Evaluationsbericht 2025
Text
Evaluationsbericht 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2900
21. Wahlperiode 11.11.2025
Unterrichtung
durch die Deutsche Welle
Evaluationsbericht 2025
Zugeleitet mit Schreiben der Deutschen Welle vom 6. November 2025 gemäß § 4c des Deutsche-Welle-Gesetzes.
Impressum
Herausgeber
Deutsche Welle
53110 Bonn
Germany
Verantwortlich
Corporate Strategy
Fassung vom September 2025
© DW
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 2 –
Evaluationsbericht
2025
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 3 –
4
DW • Evaluationsbericht 2025
Inhalt
Abbildungsverzeichnis 6
Vorwort 10
Executive Summary 12
1 Rahmenbedingungen des deutschen Auslandsrundfunks 19
1.1 Medienanbieter unter Druck: Unabhängige Bericht erstattung in Zeiten
von Krieg und Desinformation 20
1.2 Medien- und Meinungs freiheit auf historischem Tiefpunkt 21
1.3 Digitale Transformation als Herausforderung und Chance 24
1.4 Die DW im Überblick 25
1.5 Finanzausstattung 27
1.6 Überblick über die internationalen Informationsangebote anderer Länder 30
DW Akademie: Trends in der Medienentwicklungszusammenarbeit 42
Exkurs 1: Zensur als wachsende Bedrohung für die globale Meinungsfreiheit 44
Exkurs 2: KI als Triebkraft des digitalen Wandels 46
2 Evaluation bei der DW: Methodik und Grundlagen 49
2.1 Rahmenbedingungen der Evaluation 49
2.2 Qualitätssicherung der Evaluation 51
2.3 Wirkungsmodell und Evaluationskriterien 54
2.4 Informations- und Datengrundlage 60
3 Ressourcen und Aktivitäten 67
3.1 Ressourcen: Strategische Fokussierung und flexiblere Organisation 67
3.2 Aktivitäten I: Regionalisierung 74
3.3 Aktivitäten II: Digitale Produktion und Angebote im Wandel 77
Exkurs 3: Nachhaltigkeit bei der DW 81
Exkurs 4: Diversity, Equity and Inclusion bei der DW 84
DW Akademie: Strategische Vorreiterrolle in Zeiten branchenweiter
Konsolidierung 87
4 Output und Outcome 91
Exkurs 5: Fact-Checking: Wie die DW über Desinformation aufklärt 99
4.1 Englisch 102
4.2 Arabisch 115
4.3 Lateinamerika 127
4.3.1 Spanisch 132
4.3.2 Portugiesisch für Brasilien 139
4.4 Subsahara-Afrika 144
4.4.1 Kisuaheli 149
4.4.2 Haussa 153
4.4.3 Amharisch 158
4.4.4 Englisch für Afrika 163
4.4.5 Französisch für Afrika 169
4.4.6 Portugiesisch für Afrika 176
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 4 –
4.5 Asien 182
4.5.1 Chinesisch 185
4.5.2 Farsi 190
4.5.3 Dari und Paschtu 195
4.5.4 Urdu 200
4.5.5 Hindi und Tamil 205
4.5.6 Bengalisch 211
4.5.7 Indonesisch 216
4.5.8 Weitere Angebote für Asien 222
4.6 Osteuropa 224
4.6.1 Russisch 228
4.6.2 Ukrainisch 235
4.7 Mittel- und Südosteuropa 241
4.7.1 Türkisch 245
4.7.2 Polnisch 253
4.7.3 Serbisch 257
4.7.4 Rumänisch 261
4.7.5 Angebote für Südosteuropa 265
4.8 Deutsch 274
4.9 Deutschlernangebote 278
DW Akademie: Evaluationsergebnisse: Was sich in den BMZ-Projekten
bewährt hat 290
5 Wirkung der Angebote 313
DW Akademie: Weltweit Meinungsfreiheit durch Medienentwicklung stärken 325
6 Fazit und Ausblick 329
Glossar 332
Abkürzungsverzeichnis 335
Bibliographie 337
Anhänge 360
Reichweitenstudien 360
Akzeptanztests 364
TV-Ratings 367
Wirkungsforschung 368
DW-Indikatoren für die journalistische Qualität 369
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 5 –
6
DW • Evaluationsbericht 2025
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Lage der Pressefreiheit weltweit 22
Abbildung 2: Das Leitbild der DW 25
Abbildung 3: Überblick über die TV-, Radio- und digitalen Angebote der DW
in 32 Sprachen 27
Abbildung 4: Angebote des US-amerikanischen Informationsanbieters USAGM 33
Abbildung 5: Angebote der französischen Informationsanbieter FMM und
TV5 Monde 35
Abbildung 6: Das Wirkungsmodell der DW 55
Abbildung 7: Die vier Dimensionen der Angebotsqualität 58
Abbildung 8: Überblick über die empirische Datengrundlage des
Evaluationsberichts 60
Abbildung 9: Finanzausstattung der DW im Jahr 2024 (ohne DW Akademie) 68
Abbildung 10: Entwicklung der Finanzausstattung der DW 2014 bis 2024 68
Abbildung 11: Planstellenentwicklung der DW 70
Abbildung 12: Organisationsstruktur der DW 72
Abbildung 13: Regionenpriorisierung der DW 2024 75
Abbildung 14: Hauptstandorte, Studios, Korrespondentinnen- und
Korrespondentenbüros und Akademiebüros der DW 76
Abbildung 15: Die fünf Handlungsfelder der DW Akademie 87
Abbildung 16: Die Außenstruktur der DW Akademie 89
Abbildung 17: Empfangbarkeit der linearen DW-Kanäle über Satellit weltweit 92
Abbildung 18: Die Profilthemen der DW 94
Abbildung 19: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Englisch 104
Abbildung 20: Online-Angebote der DW in Englisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 105
Abbildung 21: Monatliche Video Views der englischsprachigen Angebote auf
unterschiedlichen Plattformen 109
Abbildung 22: Wöchentliche Reichweite des englischsprachigen TV-Angebots
der DW in den Zielgruppen 110
Abbildung 23: Lage der Pressefreiheit in der arabischen Welt 116
Abbildung 24: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Arabisch 118
Abbildung 25: Online-Angebote der DW in Arabisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 119
Abbildung 26: Lage der Pressefreiheit in Lateinamerika 129
Abbildung 27: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Spanisch 130
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 6 –
Abbildung 28: Online-Angebote der DW in Spanisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 133
Abbildung 29: Monatliche Video Views der spanischsprachigen Angebote
auf unterschiedlichen Plattformen 135
Abbildung 30: Online-Angebote der DW in Portugiesisch für Brasilien mit
durchschnittlichen Outputs pro Monat 140
Abbildung 31: Lage der Pressefreiheit in Subsahara-Afrika 146
Abbildung 32: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Kisuaheli 150
Abbildung 33: Online-Angebote der DW in Kisuaheli mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 151
Abbildung 34: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Haussa 154
Abbildung 35: Online-Angebote der DW in Haussa mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 155
Abbildung 36: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Amharisch 159
Abbildung 37: Online-Angebote der DW in Amharisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 160
Abbildung 38: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Englisch
speziell für die Zielregion Subsahara-Afrika 164
Abbildung 39: Wöchentliche Reichweite der englischsprachigen Radioangebote
der DW und ihrer Wettbewerber in der Zielgruppe 166
Abbildung 40: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Französisch
für Afrika 170
Abbildung 41: Online-Angebote der DW in Französisch für Afrika mit
durchschnittlichen Outputs pro Monat 171
Abbildung 42: Wöchentliche Reichweite der französischsprachigen
Radioangebote der DW und ihrer Wettbewerber in der DR Kongo 172
Abbildung 43: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Portugiesisch
für Afrika 177
Abbildung 44: Online-Angebote der DW in Portugiesisch für Afrika mit
durchschnittlichen Outputs pro Monat 178
Abbildung 45: Lage der Pressefreiheit in Asien 183
Abbildung 46: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Chinesisch 186
Abbildung 47: Online-Angebote der DW in Chinesisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 187
Abbildung 48: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Farsi 191
Abbildung 49: Online-Angebote der DW in Farsi mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 192
Abbildung 50: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Dari und Paschtu 196
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 7 –
8
DW • Evaluationsbericht 2025
Abbildung 51: Online-Angebote der DW in Dari und Paschtu mit
durchschnittlichen Outputs pro Monat 198
Abbildung 52: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Urdu 201
Abbildung 53: Online-Angebote der DW in Urdu mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 202
Abbildung 54: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Hindi und Tamil 206
Abbildung 55: Online-Angebote der DW in Hindi mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 207
Abbildung 56: Online-Angebote der DW in Tamil mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 207
Abbildung 57: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Bengalisch 212
Abbildung 58: Online-Angebote der DW in Bengalisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 213
Abbildung 59: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Indonesisch 217
Abbildung 60: Online-Angebote der DW in Indonesisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 219
Abbildung 61: Lage der Pressefreiheit in Osteuropa 226
Abbildung 62: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Russisch 229
Abbildung 63: Online-Angebote der DW in Russisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 233
Abbildung 64: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Ukrainisch 236
Abbildung 65: Online-Angebote der DW in Ukrainisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 237
Abbildung 66: Lage der Pressefreiheit in Mittel- und Südosteuropa 242
Abbildung 67: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Türkisch 246
Abbildung 68: Online-Angebote der DW in Türkisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 248
Abbildung 69: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Polnisch 254
Abbildung 70: Online-Angebote der DW in Polnisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 255
Abbildung 71: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Serbisch 258
Abbildung 72: Online-Angebote der DW in Serbisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 259
Abbildung 73: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Rumänisch 262
Abbildung 74: Online-Angebote der DW in Rumänisch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 264
Abbildung 75: Zielländer der DW in Mittel- und Südosteuropa 265
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 8 –
Abbildung 76: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Südosteuropa 267
Abbildung 77: Online-Angebote der DW für Südosteuropa mit
durchschnittlichen Outputs pro Monat 270
Abbildung 78: Deutsch weltweit: Neben Europa leben die meisten
Deutsch-Sprecher in Nordamerika, Brasilien und Russland 275
Abbildung 79: Online-Angebote der DW in Deutsch mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 276
Abbildung 80: Online-Angebote von DW Learn German mit durchschnittlichen
Outputs pro Monat 281
Abbildung 81: Online-Sprachkurse für Anfänger 282
Abbildung 82: In sich geschlossene Online-Lernangebote 283
Abbildung 83: Aktuell publizierte Inhalte (Sprache: Deutsch),
darunter Deutsch lernen mit Nachrichten 284
Abbildung 84: Angebote für Deutschlehrende (Sprache: Deutsch) 285
Abbildung 85: Community-Angebote und weitere Vertriebskanäle
(Sprache: Deutsch) 286
Abbildung 86: Durchschnittliche monatliche Video Views der
DW-Deutschlernangebote auf unterschiedlichen Plattformen 287
Abbildung 87: Das Wirkungsmodell der DW 315
Abbildung 88: „Die DW ist eine glaubwürdige Informationsquelle“. 317
Abbildung 89: „Wenn es darum geht, heikle Themen zu kommentieren oder zu
diskutieren, geben mir die von mir genutzten Medien ein sicheres
Gefühl, meine Meinung offen zu äußern.“ 321
Abbildung 90: „Ich traue mich, eine aktive Rolle in einer Gruppe zu übernehmen,
die sich mit politischen Themen beschäftigt.“ 322
Abbildung 91: „Alles in allem ist die Demokratie die beste Art, ein Land
zu regieren.“ 323
Abbildung 92: „Die Rechte von Minderheitengruppen
müssen geschützt werden.“ 324
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 9 –
Vorwort
Die Deutsche Welle (DW) steht angesichts tiefgreifender
geopolitischer Veränderungen vor einer wachsenden
internationalen Verantwortung. Der russische
Angriffskrieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 markierte einen
historischen Wendepunkt: Er erschütterte die europäische
Sicherheitsarchitektur und verdeutlichte die zentrale Rolle
unabhängiger journalistischer Angebote in Krisenregionen.
Autoritäre Staaten wie Russland, China und der Iran setzen
gezielt auf Desinformation, Propaganda und Zensur, um
demokratische Gesellschaften zu destabilisieren und ihre
eigenen Narrative global zu verbreiten. Diese hybride
Kriegsführung richtet sich nicht nur gegen Deutschland,
sondern gegen ein wertebasiertes, demokratisch-
freiheitliches Europa. Gleichzeitig verliert die transatlantische
Wertegemeinschaft an Stabilität: Die de facto Einstellung
der US-amerikanischen Auslandsender Voice of
America (VOA) und Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/
RL) sowie der Rückzug der USA aus der internationalen
Medienförderung ist schmerzhaft. Die USA hinterlassen ein
Informationsvakuum, das autoritäre Akteure gezielt für ihr
Zwecke nutzen.
In diesem Kontext ist die DW mehr denn je gefordert. Als
unabhängige Stimme Deutschlands und Europas in der
Welt gewinnt sie weiter an Bedeutung. Ihr Markenkern
„Freie Informationen für freie Entscheidungen“ steht für
faktenbasierten Journalismus und den weltweiten Zugang
zu verlässlichen Informationen. Global vertrauen Millionen
Menschen auf die DW-Angebote. Die DW Akademie ergänzt
das journalistische Angebot durch
Medienentwicklungszusammenarbeit in rund 70 Ländern und fördert
Medienkompetenz, Meinungsfreiheit und demokratische Strukturen
– insbesondere dort, wo diese unter Druck geraten.
Dieser Evaluationsbericht zeigt eindrucksvoll, wie die
DW ihren gesetzlichen Auftrag im Zeitraum 2022–2025
erfolgreich erfüllt hat. Mit regionalisierten, digitalen und
zeitsouverän nutzbaren Inhalten erreicht die DW ihre
Zielgruppen heute wirkungsvoller denn je. Die Angebote
sind passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen in den
jeweiligen Regionen zugeschnitten und entfalten ihre
Wirkung auf den Plattformen, die tatsächlich genutzt werden
– mobil und On-Demand.
Die DW konnte ihre weltweite Reichweite auf 337
Millionen wöchentliche Nutzende steigern – ein Zuwachs
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 10 –
von 17 % gegenüber 2021 – und gleichzeitig die Relevanz
ihrer Inhalte deutlich erhöhen. Für Menschen weltweit gilt
der Auslandssender Deutschlands als ein verlässliches
Gegengewicht zu Desinformation und Propaganda. Durch
regionalisierte Inhalte, dialogorientierte Formate und
technische Lösungen zur Umgehung von Zensur gelingt
es, auch in restriktiven Märkten präsent zu sein. Die
konsequente Nutzung moderner Technologien, eine
zukunftsgerichtete Unternehmenskultur und der effiziente Einsatz
von Ressourcen haben den Weg für die digitale
Transformation geebnet. Die DW hat sich erfolgreich von einem
linearen Medienhaus zu einer digitalen
Informationsanbieterin weiterentwickelt.
Der vorliegende Bericht ist Rückblick und Ausblick
zugleich. Die Erkenntnisse dieser Evaluation fließen direkt in
die Aufgabenplanung 2026–2029 ein und bilden eine
belastbare Grundlage für das im Koalitionsvertrag zwischen
CDU, CSU und SPD vereinbarte Vorhaben der Stärkung
der DW. Die kontinuierliche Aufgabenkritik und jährliche
Fortschreibung der Aufgabenplanung ermöglichen es
der DW, flexibel auf weltpolitische Entwicklungen zu
reagieren, Schwerpunkte zu setzen und strukturelle
Einsparungen sowie eine effizientere Mittelverwendung zu
gewährleisten. Ein zentraler Hebel für die Zukunft ist die
strategische Nutzung von Künstlicher Intelligenz – sowohl
zur Effizienzsteigerung als auch zur inhaltlichen
Weiterentwicklung. Damit stärkt die DW ihre
Wettbewerbsfähigkeit im globalen Informationsraum. Diese Maßnahmen sind
Ausdruck verantwortungsvoller Haushaltsführung, und
zugleich Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung
der DW in einem zunehmend kompetitiven internationalen
Umfeld. Denn die DW und ihre Angebote werden in
Zukunft mehr denn je gebraucht.
Die erfolgreiche Arbeit der vergangenen vier Jahre ist
vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der DW
zu verdanken. Mit ihrem Engagement und ihrer Expertise
leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung des
gesetzlichen Auftrags. Mein besonderer Dank gilt den
Mitgliedern des Rundfunk- und Verwaltungsrats, die mich in
den nunmehr zwölf Jahren als Intendant mit Rat und
Unterstützung begleitet haben. Gleiches gilt für die Mitglieder
der Geschäftsleitung, die maßgeblich zur strategischen
Ausrichtung und Weiterentwicklung der DW beigetragen
haben. Ich bin überzeugt, dass meine Nachfolgerin
Barbara Massing die erfolgreiche Transformation der DW
fortsetzen und ihre Rolle als führende Stimme der Freiheit
aus Deutschland stärken wird – damit die DW auch künftig
als unabhängige, international relevante
Informationsanbieterin wirksam bleibt: resilient, innovationsfähig und
zukunftssicher in einem zunehmend herausfordernden
globalen Umfeld.
Berlin, September 2025
Peter Limbourg
Director General
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 11 –
Executive Summary
2021 verabschiedete die Deutsche Welle (DW) gemäß
§ 4a des Deutsche-Welle-Gesetzes (DWG) ihre
Aufgabenplanung für den Zeitraum bis 2025. Darin formulierte sie,
welche Schwerpunkte sie im Zeitraum 2022 bis 2025
setzte, um ihren gesetzlich verankerten Auftrag zu erfüllen.
Die folgende Evaluation bewertet gemäß § 4c DWG das
journalistische Angebot der DW. Dafür wurde auf externen
Sachverstand aus dem In- und Ausland zurückgegriffen,
Befragungen und Akzeptanzstudien durchgeführt und frei
verfügbare Quellen in die Analyse einbezogen. Der Bericht
beleuchtet zudem die Rahmenbedingungen der DW und
die Herausforderungen in den unterschiedlichen Regionen.
Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der
Evaluation zusammengefasst:
– Seit der Evaluation 2021 haben sich die
Herausforderungen für internationale Informationsanbieter
weiter zugespitzt. Geopolitische Konflikte, humanitäre
Krisen und vor allem das Erstarken von autoritären
Regimen und Strömungen destabilisieren demokratische
Strukturen weltweit. Der russische Angriffskrieg gegen
die Ukraine hat Europa in seinen Grundfesten
erschüttert. Er stellt einen eklatanten Bruch des
Völkerrechts dar und gilt als die schwerwiegendste militärische
Aggression in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Geopolitische Einschnitte haben weltweit Prozesse verstärkt,
in denen Desinformation und Propaganda den
Handlungsspieltraum freier Berichterstattung zunehmend
einschränken.
– In vielen Weltregionen intensivieren autoritäre Regime
ihre Eingriffe in die Medienlandschaft – etwa durch
repressive Gesetze, Zensurmaßnahmen,
Internetabschaltungen, Monopolisierung von Medien,
finanzielle Austrocknung von unabhängigen Medien oder
tiefgreifende Eingriffe der Medienregulierung. Diese
Entwicklungen schaffen ein Klima der Angst und
fördern Selbstzensur. Unterstützt durch regimetreue
Medien etablieren sich dadurch zunehmend alternative
Informationsräume.
– Neben politischer Repression prägen die
fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz von
Künstlicher Intelligenz (KI) das Informationsverhalten
grundlegend. KI eröffnet neue Möglichkeiten für
personalisierte Inhalte, effizientere Produktion und zielgerichtete
Verbreitung. Gleichzeitig birgt sie viele Risiken:
Manipulierte Inhalte lassen sich glaubhaft und massenhaft
produzieren, was die Unterscheidung zwischen Fakten und
Fälschung erschwert. Soziale Medien und algorithmisch
gesteuerte Plattformen verstärken diese Dynamiken
zusätzlich. In einem Umfeld wachsender Informationsflut,
gezielter Desinformation und digitaler Fragmentierung
wird der Zugang zu verlässlichen Informationen zur
zentralen Herausforderung.
– Der drastische Rückzug der US-Regierung aus der
internationalen Medienförderung – insbesondere durch die
De-facto-Einstellung der amerikanischen US Agency
for Global Media (USAGM) unter Präsident Trump zu
Beginn seiner zweiten Amtszeit – hat weitreichende
Folgen für die globale Medienlandschaft. Mit dem
Wegfall etablierter westlicher Akteure wie Voice of America
(VOA) und Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL)
entsteht ein Vakuum, das autoritäre Akteure gezielt für
Desinformation nutzen könnten. Für die DW bedeutet
dies eine noch größere Verantwortung für unabhängige,
faktenbasierte Berichterstattung – insbesondere in
Regionen, in denen die Pressefreiheit zunehmend unter
Druck steht.
– Die DW begegnete diesem Spannungsfeld mit einem
umfangreichen Informationsangebot in 32 Sprachen.
