehen dabei die Prio-A-Länder Russland und Ukraine. Darüber hinaus erreicht die DW mit ihren Angeboten weitere strategisch relevante Zielländer wie Belarus, Moldau und Georgien. Die Region stellt einen geopolitisch hochsensiblen Raum dar, in dem sich sicherheits-, energie- und demokratiepolitische Entwicklungen unmittelbar auf Deutschland und die EU auswirken. Sie ist zugleich vom russischen Angriffskrieg, autoritärer Einflussnahme und einem medial stark eingeschränkten Umfeld gekennzeichnet. In Russland dominieren Repression, Zensur und digitale Abschottung; in Belarus ist unabhängiger Journalismus faktisch unmöglich. Auch die ukrainische Medienlandschaft steht durch den Krieg, wirtschaftliche Belastungen und politische Einflussnahme unter erheblichem Druck. Deutschland spielt in vielen Staaten der Region eine wichtige Rolle mit Blick auf Reformen, Stabilisierung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Angesichts der im Wandel befindlichen globalen Ordnung und des Rückbaus amerikanischer Auslandsmedien wächst die Bedeutung, deutsch‑europäische Perspektiven in der Region sichtbar zu machen. Hier übernimmt die DW eine zentrale Funktion: Sie stellt unabhängige, faktenbasierte Informationen bereit, wo der öffentliche Raum eingeengt ist, und stärkt damit demokratische Resilienz. Mit ihren Angeboten in Russisch und Ukrainisch ordnet sie politische und gesellschaftliche Entwicklungen ein, macht zukunftsweisende Entwicklungen sichtbar und schafft Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 31 – 32/61 Dialogräume, in denen unterschiedliche Stimmen konstruktiv miteinander in Austausch kommen können. Das russische Medienumfeld ist geprägt von staatlicher Repression und digitaler Abschottung. Seit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine wird kritische Berichterstattung systematisch unterdrückt. Plattformen wie Facebook, Instagram und X sind blockiert, YouTube wird gedrosselt und der Aufbau eines sogenannten „souveränen Internets“ nach chinesischem Vorbild wird vorangetrieben. Zwar ermöglichen Virtual Private Networks (VPN)-Dienste weiterhin den Zugang zum freien Internet, doch auch sie werden zunehmend eingeschränkt. Parallel dazu intensiviert Russland seine Desinformationskampagnen im In- und Ausland, die sich auch gezielt gegen Europa und Deutschland richten. Ziel ist es, Misstrauen gegenüber demokratischen Werten und Institutionen zu schüren und den Einfluss Russlands insbesondere in Nachbarstaaten auszubauen. In diesem zunehmend repressiven Umfeld steigt der Bedarf an unabhängiger Berichterstattung durch Medien wie die DW. Das Vertrauen vor allem junger Menschen in staatliche Medien sinkt. Gleichzeitig werden digitale Angebote unabhängiger Anbieter trotz der hohen Zugangshürden nachgefragt. Die Vor-Ort-Produktion für internationale Medien bleibt eine große Herausforderung. Für die DW verschärfte sich die Lage durch die Schließung des Studios in Moskau im Februar 2022. Mit dem Entzug von Akkreditierungen sowie der Einstufung als „ausländischer Agent“ wurde unabhängige Berichterstattung aus Russland nahezu unmöglich. Als Reaktion verlagerte die DW ihre Präsenz in die lettische Hauptstadt Riga. Im Dezember 2025 folgte die offizielle Einstufung als „unerwünschte Organisation“, durch die jede Form der Zusammenarbeit mit der DW sowie das Teilen von DW-Inhalten unter Strafe steht. Die Regelung kann hohe Geld- bis hin zu Haftstrafen nach sich ziehen, auch für russische Staatsangehörige außerhalb des Landes. Damit wird der Zugang zum russischen Informationsraum massiv eingeschränkt und die Notwendigkeit alternativer, technologisch innovativer Distributionswege weiter erhöht. Trotz zunehmender Repression ist die DW in Osteuropa eine unverzichtbare Stimme für unabhängige Information und demokratische Werte. Für das russischsprachige Publikum verfolgt sie eine konsequente Multiplattform-Strategie mit Inhalten auf Telegram, YouTube, Instagram und X, um insbesondere jüngere Zielgruppen zu erreichen. Mit einem neuen TikTok-Kanal weitete die DW zudem kurz nach ihrer Einstufung als „unerwünschte Organisation“ Ende 2025 ihre Berichterstattung auf Russisch aus. Sie richtet sich dabei auch an Menschen in Anrainerstaaten und Länder mit russischsprachigen Minderheiten. Parallel dazu wurde das TV-Angebot ausgebaut, um ein wirksames Gegengewicht zu russischer Propaganda zu schaffen und auch bei wachsender digitaler Zensur einen alternativen Zugang zu unabhängigen Informationen sicherzustellen. Der Start des 24/7- Satellitenkanals DW Russian im Rahmen des Projekts Svoboda im Jahr 2024 setzte ein klares Signal gegen die Zensur. Trotz Sperrungen und Drosselungen erreicht die DW in Osteuropa und Zentralasien seit Beginn des Ukrainekrieges rund elf Millionen Menschen pro Woche. Möglich wird dies vor allem durch zensurresistente Technologien wie VPN- Dienste, das Tor-Netzwerk und Proxy-Server. Zudem zeigt die DW eine hohe technologische Anpassungsfähigkeit: Einschränkungen auf YouTube konnten durch Zuwächse auf Facebook, Instagram und der DW‑Website teilweise kompensiert werden. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 32 – 33/61 Inhaltlich steht der Krieg in der Ukraine sowie politische und gesellschaftliche Entwicklungen im Mittelpunkt, mit besonderem Fokus auf Freiheits- und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Zu den etablierten Formaten zählen die tägliche Nachrichtensendung DW Novosti („DW Nachrichten“) mit vertiefenden Analysen und das Format Frau, wy kuda? („Frau, was nun?“), das sich vor allem an die weibliche Zielgruppe richtet. Zusätzlich prüft das Fact-Checking-Team der DW seit Beginn der russischen Invasion Bilder und Behauptungen und schafft dadurch Transparenz und Vertrauen. Neben russischen Inhalten finden sich auf DW Русский („DW Russisch“) gebündelte Informationen aus und über Belarus, teilweise auch in belarussischer Sprache. Hinzu kommen der Newsletter Belarus sowie die Kanäle DW Беларусь („DW Belarus“) auf Telegram und YouTube, über die russische und belarussische Inhalte veröffentlicht werden. Für das ukrainischsprachige Publikum setzt die DW auf eine Kombination aus eigenen redaktionellen Produktionen und gezielten Kooperationen vor Ort. Neben Distributionspartnerschaften mit Suspilne, dem öffentlich‑rechtlichen Rundfunk der Ukraine, sowie weiteren kleineren Sendern, baut die DW ihr Kooperationsnetzwerk in der Region weiter aus. Der Fokus des Angebots liegt auf Explainer- und Interviewformaten, Reportagen und aktuellen Nachrichten. Zugleich entstehen On‑Demand‑Angebote zu europäischen und globalen Entwicklungen, die einen direkten Bezug zu ukrainischen Lebensrealitäten herstellen. Um junge Zielgruppen zu erreichen, baut die DW auch ihre Präsenz auf TikTok in ukrainischer Sprache sowie mit YouTube-Shorts weiter aus. Inhaltlich liegt der Fokus auf verständlicher, faktenbasierter und multiperspektivischer Berichterstattung, zum Beispiel zum Thema Integration der Ukraine in die EU. Darüber hinaus stellt die DW angesichts der sehr schwierigen Lage vor Ort innovative Entwicklungen aus Gesellschaft und Wirtschaft dar, um mit konstruktiven Lösungsansätzen der Zielgruppe Inspiration in Zeiten tiefgreifender Transformation zu bieten. In Zentralasien und im Kaukasus verfolgt die DW das Ziel, Desinformation mit unabhängiger Berichterstattung entgegenzuwirken und so den Zugang zu verlässlichen Informationen zu sichern. Um sich zukunftssicher aufzustellen, entwickelt die DW ihr Angebot auch in Hinblick auf die Schwerpunktthemen gezielt weiter. Bei den russischsprachigen Inhalten liegt der Fokus auf plattformgerechten Formaten für die mobile Nutzung, Zensurumgehung sowie einer intensiveren Zusammenarbeit mit russischen Exilmedien. Darüber hinaus plant die DW den gezielten Ausbau des russischsprachigen TV- und Videoangebots, möglichst in Kooperation mit europäischen Partnern und im Rahmen von EU‑geförderten Projekten, um sowohl Reichweite als auch Wirkung in Russland, insbesondere aber auch den Anrainerstaaten, weiter zu stärken. Neben regionalisierten Inhalten begegnet die DW der zunehmenden anti-deutschen Propaganda mit fundierten Hintergründen zu deutscher Politik, Kultur und Gesellschaft. Im ukrainischsprachigen Angebot stärkt die DW ihre Marke mit neuen Serien