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Evaluationsbericht 2025

dip / drucksache 11.11.2025 · WP 21 · 21/2900 · Unterrichtung · Original ↗

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Evaluationsbericht 2025 [Deutscher Bundestag Drucksache 21/2900 21. Wahlperiode 11.11.2025 Unterrichtung durch die Deutsche Welle Evaluationsbericht 2025 Zugeleitet mit Schreiben der Deutschen Welle vom 6. November 2025 gemäß § 4c des Deutsche-Welle-Gesetzes. Impressum Herausgeber Deutsche Welle 53110 Bonn Germany Verantwortlich Corporate Strategy Fassung vom September 2025 © DW Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 2 – Evaluationsbericht 2025 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 3 – 4 DW • Evaluationsbericht 2025 Inhalt Abbildungsverzeichnis   6 Vorwort   10 Executive Summary   12 1 Rahmenbedingungen des deutschen Auslandsrundfunks   19 1.1 Medienanbieter unter Druck: Unabhängige Bericht erstattung in Zeiten von Krieg und Desinformation    20 1.2 Medien- und Meinungs freiheit auf historischem Tiefpunkt    21 1.3 Digitale Transformation als Herausforderung und Chance   24 1.4 Die DW im Überblick   25 1.5 Finanzausstattung   27 1.6 Überblick über die internationalen Informationsangebote anderer Länder    30 DW Akademie: Trends in der Medienentwicklungszusammenarbeit   42 Exkurs 1: Zensur als wachsende Bedrohung für die globale Meinungsfreiheit   44 Exkurs 2: KI als Triebkraft des digitalen Wandels   46 2 Evaluation bei der DW: Methodik und Grundlagen   49 2.1 Rahmenbedingungen der Evaluation    49 2.2 Qualitätssicherung der Evaluation   51 2.3 Wirkungsmodell und Evaluationskriterien   54 2.4 Informations- und Datengrundlage   60 3 Ressourcen und Aktivitäten   67 3.1 Ressourcen: Strategische Fokussierung und flexiblere Organisation   67 3.2 Aktivitäten I: Regionalisierung   74 3.3 Aktivitäten II: Digitale Produktion und Angebote im Wandel    77 Exkurs 3: Nachhaltigkeit bei der DW    81 Exkurs 4: Diversity, Equity and Inclusion bei der DW   84 DW Akademie: Strategische Vorreiterrolle in Zeiten branchenweiter Konsolidierung   87 4 Output und Outcome   91 Exkurs 5: Fact-Checking: Wie die DW über Desinformation aufklärt   99 4.1 Englisch   102 4.2 Arabisch   115 4.3 Lateinamerika   127 4.3.1 Spanisch   132 4.3.2 Portugiesisch für Brasilien   139 4.4 Subsahara-Afrika   144 4.4.1 Kisuaheli   149 4.4.2 Haussa   153 4.4.3 Amharisch   158 4.4.4 Englisch für Afrika   163 4.4.5 Französisch für Afrika   169 4.4.6 Portugiesisch für Afrika   176 Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 4 – 4.5 Asien   182 4.5.1 Chinesisch    185 4.5.2 Farsi   190 4.5.3 Dari und Paschtu   195 4.5.4 Urdu   200 4.5.5 Hindi und Tamil   205 4.5.6 Bengalisch   211 4.5.7 Indonesisch   216 4.5.8 Weitere Angebote für Asien   222 4.6 Osteuropa   224 4.6.1 Russisch   228 4.6.2 Ukrainisch   235 4.7 Mittel- und Südosteuropa   241 4.7.1 Türkisch   245 4.7.2 Polnisch    253 4.7.3 Serbisch   257 4.7.4 Rumänisch   261 4.7.5 Angebote für Südosteuropa   265 4.8 Deutsch   274 4.9 Deutschlernangebote   278 DW Akademie: Evaluationsergebnisse: Was sich in den BMZ-Projekten bewährt hat   290 5 Wirkung der Angebote   313 DW Akademie: Weltweit Meinungsfreiheit durch Medienentwicklung stärken   325 6 Fazit und Ausblick   329 Glossar    332 Abkürzungsverzeichnis    335 Bibliographie   337 Anhänge   360 Reichweitenstudien   360 Akzeptanztests   364 TV-Ratings   367 Wirkungsforschung   368 DW-Indikatoren für die journalistische Qualität   369 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 5 – 6 DW • Evaluationsbericht 2025 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Lage der Pressefreiheit weltweit   22 Abbildung 2: Das Leitbild der DW   25 Abbildung 3: Überblick über die TV-, Radio- und digitalen Angebote der DW in 32 Sprachen   27 Abbildung 4: Angebote des US-amerikanischen Informationsanbieters USAGM   33 Abbildung 5: Angebote der französischen Informationsanbieter FMM und TV5 Monde   35 Abbildung 6: Das Wirkungsmodell der DW   55 Abbildung 7: Die vier Dimensionen der Angebotsqualität   58 Abbildung 8: Überblick über die empirische Datengrundlage des Evaluationsberichts   60 Abbildung 9: Finanzausstattung der DW im Jahr 2024 (ohne DW Akademie)   68 Abbildung 10: Entwicklung der Finanzausstattung der DW 2014 bis 2024   68 Abbildung 11: Planstellenentwicklung der DW   70 Abbildung 12: Organisationsstruktur der DW   72 Abbildung 13: Regionenpriorisierung der DW 2024   75 Abbildung 14: Hauptstandorte, Studios, Korrespondentinnen- und Korrespondentenbüros und Akademiebüros der DW   76 Abbildung 15: Die fünf Handlungsfelder der DW Akademie   87 Abbildung 16: Die Außenstruktur der DW Akademie   89 Abbildung 17: Empfangbarkeit der linearen DW-Kanäle über Satellit weltweit   92 Abbildung 18: Die Profilthemen der DW   94 Abbildung 19: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Englisch   104 Abbildung 20: Online-Angebote der DW in Englisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   105 Abbildung 21: Monatliche Video Views der englischsprachigen Angebote auf unterschiedlichen Plattformen   109 Abbildung 22: Wöchentliche Reichweite des englischsprachigen TV-Angebots der DW in den Zielgruppen   110 Abbildung 23: Lage der Pressefreiheit in der arabischen Welt   116 Abbildung 24: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Arabisch   118 Abbildung 25: Online-Angebote der DW in Arabisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   119 Abbildung 26: Lage der Pressefreiheit in Lateinamerika   129 Abbildung 27: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Spanisch   130 Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 6 – Abbildung 28: Online-Angebote der DW in Spanisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   133 Abbildung 29: Monatliche Video Views der spanischsprachigen Angebote auf unterschiedlichen Plattformen   135 Abbildung 30: Online-Angebote der DW in Portugiesisch für Brasilien mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   140 Abbildung 31: Lage der Pressefreiheit in Subsahara-Afrika   146 Abbildung 32: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Kisuaheli   150 Abbildung 33: Online-Angebote der DW in Kisuaheli mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   151 Abbildung 34: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Haussa   154 Abbildung 35: Online-Angebote der DW in Haussa mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   155 Abbildung 36: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Amharisch   159 Abbildung 37: Online-Angebote der DW in Amharisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   160 Abbildung 38: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Englisch speziell für die Zielregion Subsahara-Afrika   164 Abbildung 39: Wöchentliche Reichweite der englischsprachigen Radioangebote der DW und ihrer Wettbewerber in der Zielgruppe   166 Abbildung 40: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Französisch für Afrika   170 Abbildung 41: Online-Angebote der DW in Französisch für Afrika mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   171 Abbildung 42: Wöchentliche Reichweite der französischsprachigen Radioangebote der DW und ihrer Wettbewerber in der DR Kongo   172 Abbildung 43: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Portugiesisch für Afrika   177 Abbildung 44: Online-Angebote der DW in Portugiesisch für Afrika mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   178 Abbildung 45: Lage der Pressefreiheit in Asien   183 Abbildung 46: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Chinesisch   186 Abbildung 47: Online-Angebote der DW in Chinesisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   187 Abbildung 48: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Farsi   191 Abbildung 49: Online-Angebote der DW in Farsi mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   192 Abbildung 50: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Dari und Paschtu   196 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 7 – 8 DW • Evaluationsbericht 2025 Abbildung 51: Online-Angebote der DW in Dari und Paschtu mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   198 Abbildung 52: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Urdu   201 Abbildung 53: Online-Angebote der DW in Urdu mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   202 Abbildung 54: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Hindi und Tamil   206 Abbildung 55: Online-Angebote der DW in Hindi mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   207 Abbildung 56: Online-Angebote der DW in Tamil mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   207 Abbildung 57: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Bengalisch   212 Abbildung 58: Online-Angebote der DW in Bengalisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   213 Abbildung 59: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Indonesisch   217 Abbildung 60: Online-Angebote der DW in Indonesisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   219 Abbildung 61: Lage der Pressefreiheit in Osteuropa   226 Abbildung 62: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Russisch   229 Abbildung 63: Online-Angebote der DW in Russisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   233 Abbildung 64: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Ukrainisch   236 Abbildung 65: Online-Angebote der DW in Ukrainisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   237 Abbildung 66: Lage der Pressefreiheit in Mittel- und Südosteuropa   242 Abbildung 67: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Türkisch   246 Abbildung 68: Online-Angebote der DW in Türkisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   248 Abbildung 69: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Polnisch   254 Abbildung 70: Online-Angebote der DW in Polnisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   255 Abbildung 71: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Serbisch   258 Abbildung 72: Online-Angebote der DW in Serbisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   259 Abbildung 73: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Rumänisch   262 Abbildung 74: Online-Angebote der DW in Rumänisch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   264 Abbildung 75: Zielländer der DW in Mittel- und Südosteuropa   265 Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 8 – Abbildung 76: Die wichtigsten Angebote der Wettbewerber in Südosteuropa   267 Abbildung 77: Online-Angebote der DW für Südosteuropa mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   270 Abbildung 78: Deutsch weltweit: Neben Europa leben die meisten Deutsch-Sprecher in Nordamerika, Brasilien und Russland   275 Abbildung 79: Online-Angebote der DW in Deutsch mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   276 Abbildung 80: Online-Angebote von DW Learn German mit durchschnittlichen Outputs pro Monat   281 Abbildung 81: Online-Sprachkurse für Anfänger    282 Abbildung 82: In sich geschlossene Online-Lernangebote   283 Abbildung 83: Aktuell publizierte Inhalte (Sprache: Deutsch), darunter Deutsch lernen mit Nachrichten   284 Abbildung 84: Angebote für Deutschlehrende (Sprache: Deutsch)   285 Abbildung 85: Community-Angebote und weitere Vertriebskanäle (Sprache: Deutsch)   286 Abbildung 86: Durchschnittliche monatliche Video Views der DW-Deutschlernangebote auf unterschiedlichen Plattformen   287 Abbildung 87: Das Wirkungsmodell der DW   315 Abbildung 88: „Die DW ist eine glaubwürdige Informationsquelle“.    317 Abbildung 89: „Wenn es darum geht, heikle Themen zu kommentieren oder zu diskutieren, geben mir die von mir genutzten Medien ein sicheres Gefühl, meine Meinung offen zu äußern.“    321 Abbildung 90: „Ich traue mich, eine aktive Rolle in einer Gruppe zu übernehmen, die sich mit politischen Themen beschäftigt.“    322 Abbildung 91: „Alles in allem ist die Demokratie die beste Art, ein Land zu regieren.“    323 Abbildung 92: „Die Rechte von Minderheitengruppen müssen geschützt werden.“    324 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 9 – Vorwort Die Deutsche Welle (DW) steht angesichts tiefgreifender geopolitischer Veränderungen vor einer wachsenden internationalen Verantwortung. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 markierte einen historischen Wendepunkt: Er erschütterte die europäische Sicherheitsarchitektur und verdeutlichte die zentrale Rolle unabhängiger journalistischer Angebote in Krisenregionen. Autoritäre Staaten wie Russland, China und der Iran setzen gezielt auf Desinformation, Propaganda und Zensur, um demokratische Gesellschaften zu destabilisieren und ihre eigenen Narrative global zu verbreiten. Diese hybride Kriegsführung richtet sich nicht nur gegen Deutschland, sondern gegen ein wertebasiertes, demokratisch- freiheitliches Europa. Gleichzeitig verliert die transatlantische Wertegemeinschaft an Stabilität: Die de facto Einstellung der US-amerikanischen Auslandsender Voice of America (VOA) und Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/ RL) sowie der Rückzug der USA aus der internationalen Medienförderung ist schmerzhaft. Die USA hinterlassen ein Informationsvakuum, das autoritäre Akteure gezielt für ihr Zwecke nutzen. In diesem Kontext ist die DW mehr denn je gefordert. Als unabhängige Stimme Deutschlands und Europas in der Welt gewinnt sie weiter an Bedeutung. Ihr Markenkern „Freie Informationen für freie Entscheidungen“ steht für faktenbasierten Journalismus und den weltweiten Zugang zu verlässlichen Informationen. Global vertrauen Millionen Menschen auf die DW-Angebote. Die DW Akademie ergänzt das journalistische Angebot durch Medienentwicklungszusammenarbeit in rund 70 Ländern und fördert Medienkompetenz, Meinungsfreiheit und demokratische Strukturen – insbesondere dort, wo diese unter Druck geraten. Dieser Evaluationsbericht zeigt eindrucksvoll, wie die DW ihren gesetzlichen Auftrag im Zeitraum 2022–2025 erfolgreich erfüllt hat. Mit regionalisierten, digitalen und zeitsouverän nutzbaren Inhalten erreicht die DW ihre Zielgruppen heute wirkungsvoller denn je. Die Angebote sind passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen in den jeweiligen Regionen zugeschnitten und entfalten ihre Wirkung auf den Plattformen, die tatsächlich genutzt werden – mobil und On-Demand. Die DW konnte ihre weltweite Reichweite auf 337 Millionen wöchentliche Nutzende steigern – ein Zuwachs Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 10 – von 17 % gegenüber 2021 – und gleichzeitig die Relevanz ihrer Inhalte deutlich erhöhen. Für Menschen weltweit gilt der Auslandssender Deutschlands als ein verlässliches Gegengewicht zu Desinformation und Propaganda. Durch regionalisierte Inhalte, dialogorientierte Formate und technische Lösungen zur Umgehung von Zensur gelingt es, auch in restriktiven Märkten präsent zu sein. Die konsequente Nutzung moderner Technologien, eine zukunftsgerichtete Unternehmenskultur und der effiziente Einsatz von Ressourcen haben den Weg für die digitale Transformation geebnet. Die DW hat sich erfolgreich von einem linearen Medienhaus zu einer digitalen Informationsanbieterin weiterentwickelt. Der vorliegende Bericht ist Rückblick und Ausblick zugleich. Die Erkenntnisse dieser Evaluation fließen direkt in die Aufgabenplanung 2026–2029 ein und bilden eine belastbare Grundlage für das im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbarte Vorhaben der Stärkung der DW. Die kontinuierliche Aufgabenkritik und jährliche Fortschreibung der Aufgabenplanung ermöglichen es der DW, flexibel auf weltpolitische Entwicklungen zu reagieren, Schwerpunkte zu setzen und strukturelle Einsparungen sowie eine effizientere Mittelverwendung zu gewährleisten. Ein zentraler Hebel für die Zukunft ist die strategische Nutzung von Künstlicher Intelligenz – sowohl zur Effizienzsteigerung als auch zur inhaltlichen Weiterentwicklung. Damit stärkt die DW ihre Wettbewerbsfähigkeit im globalen Informationsraum. Diese Maßnahmen sind Ausdruck verantwortungsvoller Haushaltsführung, und zugleich Grundlage für die nachhaltige Weiterentwicklung der DW in einem zunehmend kompetitiven internationalen Umfeld. Denn die DW und ihre Angebote werden in Zukunft mehr denn je gebraucht. Die erfolgreiche Arbeit der vergangenen vier Jahre ist vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der DW zu verdanken. Mit ihrem Engagement und ihrer Expertise leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags. Mein besonderer Dank gilt den Mitgliedern des Rundfunk- und Verwaltungsrats, die mich in den nunmehr zwölf Jahren als Intendant mit Rat und Unterstützung begleitet haben. Gleiches gilt für die Mitglieder der Geschäftsleitung, die maßgeblich zur strategischen Ausrichtung und Weiterentwicklung der DW beigetragen haben. Ich bin überzeugt, dass meine Nachfolgerin Barbara Massing die erfolgreiche Transformation der DW fortsetzen und ihre Rolle als führende Stimme der Freiheit aus Deutschland stärken wird – damit die DW auch künftig als unabhängige, international relevante Informationsanbieterin wirksam bleibt: resilient, innovationsfähig und zukunftssicher in einem zunehmend herausfordernden globalen Umfeld. Berlin, September 2025 Peter Limbourg Director General Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 11 – Executive Summary 2021 verabschiedete die Deutsche Welle (DW) gemäß § 4a des Deutsche-Welle-Gesetzes (DWG) ihre Aufgabenplanung für den Zeitraum bis 2025. Darin formulierte sie, welche Schwerpunkte sie im Zeitraum 2022 bis 2025 setzte, um ihren gesetzlich verankerten Auftrag zu erfüllen. Die folgende Evaluation bewertet gemäß § 4c DWG das journalistische Angebot der DW. Dafür wurde auf externen Sachverstand aus dem In- und Ausland zurückgegriffen, Befragungen und Akzeptanzstudien durchgeführt und frei verfügbare Quellen in die Analyse einbezogen. Der Bericht beleuchtet zudem die Rahmenbedingungen der DW und die Herausforderungen in den unterschiedlichen Regionen. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der Evaluation zusammengefasst: – Seit der Evaluation 2021 haben sich die Herausforderungen für internationale Informationsanbieter weiter zugespitzt. Geopolitische Konflikte, humanitäre Krisen und vor allem das Erstarken von autoritären Regimen und Strömungen destabilisieren demokratische Strukturen weltweit. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europa in seinen Grundfesten erschüttert. Er stellt einen eklatanten Bruch des Völkerrechts dar und gilt als die schwerwiegendste militärische Aggression in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Geopolitische Einschnitte haben weltweit Prozesse verstärkt, in denen Desinformation und Propaganda den Handlungsspieltraum freier Berichterstattung zunehmend einschränken. – In vielen Weltregionen intensivieren autoritäre Regime ihre Eingriffe in die Medienlandschaft – etwa durch repressive Gesetze, Zensurmaßnahmen, Internetabschaltungen, Monopolisierung von Medien, finanzielle Austrocknung von unabhängigen Medien oder tiefgreifende Eingriffe der Medienregulierung. Diese Entwicklungen schaffen ein Klima der Angst und fördern Selbstzensur. Unterstützt durch regimetreue Medien etablieren sich dadurch zunehmend alternative Informationsräume. – Neben politischer Repression prägen die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) das Informationsverhalten grundlegend. KI eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Inhalte, effizientere Produktion und zielgerichtete Verbreitung. Gleichzeitig birgt sie viele Risiken: Manipulierte Inhalte lassen sich glaubhaft und massenhaft produzieren, was die Unterscheidung zwischen Fakten und Fälschung erschwert. Soziale Medien und algorithmisch gesteuerte Plattformen verstärken diese Dynamiken zusätzlich. In einem Umfeld wachsender Informationsflut, gezielter Desinformation und digitaler Fragmentierung wird der Zugang zu verlässlichen Informationen zur zentralen Herausforderung. – Der drastische Rückzug der US-Regierung aus der internationalen Medienförderung – insbesondere durch die De-facto-Einstellung der amerikanischen US Agency for Global Media (USAGM) unter Präsident Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit – hat weitreichende Folgen für die globale Medienlandschaft. Mit dem Wegfall etablierter westlicher Akteure wie Voice of America (VOA) und Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) entsteht ein Vakuum, das autoritäre Akteure gezielt für Desinformation nutzen könnten. Für die DW bedeutet dies eine noch größere Verantwortung für unabhängige, faktenbasierte Berichterstattung – insbesondere in Regionen, in denen die Pressefreiheit zunehmend unter Druck steht. – Die DW begegnete diesem Spannungsfeld mit einem umfangreichen Informationsangebot in 32 Sprachen. Ihre Wirkabsicht ist in der Aufgabenplanung 2022–2025 formuliert: Auf Basis unabhängiger Informationen, verlässlicher Fakten und eines ungehinderten Austauschs befähigt sie Menschen weltweit, sich eigene Überzeugungen zu bilden und diese in gesellschaftlichen Debatten zu vertreten. In diesem Sinne möchte die DW weiterhin Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner zwischen 14 und 40 Jahren durch regionalisierte, On- Demand-fähige Angebote ansprechen. In der Berichterstattung rückte sie Profilthemen wie Freiheits- und Menschenrechte, Umweltschutz sowie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den Vordergrund und damit die Werte Deutschlands und Europas. – Der Bund unterstützt die DW und ihren gesetzlichen Auftrag zur Förderung von Informations- und Meinungsfreiheit weiterhin durch jährliche Mittelaufwüchse. Die klarere inhaltliche Positionierung und das finanzielle Engagement des Bundes erlaubten es der DW, ihre Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 12 – Schwerpunktvorhaben aus der Aufgabenplanung 2022– 2025 umzusetzen. Vor allem mit Blick auf Regionalisierung und Digitalisierung konnte die DW deutliche Fortschritte machen. Die Finanzausstattung hat sich strukturell verbessert, auch wenn steigende Kosten, regulatorische Anforderungen und geopolitische Entwicklungen die Rahmenbedingungen erheblich erschwert haben. Dennoch hat die DW ihre digitale Transformation konsequent vorangetrieben und ihre internationale Relevanz deutlich gestärkt. Gleichzeitig waren Einsparungen und strukturelle Anpassungen notwendig, die auch umfangreiche personelle und programmliche Einschnitte mit sich brachten. Angesichts zunehmender Desinformation und Zensur, schwindender Pressefreiheit und des Rückzugs internationaler Partner wie USAGM ist eine nachhaltige Stärkung der DW unerlässlich, damit sie ihre Rolle als unabhängige Stimme der Freiheit aus Deutschland und Europa weiterhin wirksam erfüllen kann. – Zur Erreichung ihrer übergeordneten Ziele – Relevanz, Reichweite und Dialog – verfolgt die DW eine konsequente Regionalisierungsstrategie. Ziel ist es, durch vertiefte regionale Expertise passgenaue Inhalte für Zielgruppen in besonders sensiblen geopolitischen Kontexten bereitzustellen. Auf diese Weise kann die DW gezielt auf Informationslücken in ihren Zielmärkten reagieren und damit ihrem Auftrag gerecht werden, freie Informationen für freie Entscheidungen zu liefern. Dabei setzt sie auf ein vielfältiges Portfolio mit neuen erfolgreichen Formaten wie Bae-Baak Isha (Isha ohne Scheu) für die hindisprachige Zielgruppe, Afrimaxx für junge Menschen in Subsahara Afrika und Frau, wui kuda? (Frau, was nun?) für die Zielgruppe in Osteuropa. Bestehende Angebote wurden im Sinne der Regionalisierung und des digitalen Nutzungsverhaltens kontinuierlich weitergeführt und weiterentwickelt. Zugleich wurden bereits vorhandene Angebote durch enge Kooperationen mit regionalen Medienpartnern inhaltlich vertieft und noch gezielter auf die jeweiligen lokalen Kontexte zugeschnitten. Zudem hat die DW ihr Sprachangebot 2021 um Tamil und Ungarisch erweitert, um neue Zielgruppen in den priorisierten Zielmärkten der DW direkt in ihrer Muttersprache zu erreichen. – Gleichzeitig baute die DW ihre Vor-Ort-Kapazitäten aus, um ihre lokale Berichterstattung zu intensivieren und noch mehr regionalisierte Inhalte für die Zielgruppe direkt in den Zielregionen zu produzieren. Trotz globaler Unsicherheiten stärkte die DW ihre regionale Präsenz weltweit durch ihr Netz an Korrespondentinnen und Korrespondenten und weiteren neuen Standorten in Jerusalem, Jakarta und Kinshasa. Nach der Zwangsschließung des Studios Moskau 2022 durch die russische Regierung arbeitet die DW für die Region aus dem Exil vom Studio Riga. Der Ausbau der Vor-Ort-Kapazitäten ist ressourcenintensiv, aber von höchster Relevanz. Angesichts der Entwicklungen rund um USAGM sowie der angespannten Wettbewerbslage kommt einer zukunftsfähigen Ressourcenausstattung der DW eine besonders hohe strategische Bedeutung zu. – Der fortschreitende digitale Wandel zeigt sich in allen Zielmärkten der DW. Insbesondere die priorisierte Zielgruppe der DW im Alter zwischen 14 und 40 Jahren informiert sich zunehmend über digitale, zeitunabhängig nutzbare Ausspielwege. Die DW reagiert auf diese Entwicklung, indem sie ihre digitalen Inhalte weiter ausgebaut und ihre Ausspielwege strategisch erweitert hat. Durch plattformspezifische Formate, insbesondere im Bereich Video, stärkte sie ihre Präsenz auf Social Media und öffnete neue Kanäle auf Plattformen wie TikTok und Telegram. Gleichzeitig konsolidierte die DW ihre Präsenz auf X durch die Einstellung mehrerer Kanäle. – Mit den Fortschritten von KI wurden auch in der DW Nutzungsmöglichkeiten für die neue Technologie gefunden. Der Grundstein für den Einsatz von KI in der DW wurde bereits durch die Eigenentwicklung von plain X zur automatischen Übersetzung und Untertitelung von Inhalten