Ihre Wirkabsicht ist in der Aufgabenplanung 2022–2025
formuliert: Auf Basis unabhängiger Informationen,
verlässlicher Fakten und eines ungehinderten Austauschs
befähigt sie Menschen weltweit, sich eigene
Überzeugungen zu bilden und diese in gesellschaftlichen
Debatten zu vertreten. In diesem Sinne möchte die DW
weiterhin Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner
zwischen 14 und 40 Jahren durch regionalisierte, On-
Demand-fähige Angebote ansprechen. In der
Berichterstattung rückte sie Profilthemen wie Freiheits- und
Menschenrechte, Umweltschutz sowie Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit in den Vordergrund und damit die
Werte Deutschlands und Europas.
– Der Bund unterstützt die DW und ihren gesetzlichen
Auftrag zur Förderung von Informations- und
Meinungsfreiheit weiterhin durch jährliche Mittelaufwüchse. Die
klarere inhaltliche Positionierung und das finanzielle
Engagement des Bundes erlaubten es der DW, ihre
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 12 –
Schwerpunktvorhaben aus der Aufgabenplanung 2022–
2025 umzusetzen. Vor allem mit Blick auf Regionalisierung
und Digitalisierung konnte die DW deutliche Fortschritte
machen. Die Finanzausstattung hat sich strukturell
verbessert, auch wenn steigende Kosten,
regulatorische Anforderungen und geopolitische Entwicklungen
die Rahmenbedingungen erheblich erschwert haben.
Dennoch hat die DW ihre digitale Transformation
konsequent vorangetrieben und ihre internationale Relevanz
deutlich gestärkt. Gleichzeitig waren Einsparungen und
strukturelle Anpassungen notwendig, die auch
umfangreiche personelle und programmliche Einschnitte mit sich
brachten. Angesichts zunehmender Desinformation und
Zensur, schwindender Pressefreiheit und des Rückzugs
internationaler Partner wie USAGM ist eine nachhaltige
Stärkung der DW unerlässlich, damit sie ihre Rolle als
unabhängige Stimme der Freiheit aus Deutschland und
Europa weiterhin wirksam erfüllen kann.
– Zur Erreichung ihrer übergeordneten Ziele – Relevanz,
Reichweite und Dialog – verfolgt die DW eine
konsequente Regionalisierungsstrategie. Ziel ist es, durch
vertiefte regionale Expertise passgenaue Inhalte für
Zielgruppen in besonders sensiblen geopolitischen
Kontexten bereitzustellen. Auf diese Weise kann die
DW gezielt auf Informationslücken in ihren Zielmärkten
reagieren und damit ihrem Auftrag gerecht werden, freie
Informationen für freie Entscheidungen zu liefern. Dabei
setzt sie auf ein vielfältiges Portfolio mit neuen
erfolgreichen Formaten wie Bae-Baak Isha (Isha ohne Scheu)
für die hindisprachige Zielgruppe, Afrimaxx für junge
Menschen in Subsahara Afrika und Frau, wui kuda? (Frau,
was nun?) für die Zielgruppe in Osteuropa. Bestehende
Angebote wurden im Sinne der Regionalisierung und
des digitalen Nutzungsverhaltens kontinuierlich
weitergeführt und weiterentwickelt. Zugleich wurden bereits
vorhandene Angebote durch enge Kooperationen
mit regionalen Medienpartnern inhaltlich vertieft und
noch gezielter auf die jeweiligen lokalen Kontexte
zugeschnitten. Zudem hat die DW ihr Sprachangebot
2021 um Tamil und Ungarisch erweitert, um neue
Zielgruppen in den priorisierten Zielmärkten der DW direkt
in ihrer Muttersprache zu erreichen.
– Gleichzeitig baute die DW ihre Vor-Ort-Kapazitäten
aus, um ihre lokale Berichterstattung zu intensivieren
und noch mehr regionalisierte Inhalte für die Zielgruppe
direkt in den Zielregionen zu produzieren. Trotz globaler
Unsicherheiten stärkte die DW ihre regionale Präsenz
weltweit durch ihr Netz an Korrespondentinnen und
Korrespondenten und weiteren neuen Standorten in
Jerusalem, Jakarta und Kinshasa. Nach der Zwangsschließung
des Studios Moskau 2022 durch die russische
Regierung arbeitet die DW für die Region aus dem Exil vom
Studio Riga. Der Ausbau der Vor-Ort-Kapazitäten ist
ressourcenintensiv, aber von höchster Relevanz.
Angesichts der Entwicklungen rund um USAGM sowie der
angespannten Wettbewerbslage kommt einer
zukunftsfähigen Ressourcenausstattung der DW eine besonders
hohe strategische Bedeutung zu.
– Der fortschreitende digitale Wandel zeigt sich in allen
Zielmärkten der DW. Insbesondere die priorisierte
Zielgruppe der DW im Alter zwischen 14 und 40 Jahren
informiert sich zunehmend über digitale, zeitunabhängig
nutzbare Ausspielwege. Die DW reagiert auf diese
Entwicklung, indem sie ihre digitalen Inhalte weiter
ausgebaut und ihre Ausspielwege strategisch erweitert hat.
Durch plattformspezifische Formate, insbesondere im
Bereich Video, stärkte sie ihre Präsenz auf Social Media
und öffnete neue Kanäle auf Plattformen wie TikTok und
Telegram. Gleichzeitig konsolidierte die DW ihre Präsenz
auf X durch die Einstellung mehrerer Kanäle.
– Mit den Fortschritten von KI wurden auch in der DW
Nutzungsmöglichkeiten für die neue Technologie
gefunden. Der Grundstein für den Einsatz von KI in der
DW wurde bereits durch die Eigenentwicklung von
plain X zur automatischen Übersetzung und
Untertitelung von Inhalten gelegt. Ein neu gegründetes
KI-Team bündelt und priorisiert Themen und Projekte.
Weitere Innovationen wurden durch das DW Lab gezielt
vorangetrieben, das als direktionsübergreifende
Plattform Austausch fördert und erfolgreich neue
journalistische Formate sowie digitale Technologien erprobt.
– Auf die wachsende Verbreitung von Desinformation
reagierte die DW frühzeitig 2020 mit dem Aufbau
eines interdisziplinären Fact-Checking-Teams, das im
Evaluationszeitraum weiter ausgebaut wurde. Im Fokus
stehen mehrsprachige Faktenchecks zu globalen
Krisen, KI-Inhalten und politischer Propaganda. Mit
modernen Verifikationsmethoden und internationalen
Kooperationen stärkt die DW faktenbasierte Diskurse
und fördert Medienkompetenz weltweit.
– Der Austausch mit den Distributionspartnern trägt zur
Relevanz der Inhalte für die Zielgruppe bei, während
die Verbreitung über die Plattformen dieser Partner die
Reichweite steigert. Um dieses Potential noch besser
auszuschöpfen, setzt die DW mit DW Premium auf ein
maßgeschneidertes Angebot für ihre wichtigsten
Partner. Mit TV-Schalten, aktuellen nachrichtlichen Beiträgen
und exklusiven Video-Reihen wendet sie sich an die
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 13 –
reichweitenstärksten Anbieter in den jeweiligen
Zielländern. Sowohl in TV als auch online konnte sie so
wichtige Partner noch stärker an sich binden. Gleichzeitig
war die Distributionssituation in vielen Zielregionen im
Evaluationszeitraum stärkerem Druck ausgesetzt, etwa
durch gesetzliche Einschränkungen, politische
Rahmenbedingungen, aber auch Selbstzensur.
– Mit den internationalen Informationsanbietern anderer
demokratischer Länder wurde die Zusammenarbeit
und Produktion wichtiger Formate fortgesetzt. Die
Kooperation mit der British Broadcasting Corporation
(BBC), VOA und France Médias Monde (FMM) für das
türkischsprachige YouTube-Angebot +90, das sich an
junge Menschen richtet und Zukunftsthemen behandelt,
wurde fortgesetzt. Mit FMM und der italienischen
Agenzia Nazionale Stampa Associata (ANSA) wird gemeinsam
InfoMigrants produziert, ein Informationsangebot für
Geflüchtete. Das digitale und mehrsprachige Projekt ENTR
vertieft die Kooperation mit verschiedenen Partnern auf
europäischer Ebene. Es richtet sich an die junge
Zielgruppe in Europa und will Engagement für gemeinsame
europäische Werte und Ideen fördern.
– Im Evaluationszeitraum konnte die DW mit einer klaren
Fokussierung auf die Produktion plattformspezifischer
digitaler Inhalte eine Steigerung der wöchentlichen
Nutzung verzeichnen. Dies ist vor allem darauf
zurückzuführen, dass sich die DW der veränderten Mediennutzung
der Zielgruppe anpasst und entsprechend der sich
ständig ändernden Entwicklungen weltweit agiert. Die
Onlinenutzung von DW-Angeboten ist kontinuierlich gestiegen
und hat zeitweise Rückgänge in Radio und TV nicht nur
kompensiert, sondern hat zu einem Reichweitenwachstum
und dem Erschließen neuer Zielgruppen geführt. Trotz
schwieriger Rahmenbedingungen wie zunehmender
Zensur, digitaler Blockaden, verschärfter Konkurrenz auf
Online-Plattformen und den im Jahr 2024 wirksam
gewordenen Einsparungen im Programmangebot gelang es
der DW, ihre Reichweite im Jahr 2025 auf insgesamt 337
Millionen wöchentliche Nutzende und damit im
Vergleich zu 2021 um 17 %1 zu erhöhen.
1 Angesichts der geopolitischen Lage, massiven
Herausforderungen und Einschränkungen durch Zensur in einigen Märkten
hatte sich die DW für das Jahr 2025 zum Ziel gesetzt, ihre starke
Position als glaubwürdige und verlässliche internationale
Nachrichten- und Informationsanbieterin zu behaupten, die
Nutzendenbindung weiter zu stärken und die Reichweite von 320
Millionen wöchentlichen Nutzenden zu halten. Die DW hatte in
diesem Zuge das in der Aufgabeplanung festgelegte
Reichweitenziel von 400 Millionen 2024 angepasst.
– Die DW überzeugt durch journalistisch hochwertige
Inhalte, die in zahlreichen Akzeptanztests von den
Teilnehmenden als vertrauenswürdig, verständlich und
lebensnah wahrgenommen werden. Die Relevanz
beruht auf der passgenauen Ausrichtung an den
Bedürfnissen und Lebensrealitäten der Zielgruppen und der
Behandlung zentraler gesellschaftlicher und globaler
Themen. Komplexe Sachverhalte werden verständlich
vermittelt – stets unter Einbezug vielfältiger
Perspektiven. Die journalistische Qualität wird auch von der
Fachwelt bestätigt: So erhielt die DW im Evaluationszeitraum
zahlreiche journalistische Auszeichnungen.
– Das englischsprachige Angebot der DW bietet
aufgrund seiner globalen Verbreitung ein besonders hohes
Potenzial für Reichweite und Wirkung, insbesondere in
den prioritären Zielländern Asiens, Subsahara- Afrikas und
Nordamerikas. Gleichzeitig steht die DW vor der
Herausforderung, sich in stark heterogenen und zunehmend
wettbewerbsintensiven Märkten erfolgreich zu
positionieren. Um dieser Komplexität zu begegnen, wurde das
Angebotsportfolio gezielt weiterentwickelt. Im Rahmen ihrer
On-Demand-Strategie hat die DW ihre englischsprachige
Social-Media-Präsenz systematisch ausgebaut,
diversifiziert und stärker regionalisiert, um den vielfältigen
Bedürfnissen ihrer Zielgruppen in den verschiedenen
Regionen gerecht zu werden. Als Teil dieser Neuausrichtung
wurde der Umfang des englischsprachigen TV-Kanals
reduziert. Inhalte werden nun vorrangig für digitale
Ausspielwege produziert und anschließend im linearen Programm
zweitverwertet. Durch die konsequente Ausrichtung auf
plattformgerech te und regional relevante Inhalte konnte
die DW ihre Reichweite im englischsprachigen Raum
erneut steigern. Wie auch im vorherigen Evaluationszeitraum
war es das erfolgreichste Angebot der DW.
– Das deutschsprachige Angebot ist für das
Selbstverständnis der DW von großer Bedeutung. Es bietet
leicht verständliche Informationen, um sowohl
Deutschsprechende als auch -lernende außerhalb der DACH-
Region weltweit gezielt zu erreichen. 2024 stellte die
DW gänzlich auf ein digitales, multimediales Angebot
um und stellte den deutschsprachigen TV-Kanal ein. Um
die Effizienz zu steigern, hat die DW auch ihre
deutschsprachigen Social-Media-Aktivitäten gebündelt. Diese
Neuausrichtung optimiert das Angebot und steigert
dessen Wirksamkeit. Inhaltlich setzt das
deutschsprachige Angebot auf Hintergründe, Analysen und
Faktenchecks zu aktuellen Entwicklungen in Deutschland,
Europa und der Welt. Trotz des reduzierten Portfolios
erzielt die DW mit ihrem deutschsprachigen Angebot
beachtliche Reichweiten.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 14 –
– Das arabischsprachige Angebot der DW hat sich über
Jahre hinweg als eine der wichtigsten medialen
Stimmen in der MENA-Region (Middle East and North Africa,
Nahost/Nordafrika) etabliert. Trotz einer
Vertrauenskrise internationaler Medienanbieter in der Region, dem
Wegfall lokaler Partnerschaften sowie der veränderten
Wahrnehmung Deutschlands im Zuge des
Nahostkonflikts, die einen vorübergehenden Rückgang in der
Gesamtnutzung zur Folge hatten, bleibt das Angebot ein
zentraler Bestandteil der internationalen DW-Präsenz. In
einem herausfordernden Umfeld ist das unabhängige,
journalistisch hochwertige Angebot in arabischer
Sprache notwendig und relevant – gerade in Zeiten, in denen
verlässliche Informationen und ausgewogene
Berichterstattung in der Region schwer zugänglich sind.
– In Lateinamerika festigt die DW ebenfalls ihre Rolle als
unabhängige, glaubwürdige Informationsquelle. Durch
gezielte Regionalisierung, eine plattformübergreifende
Strategie und die konsequente Ausrichtung auf zentrale
Themen wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und
Menschenrechte konnten sowohl DW Español als auch das
portugiesischsprachige Angebot für Brasilien ihre
Reichweiten und Relevanz in der Region deutlich ausbauen.
Digitale Kanäle fungieren dabei als zentrale
Wachstumstreiber. Die DW leistet damit einen substanziellen Beitrag
zur Förderung von Meinungsvielfalt und Pressefreiheit in
Lateinamerika und stärkt zugleich ihre Position als
relevanter Akteur im internationalen Medienumfeld.
– In Subsahara-Afrika befindet sich die Medienlandschaft
und -nutzung in einem dynamischen Wandel. Soziale
Medien entwickeln sich rasant zu zentralen
Informations- und Kommunikationsplattformen, insbesondere für
junge, städtische Zielgruppen. Die DW hat ihr Angebot
für Afrika in den vergangenen Jahren daher konsequent
verstärkt, regionalisiert und dem
Mediennutzungsverhalten angepasst. Insgesamt hat sie 19 Zielländer
in Subsahara-Afrika priorisiert und produziert
maßgeschneiderte Programme für TV, Radio und Online
in sechs Sprachen: Amharisch, Englisch, Französisch,
Haussa, Kisuaheli und Portugiesisch. Diese Strategie
zeigt Wirkung, denn Subsahara-Afrika war erneut das
nutzungsstärkste Zielgebiet der DW.
– In Asien ist die DW mit neun regionalen Sprachangeboten
sowie englischsprachigen Angeboten für Asien aktiv und
konnte ihre Präsenz trotz politischer Instabilität, Zensur
und schwieriger Rahmenbedingungen weiter ausbauen.
Für die priorisierten Zielmärkte in Asien setzt die DW
auf regional relevante Inhalte sowie einen zunehmend
digitalen Medienmix. Besonders über soziale Medien
und Partnerplattformen konnte sie neue Zielgruppen
erschließen. Zudem wurde durch ihre regionale Präsenz
und den Ausbau des Netzwerks lokaler Mitarbeitender
die strukturelle Basis gestärkt. Obwohl die Arbeit der DW
in Ländern wie China, Iran oder Afghanistan stark
eingeschränkt oder verboten ist, konnte sie die Nutzung
relativ stabil halten. In einem Umfeld wachsender autoritärer
Kontrolle erfüllt die DW damit auch in Asien ihre Rolle als
unabhängige Informationsquelle.
– Die DW betreibt mehrere Angebote für Russland, die
Ukraine und Osteuropa. Der russische Angriffskrieg
auf die Ukraine hat die Bedeutung unabhängiger
journalistischer Angebote in diesem Raum nochmals
erheblich gesteigert. Das mediale Umfeld ist zunehmend
geprägt von staatlicher Zensur, Propaganda und
Repression. 2022 musste die DW ihr Büro in Moskau
auf Anordnung der Regierung schließen und ihre
redaktionelle Arbeit aus dem Exil fortsetzen. Ihre Inhalte sind
in Russland blockiert, und sie wurde als sogenannter
„ausländischer Agent“ eingestuft. In der Ukraine konnte
die DW ihre Präsenz durch den Ausbau des Studios in
Kyjiw stärken, auch wenn die Pressefreiheit unter den
Kriegsbedingungen eingeschränkt bleibt. Belarus bleibt
ebenfalls ein Schwerpunkt, da unabhängiger
Journalismus dort kaum noch möglich ist. Trotz dieser
Herausforderungen verzeichnet die DW eine hohe Nutzung ihrer
russischen und ukrainischen Angebote – insbesondere
über weitgehende zensurresistente Plattformen wie
Telegram und YouTube.
– Auch in Mittelost- und Südosteuropa bleibt die DW
eine unverzichtbare Anbieterin unabhängiger
Informationen – insbesondere angesichts anhaltender
Einschränkungen der Pressefreiheit und des wachsenden
Einflusses autoritärer Akteure in zahlreichen Zielländern.
Die Entwicklungen in der Türkei, Serbien und Ungarn
– Ungarisch ist eine im Evaluationszeitraum neu
hinzugekommenen Sendesprache – sind dabei besonders
besorgniserregend: staatliche Kontrolle, Zensur,
Einschüchterung von Medienschaffenden und gesetzliche
Repressionen schränken die Medienfreiheit massiv ein.
Die DW setzt mit faktenbasierter Berichterstattung ein
Gegengewicht zur oft einseitigen Berichterstattung
nationaler Medien. Während das Fernsehen vielerorts
weiterhin eine zentrale Rolle spielt, setzt die DW
zunehmend auf digitale Formate und soziale Medien, um
insbesondere junge Zielgruppen zu erreichen und ihnen
unabhängige Informationen zugänglich zu machen.
Zur Förderung der deutschen Sprache bietet die DW
neben ihren journalistischen Inhalten ein umfangreiches,
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 15 –
kostenloses sowie zeit- und ortsunabhängig nutzbares
Bildungsangebot für Deutschlernende und -lehrende
weltweit. Es beinhaltet multimediale, interaktive Inhalte für alle
Sprachniveaus, berufsspezifische Kurse und didaktisch
aufbereitete Nachrichten. Es vermittelt neben
Sprachkenntnissen auch Wissen über Deutschland, seine Werte und
Kultur. In den letzten Jahren wurde es kontinuierlich
inhaltlich und technisch modernisiert, für die mobile Nutzung
optimiert und Social-Media-Angebote für jüngere Zielgruppen
ausgebaut. Die Zahl der registrierten Nutzenden für die
zentrale Lernplattform learngerman.dw.com wächst
kontinuierlich und das Deutschlernangebot der DW erhält sehr
positives Feedback von Deutschlernenden und -lehrenden.
– Die DW betreibt kontinuierlich Wirkungsforschung, um
ihre Inhalte gezielt weiterzuentwickeln. Studien
belegen, dass sie zur Förderung von Informationsfreiheit,
Meinungsbildung und demokratischen Werten beiträgt
– selbst unter schwierigen politischen Bedingungen.
Ihre unabhängigen, faktenbasierten Inhalte stärken
Wissen, Medienkompetenz, Dialogbereitschaft und
gesellschaftliche Teilhabe. Nutzerinnen und Nutzer
verarbeiten DW-Inhalte, nutzen sie zur Meinungsbildung
und zeigen mehr Selbstbewusstsein in Diskussionen
sowie eine starke Unterstützung demokratischer
Prinzipien. Gleichzeitig identifizierte die Evaluation Potenziale,
etwa im Ausbau dialogorientierter Formate. Um ihre
Wirkung besser zu verstehen, hat die DW ihre
Forschungsmethoden um qualitative und experimentelle Ansätze
erweitert – mit dem Ziel, künftig auch die Wirkung
konstruktiver Berichterstattung noch gezielter zu untersuchen.