und wiederkehrenden Formaten. Auch Kooperationen mit glaubwürdigen Influencerinnen und Influencern sowie Expertinnen und Experten werden ausgebaut, um Reichweite, Anschlussfähigkeit und Markenbindung zu erhöhen. Zudem stärkt die DW strategische Partnerschaften in der Region, um ihre Wirkung zu erhöhen. Um ihre Präsenz in der Region zu sichern und die Produktion vor Ort zu stärken, stützt sich die DW neben dem Exilstudio in Riga vor allem auf das erweiterte Studio in Kyjiw. Dieses fungiert als operatives Rückgrat, arbeitet mehrsprachig und nutzt dadurch die Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 33 – 34/61 Überschneidungen beider Sprachräume besonders effizient. Die enge Zusammenarbeit der ukrainischen und der russischen Redaktion schafft ebenfalls Synergien und ermöglicht eine abgestimmte Berichterstattung. Um sich klar von KI-generierten Inhalten sowie Wettbewerbern zu differenzieren, stärkt die DW exklusive Recherchen, regionale Relevanz und geprüfte Qualität. Um ihre Präsenz in den zensierten Märkten in Russland und Belarus zu sichern, setzt sie weiterhin auf technische Lösungen, ohne die Sicherheit und Anonymität der Nutzenden zu gefährden. Neben der Zusammenarbeit mit bestehenden VPN-Anbietern wie Psiphon, setzt die DW 2026 Outline-VPN für die DW Access App ein, die speziell für stark regulierte digitale Umgebungen entwickelt wurde. In Osteuropa setzt die DW Akademie an den demokratischen Bestrebungen in der Ukraine, Moldau, Georgien und den Ländern des Westbalkans an. Im Zentrum steht der Begriff „Information Integrity“ – also der Zugang für alle zu verlässlichen, vollständigen und konsistenten Informationen. Die DW Akademie unterstützt lokale Medien in der Entwicklung wirtschaftlicher Tragfähigkeit und innovativer journalistischer Formate und stärkt die Bevölkerung in kritischem Medienkonsum. Dabei baut sie auf die Zusammenarbeit mit einem weitreichenden Partnernetzwerk. Die Wirkung und Reichweite des BMZ-finanzierten Vorhabens werden durch EU-geförderte Projekte verstärkt. Die Förderung von belarussischen und russischen Exilmedien im Rahmen der Hannah-Arendt- Initiative des AA ergänzt das Vorhaben der DW Akademie in Osteuropa. In Süd‑ und Mittelosteuropa ist die DW mit Angeboten in Albanisch, Bosnisch, Bulgarisch, Griechisch3, Kroatisch, Mazedonisch, Polnisch, Rumänisch, Serbisch und Ungarisch vertreten. Damit erreicht sie ihre Zielgruppen in einer sprachlich äußerst vielfältigen und politisch komplexen Region, darunter wichtige Zielländer wie Polen, Serbien und Ungarn. Südost‑ und Mittelosteuropa sind für die europäische Stabilität und Resilienz von zentraler Bedeutung. Die Region bildet eine Brücke zwischen Europa, MENA und Asien und steht im Mittelpunkt eines Einflusskampfes, in dem autoritäre Akteure – allen voran russische Desinformation und gezielte Manipulationsstrategien – öffentliche Debatten gefährden. Angesichts einer zugespitzten globalen Lage und zunehmender externer Einflussnahme wächst die Bedeutung verlässlicher Kooperationen und neuer Partnerschaften. Die Region steht unter Druck: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat das geopolitische Umfeld tiefgreifend verändert. Desinformation als Teil der hybriden russischen Kriegsführung untergräbt Vertrauen in Medien und Institutionen. Populistische und nationalistische Kräfte gewinnen an Einfluss. Langwierige EU- Beitrittsprozesse werden gezielt genutzt, um antieuropäische Narrative und EU-Skepsis zu stärken. Parallel dazu verschlechtert sich die Lage der Pressefreiheit. Politischer Einfluss auf Medien ist sowohl in EU-Staaten als auch bei Beitrittskandidaten ein zentrales Problem und wird verschärft durch staatliche Kontrolle, Zensur, wirtschaftliche Abhängigkeit und weit verbreitete Selbstzensur. Der Rückbau US‑amerikanischer Informationsangebote schafft zusätzliche Lücken, die autoritäre Akteure gezielt versuchen zu füllen. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung einer glaubwürdigen und unabhängigen Berichterstattung aus deutsch-europäischer Perspektive, um die Resilienz gegen Desinformation und Irreführung zu stärken. In diesem Umfeld übernimmt die DW eine 3 Das Sprachangebot Griechisch kann unter den aktuell bekannten Budgetbedingungen voraussichtlich ab 2027 nicht fortgeführt werden. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 34 – 35/61 zentrale Rolle: Sie macht deutsch-europäische Perspektiven sichtbar, schafft Zugang zu unabhängigen Informationen, wirkt Desinformation entgegen und stärkt so die Resilienz. Durch faktenbasierte Einordnung sowie dialogorientierte Formate fördert sie Orientierung und konstruktiven Austausch. Während Fernsehen lange Zeit das wichtigste Informationsmedium in der Region war, wurde es in fast allen Ländern von Online-Plattformen und Social Media abgelöst, insbesondere dort, wo Vertrauen in staatliche Medien sinkt. Beispielhaft zeigt sich dies in Ungarn und Serbien, wo soziale Netzwerke inzwischen zu den bevorzugten Kanälen für den Nachrichtenkonsum geworden sind. In diesem politisch und medial herausfordernden Umfeld kommt unabhängigen internationalen Anbietern eine zentrale Rolle zu. Insbesondere die junge Zielgruppe der DW hat einen großen Bedarf an unabhängiger Berichterstattung jenseits staatlicher oder wirtschaftlicher Einflussnahme und sucht vermehrt nach alternativen Informationsquellen aus dem In- und Ausland, die ihnen neue Sichtweisen und Inspiration bieten. Damit steigt die Bedeutung der DW als deutscheuropäische Medienanbieterin mit ihren regionalen Sprachangeboten. Angepasst an das Nutzungsverhalten verfolgen die Europa-Redaktionen einen konsequent multimedialen Ansatz. Im Rahmen der On-Demand-Strategie wird die Präsenz auf Social-Media- und Online-Plattformen ausgebaut, um insbesondere junge Zielgruppen zu erreichen. Die Ausrichtung zeigt Wirkung: 2025 erreicht die DW in Europa 47 Millionen wöchentliche Nutzende – ein Plus von 15 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum resultiert dabei vor allem aus der Präsenz auf Social Media und der Integration von DW-Inhalten in TV-Formaten. Besonders DW Magyar („DW Ungarisch“) ist hier als vollständig digitales, Social-Media-orientiertes Angebot hervorzuheben. Trotz der Einstellung klassischer TV- Angebote in Mittel- und Südosteuropa erreicht die DW über Live-Schalten mit DW- Journalistinnen und -Journalisten viele Nutzende. Hierbei stützt sie sich auch auf ihre Bekanntheit in der Region. Inhaltlich setzt die DW einen klaren inhaltlichen Schwerpunkt: Die Vermittlung freiheitlicher Perspektiven – was angesichts zunehmender EU-Skepsis und populistischer Tendenzen in der Region von besonderer Bedeutung ist. Ergänzend hebt sie innovative Entwicklungen hervor und verdeutlicht, wie sich technologische und gesellschaftliche Impulse aus der Region und Deutschland gegenseitig bereichern. Die Zielgruppe interessiert sich für europäische Sichtweisen auf Entwicklungen in der eigenen Region. Um diese Nachfrage zu bedienen, nutzt die DW Synergien zwischen Sprachdiensten und produziert plattformgerechte Formate für digitale Kanäle. Dazu zählt Balkan Booster, das junge Journalistinnen und Journalisten aus den Zielländern vernetzt und grenzübergreifenden Austausch fördert. Hinzu kommen erfolgreiche Angebote wie das Fact-Checking-Format Zajszűrő („Geräuschfilter“) von DW Ungarisch oder der wöchentliche News-Podcast Inside Europe (sinngemäß: „Europa von Innen“), der auch aktuelle Informationen über Deutschland enthält. Mit ihrer Regionalisierungsstrategie verfolgt die DW das Ziel, relevante Inhalte für Nutzerinnen und Nutzer vor Ort bereitzustellen und ihnen angesichts wachsender Informationslücken Orientierung zu bieten. Grundlage dafür ist ein breites Netzwerk von Journalistinnen und Journalisten in der Region, die über alle Sprachdienste hinweg vernetzt arbeiten. Hinzu kommen strategische Kooperationen wie mit France Médias Monde (FMM), mit der die DW in Rumänien und der Republik Moldau kooperiert und im Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 35 – 36/61 Dezember 2025 einen gemeinsamen Standort im Regionalbüro von RFI România in Bukarest eröffnet hat. In Polen arbeitet die DW zudem mit reichweitenstarken Partnern wie dem öffentlich-rechtlichen Sender TVP und den beiden Online-Marktführern ONET und Wirtualna zusammen. Hinzu kommen internationale Gemeinschaftsprojekte wie das Format ENTR, für das mehrere europäische Medien, darunter die DW und FMM, zusammenarbeiten. Um die junge Zielgruppe zu erreichen, werden die Inhalte auf Instagram, YouTube und TikTok verbreitet und durch interaktive Formate sowie persönliche Reportagen ergänzt. Um auf die aktuellen Entwicklungen adäquat reagieren zu können und sich zukunftssicher aufzustellen, richtet die DW ihre Weiterentwicklung in Mittel- und Südosteuropa auf klare Prioritäten aus. Mit faktenbasierten, authentischen Inhalten und klaren DW-Gesichtern will sie ein Gegengewicht zur oft einseitigen Berichterstattung nationaler Medien schaffen und Vertrauen sichern. Schon heute werden bei zahlreichen Partnern in Mittel- und Südosteuropa DW-Reporterinnen und -Reporter für ihre Expertise zu Deutschland und Europa eingesetzt. Zukünftig sollen junge Redaktionen und Short-Video-Produktionen gezielt ausgebaut werden, um die Marke DW als verlässliche Stimme für Freiheitsthemen zu stärken. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dialogorientierten Formaten und aktivem Community Management, um die Nähe zur Zielgruppe zu gewährleisten. Mit dem verstärkten Einsatz von Influencer‑Kooperationen passt sich die DW den Nutzungstrends an und fördert Perspektivenvielfalt sowie einen offenen Austausch über gesellschaftlich relevante Themen. Durch exklusive Recherchen und multiperspektivischen, lösungsorientierten Journalismus zu den Profilthemen positioniert sich die DW als Gegenpol zu interessengeleiteter, polarisierender und rein auf Krisen fokussierte Berichterstattung. Eigene Reporterinnen und Reporter vor Ort sowie exklusive, hochwertige Inhalte schaffen eine authentische und flexible Berichterstattung. Parallel dazu wird die Regionalisierung intensiviert: Junge Redaktionen in Berlin, Brüssel, Westbalkan, Moldau und Rumänien sowie lokale Kooperationen und strategischer Partnerschaften stärken die Sichtbarkeit und Relevanz in den Märkten. In der Türkei richtet die DW ihr Angebot auf ein Land aus, das von politischer Repression, gesellschaftlicher Polarisierung und einer starken Einschränkung der Pressefreiheit geprägt ist. Oppositionelle Akteure, kritische Medienschaffende sowie zivilgesellschaftliche Gruppen sind massiven juristischen und finanziellen Repressionen ausgesetzt, Journalistinnen und Journalisten werden verhaftet, jüngst auch ein DW- Korrespondent. Gesetzliche Regelungen zu Falschnachrichten sind teilweise weit gefasst und werden von Beobachterinnen und Beobachtern auch als potenzielles Instrument zur Einschränkung kritischer Berichterstattung bewertet. Internetzensur, Sperrungen und die Kontrolle durch regierungstreue Medienkonglomerate prägen den Informationsraum. Davon sind auch internationale Anbieter wie die DW und die BBC betroffen: Websites wurden blockiert und durch neue Auflagen wurden staatliche Eingriffe erleichtert. Die Türkei ist für Deutschland und die EU geopolitisch von herausgehobener Bedeutung, da sie als unmittelbarer Nachbar an der Schnittstelle zwischen Europa, dem Nahen Osten und dem Schwarzmeerraum eine Schlüsselrolle in Sicherheits- und Stabilitätsfragen spielt. Als NATO-Mitglied und offizieller EU-Beitrittskandidat, wichtiges Transit- und Energieland sowie zentraler Partner in der Steuerung von Migration und regionalen Konflikten ist die Türkei ein entscheidender Akteur. Gerade unter diesen Bedingungen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 36 – 37/61 gewinnt die DW an Bedeutung: Sie stärkt den freien Zugang zu Information, wirkt Desinformation entgegen und dient als verlässliche Brücke zwischen EU, Deutschland und einer jungen, digital orientierten Bevölkerung in der Türkei. Die instabile wirtschaftliche Situation in der Türkei hat direkte Auswirkungen auf den Medienmarkt, denn die schwierige Finanzlage bringt eine größere Anfälligkeit für Einflussnahme externer Akteure. Unabhängige Berichterstattung findet in den klassischen Medien kaum und dafür fast ausschließlich im digitalen Raum statt. Soziale Medien wie YouTube, TikTok und Instagram sind für junge Zielgruppen die wichtigste Informationsquelle – trotz staatlicher Eingriffe und Sperrungen. Die DW bietet ihr Informationsangebot in einem Umfeld an, in dem unabhängige Berichterstattung massiv eingeschränkt ist und regierungsnahe Medien den Informationsraum dominieren. Vor diesem Hintergrund möchte die DW den Zugang zu unabhängigen Informationen sichern – trotz Zensur und Repression durch den gezielten Einsatz von Umgehungstechnologien. Außerdem baut sie die digitale und plattformgerechte Verbreitung ihrer Inhalte aus. Die DW verbindet politische und gesellschaftliche Berichterstattung mit Themen, für die Deutschland und Europa stehen – darunter Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Innovationskraft und regionale Sicherheit. Auch sensible Themen wie die Einschränkung der Opposition werden aufgegriffen und aktuelle Ereignisse kritisch eingeordnet. Zu den etablierten Formaten zählt die tägliche Nachrichtensendung DW Haber („DW Nachrichten“), die sich durch faktenbasierte und vertrauensvolle Analysen auszeichnet. Das Format setzt auf Aktualität, Aufklärung über Desinformation, Kontextualisierung von Konflikten, Sicherheit und Wirtschaft. Ergänzend setzt die DW auf das erfolgreiche Kooperationsprojekt +90, das gemeinsam mit BBC und FMM entwickelt wurde und hohe Abrufzahlen auf TikTok, Instagram und YouTube erzielt, besonders bei der jungen Zielgruppe. Die Inhalte sind bewusst multiperspektivisch angelegt und sollen nicht nur informieren, sondern auch Dialog und kritisches Denken fördern. Die DW positioniert sich im türkischen Informationsumfeld mit einem unabhängigen, überparteilichen Ansatz und einer deutscheuropäischen Perspektive, die auf Ausgewogenheit, Einordnung und dialogorientierte Vermittlung abzielt. Neben eigenen Produktionen setzt die DW auf Partnerschaften und News-Schalten, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Diese Kooperationen sind jedoch aufgrund des politischen Drucks und der angespannten wirtschaftlichen Lage stark gefährdet. Die DW bleibt daher auf digitale Ausspielwege angewiesen, auch da Social-Media-Plattformen in der Türkei die größte Chance bieten, trotz Zensur und Sperrungen sichtbar zu bleiben. Um sich zukunftssicher aufzustellen, entwickelt die DW ihr türkischsprachiges Angebot gezielt weiter. Der größte Hebel liegt dabei in der konsequenten Nutzung digitaler Plattformen. Bestehende Formate sollen stärker auf die Bedürfnisse junger Zielgruppen zugeschnitten werden – mit plattformgerechten Inhalten für TikTok, Instagram und YouTube sowie einer schnellen Synthese und intensiveren Nutzung von Verticals. Ergänzend wird der Einsatz von KI-gestützten Workflows für Produktion und optimierte Distribution geprüft, um Reichweite und Sichtbarkeit zu maximieren und gleichzeitig die redaktionelle Qualität zu sichern. So soll Wachstum über plattformspezifische Kurzformate, dialogorientierte Live‑Formate und Explainer-Videos erzielt und der Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 37 – 38/61 Wiedererkennungswert erhöht werden. Zudem wird ein Community Management aufgebaut, um neue Formen digitaler Beteiligung zu ermöglichen. Die DW will ihre Position als glaubwürdige und unabhängige Stimme in einem hochpolarisierten Umfeld festigen. Persönlichkeiten und Gesichter der DW sollen stärker in den Vordergrund treten, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen. Zudem sind Kooperationen mit glaubwürdigen Influencerinnen und Influencern vorgesehen, um die Anschlussfähigkeit in relevante Communitys zu erhöhen. Die DW plant zudem interaktive Formate, die Austausch fördern und Multiperspektivität sichtbar machen. Ziel ist es, zu informieren, Debatten anzustoßen und Medienkompetenz zu stärken. 