gelegt. Ein neu gegründetes KI-Team bündelt und priorisiert Themen und Projekte. Weitere Innovationen wurden durch das DW Lab gezielt vorangetrieben, das als direktionsübergreifende Plattform Austausch fördert und erfolgreich neue journalistische Formate sowie digitale Technologien erprobt. – Auf die wachsende Verbreitung von Desinformation reagierte die DW frühzeitig 2020 mit dem Aufbau eines interdisziplinären Fact-Checking-Teams, das im Evaluationszeitraum weiter ausgebaut wurde. Im Fokus stehen mehrsprachige Faktenchecks zu globalen Krisen, KI-Inhalten und politischer Propaganda. Mit modernen Verifikationsmethoden und internationalen Kooperationen stärkt die DW faktenbasierte Diskurse und fördert Medienkompetenz weltweit. – Der Austausch mit den Distributionspartnern trägt zur Relevanz der Inhalte für die Zielgruppe bei, während die Verbreitung über die Plattformen dieser Partner die Reichweite steigert. Um dieses Potential noch besser auszuschöpfen, setzt die DW mit DW Premium auf ein maßgeschneidertes Angebot für ihre wichtigsten Partner. Mit TV-Schalten, aktuellen nachrichtlichen Beiträgen und exklusiven Video-Reihen wendet sie sich an die Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 13 – reichweitenstärksten Anbieter in den jeweiligen Zielländern. Sowohl in TV als auch online konnte sie so wichtige Partner noch stärker an sich binden. Gleichzeitig war die Distributionssituation in vielen Zielregionen im Evaluationszeitraum stärkerem Druck ausgesetzt, etwa durch gesetzliche Einschränkungen, politische Rahmenbedingungen, aber auch Selbstzensur. – Mit den internationalen Informationsanbietern anderer demokratischer Länder wurde die Zusammenarbeit und Produktion wichtiger Formate fortgesetzt. Die Kooperation mit der British Broadcasting Corporation (BBC), VOA und France Médias Monde (FMM) für das türkischsprachige YouTube-Angebot +90, das sich an junge Menschen richtet und Zukunftsthemen behandelt, wurde fortgesetzt. Mit FMM und der italienischen Agenzia Nazionale Stampa Associata (ANSA) wird gemeinsam InfoMigrants produziert, ein Informationsangebot für Geflüchtete. Das digitale und mehrsprachige Projekt ENTR vertieft die Kooperation mit verschiedenen Partnern auf europäischer Ebene. Es richtet sich an die junge Zielgruppe in Europa und will Engagement für gemeinsame europäische Werte und Ideen fördern. – Im Evaluationszeitraum konnte die DW mit einer klaren Fokussierung auf die Produktion plattformspezifischer digitaler Inhalte eine Steigerung der wöchentlichen Nutzung verzeichnen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die DW der veränderten Mediennutzung der Zielgruppe anpasst und entsprechend der sich ständig ändernden Entwicklungen weltweit agiert. Die Onlinenutzung von DW-Angeboten ist kontinuierlich gestiegen und hat zeitweise Rückgänge in Radio und TV nicht nur kompensiert, sondern hat zu einem Reichweitenwachstum und dem Erschließen neuer Zielgruppen geführt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wie zunehmender Zensur, digitaler Blockaden, verschärfter Konkurrenz auf Online-Plattformen und den im Jahr 2024 wirksam gewordenen Einsparungen im Programmangebot gelang es der DW, ihre Reichweite im Jahr 2025 auf insgesamt 337 Millionen wöchentliche Nutzende und damit im Vergleich zu 2021 um 17 %1 zu erhöhen. 1 Angesichts der geopolitischen Lage, massiven Herausforderungen und Einschränkungen durch Zensur in einigen Märkten hatte sich die DW für das Jahr 2025 zum Ziel gesetzt, ihre starke Position als glaubwürdige und verlässliche internationale Nachrichten- und Informationsanbieterin zu behaupten, die Nutzendenbindung weiter zu stärken und die Reichweite von 320 Millionen wöchentlichen Nutzenden zu halten. Die DW hatte in diesem Zuge das in der Aufgabeplanung festgelegte Reichweitenziel von 400 Millionen 2024 angepasst. – Die DW überzeugt durch journalistisch hochwertige Inhalte, die in zahlreichen Akzeptanztests von den Teilnehmenden als vertrauenswürdig, verständlich und lebensnah wahrgenommen werden. Die Relevanz beruht auf der passgenauen Ausrichtung an den Bedürfnissen und Lebensrealitäten der Zielgruppen und der Behandlung zentraler gesellschaftlicher und globaler Themen. Komplexe Sachverhalte werden verständlich vermittelt – stets unter Einbezug vielfältiger Perspektiven. Die journalistische Qualität wird auch von der Fachwelt bestätigt: So erhielt die DW im Evaluationszeitraum zahlreiche journalistische Auszeichnungen. – Das englischsprachige Angebot der DW bietet aufgrund seiner globalen Verbreitung ein besonders hohes Potenzial für Reichweite und Wirkung, insbesondere in den prioritären Zielländern Asiens, Subsahara- Afrikas und Nordamerikas. Gleichzeitig steht die DW vor der Herausforderung, sich in stark heterogenen und zunehmend wettbewerbsintensiven Märkten erfolgreich zu positionieren. Um dieser Komplexität zu begegnen, wurde das Angebotsportfolio gezielt weiterentwickelt. Im Rahmen ihrer On-Demand-Strategie hat die DW ihre englischsprachige Social-Media-Präsenz systematisch ausgebaut, diversifiziert und stärker regionalisiert, um den vielfältigen Bedürfnissen ihrer Zielgruppen in den verschiedenen Regionen gerecht zu werden. Als Teil dieser Neuausrichtung wurde der Umfang des englischsprachigen TV-Kanals reduziert. Inhalte werden nun vorrangig für digitale Ausspielwege produziert und anschließend im linearen Programm zweitverwertet. Durch die konsequente Ausrichtung auf plattformgerech te und regional relevante Inhalte konnte die DW ihre Reichweite im englischsprachigen Raum erneut steigern. Wie auch im vorherigen Evaluationszeitraum war es das erfolgreichste Angebot der DW. – Das deutschsprachige Angebot ist für das Selbstverständnis der DW von großer Bedeutung. Es bietet leicht verständliche Informationen, um sowohl Deutschsprechende als auch -lernende außerhalb der DACH- Region weltweit gezielt zu erreichen. 2024 stellte die DW gänzlich auf ein digitales, multimediales Angebot um und stellte den deutschsprachigen TV-Kanal ein. Um die Effizienz zu steigern, hat die DW auch ihre deutschsprachigen Social-Media-Aktivitäten gebündelt. Diese Neuausrichtung optimiert das Angebot und steigert dessen Wirksamkeit. Inhaltlich setzt das deutschsprachige Angebot auf Hintergründe, Analysen und Faktenchecks zu aktuellen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt. Trotz des reduzierten Portfolios erzielt die DW mit ihrem deutschsprachigen Angebot beachtliche Reichweiten. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 14 – – Das arabischsprachige Angebot der DW hat sich über Jahre hinweg als eine der wichtigsten medialen Stimmen in der MENA-Region (Middle East and North Africa, Nahost/Nordafrika) etabliert. Trotz einer Vertrauenskrise internationaler Medienanbieter in der Region, dem Wegfall lokaler Partnerschaften sowie der veränderten Wahrnehmung Deutschlands im Zuge des Nahostkonflikts, die einen vorübergehenden Rückgang in der Gesamtnutzung zur Folge hatten, bleibt das Angebot ein zentraler Bestandteil der internationalen DW-Präsenz. In einem herausfordernden Umfeld ist das unabhängige, journalistisch hochwertige Angebot in arabischer Sprache notwendig und relevant – gerade in Zeiten, in denen verlässliche Informationen und ausgewogene Berichterstattung in der Region schwer zugänglich sind. – In Lateinamerika festigt die DW ebenfalls ihre Rolle als unabhängige, glaubwürdige Informationsquelle. Durch gezielte Regionalisierung, eine plattformübergreifende Strategie und die konsequente Ausrichtung auf zentrale Themen wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte konnten sowohl DW Español als auch das portugiesischsprachige Angebot für Brasilien ihre Reichweiten und Relevanz in der Region deutlich ausbauen. Digitale Kanäle fungieren dabei als zentrale Wachstumstreiber. Die DW leistet damit einen substanziellen Beitrag zur Förderung von Meinungsvielfalt und Pressefreiheit in Lateinamerika und stärkt zugleich ihre Position als relevanter Akteur im internationalen Medienumfeld. – In Subsahara-Afrika befindet sich die Medienlandschaft und -nutzung in einem dynamischen Wandel. Soziale Medien entwickeln sich rasant zu zentralen Informations- und Kommunikationsplattformen, insbesondere für junge, städtische Zielgruppen. Die DW hat ihr Angebot für Afrika in den vergangenen Jahren daher konsequent verstärkt, regionalisiert und dem Mediennutzungsverhalten angepasst. Insgesamt hat sie 19 Zielländer in Subsahara-Afrika priorisiert und produziert maßgeschneiderte Programme für TV, Radio und Online in sechs Sprachen: Amharisch, Englisch, Französisch, Haussa, Kisuaheli und Portugiesisch. Diese Strategie zeigt Wirkung, denn Subsahara-Afrika war erneut das nutzungsstärkste Zielgebiet der DW. – In Asien ist die DW mit neun regionalen Sprachangeboten sowie englischsprachigen Angeboten für Asien aktiv und konnte ihre Präsenz trotz politischer Instabilität, Zensur und schwieriger Rahmenbedingungen weiter ausbauen. Für die priorisierten Zielmärkte in Asien setzt die DW auf regional relevante Inhalte sowie einen zunehmend digitalen Medienmix. Besonders über soziale Medien und Partnerplattformen konnte sie neue Zielgruppen erschließen. Zudem wurde durch ihre regionale Präsenz und den Ausbau des Netzwerks lokaler Mitarbeitender die strukturelle Basis gestärkt. Obwohl die Arbeit der DW in Ländern wie China, Iran oder Afghanistan stark eingeschränkt oder verboten ist, konnte sie die Nutzung relativ stabil halten. In einem Umfeld wachsender autoritärer Kontrolle erfüllt die DW damit auch in Asien ihre Rolle als unabhängige Informationsquelle. – Die DW betreibt mehrere Angebote für Russland, die Ukraine und Osteuropa. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Bedeutung unabhängiger journalistischer Angebote in diesem Raum nochmals erheblich gesteigert. Das mediale Umfeld ist zunehmend geprägt von staatlicher Zensur, Propaganda und Repression. 2022 musste die DW ihr Büro in Moskau auf Anordnung der Regierung schließen und ihre redaktionelle Arbeit aus dem Exil fortsetzen. Ihre Inhalte sind in Russland blockiert, und sie wurde als sogenannter „ausländischer Agent“ eingestuft. In der Ukraine konnte die DW ihre Präsenz durch den Ausbau des Studios in Kyjiw stärken, auch wenn die Pressefreiheit unter den Kriegsbedingungen eingeschränkt bleibt. Belarus bleibt ebenfalls ein Schwerpunkt, da unabhängiger Journalismus dort kaum noch möglich ist. Trotz dieser Herausforderungen verzeichnet die DW eine hohe Nutzung ihrer russischen und ukrainischen Angebote – insbesondere über weitgehende zensurresistente Plattformen wie Telegram und YouTube. – Auch in Mittelost- und Südosteuropa bleibt die DW eine unverzichtbare Anbieterin unabhängiger Informationen – insbesondere angesichts anhaltender Einschränkungen der Pressefreiheit und des wachsenden Einflusses autoritärer Akteure in zahlreichen Zielländern. Die Entwicklungen in der Türkei, Serbien und Ungarn – Ungarisch ist eine im Evaluationszeitraum neu hinzugekommenen Sendesprache – sind dabei besonders besorgniserregend: staatliche Kontrolle, Zensur, Einschüchterung von Medienschaffenden und gesetzliche Repressionen schränken die Medienfreiheit massiv ein. Die DW setzt mit faktenbasierter Berichterstattung ein Gegengewicht zur oft einseitigen Berichterstattung nationaler Medien. Während das Fernsehen vielerorts weiterhin eine zentrale Rolle spielt, setzt die DW zunehmend auf digitale Formate und soziale Medien, um insbesondere junge Zielgruppen zu erreichen und ihnen unabhängige Informationen zugänglich zu machen. Zur Förderung der deutschen Sprache bietet die DW neben ihren journalistischen Inhalten ein umfangreiches, Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 15 – kostenloses sowie zeit- und ortsunabhängig nutzbares Bildungsangebot für Deutschlernende und -lehrende weltweit. Es beinhaltet multimediale, interaktive Inhalte für alle Sprachniveaus, berufsspezifische Kurse und didaktisch aufbereitete Nachrichten. Es vermittelt neben Sprachkenntnissen auch Wissen über Deutschland, seine Werte und Kultur. In den letzten Jahren wurde es kontinuierlich inhaltlich und technisch modernisiert, für die mobile Nutzung optimiert und Social-Media-Angebote für jüngere Zielgruppen ausgebaut. Die Zahl der registrierten Nutzenden für die zentrale Lernplattform learngerman.dw.com wächst kontinuierlich und das Deutschlernangebot der DW erhält sehr positives Feedback von Deutschlernenden und -lehrenden. – Die DW betreibt kontinuierlich Wirkungsforschung, um ihre Inhalte gezielt weiterzuentwickeln. Studien belegen, dass sie zur Förderung von Informationsfreiheit, Meinungsbildung und demokratischen Werten beiträgt – selbst unter schwierigen politischen Bedingungen. Ihre unabhängigen, faktenbasierten Inhalte stärken Wissen, Medienkompetenz, Dialogbereitschaft und gesellschaftliche Teilhabe. Nutzerinnen und Nutzer verarbeiten DW-Inhalte, nutzen sie zur Meinungsbildung