– Für die DW ist Nachhaltigkeit ein strategisches
Querschnittsthema – sowohl im journalistischen Profil als
auch im unternehmerischen Handeln. Mit Formaten wie
Global Ideas, Planet A oder Eco Africa setzt die DW
weltweit Impulse für Umwelt- und Klimaschutz.
Gleichzeitig verfolgt sie ambitionierte Klimaziele im eigenen
Betrieb: Zwischen 2019 und 2022 konnten die
Treibhausgasemissionen um 60 % gesenkt werden. Die DW
ist zudem Mitglied internationaler
Nachhaltigkeitsnetzwerke wie dem UN SDG Media Compact. Sie entwickelt
ihr Nachhaltigkeitsmanagement kontinuierlich weiter
– unter anderem durch ein systematisches Monitoring,
die Einführung eines Energiemanagementsystems und
die Förderung ökologischer Produktionsstandards. Auch
soziale Nachhaltigkeit wird aktiv gestaltet – etwa durch
Maßnahmen zu Diversität, Gleichstellung und
werteorientierter Unternehmensführung.
– Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Katalysator für den
digitalen Wandel innerhalb der DW und beschleunigte
die Transformation hin zu einer modernen, flexiblen
Arbeitskultur. Zur kontinuierlichen Verbesserung und
Anpassung der Arbeitsbedingungen an eine zunehmend
globalisierte und digitale Arbeitswelt wurden
Projekte und Prozesse im Bereich New Work und Diversity,
Equity and Inclusion (DEI) durchgeführt. Zentrale
Elemente waren die Förderung von
Veränderungsfähigkeit als Schlüsselkompetenz, die Stärkung agiler
Arbeitsweisen sowie gezielte Formate zur Beteiligung
und Vernetzung der Mitarbeitenden. Zudem wurden
flexible Arbeitsmodelle, neue Raumkonzepte und eine
zeitgemäße Führungskultur etabliert. Mit Roadshows,
Beratungsangeboten und interdisziplinärer
Zusammenarbeit wurde der Kulturwandel im gesamten
Unternehmen verankert – als Grundlage für eine diverse,
digitale und zukunftsfähige Arbeitswelt.
Die DW Akademie ist integraler Bestandteil der DW,
denn die Ziele aus der Aufgabenplanung lassen sich nur
im Zusammenspiel aus journalistischen Angeboten und
Medienentwicklungszusammenarbeit erfüllen. Während
sich die DW auf redaktionelle Inhalte konzentriert, liegt der
Schwerpunkt der DW Akademie auf projektfinanzierter
Medienentwicklungszusammenarbeit. Im Rahmen dieser
Evaluation werden die strategischen Grundlagen,
Rahmenbedingungen und Aktivitäten der DW Akademie
dargestellt. Die detaillierten Projektevaluationen erfolgen in
Abstimmung mit den jeweiligen Mittelgebern und wurden
diesen bereits separat übermittelt. Der vorliegende Bericht
fasst daher ausschließlich die wichtigsten Ergebnisse
dieser Evaluationen zusammen.
– Im Evaluationszeitraum konnte die DW Akademie ihre
Rolle als eine der weltweit führenden Organisationen
im Bereich der Medienentwicklung weiter festigen.
Seit der strategischen Neuausrichtung auf langfristige,
wirkungsorientierte Projekte ist das Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) der wichtigste Auftraggeber. Die Evaluationen
belegen die hohe Wirksamkeit der DW Akademie in
den Partnerländern. Im Jahr 2025 ist sie gemeinsam mit
lokalen Partnerorganisationen in rund 70 Ländern aktiv.
Dabei arbeitet sie in zentralen Handlungsfeldern, unter
anderem mit innovativen Ansätzen zur Förderung von
Medienkompetenz und zur wirtschaftlichen
Nachhaltigkeit von Medienhäusern. Auch die beiden
Masterstudiengänge International Media Studies und Master
francophone en journalisme international tragen maßgeblich
zur Wirkung der Akademie bei.
– Die weltweiten Herausforderungen im Bereich
Meinungsfreiheit und Medienpluralismus haben auch die
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 16 –
Entwicklungszusammenarbeit stark geprägt.
Deutschland hat in den vergangenen Jahren seine Unterstützung
für freie Mediensysteme in Partnerländern zunächst
ausgeweitet und anschließend auf einem stabilen Niveau
konsolidiert. Vor dem Hintergrund der immer
komplexeren Aktivitäten der DW Akademie sowie den globalen
Krisen, insbesondere der gezielten
Desinformationskampagnen autoritärer Regime und der hybriden
Kriegsführung Russlands ergibt sich der Bedarf nach einer
strukturellen Grundfinanzierung. Die Einstellung der
amerikanischen Entwicklungsbehörde United States
Agency for International Development (USAID) und
die massiven Kürzungen bei USAGM haben die
internationale Verantwortung der DW als
Informationsanbieterin und die der DW Akademie als globale
Medienentwicklerin nochmals erhöht.
Die Evaluation zeigt auch auf, vor welchen
Herausforderungen die DW steht und in Zukunft stehen wird. In
Zeiten von Desinformation und fragmentierter
Mediennutzung kommt dem dialogischen Austausch mit der
Zielgruppe umso mehr Bedeutung zu. Die Fokussierung
und Professionalisierung der Angebote wird weiterhin
erforderlich sein, um auf zunehmend fragmentierten und
personalisierten Plattformen konkurrenzfähig zu bleiben.
Die Ergebnisse dieser Evaluation werden in die
Aufgabenplanung der Jahre 2026–2029 einfließen. Das
gewährleistet, dass die DW ihre Angebote
kontinuierlich an die wichtigsten Veränderungen in den Märkten
anpasst. Denn auch in Zukunft wird sich die DW neuen
Herausforderungen in ihren Zielländern stellen müssen,
um mit vielfältigen Programmangeboten den Menschen
unabhängige Informationen zu liefern und die freie
Meinungsbildung zu unterstützen. Ebenso wird die DW
Akademie mit ihren Projekten die demokratische
Entwicklung von Mediensystemen in aller Welt fördern.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 17 –
1 Rahmenbedingungen des
deutschen Auslandsrundfunks
Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Informationskrieg:
Im März 2022 wurde der Fernsehturm in Kyjiw von einer
russischen Rakete getroffen. Pa
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Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 18 –
1 Rahmenbedingungen des
deutschen Auslandsrundfunks
In den vergangenen vier Jahren hat sich die
weltpolitische Lage weiter polarisiert. Weltweit spitzten
sich geopolitische Konflikte zu – autoritäre Regime
gewannen an Einfluss und demokratische Strukturen
gerieten unter Druck. Der russische Angriffskrieg gegen
die Ukraine, der Terrorangriff der Hamas auf Israel am
7. Oktober 2023 und der daraus resultierende Gaza-Krieg
sowie die Eskalation zwischen Iran und Israel stellen
tiefgreifende Einschnitte in der internationalen
Ordnung dar. Auch die zweite Trump-Administration und der
Rückzug der USA als ordnungsstiftender Hegemon
markieren eine Zäsur mit weitreichenden Auswirkungen auf
das globale Machtgefüge. Humanitäre Krisen, wie etwa
im Jemen, Somalia und dem Sudan, sowie Dürren und
Überschwemmungen infolge des Klimawandels und die
wachsende Ernährungsunsicherheit in vielen Regionen
der Welt verdeutlichen die zunehmende Fragilität
globaler Strukturen. Manche Regionen sind von intensiven
bewaffneten Auseinandersetzungen betroffen, mit hohen
Opferzahlen und massiven Fluchtbewegungen. Auch
haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie strategisch
autoritäre Regime und populistische Bewegungen
weltweit gegen unabhängige Medien vorgehen – bis
hin zu vollständiger Zensur.2 In Ländern wie
Russland, Iran oder China werden oppositionelle Stimmen
systematisch unterdrückt, aber auch in demokratischen
Ländern wie den USA geraten rechtsstaatliche
Institutionen zunehmend unter Druck. In vielen Ländern werden
unabhängige Medien massiv eingeschränkt oder durch
staatlich kontrollierte Narrative ersetzt. Autokratien
schotten ihre digitalen Räume zunehmend ab, zensieren
Inhalte, blockieren Plattformen oder schalten das Internet
ganz ab.
Antidemokratische Kräfte haben ihre Vorgehensweise zur
Beeinflussung der öffentlichen Meinungsbildung weiter
verfeinert. Längst geht es nicht mehr nur um die
Unterdrückung kritischer Berichterstattung – vielmehr wird ein
paralleler Informationsraum geschaffen, über den gezielt
Desinformation verbreitet wird. Autoritäre Regime nutzen
globale Krisen zudem zur Destabilisierung demokratischer
2 Siehe Exkurs 1.
Gesellschaften, von der Beeinflussung von freien Wahlen
bis hin zum Instrumentarium hybrider Kriegsführung.3
Die anhaltende russische Invasion in der Ukraine sowie die
Eskalation im Nahen Osten haben eine neue geopolitische
Realität geschaffen. In dieser Ordnung formieren sich
autoritäre Staaten zu strategischen Allianzen, die nicht
nur wirtschaftliche, sondern auch ideologische Interessen
teilen. Gemeinsame Nenner sind die Ablehnung liberaler
Werte, die Einschränkung von Meinungs- und
Pressefreiheit sowie die gezielte Diskreditierung von
Minderheitenrechten – insbesondere gegenüber Frauen und LGBTQIA+-
Personen. Autoritäre Kräfte nutzen zunehmend digitale
Technologien, insbesondere auch durch KI generierte
Inhalte, um Desinformation zu verbreiten und öffentliche
Debatten zu manipulieren.
Auch die Deutsche Welle (DW) war Zielscheibe von
Desinformation und wurde in Zielgebieten zensiert. Als Stimme
für Menschenrechte und Pressefreiheit wurde sie von
Akteuren wie dem russischen Regime, der iranischen Führung
oder den rechtspopulistischen Bewegungen in Europa
angegriffen. Die DW reagierte auf diese Entwicklungen mit
einer klaren Positionierung als unabhängige
Informationsanbieterin, mit journalistischer Klarheit und starker
Faktenorientierung, etwa durch den Fokus auf das Thema
Fact-Checking.4 Auch auf das Wiedererstarken des
Antisemitismus reagierte die DW umfassend und setzte einen
zehn-Punkte-Maßnahmenplan um und verschärfte ihren
Code of Conduct, der für alle Mitarbeitenden verpflichtend
einzuhalten ist.5
Angesichts weltweit immer stärker polarisierter
Gesellschaften steht die DW insbesondere für freie
Meinungsbildung, faktenbasierte Berichterstattung und
demokratische Werte. Denn inmitten dieser Herausforderungen
bleibt die Mission der DW klar: Faktenbasiert berichten,
Stimmen hörbar machen, die sonst zum Schweigen
gebracht werden, und für Werte eines freien, demokratischen
3 BMVg 2025.
4 Siehe Exkurs 5.
5 Siehe Kapitel 4.2.
Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Informationskrieg:
Im März 2022 wurde der Fernsehturm in Kyjiw von einer
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 19 –
Europas einzustehen. In einem Umfeld zunehmender
Zensur und Propaganda bietet die DW mit ihren 32
Sprachangeboten verlässliche Informationen und ermöglicht
Debatten, die in den jeweiligen Zielländern oft nicht mehr
möglich sind. Der vorliegende Bericht dokumentiert, wie die
DW ihre Rolle als Stimme der Freiheit in einer zunehmend
autoritär geprägten Welt wahrnimmt – und welchen Beitrag
sie zur Stärkung demokratischer Diskurse leistet.
1.1 Medienanbieter unter
Druck: Unabhängige
Bericht erstattung in
Zeiten von Krieg und
Desinformation
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europa
in seinen Grundfesten erschüttert. Er stellt einen
eklatanten Bruch des Völkerrechts dar und gilt als die
schwerwiegendste militärische Aggression in Europa seit dem
Zweiten Weltkrieg. Die europäische Sicherheitsordnung
wurde dadurch massiv destabilisiert – grundlegende
Prinzipien wie Souveränität, territoriale Integrität und
friedliche Konfliktlösung wurden missachtet.6 Die humanitären
Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheerend.7 Als
internationales Medienunternehmen ist die DW ebenfalls von
den Auswirkungen des Krieges betroffen. So war die DW
verstärkten Repressionen durch Russland ausgesetzt –
von der Einstufung als „ausländischer Agent“ über die
Blockade der DW-Webseiten bis hin zur Zwangsschließung des
Studios in Moskau im Februar 2022. Aktuell arbeitet sie aus
dem Exil in Riga, berichtet aber auch aus dem Kriegsgebiet.
DW-Mitarbeitende sind dabei den enormen Gefahren der
Kriegsberichterstattung ausgesetzt, wie der Fall eines DW-
Kameramanns zeigt, der bei Dreharbeiten in der Donbas-
Region unter russischen Artilleriebeschuss kam und von
einem Splitter aus Streumunition getroffen wurde.8
Auch in Belarus verschärfte sich die Lage in den letzten
Jahren. Im April 2024 wurde die DW von den dortigen
Behörden als „extremistische Organisation“ eingestuft – ein
6 OSCE 2022.
7 HRW 2025a.
8 DW 2023a. Übergriffe auf DW-Mitarbeitende fanden in den
letzten Jahren zudem unter anderem in Bangladesch, Brasilien,
Georgien, Kenia, Libanon und Deutschland statt.
drastischer Schritt, der nicht nur die Arbeit der Redaktion
kriminalisierte, sondern auch den Zugang zu unabhängigen
Informationen für die belarussische Bevölkerung
weiter einschränkte. Die systematische Diffamierung ist
Ausdruck eines autoritären Gegendrucks, der auf die
Glaubwürdigkeit und Reichweite der DW zielt. Die DW
verurteilte diese Entscheidung aufs Schärfste und setzt sich
weiterhin für Pressefreiheit und Menschenrechte ein – in
Belarus, Russland und weltweit. Dabei profitiert die DW
davon, dass ihre Reporterinnen und Reporter vor Ort sind,
dort recherchieren und authentische Inhalte in der Region
produzieren können. So stellt sie die Berichterstattung aus
Kriegs- und Krisenregionen sicher. Auch aus dem Exil
heraus gewährleisten DW-Teams weiterhin eine unabhängige
Berichterstattung.
In einer Zeit geopolitischer Spannungen und
grundlegender Verschiebungen in der internationalen
Sicherheitsarchitektur vermittelt die DW deutsche und
europäische Perspektiven und bildet ein unverzichtbares
Gegengewicht zu Desinformation und autoritärer Einflussnahme.
In einem Großteil der DW-Zielländer haben sich die
Eingriffe in die Medienlandschaft im Berichtszeitraum weiter
verschärft. Die Maßnahmen reichen von gesetzlichen
Restriktionen über wirtschaftlichen Druck bis hin zu gezielter
Einschüchterung von Medienschaffenden und betreffen
zunehmend auch die DW selbst. Länder wie der Iran,
Venezuela oder Burkina Faso blockierten oder zensierten DW-
Inhalte. So folgte der Berichterstattung über mutmaßliche
Menschenrechtsverletzungen und Massentötungen von
Zivilistinnen und Zivilisten durch das Militär von Burkina
Faso 2024 die Sperrung der DW-Webseite dw.com in dem
Land. Die Regierung reagierte mit Zensur statt Aufklärung
– ein Muster, das sich in vielen Ländern wiederholt. In der
Türkei wurde der Zugang zu DW-Inhalten blockiert, zum 31.
Juli 2025 jedoch wieder freigeschaltet. 2023 wurde auch
ein DW-Korrespondent wegen einer kritischen Nachricht
auf X zu einer Bewährungsstrafe verurteilt9 – ein
alarmierendes Signal für die Pressefreiheit in einem Land, das sich
zunehmend von demokratischen Standards entfernt.
Der Rückzug der internationalen Truppen aus Afghanistan
im Sommer 2021 markierte nicht nur einen geopolitischen
Wendepunkt – er bedeutete auch für die DW eine Zäsur.
Angesichts der dramatischen Sicherheitslage und der
gezielten Bedrohung von Medienschaffenden durch die
Taliban war die DW gezwungen, ihre Präsenz vor Ort
drastisch zu reduzieren. Unter schwierigsten Bedingungen ist
es der DW gelungen, afghanische Kolleginnen und
Kollegen vor Ort zu evakuieren. Die DW investiert weiter in das
9 DW 2023b.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 20 –
Berichtsgebiet, um den Zugang zu freien Informationen
selbst in dieser prekären Situation sicherzustellen.
Diese besonders schwerwiegenden Eingriffe in die
Medienlandschaft der letzten Jahre verdeutlichen
eindrücklich, wie unverzichtbar eine unabhängige Presse für
Gesellschaften ist. Gerade in Zeiten von Krisen, Konflikten
und Desinformation kommt ihr eine zentrale Rolle zu: Sie
schafft Transparenz, ermöglicht öffentliche Debatten und
schützt die Meinungsfreiheit. Die Berichterstattung durch
unabhängige Medienanbieter weltweit ist ein hohes Gut
und Voraussetzung für demokratische Entwicklungen.
Die jüngsten Ereignisse um die De-facto-Einstellung der
amerikanischen Behörde für internationale
Medienarbeit, US Agency for Global Media (USAGM), mit ihren
zugehörigen Sendern wie Voice of America (VOA), Radio
Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) und Radio Free Asia
(RFE) sind daher mit Blick auf den Stand der Meinungs-
und Medienfreiheit weltweit besorgniserregend.10 Trotz
der strategischen Bedeutung ihrer Arbeit in autoritär
geprägten Regionen sah sich USAGM mit massiven
strukturellen Kürzungen konfrontiert. US-Präsident Donald Trump
hatte im März 2025 verfügt, dass die Organisation bis auf
das gesetzlich festgelegte Minimum ausgehöhlt werden
sollte. USAGM-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter wurden
mit sofortiger Wirkung beurlaubt und sollen nach Plänen
der Trump-Regierung zu über 90 % entlassen werden – ein
Schritt, der faktisch die Zerschlagung der US-
Auslandsmedien bedeutet. Dabei war gerade ihre Rolle als Trägerin
der oben genannten Sender zentral für die
Informationsfreiheit in vielen repressiven Staaten. USAGM erreichte
zuletzt 427 Millionen Menschen wöchentlich in 63 Sprachen
in über 100 Ländern und verfügte weltweit über tausende
Partnermedien, die nun nicht mehr mit Inhalten versorgt
werden. Autoritäre Staaten mit ihren Auslandsmedien
nutzen diese Lücke und machen gezielte Angebote für neue
Distributionspartnerschaften.
Mit USAGM verband die DW ein enger Austausch in der
DG811, eine Gruppe der demokratisch geprägten
internationalen öffentlich-rechtlichen Auslandssender, zu
denen auch BBC World Service und France Médias Monde
(FFM) gehören. Ebenso tauschten sich die Sender intensiv
im Bereich der Umgehung digitaler Zensurmaßnahmen
aus. Welche Zusammenarbeit mit USAGM in Zukunft
10 Siehe Kapitel 1.6. Im Bericht wird die Entwicklung von USAGM
abschließend bis zum 15.06.2025 für die DW-Zielregionen
weltweit behandelt. Weitere Entwicklungen nach diesem Datum
können aufgrund des Redaktionsschlusses nicht abgebildet
werden.
11 Siehe Glossar.
noch möglich sein wird, lässt sich zum Zeitpunkt der
Berichtserstellung noch nicht abschätzen. Der Fall von
USAGM ist Teil eines globalen Trends: Die zunehmende
gesellschaftliche Polarisierung und der Rechtsruck in
Demokratien gehen oft mit einer Schwächung
öffentlichrechtlicher Medien einher. In Großbritannien etwa steht
die BBC unter politischem Druck, in anderen Ländern
wird die Glaubwürdigkeit etablierter Medien systematisch
untergraben. Solche Entwicklungen haben dramatische
Folgen für die Demokratie und unvorhersehbare
Auswirkungen auf verschiedene Weltregionen, in denen der
Zugang zur freien Presse und dem freien Internet
ohnehin eingeschränkt ist. Entwicklungen wie der Rückzug
der USA als Verfechterin der Medien- und Pressefreiheit
stärken autoritäre Regime weltweit. Vielerorts entsteht
ein gefährliches Informationsvakuum. Russland, China,
die Türkei und andere autoritäre Staaten nutzen diese
Dynamik gezielt aus und investieren nach wie vor enorme
Summen in ihre Auslandsmedien. Sie verbreiten
Narrative, die liberale Demokratien als schwach und autoritäre
Herrschaftsformen als stabile Alternativen darstellen. Vor
dem Hintergrund dieser Entwicklungen in vielen Regionen
und der zunehmenden Präsenz autoritärer Staaten in der
internationalen Medienlandschaft kommt den
europäischen Auslandssendern eine besondere Aufgabe zu. Für
die DW bedeutet dies mehr denn je, eine unverzichtbare,
unabhängige Informationsquelle und Gegengewicht zu
weltweit fortschreitender autoritärer Einflussnahme im
Informationsraum zu sein.