6.2 Subsahara-Afrika In Subsahara‑Afrika erreicht die DW ihre Zielgruppen in Amharisch, Englisch, Französisch, Haussa, Kisuaheli und Portugiesisch. Im Mittelpunkt stehen die Prio‑A‑Länder Demokratische Republik Kongo und Nigeria. Gleichzeitig ermöglichen die Sprachangebote eine regionale Abdeckung weiter Teile West-, Ost-, Süd- und Zentralafrikas sowie der Sahel-Region, sodass u.a. geopolitisch wichtige Länder wie Kenia, Mali oder Südafrika erreicht werden. Subsahara‑Afrika gehört zu den politisch und ökonomisch dynamischsten Regionen der Welt. Mit ihrer jungen Bevölkerung und einer wachsenden Wirtschaft gewinnt die Region an geopolitischer und ökonomischer Bedeutung. So lebten 2025 bereits rund 1,2 Milliarden Menschen südlich der Sahara; bis 2050 dürfte sich die Bevölkerung nahezu verdoppeln. Dieser demografische Wandel eröffnet große Potenziale für Innovation und Wachstum, stellt Gesellschaften jedoch auch vor Herausforderungen, etwa im Hinblick auf soziale Ungleichheiten, den Klimawandel und zunehmende Migrationsdynamiken. Für Deutschland und Europa ergeben sich aus diesen dynamischen Entwicklungen neue Möglichkeiten für Kooperationen, beispielsweise in den Bereichen Energie, Rohstoffe und wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Gleichzeitig wächst der Bedarf an enger Abstimmung in Fragen von Sicherheit, Migration und regionaler Stabilität. In einer Phase, in der sich die USA aus Teilen der Region zurückziehen und Akteure wie Russland und China ihren Einfluss ausweiten, steigt der Bedarf an unabhängigen Informationen, um informierten und konstruktiven Austausch zu ermöglichen. Hier übernimmt die DW eine zentrale Funktion: Sie schafft Zugang zu faktenbasierter Berichterstattung, ordnet politische, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen ein und stärkt einen sachlichen Dialog, der neue Perspektiven und innovative Lösungen sichtbar macht. Zugleich wirkt sie als Brücke zwischen Deutschland, Europa und Subsahara‑Afrika und unterstützt so ein besseres gegenseitiges Verständnis und partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe. Durch ihre starke Präsenz bei jungen Zielgruppen fördert sie ein differenziertes Verständnis deutscher Positionen – insbesondere bei jungen Meinungsbildnern. Die DW richtet ihr Afrika‑Angebot auf Länder aus, die für die regionale Entwicklung besonders relevant sind und in denen ein hoher Bedarf an verlässlichen Informationen aus deutsch-europäischer Perspektive besteht. Dazu gehören bevölkerungsreiche Staaten mit dynamischen urbanen Zentren wie Nigeria, Kenia oder die DR Kongo. Sie zählen zu den wirtschaftlichen Wachstumsmotoren der Region, prägen die afrikanischen Medienmärkte und spielen eine entscheidende Rolle für die regionale Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 38 – 39/61 Sicherheitsarchitektur. Hinzu kommen fragile Sahelstaaten wie Mali oder Burkina Faso mit hoher sicherheitspolitischer Relevanz sowie ostafrikanische Länder wie Äthiopien und Uganda, in denen staatliche Medienkontrolle und Repressionen allgegenwärtig sind. In Subsahara-Afrika zählen die zunehmenden Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit zu den größten Herausforderungen. In vielen Ländern verschärfen sich die Bedingungen: Politische Instabilität, militärisch bedingte Machtverschiebungen und autokratische Strukturen schränken unabhängige Medien massiv ein. In Äthiopien und Teilen Ost- und Zentralafrikas werden ausländische Medienanbieter zunehmend zensiert, zeitweise verboten oder durch Gebühren und Lizenzauflagen behindert. Internetabschaltungen in Krisen häufen sich ebenfalls – so wurden DW-Inhalte in Ländern wie Burkina Faso bereits blockiert. Gleichzeitig verstärken Russland, China und verschiedene lokale Akteure ihre Propaganda und Desinformation, die sich nicht nur gegen westliche Medien, sondern auch explizit gegen die EU und Deutschland richten. Der vorläufige Rückbau bei USAGM gefährdet das Informationsangebot zusätzlich, vor allem in lokalen Sprachen wie Kisuaheli, Haussa und Amharisch. Vor diesem Hintergrund ist die DW in besonderer Weise gefordert, ihre Rolle als unabhängige, verlässliche und freiheitlich-demokratische Stimme zu stärken. Zugleich erfordert die äußerst heterogene Mediennutzung in Subsahara-Afrika eine regional differenzierte Strategie. In Metropolen wie Lagos, Nairobi, Johannesburg oder Kinshasa erreichen insbesondere digitale Plattformen wie TikTok, YouTube oder Instagram die junge Zielgruppe. In einigen Sahelländern, Äthiopien sowie großen Teilen der DR Kongo, Nordnigeria und Tansania ist Radio weiterhin eine wichtige Informationsquelle, während Fernsehen in mehreren Ländern ebenfalls eine bedeutende Rolle spielt – zunehmend in Kombination mit digitalen Angeboten. Mit ihrem Afrika-Angebot in den sechs Sprachen Amharisch, Englisch, Französisch, Haussa, Kisuaheli und Portugiesisch trägt die DW dieser sprachlichen und medialen Vielfalt Rechnung. In ihren Angeboten macht die DW auch gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen insbesondere für eine junge, gut ausgebildete Zielgruppe verständlich und befördert den Austausch hierzu. Die Inhalte werden plattformübergreifend entwickelt und in unterschiedlichen Formaten ausgespielt. So erreicht ein einzelner Inhalt parallel unterschiedliche Zielgruppen – vom klassischen Radiopublikum in Tansania bis hin zu digitalen Communitys in urbanen Zentren wie Lagos. Um ihre Position als vertrauenswürdige Quelle zu stärken, schärft die DW ihr regionales Profil. Die Redaktionen setzen auf investigativen, faktenbasierten und kontextualisierenden Journalismus zu zentralen Themen wie Regierungsführung, Korruption, Sicherheit und Migration. Verlässliche Informationen werden bereitgestellt, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Desinformation stärken. Darüber hinaus setzt die DW auf lösungs- und dialogorientierte Formate, die gegenseitiges Verständnis und echten Austausch fördern. Neben der Weiterentwicklung und verstärkten Regionalisierung erfolgreicher Koproduktionsformate wie The 77 Percent – Street Debate („77 Prozent - Die Straßendebatte“), GirlZOffMute (Format mit jungen Reporterinnen aus Afrika) und Eco Africa (Umweltformat), die gemeinsam mit lokalen Partnern entstehen, werden DW- Persönlichkeiten aufgebaut, die Vertrauen zur Marke DW stärken. Im (Video-)Podcast- Bereich entstehen dialogische Inhalte mit innovativem Storytelling wie die Video-Podcast- Reihe Don’t Hold Back: Say it Loud! („Keine Zurückhaltung: Sag es laut!“), in der jungen Menschen Raum gegeben wird. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf Nachrichten, Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 39 – 40/61 Hintergrundanalysen und Einordnungen von Desinformation, Konflikten und Sicherheitsfragen aus deutsch-europäischer Perspektive. Formate wie AfricaLink (Nachrichtenpodcast), das Haussa-Angebot Harkokin Yau („Tagesgeschehen“) sowie das französischsprachige Format Droits et Libertés („Rechte und Freiheiten“) vertiefen politische Bildung, Menschenrechtsfragen und gesellschaftlichen Dialog. Fest verankert im Programm ist die hohe Sichtbarkeit von Frauen, jungen Menschen und tabuisierten Gesundheitsthemen. Damit schafft die DW Dialogräume, in denen sensible Inhalte offen angesprochen und gesellschaftlich relevante Fragen diskutiert werden können. Koproduzierte Formate wie Kallabi (sinngemäß „Fokus auf“) und Dandalin Matasa („Jugend-Forum“) in der Haussa-Region schaffen Platz für marginalisierte Stimmen und stärken den Dialog mit jungen Zielgruppen. Mit Formaten wie Digital Natives (sinngemäß „Digitale Generation“) leistet die DW einen wichtigen Beitrag zur Stärkung digitaler Medienkompetenz und zur Prävention von Desinformation und spricht gezielt junge, gut ausgebildete Menschen an. Die Sahelregion bleibt aufgrund ihrer Nähe zu Euroa sowie der migrations- und sicherheitspolitischen Bedeutung im Fokus. Angesichts zunehmender Zensur stärkt die DW alternative Verbreitungswege wie digitale Partnerschaften auf Drittplattformen und UKW-Partnerschaften, Satellitendistribution und datensparende Formate auf Messenger- Diensten wie WhatsApp. Auf diese Weise sind unabhängige Informationen auch dort zugänglich, wo autoritäre Akteure versuchen, sie zu unterbinden. Auch die Multiplattformstrategie ermöglicht eine flexible Steuerung der Angebote über verschiedene Distributionswege, um Zielgruppen auch unter restriktiven Bedingungen zu erreichen. Kooperationen mit lokalen Content Creators gewinnen an Bedeutung, um Inhalte bei Websitesperrungen verfügbar zu halten. Gleichzeitig bleiben lineare Partnerschaften wichtig für Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit. Kooperationen mit Channels TV und Trust TV in Nigeria, der Arena Group in Südafrika und NBS in Uganda werden vertieft. Koproduktionen wie Maoni on the Road („Maoni unterwegs“) werden ebenfalls ausgebaut, um physische Präsenz mit digitalem Storytelling zu verbinden und Community-Bildung zu stärken. Über DW Premium stellt die DW zudem maßgeschneiderte TV-Schalten in Subsahara-Afrika zur Verfügung und sichert dadurch ihre Präsenz im Digitalen und im linearen Fernsehen. Internationale Entwicklungen werden in regelmäßigen Live‑Beiträgen eingeordnet und aus deutscheuropäischer Perspektive erläutert. 