und zeigen mehr Selbstbewusstsein in Diskussionen sowie eine starke Unterstützung demokratischer Prinzipien. Gleichzeitig identifizierte die Evaluation Potenziale, etwa im Ausbau dialogorientierter Formate. Um ihre Wirkung besser zu verstehen, hat die DW ihre Forschungsmethoden um qualitative und experimentelle Ansätze erweitert – mit dem Ziel, künftig auch die Wirkung konstruktiver Berichterstattung noch gezielter zu untersuchen. – Für die DW ist Nachhaltigkeit ein strategisches Querschnittsthema – sowohl im journalistischen Profil als auch im unternehmerischen Handeln. Mit Formaten wie Global Ideas, Planet A oder Eco Africa setzt die DW weltweit Impulse für Umwelt- und Klimaschutz. Gleichzeitig verfolgt sie ambitionierte Klimaziele im eigenen Betrieb: Zwischen 2019 und 2022 konnten die Treibhausgasemissionen um 60 % gesenkt werden. Die DW ist zudem Mitglied internationaler Nachhaltigkeitsnetzwerke wie dem UN SDG Media Compact. Sie entwickelt ihr Nachhaltigkeitsmanagement kontinuierlich weiter – unter anderem durch ein systematisches Monitoring, die Einführung eines Energiemanagementsystems und die Förderung ökologischer Produktionsstandards. Auch soziale Nachhaltigkeit wird aktiv gestaltet – etwa durch Maßnahmen zu Diversität, Gleichstellung und werteorientierter Unternehmensführung. – Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Katalysator für den digitalen Wandel innerhalb der DW und beschleunigte die Transformation hin zu einer modernen, flexiblen Arbeitskultur. Zur kontinuierlichen Verbesserung und Anpassung der Arbeitsbedingungen an eine zunehmend globalisierte und digitale Arbeitswelt wurden Projekte und Prozesse im Bereich New Work und Diversity, Equity and Inclusion (DEI) durchgeführt. Zentrale Elemente waren die Förderung von Veränderungsfähigkeit als Schlüsselkompetenz, die Stärkung agiler Arbeitsweisen sowie gezielte Formate zur Beteiligung und Vernetzung der Mitarbeitenden. Zudem wurden flexible Arbeitsmodelle, neue Raumkonzepte und eine zeitgemäße Führungskultur etabliert. Mit Roadshows, Beratungsangeboten und interdisziplinärer Zusammenarbeit wurde der Kulturwandel im gesamten Unternehmen verankert – als Grundlage für eine diverse, digitale und zukunftsfähige Arbeitswelt. Die DW Akademie ist integraler Bestandteil der DW, denn die Ziele aus der Aufgabenplanung lassen sich nur im Zusammenspiel aus journalistischen Angeboten und Medienentwicklungszusammenarbeit erfüllen. Während sich die DW auf redaktionelle Inhalte konzentriert, liegt der Schwerpunkt der DW Akademie auf projektfinanzierter Medienentwicklungszusammenarbeit. Im Rahmen dieser Evaluation werden die strategischen Grundlagen, Rahmenbedingungen und Aktivitäten der DW Akademie dargestellt. Die detaillierten Projektevaluationen erfolgen in Abstimmung mit den jeweiligen Mittelgebern und wurden diesen bereits separat übermittelt. Der vorliegende Bericht fasst daher ausschließlich die wichtigsten Ergebnisse dieser Evaluationen zusammen. – Im Evaluationszeitraum konnte die DW Akademie ihre Rolle als eine der weltweit führenden Organisationen im Bereich der Medienentwicklung weiter festigen. Seit der strategischen Neuausrichtung auf langfristige, wirkungsorientierte Projekte ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der wichtigste Auftraggeber. Die Evaluationen belegen die hohe Wirksamkeit der DW Akademie in den Partnerländern. Im Jahr 2025 ist sie gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in rund 70 Ländern aktiv. Dabei arbeitet sie in zentralen Handlungsfeldern, unter anderem mit innovativen Ansätzen zur Förderung von Medienkompetenz und zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit von Medienhäusern. Auch die beiden Masterstudiengänge International Media Studies und Master francophone en journalisme international tragen maßgeblich zur Wirkung der Akademie bei. – Die weltweiten Herausforderungen im Bereich Meinungsfreiheit und Medienpluralismus haben auch die Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 16 – Entwicklungszusammenarbeit stark geprägt. Deutschland hat in den vergangenen Jahren seine Unterstützung für freie Mediensysteme in Partnerländern zunächst ausgeweitet und anschließend auf einem stabilen Niveau konsolidiert. Vor dem Hintergrund der immer komplexeren Aktivitäten der DW Akademie sowie den globalen Krisen, insbesondere der gezielten Desinformationskampagnen autoritärer Regime und der hybriden Kriegsführung Russlands ergibt sich der Bedarf nach einer strukturellen Grundfinanzierung. Die Einstellung der amerikanischen Entwicklungsbehörde United States Agency for International Development (USAID) und die massiven Kürzungen bei USAGM haben die internationale Verantwortung der DW als Informationsanbieterin und die der DW Akademie als globale Medienentwicklerin nochmals erhöht. Die Evaluation zeigt auch auf, vor welchen Herausforderungen die DW steht und in Zukunft stehen wird. In Zeiten von Desinformation und fragmentierter Mediennutzung kommt dem dialogischen Austausch mit der Zielgruppe umso mehr Bedeutung zu. Die Fokussierung und Professionalisierung der Angebote wird weiterhin erforderlich sein, um auf zunehmend fragmentierten und personalisierten Plattformen konkurrenzfähig zu bleiben. Die Ergebnisse dieser Evaluation werden in die Aufgabenplanung der Jahre 2026–2029 einfließen. Das gewährleistet, dass die DW ihre Angebote kontinuierlich an die wichtigsten Veränderungen in den Märkten anpasst. Denn auch in Zukunft wird sich die DW neuen Herausforderungen in ihren Zielländern stellen müssen, um mit vielfältigen Programmangeboten den Menschen unabhängige Informationen zu liefern und die freie Meinungsbildung zu unterstützen. Ebenso wird die DW Akademie mit ihren Projekten die demokratische Entwicklung von Mediensystemen in aller Welt fördern. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 17 – 1 Rahmenbedingungen des deutschen Auslandsrundfunks Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Informationskrieg: Im März 2022 wurde der Fernsehturm in Kyjiw von einer russischen Rakete getroffen. Pa ve l N em ec ek /C TK /d pa /p ic tu re a lli an ce Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 18 – 1 Rahmenbedingungen des deutschen Auslandsrundfunks In den vergangenen vier Jahren hat sich die weltpolitische Lage weiter polarisiert. Weltweit spitzten sich geopolitische Konflikte zu – autoritäre Regime gewannen an Einfluss und demokratische Strukturen gerieten unter Druck. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der daraus resultierende Gaza-Krieg sowie die Eskalation zwischen Iran und Israel stellen tiefgreifende Einschnitte in der internationalen Ordnung dar. Auch die zweite Trump-Administration und der Rückzug der USA als ordnungsstiftender Hegemon markieren eine Zäsur mit weitreichenden Auswirkungen auf das globale Machtgefüge. Humanitäre Krisen, wie etwa im Jemen, Somalia und dem Sudan, sowie Dürren und Überschwemmungen infolge des Klimawandels und die wachsende Ernährungsunsicherheit in vielen Regionen der Welt verdeutlichen die zunehmende Fragilität globaler Strukturen. Manche Regionen sind von intensiven bewaffneten Auseinandersetzungen betroffen, mit hohen Opferzahlen und massiven Fluchtbewegungen. Auch haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie strategisch autoritäre Regime und populistische Bewegungen weltweit gegen unabhängige Medien vorgehen – bis hin zu vollständiger Zensur.2 In Ländern wie Russland, Iran oder China werden oppositionelle Stimmen systematisch unterdrückt, aber auch in demokratischen Ländern wie den USA geraten rechtsstaatliche Institutionen zunehmend unter Druck. In vielen Ländern werden unabhängige Medien massiv eingeschränkt oder durch staatlich kontrollierte Narrative ersetzt. Autokratien schotten ihre digitalen Räume zunehmend ab, zensieren Inhalte, blockieren Plattformen oder schalten das Internet ganz ab. Antidemokratische Kräfte haben ihre Vorgehensweise zur Beeinflussung der öffentlichen Meinungsbildung weiter verfeinert. Längst geht es nicht mehr nur um die Unterdrückung kritischer Berichterstattung – vielmehr wird ein paralleler Informationsraum geschaffen, über den gezielt Desinformation verbreitet wird. Autoritäre Regime nutzen globale Krisen zudem zur Destabilisierung demokratischer 2 Siehe Exkurs 1. Gesellschaften, von der Beeinflussung von freien Wahlen bis hin zum Instrumentarium hybrider Kriegsführung.3 Die anhaltende russische Invasion in der Ukraine sowie die Eskalation im Nahen Osten haben eine neue geopolitische Realität geschaffen. In dieser Ordnung formieren sich autoritäre Staaten zu strategischen Allianzen, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ideologische Interessen teilen. Gemeinsame Nenner sind die Ablehnung liberaler Werte, die Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit sowie die gezielte Diskreditierung von Minderheitenrechten – insbesondere gegenüber Frauen und LGBTQIA+- Personen. Autoritäre Kräfte nutzen zunehmend digitale Technologien, insbesondere auch durch KI generierte Inhalte, um Desinformation zu verbreiten und öffentliche Debatten zu manipulieren. Auch die Deutsche Welle (DW) war Zielscheibe von Desinformation und wurde in Zielgebieten zensiert. Als Stimme für Menschenrechte und Pressefreiheit wurde sie von Akteuren wie dem russischen Regime, der iranischen Führung oder den rechtspopulistischen Bewegungen in Europa angegriffen. Die DW reagierte auf diese Entwicklungen mit einer klaren Positionierung als unabhängige Informationsanbieterin, mit journalistischer Klarheit und starker Faktenorientierung, etwa durch den Fokus auf das Thema Fact-Checking.4 Auch auf das Wiedererstarken des Antisemitismus reagierte die DW umfassend und setzte einen zehn-Punkte-Maßnahmenplan um und verschärfte ihren Code of Conduct, der für alle Mitarbeitenden verpflichtend einzuhalten ist.5 Angesichts weltweit immer stärker polarisierter Gesellschaften steht die DW insbesondere für freie Meinungsbildung, faktenbasierte Berichterstattung und demokratische Werte. Denn inmitten dieser Herausforderungen bleibt die Mission der DW klar: Faktenbasiert berichten, Stimmen hörbar machen, die sonst zum Schweigen gebracht werden, und für Werte eines freien, demokratischen 3 BMVg 2025. 4 Siehe Exkurs 5. 5 Siehe Kapitel 4.2. Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Informationskrieg: Im März 2022 wurde der Fernsehturm in Kyjiw von einer Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 19 – Europas einzustehen. In einem Umfeld zunehmender Zensur und Propaganda bietet die DW mit ihren 32 Sprachangeboten verlässliche Informationen und ermöglicht Debatten, die in den jeweiligen Zielländern oft nicht mehr möglich sind. Der vorliegende Bericht dokumentiert, wie die DW ihre Rolle als Stimme der Freiheit in einer zunehmend autoritär geprägten Welt wahrnimmt – und welchen Beitrag sie zur Stärkung demokratischer Diskurse leistet. 1.1 Medienanbieter unter Druck: Unabhängige Bericht erstattung in Zeiten von Krieg und Desinformation Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Europa in seinen Grundfesten erschüttert. Er stellt einen eklatanten Bruch des Völkerrechts dar und gilt als die schwerwiegendste militärische Aggression in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die europäische Sicherheitsordnung wurde dadurch massiv destabilisiert – grundlegende Prinzipien wie Souveränität, territoriale Integrität und friedliche Konfliktlösung wurden missachtet.6 Die humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheerend.7 Als internationales Medienunternehmen ist die DW ebenfalls von den Auswirkungen des Krieges betroffen. So war die DW verstärkten Repressionen durch Russland ausgesetzt – von der Einstufung als „ausländischer Agent“ über die Blockade der DW-Webseiten bis hin zur Zwangsschließung des Studios in Moskau im Februar 2022. Aktuell arbeitet sie aus dem Exil in Riga, berichtet aber auch aus dem Kriegsgebiet. DW-Mitarbeitende sind dabei den enormen Gefahren der Kriegsberichterstattung ausgesetzt, wie der Fall eines DW- Kameramanns zeigt, der bei Dreharbeiten in der Donbas- Region unter russischen Artilleriebeschuss kam und von einem Splitter aus Streumunition getroffen wurde.8 Auch in Belarus verschärfte sich die Lage in den letzten Jahren. Im April 2024 wurde die DW von den dortigen Behörden als „extremistische Organisation“ eingestuft – ein 6 OSCE 2022. 