1.2 Medien- und
Meinungsfreiheit auf historischem
Tiefpunkt
Das Jahr 2025 markiert den bis dato dramatischsten Stand
der Meinungs- und Pressefreiheit. Die weltweit äußerst
fragile Sicherheitslage, wachsender Autoritarismus und
zunehmender wirtschaftlicher Druck haben dazu geführt,
dass inzwischen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung
in Staaten lebt, in denen unabhängige Berichterstattung
kaum noch möglich ist (Abbildung 1). Die Lage in diesen
Ländern ist laut der Rangliste der Pressefreiheit von
Reporter ohne Grenzen (RoG) „schwierig“ bis „sehr ernst“.12 In
einem Großteil der DW-Zielländer haben sich die Eingriffe in
die Medienlandschaft im Berichtszeitraum weiter verschärft.
12 RoG 2025a.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 21 –
In mehreren Ländern wird die Pressefreiheit zudem durch
restriktive Mediengesetze und Zensurmaßnahmen
untergraben.13 Besonders auffällig ist die Entwicklung in Indien,
das 2024 mit 84 registrierten Internetabschaltungen
führend unter den demokratischen Staaten ist.14 Der
afrikanische Kontinent erreichte 2024 ebenfalls einen
Rekordwert mit über 32 Internetabschaltungen in 18
Ländern.15 Zunehmend greifen Regierungen weltweit auch zu
sogenannten „ausländischen Agentengesetzen“, um
unabhängige Medien, zivilgesellschaftliche Organisationen
und Journalistinnen und Journalisten zu kontrollieren und zu
13 Siehe Exkurs 1.
14 Access Now 2025a.
15 Ebd. Burundi, Äthiopien, Äquatorialguinea, Kenia, Komoren,
Guinea-Bissau, Mauritius, Guinea, Nigeria, Senegal, Tansania, Sudan,
Tschad, Mauretanien, Uganda, Algerien, Ruanda, Mosambik.
diskreditieren. Die Gesetze verpflichten Akteure mit
ausländischer Finanzierung zur Registrierung als
„ausländischer Agent“, meist verbunden mit stigmatisierenden
Auflagen, finanzieller Benachteiligung und staatlicher
Überwachung. Ursprünglich in Russland eingeführt, wurden
ähnliche Gesetze inzwischen auch in Georgien, Ungarn,
Serbien und weiteren Ländern verabschiedet oder sind
geplant.
Auch China hat seine digitale Überwachungs- und
Zensurinfrastruktur weiter ausgebaut. Die Internetüberwachung
zählt zu den repressivsten weltweit und wird durch neue
gesetzliche Regelungen wie beispielsweise ein
nationales digitales Personalausweissystem zur besseren
Überwachung sowie durch die systematische Löschung
Abbildung 1: Lage der Pressefreiheit weltweit
Stand 2025. Quelle: Eigene Darstellung und Farbgebung nach Reporter ohne Grenzen.
Erkennbare Probleme
Schwierig
Sehr ernst
Gut
Zufriedenstellend
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 22 –
regierungskritischer Inhalte weiter intensiviert.16
Weltweit sehen sich Journalistinnen und Journalisten zudem
zunehmender Einschüchterung, Gewalt und juristischer
Verfolgung ausgesetzt. In der Sahelzone zwingt die fragile
Sicherheitslage Redaktionen zur Schließung oder ins Exil,
wie etwa in Burkina Faso und Mali. In Myanmar,
Afghanistan und Hongkong wurden unabhängige Medien ebenfalls
systematisch zerschlagen. Im Iran halten Verhaftungen
und Repressionen den Druck auf unabhängige Medien
aufrecht. In Bangladesch kam es zwischen 2024 und 2025
in über 74 Fällen zu körperlicher Gewalt und zu über 100
Morddrohungen gegen Journalistinnen und Journalisten.
Auch in der Türkei eskalierte die Lage im März 2025: Bei
Protesten gegen die Inhaftierung des Istanbuler
Bürgermeisters wurden mindestens zehn Journalistinnen und
Journalisten von Sicherheitskräften angegriffen.17
Die gezielte Kombination aus wirtschaftlichem Druck,
repressiven Gesetzen, digitaler Kontrolle und physischer
Einschüchterung führt weltweit zu einer systematischen
Schwächung unabhängiger Medien. Wo Journalistinnen
und Journalisten bedroht, Redaktionen geschlossen
und kritische Stimmen zum Schweigen gebracht
werden, verengt sich der öffentliche Diskurs zunehmend.
Wichtige Themen wie Korruption, Machtmissbrauch
16 Biometric Update.com 2025.
17 RoG 2025b.
oder Minderheitenrechte verschwinden aus der
Berichterstattung. Statt pluralistischer Debatten dominieren
staatlich gelenkte Narrative, mit gravierenden Folgen für die
demokratische Meinungsbildung und die gesellschaftliche
Teilhabe.
Während klassische Zensur weiterhin in Ländern wie
China, Iran oder Russland dominiert, setzen viele
Regierungen heute auf subtilere, aber ebenso wirksame Mittel:
Ökonomische Einschränkung statt offener Repression.
Laut Reporter ohne Grenzen kämpfen Medien in 160 von
180 Ländern mit finanziellen Schwierigkeiten und stehen
vor der Schließung.18 Allein im vergangenen Jahr wurden in
fast einem Drittel der Länder Redaktionen aufgrund von
massivem staatlichem Druck eingestellt. Besonders
problematisch ist die Konzentration von Medienbesitz: In
46 Ländern kontrollieren wenige, oft regierungsnahe
Akteure große Teile der Medienlandschaft, etwa in
Georgien, Vietnam, Ägypten oder Venezuela. Gleichzeitig
entziehen globale Tech-Konzerne den klassischen
Medienhäusern wichtige Werbeeinnahmen, wodurch eine
doppelte wirtschaftliche Belastung entsteht, die die unabhängige
Berichterstattung zusätzlich bedroht. Gerade mit Blick auf
diese Entwicklung stellt die DW eine viel gefragte und
essenzielle Ergänzung dar.
18 RoG 2025a.
Eine UN-Friedenssoldatin und Journalistin Mariel
Mülller teilen sich ein Fahrzeug – geschützt durch Helm
und Weste, verbunden durch ihre Mission in Beni im
Osten der DR Kongo.
© Das Bild zeigt
eine UN-
Friedenssoldatin und die
Journalistin Mariel
Müller in einem
Fahrzeug. Beide
tragen Helme und
Schutzwesten. Die
Weste der Soldatin
ist blau und trägt
die Aufschrift UN.
Mariel Müller hält
eine Kamera in der
Hand. Im Hint
rgrund sind Palmen
zu sehen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 23 –
1.3 Digitale Transformation
als Herausforderung und
Chance
Die Digitalisierung bleibt eine zentrale Herausforderung
– und zugleich eine große Chance für die DW und andere
internationale Medienanbieter. In den vergangenen Jahren
hat sich das Informationsverhalten weltweit weiter
verändert: Plattformen wie X, Instagram und TikTok sowie die
algorithmische Steuerung von Sichtbarkeit und
Reichweite prägen zunehmend die Art, wie Menschen
Informationen aufnehmen, teilen und bewerten. Die
Geschwindigkeit, mit der Inhalte produziert und verbreitet werden, hat
sich nochmals erhöht – ebenso wie die Fragmentierung
der digitalen Öffentlichkeit.
Die Verbreitung von Informationen ist heute so einfach
wie nie: Ein Smartphone, ein Algorithmus, ein virales
Video und Millionen Menschen können erreicht werden.
Gleichzeitig hat die Zahl der Anbieter explosionsartig
zugenommen. Internationale Medienhäuser wie BBC World
Service, France Médias Monde oder die DW
konkurrieren nicht mehr nur mit nationalen Akteuren, sondern
mit einer Vielzahl neuer, oft algorithmisch
optimierter Informationsquellen. Viele der aktuellen
Herausforderungen werden durch die Macht und die sich
wandelnden Strategien konkurrierender Tech-Giganten –
darunter soziale Netzwerke, Suchmaschinen und
Videoplattformen – verschärft. Einige dieser Unternehmen stufen
Nachrichten- und politische Inhalte inzwischen bewusst
zurück. Aus diesem Grund gestaltet sich die Platzierung
journalistischer Inhalte zunehmend komplex; ihre
Auffindbarkeit über Suchmaschinen unterliegt allein den Kriterien
und Modellen kommerzieller Anbieter.19 Auf Social- Media-
Plattformen bestimmen Algorithmen die Sichtbarkeit
von Inhalten für die Nutzenden. Änderungen können hier
drastische Auswirkungen haben, von denen auch die
DW betroffen ist, wie beispielsweise bei Facebook.20 Im
gleichen Zuge hat die Masse an manipuliertem Text- und
Video-Content rapide zugenommen. Automatisierte Tools
erlauben die schnellstmögliche Erstellung von Inhalten –
auch mit hohem Manipulationspotenzial. Diese Quantität
bringt nicht automatisch mehr Perspektiven. Im Gegenteil:
Die algorithmische Personalisierung führt dazu, dass viele
Nutzerinnen und Nutzer vor allem Inhalte sehen, die ihre
19 Reuters Institute for the Study of Journalism 2024a.
20 Zu den Auswirkungen der Änderungen des Meta-Algorithmus:
Siehe Kapitel 4.
bestehenden Überzeugungen bestätigen. Andere
Meinungen – und deren Begründungen – werden ausgeblendet
oder verzerrt dargestellt. Einige Plattformbetreiber wie
Meta haben ihre Aktivitäten im Bereich Fact-Checking zur
Überprüfung der Authentizität von Inhalten mittlerweile
eingestellt.21
Zudem fluten internationale staatlich gesteuerte Medien
das Internet mit Desinformation und Propaganda. So
wächst die Gefahr durch sogenannte „Splinternets“ – die
Aufspaltung des Internets in separate, voneinander
abgegrenzte Netzwerke – durch Staaten, die ihre digitalen
Räume zunehmend abschotten, das Internet drosseln oder
ganz abschalten. Die Folge ist eine digitale
Fragmentierung, die Desinformationskampagnen begünstigt und den
Zugang zu unabhängigen Informationen erschwert. Für
internationale Medien wie die DW wird es damit immer
schwieriger, freie Inhalte in diese Räume zu bringen und
demokratische Diskurse zu fördern. Die fortschreitende
Digitalisierung und der gezielte Einsatz von KI sind
zentrale Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit und Reichweite
der DW im globalen Informationsraum.22 Zentrale Aufgabe
ist es, mit journalistischen Angeboten sichtbar zu sein,
Menschen Orientierung zu geben, sowie verlässliche und
faktengeprüfte Informationen zur Verfügung zu stellen.
Der Übergang von der Linearität in die Digitalität verlangt
nicht nur, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren,
sondern auch die DW zukunftssicher aufzustellen – offen
für neue Technologien, Verbreitungswege, digitale
Infrastruktur und internationale Kooperationen. Dafür gilt es
auch, digitale Blockaden zu überwinden, sichere Zugänge
über Virtual Private Networks (VPNs)23 zu schaffen und
technische Lösungen zur Umgehung von Internetzensur
weiterzuentwickeln. Diese Maßnahmen sind essenziell,
um Menschen in autoritären Staaten weiterhin mit
unabhängigen Informationen zu erreichen – eine Aufgabe,
die Medienhäuser nicht allein bewältigen können.
21 The Guardian 2025.
22 Siehe Exkurs 2.
23 Siehe Glossar.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 24 –
1.4 Die DW im Überblick
Die DW ist Deutschlands internationale
Informationsanbieterin. Sie liefert Angebote in 32 Sprachen, die
speziell auf ihre jeweiligen Zielregionen und Zielgruppen
zugeschnitten sind. Um die freie Meinungsbildung der
Nutzenden zu ermöglichen, bietet die DW verlässliche
Informationen und schafft Foren für Dialog. Über eine
unabhängige, ausgewogene Berichterstattung vermittelt
sie freiheitlich-demokratische Werte und Praktiken in den
Zielregionen, unterstützt freie Mediensysteme und fördert
das Zusammenleben der Kulturen. Ziele,
Programmgrundsätze und Struktur der DW leiten sich aus dem Deutsche-
Welle-Gesetz (DWG) ab. Die DW hat als Auslandssender
Deutschlands den Auftrag, Deutschland als europäisch
gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten
demokratischen Rechtsstaat zu vermitteln. In
journalistischer Unabhängigkeit setzt sie sich für Menschenrechte,
Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit ein – Werte,
für die Deutschland in der Welt steht. Die DW stärkt ihre
Positionierung zudem über ein unternehmerisches Leitbild,
eine klare Zielgruppendefinition sowie ihre Profilthemen.
Das unternehmerische Leitbild (Abbildung 2) ist der
Ausgangspunkt für alle Aktivitäten der DW. Als
unabhängiges Medienunternehmen informiert die DW
Menschen weltweit, damit sie sich frei entscheiden
können. Mit ihrem ausgewogenen und verlässlichen
Informationsangebot trägt sie zur Aufklärung, freien
Meinungsbildung und Stärkung von Zivilgesellschaften bei
– regionalisiert, dialogisch und multimedial. Dabei
konzentriert sich die DW auf Themen wie Freiheit und
Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat, Welthandel
und soziale Gerechtigkeit, gesundheitliche Aufklärung und
Umweltschutz, Technologie und Innovation. Dazu passend
beschäftigt sich die DW in ihrer Berichterstattung mit
globalen Herausforderungen, die öffentliche Debatten
bestimmen: die Folgen des Klimawandels, Ernährungs-
und Energiesicherheit sowie Konflikte in verschiedenen
Regionen. Mit ihrem Angebot richtet sich die DW
insbesondere an Akteurinnen und Akteure der
Meinungsbildung zwischen 14 und 40 Jahren. Sie sind
Multiplikatoren neuer Ideen in Politik, Gesellschaft und Kultur
und aktiver Teil des gesellschaftlichen Diskurses in den
Zielgebieten. In Zeiten von Zensur und Angriffen auf die
Meinungsfreiheit weltweit steht die DW für Zugang zu
freien Informationen. Sie setzt dabei auf
Abbildung 2: Das Leitbild der DW
weltoen
Freie Informationen
für freie
Entscheidungen
fundiertkl
ar
Freiheit
D
ialog W
iss
en
Unsere Mission
Als unabhängiges, internationales Medienunternehmen
aus Deutschland informieren wir Menschen weltweit,
damit sie sich frei entscheiden können.
Unsere Vision
Die DW ist eine unverzichtbare digitale
Informationsanbieterin, die mit OnDemandfähigen, regionalisierten,
dialogischen Angeboten ihre Nutzenden begeistert.
Die DW Akademie ist die führende Medienentwicklerin
aus Europa.
Freie Informationen für freie Entscheidungen
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 25 –
On-Demand24-fähige Angebote, die die Lebensrealität der
Nutzenden abbilden.
Die DW richtet ihren Fokus auf Zielgebiete, in denen
Demokratie und Freiheit unter Druck stehen und in denen
Konflikte sowie Spannungen eine verlässliche und
aufklärende Berichterstattung erschweren. Auf diese Weise
kann sie mit ihrem Markenkern „Freie Informationen für
freie Entscheidungen“ die größte Wirkung erzielen. Um
ihre priorisierten Zielländer25 festzulegen, bewertet die
DW alle Länder der Welt nach einem umfassenden Set an
Kriterien. Priorisiert werden Gebiete, die gekennzeichnet
sind durch eine Gefährdung von Demokratie und Freiheit,
ein hohes Konfliktniveau und die von hoher Relevanz für
Deutschland sind. In diesen Ländern ist die verlässliche
und aufklärende Berichterstattung aus deutsch-
europäischer Perspektive der DW besonders wichtig. Zugleich
wird bei der Priorisierung berücksichtigt, wie groß das
Potenzial für die DW ist, mit ihren Angeboten eine große
Anzahl von Menschen zu erreichen, um eine effiziente
Mittelverwendung sicherzustellen.
Gemäß § 4a DWG legt die DW für einen Zeitraum von vier
Jahren in ihrer Aufgabenplanung fest, wie sie ihren
gesetzlichen Auftrag erfüllt und welche Schwerpunkte sie dabei im
Zeitraum 2022–2025 setzt. Auf Basis der vorangegangenen
Evaluation von 2021 sowie mit Blick auf ihre Mission und
Vision hat die DW für diesen Zeitraum drei übergreifende
strategische Unternehmensziele formuliert:
1. Die DW steigert ihre Reichweite von 289 Millionen auf
400 Millionen wöchentliche Nutzendenkontakte.26
2. Die DW erhöht die Relevanz ihrer Angebote.
3. Die DW stärkt den Dialog.
Um diese Ziele zu erreichen, setzte sich die DW
außerdem Schwerpunktthemen, die maßgeblich zur Erfüllung
der strategischen Unternehmensziele beitrugen: Mit dem
Ziel, die Relevanz ihrer Angebote für die Nutzenden in
den jeweiligen Regionen zu erhöhen, lag der Fokus im
Evaluationszeitraum auf der Produktion regionalisierter
Inhalte.27 Da sich der Medienkonsum weltweit zunehmend
in Richtung zeitsouveräner Nutzung verschiebt, hat die DW
die On-Demand-Produktion gezielt ausgebaut. Zudem
wurde ein Schwerpunkt auf Effizienz und Nachhaltigkeit
24 Siehe Glossar und Kapitel 3.
25 Zu Regionenpriorisierung: Siehe Kapitel 3.
26 Das Reichweitenziel wurde im Rahmen der Fortschreibung der
Aufgabenplanung 2025 angepasst. Siehe Kapitel 4. Da die
Erhebungsmetrik in den letzten Jahren aktualisiert wurde, wird im
Folgenden der Begriff „Nutzende“ benutzt.
27 Siehe Kapitel 3.
gesetzt, um wirksamer mit begrenzten Ressourcen
umzugehen und zugleich ökologische, soziale und
wirtschaftliche Verantwortung langfristig zu sichern.28 Mit dem Ziel,
Vielfalt zu fördern und Innovation zu ermöglichen, wurde
darüber hinaus eine inklusive und digitale
Unternehmenskultur gefördert.29
Die Gestaltung der einzelnen Angebote der DW richtet
sich maßgeblich nach den jeweiligen
Nutzungsgewohnheiten und Informationsbedürfnissen ihrer Zielgruppen in
den unterschiedlichen Regionen.
In derzeit 32 Sendesprachen produzieren die
Redaktionen Inhalte für alle digitalen und linearen Ausspielwege
sowie für Plattformen, auf denen die DW vertreten ist
(Abbildung 3). In allen Sprachen stellt sie ein umfangreiches
multimediales Digitalangebot zur Verfügung.30 Daneben
bietet sie lineare TV-Kanäle in drei Sprachen an: Englisch,
Arabisch und Spanisch.31 Die DW strahlt außerdem einen
russischsprachigen Kanal aus, der Teil des
satellitengestützten Senderpakets Svoboda („Freiheit“) ist, das von
Reporter ohne Grenzen am 5. März 2024 gestartet wurde.
Der Sender wird über Eutelsat verbreitet und zudem live
auf dw.com gestreamt. Darüber hinaus produziert die
DW Radiosendungen in acht Sprachen. In strategischer
Partnerschaft mit anderen Informationsanbietern
entstehen außerdem Angebote unter den Marken +90, Info-
Migrants und ENTR. Die DW kooperiert unter anderem eng
mit dem französischen Auslandsrundfunk France Médias
Monde (FMM).32 Des Weiteren können Deutschlernende
auf ein umfangreiches Deutschlernangebot
zurückgreifen.33 Weltweit lernen Menschen, auch Fachkräfte, die
in Deutschland ihre Zukunft sehen, mit diesen digitalen
Angeboten die deutsche Sprache. Mit ihrer unabhängigen
Berichterstattung auf Grundlage von deutschen und
europäischen Werten erreicht die DW wöchentlich 337
Millionen Menschen weltweit.
Als eine der weltweit führenden Organisationen im Bereich
der Medienentwicklungszusammenarbeit hat auch die
DW Akademie zahlreiche Aufgabengebiete. Sie bildet
weltweit Medienschaffende aus, vermittelt
Medienkompetenz und fördert die Entwicklung freier und
unabhängiger Mediensysteme.
28 Siehe Kapitel 3 und Exkurs 4.
29 Siehe Exkurs 3.
30 Siehe Kapitel 4.
31 Das deutschsprachige Angebot wurde im Zuge einer
Neuausrichtung der Ressourcenprioritäten zum 01.01.2024 eingestellt.
Siehe Kapitel 4.8.
32 Siehe Kapitel 3 und 4.
33 Siehe Kapitel 4.9.
Abbildung 3: Überblick über die TV-, Radio- und digitalen Angebote der DW in 32 Sprachen
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 26 –
gesetzt, um wirksamer mit begrenzten Ressourcen
umzugehen und zugleich ökologische, soziale und
wirtschaftliche Verantwortung langfristig zu sichern.28 Mit dem Ziel,
Vielfalt zu fördern und Innovation zu ermöglichen, wurde
darüber hinaus eine inklusive und digitale
Unternehmenskultur gefördert.29
Die Gestaltung der einzelnen Angebote der DW richtet
sich maßgeblich nach den jeweiligen
Nutzungsgewohnheiten und Informationsbedürfnissen ihrer Zielgruppen in
den unterschiedlichen Regionen.