2025 erreichte die DW in der Region erstmals 100 Millionen wöchentliche Nutzende – fast ein Drittel der gesamten DW-Nutzung. Auch bei den Haussa- und Kisuaheli-Angeboten gelang der Übergang von Kurzwelle zu digitalen Plattformen, wodurch die DW über Videoformate, insbesondere auf TikTok, neue Zielgruppen erschließen konnte. Obwohl Subsahara-Afrika im weltweiten Vergleich zu den Regionen mit niedrigerer Online-Nutzung zählt, zeigt das digitale Wachstum vor allem bei der jungen Zielgruppe ein erhebliches Potenzial. Dabei investiert die DW nicht in bloße Reichweite, sondern in nachhaltige Wirkung: Angebote werden strategisch priorisiert, zielgruppengerecht entwickelt und effizient distribuiert. Sichtbarkeit entsteht jedoch nicht allein durch Inhalte, sondern auch durch eine starke Gemeinschaft. Die DW baut daher ihr Community Management aus, durch dialogorientierte Formate, aktive Interaktion auf Social Media, Live-Chats und profilierte Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 40 – 41/61 DW-Persönlichkeiten. Ziel ist es, sich regional differenziert aufzustellen und auf den unterschiedlichen Ausspielwegen wie Radio, TV, digitalen Plattformen und DW Premium präsent zu sein. Ziel ist es, Raum für echten Dialog, verlässliche Orientierung und dauerhaftes Vertrauen zu schaffen. Auch der Einsatz von KI spielt eine Schlüsselrolle für die künftige Positionierung als modernes innovatives Unternehmen: Priorität haben die Verbesserung von Übersetzungs- und Untertitelungstools für afrikanische Sprachen. Während andere Medienanbieter KI für Masseninhalte nutzen, wird exklusiver, lokal verankerter und faktengeprüfter Journalismus für die DW zum Differenzierungsmerkmal. Ein gestärktes Netz freier Korrespondentinnen und Korrespondenten sowie kontinuierliche Weiterbildungen in Fact-Checking, Sicherheit, Videojournalismus und Storytelling sichern Profilierung und Qualität langfristig. Die DW Akademie richtet sich in Subsahara Afrika künftig noch stärker darauf aus, verlässliche Informationsräume zu sichern und gesellschaftlichen Dialog zu fördern. Im Zentrum stehen der Ausbau unabhängiger Medien, die Stärkung von Media and Information Literacy und die Entwicklung dialogorientierter Formate für junge Menschen, Frauen und Vertriebene. Faktencheck-Initiativen im Sahel werden ausgeweitet, Medienkompetenzprogramme, etwa in Ghana, vertieft und hybride Dialogangebote zwischen Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden gefördert. Die Qualifizierung von Journalistinnen und Journalisten bleibt Kernauftrag, etwa in der Wahlberichterstattung oder im Umgang mit sensiblen politischen Themen. Darüber hinaus werden KI-gestützte journalistische Innovationen in Kenia und Namibia vorangetrieben und zivilgesellschaftliche Initiativen zur verantwortungsvollen Regulierung von KI unterstützt. Ziel ist es, das bestehende Netzwerk lokaler Partner zu stärken, um widerstandsfähige, dialogorientierte und zukunftsfähige Medienstrukturen zu etablieren. 6.3 Asien Die DW ist in Asien mit den Sprachangeboten Bengalisch, Chinesisch, Dari, Farsi, Hindi, Indonesisch, Paschtu, Tamil und Urdu vertreten. Ergänzt wird das Portfolio durch ein englischsprachiges Programm für zehn asiatische Länder. Im Zentrum stehen die Prio‑A‑Länder China, Indien, Indonesien, Iran und Pakistan. Gleichzeitig ermöglichen die Sprachangebote eine regionale Abdeckung weiter Teile Süd-, Südost-, und Ostasiens, sodass Menschen in geopolitisch wichtigen Ländern wie Afghanistan und Taiwan erreicht werden. Asien ist ein geopolitisch und wirtschaftlich hochrelevanter Raum, dessen Entwicklungen bedeutende Auswirkungen auf Deutschland und Europa haben: Die Region prägt globale Lieferketten, setzt Maßstäbe bei Zukunftstechnologien wie KI und Halbleitern und ist mit wachsenden Märkten von erheblicher ökonomischer Relevanz. Zugleich intensiviert sich der geostrategische Wettbewerb – insbesondere durch Chinas Rolle im Indo‑Pazifik. Indien gewinnt als bevölkerungsreichste Regionalmacht in Fragen von Wirtschaft, Sicherheit und multilateraler Politik weiter an Gewicht. Auch der Iran spielt eine Schlüsselrolle für die regionale Sicherheit – mit direkten Auswirkungen auf Europa. Zugleich ist unabhängige Berichterstattung in der Region vielerorts massiv eingeschränkt: Staatliche Repressionen, Zensur und gezielte Desinformation untergraben das Vertrauen in Medien. China blockiert sämtliche Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 41 – 42/61 Ausspielwege der DW. In Afghanistan unterliegen Medien umfassender Zensur und im Iran wird die DW nicht nur blockiert, sondern ihre Journalistinnen und Journalisten auch im Ausland unter Druck gesetzt. In Indien nimmt der Druck auf kritische Medien zu, begleitet von einer hohen Zahl an Internetabschaltungen. In Bangladesch und Pakistan verschärft sich die Lage wiederum durch Polarisierung, geopolitische Spannungen und restriktive Gesetze. Die geplante Reduzierung amerikanischer Medienangebote aus vielen Ländern der Region verschärft die Lage zusätzlich. Hier setzt die DW an: Sie schafft Zugang zu unabhängigen, faktenbasierten Informationen und ordnet politische, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen aus deutscher und europäischer Perspektive ein. Gleichzeitig macht sie soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovationen sichtbar und baut eine Brücke zwischen Deutschland und den asiatischen Zielregionen. Damit fördert sie gegenseitiges Verständnis, stärkt Resilienz und schafft Dialogräume in einem geopolitisch umkämpften Umfeld. Die Mediennutzung in Asien befindet sich im Wandel. Für die junge Zielgruppe sind soziale Medien der wichtigste Zugang zu Informationen. Entsprechend steigt in den Zielmärkten die Nachfrage nach kurzen Videoformaten. Auch in restriktiven Ländern wie dem Iran sind Instagram, Facebook und YouTube zentrale Informationskanäle, allerdings häufig nur über Zensurumgehungstechnologien erreichbar. Gleichzeitig verschärfen KI-generierte Inhalte den Wettbewerb und begünstigen die Verbreitung von Desinformation. Nationale Abschottungen wie Chinas digitale Entkopplung oder die wiederholten Internetblockaden im Iran erschweren internationalen Medienanbietern den Zugang zusätzlich. Parallel dazu gewinnen lokale Plattformen an Bedeutung, was die Eintrittshürden weiter erhöht. Vor diesem Hintergrund setzt die DW in Asien auf ein inhaltlich klares und überwiegend digitales Portfolio. Über regionale Partnerstrukturen verbreitet sie Inhalte auch in Ländern wie Vietnam, Malaysia und den Philippinen. Im Fokus steht eine junge Zielgruppe, die mit glaubwürdigen und verständlichen Inhalten rund um Demokratie, Umwelt, Wissenschaft und Technologie erreicht und mit vielfältigen Perspektiven inspiriert werden soll. In der politisch angespannten Lage legt die DW einen Schwerpunkt auf erklärende Videoformate, investigative Recherchen und dialogorientierte Formate. Mit ihrer Video-Reihe Inside Asian Conflicts (sinngemäß „Einblick in asiatische Konflikte“) zum Beispiel blickt die DW auf geopolitisch relevante Krisen in Asien, die im täglichen Nachrichtengeschehen zu wenig Beachtung finden. Hinzu kommen Sprachfassungen des Umweltmagazins Eco-Asia in Hindi, Bengalisch, Tamil und Englisch, die sich konstruktiven Lösungen für Umweltprobleme widmen und zeigen, wie innovative Ansätze aus der Region und Europa voneinander profitieren und gemeinsame Zukunftsmodelle hervorbringen können. Seit 2025 stärken auch die Fact-Checking-Angebote in Bengalisch, Chinesisch, Dari, Hindi, Indonesisch, Paschtu, Tamil und Urdu die Resilienz gegen Falschinformationen. Ein weiterer Fokus liegt auf Formaten, die gesellschaftlichen Dialog über Grenzen hinweg fördern und Polarisierung entgegenwirken. Beispiele sind das Talkformat Aao Baat Karein („Komm, lass uns reden“) im Hinblick auf Indien und Pakistan sowie TsouTsou Talk (Talk mit Moderator Tzung-Han Tsou über Klischees) für China und Taiwan. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 42 – 43/61 Um die unterschiedlichen Nutzungspräferenzen in Asien zu bedienen, setzt die DW auf eine plattformgerechte Ausspielung ihrer Inhalte. Nahezu alle asiatischen Sprachangebote sind auf Facebook und YouTube präsent und werden darüber hinaus auf weiteren relevanten Plattformen ausgespielt. So betreiben DW اردو (DW Urdu) und DW বাংলা (DW Bengalisch) mit InfoMigrants eigene TikTok‑Kanäle, während auch Angebote in Chinesisch, Hindi, Dari, Paschtu und Tamil auf Instagram ausgespielt werden. Die Ausspielung der Angebote orientiert sich an lokalen Nutzungsmustern, etwa mit kurzen Erklärvideos und Newsclips auf TikTok und Instagram in Indonesien oder der gezielten Distribution im persischsprachigen Raum über Telegram. Auch Partnerschaften stellen im wettbewerbsintensiven und hoch fragmentierten Informationsmarkt Asien einen zentralen Hebel zur Erreichung der Zielgruppe dar. Zugleich schaffen diese Kooperationen internationale Vernetzung, die über kurzfristige Aufmerksamkeitszyklen hinaus Bestand haben. Die Zusammenarbeit mit führenden Plattformen und Medienhäusern trägt dazu bei, Inhalte lokal zu verankern: Partner wie Josh und Dailyhunt ermöglichen in Indien den Zugang zu einem Millionenpublikum, während in Pakistan große Distributionsnetzwerke wie GEO und Dawn die Reichweite der DW erweitern. Sichtbarkeit in restriktiven Märkten wie China wird ebenfalls durch Partnerschaften wie mit Whaley erzeugt. Perspektivisch eröffnen sich durch den Rückzug der amerikanischen VOA Chancen in hoch relevanten Zielmärkten, beispielsweise in Taiwan mit Partnern wie SET News und CTS. Mit 58 Millionen wöchentlichen Nutzenden erreichte die DW in Asien 2025 sieben Millionen Menschen mehr als im Vorjahr. Um ihre Position als unabhängige und freie Informationsquelle aus Europa auszubauen, entwickelt sie ihr Angebot mit Blick auf die Schwerpunktthemen gezielt weiter. Die DW setzt dafür auf wiedererkennbare Formate mit festen Hosts zu nachgefragten Themen wie Desinformation. Zudem macht sie innovative Ideen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie sichtbar und inspiriert so ihre Zielgruppe. In hochzensierten Märkten wie Iran und China bleibt zudem die Berichterstattung über Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zentral. Gleichzeitig sollen erfolgreiche Dialogformate, die den grenzübergreifenden Austausch fördern, weitergeführt und sensiblen Themen Raum geben werden. Die DW setzt dabei auf die kreative Umsetzung politischer Inhalte, ohne belehrend zu wirken, und prüft neue regionale Präsenzen. Um die journalistische Exzellenz zu akzentuieren, setzt die DW auf gezielte Trainings für Ortskräfte im Storytelling, Fact-Checking und Community Management. Ein weiteres Ziel ist es, Inhalte zukünftig noch plattformgerechter zu gestalten. Entsprechend werden Geschwindigkeit, visuelle Qualität und Short-Video-Formate für reichweitenstarke Kanäle auf TikTok und Instagram ausgebaut. Die DW will zudem ihre Sichtbarkeit und Relevanz in den Zielmärkten ausbauen. Dazu setzt sie auf lokale Studios, ein erweitertes Korrespondentinnen- und Korrespondenten- Netzwerk sowie enge Kooperationen mit regionalen Partnern. Um flexibel auf Marktentwicklungen zu reagieren, wird der Medienmix pro Sprachangebot kontinuierlich evaluiert und bedarfsgerecht angepasst. Kooperationen mit Influencerinnen und Influencern werden fortgeführt. Zudem setzt die DW auf innovative Formate, die auf die Informationsbedürfnisse der Zielgruppe eingehen. In stark eingeschränkten Märkten reagiert die DW mit Zensurumgehungstools sowie indirekten Vertriebswegen über internationale Plattformen und Partner-Apps. Indem die DW so freien Informationszugang Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 43 – 44/61 auch unter restriktiven Bedingungen sichert, schafft sie eine zentrale Voraussetzung dafür, dass innovative Lösungsansätze, demokratische Werte und deutsch-europäische Perspektiven sichtbar bleiben und Wirkung entfalten können. Da die sozialen Medien zunehmend von KI-generierten Inhalten überflutet werden, steigt die Bedeutung vertrauensvoller Quellen. Für die DW entsteht daraus die Chance, als verlässliche Quelle mit hoher journalistischer Qualität hervorzustechen. Zugleich treibt die DW in allen Asien-Redaktionen die Integration von KI-Technologien voran – mit dem Ziel, Workflows zu optimieren, die Produktionsqualität zu steigern und die verfügbaren Ressourcen noch effizienter einzusetzen. Dazu zählen unter anderem automatisierte Video‑Adaptionen und barrierefreier Untertitelung über PlainX, KI-gestütztes Community‑Management, Tests synthetischer Stimmen und gezielte KI‑Trainings für Mitarbeitende. So verbindet die DW technologische Innovation mit journalistischer Verantwortung. Da in Asien die Spielräume für unabhängige Medienarbeit kleiner werden, ist auch die Arbeit der DW Akademie stark eingeschränkt. Die Beendigung der Unterstützung durch USAID und die schwedische SIDA hat in der Region eine erhebliche Finanzierungslücke für die Medienentwicklungszusammenarbeit verursacht. Im Rahmen von Projekten, die durch das BMZ und die EU finanziert werden, stärkt die DW Akademie Medienakteure darin, offene Kommunikationswege für den freien Zugang zu Information, Dialog und Mitbestimmung zu schaffen. Die Stärkung von Medienkompetenz im repressiven Umfeld ist Schwerpunkt in Kambodscha und aus dem Exil für Myanmar. Innovative Konzepte für die Journalismusausbildung und für Managementmodelle stärken Medien in Bangladesch, Pakistan und Usbekistan. Für die stark von Flucht und Migration geprägte Region Asien werden in den Hauptaufnahmeländern Bangladesch und Pakistan zusätzlich Medien- und Kommunikationsstrukturen mit lokalen Partnern aufgebaut. Daran anknüpfend werden innovative Dialogformate und Ansätze zu Advocacy zum Thema Flucht vorangetrieben. 6.4 Amerika In Nord- und Südamerika ist die DW mit Angeboten in Englisch, Spanisch und brasilianischem Portugiesisch präsent. Sie konzentriert sich dabei vor allem auf die Prio A- Länder Brasilien, Mexiko und die USA. Das spanischsprachige Angebot ermöglicht darüber hinaus eine regionale Abdeckung weiter Teile Lateinamerikas, darunter geopolitisch wichtige Länder wie Kolumbien und Venezuela. Die Region ist politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch von großer Bedeutung für Deutschland und Europa. Zugleich sieht sie sich mit einer hohen gesellschaftlichen Polarisierung, gezielter Desinformation oder politischer Instabilität konfrontiert. Für Deutschland und Europa sind die Vereinigten Staaten geo- und sicherheitspolitisch ein zentraler Partner und wirtschaftlich einer der wichtigsten Handels- und Investitionsräume. Gleichzeitig befindet sich das transatlantische Verhältnis in einer Phase spürbarer Belastungen. Lateinamerika hat ebenfalls eine hohe politische und wirtschaftliche Relevanz, beispielsweise mit Blick auf Handelsabkommen. Brasilien als größte Volkswirtschaft der Region und G20‑Mitglied gewinnt immer stärker an Gewicht. Die Medienmärkte in den USA, Brasilien und im spanischsprachigen Lateinamerika unterscheiden sich deutlich, stehen jedoch in weiten Teilen unter dem Druck zunehmender Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 44 – 45/61 Polarisierung, schrumpfender Ressourcen unabhängiger Medienanbieter und einer stark fragmentierten digitalen Öffentlichkeit. In den USA ist das Informationsverhalten stark digital geprägt; zugleich machen gesellschaftliche Konfliktlinien verlässliche und unvoreingenommene Informationen gefragter denn je. In Lateinamerika steht die Medienfreiheit vielerorts unter Druck. In Venezuela bestimmen staatliche Repression und Zensur den Informationsraum. In Mexiko und Kolumbien gefährdet Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten die unabhängige Berichterstattung. Auch Brasilien und Argentinien sind von Polarisierung, und Desinformation betroffen. Zugleich intensivieren Russland und China ihre Anstrengungen, mit Medienangeboten Einfluss zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund übernimmt die DW eine zentrale Funktion in der Region. Sie bietet unabhängige, verlässliche Berichterstattung aus deutscher und europäischer Perspektive, schafft Orientierung in polarisierten Informationsräumen und stärkt Resilienz gegen Manipulation und Desinformation. Durch innovative digitale Formate und die Förderung von Dialog und Medienkompetenz baut die DW Vertrauen auf und schlägt eine kulturelle Brücke zu einer geopolitisch und ökonomisch wichtigen Region. Im englischsprachigen Angebot setzt die DW gezielt auf Themen, bei denen das Publikum nach einer unabhängigen deutsch-europäischen Perspektive sucht, etwa zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine oder zu Fragen der transatlantischen Beziehungen. Das englischsprachige DW-Programm ist im US‑Medienmarkt fest etabliert und erreicht weltweit wöchentlich rund 127 Millionen Menschen, ein wesentlicher Teil davon in den USA. Dort ist die DW mit ihren Social-Media-Kanälen auf YouTube, TikTok, Facebook und Instagram, ihrem englischsprachigen TV-Angebot sowie ihren Radio- Angeboten besonders erfolgreich. Zusätzlich sichern Partnerschaften mit zahlreichen Public-Broadcasting-Stationen eine hohe technische Reichweite. Durch die Weiterentwicklung des Video-Angebots richtet die DW den Fokus auf die On- Demand-Nutzung auf digitalen Plattformen. Damit positioniert sie sich in einem Medienumfeld, in dem Geschwindigkeit, Innovation und digitale Zugänglichkeit zunehmend darüber bestimmen, ob Informationsanbieter wahrgenommen werden. Inhalte werden daher nun vorrangig für digitale Ausspielwege produziert und anschließend im linearen Fernsehprogramm zweitverwertet. Im Zuge dieser Neuausrichtung wurden klassische TV-Formate angepasst oder durch neue Formate ersetzt, die speziell für die Nutzung auf Abruf optimiert sind. Inhaltlich setzt die DW auf originäre und lösungsorientierte Inhalte aus deutscheuropäischer Perspektive. Das Programmspektrum reicht von Nachrichten und Reportagen und Dokumentationen bis hin zu Magazinen aus Wirtschaft, Technik und Wissenschaft. Mit Formaten wie The Day („Der Tag“), das an fünf Tagen pro Woche vertiefende Analysen zu globalen Entwicklungen bietet und die Rolle der Vereinigten Staaten als geopolitischen Akteur besonders hervorhebt, richtet sich die DW auch an ein junges Publikum in den USA. Hinzu kommt der wöchentliche Vodcast und ergänzende Newsletter DW Berlin Briefing, der Einordnungen zur deutschen Politik und zu transatlantischen Beziehungen liefert. So schlägt die DW eine Brücke zwischen deutschen und europäischen Perspektiven und den gesellschaftlichen Debatten des Landes. Ergänzend wurden Nachrichtenformate auf YouTube eingeführt. Neue Formen von Audience Engagement – darunter interaktive Chat‑Funktionen und dialogische Breaking‑News‑Formate – fördern den direkten Austausch mit jüngeren Zielgruppen und Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 45 – 46/61 stärken die DW als dialogorientierte Marke. (für weitere Informationen siehe Kapitel Englisch). Zudem werden spanischsprachige Formate sowie tägliche Nachrichten-Explainer und Verticals auf TikTok und Instagram von den spanischsprachigen Communitys in den USA genutzt. DW Español („DW Spanisch“) erreicht mittlerweile wöchentlich mehr als zehn Prozent der spanischsprachigen Bevölkerung in den USA. Neben den englischsprachigen Angeboten produziert die DW inhaltlich differenzierte Angebote auf Spanisch. Dabei stehen länderübergreifende Themen im Mittelpunkt, die sachlich aufbereitet, regional zugeschnitten und plattformübergreifend verbreitet werden. DW Noticias („DW Nachrichten“) informiert auf YouTube und im TV über internationale und in der Region wichtige Entwicklungen, währen Formate wie DW Actualidad en análisis („Aktuelles im Fokus“), ¿Cómo te afecta? („Wie betrifft dich das?“) und DW Analiza („DW analysiert“) aktuelle politische und gesellschaftliche Themen für die Menschen in Lateinamerika aus einer deutsch‑europäischen Perspektive einordnen. Im Rahmen der On-Demand-Strategie baut die DW ihre spanischsprachigen Angebote für digitale Plattformen wie YouTube, Facebook, Instagram und TikTok aus. Formate wie Fuerza Latina, das engagierte Frauen in Lateinamerika porträtiert, und Eco Latinoamérica (Umweltformat), das in Kooperation mit Partnern aus Mexiko und Argentinien innovative Klima‑ und Umweltprojekte vorstellt, werden primär für die digitale Nutzung produziert und anschließend im Fernsehen zweitverwertet. Die DW erweitert zudem ihre Distribution durch KI‑unterstützte Konfektionierung: Die YouTube‑Langformate DW Analiza („DW analysiert“) und die Explainer zum Thema erscheinen künftig zusätzlich als Podcasts auf weiteren Plattformen. Die DW richtet ihre Berichterstattung auf junge, gut ausgebildete, urbane und global vernetzte Zielgruppen aus, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel vorantreiben. Inhaltliche Schwerpunkte des spanischsprachigen Angebots sind die Einordnung geopolitischer Entwicklungen aus europäischer Perspektive sowie eine lösungsorientierte Berichterstattung. Dahingehend entstehen exklusive YouTube‑Reihen wie DW Geopolítica („DW Geopolitik“) und DW Verifica („DW Faktencheck“), in denen komplexe geopolitische Zusammenhänge und Faktenchecks in prägnanten Erklärvideos aufbereitet werden. Gleichzeitig verknüpft die Berichterstattung lokale und regionale Dynamiken mit globalen Entwicklungen und macht sichtbar, wie Innovationen in den Zielregionen Impulse für Europa liefern – und umgekehrt. Der Kanal DW Tecnología y el mundo digital („DW Technologie und die digitale Welt“) erweitert das Portfolio um Inhalte zu Chancen und Risiken der vernetzten Welt. Durch den Ausbau der regionalen Präsenz mit dem geplanten Büro in Mexiko‑Stadt rückt die DW näher an ihre Zielgruppen, bindet regionale Stimmen systematischer ein und stärkt so die Regionalisierung ihrer Angebote. Um insbesondere jüngere Zielgruppen besser zu erreichen, testet DW Español auch die Ansprache von 14‑ bis 18‑Jährigen über Gaming‑Plattformen: So werden beispielsweise auf der Online-Plattform Roblox Spiele entwickelt, in denen Jugendliche virtuell Lösungen für reale Herausforderungen in den Bereichen Sicherheit und Umwelt entwickeln. Damit erschließt die DW innovative Dialogräume, um jene Generationen zu erreichen, die künftig politische und gesellschaftliche Entwicklungen prägen werden. Hinzu kommen KI‑gestützte Trendanalysen und SEO‑Tools, die dabei helfen, relevante Themen frühzeitig zu erkennen, Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 46 – 47/61 während automatisierte Untertitelung und KI‑basierte Synchronisation Barrierefreiheit und Adaptionseffizienz erhöhen. Um die Relevanz ihrer Angebote in Brasilien weiter zu steigern, richtet die DW ihr Angebot konsequent auf die Informationsbedürfnisse der brasilianischen Zielgruppe aus. Besonders erfolgreich sind die wöchentlichen YouTube-Formate Perspectiva („Perspektive“) mit vertiefenden Reportagen und Entenda (sinngemäß „verständlich erklärt“) mit Einordnungen aktueller Themen aus deutsch‑europäischer Perspektive. Zur Ansprache der jungen, digitalen Community wird DW Português do Brasil („DW Brasilianisch“) künftig noch stärker durch exklusive Videoformate für YouTube, TikTok und Instagram Reels erweitert. Inhalte zu Deutschland, Europa und globalen Themen werden dialogorientiert vermittelt und durch Fact-Checking-Formate ergänzt, um die DW als glaubwürdige Informationsquelle in Brasilien zu positionieren. Zur Steigerung von Sichtbarkeit und Wirkung setzt die DW konsequent auf digitale Distributionspartnerschaften. Durch Kooperationen mit reichweitenstarken digitalen Medienhäusern, OTT‑Plattformen, öffentlich‑rechtlichen Sendern und Universitäten platziert sie ihre Inhalte gezielt dort, wo relevante Zielgruppen aktiv sind, und schafft zugleich neue Räume für Dialog und Austausch zwischen europäischen und regionalen Perspektiven. Ziel ist es nicht nur, Nutzende zu erreichen, sondern die Präsenz freiheitlicher Positionen in gesellschaftlichen und professionellen Diskursräumen zu fördern. In Brasilien sichern Kooperationen mit führenden digitalen Leitmedien wie Metrópoles und G1 eine starke Sichtbarkeit in zentralen nationalen