7 HRW 2025a. 8 DW 2023a. Übergriffe auf DW-Mitarbeitende fanden in den letzten Jahren zudem unter anderem in Bangladesch, Brasilien, Georgien, Kenia, Libanon und Deutschland statt. drastischer Schritt, der nicht nur die Arbeit der Redaktion kriminalisierte, sondern auch den Zugang zu unabhängigen Informationen für die belarussische Bevölkerung weiter einschränkte. Die systematische Diffamierung ist Ausdruck eines autoritären Gegendrucks, der auf die Glaubwürdigkeit und Reichweite der DW zielt. Die DW verurteilte diese Entscheidung aufs Schärfste und setzt sich weiterhin für Pressefreiheit und Menschenrechte ein – in Belarus, Russland und weltweit. Dabei profitiert die DW davon, dass ihre Reporterinnen und Reporter vor Ort sind, dort recherchieren und authentische Inhalte in der Region produzieren können. So stellt sie die Berichterstattung aus Kriegs- und Krisenregionen sicher. Auch aus dem Exil heraus gewährleisten DW-Teams weiterhin eine unabhängige Berichterstattung. In einer Zeit geopolitischer Spannungen und grundlegender Verschiebungen in der internationalen Sicherheitsarchitektur vermittelt die DW deutsche und europäische Perspektiven und bildet ein unverzichtbares Gegengewicht zu Desinformation und autoritärer Einflussnahme. In einem Großteil der DW-Zielländer haben sich die Eingriffe in die Medienlandschaft im Berichtszeitraum weiter verschärft. Die Maßnahmen reichen von gesetzlichen Restriktionen über wirtschaftlichen Druck bis hin zu gezielter Einschüchterung von Medienschaffenden und betreffen zunehmend auch die DW selbst. Länder wie der Iran, Venezuela oder Burkina Faso blockierten oder zensierten DW- Inhalte. So folgte der Berichterstattung über mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen und Massentötungen von Zivilistinnen und Zivilisten durch das Militär von Burkina Faso 2024 die Sperrung der DW-Webseite dw.com in dem Land. Die Regierung reagierte mit Zensur statt Aufklärung – ein Muster, das sich in vielen Ländern wiederholt. In der Türkei wurde der Zugang zu DW-Inhalten blockiert, zum 31. Juli 2025 jedoch wieder freigeschaltet. 2023 wurde auch ein DW-Korrespondent wegen einer kritischen Nachricht auf X zu einer Bewährungsstrafe verurteilt9 – ein alarmierendes Signal für die Pressefreiheit in einem Land, das sich zunehmend von demokratischen Standards entfernt. Der Rückzug der internationalen Truppen aus Afghanistan im Sommer 2021 markierte nicht nur einen geopolitischen Wendepunkt – er bedeutete auch für die DW eine Zäsur. Angesichts der dramatischen Sicherheitslage und der gezielten Bedrohung von Medienschaffenden durch die Taliban war die DW gezwungen, ihre Präsenz vor Ort drastisch zu reduzieren. Unter schwierigsten Bedingungen ist es der DW gelungen, afghanische Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu evakuieren. Die DW investiert weiter in das 9 DW 2023b. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 20 – Berichtsgebiet, um den Zugang zu freien Informationen selbst in dieser prekären Situation sicherzustellen. Diese besonders schwerwiegenden Eingriffe in die Medienlandschaft der letzten Jahre verdeutlichen eindrücklich, wie unverzichtbar eine unabhängige Presse für Gesellschaften ist. Gerade in Zeiten von Krisen, Konflikten und Desinformation kommt ihr eine zentrale Rolle zu: Sie schafft Transparenz, ermöglicht öffentliche Debatten und schützt die Meinungsfreiheit. Die Berichterstattung durch unabhängige Medienanbieter weltweit ist ein hohes Gut und Voraussetzung für demokratische Entwicklungen. Die jüngsten Ereignisse um die De-facto-Einstellung der amerikanischen Behörde für internationale Medienarbeit, US Agency for Global Media (USAGM), mit ihren zugehörigen Sendern wie Voice of America (VOA), Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) und Radio Free Asia (RFE) sind daher mit Blick auf den Stand der Meinungs- und Medienfreiheit weltweit besorgniserregend.10 Trotz der strategischen Bedeutung ihrer Arbeit in autoritär geprägten Regionen sah sich USAGM mit massiven strukturellen Kürzungen konfrontiert. US-Präsident Donald Trump hatte im März 2025 verfügt, dass die Organisation bis auf das gesetzlich festgelegte Minimum ausgehöhlt werden sollte. USAGM-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter wurden mit sofortiger Wirkung beurlaubt und sollen nach Plänen der Trump-Regierung zu über 90 % entlassen werden – ein Schritt, der faktisch die Zerschlagung der US- Auslandsmedien bedeutet. Dabei war gerade ihre Rolle als Trägerin der oben genannten Sender zentral für die Informationsfreiheit in vielen repressiven Staaten. USAGM erreichte zuletzt 427 Millionen Menschen wöchentlich in 63 Sprachen in über 100 Ländern und verfügte weltweit über tausende Partnermedien, die nun nicht mehr mit Inhalten versorgt werden. Autoritäre Staaten mit ihren Auslandsmedien nutzen diese Lücke und machen gezielte Angebote für neue Distributionspartnerschaften. Mit USAGM verband die DW ein enger Austausch in der DG811, eine Gruppe der demokratisch geprägten internationalen öffentlich-rechtlichen Auslandssender, zu denen auch BBC World Service und France Médias Monde (FFM) gehören. Ebenso tauschten sich die Sender intensiv im Bereich der Umgehung digitaler Zensurmaßnahmen aus. Welche Zusammenarbeit mit USAGM in Zukunft 10 Siehe Kapitel 1.6. Im Bericht wird die Entwicklung von USAGM abschließend bis zum 15.06.2025 für die DW-Zielregionen weltweit behandelt. Weitere Entwicklungen nach diesem Datum können aufgrund des Redaktionsschlusses nicht abgebildet werden. 11 Siehe Glossar. noch möglich sein wird, lässt sich zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch nicht abschätzen. Der Fall von USAGM ist Teil eines globalen Trends: Die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und der Rechtsruck in Demokratien gehen oft mit einer Schwächung öffentlichrechtlicher Medien einher. In Großbritannien etwa steht die BBC unter politischem Druck, in anderen Ländern wird die Glaubwürdigkeit etablierter Medien systematisch untergraben. Solche Entwicklungen haben dramatische Folgen für die Demokratie und unvorhersehbare Auswirkungen auf verschiedene Weltregionen, in denen der Zugang zur freien Presse und dem freien Internet ohnehin eingeschränkt ist. Entwicklungen wie der Rückzug der USA als Verfechterin der Medien- und Pressefreiheit stärken autoritäre Regime weltweit. Vielerorts entsteht ein gefährliches Informationsvakuum. Russland, China, die Türkei und andere autoritäre Staaten nutzen diese Dynamik gezielt aus und investieren nach wie vor enorme Summen in ihre Auslandsmedien. Sie verbreiten Narrative, die liberale Demokratien als schwach und autoritäre Herrschaftsformen als stabile Alternativen darstellen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen in vielen Regionen und der zunehmenden Präsenz autoritärer Staaten in der internationalen Medienlandschaft kommt den europäischen Auslandssendern eine besondere Aufgabe zu. Für die DW bedeutet dies mehr denn je, eine unverzichtbare, unabhängige Informationsquelle und Gegengewicht zu weltweit fortschreitender autoritärer Einflussnahme im Informationsraum zu sein. 1.2 Medien- und Meinungsfreiheit auf historischem Tiefpunkt Das Jahr 2025 markiert den bis dato dramatischsten Stand der Meinungs- und Pressefreiheit. Die weltweit äußerst fragile Sicherheitslage, wachsender Autoritarismus und zunehmender wirtschaftlicher Druck haben dazu geführt, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Staaten lebt, in denen unabhängige Berichterstattung kaum noch möglich ist (Abbildung 1). Die Lage in diesen Ländern ist laut der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RoG) „schwierig“ bis „sehr ernst“.12 In einem Großteil der DW-Zielländer haben sich die Eingriffe in die Medienlandschaft im Berichtszeitraum weiter verschärft. 12 RoG 2025a. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 21 – In mehreren Ländern wird die Pressefreiheit zudem durch restriktive Mediengesetze und Zensurmaßnahmen untergraben.13 Besonders auffällig ist die Entwicklung in Indien, das 2024 mit 84 registrierten Internetabschaltungen führend unter den demokratischen Staaten ist.14 Der afrikanische Kontinent erreichte 2024 ebenfalls einen Rekordwert mit über 32 Internetabschaltungen in 18 Ländern.15 Zunehmend greifen Regierungen weltweit auch zu sogenannten „ausländischen Agentengesetzen“, um unabhängige Medien, zivilgesellschaftliche Organisationen und Journalistinnen und Journalisten zu kontrollieren und zu 13 Siehe Exkurs 1. 14 Access Now 2025a. 15 Ebd. Burundi, Äthiopien, Äquatorialguinea, Kenia, Komoren, Guinea-Bissau, Mauritius, Guinea, Nigeria, Senegal, Tansania, Sudan, Tschad, Mauretanien, Uganda, Algerien, Ruanda, Mosambik. diskreditieren. Die Gesetze verpflichten Akteure mit ausländischer Finanzierung zur Registrierung als „ausländischer Agent“, meist verbunden mit stigmatisierenden Auflagen, finanzieller Benachteiligung und staatlicher Überwachung. Ursprünglich in Russland eingeführt, wurden ähnliche Gesetze inzwischen auch in Georgien, Ungarn, Serbien und weiteren Ländern verabschiedet oder sind geplant. Auch China hat seine digitale Überwachungs- und Zensurinfrastruktur weiter ausgebaut. Die Internetüberwachung zählt zu den repressivsten weltweit und wird durch neue gesetzliche Regelungen wie beispielsweise ein nationales digitales Personalausweissystem zur besseren Überwachung sowie durch die systematische Löschung Abbildung 1: Lage der Pressefreiheit weltweit Stand 2025. Quelle: Eigene Darstellung und Farbgebung nach Reporter ohne Grenzen. Erkennbare Probleme Schwierig Sehr ernst Gut Zufriedenstellend Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 22 – regierungskritischer Inhalte weiter intensiviert.16 Weltweit sehen sich Journalistinnen und Journalisten zudem zunehmender Einschüchterung, Gewalt und juristischer Verfolgung ausgesetzt. In der Sahelzone zwingt die fragile Sicherheitslage Redaktionen zur Schließung oder ins Exil, wie etwa in Burkina Faso und Mali. In Myanmar, Afghanistan und Hongkong wurden unabhängige Medien ebenfalls systematisch zerschlagen. Im Iran halten Verhaftungen und Repressionen den Druck auf unabhängige Medien aufrecht. In Bangladesch kam es zwischen 2024 und 2025 in über 74 Fällen zu körperlicher Gewalt und zu über 100 Morddrohungen gegen Journalistinnen und Journalisten. Auch in der Türkei eskalierte die Lage im März 2025: Bei Protesten gegen die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters wurden mindestens zehn Journalistinnen und Journalisten von Sicherheitskräften angegriffen.17 Die gezielte Kombination aus wirtschaftlichem Druck, repressiven Gesetzen, digitaler Kontrolle und physischer Einschüchterung führt weltweit zu einer systematischen Schwächung unabhängiger Medien. Wo Journalistinnen und Journalisten bedroht, Redaktionen geschlossen und kritische Stimmen zum Schweigen gebracht werden, verengt sich der öffentliche Diskurs zunehmend. Wichtige Themen wie Korruption, Machtmissbrauch 16 Biometric Update.com 2025. 17 RoG 2025b. oder Minderheitenrechte verschwinden aus der Berichterstattung. Statt pluralistischer Debatten dominieren staatlich gelenkte Narrative, mit gravierenden Folgen für die demokratische Meinungsbildung und die gesellschaftliche Teilhabe. Während klassische Zensur weiterhin in Ländern wie China, Iran oder Russland dominiert, setzen viele Regierungen heute auf subtilere, aber ebenso wirksame Mittel: Ökonomische Einschränkung statt offener Repression. Laut Reporter ohne Grenzen kämpfen Medien in 160 von 180 Ländern mit finanziellen Schwierigkeiten und stehen vor der Schließung.18 Allein im vergangenen Jahr wurden in fast einem Drittel der Länder Redaktionen aufgrund von massivem staatlichem Druck eingestellt. Besonders problematisch ist die Konzentration von Medienbesitz: In 46 Ländern kontrollieren wenige, oft regierungsnahe Akteure große Teile der Medienlandschaft, etwa in Georgien, Vietnam, Ägypten oder Venezuela. Gleichzeitig entziehen globale Tech-Konzerne den klassischen Medienhäusern wichtige Werbeeinnahmen, wodurch eine doppelte wirtschaftliche Belastung entsteht, die die unabhängige Berichterstattung zusätzlich bedroht. Gerade mit Blick auf diese Entwicklung stellt die DW eine viel gefragte und essenzielle Ergänzung dar. 18 RoG 2025a. Eine UN-Friedenssoldatin und Journalistin Mariel Mülller teilen sich ein Fahrzeug – geschützt durch Helm und Weste, verbunden durch ihre Mission in Beni im Osten der DR Kongo. © Das Bild zeigt eine UN- Friedenssoldatin und die Journalistin Mariel Müller in einem Fahrzeug. Beide tragen Helme und Schutzwesten. Die Weste der Soldatin ist blau und trägt die Aufschrift UN. Mariel Müller hält eine Kamera in der Hand. Im Hint rgrund sind Palmen zu sehen. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 23 – 1.3 Digitale Transformation als Herausforderung und Chance Die Digitalisierung bleibt eine zentrale Herausforderung – und zugleich eine große Chance für die DW und andere internationale Medienanbieter. In den vergangenen Jahren hat sich das Informationsverhalten weltweit weiter verändert: Plattformen wie X, Instagram und TikTok sowie die algorithmische Steuerung von Sichtbarkeit und Reichweite prägen zunehmend die Art, wie Menschen Informationen aufnehmen, teilen und bewerten. Die Geschwindigkeit, mit der Inhalte produziert und verbreitet werden, hat sich nochmals erhöht – ebenso wie die Fragmentierung der digitalen Öffentlichkeit. Die Verbreitung von Informationen ist heute so einfach wie nie: Ein Smartphone, ein Algorithmus, ein virales Video und Millionen Menschen können erreicht werden. Gleichzeitig hat die Zahl der Anbieter explosionsartig zugenommen. Internationale Medienhäuser wie BBC World Service, France Médias Monde oder die DW konkurrieren nicht mehr nur mit nationalen Akteuren, sondern mit einer Vielzahl neuer, oft algorithmisch optimierter Informationsquellen. Viele der aktuellen Herausforderungen werden durch die Macht und die sich wandelnden Strategien konkurrierender Tech-Giganten – darunter soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Videoplattformen – verschärft. Einige dieser Unternehmen stufen Nachrichten- und politische Inhalte inzwischen bewusst zurück. Aus diesem Grund gestaltet sich die Platzierung journalistischer Inhalte zunehmend komplex; ihre Auffindbarkeit über Suchmaschinen unterliegt allein den Kriterien und Modellen kommerzieller Anbieter.19 Auf Social- Media- Plattformen bestimmen Algorithmen die Sichtbarkeit von Inhalten für die Nutzenden. Änderungen können hier drastische Auswirkungen haben, von denen auch die DW betroffen ist, wie beispielsweise bei Facebook.20 Im gleichen Zuge hat die Masse an manipuliertem Text- und Video-Content rapide zugenommen. Automatisierte Tools erlauben die schnellstmögliche Erstellung von Inhalten – auch mit hohem Manipulationspotenzial. Diese Quantität bringt nicht automatisch mehr Perspektiven. Im Gegenteil: Die algorithmische Personalisierung führt dazu, dass viele Nutzerinnen und Nutzer vor allem Inhalte sehen, die ihre 19 Reuters Institute for the Study of Journalism 2024a. 20 Zu den Auswirkungen der Änderungen des Meta-Algorithmus: Siehe Kapitel 4. bestehenden Überzeugungen bestätigen. Andere Meinungen – und deren Begründungen – werden ausgeblendet oder verzerrt dargestellt. Einige Plattformbetreiber wie Meta haben ihre Aktivitäten im Bereich Fact-Checking zur Überprüfung der Authentizität von Inhalten mittlerweile eingestellt.21 Zudem fluten internationale staatlich gesteuerte Medien das Internet mit Desinformation und Propaganda. So wächst die Gefahr durch sogenannte „Splinternets“ – die Aufspaltung des Internets in separate, voneinander abgegrenzte Netzwerke – durch Staaten, die ihre digitalen Räume zunehmend abschotten, das Internet drosseln oder ganz abschalten. Die Folge ist eine digitale Fragmentierung, die Desinformationskampagnen begünstigt und den Zugang zu unabhängigen Informationen erschwert. Für internationale Medien wie die DW wird es damit immer schwieriger, freie Inhalte in diese Räume zu bringen und demokratische Diskurse zu fördern. Die fortschreitende Digitalisierung und der gezielte Einsatz von KI sind zentrale Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit und Reichweite der DW im globalen Informationsraum.22 Zentrale Aufgabe ist es, mit journalistischen Angeboten sichtbar zu sein, Menschen Orientierung zu geben, sowie verlässliche und faktengeprüfte Informationen zur Verfügung zu stellen. Der Übergang von der Linearität in die Digitalität verlangt nicht nur, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren, sondern auch die DW zukunftssicher aufzustellen – offen für neue Technologien, Verbreitungswege, digitale Infrastruktur und internationale Kooperationen. Dafür gilt es auch, digitale Blockaden zu überwinden, sichere Zugänge über Virtual Private Networks (VPNs)23 zu schaffen und technische Lösungen zur Umgehung von Internetzensur weiterzuentwickeln. Diese Maßnahmen sind essenziell, um Menschen in autoritären Staaten weiterhin mit unabhängigen Informationen zu erreichen – eine Aufgabe, die Medienhäuser nicht allein bewältigen können. 21 The Guardian 2025. 22 Siehe Exkurs 2. 23 Siehe Glossar. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 24 – 1.4 Die DW im Überblick Die DW ist Deutschlands internationale Informationsanbieterin. Sie liefert Angebote in 32 Sprachen, die speziell auf ihre jeweiligen Zielregionen und Zielgruppen zugeschnitten sind. Um die freie Meinungsbildung der Nutzenden zu ermöglichen, bietet die DW verlässliche Informationen und schafft Foren für Dialog. Über eine unabhängige, ausgewogene Berichterstattung vermittelt sie freiheitlich-demokratische Werte und Praktiken in den Zielregionen, unterstützt freie Mediensysteme und fördert das Zusammenleben der Kulturen. Ziele, Programmgrundsätze und Struktur der DW leiten sich aus dem Deutsche- Welle-Gesetz (DWG) ab. Die DW hat als Auslandssender Deutschlands den Auftrag, Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat zu vermitteln. In journalistischer Unabhängigkeit setzt sie sich für Menschenrechte, Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit ein – Werte, für die Deutschland in der Welt steht. Die DW stärkt ihre Positionierung zudem über ein unternehmerisches Leitbild, eine klare Zielgruppendefinition sowie ihre Profilthemen. Das unternehmerische Leitbild (Abbildung 2) ist der Ausgangspunkt für alle Aktivitäten der DW. Als unabhängiges Medienunternehmen informiert die DW Menschen weltweit, damit sie sich frei entscheiden können. Mit ihrem ausgewogenen und verlässlichen Informationsangebot trägt sie zur Aufklärung, freien Meinungsbildung und Stärkung von Zivilgesellschaften bei – regionalisiert, dialogisch und multimedial. Dabei konzentriert sich die DW auf Themen wie Freiheit und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat, Welthandel und soziale Gerechtigkeit, gesundheitliche Aufklärung und Umweltschutz, Technologie und Innovation. Dazu passend beschäftigt sich die DW in ihrer Berichterstattung mit globalen Herausforderungen, die öffentliche Debatten bestimmen: die Folgen des Klimawandels, Ernährungs- und Energiesicherheit sowie Konflikte in verschiedenen Regionen. Mit ihrem Angebot richtet sich die DW insbesondere an Akteurinnen und Akteure der Meinungsbildung zwischen 14 und 40 Jahren. Sie sind Multiplikatoren neuer Ideen in Politik, Gesellschaft und Kultur und aktiver Teil des gesellschaftlichen Diskurses in den Zielgebieten. In Zeiten von Zensur und Angriffen auf die Meinungsfreiheit weltweit steht die DW für Zugang zu freien Informationen. Sie setzt dabei auf Abbildung 2: Das Leitbild der DW weltoen Freie Informationen für freie Entscheidungen fundiertkl ar Freiheit D ialog W iss en Unsere Mission Als unabhängiges, internationales Medienunternehmen aus Deutschland informieren wir Menschen weltweit, damit sie sich frei entscheiden können. Unsere Vision Die DW ist eine unverzichtbare digitale Informationsanbieterin, die mit On­Demand­fähigen, regionalisierten, dialogischen Angeboten ihre Nutzenden begeistert. Die DW Akademie ist die führende Medienentwicklerin aus Europa. Freie Informationen für freie Entscheidungen Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 25 – On-Demand24-fähige Angebote, die die Lebensrealität der Nutzenden abbilden. Die DW richtet ihren Fokus auf Zielgebiete, in denen Demokratie und Freiheit unter Druck stehen und in denen Konflikte sowie Spannungen eine verlässliche und aufklärende Berichterstattung erschweren. Auf diese Weise kann sie mit ihrem Markenkern „Freie Informationen für freie Entscheidungen“ die größte Wirkung erzielen. Um ihre priorisierten Zielländer25 festzulegen, bewertet die DW alle Länder der Welt nach einem umfassenden Set an Kriterien. Priorisiert werden Gebiete, die gekennzeichnet sind durch eine Gefährdung von Demokratie und Freiheit, ein hohes Konfliktniveau und die von hoher Relevanz für Deutschland sind. In diesen Ländern ist die verlässliche und aufklärende Berichterstattung aus deutsch- europäischer Perspektive der DW besonders wichtig. Zugleich wird bei der Priorisierung berücksichtigt, wie groß das Potenzial für die DW ist, mit ihren Angeboten eine große Anzahl von Menschen zu erreichen, um eine effiziente Mittelverwendung sicherzustellen. Gemäß § 4a DWG legt die DW für einen Zeitraum von vier Jahren in ihrer Aufgabenplanung fest, wie sie ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt und welche Schwerpunkte sie dabei im Zeitraum 2022–2025 setzt. Auf Basis der vorangegangenen Evaluation von 2021 sowie mit Blick auf ihre Mission und Vision hat die DW für diesen Zeitraum drei übergreifende strategische Unternehmensziele formuliert: 1. Die DW steigert ihre Reichweite von 289 Millionen auf 400 Millionen wöchentliche Nutzendenkontakte.26 2. Die DW erhöht die Relevanz ihrer Angebote. 3. Die DW stärkt den Dialog. Um diese Ziele zu erreichen, setzte sich die DW außerdem Schwerpunktthemen, die maßgeblich zur Erfüllung der strategischen Unternehmensziele beitrugen: Mit dem Ziel, die Relevanz ihrer Angebote für die Nutzenden in den jeweiligen Regionen zu erhöhen, lag der Fokus im Evaluationszeitraum auf der Produktion regionalisierter Inhalte.27 Da sich der Medienkonsum weltweit zunehmend in Richtung zeitsouveräner Nutzung verschiebt, hat die DW die On-Demand-Produktion gezielt ausgebaut. Zudem wurde ein Schwerpunkt auf Effizienz und Nachhaltigkeit 24 Siehe Glossar und Kapitel 3. 25 Zu Regionenpriorisierung: Siehe Kapitel 3. 26 Das Reichweitenziel wurde im Rahmen der Fortschreibung der Aufgabenplanung 2025 angepasst. Siehe Kapitel 4. Da die Erhebungsmetrik in den letzten Jahren aktualisiert wurde, wird im Folgenden der Begriff „Nutzende“ benutzt. 27 Siehe Kapitel 3. gesetzt, um wirksamer mit begrenzten Ressourcen umzugehen und zugleich ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung langfristig zu sichern.28 Mit dem Ziel, Vielfalt zu fördern und Innovation zu ermöglichen, wurde darüber hinaus eine inklusive und digitale Unternehmenskultur gefördert.29 Die Gestaltung der einzelnen Angebote der DW richtet sich maßgeblich nach den jeweiligen Nutzungsgewohnheiten und Informationsbedürfnissen ihrer Zielgruppen in den unterschiedlichen Regionen. In derzeit 32 Sendesprachen produzieren die Redaktionen Inhalte für alle digitalen und linearen Ausspielwege sowie für Plattformen, auf denen die DW vertreten ist (Abbildung 3). In allen Sprachen stellt sie ein umfangreiches multimediales Digitalangebot zur Verfügung.30 Daneben bietet sie lineare TV-Kanäle in drei Sprachen an: Englisch, Arabisch und Spanisch.31 Die DW strahlt außerdem einen russischsprachigen Kanal aus, der Teil des satellitengestützten Senderpakets Svoboda („Freiheit“) ist, das von Reporter ohne Grenzen am 5. März 2024 gestartet wurde. Der Sender wird über Eutelsat verbreitet und zudem live auf dw.com gestreamt. Darüber hinaus produziert die DW Radiosendungen in acht Sprachen. In strategischer Partnerschaft mit anderen Informationsanbietern entstehen außerdem Angebote unter den Marken +90, Info- Migrants und ENTR. Die DW kooperiert unter anderem eng mit dem französischen Auslandsrundfunk France Médias Monde (FMM).32 Des Weiteren können Deutschlernende auf ein umfangreiches Deutschlernangebot zurückgreifen.33 Weltweit lernen Menschen, auch Fachkräfte, die in Deutschland ihre Zukunft sehen, mit diesen digitalen Angeboten die deutsche Sprache. Mit ihrer unabhängigen Berichterstattung auf Grundlage von deutschen und europäischen Werten erreicht die DW wöchentlich 337 Millionen Menschen weltweit. Als eine der weltweit führenden Organisationen im Bereich der Medienentwicklungszusammenarbeit hat auch die DW  Akademie zahlreiche Aufgabengebiete. Sie bildet weltweit Medienschaffende aus, vermittelt Medienkompetenz und fördert die Entwicklung freier und unabhängiger Mediensysteme. 28 Siehe Kapitel 3 und Exkurs 4. 29 Siehe Exkurs 3. 30 Siehe Kapitel 4. 31 Das deutschsprachige Angebot wurde im Zuge einer Neuausrichtung der Ressourcenprioritäten zum 01.01.2024 eingestellt. Siehe Kapitel 4.8. 32 Siehe Kapitel 3 und 4. 33 Siehe Kapitel 4.9. Abbildung 3: Überblick über die TV-, Radio- und digitalen Angebote der DW in 32 Sprachen Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 26 – gesetzt, um wirksamer mit begrenzten Ressourcen umzugehen und zugleich ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung langfristig zu sichern.28 Mit dem Ziel, Vielfalt zu fördern und Innovation zu ermöglichen, wurde darüber hinaus eine inklusive und digitale Unternehmenskultur gefördert.29 Die Gestaltung der einzelnen Angebote der DW richtet sich maßgeblich nach den jeweiligen Nutzungsgewohnheiten und Informationsbedürfnissen ihrer Zielgruppen in den unterschiedlichen Regionen. In derzeit 32 Sendesprachen produzieren die Redaktionen Inhalte für alle digitalen und linearen Ausspielwege sowie für Plattformen, auf denen die DW vertreten ist (Abbildung 3). In allen Sprachen stellt sie ein umfangreiches multimediales Digitalangebot zur Verfügung.30 Daneben bietet sie lineare TV-Kanäle in drei Sprachen an: Englisch, Arabisch und Spanisch.31 Die DW strahlt außerdem einen russischsprachigen Kanal aus, der Teil des satellitengestützten Senderpakets Svoboda („Freiheit“) ist, das von Reporter ohne Grenzen am 5. März 2024 gestartet wurde. Der Sender wird über Eutelsat verbreitet und zudem live auf dw.com gestreamt. Darüber hinaus produziert die DW Radiosendungen in acht Sprachen. In strategischer Partnerschaft mit anderen Informationsanbietern entstehen außerdem Angebote unter den Marken +90, Info- Migrants und ENTR. Die DW kooperiert unter anderem eng mit dem französischen Auslandsrundfunk France Médias Monde (FMM).32 Des Weiteren können Deutschlernende auf ein umfangreiches Deutschlernangebot zurückgreifen.33 Weltweit lernen Menschen, auch Fachkräfte, die in Deutschland ihre Zukunft sehen, mit diesen digitalen Angeboten die deutsche Sprache. Mit ihrer unabhängigen Berichterstattung auf Grundlage von deutschen und europäischen Werten erreicht die DW wöchentlich 337 Millionen Menschen weltweit. Als eine der weltweit führenden Organisationen im Bereich der Medienentwicklungszusammenarbeit hat auch die DW Akademie zahlreiche Aufgabengebiete. Sie bildet weltweit Medienschaffende aus, vermittelt Medienkompetenz und fördert die Entwicklung freier und unabhängiger Mediensysteme. 