In derzeit 32 Sendesprachen produzieren die
Redaktionen Inhalte für alle digitalen und linearen Ausspielwege
sowie für Plattformen, auf denen die DW vertreten ist
(Abbildung 3). In allen Sprachen stellt sie ein umfangreiches
multimediales Digitalangebot zur Verfügung.30 Daneben
bietet sie lineare TV-Kanäle in drei Sprachen an: Englisch,
Arabisch und Spanisch.31 Die DW strahlt außerdem einen
russischsprachigen Kanal aus, der Teil des
satellitengestützten Senderpakets Svoboda („Freiheit“) ist, das von
Reporter ohne Grenzen am 5. März 2024 gestartet wurde.
Der Sender wird über Eutelsat verbreitet und zudem live
auf dw.com gestreamt. Darüber hinaus produziert die
DW Radiosendungen in acht Sprachen. In strategischer
Partnerschaft mit anderen Informationsanbietern
entstehen außerdem Angebote unter den Marken +90, Info-
Migrants und ENTR. Die DW kooperiert unter anderem eng
mit dem französischen Auslandsrundfunk France Médias
Monde (FMM).32 Des Weiteren können Deutschlernende
auf ein umfangreiches Deutschlernangebot
zurückgreifen.33 Weltweit lernen Menschen, auch Fachkräfte, die
in Deutschland ihre Zukunft sehen, mit diesen digitalen
Angeboten die deutsche Sprache. Mit ihrer unabhängigen
Berichterstattung auf Grundlage von deutschen und
europäischen Werten erreicht die DW wöchentlich 337
Millionen Menschen weltweit.
Als eine der weltweit führenden Organisationen im Bereich
der Medienentwicklungszusammenarbeit hat auch die
DW Akademie zahlreiche Aufgabengebiete. Sie bildet
weltweit Medienschaffende aus, vermittelt
Medienkompetenz und fördert die Entwicklung freier und
unabhängiger Mediensysteme.
28 Siehe Kapitel 3 und Exkurs 4.
29 Siehe Exkurs 3.
30 Siehe Kapitel 4.
31 Das deutschsprachige Angebot wurde im Zuge einer
Neuausrichtung der Ressourcenprioritäten zum 01.01.2024 eingestellt.
Siehe Kapitel 4.8.
Abbildung 3: Überblick über die TV-, Radio- und digitalen Angebote der DW in 32 Sprachen
1.5 Finanzausstattung
Die DW ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik
Deutschland (ARD) und hat die Rechtsform einer
Anstalt des öffentlichen Rechts. Die DW und ihre
Berichterstattung unterliegen damit der Rundfunkfreiheit. Die DW
finanziert sich primär durch einen Zuschuss des Bundes,
der aus dem Etat der Beauftragten bzw. des Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stammt.
Anders als die Landesrundfunkanstalten der ARD, das
Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und Deutschlandradio
ist die DW nicht beitragsfinanziert.34
34 Darüber hinaus darf die DW geringe Werbeeinnahmen
generieren.
Zur Fokussierung ihrer Aufgaben innerhalb des
gesetzlichen Rahmens erstellt die DW eine Aufgabenplanung
für einen vierjährigen Zeitraum, in der sie Programmziele
und Schwerpunktvorhaben darlegt. Planungsgrundlage
sind die finanziellen Rahmendaten der Bundesregierung für
den Zuschuss zur DW. Unter Einbeziehung von
Stellungnahmen des Deutschen Bundestags, der Bundesregierung
sowie aus der Öffentlichkeit beschließt der Rundfunkrat mit
Zustimmung des Verwaltungsrates die Aufgabenplanung.
Sie wird jährlich fortgeschrieben. Die Aufgabenplanung
und ihre jährliche Fortschreibung sind zentrale
strategische Steuerungsinstrumente für die DW. Um ihre Ziele
zu erreichen und die Inhalte sowie deren Produktion und
Verbreitung entsprechend zu optimieren, setzte die DW im
Evaluationszeitraum zahlreiche Maßnahmen um.
Herausfordernd waren dabei die finanziellen
Rahmenbedingungen: Zwar gab es zu Beginn des Zeitraums der
Griechisch
Albanisch
Bosnisch
Bulgarisch
Kroatisch
Polnisch
Rumänisch
Serbisch
Ungarisch
Mazedonisch
Türkisch
Englisch
Deutsch
Spanisch
Portugiesisch
für Brasilien
Arabisch
Amharisch
Englisch für Afrika
Französisch für Afrika
Haussa
Kisuaheli
Portugiesisch für Afrika
Bengali
Dari
Hindi
Indonesisch
Paschtu
Tamil
Urdu
Chinesisch
Farsi
Englisch für Asien
Russisch
Ukrainisch
TV-Angebot via Distributionspartner
Radio-Angebot via Distributionspartner
Digitales Angebot
Linearer TV-Kanal
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 27 –
Aufgabenplanung im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr
eine strukturelle Steigerung des Bundeszuschusses.
Gleichzeitig sah sich die DW mit einer veränderten
Weltlage und geopolitischen Einschnitten wie dem russischen
Angriffskrieg in der Ukraine und seinen vielfältigen
Auswirkungen konfrontiert und musste die Berichterstattung
ausweiten. Zusätzlich stellte der Technologiewandel,
regulatorische und gesetzliche Vorgaben, der
Fachkräftemangel sowie die kostentreibenden Auswirkungen einer
hohen Inflation die DW vor Herausforderungen. Vor diesen
Hintergrund hat die DW ihre digitale Transformation in den
vergangenen Jahren dennoch proaktiv und konsequent
vorangetrieben und dabei Reichweite und Relevanz
deutlich gesteigert. Aus einem ursprünglich deutschsprachig
geprägten Auslandssender mit Kurzwelle, eigenen
Relaisstationen und linearem TV-Angebot entstand über die
Jahre ein internationaler Informationsanbieter mit einem
multimedialen, regionalisierten On-Demand-Angebot in
32 Sprachen und über 3.000 Distributionspartnern. Damit
positioniert sich die DW im internationalen Wettbewerb
mit einer unabhängigen und ausgewogenen
Berichterstattung aus deutscher und europäischer Perspektive.
Der Bund erkannte den wichtigen Beitrag der DW zur
weltweiten Informations- und Meinungsfreiheit an und
stabilisierte die Finanzierung der DW, was angesichts
eines fehlenden Mechanismus zum Ausgleich moderater
Tarifsteigerungen notwendig war. Der Bundeszuschuss
stieg gegenüber der letzten Aufgabenplanung 2021 von
396 Millionen Euro auf 411 Millionen Euro im Jahr 2024 und
damit um 15 Millionen Euro an. Über den Bundeszuschuss
hinaus erhielt die DW zweckgebundene
Projektförderungen. Diese werden oftmals erst unterjährig
gewährt und betrugen 2024 6,7 Millionen Euro. 2025 sind
für die DW 5,3 Millionen Euro und für die DW Akademie
28,1 Millionen Euro geplant.
Für 2025 wurde eine weitere strukturelle Erhöhung des
Bundeszuschusses gegenüber 2024 um 15 Millionen Euro
auf 425,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt, die durch
den zweiten Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2025
bestätigt wurde. Der vorgesehene strukturelle Zuschuss
im Bundeshaushalt ermöglichte der DW gemeinsam mit
den Gewerkschaften, einen moderaten Tarifabschluss
unterhalb des Tarifabschlusses für den öffentlichen Dienst
von Bund und Kommunen zu vereinbaren.35 Der
Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD für die
21. Legislaturperiode sieht zudem eine weitere Stärkung
der DW und die Novellierung des DW-Gesetzes vor.36
35 Der Bundeshaushalt 2025 wurde nicht mehr vom Bundestag der
20. Wahlperiode 2024 beschlossen. Aufgrund der Neuwahl im
Februar 2025 ist daher erst im Verlauf des zweiten Halbjahres
2025 mit einem Beschluss des Bundeshaushalts 2025 zu rechnen.
36 CDU/CSU, SPD 2025.
Maissun Melhem im Interview mit dem
syrischorthodoxen Geistlichen Mar Ignatius Ephräm II
auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025.
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Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 28 –
Die DW steht jedoch auch weiterhin vor erheblichen
finanziellen Herausforderungen: Der Ausbau des
Programmangebots und die erforderliche digitale
Transformation treffen auf stark steigende Tarif- und
Inflationskosten. Als nachrichtlich und informationsgeprägtes
Unternehmen entfallen rund 75 % des Etats auf Personal
– inklusive freier Mitarbeit. Für die Stabilisierung des
DW-Haushalts war auch ein im März 2023 beschlossenes
und für 2024 umgesetztes Maßnahmenpaket
ausschlaggebend, das auch wesentliche Einschnitte im Programm
und Personalabbau umfasste.37
Die Einsparungen führten 2024 zur Beendigung der
Verträge von 50 Mitarbeitenden und zu Reduzierungen des
Umfangs von Einsätzen bei weiteren 150 Mitarbeitenden.
Der deutschsprachige TV-Kanal wurde als strategisch
abgeleitete Maßnahme vollständig eingestellt,
wesentliche Kürzungen in Sport- und Kulturberichterstattung
realisiert und strukturelle Reformen durchgeführt.38 Durch
diese einschneidenden Maßnahmen, einer
kontinuierlichen Aufgabenkritik sowie durch ein strategisches
Beschaffungswesen konnten wirtschaftliche Unsicherheiten
und inflationsbedingte Mehrkosten insbesondere bei
37 Das Maßnahmenpaket umfasste 20 Millionen Euro, mit
Personalabbau überwiegend im Programmbereich von über 9 Millionen Euro.
38 Siehe Kapitel 4.8.
Energie, Materialkosten und Dienstleistungen frühzeitig
aufgefangen werden.
Die vorgesehene strukturelle Stabilisierung der DW im
Bundeshaushalt 2025 und weitere Stärkung ab 2026 in
geopolitisch herausfordernden Zeiten ist ein Zeichen für die
Pressefreiheit und eine wichtige Grundlage, um den
gewachsenen Anforderungen zu begegnen. Die DW leistet einen
wichtigen Beitrag in der Zeitenwende, um gegen
Desinformation und Zensur vorzugehen. Ihre unabhängige
Berichterstattung und hohe journalistische Qualität bilden weltweit ein
Gegengewicht zu instrumentalisierten Medien, die von
autoritären Kräften für ihre Zwecke eingesetzt werden.
Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage, insbesondere
der durch autoritäre Staaten gesteuerten Desinformation im
digitalen Informationsraum und der hybriden Kriegsführung
Russlands besteht die Notwendigkeit, die DW und die DW
Akademie deutlich finanziell zu stärken. Durch die Einstellung
von USAID und den massiven Kürzungen des USAGM-
Angebots ist die Verantwortung der DW als internationale
Informationsanbieterin und der DW Akademie als weltweite
Medienentwicklerin noch einmal deutlich gestiegen.
Die DW tritt dem Pool der Korrespondentinnen und
Korrespondenten im Weißen Haus bei.
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Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 29 –
1.6 Überblick über
die internationalen
Informationsangebote
anderer Länder
Britischer Auslandsrundfunk
Angebot und Budget
Die BBC ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk
Großbritanniens und hat den Auftrag, im öffentlichen Interesse
unabhängige, qualitativ hochwertige und unverkennbare
Inhalte bereitzustellen. Zwei ihrer Organisationseinheiten
produzieren internationale Informationsangebote:
– BBC World Service: Erstellt Radio-, TV- und digitale
Angebote in 42 Sprachen.39
– BBC News: Strahlt weltweit einen englischsprachigen
TV-Kanal aus und bietet digitale englischsprachige
Inhalte an.
Das Gesamtbudget des britischen Auslandsrundfunks
beträgt für das Geschäftsjahr 2024/25 umgerechnet 778,9
Millionen Euro.40 Der BBC World Service wird mit 120 Millionen
Euro41 durch das Foreign, Commonwealth and Development
Office (FCDO) gefördert, während weitere Mittel aus
Rundfunkgebühren, Vertriebseinnahmen und Lizenzverkäufen
stammen. Die britische Regierung überprüft derzeit das
Finanzierungsmodell der BBC, hat aber bestätigt, dass die
Rundfunkgebühr mindestens bis 2027/28 bestehen bleibt.
Gleichzeitig steht die BBC unter erheblichem finanziellem
Druck. Zwischen 2021 und 2024 hat sie ihre Präsenz auf
Social-Media-Plattformen weiter ausgebaut, um ein breiteres
Publikum zu erreichen und die Interaktion mit den
Nutzenden zu stärken. Trotz dieser digitalen Expansion sah sich
der BBC World Service mit finanziellen Herausforderungen
konfrontiert, die zu einer geplanten Reduzierung von 500
39 Afaan Oromoo, Amharisch, Arabisch, Aserbaidschanisch,
Bengalisch, Birmanisch, Chinesisch, Englisch, Farsi, Französisch,
Gujarati, Haussa, Hindi, Igbo, Indonesisch, Japanisch, Kinyarwanda/
Kirundi, Kirgisisch, Koreanisch, Marathi, Nepali, Paschtu, Pidgin,
Portugiesisch, Punjabi, Russisch, Schottisch, Serbisch, Sinhala,
Somali, Spanisch, Tamil, Telugu, Thailändisch, Tigrinya, Türkisch,
Ukrainisch, Urdu, Usbekisch, Vietnamesisch, Walisisch, Yoruba.
40 BBC 2024a. 662,07 Millionen Pfund umgerechnet am
21.03.2025.
41 104,4 Millionen Pfund umgerechnet am 21.03.2025.
Stellen für die Jahre 2025/2026 führen, sowohl im
Vereinigten Königreich als auch international. Durch die
Stellenstreichungen sollen 237 Millionen Euro42 eingespart
werden, die in die Erweiterung des Premium-Video-
Angebots – insbesondere auch für unternationale Nutzende –
sowie digitale Kapazitäten investiert werden.43
Nutzung
Im Geschäftsjahr 2024 erreichte die BBC nach eigenen
Angaben wöchentlich 450 Millionen Nutzende44
außerhalb Großbritanniens, was einer Steigerung um 0,67 %
gegenüber dem Vorjahr darstellt. Gleichzeitig entspricht
dies jedoch auch einem Rückgang von 3,85 % im Vergleich
zum Zeitraum 2020. Die BBC international weekly audience
umfasst sowohl den BBC World Service (nichtenglische
Inhalte) als auch internationale Nutzende von BBC News
(englischsprachige Angebote).45 Im Einzelnen gibt die BBC
für 2024 folgende Nutzung an46:
– Der neue BBC News Channel erreichte in seinem ersten
Betriebsjahr wöchentlich 112 Millionen Menschen
außerhalb des Vereinigten Königreichs.
– BBC News Hindi bleibt der Sprachdienst mit der größten
Reichweite im BBC-Portfolio und erreicht 82 Millionen
Menschen pro Woche.
– BBC News Swahili steigerte seine Reichweite um 16 %
im Vergleich zum Vorjahr und erreicht nun 29,7 Millionen
Menschen wöchentlich.
– BBC World Service English vergrößerte seine Radio-
Reichweite um drei Millionen und erreicht 84 Millionen
Menschen pro Woche, darunter erstmals auch in Taiwan
und den Philippinen.
– BBC News Arabic wuchs um 9 % auf 35 Millionen
wöchentliche Radiohörerinnen und Radiohörer,
maßgeblich beeinflusst durch den Emergency Radio Service
Gaza Daily, der seit November 2023 zweimal täglich
sendet.
42 200 Millionen Pfund umgerechnet am 21.03.2025.
43 FAZ 2024a.
44 BBC 2024c.
45 Da dieser Anteil bei BBC News nicht genau abgrenzbar ist,
kommuniziert die DW stets die Gesamt-Reichweite der BBC – trotz
enthaltenem Fictional-Anteil. Zudem verwischen die Grenzen
zwischen In- und Ausland weiter, insbesondere seit der BBC
News Channel Fusion 2023, die UK- und internationale
Zielgruppen gemeinsam bedient.
46 BBC 2024b.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 30 –
Zu den aktuellen Entwicklungen bei der BBC gehören:
– Im Rahmen der Digital-First-Strategie47 stellt die BBC
schrittweise Services auf ausschließlich digitale
Distribution (digital-only) um:
– Bereits digital-only: Aserbaidschanisch, Brasilianisch,
Marathi, Spanisch, Punjabi, Russisch, Serbisch, Sinhala,
Thailändisch, Türkisch.
– Zukünftig digital-only: Chinesisch, Gujarati, Igbo,
Indonesisch, Pidgin, Urdu, Yoruba.
– Eingestellte/auslaufende Radioservices bis 2028:
Arabisch, Farsi, Kirgisisch, Usbekisch, Hindi,
Bengalisch, Chinesisch, Indonesisch, Tamil, Urdu.
– Die BBC gründete die Global China Unit, die sich mit
investigativen und analytischen Inhalten der
Berichterstattung über Chinas internationale Rolle widmet.
– Die BBC trennt ihr indisches Nachrichtenteam:
Englischsprachige Inhalte bleiben in London, während der neue,
indisch geführte Collective Newsroom die sechs
regionalen Sprachdienste übernimmt. Die Umstellung folgt
auf eine Auseinandersetzung mit der indischen
Regierung nach Razzien in BBC-Büros.
– Zudem wird BBC Verify ausgebaut, eine Einheit
zur Faktenüberprüfung und Bekämpfung von
Desinformation, sowie die Einrichtung von BBC Investigate,
eine investigative Einheit, die verschiedene
journalistische Ressorts zusammenführt.
Strategie
Die BBC verfolgt das Ziel, im digitalen Zeitalter eine
zukunftsfähige, plattformübergreifende Medienorganisation
zu bleiben und weltweit eine führende Rolle in der
internationalen Nachrichtenberichterstattung einzunehmen.
Dabei setzt sie verstärkt auf eine Digital-First-Strategie, um
ihr Publikum in Zeiten sich rapide wandelndem
Mediennutzungsverhalten bestmöglich zu erreichen. Um weiterhin
eine verlässliche und unabhängige Nachrichtenquelle zu
bleiben, investiert die BBC gezielt in vertrauenswürdigen
Journalismus. Der BBC World Service bleibt ein zentraler
Bestandteil des internationalen Informationsangebots.
Er wird zunehmend durch regionale Hubs48 gestärkt, die
eine gezieltere und lokal relevante
Berichterstattung ermöglichen. Gleichzeitig setzt die BBC auf
47 Siehe Glossar.
48 Siehe Glossar.
High-Impact-Story telling49 mit mehr investigativen
Recherchen in den jeweiligen Landessprachen.
Die BBC verfolgt das Ziel, Streaming- und digitale
Inhalte weiter auszubauen. Der iPlayer als zentrale Plattform
für On-Demand50-Inhalte wird verstärkt weiterentwickelt,
während gleichzeitig eine Neuausrichtung traditioneller
TV- und Radioprogramme stattfindet, um Kosten zu senken
und Ressourcen effizienter zu nutzen. Zudem erforscht
die BBC den Einsatz von KI-Technologien, insbesondere
in Bereichen wie Übersetzungen, barrierefreier
Berichterstattung und personalisierten Nachrichtenformaten.
Trotz dieser strategischen Weiterentwicklungen steht
die BBC unter erheblichem finanziellem Druck, das
Finanzierungsmodell im Rahmen der nächsten Charter
202851 zu reformieren. Das Defizit treibt Sparmaßnahmen
und Transformationen voran, darunter Kürzungen im
Lokalradio, die Fusion britischer und globaler
Nachrichtensender, die Einführung von BBC.com und der BBC App
sowie die Neuausrichtung von Formaten wie Newsnight.
Auch die Diskussion über eine mögliche Privatisierung
der BBC sorgt weiterhin für politische Debatten. Hinzu
kommen steigende Produktionskosten und wachsende
Konkurrenz durch internationale Streaming- und
Nachrichtenplattformen, die die BBC zu strukturellen
Anpassungen zwingen. Dazu gehören Sparmaßnahmen,
Umstrukturierungen und die gezielte Neuverteilung von
Budgets innerhalb der Organisation.
Historisch bedingt genießt die BBC in vielen Zielländern
einen hohen Stellenwert und eine starke
Markenbekanntheit. Als langjährige unabhängige Nachrichtenquelle hat
sie sich in vielen Regionen als vertrauenswürdige Stimme
etabliert. Die BBC kann auf eine breite Wahrnehmung und
Glaubwürdigkeit bei ihrem internationalen Publikum zählen.
Diese Stellung nutzt sie, um weiterhin Meinungsfreiheit,
Pressefreiheit und investigativen Journalismus zu fördern.