Informationsumfeldern. In Mexiko ermöglicht die Zusammenarbeit mit Grupo Fórmula eine plattformübergreifende Ausspielung über TV, Radio, Online und Social Media. Ergänzt wird dies durch regelmäßige DW-Premium-Schalten mit reichweitenstarken TV-Partnern in mehreren lateinamerikanischen Ländern. Diese Live-Beiträge werden zur Primetime in spanischsprachigen Nachrichtensendungen ausgestrahlt, ordnen aktuelle Themen mit Relevanz für Europa und Lateinamerika ein und verbinden deutsche, europäische und regionale Perspektiven. Die spanisch- und brasilianisch‑portugiesischen Angebote erreichen rund 56 Millionen Menschen wöchentlich. In Lateinamerika stärkt die DW Akademie den lokalen Journalismus und insbesondere Community‑Medien, die tief in ihren Gemeinschaften verwurzelt sind. Da sie die Bedürfnisse ihres Publikums kennen sowie deren Anliegen vertreten und Teilhabe fördern, eignen sie sich besonders, um der von populistischen Regimen und Machteliten eingesetzten Propaganda und Desinformation entgegenzuwirken. In Mexiko und Guatemala entstehen innovative Dialogformate und Informationsangebote, die gesellschaftliche Schlüsselthemen auf die öffentliche Agenda bringen und eine lebendige Debattenkultur fördern. Im Amazonasbecken – in Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Brasilien und Peru – unterstützt die DW Akademie lokale und Community-Medien dabei, kompetent und verlässlich über Umweltthemen zu berichten. Zusätzlich fördert sie den Dialog zwischen Gemeinden, Zivilgesellschaft und Entscheidungsträgerinnen und -trägern, um gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Unabhängiger Journalismus ist in vielen Ländern der Region mit erheblichen Risiken verbunden. Der Rückzug der USA aus der Medienförderung hat die ohnehin prekäre finanzielle Situation zahlreicher Redaktionen zusätzlich verschärft. Die DW Akademie setzt daher auf langfristige und nachhaltige Veränderungen durch lokale Partnerschaften. Gemeinsam mit Netzwerken wie Periodistas de a Pie in Mexiko sowie digitalen Medien wie Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500– 47 – 48/61 Mutante in Kolumbien arbeitet sie daran, ein sicheres und resilientes Medienökosystem zu stärken. 6.5 MENA Die DW konzentriert sich in der MENA-Region auf die Prio A-Länder Ägypten, Irak und Syrien. Darüber hinaus sind die Angebote im gesamten Nahen Osten sowie in Nordafrika nutzbar, darunter auch Zielgebiete in fragilen Kontexten wie Jemen, den Palästinensischen Gebieten und dem Sudan. Die MENA‑Region gehört zu den geo- und sicherheitspolitisch sensibelsten Räumen der Welt und weist nicht zuletzt durch die geografische Nähe hohe Relevanz für Deutschland auf. Die Zielländer sind von massiven Umbrüchen und Konflikten sowie einer eingeschränkten Presse- und Meinungsfreiheit geprägt. In Syrien stellen der Wiederaufbau und die Wiederherstellung unabhängiger Medienstrukturen große Herausforderung dar. Der Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 und der nachfolgende Krieg haben Polarisierung befeuert und Skepsis gegenüber Medien verstärkt. In vielen arabischen Ländern unterliegen Medien umfassender staatlicher Kontrolle; unabhängige journalistische Arbeit ist häufig mit der Gefahr von Gewalt, Bedrohungen oder strafrechtlicher Verfolgung verbunden. Durch die geplante Reduzierung arabischsprachiger USAGM-Angebote entsteht eine Lücke, die verlässliche, faktenbasierte Berichterstattung wichtiger macht denn je. Gleichzeitig verstärken staatliche regionale und internationale Akteure ihre Aktivitäten, um in einem Informationskrieg Narrative zu verbreiten, die sich häufig gegen freiheitlich-liberale Werte richten. Vor diesem Hintergrund übernimmt die DW eine wichtige Rolle: Sie schafft Zugang zu verlässlichen, unabhängigen Informationen genau dort, wo öffentliche Diskursräume eingeschränkt oder politisiert sind, und stärkt damit die Widerstandsfähigkeit gegenüber Desinformation. Durch die transparente Einordnung politischer, gesellschaftlicher und sicherheitspolitischer Entwicklungen aus deutscher und europäischer Perspektive macht sie komplexe Zusammenhänge verständlich und trägt dazu bei, Positionen Deutschlands und europäischer Staaten darzustellen und zu erklären. Mit plattformgerechten Formaten fördert sie Dialog und Vertrauen in einer Region, in der Informationsräume eingeschränkt sind. Die Mediennutzung in arabischsprachigen Ländern ist stark fragmentiert. Obwohl klassische Kanäle wie TV und Radio in Ländern wie Syrien, Sudan und Jemen weiterhin eine wichtige Rolle spielen, gewinnen soziale Medien als primäre Informationsquelle insbesondere bei der DW-Zielgruppe zwischen 14 und 40 immer mehr an Dominanz. Während die DW noch mit linearen Angeboten vertreten ist, setzt sie den Fokus konsequent auf eine On-Demand-Strategie, die sich an den digitalen Nutzungsgewohnheiten der jungen Zielgruppen orientiert. Online berichtet DW عربیة („DW Arabisch“) hintergründig über Nachrichten und aktuelle Entwicklungen. Die DW ist auf dw.com, YouTube, Facebook, Instagram, X und TikTok mit arabischsprachigen Inhalten präsent, die vor allem die Themen Politik und Gesellschaft abdecken. Die Distribution erfolgt über eigene Kanäle und ein Netzwerk von Online- und Social-Media-Partnern. Das arabische TV-Programm der DW wird zunehmend über digital anschlussfähige Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/5500 – 48 – 49/61 Distributionswege wie IPTV-Plattformen und moderne, regionale Teilprogrammpartner ausgestrahlt. Über Premium-Partner werden zusätzlich viele Menschen erreicht. Die DW setzt auf ein Angebot aus Nachrichten, Hintergrundberichten und dialogorientierten Formaten, die sowohl linear als auch digital verbreitet werden. Dabei deckt sie vor allem Themen ab, die in regionalen Medien kaum oder einseitig behandelt werden: Meinungsfreiheit, Korruption, soziale Gerechtigkeit, Frauenrechte und Migration. So stärkt sie Perspektivenvielfalt in einem Umfeld, das von hoher Polarisierung geprägt ist. Die Formate sind konstruktiv und stark auf die Lebenswelt der jungen Generation ausgerichtet. Dabei ist die DW eine der wenigen deutsch-europäischen Stimmen in der Region. Angesichts der hohen Polarisierung unterstützt ein interdisziplinäres Kompetenzteam der Chefredaktion die Berichterstattung insbesondere zum Nahostkonflikt, indem es inhaltlich berät und sicherstellt, dass sachlich und faktenbasiert berichtet wird. Zudem treibt DW Arabisch innovative Formate voran und richtet das Nachrichtenangebot auf On-Demand aus: Die Hauptnachrichtensendung wird durch fürs Digitale optimierte Hintergrundberichte, Interviews, Dokumentationen, Magazine und Talk‑Formate ersetzt, die internationale Entwicklungen und regionale Schlüsselthemen analysieren. Mit dem Start des speziell für YouTube entwickelten Formats NewsZoom wurde ein weiterer Schritt der digitalen Transformation vollzogen. Künftig noch präsenter werden Inhalte, die innovative technologische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen in der Zielregion und Europa sichtbar machen, um die junge Zielgruppe mit neuartigen und kreativen Ansätzen zu inspirieren und Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Darüber hinaus positioniert sich die DW als verlässliche Quelle für faktenbasierte, multiperspektivische Berichterstattung. Das News-Explainer-Format BiBassata (sinngemäß „Ganz einfach“) auf YouTube erklärt aktuelle Nachrichten knapp und verständlich für die junge Zielgruppe und wird durch ein Faktencheck-Format ergänzt, das Falschinformationen korrigiert und damit Desinformation explizit entgegenwirkt. Im Vodcast Syria Laween („Syrien, wohin?“) verbindet die DW journalistische Analysen mit persönlichen Geschichten und schafft so Dialog und Nähe zur Lebensrealität vor Ort. Mit Blick auf die Ausrichtung der DW als Marke der Freiheit sollen Formate entstehen, die Meinungsfreiheit und Menschenrechte in den Mittelpunkt stellen. Um die Zielgruppe wirkungsvoll zu erreichen, setzt die DW auf stark regionalisierte Angebote sowie zielgruppenspezifischen Content, der die Lebenswelt der Menschen direkt anspricht. Das preisgekrönte Multimedia-Format Jaafar Talk richtet sich beispielsweise direkt an die junge Zielgruppe, bringt unterschiedliche Meinungen in e

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