28 Siehe Kapitel 3 und Exkurs 4. 29 Siehe Exkurs 3. 30 Siehe Kapitel 4. 31 Das deutschsprachige Angebot wurde im Zuge einer Neuausrichtung der Ressourcenprioritäten zum 01.01.2024 eingestellt. Siehe Kapitel 4.8. Abbildung 3: Überblick über die TV-, Radio- und digitalen Angebote der DW in 32 Sprachen 1.5 Finanzausstattung Die DW ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und hat die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Die DW und ihre Berichterstattung unterliegen damit der Rundfunkfreiheit. Die DW finanziert sich primär durch einen Zuschuss des Bundes, der aus dem Etat der Beauftragten bzw. des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stammt. Anders als die Landesrundfunkanstalten der ARD, das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und Deutschlandradio ist die DW nicht beitragsfinanziert.34 34 Darüber hinaus darf die DW geringe Werbeeinnahmen generieren. Zur Fokussierung ihrer Aufgaben innerhalb des gesetzlichen Rahmens erstellt die DW eine Aufgabenplanung für einen vierjährigen Zeitraum, in der sie Programmziele und Schwerpunktvorhaben darlegt. Planungsgrundlage sind die finanziellen Rahmendaten der Bundesregierung für den Zuschuss zur DW. Unter Einbeziehung von Stellungnahmen des Deutschen Bundestags, der Bundesregierung sowie aus der Öffentlichkeit beschließt der Rundfunkrat mit Zustimmung des Verwaltungsrates die Aufgabenplanung. Sie wird jährlich fortgeschrieben. Die Aufgabenplanung und ihre jährliche Fortschreibung sind zentrale strategische Steuerungsinstrumente für die DW. Um ihre Ziele zu erreichen und die Inhalte sowie deren Produktion und Verbreitung entsprechend zu optimieren, setzte die DW im Evaluationszeitraum zahlreiche Maßnahmen um. Herausfordernd waren dabei die finanziellen Rahmenbedingungen: Zwar gab es zu Beginn des Zeitraums der Griechisch Albanisch Bosnisch Bulgarisch Kroatisch Polnisch Rumänisch Serbisch Ungarisch Mazedonisch Türkisch Englisch Deutsch Spanisch Portugiesisch für Brasilien Arabisch Amharisch Englisch für Afrika Französisch für Afrika Haussa Kisuaheli Portugiesisch für Afrika Bengali Dari Hindi Indonesisch Paschtu Tamil Urdu Chinesisch Farsi Englisch für Asien Russisch Ukrainisch TV-Angebot via Distributionspartner Radio-Angebot via Distributionspartner Digitales Angebot Linearer TV-Kanal Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 27 – Aufgabenplanung im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr eine strukturelle Steigerung des Bundeszuschusses. Gleichzeitig sah sich die DW mit einer veränderten Weltlage und geopolitischen Einschnitten wie dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und seinen vielfältigen Auswirkungen konfrontiert und musste die Berichterstattung ausweiten. Zusätzlich stellte der Technologiewandel, regulatorische und gesetzliche Vorgaben, der Fachkräftemangel sowie die kostentreibenden Auswirkungen einer hohen Inflation die DW vor Herausforderungen. Vor diesen Hintergrund hat die DW ihre digitale Transformation in den vergangenen Jahren dennoch proaktiv und konsequent vorangetrieben und dabei Reichweite und Relevanz deutlich gesteigert. Aus einem ursprünglich deutschsprachig geprägten Auslandssender mit Kurzwelle, eigenen Relaisstationen und linearem TV-Angebot entstand über die Jahre ein internationaler Informationsanbieter mit einem multimedialen, regionalisierten On-Demand-Angebot in 32 Sprachen und über 3.000 Distributionspartnern. Damit positioniert sich die DW im internationalen Wettbewerb mit einer unabhängigen und ausgewogenen Berichterstattung aus deutscher und europäischer Perspektive. Der Bund erkannte den wichtigen Beitrag der DW zur weltweiten Informations- und Meinungsfreiheit an und stabilisierte die Finanzierung der DW, was angesichts eines fehlenden Mechanismus zum Ausgleich moderater Tarifsteigerungen notwendig war. Der Bundeszuschuss stieg gegenüber der letzten Aufgabenplanung 2021 von 396 Millionen Euro auf 411 Millionen Euro im Jahr 2024 und damit um 15 Millionen Euro an. Über den Bundeszuschuss hinaus erhielt die DW zweckgebundene Projektförderungen. Diese werden oftmals erst unterjährig gewährt und betrugen 2024 6,7 Millionen Euro. 2025 sind für die DW 5,3 Millionen Euro und für die DW Akademie 28,1 Millionen Euro geplant. Für 2025 wurde eine weitere strukturelle Erhöhung des Bundeszuschusses gegenüber 2024 um 15 Millionen Euro auf 425,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt, die durch den zweiten Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2025 bestätigt wurde. Der vorgesehene strukturelle Zuschuss im Bundeshaushalt ermöglichte der DW gemeinsam mit den Gewerkschaften, einen moderaten Tarifabschluss unterhalb des Tarifabschlusses für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen zu vereinbaren.35 Der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD für die 21. Legislaturperiode sieht zudem eine weitere Stärkung der DW und die Novellierung des DW-Gesetzes vor.36 35 Der Bundeshaushalt 2025 wurde nicht mehr vom Bundestag der 20. Wahlperiode 2024 beschlossen. Aufgrund der Neuwahl im Februar 2025 ist daher erst im Verlauf des zweiten Halbjahres 2025 mit einem Beschluss des Bundeshaushalts 2025 zu rechnen. 36 CDU/CSU, SPD 2025. Maissun Melhem im Interview mit dem syrischorthodoxen Geistlichen Mar Ignatius Ephräm II auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025. © Ro nk a O be rh am m er /D W Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 28 – Die DW steht jedoch auch weiterhin vor erheblichen finanziellen Herausforderungen: Der Ausbau des Programmangebots und die erforderliche digitale Transformation treffen auf stark steigende Tarif- und Inflationskosten. Als nachrichtlich und informationsgeprägtes Unternehmen entfallen rund 75 % des Etats auf Personal – inklusive freier Mitarbeit. Für die Stabilisierung des DW-Haushalts war auch ein im März 2023 beschlossenes und für 2024 umgesetztes Maßnahmenpaket ausschlaggebend, das auch wesentliche Einschnitte im Programm und Personalabbau umfasste.37 Die Einsparungen führten 2024 zur Beendigung der Verträge von 50 Mitarbeitenden und zu Reduzierungen des Umfangs von Einsätzen bei weiteren 150 Mitarbeitenden. Der deutschsprachige TV-Kanal wurde als strategisch abgeleitete Maßnahme vollständig eingestellt, wesentliche Kürzungen in Sport- und Kulturberichterstattung realisiert und strukturelle Reformen durchgeführt.38 Durch diese einschneidenden Maßnahmen, einer kontinuierlichen Aufgabenkritik sowie durch ein strategisches Beschaffungswesen konnten wirtschaftliche Unsicherheiten und inflationsbedingte Mehrkosten insbesondere bei 37 Das Maßnahmenpaket umfasste 20 Millionen Euro, mit Personalabbau überwiegend im Programmbereich von über 9 Millionen Euro. 38 Siehe Kapitel 4.8. Energie, Materialkosten und Dienstleistungen frühzeitig aufgefangen werden. Die vorgesehene strukturelle Stabilisierung der DW im Bundeshaushalt 2025 und weitere Stärkung ab 2026 in geopolitisch herausfordernden Zeiten ist ein Zeichen für die Pressefreiheit und eine wichtige Grundlage, um den gewachsenen Anforderungen zu begegnen. Die DW leistet einen wichtigen Beitrag in der Zeitenwende, um gegen Desinformation und Zensur vorzugehen. Ihre unabhängige Berichterstattung und hohe journalistische Qualität bilden weltweit ein Gegengewicht zu instrumentalisierten Medien, die von autoritären Kräften für ihre Zwecke eingesetzt werden. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage, insbesondere der durch autoritäre Staaten gesteuerten Desinformation im digitalen Informationsraum und der hybriden Kriegsführung Russlands besteht die Notwendigkeit, die DW und die DW Akademie deutlich finanziell zu stärken. Durch die Einstellung von USAID und den massiven Kürzungen des USAGM- Angebots ist die Verantwortung der DW als internationale Informationsanbieterin und der DW Akademie als weltweite Medienentwicklerin noch einmal deutlich gestiegen. Die DW tritt dem Pool der Korrespondentinnen und Korrespondenten im Weißen Haus bei. © N ils H ün er fü rs t Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 29 – 1.6 Überblick über die internationalen Informationsangebote anderer Länder Britischer Auslandsrundfunk Angebot und Budget Die BBC ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk Großbritanniens und hat den Auftrag, im öffentlichen Interesse unabhängige, qualitativ hochwertige und unverkennbare Inhalte bereitzustellen. Zwei ihrer Organisationseinheiten produzieren internationale Informationsangebote: – BBC World Service: Erstellt Radio-, TV- und digitale Angebote in 42 Sprachen.39 – BBC News: Strahlt weltweit einen englischsprachigen TV-Kanal aus und bietet digitale englischsprachige Inhalte an. Das Gesamtbudget des britischen Auslandsrundfunks beträgt für das Geschäftsjahr 2024/25 umgerechnet 778,9 Millionen Euro.40 Der BBC World Service wird mit 120 Millionen Euro41 durch das Foreign, Commonwealth and Development Office (FCDO) gefördert, während weitere Mittel aus Rundfunkgebühren, Vertriebseinnahmen und Lizenzverkäufen stammen. Die britische Regierung überprüft derzeit das Finanzierungsmodell der BBC, hat aber bestätigt, dass die Rundfunkgebühr mindestens bis 2027/28 bestehen bleibt. Gleichzeitig steht die BBC unter erheblichem finanziellem Druck. Zwischen 2021 und 2024 hat sie ihre Präsenz auf Social-Media-Plattformen weiter ausgebaut, um ein breiteres Publikum zu erreichen und die Interaktion mit den Nutzenden zu stärken. Trotz dieser digitalen Expansion sah sich der BBC World Service mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert, die zu einer geplanten Reduzierung von 500 39 Afaan Oromoo, Amharisch, Arabisch, Aserbaidschanisch, Bengalisch, Birmanisch, Chinesisch, Englisch, Farsi, Französisch, Gujarati, Haussa, Hindi, Igbo, Indonesisch, Japanisch, Kinyarwanda/ Kirundi, Kirgisisch, Koreanisch, Marathi, Nepali, Paschtu, Pidgin, Portugiesisch, Punjabi, Russisch, Schottisch, Serbisch, Sinhala, Somali, Spanisch, Tamil, Telugu, Thailändisch, Tigrinya, Türkisch, Ukrainisch, Urdu, Usbekisch, Vietnamesisch, Walisisch, Yoruba. 40 BBC 2024a. 662,07 Millionen Pfund umgerechnet am 21.03.2025. 41 104,4 Millionen Pfund umgerechnet am 21.03.2025. Stellen für die Jahre 2025/2026 führen, sowohl im Vereinigten Königreich als auch international. Durch die Stellenstreichungen sollen 237 Millionen Euro42 eingespart werden, die in die Erweiterung des Premium-Video- Angebots – insbesondere auch für unternationale Nutzende – sowie digitale Kapazitäten investiert werden.43 Nutzung Im Geschäftsjahr 2024 erreichte die BBC nach eigenen Angaben wöchentlich 450 Millionen Nutzende44 außerhalb Großbritanniens, was einer Steigerung um 0,67 % gegenüber dem Vorjahr darstellt. Gleichzeitig entspricht dies jedoch auch einem Rückgang von 3,85 % im Vergleich zum Zeitraum 2020. Die BBC international weekly audience umfasst sowohl den BBC World Service (nichtenglische Inhalte) als auch internationale Nutzende von BBC News (englischsprachige Angebote).45 Im Einzelnen gibt die BBC für 2024 folgende Nutzung an46: – Der neue BBC News Channel erreichte in seinem ersten Betriebsjahr wöchentlich 112 Millionen Menschen außerhalb des Vereinigten Königreichs. – BBC News Hindi bleibt der Sprachdienst mit der größten Reichweite im BBC-Portfolio und erreicht 82 Millionen Menschen pro Woche. – BBC News Swahili steigerte seine Reichweite um 16 % im Vergleich zum Vorjahr und erreicht nun 29,7 Millionen Menschen wöchentlich. – BBC World Service English vergrößerte seine Radio- Reichweite um drei Millionen und erreicht 84 Millionen Menschen pro Woche, darunter erstmals auch in Taiwan und den Philippinen. – BBC News Arabic wuchs um 9 % auf 35 Millionen wöchentliche Radiohörerinnen und Radiohörer, maßgeblich beeinflusst durch den Emergency Radio Service Gaza Daily, der seit November 2023 zweimal täglich sendet. 42 200 Millionen Pfund umgerechnet am 21.03.2025. 