US-amerikanischer Auslandsrundfunk
Angebot und Budget
Die United States Agency for Global Media (USAGM)
ist die zentrale staatliche Institution für den US-
amerikanischen Auslandsrundfunk. Bis 2025 vereinte sie
49 Siehe Glossar.
50 Siehe Glossar.
51 Die „Royal Charter for the continuance of the British
Broadcasting Corporation“, kurz BBC Charter, ist die rechtliche Grundlage
für die BBC und legt Ziele und Auftrag sowie Führungs- und
Regulierungsmechanismen der BBC fest.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 31 –
sechs zivile und staatlich finanzierte internationale
Informationsanbieter, die multimediale Angebote in 63
Sprachen sendeten.52 Im Folgenden soll zunächst als
Vergleichsmaßstab auf die Ausstattung und Ausrichtung
von USAGM für die Jahre des Evaluationszeitraums
eingegangen werden, bevor die Entwicklungen für 2025
abgebildet werden. Stand 2024:
– Voice of America (VOA) ist der größte US-
Auslandssender mit Berichterstattung über die USA,
internationale Themen und regionale Entwicklungen in fast
50 Sprachen. Er nutzt TV, Radio, digitale Plattformen
und soziale Medien und arbeitet mit rund 3.500
Partnersendern zusammen.53
– Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) ist ein
privates, gemeinnütziges Medienunternehmen mit
Hauptsitz in Prag und lokalen Büros in 17 Ländern. Es sendet
in über 20 Sprachen und versorgt 23 Länder, darunter
Afghanistan, Iran, Pakistan, Russland und die Ukraine,
mit unabhängigen, lokalen und regionalen Nachrichten.
Dank seiner Regionalbüros kann RFE/RL kosteneffizient
mit seinen über 1.700 Journalistinnen und Journalisten
lokal produzierte Programme erstellen, die Nachrichten,
Diskussionen und Debatten über Radio, Fernsehen und
digitale Medien umfassen.54
– The Office of Cuba Broadcasting (OCB) produziert
Radio Martí und TV Martí aus Miami und richtet sich an
kubanischstämmige Menschen in der Region und
weltweit über Satellitenfernsehen, digitale Plattformen und
Radiowellen.
– Radio Free Asia (RFA) mit Sitz in Washington D.C. und
acht internationalen Büros versorgt als privates,
gemeinnütziges Medienunternehmen Länder in Asien mit
Nachrichteninhalten, die in ihren Heimatländern zensiert oder
eingeschränkt sind. RFA bietet darüber hinaus mit seinen
Bildungs- und Kulturprogrammen Foren, in denen die
Menschen einen offenen Dialog führen und ihre Meinung
52 Afaan Oromoo, Albanisch, Amharisch, Arabisch, Armenisch,
Aserbaidschanisch, Bambara, Bashkir, Belarussisch, Bosnisch,
Bulgarisch, Birmanisch, Kantonesisch, Tschetschenisch, Kreolisch,
Krimtatarisch, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Fulani, Georgisch,
Haussa, Ungarisch, Indonesisch, Kasachisch, Khmer,
Kinyarwanda, Kirundi, Koreanisch, Kurdisch, Kirgisisch, Laotisch, Lingala,
Mazedonisch, Mandarin, Montenegrinisch, Ndebele, Paschtu,
Portugiesisch, Rohingya, Rumänisch, Russisch, Sango, Serbisch,
Shona, Sindhi, Somali, Spanisch, Swahili, Tadschikisch, Tatarisch,
Thailändisch, Tibetisch, Tigrinya, Türkisch, Turkmenisch,
Ukrainisch, Urdu, Uighurisch, Usbekisch, Vietnamesisch, Wolof.
53 USAGM 2024b.
54 RFE/RL o.D. a.
frei äußern können. RFA wird durch einen Zuschuss der
USAGM finanziert.
– Middle East Broadcasting Networks (MBN) ist eine
arabischsprachige Medienorganisation, die
Nachrichten- und Informationsprogramme in 22 Ländern des
Nahen Ostens und Nordafrikas ausstrahlt. Das Netzwerk
umfasst mehrere Plattformen, darunter die 24-Stunden-
Fernsehsender Alhurra und Alhurra-Iraq, das
Radioprogramm Radio Sawa mit zwei regionalen Streams für
den Irak und den Sudan sowie verschiedene digitale
Kanäle. MBN hat seinen Hauptsitz in Northern Virginia
und betreibt Produktionszentren in Kairo, Dubai,
Jerusalem, Beirut, Erbil, Rabat, Tunis und Washington, D.C.
Neben TV- und Radioprogrammen setzt MBN verstärkt
auf digitale Inhalte und soziale Medien. Die Finanzierung
erfolgt durch Zuschüsse der USAGM.
– Open Technology Fund (OTF) entwickelt und finanziert
Technologien zur Sicherstellung des freien Zugangs
zu Informationen und zur Umgehung von
Zensurmaßnahmen weltweit.
Das Gesamtbudget von USAGM betrug für 2024
umgerechnet 846,3 Millionen Euro55, was eine leichte
Steigerung zum Vorjahr darstellt. Gemäß ihrem Auftrag
unterstützten alle Sender der USAGM die außenpolitischen
Ziele der USA.
Nutzung
Laut Agency Performance Report 2024 erreichte USAGM
eine bisherige Rekordmarke von insgesamt weltweit 427
Millionen wöchentlichen Nutzenden56, eine Steigerung um
1,7 % zum Vorjahr. Davon entfielen 362 Millionen
Nutzende auf VOA, 47,6 Millionen auf RFE/RL, 33,5 Millionen auf
MBN und 3,2 Millionen auf OCB. Aufgrund technischer
Schwierigkeiten in seinem Erhebungsmodell hat USAGM
für 2024 keine Gesamtnutzung für RFA angegeben.
Strategie
Die USAGM verfolgt das Ziel, vertrauenswürdige Nachrichten
weltweit zu verbreiten, insbesondere in Regionen mit
eingeschränkter Presse- und Meinungsfreiheit. Sie fördert
Informationsfreiheit und Meinungsäußerung und vermittelt
journalistische Inhalte, die Desinformation, Zensur,
Extremismus und antidemokratischen Bewegungen entgegenwirken.
55 USAGM 2024a. 914 Millionen US- Dollar umgerechnet am
21.03.2025.
56 USAGM 2025a.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 32 –
Im Mittelpunkt steht die Produktion glaubwürdiger Inhalte,
die sich von staatlich kontrollierten oder
desinformationsgetriebenen Medien abheben. Dabei setzt USAGM auf
investigativen Journalismus, digitale Innovationen und
zielgruppenspezifische Ansprache, um besonders junge
Menschen, Frauen und marginalisierte Gruppen zu erreichen.
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Strategie ist die
technologische Sicherung des Informationszugangs. USAGM
entwickelt Tools zur Umgehung von Zensur, verschlüsselte
Kommunikationskanäle und alternative Verbreitungswege,
um unabhängige Nachrichten auch in repressiven Staaten
zugänglich zu machen. Die Budgeterweiterung von 2024
sollte die journalistischen Kapazitäten ausbauen und den
Zugang zu unabhängigen Informationen in autoritär regierten
Ländern weiter verbessern. USAGM erweiterte vor den
Kürzungen unter Trump zusätzlich seine China-
Berichterstattung, insbesondere durch den 2024 gestarteten
Global News Service (GNS), der faktenbasierte Inhalte in
Mandarin und Englisch kuratieren und verbreiten sollte.
Die Zukunft von USAGM bleibt ungewiss: Unter der
zweiten Trump-Regierung wurden tiefgreifende Kürzungen und
umfassende Umstrukturierungen im US-Auslandsrundfunk
eingeleitet. Direkt nach seiner Amtseinführung im Januar
2025 ernannte Präsident Trump zunächst den
konservativen Medienaktivisten Brent Bozell zum neuen Leiter
Marke Anzahl der Sprachen Regionaler Schwerpunkt Medien
Voice of America (VOA) 49 weltweit mit Fokus auf
Subsahara-Afrika, Eurasien
und China
TV, Radio und digitales
Angebot
Office of Cuba Broadcasting
(OCB)
– Radio Martí
– TV Martí
1 Kuba TV, Radio und digitales
Angebot
Radio Free Europe/Radio Liberty
(RFE/RL)
27 Kaukasus, Baltikum, Balkan,
Zentralasien
TV, Radio und digitales
Angebot
Radio Free Asia (RFA) 9 Asien TV, Radio und digitales
Angebot
Middle East Broadcasting
Networks (MBN)
– Alhurra (panarabischer
TV-Kanal)
– Alhurra-Iraq (TV-Kanal für Irak)
– Radio Sawa (panarabischer
Radiosender)
1 Nahost und Nordafrika mit
Fokus auf Irak und Sudan
TV, Radio und digitales
Angebot
Open Technology Fund (OTF)
– gemeinnützige Organisation,
die sich für die Förderung der
Internetfreiheit in repressiven
Umgebungen einsetzt
– unterstützt angewandte
Forschung, Entwicklung,
Implementierung und Wartung von
Zensurumgehungstechnologien
Tools in über 200
Sprachen übersetzt
weltweit mit Fokus auf
besonders repressive
Staaten
Zensurumgehungstechnologien
Abbildung 4: Angebote des US-amerikanischen Informationsanbieters USAGM
Stand 2. Halbjahr 2024
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 33 –
von USAGM.57 Zudem wurde Kari Lake, eine ehemalige
Nachrichtensprecherin und enge Trump-Vertraute, zur
Direktorin von VOA58 und Special Advisor59 bei USAGM
ernannt. Seit März 2025 befindet sich die USAGM infolge
massiver Kürzungen durch die Trump-Regierung in einer
tiefgreifenden Krise. Der Personalbestand wurde drastisch
reduziert, viele Redaktionen – darunter VOA und RFA –
standen vor weitreichenden Entlassungen.60 Dieser Schritt
wurde als faktische Zerschlagung der US-Auslandssender
wahrgenommen. Einige Programme wie RFE/RL konnten
sich per Gerichtsbeschluss vorübergehend Mittel sichern,
während Satellitenverträge gekündigt und Sendekanäle
wie Current Time eingeschränkt wurden. Im März sagten
zudem die tschechische Regierung, die EU und Schweden
RFE/RL Unterstützung zu. Bei OCB wurde das Team
ebenfalls massiv verkleinert: Von ehemals 1.042 Mitarbeitenden
blieb im April 2025 lediglich eine 33-köpfige Einheit übrig,
die weiterhin für Radio TV Martí zuständig ist. Obwohl ein
Gericht die Freigabe von Fördermitteln anordnete, kam
es bislang zu keiner Wiedereinstellung entlassener
Mitarbeitender.61 Nachdem die Regierung MBN die Förderung
gestrichen und den Sender gezwungen hatte, die meisten
seiner US-Mitarbeitenden zu beurlauben, verklagte MBN
die Trump-Regierung vor dem US-Bezirksgericht für den
District of Columbia.
Der arabischsprachige Nachrichtensender Alhurra warf
der US-Behörde USAGM ebenfalls vor, gesetzlich
bewilligte Gelder rechtswidrig zurückzuhalten. Als Reaktion
ersetzte der Sender sein Programm durch ein Standbild
mit Kritik an USAGM. Die Satelliten- und TV-Ausstrahlung
wurde eingestellt, Inhalte erscheinen nur noch über soziale
Medien wie X, Instagram und YouTube.62 Angesichts der
eskalierenden Militäraktionen zwischen Iran und Israel
wurde ein Teil der zuvor entlassenen VOA-Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter für Farsi, Mandarin sowie Dari und Paschtu
wieder eingesetzt.63
57 VOA 2025a.
58 Reuters 2024a.
59 VOA 2025b.
60 USAGM 2025b.
61 CiberCuba 2025.
62 TheDesk.net 2025.
63 Washington Post 2025. Im Bericht wird die Entwicklung von
USAGM abschließend bis zum 15.06.2025 für die DW-
Zielregionen weltweit behandelt. Weitere Entwicklungen können
aufgrund des Redaktionsschlusses und der Erstveröffentlichung
des Berichts zum September 2025 nicht abgebildet werden.
Französischer Auslandsrundfunk
Angebot und Budget
Der französische Auslandsrundfunk besteht aus zwei
Hauptorganisationen:
– France Médias Monde (FMM) umfasst die internationalen
Informationsanbieter France 24, Radio France
Internationale (RFI) und Radio Monte Carlo Doualiya (MCD) und
bietet Inhalte in 18 Sprachen an.64
– TV5 Monde ist ein öffentlich-rechtlicher audiovisueller
Dienst, der seine Inhalte weltweit verbreitet. Der Sender
ist ein Gemeinschaftsprojekt der französischsprachigen
Länder Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz,
wobei der französische Staat der wichtigste Geldgeber
ist. TV5 Monde arbeitet eng mit France TV, RTBF, RTS,
Arte, Radio-Canada, Télé-Québec und TV Monaco
zusammen und sendet ein Programm aus Nachrichten
und kulturellen Inhalten auf Französisch mit Untertiteln
in zehn weiteren Sprachen.65 Neben dem Hauptsender
betreibt TV5 Monde zwei thematische Kanäle für Kinder
und Lifestyle und setzt verstärkt auf Koproduktionen mit
französischsprachigen Ländern, insbesondere in Afrika.
Das Budget von France Médias Monde betrug 2024
insgesamt 276,7 Millionen Euro, eine Erhöhung um 5,2 % im
Vergleich zu 2023. TV5 Monde erhielt 2024 ein Budget von
83 Millionen Euro, was einem Anstieg um 4,5 % gegenüber
2023 entspricht66. Sowohl FMM als auch TV5 Monde
finanzieren sich hauptsächlich aus Mitteln des französischen
Kulturministeriums und kooperieren aus Effizienzgründen
auf verschiedenen Unternehmensebenen. TV5 Monde
erhält zudem Gelder von Frankreich, der Schweiz, Kanada,
Québec, der Föderation Wallonie-Brüssel und Monaco.
Nutzung
Im Jahr 2023 erreichte FMM eine wöchentliche weltweite
Reichweite von 255,5 Millionen Nutzenden, ein Rückgang
von 1,8 % gegenüber 2022.67 Der leichte Rückgang könnte
auf verstärkte Zensurmaßnahmen insbesondere in Mali,
Burkina Faso und Niger zurückzuführen sein. TV5 Monde
64 Arabisch, Chinesisch, Englisch, Farsi, Französisch, Fulfulde,
Haussa, Khmer, Mandenkan, Portugiesisch, Portugiesisch für
Brasilien, Rumänisch, Russisch, Spanisch, Swahili, Taiwanesisch,
Ukrainisch, Vietnamesisch.
65 Arabisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Japanisch,
Koreanisch, Niederländisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch.
66 FMM 2024.
67 FMM 2025a.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 34 –
verzeichnete im Jahr 2023 wiederum eine wöchentliche
Reichweite von 64,2 Millionen Menschen, was einem
Zuwachs von 9,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.68
Strategie
FMM hat seine digitalen Angebote weiterentwickelt. Ein
Schwerpunkt liegt auf der Präsenz in afrikanischen
Ländern, insbesondere in der Sahelregion, mit Inhalten auf
Französisch und in weiteren lokalen Sprachen. Zudem
wurden strategische Prioritäten wie die Bekämpfung von
Desinformation, die Förderung der Frankophonie und die
digitale Transformation beschlossen. Teil der Strategie von
FMM ist eine Stärkung der internationalen Reichweite und
der Ausbau der Zusammenarbeit mit nationalen und
internationalen Partnern. 2024 hat FMM die digitale Prüf- und
Ermittlungseinheit InfoVérif innerhalb RFIs eingerichtet, die
in Zusammenarbeit mit Les Observateurs von France 24
Fake News überprüft und enttarnt. Parallel dazu wurde eine
Proximity-Strategie entwickelt – eine Strategie, die auf
geographische Nähe setzt, um die Zielgruppe zu erreichen und
um Inhalte gezielter an regionale Bedürfnisse anzupassen.69
Insgesamt profitieren die Sprachangebote von FMM von
der Initiative der Agence française de développement
(AFD), der französischen Entwicklungsagentur, die unter
anderem die journalistische Ausbildung junger Menschen
fördert. Sie unterstützt auch Canal France International
(CFI), die FMM-Tochtergesellschaft für Medienentwicklung.
TV5 Monde hat seine digitalen Angebote ebenfalls neu
strukturiert, insbesondere in den Bereichen Information,
68 FMM 2024.
69 FMM 2025a.
Jugend, Afrika, Frankreich und Kultur. Die Untertitelung
und Übersetzung wurde verbessert und es wurde verstärkt
auf Kooperationen mit afrikanischen Partnern gesetzt, die
junge Talente fördern.
Im Zuge der geplanten Reform des französischen
öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollen bis 2026 alle
Rundfunkanstalten – darunter France Télévisions, Radio France, FMM
und das Institut national de l’audiovisuel – unter der
Holding-Gesellschaft70 France Média zusammengeführt
werden. Diese strukturelle Neuordnung ist Teil einer
umfassenden Strategie, mit der Frankreich seinen
öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukunftsfähig aufstellen will. Zur
Finanzierung der Reformen und zur Steigerung der Effizienz
setzt FMM auf ein Bündel von Maßnahmen: Neben
Budgetkürzungen wurden Einsparungen unter anderem durch den
Rückzug aus dem Pay-TV-Vertrieb in den USA, Rückzug aus
Skandinavien sowie durch die Schließung mehrerer UKW-
und Mittelwellensender erzielt. Gleichzeitig wird gezielt in
die digitale Transformation und internationale Projekte
investiert, um die strategische Position langfristig zu
stärken. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der
Förderung der Frankophonie – vor allem in afrikanischen
Ländern. Initiativen wie die Einrichtung regionaler Hubs71 in
Beirut und Dakar oder die geplante Einführung eines
eigenen France 24-Ablegers für das französischsprachige
Afrika bis 2026 zielen darauf ab, die Sichtbarkeit
französischer Medien weltweit zu erhöhen. Auch neue Strategien
zur Umgehung von Zensur gehören zum Ausbauplan. Vor
diesem Hintergrund erfolgt der Ausbau von Sprachen und
Programmen derzeit nur zurückhaltend.
70 Siehe Glossar.
71 Siehe Glossar.
Organisation Marke Anzahl der
Sprachen
Regionaler
Schwerpunkt
Medien
France Médias
Monde (FMM)
France 24 4 weltweit TV und digitales Angebot
Radio France
Internationale (RFI)
17 weltweit mit Fokus auf
Afrika, Asien
TV, Radio und digitales
Angebot
Monte Carlo Doualiya
(MCD)
1 Nahost und Nordafrika TV, Radio und digitales
Angebot
TV5 Monde TV5 Monde 10 weltweit TV, Radio und digitales
Angebot
Abbildung 5: Angebote der französischen Informationsanbieter FMM und TV5 Monde
Stand 2. Halbjahr 2024
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 35 –
Paneuropäischer Nachrichtensender
Euronews
Angebot und Budget
Der paneuropäische Nachrichtensender Euronews bietet
TV-, Radio- und digitale Angebote in 19 Sprachen an.72
Euronews ist kein klassischer internationaler
Informationsanbieter. Es ist eine Aktiengesellschaft und
ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer staatlicher und
öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Europäischen
Rundfunkunion. Die Europäische Kommission war seit der
Gründung von Euronews eine bedeutende Geldgeberin.
So erhielt Euronews im Rahmen des Pan-European
Audiovisual Reporting-Programms für 2024 eine Finanzierung
von knapp acht Millionen Euro mit einer Laufzeit von
zwölf Monaten. Zusätzlich wurden für die ungarischen
und polnischen Dienste von Euronews knapp drei
Millionen Euro bereitgestellt, ebenfalls für zwölf Monate.73 Im
Dezember 2021 wurde bekannt, dass die portugiesische
Investmentgesellschaft Alpac Capital die 88 %ige
Mehrheitsbeteiligung des ägyptischen Unternehmers Naguib
Sawiris an Euronews übernehmen würde. Diese
Übernahme wurde im Mai 2022 abgeschlossen. Bis Juli 2023
erhöhte Alpac Capital seinen Anteil auf 97,6 % und ist damit
nahezu Alleineigentümer von Euronews.74 Dies führte zu
Diskussionen über die Unabhängigkeit des Senders, auch
da Alpac Capital Verbindungen zur ungarischen Regierung
unter Viktor Orbán nachgesagt werden.75 Seit 2016 verfügt
Euronews mit Africanews über ein regionalisiertes TV- und
Digital-Angebot für Afrika, das panafrikanische und
internationale Nachrichten aus afrikanischer Perspektive in den
Sprachen Englisch und Französisch bereitstellt.
Nutzung
Nach eigenen Angaben erreichte Euronews 2023
monatlich rund 145 Millionen Menschen. Allerdings ist unklar, wie
die Daten erhoben werden.76
Strategie
Euronews hat in den letzten Jahren eine umfassende
digitale Transformation umgesetzt, um die Digitalisierung und
72 Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch,
Farsi, Französisch, Georgisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch,
Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch
Ungarisch.
73 Europäische Kommission 2024a.
74 RFE/RL 2021.
75 FAZ 2022a.
76 Euronews 2023a.
datenbasiertes Arbeiten in den Mittelpunkt seines
Nachrichtenangebots zu stellen. Im Zuge dieser Strategie wurden
mehrere digitale Storytelling77-Formate wie Online-
Verticals78 eingeführt, darunter Euronews Green, das sich mit
Umwelt- und Klimathemen befasst, Euronews Next mit
einem Fokus auf Wirtschaft und neue Technologien sowie
Euronews Culture, das kulturelle Inhalte aufbereitet.
Zudem strebt Euronews eine verstärkte Berichterstattung über
EU-Themen an, wobei der Fokus auf Osteuropa und dem
Balkan liegen soll. Dahingehend wurden bereits neue
Programme gestartet, um europäische Themen und politische
Entwicklungen stärker zu kontextualisieren. Im Jahr 2024
eröffnete Euronews ein regionales Büro in der kasachischen
Hauptstadt Astana, um seine Präsenz in Zentralasien zu
stärken. Zudem wurde eine Partnerschaft mit der Sport-Live-TV-
Streaming-Plattform fuboTV für Nordamerika und Spanien
geschlossen, wodurch die englischsprachigen Ausgaben
von Euronews und Africanews nun auf der fuboTV-Plattform
in den USA verfügbar sind. Im März 2023 kündigte Euronews
an, seinen Hauptsitz von Lyon nach Brüssel zu verlegen, um
näher an den europäischen Institutionen zu sein. Die neue
zentrale Nachrichtenredaktion in Brüssel wird durch sechs
weitere Büros in Rom, Berlin, Lissabon, Madrid und London
ergänzt. Die Umstrukturierung führte zur Streichung von 198
Stellen in Lyon, während gleichzeitig 100 neue Positionen in
Brüssel geschaffen wurden.
Russischer Auslandsrundfunk
Angebot und Budget
Das internationale Medienangebot Russlands umfasst
zwei zentrale staatlich finanzierte Akteure:
– Russia Today (RT) – ein multimediales Netzwerk mit TV-
und Digitalangeboten in zehn Sprachen.79
– Sputnik – ein Nachrichtenportal mit Online- und
Radioangeboten, das in über 32 Sprachen80 operiert.
Zusammen senden RT und Sputnik in insgesamt 32
Sprachen und finanzieren sich primär aus staatlichen
77 Siehe Glossar.
78 Siehe Glossar.
79 Englisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Serbisch,
Chinesisch, Hindi, Portugiesisch und Russisch.
80 Abchasisch, Amharisch, Armenisch, Arabisch,
Aserbaidschanisch, Belarussisch, Chinesisch, Czech, Dari, Deutsch, Englisch,
Farsi, Französisch, Georgisch, Griechisch, Hindi, Indonesisch,
Italienisch, Kasachisch, Kirgisisch, Krim-Tatarisch, Moldawisch,
Ossetisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch,
Spanisch, Tadschikisch, Türkisch, Usbekisch, Vietnamesisch.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 36 –
Haushaltsmitteln sowie Werbeeinnahmen staatsnaher
Unternehmen. Im Jahr 2020 erhielt RT eine staatliche
Subvention in Höhe von 230 Millionen Euro.81 Für den Zeitraum
von 2022 bis 2024 soll RT insgesamt 820 Millionen Euro82
erhalten haben, was das größte Budget aller staatlichen
Medienunternehmen in Russland darstellen würde.
Vollständige Transparenz über die tatsächlichen Finanzströme
besteht jedoch nicht.
Nutzung
RT hat für das Jahr 2024 keine spezifischen
Nutzungszahlen seiner internationalen Angebote veröffentlicht. Der
Sender behauptet jedoch, 2024 weltweit über 900
Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer in mehr als 100
Ländern zu erreichen und über 23 Milliarden Online-
Aufrufe zu verfügen.83 Obwohl RT regelmäßig seine weltweite
Reichweite betont, lassen sich diese Angaben unabhängig
kaum verifizieren. Die EU stufte RT und Sputnik als
Instrumente russischer Desinformationskampagnen ein und
hat ihre Verbreitung im europäischen Raum untersagt.
Am 2. März 2022 verbot der Europarat die Ausstrahlung
und Verbreitung von RT und Sputnik in der EU und ließ die
RT-Webseite sperren.84 Dadurch wurden die RT-Kanäle auf
YouTube, Facebook und Google News blockiert, und Apple,
Google und Microsoft entfernten die RT-App aus ihren
europäischen App Stores.85 Beide Medien agieren jedoch
weiterhin über lokale Partner und nutzen alternative
Plattformen, um prorussische Narrative sowohl innerhalb als
auch außerhalb Europas zu verbreiten.86 Auch in den USA
ist die RT-Webseite nach wie vor zugänglich; viele
Internetprovider und Plattformen begrenzen die Sichtbarkeit
aber oder kennzeichnen Inhalte als staatlich kontrolliert.
Strategie
Russische Auslandsmedien, insbesondere RT,
präsentieren das Weltgeschehen aus der Perspektive des Kremls.
Sie inszenieren sich als kritische Alternative zu westlichen
Medien, verbreiten jedoch gezielt Verschwörungstheorien
und Desinformation. Studien, darunter eine Untersuchung
der Universität Oxford, belegen die fehlende redaktionelle
Unabhängigkeit des Senders und seine enge Anbindung an
81 State Media Monitor 2024a. 23 Milliarden Rubel umgerechnet
am 24.03.2025.
82 State Media Monitor 2024a. 83 Milliarden Rubel umgerechnet
am 24.03.2025.
83 Russia Today 2025.
84 EU 2022.
85 Politico 2022.
86 RoG 2024a.
staatliche Interessen.87 Nach den Einschränkungen in den
USA und der Europäischen Union 2022 hat RT seinen Fokus
auf den Globalen Süden verlagert. Besonders in
Lateinamerika, der arabischen Welt und Afrika baut der Sender
seine Präsenz aus. Hinzu kommen neue Angebote wie RT
DOC India und RT Balkan, die sich an Regionen richten, die
empfänglich für russische Narrative sind. Trotz EU-
Sanktionen verbreitet RT Balkan weiterhin prorussische Positionen
in Südosteuropa. Um Zugangsbeschränkungen zu umgehen,
arbeitet RT mit lokalen Medienakteurinnen und -akteuren
sowie Influencerinnen und Influencern zusammen. Laut US-
Außenministerium nutzt der Sender Proxy-Server und
rekrutiert internationale Journalistinnen und Journalisten, um
prorussische Inhalte getarnt als unabhängige Berichterstattung
zu verbreiten.88 Ein neues Instrument zur internationalen
Einflussnahme ist die 2023 gegründete RT- Akademie. Sie
wirbt mit Schulungen für ausländische Medienschaffende,
die direkten Zugang zu RT-Strukturen erhalten.
Chinesischer Auslandsrundfunk
Angebot und Budget
Der chinesische Auslandsrundfunk ist in der China Media
Group (CMG) organisiert, die 2018 durch den
Zusammenschluss von China Central Television (CCTV), China
National Radio und China Radio International entstand. CMG
untersteht direkt der Zentralen Propagandaabteilung der
Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und betreibt ein
umfangreiches Netzwerk von 47 Fernsehsendern. Dazu
gehören sieben internationale Kanäle in sechs
Sprachen sowie 17 Radiosender für das chinesische Publikum
und Radioprogramme in 44 Sprachen89 für ein globales
Publikum. Zu den internationalen Angeboten gehören:
– China Global Television Network (CGTN) sendet
Nachrichten in fünf Sprachen90, unter anderem über Satelliten,
Kabel und IPTV91. Darüber hinaus vertreibt der
kommerzielle Anbieter China Central Television (CCTV+) Video-
Nachrichteninhalte von CGTN.
87 Elswah & Howard 2020.
88 Politico 2024a.
89 Albanisch, Arabisch, Belarussisch, Bengalisch, Bulgarisch,
Burmesisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Esperanto, Farsi,
Französisch, Griechisch, Haussa, Hebräisch, Hindi, Indonesisch,
Italienisch, Japanisch, Khmer, Koreanisch, Kroatisch, Laotisch,
Malaysisch, Mongolisch, Nepali, Paschtu, Philippinisch, Polnisch,
Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Sinhala, Spanisch,
Swahili, Tamil, Thailändisch, Tibetisch, Tschechisch, Türkisch,
Ukrainisch, Ungarisch, Urdu, Vietnamesisch.
90 Englisch, Spanisch, Französisch, Arabisch, Russisch.
91 Siehe Glossar.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 37 –
– China Central Television Network (CCTV-4) ist der
chinesischsprachige TV-Auslandskanal mit 50 Kanälen
in sechs Sprachen. Zielgruppe sind die im Ausland sowie
in Hong Kong, Macao und Taiwan lebenden Chinesinnen
und Chinesen. Hinzu kommen regionalisierte Inhalte für
die Diaspora in anderen Teilen Asiens, in Europa und den
USA.
– China Xinhua News Network Corporation (CNC), umfasst
ein TV-Angebot und digitale Angebote in zehn
Sprachen.92 Organisatorisch gehört CNC zur Nachrichten-
und Presseagentur Xinhua der chinesischen Regierung.
– China National Radio (CNR) ist das nationale
Radionetzwerk Chinas mit Sitz in Peking und Teil der staatlichen
China Media Group. Als zentraler Radiodienst strahlt
CNR ein breites Spektrum an Programmen aus und
erreicht sowohl Zuhörerinnen und Zuhörer in China als
auch weltweit.
– China Radio International (CRI) bietet Radio- und digitale
Programme in 44 Sprachen an und verfügt mit
zahlreichen UKW- und MW-Radiostationen im Ausland über
ein sehr umfangreiches Distributionsnetz, vor allem in
Afrika.
Das Budget der CMG wird zwar nicht offiziell
veröffentlicht, Schätzungen zufolge beläuft es sich jedoch auf über
zwei Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil der Finanzierung
stammt aus staatlichen Mitteln, ergänzt durch
Werbeeinnahmen. Laut einer Analyse des Media and Journalism
Research Center (MJRC) werden mehr als die Hälfte der
Gesamtausgaben durch staatliche Subventionen
finanziert. 2023 betrug allein das Budget von CCTV rund 270
Millionen Euro93, wovon 225 Millionen94 aus dem
allgemeinen öffentlichen Haushalt stammten.95
Nutzung
Die chinesischen Auslandsdienste veröffentlichen keine
Nutzungszahlen.
Strategie
Chinas staatliche Medien verfolgen die Agenda der KPCh
und dienen als zentrale Instrumente der politischen
Einflussnahme. Unter Xi Jinping hat Peking den globalen
92 Chinesisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Russisch,
Portugiesisch, Arabisch, Koreanisch, Japanisch.
93 293 Millionen US-Dollar umgerechnet am 24.03.2025.
94 245 Millionen US-Dollar umgerechnet am 24.03.2025.
95 State Media Monitor 2024b.
Einfluss von CGTN, der Nachrichtenagentur Xinhua und
CRI massiv ausgebaut. Ziel ist es, chinesische Medien
international als seriöse Nachrichtenquellen zu etablieren
und kritische Berichterstattung zu unterdrücken. Die CMG
verstärkt ihre Präsenz in Afrika und Lateinamerika durch
regionale Partnerschaften und den Erwerb von UKW-
Frequenzen. Zudem investiert China in technologische
Innovationen wie KI für Nachrichtensendungen. Obwohl
Chinas Einflusskampagne international auf Widerstand
stößt, gewinnt das Land in Ländern des Globalen Südens
zunehmend Kontrolle über Informationsstrukturen.
Katarischer Auslandsrundfunk
Angebot und Budget
Die katarische Medienorganisation Al Jazeera konzentriert
sich vor allem auf internationale Ereignisse mit Fokus auf
die arabische Welt. Themen aus Politik, Gesellschaft und
sozialer Gerechtigkeit stehen dabei im Vordergrund. Vor
allem das digitale Angebot ist auf ein junges, globales
Publikum ausgerichtet. Das Sprachangebot umfasst sieben
Sprachen.96 Das Al Jazeera Media Network betreibt über
70 Büros weltweit und beschäftigt mehr als 3.000
Mitarbeitende in 95 Ländern.97 Das Angebot umfasst lineare
TV- und digitale Plattformen. Dazu gehören acht TV-
Kanäle in Englisch und Arabisch sowie Al Jazeera Balkans,
das Inhalte auf Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und
Serbisch sendete. Al Jazeera Balkans stellte den Betrieb
im Juli 2025 jedoch ein.
Insgesamt hat Al Jazeera seine digitale Präsenz weiter
ausgebaut. Zusätzlich zu den bestehenden digitalen
Angeboten in allen sieben Sprachen gibt es den Social-
Media-Videodienst AJ+ mit plattformspezifischen Inhalten
auf Englisch, Spanisch und Arabisch, die Multimedia-
Plattform für interaktive und immersive Inhalte Al Jazeera
Contrast, die Plattform für Wirtschaftsthemen AJ Impact
und das Podcast-Angebot Jetty. Im Oktober 2024 stellte
Al Jazeera English den traditionellen Rundfunk im
Vereinigten Königreich ein und konzentriert sich seitdem auf
Streaming-Dienste über Plattformen wie Freeview Play und
Freely.
Al Jazeera ist im Besitz des Emirs von Katar, der auch der
wichtigste Finanzier des Netzwerks ist. Der Sender
veröffentlicht keine offiziellen Angaben zu seinem Budget.
96 Arabisch, Bosnisch, Englisch, Französisch, Kroatisch,
Serbisch und Spanisch.
97 Al Jazeera o.D. a.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 38 –
Nutzung
Nach eigenen Angaben erreichte Al Jazeera 2024
wöchentlich über 430 Millionen Menschen.98 Allerdings ist
unklar, wie die Daten erhoben wurden.
Strategie
Al Jazeera ist eines der größten und einflussreichsten
internationalen Nachrichtenmedien und verfolgt das Ziel,
einen fundierten und publikumsnahen Journalismus zu
bieten. Mit dem Slogan „The Opinion and the Other Opinion“
hebt der Sender hervor, verschiedene Perspektiven in den
Mittelpunkt seiner Berichterstattung zu stellen. Al Jazeera
setzt auf Expansion und digitale Innovation, um sein
globales Publikum besser zu erreichen. Bereits 2021 wurde
Rightly ins Leben gerufen, eine Nachrichtenplattform
für ein konservatives US-Publikum, die mit Formaten wie
Right Now with Stephen Kent auf YouTube und als Podcast
präsent ist. 2024 startete die digitale Plattform Al Jazeera
360, die eine umfangreiche Mediathek mit exklusiven
Programmen, Dokumentationen und historischen
Archivinhalten bietet. Inhaltlich konzentriert sich Al Jazeera,
besonders in seinem englischsprachigen Angebot, auf
internationale Themen mit Schwerpunkt auf die arabische
Welt. Al Jazeera bleibt Vorreiter in der Entwicklung neuer
Erzähltechniken für ein junges Zielpublikum und bietet ein
innovatives Portfolio digitaler Produkte – insbesondere
mit AJ+, das sich ebenfalls gezielt an ein junges,
digitalaffines Publikum richtet. Gleichzeitig wird Al Jazeera von
unterschiedlichen Seiten vorgeworfen, eine zu enge Nähe
zur katarischen Regierung zu haben und dadurch nicht
unabhängig zu sein.
Iranischer Auslandsrundfunk
Profil und Angebot
Die staatliche Rundfunkgesellschaft Irans, Islamic
Republic of Iran Broadcasting (IRIB), verfügt über das Monopol
für Radio- und Fernsehdienste im Land und unterliegt der
Kontrolle des politischen Establishments. IRIB betreibt über
150 Fernseh- und Radiosender sowie digitale Angebote, die
nationale und internationale Zielgruppen erreichen sollen.
Nachrichten, Unterhaltung, Filme, Serien, Dokumentationen,
Sport und Bildung gehören zum Programmspektrum. Die
Islamic Republic News Agency (IRNA) ist die offizielle
Nachrichtenagentur Irans, sie wird von der Regierung finanziert
und gibt die Zeitung Iran heraus.
98 Al Jazeera o.D. a.
Das internationale Angebot von IRIB umfasst Programme
in 31 Sprachen99 und ist in mehrere Marken aufgeteilt:
– PressTV ist das Aushängeschild des internationalen
Angebots von IRIB mit einem englischsprachigen
linearen TV-Kanal und digitalen Angeboten in Englisch und
Französisch. Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf
Nordamerika und Großbritannien.
– HispanTV ist der spanischsprachige lineare TV-Kanal, zu
dem auch ein digitales Angebot gehört. Der Sender
kooperiert mit lateinamerikanischen Anbietern.
– Al Alam 24/7 ist ein arabischsprachiges digitales und TV-
Angebot. Die Webseite ist zudem in Englisch und Farsi
verfügbar.
– Sahar Universal Network ist ein TV-, Radio- und
digitales Angebot in Bosnisch, Azeri, Kurdisch, Kurmanci und
Urdu.
– Al-Kawthar TV ist ein TV-Angebot über Religions- und
Kulturthemen auf Arabisch mit begleitender Web- und
Social-Media-Präsenz, das hauptsächlich in der MENA-
Region (Middle East and North Africa, Nahost/
Nordafrika) ausgestrahlt wird.
– Pars Today bietet Radio- und digitale Angebote laut
eigenen Angaben in 30 Sprachen. Die Radioinhalte sind
über Kurzwelle, Satellit und online verfügbar.
– Jaam-e-Jam ist ein Angebot für die iranische Diaspora in
Europa, Nordamerika sowie Asien und Australien.
– Quran-TV ist ein TV-Angebot in Farsi zu religiösen
Themen und für ein ausländisches Publikum.
Alle Sender bieten Informationen und Nachrichten aus
iranischer Perspektive und sollen ein positives Iran-Bild
vermitteln. Das Budget von IRIB für 2024 beträgt laut
Schätzungen 123,9 Millionen Euro, was einem Rückgang um
19,18 % im Vergleich zu den 153,3 Millionen Euro im Jahr 2023
entspricht. Allerdings sind die verfügbaren Budgetzahlen
uneinheitlich und variieren je nach Quelle, was ihre
Transparenz und Verlässlichkeit in Frage stellt. IRIB finanziert sich
durch staatliche Subventionen sowie Werbeeinnahmen,
99 Albanisch, Arabisch, Armenisch, Aserbaidschanisch, Assyrisch,
Bengalisch, Bosnisch, Chinesisch, Dari, Deutsch, Englisch, Farsi,
Französisch, Haussa, Hebräisch, Hindi, Indonesisch, Italienisch,
Japanisch, Kasachisch, Kurdisch, Paschtu, Russisch, Spanisch,
Kisuaheli, Tadschikisch, Talisch, Türkisch, Turkmenisch, Urdu,
Usbekisch.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 39 –
die offiziell rund 50 % des Gesamtbudgets ausmachen. Ein
erheblicher Teil dieser Werbeeinnahmen stammt jedoch von
staatlichen Unternehmen, und alle Werbeeinnahmen
müssen an staatliche Behörden abgeführt werden.100
Nutzung
Die iranischen Auslandsdienste veröffentlichen keine
Nutzungszahlen.
Strategie
IRIB dient als staatliches Sprachrohr des politischen
Regimes im Iran und unterliegt strenger Zensur.
Journalistinnen und Journalisten erhalten detaillierte Vorgaben
zur Berichterstattung, während kritische Debatten
systematisch unterdrückt werden. Auch Unterhaltungsinhalte
werden stark bearbeitet. Die offizielle Charta von IRIB
nennt zwar das Prinzip der Kritikfähigkeit, jedoch steht die
Berichterstattung unter der direkten Kontrolle des
Obersten Führers und verfolgt die Vorgabe, die „Vorherrschaft
des Islam“ zu fördern. Eine unabhängige Überprüfung oder
Kontrolle der redaktionellen Unabhängigkeit existiert nicht.
Medienberichten zufolge plant die iranische Regierung für
2025 eine Verdreifachung des IRIB-Budgets – die größte
Erhöhung in der Geschichte des Senders.101 Diese
Entscheidung wird auf den Einfluss der erzkonservativen
Paydari-Partei im Parlament zurückgeführt und steht nicht im
Zusammenhang mit den Einschaltquoten. Nach Angaben
des Meinungsforschungsinstituts des Senders ist die Zahl
der Zuschauenden in den letzten Jahren stark gesunken –
um bis zu 57 % – da immer mehr auf soziale Medien oder
ausländische Fernsehsender ausgewichen wird.102
Weitere Anbieter
Neben den bisher aufgeführten großen Anbietern
betreiben viele weitere Länder internationale
Informationsanbieter. Die nachfolgend aufgeführten sind lediglich eine
Auswahl, basierend auf der Bedeutung als Mitbewerber
der DW in bestimmten Regionen:
– Die Türkiye Radyo ve Televizyon Kurumu (TRT World)
ist der staatliche Rundfunk der Türkei und wurde 1964
gegründet. Dieser betreibt 14 Fernsehsender, darunter
TRT World als internationalen englischsprachigen
Nachrichtensender sowie 19 Radiosender. Das internationale
100 State Media Monitor 2025.
101 Ebd.
102 Ebd.
Angebot umfasst Programme in elf Sprachen.103
Inhaltlich vertritt TRT World die Positionen der türkischen
Außenpolitik. Der TV-Kanal ist weltweit über Satelliten
zu empfangen und wird vom türkischen Staat über die
TRT-Dachorganisation finanziert. TRT finanziert sich
dadurch vollständig aus staatlichen Mitteln, wobei die
Hauptquelle Steuern sind. Das Budget belief sich 2021
auf ca. 165 Millionen Euro104, genaue Zahlen für die
letzten Jahre sind nicht verfügbar. TRT wird häufig für
seine Nähe zur türkischen Regierung kritisiert und gilt
laut Medienbeobachterinnen und -beobachtern als
regierungsfreundlich.105 Seit 2018 untersteht der Sender
direkt der Präsidialkommunikationsbehörde, was die
politische Kontrolle weiter verstärkt hat.
– Australian Broadcasting Corporation (ABC) bietet in
vier Sprachen106 hauptsächlich Radio- und digitale
Angebote. Im Mittelpunkt steht die australische Perspektive
auf Themen wie Bildung, Gesundheit und Wirtschaft in
der Region.
– NHK World Japan ist der Auslandssender des
japanischen Rundfunks Nippon Hōsō Kyōkai (NHK) und bietet
in 20 Sprachen107 TV-, Radio und digitale Angebote. NHK
finanziert sich hauptsächlich durch Rundfunkgebühren.
Angesichts globaler Herausforderungen will NHK seine
internationale Präsenz weiter ausbauen und die
japanische Perspektive gezielt in weltweite Medienmärkte
einbringen.
– Die Canadian Broadcasting Corporation (CBC) ist Kanadas
öffentlich-rechtlicher Rundfunk und bietet
plattformübergreifende Inhalte in 15 Sprachen.108 Gegründet 1936 als
Radiosender, umfasst das Angebot heute TV, Radio,
Streaming, Podcasts und digitale Plattformen mit Nachrichten,
Unterhaltung und Sport. Der Auftrag zur Förderung der
kanadischen Kultur und Demokratie ist gesetzlich verankert.
– Al-Arabiya ist ein panarabischer Informationsanbieter,
der 2003 in den Vereinigten Arabischen Emiraten als
103 Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch,
Haussa, Mazedonisch, Russisch, Spanisch, Kisuaheli.
104 State Media Monitor 2024c. 5,6 Milliarden türkische Lira
umgerechnet am 24.03.2025.
105 State Media Monitor 2024c.
106 Chinesisch, Englisch, Indonesisch, Tok Pisin.
107 Arabisch, Bengalisch, Burmesisch, Chinesisch, Englisch, Farsi,
Französisch, Hindi, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch,
Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Thailändisch, Türkisch, Ukrainisch,
Urdu, Vietnamesisch.
108 Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Punjabi,
Spanisch, Tagalog. Und die indigenen Sprachen: Cree, Dëne Sųłıné
(Chipewyan), Dehcho Dene Yati, Gwich’in, Inuktitut, Inuvialuktun,
Sahtu Got’ine Godi, Tłı̨ chǫ (Tlicho).
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 40 –
Reaktion auf Al Jazeeras kritische Berichterstattung
über die saudische Königsfamilie in den 1990er Jahren
gegründet wurde. 2021 hat der Sender seinen Hauptsitz
nach Riad, Saudi-Arabien, verlegt. Al-Arabiya ist Teil der
Middle East Broadcasting Center (MBC) Group, die sich
im Besitz saudischer Investoren befindet. Der Sender
konzentriert sich hauptsächlich auf Themen aus der
arabischen Welt sowie internationale Nachrichten.
– Rádio e Televisão de Portugal (RTP) ist der
öffentlichrechtliche Auslandsrundfunk Portugals. Er findet vor
allem im lusophonen Afrika Verbreitung.
Neben internationalen Informationsanbietern, die in Gänze
oder in Teilen staatlich finanziert werden, gibt es auch
kommerzielle Anbieter, die international tätig sind:
– Cable News Network (CNN) ist ein privater US-
amerikanischer Nachrichtensender mit TV- und Online-
Angeboten in Englisch sowie regionalen Inhalten in neun
weiteren Sprachen.109 Mit 37 Büros weltweit, über 1000
angeschlossenen Lokalsendern und mehreren
regionalen Netzwerken erreicht der Sender ein großes globales
Publikum.110 Zusätzlich lizenzieren Franchise-Partner
Inhalte unter der Marke CNN in verschiedenen Sprachen.
DG8
Intensiv kooperiert die DW seit Jahren im Verbund der
sogenannten DG8, den internationalen
Informationsanbietern demokratischer Länder, deren Zusammenarbeit
verschiedene thematische Ebenen wie Zensurumgehung
umfasst. Dazu gehören ABC Australia, CBC/Radio-Canada,
France Médias Monde, NHK World Japan, SRG SSR, BBC
und USAGM.
Da immer mehr Länder auf der ganzen Welt unabhängige
Medien zensieren und die Pressefreiheit verletzen,
setzen sich die DG8 dafür ein, die Informationsfreiheit und
Medienfreiheit zu schützen, die für demokratische
Gesellschaften und den Schutz der Menschenrechte unerlässlich
sind.
109 Albanisch, Arabisch, Griechisch, Indonesisch, Portugiesisch,
Rumänisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch.
110 CNN 2023.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 41 –
DW AKADEMIE
Trends in der
Medienentwicklungszusammenarbeit
Ohne freien Journalismus kann es kein demokratisches
Zusammenleben und keine offene Gesellschaft geben.
Angesichts von Desinformationskampagnen und
grassierender Fehlinformation – insbesondere in digitalen
Plattformmedien und teils KI-unterstützt – ist die Integrität des
öffentlichen Informationsraumes zunehmend ins Zentrum
der Aufmerksamkeit politischer Entscheiderinnen und
Entscheider gerückt, national wie international.
So hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
die Verteidigung der Informationsintegrität in den
Mittelpunkt der EU-Initiative eines „Schutzschildes für die
Demokratie“ gestellt.111 Damit setzt die EU-Kommission
den Kurs fort, den sie in den vergangenen Jahren mit ihrem
Aktionsplan für Demokratie verfolgt hat. Das Ziel: Die
Mediensysteme der Mitgliedstaaten angesichts politischer
und technologischer Veränderungen robust machen.
Die Vereinten Nationen haben zusammen mit dem 2024
verabschiedeten Zukunftspakt auch einen globalen
Digitalpakt beschlossen und damit ein starkes Signal
für mehr Meinungs- und Medienfreiheit gesendet.112
Die UN-Mitgliedsstaaten haben sich darin verpflichtet,
Journalistinnen und Journalisten vor Übergriffen zu
schützen und allen Menschen Zugang zu unabhängigen
öffentlichen Medien zu gewähren. UN-Zukunfts- und
-Digitalpakt ergänzen die Sustainable Development
Goals (SDGs), die Nachhaltigen Entwicklungsziele, die
sich die Vereinten Nationen bis 2030 gesetzt haben. Die
SDGs fordern, dass alle Menschen Zugang zu
öffentlichen Informationen haben.113 Organisationen wie das
UN- Entwicklungsprogramm (UNDP) oder die UN-Behörde
für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) warnen
seit längerem vor den Gefahren falscher, manipulierter
oder irreführender Information.114
111 Europäische Kommission 2024b.
112 UN 2025a.
113 UN 2025b.
114 UNDP 2025.
Mängel in Informations-Ökosystemen in Ländern in
aller Welt hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie
offengelegt. In ihrem Verlauf hat absichtlich oder unwissentlich
verbreitete Desinformation Gesundheit und Leben vieler
Menschen in akute Gefahr gebracht. Die
Weltgesundheitsorganisation sprach von einer „Infodemie“. Es ist klar
geworden: Akkurate und vertrauenswürdige Information
rettet Leben.115
Die Voraussetzungen für die Produktion verlässlicher
Information in Partnerländern verbessern: Das ist auch Teil
des Auftrags an die Entwicklungszusammenarbeit (EZ).
Organisationen der Medien-EZ setzen sich für verschiedene
Aspekte funktionierender Informations-Ökosysteme ein,
darunter Meinungs- und Medienfreiheit, Zugang zu
Informationen für alle Menschen, gute Bedingungen für die
wirtschaftliche Tragfähigkeit von Medienunternehmen,
journalistische Ausbildung, digitale Rechte oder die
Sicherheit von Medienschaffenden.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) setzt mittels ihres Komitees für
Entwicklungszusammenarbeit Qualitätsstandards für
weite Teile der staatlichen EZ. 2024 hat sie Prinzipien für
relevante und effektive Programme zur Verbesserung
von Informations-Ökosystemen veröffentlicht. Danach
bindet gute Medien-EZ die Expertise der Menschen in
den Partnerländern wesentlich ein, fördert Medien, die im
öffentlichen Interesse berichten oder nimmt einen
ganzheitlichen Blick auf das jeweilige Mediensystem ein.116
Vor dem Hintergrund eines wachsenden internationalen
Bewusstseins für die Herausforderungen, die fehlender
Zugang zu verlässlicher, qualitativ hochwertiger Information
mit sich bringt, hat die Entscheidung der US-Regierung
unter Donald Trump, die Entwicklungszusammenarbeit der
USA weitestgehend zu stoppen, immensen Schaden
115 DWA 2021.
116 OECD 2024.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 42 –
verursacht. Praktisch über Nacht konnten Medien-EZ-
Organisationen Anfang 2025 wichtige Projekte nicht mehr
weiterführen. Betroffen waren Akteure rund um die Welt,
wobei die Auswirkungen besonders heftig an Orten
gewesen sein dürften, in denen Menschen für ihre Sicherheit
akut auf verlässliche Informationen angewiesen sind,
beispielsweise in der Ukraine, in Krisen- und
Katastrophengebieten wie Myanmar oder in Geflüchtetenlagern, etwa in
Kenia, Uganda oder Bangladesch.
Der internationale Medien-EZ-Verband Global Forum on
Migration and Development schätzt unter Rückgriff auf
Daten der OECD, dass die USA im Durchschnitt der
vergangenen Jahre etwas mehr als ein Fünftel aller
staatlichen Medien-EZ-Mittel aufgebracht haben, rund 130
Millionen von 620 Millionen US-Dollar im Zeitraum 2020
bis 2024.117
Auch andere wichtige Gebernationen haben zuletzt unter
dem Eindruck internationaler Spannungen ihr
Engagement in der Medien-EZ teils deutlich verringert, darunter
117 GFMD 2025.
das Vereinigte Königreich und die Niederlande. Dies ist
eine problematische Entwicklung, da dadurch der
autokratische Trend in Teilen der Welt, dem die Medien-EZ
entgegenwirken kann, verstärkt wird – mit Sicherheitsrisiken
für Europa und die Welt.
Bestandsaufnahme des Medien-EZ-Sektors, Stärken
verdeutlichen und Verbesserungspotenzial
identifizieren: Diese Ziele erfüllt der State of Media
Development-Bericht, den DW Freedom, der Medien-EZ-Thinktank
der DW Akademie, im Frühjahr 2025 vorgelegt hat. Als
Grundlage der Untersuchung dienten die OECD-Prinzipien
für effektive Medien-EZ.118
Der Bericht bildet den Sektor in einem Moment ab, in dem
die Relevanz der Arbeit offenkundig und politisch
anerkannt ist, gleichzeitig aber externe Schocks wie der US-
Finanzierungsstopp für Anpassungsdruck sorgen. Die
Ergebnisse können die Grundlage bilden für eine informierte
Diskussion über die künftige Ausrichtung der Medien-EZ.
118 DWA 2025a.
Digitale Brücken in abgelegene Regionen: Mit Apps wie Colmena
und Voice Deck unterstützt die DW Akademie lokalen Journalismus
in Uganda – für Geschichten, die gehört werden.
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Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 43 –
EXKURS 1
Zensur als wachsende
Bedrohung für die globale
Meinungsfreiheit
Zensur stärkt autoritäre Strukturen, verzerrt die
öffentliche Wahrnehmung, untergräbt demokratische Prinzipien
und stellt damit eines der zentralen Themen unserer Zeit
dar. Zensur betrifft dabei nicht nur grundlegende Fragen
der Informations- und Meinungsfreiheit, sondern geht
weit über die rein technische Einschränkung hinaus. Sie
baut auf gesellschaftlicher Kontrolle auf, führt zu einer
zunehmenden Abhängigkeit von staatlich kontrollierten
Informationsquellen und untergräbt dadurch auch die
Grundlage für eine stabile Demokratie. Als Macht- und
Kontrollinstrument entwickelt sich Zensur auch zur
zentralen Herausforderung für unabhängige
Medienorganisationen, denen es immer schwerer fällt, ihre Inhalte
in den Zielregionen zu verbreiten. Zugleich sieht sich auch
die Zivilgesellschaft mit immer größeren Hürden
konfrontiert, wenn es darum geht, freien Zugang zu verlässlichen
Informationen zu erhalten. Dies wiegt besonders schwer,
da gerade in Kriegs- und Krisengebieten sowie in
abgeschotteten Systemen unabhängige Medien eine
essenzielle Grundlage für freie Meinungsbildung darstellen.
Zensur dient vor allem dazu, die eigene Wahrheit zur einzig
gültigen zu erklären und kritische und alternative Stimmen
zum Schweigen zu bringen. Um die öffentliche Meinung zu
steuern, nutzen autokratische Regierungen neben Zensur
häufig auch Desinformation und Überwachung als Mittel.
In diesem Kontext rückt der digitale Raum zunehmend ins
Zentrum der Auseinandersetzung – einerseits als
Schauplatz von Wahrheit und Manipulation, andererseits als
Werkzeug zur Kontrolle von Informationsflüssen. Im Jahr
2024 war die globale Internetfreiheit zum 14. Mal in Folge
rückläufig.119 Vielerorts durch gezielte Unterdrückung
kritischer Stimmen durch staatliche Akteure sowie
weitreichende Einschränkungen von Informationen bis hin zu
Abschaltungen. Der zunehmenden digitalen Repression
119 Freedom House 2024a.
setzt die DW das entgegen, was sie seit über 70 Jahren
auszeichnet: verlässliche, unabhängige Informationen aus
vielfältigen Perspektiven. Gemeinsam mit internationalen
Partnern entwickelt sie technische Lösungen zur
Umgehung von Internetzensur kontinuierlich weiter und bringt
diese direkt zu den Menschen, die von
Informationskontrolle betroffen sind.
Gleichzeitig war die DW zeitweise in fünf Ländern offiziell
gesperrt: China, Iran, Belarus, Russland und Türkei; die
Aufhebung der Sperrung in der Türkei erfolgte offiziell am
31. Juli 2025. Doch auch in vielen anderen Regionen wird
der Zugang zu unabhängigen Medien systematisch
eingeschränkt. Regierungen nutzen gesetzgeberische
Mittel wie Fake-News-Gesetze oder Vorschriften zur
nationalen Sicherheit, um kritische Berichterstattung zu
unterdrücken und den Zugang zum Internet zu
kontrollieren. Dabei kommen unterschiedliche Methoden der Zensur
zum Einsatz. In China beispielsweise durch die sogenannte
Great Firewall, die den Zugang zu ausländischen
Webseiten blockiert und soziale Medien zensiert, während
staatlich kontrollierte Alternativen wie WeChat gezielt
gefördert werden. Neben gezielter Propaganda setzt
Russland vor allem auf gesetzliche Instrumente wie das
sogenannte „Ausländische-Agenten“-Gesetz, das
unabhängige und kritische Medien systematisch unterdrückt.
Durch Stigmatisierung, bürokratische Hürden und direkte
Repressionen wird ihre Arbeit vor Ort massiv
eingeschränkt, sodass sie faktisch unmöglich wird.120 Im Iran
wird wiederum vor allem mit ideologischer Zensur
gearbeitet und das Internet bei Protesten regional
abgeschaltet. Saudi-Arabien kombiniert autoritäre Kontrolle
mit Hightech-Überwachung, repressiven Gesetzen und
Einschüchterung. In Mexiko und Kolumbien wird Zensur vor
allem durch Gewalt und Einschüchterung ergänzt,
120 DW 2022a, 2022b.
Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 44 –
wodurch die Selbstzensur verstärkt wird. In extremen
Fällen, wie beispielweise in Äthiopien, den
Palästinensischen Gebieten oder dem Sudan, können politische Krisen
auch zu landesweiten Internetabschaltungen führen.
Angesichts der zunehmenden Einschränkungen der
Meinungsfreiheit setzt die DW auf eine Kombination aus
technischen, strategischen und kooperativen Maßnahmen,
um ihren Auftrag weiterhin erfüllen zu können. Ein zentraler
Bestandteil ist der Einsatz von Zensur-
Umgehungstechnologien. Hierzu gehört beispielsweise die Bewerbung von
Virtual Private Networks (VPNs)121, die den Standort der
Nutzenden verschleiern und ihre Internetverbindung
verschlüsseln. Dadurch wird es für Regierungen schwerer,
Menschen aufgrund ihres geographischen Standorts oder
121 Siehe Glossar.
Director General Peter Limbourg mit Vertreterinnen
und Vertretern der DG8, der internationalen
Arbeitsgemeinschaft von acht öffentlich-rechtlichen
Medienorganisationen.
Vereinte Skills und Wissen: Im Rahmen des
Welttags gegen Zensur im Internet richtete die DW den
Hackathon Hacking for freedom aus.
ihrer Internetnutzung zu überwachen oder zu blockieren.
Zusätzlich stellt die DW einen eigenen Proxy-Server122
bereit, der Internetanfragen über Server in anderen
Ländern weiterleitet und so den Zugriff auf blockierte Inhalte
ermöglicht. Darüber hinaus wurden in die DW News App
spezielle Zensurumgehungsfunktionen integriert, um auch
dort den Zugang zu gesperrten Inhalten zu erleichtern.
Auch die Verwendung dezentraler Netzwerke wie Tor123,
das durch mehrfache Verschlüsselung Anonymität
gewährleistet, trägt dazu bei, den Zugang zu zensierten
Inhalten zu ermöglichen.
Parallel dazu diversifiziert die DW ihre Verbreitungswege,
um ihre Inhalte über verschiedene Plattformen zugänglich
zu machen. Neben der eigenen Webseite setzt die DW auf
soziale Netzwerke wie YouTube, Facebook und Instagram.
Darüber hinaus werden Messenger-Dienste wie Telegram
genutzt, um eine direkte und schnelle Kommunikation mit
der Zielgruppe zu ermöglichen. Zusätzlich arbeitet die
DW eng mit internationalen Partnern zusammen, um eine
koordinierte Antwort auf Zensurmaßnahmen zu entwickeln.
Im Rahmen der DG8124, dem Netzwerk von international
führenden, öffentlich-rechtlichen Medienorganisationen,
werden regelmäßig gemeinsame Strategien gegen die
wachsende Bedrohung durch Zensur entwickelt.125
Die Strategie der DW zeigt sich als äußerst resilient. Trotz
zunehmender Zensurmaßnahmen in zahlreichen Ländern
gelingt es ihr, die Reichweite kontinuierlich auszubauen
– insbesondere in Krisenregionen. In Venezuela konnte der
Rückgang der TV-Nutzung infolge der Sperrung der DW
durch eine verstärkte Nutzung von Online-Videos,
insbesondere über Instagram, kompensiert werden. Auch in
Äthiopien verzeichnet die DW eine wachsende Reichweite
– begünstigt durch die gezielte Diversifizierung der
Plattformen sowie die Einführung neuer Inhaltstypen. In einer
Welt, in der Meinungsfreiheit zunehmend unter Druck gerät
und autoritäre Regime den Zugang zu unabhängigen
Informationen immer stärker einschränken, gewinnt der Auftrag
der DW mehr denn je an Bedeutung. Mit ihrer
faktenbasierten, journalistisch hochwertigen Berichterstattung
übernimmt sie eine unverzichtbare Rolle als verlässliche
Informationsquelle für Millionen Menschen weltweit.
Gerade angesichts wachsender Herausforderungen ist es von
enormer Bedeutung, den freien Zugang zu den Angeboten
der DW als Beitrag zur Stärkung demokratischer Werte
und freier Meinungsbildung langfristig zu sichern.
122 Siehe Glossar.
123 Siehe Glossar.
124 Siehe Glossar.
125 Public Media Alliance 2024.
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Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 45 –
EXKURS 2
KI als Triebkraft
des digitalen Wandels
KI gehört zu den zentralen Triebkräften des digitalen
W
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
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