43 FAZ 2024a. 44 BBC 2024c. 45 Da dieser Anteil bei BBC News nicht genau abgrenzbar ist, kommuniziert die DW stets die Gesamt-Reichweite der BBC – trotz enthaltenem Fictional-Anteil. Zudem verwischen die Grenzen zwischen In- und Ausland weiter, insbesondere seit der BBC News Channel Fusion 2023, die UK- und internationale Zielgruppen gemeinsam bedient. 46 BBC 2024b. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 30 – Zu den aktuellen Entwicklungen bei der BBC gehören: – Im Rahmen der Digital-First-Strategie47 stellt die BBC schrittweise Services auf ausschließlich digitale Distribution (digital-only) um: – Bereits digital-only: Aserbaidschanisch, Brasilianisch, Marathi, Spanisch, Punjabi, Russisch, Serbisch, Sinhala, Thailändisch, Türkisch. – Zukünftig digital-only: Chinesisch, Gujarati, Igbo, Indonesisch, Pidgin, Urdu, Yoruba. – Eingestellte/auslaufende Radioservices bis 2028: Arabisch, Farsi, Kirgisisch, Usbekisch, Hindi, Bengalisch, Chinesisch, Indonesisch, Tamil, Urdu. – Die BBC gründete die Global China Unit, die sich mit investigativen und analytischen Inhalten der Berichterstattung über Chinas internationale Rolle widmet. – Die BBC trennt ihr indisches Nachrichtenteam: Englischsprachige Inhalte bleiben in London, während der neue, indisch geführte Collective Newsroom die sechs regionalen Sprachdienste übernimmt. Die Umstellung folgt auf eine Auseinandersetzung mit der indischen Regierung nach Razzien in BBC-Büros. – Zudem wird BBC Verify ausgebaut, eine Einheit zur Faktenüberprüfung und Bekämpfung von Desinformation, sowie die Einrichtung von BBC Investigate, eine investigative Einheit, die verschiedene journalistische Ressorts zusammenführt. Strategie Die BBC verfolgt das Ziel, im digitalen Zeitalter eine zukunftsfähige, plattformübergreifende Medienorganisation zu bleiben und weltweit eine führende Rolle in der internationalen Nachrichtenberichterstattung einzunehmen. Dabei setzt sie verstärkt auf eine Digital-First-Strategie, um ihr Publikum in Zeiten sich rapide wandelndem Mediennutzungsverhalten bestmöglich zu erreichen. Um weiterhin eine verlässliche und unabhängige Nachrichtenquelle zu bleiben, investiert die BBC gezielt in vertrauenswürdigen Journalismus. Der BBC World Service bleibt ein zentraler Bestandteil des internationalen Informationsangebots. Er wird zunehmend durch regionale Hubs48 gestärkt, die eine gezieltere und lokal relevante Berichterstattung ermöglichen. Gleichzeitig setzt die BBC auf 47 Siehe Glossar. 48 Siehe Glossar. High-Impact-Story telling49 mit mehr investigativen Recherchen in den jeweiligen Landessprachen. Die BBC verfolgt das Ziel, Streaming- und digitale Inhalte weiter auszubauen. Der iPlayer als zentrale Plattform für On-Demand50-Inhalte wird verstärkt weiterentwickelt, während gleichzeitig eine Neuausrichtung traditioneller TV- und Radioprogramme stattfindet, um Kosten zu senken und Ressourcen effizienter zu nutzen. Zudem erforscht die BBC den Einsatz von KI-Technologien, insbesondere in Bereichen wie Übersetzungen, barrierefreier Berichterstattung und personalisierten Nachrichtenformaten. Trotz dieser strategischen Weiterentwicklungen steht die BBC unter erheblichem finanziellem Druck, das Finanzierungsmodell im Rahmen der nächsten Charter 202851 zu reformieren. Das Defizit treibt Sparmaßnahmen und Transformationen voran, darunter Kürzungen im Lokalradio, die Fusion britischer und globaler Nachrichtensender, die Einführung von BBC.com und der BBC App sowie die Neuausrichtung von Formaten wie Newsnight. Auch die Diskussion über eine mögliche Privatisierung der BBC sorgt weiterhin für politische Debatten. Hinzu kommen steigende Produktionskosten und wachsende Konkurrenz durch internationale Streaming- und Nachrichtenplattformen, die die BBC zu strukturellen Anpassungen zwingen. Dazu gehören Sparmaßnahmen, Umstrukturierungen und die gezielte Neuverteilung von Budgets innerhalb der Organisation. Historisch bedingt genießt die BBC in vielen Zielländern einen hohen Stellenwert und eine starke Markenbekanntheit. Als langjährige unabhängige Nachrichtenquelle hat sie sich in vielen Regionen als vertrauenswürdige Stimme etabliert. Die BBC kann auf eine breite Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit bei ihrem internationalen Publikum zählen. Diese Stellung nutzt sie, um weiterhin Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und investigativen Journalismus zu fördern. US-amerikanischer Auslandsrundfunk Angebot und Budget Die United States Agency for Global Media (USAGM) ist die zentrale staatliche Institution für den US- amerikanischen Auslandsrundfunk. Bis 2025 vereinte sie 49 Siehe Glossar. 50 Siehe Glossar. 51 Die „Royal Charter for the continuance of the British Broadcasting Corporation“, kurz BBC Charter, ist die rechtliche Grundlage für die BBC und legt Ziele und Auftrag sowie Führungs- und Regulierungsmechanismen der BBC fest. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 31 – sechs zivile und staatlich finanzierte internationale Informationsanbieter, die multimediale Angebote in 63 Sprachen sendeten.52 Im Folgenden soll zunächst als Vergleichsmaßstab auf die Ausstattung und Ausrichtung von USAGM für die Jahre des Evaluationszeitraums eingegangen werden, bevor die Entwicklungen für 2025 abgebildet werden. Stand 2024: – Voice of America (VOA) ist der größte US- Auslandssender mit Berichterstattung über die USA, internationale Themen und regionale Entwicklungen in fast 50 Sprachen. Er nutzt TV, Radio, digitale Plattformen und soziale Medien und arbeitet mit rund 3.500 Partnersendern zusammen.53 – Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) ist ein privates, gemeinnütziges Medienunternehmen mit Hauptsitz in Prag und lokalen Büros in 17 Ländern. Es sendet in über 20 Sprachen und versorgt 23 Länder, darunter Afghanistan, Iran, Pakistan, Russland und die Ukraine, mit unabhängigen, lokalen und regionalen Nachrichten. Dank seiner Regionalbüros kann RFE/RL kosteneffizient mit seinen über 1.700 Journalistinnen und Journalisten lokal produzierte Programme erstellen, die Nachrichten, Diskussionen und Debatten über Radio, Fernsehen und digitale Medien umfassen.54 – The Office of Cuba Broadcasting (OCB) produziert Radio Martí und TV Martí aus Miami und richtet sich an kubanischstämmige Menschen in der Region und weltweit über Satellitenfernsehen, digitale Plattformen und Radiowellen. – Radio Free Asia (RFA) mit Sitz in Washington D.C. und acht internationalen Büros versorgt als privates, gemeinnütziges Medienunternehmen Länder in Asien mit Nachrichteninhalten, die in ihren Heimatländern zensiert oder eingeschränkt sind. RFA bietet darüber hinaus mit seinen Bildungs- und Kulturprogrammen Foren, in denen die Menschen einen offenen Dialog führen und ihre Meinung 52 Afaan Oromoo, Albanisch, Amharisch, Arabisch, Armenisch, Aserbaidschanisch, Bambara, Bashkir, Belarussisch, Bosnisch, Bulgarisch, Birmanisch, Kantonesisch, Tschetschenisch, Kreolisch, Krimtatarisch, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Fulani, Georgisch, Haussa, Ungarisch, Indonesisch, Kasachisch, Khmer, Kinyarwanda, Kirundi, Koreanisch, Kurdisch, Kirgisisch, Laotisch, Lingala, Mazedonisch, Mandarin, Montenegrinisch, Ndebele, Paschtu, Portugiesisch, Rohingya, Rumänisch, Russisch, Sango, Serbisch, Shona, Sindhi, Somali, Spanisch, Swahili, Tadschikisch, Tatarisch, Thailändisch, Tibetisch, Tigrinya, Türkisch, Turkmenisch, Ukrainisch, Urdu, Uighurisch, Usbekisch, Vietnamesisch, Wolof. 53 USAGM 2024b. 54 RFE/RL o.D. a. frei äußern können. RFA wird durch einen Zuschuss der USAGM finanziert. – Middle East Broadcasting Networks (MBN) ist eine arabischsprachige Medienorganisation, die Nachrichten- und Informationsprogramme in 22 Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas ausstrahlt. Das Netzwerk umfasst mehrere Plattformen, darunter die 24-Stunden- Fernsehsender Alhurra und Alhurra-Iraq, das Radioprogramm Radio Sawa mit zwei regionalen Streams für den Irak und den Sudan sowie verschiedene digitale Kanäle. MBN hat seinen Hauptsitz in Northern Virginia und betreibt Produktionszentren in Kairo, Dubai, Jerusalem, Beirut, Erbil, Rabat, Tunis und Washington, D.C. Neben TV- und Radioprogrammen setzt MBN verstärkt auf digitale Inhalte und soziale Medien. Die Finanzierung erfolgt durch Zuschüsse der USAGM. – Open Technology Fund (OTF) entwickelt und finanziert Technologien zur Sicherstellung des freien Zugangs zu Informationen und zur Umgehung von Zensurmaßnahmen weltweit. Das Gesamtbudget von USAGM betrug für 2024 umgerechnet 846,3 Millionen Euro55, was eine leichte Steigerung zum Vorjahr darstellt. Gemäß ihrem Auftrag unterstützten alle Sender der USAGM die außenpolitischen Ziele der USA. Nutzung Laut Agency Performance Report 2024 erreichte USAGM eine bisherige Rekordmarke von insgesamt weltweit 427 Millionen wöchentlichen Nutzenden56, eine Steigerung um 1,7 % zum Vorjahr. Davon entfielen 362 Millionen Nutzende auf VOA, 47,6 Millionen auf RFE/RL, 33,5 Millionen auf MBN und 3,2 Millionen auf OCB. Aufgrund technischer Schwierigkeiten in seinem Erhebungsmodell hat USAGM für 2024 keine Gesamtnutzung für RFA angegeben. Strategie Die USAGM verfolgt das Ziel, vertrauenswürdige Nachrichten weltweit zu verbreiten, insbesondere in Regionen mit eingeschränkter Presse- und Meinungsfreiheit. Sie fördert Informationsfreiheit und Meinungsäußerung und vermittelt journalistische Inhalte, die Desinformation, Zensur, Extremismus und antidemokratischen Bewegungen entgegenwirken. 55 USAGM 2024a. 914 Millionen US- Dollar umgerechnet am 21.03.2025. 56 USAGM 2025a. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 32 – Im Mittelpunkt steht die Produktion glaubwürdiger Inhalte, die sich von staatlich kontrollierten oder desinformationsgetriebenen Medien abheben. Dabei setzt USAGM auf investigativen Journalismus, digitale Innovationen und zielgruppenspezifische Ansprache, um besonders junge Menschen, Frauen und marginalisierte Gruppen zu erreichen. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Strategie ist die technologische Sicherung des Informationszugangs. USAGM entwickelt Tools zur Umgehung von Zensur, verschlüsselte Kommunikationskanäle und alternative Verbreitungswege, um unabhängige Nachrichten auch in repressiven Staaten zugänglich zu machen. Die Budgeterweiterung von 2024 sollte die journalistischen Kapazitäten ausbauen und den Zugang zu unabhängigen Informationen in autoritär regierten Ländern weiter verbessern. USAGM erweiterte vor den Kürzungen unter Trump zusätzlich seine China- Berichterstattung, insbesondere durch den 2024 gestarteten Global News Service (GNS), der faktenbasierte Inhalte in Mandarin und Englisch kuratieren und verbreiten sollte. Die Zukunft von USAGM bleibt ungewiss: Unter der zweiten Trump-Regierung wurden tiefgreifende Kürzungen und umfassende Umstrukturierungen im US-Auslandsrundfunk eingeleitet. Direkt nach seiner Amtseinführung im Januar 2025 ernannte Präsident Trump zunächst den konservativen Medienaktivisten Brent Bozell zum neuen Leiter Marke Anzahl der Sprachen Regionaler Schwerpunkt Medien Voice of America (VOA) 49 weltweit mit Fokus auf Subsahara-Afrika, Eurasien und China TV, Radio und digitales Angebot Office of Cuba Broadcasting (OCB) – Radio Martí – TV Martí 1 Kuba TV, Radio und digitales Angebot Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) 27 Kaukasus, Baltikum, Balkan, Zentralasien TV, Radio und digitales Angebot Radio Free Asia (RFA) 9 Asien TV, Radio und digitales Angebot Middle East Broadcasting Networks (MBN) – Alhurra (panarabischer TV-Kanal) – Alhurra-Iraq (TV-Kanal für Irak) – Radio Sawa (panarabischer Radiosender) 1 Nahost und Nordafrika mit Fokus auf Irak und Sudan TV, Radio und digitales Angebot Open Technology Fund (OTF) – gemeinnützige Organisation, die sich für die Förderung der Internetfreiheit in repressiven Umgebungen einsetzt – unterstützt angewandte Forschung, Entwicklung, Implementierung und Wartung von Zensurumgehungstechnologien Tools in über 200 Sprachen übersetzt weltweit mit Fokus auf besonders repressive Staaten Zensurumgehungstechnologien Abbildung 4: Angebote des US-amerikanischen Informationsanbieters USAGM Stand 2. Halbjahr 2024 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 33 – von USAGM.57 Zudem wurde Kari Lake, eine ehemalige Nachrichtensprecherin und enge Trump-Vertraute, zur Direktorin von VOA58 und Special Advisor59 bei USAGM ernannt. Seit März 2025 befindet sich die USAGM infolge massiver Kürzungen durch die Trump-Regierung in einer tiefgreifenden Krise. Der Personalbestand wurde drastisch reduziert, viele Redaktionen – darunter VOA und RFA – standen vor weitreichenden Entlassungen.60 Dieser Schritt wurde als faktische Zerschlagung der US-Auslandssender wahrgenommen. Einige Programme wie RFE/RL konnten sich per Gerichtsbeschluss vorübergehend Mittel sichern, während Satellitenverträge gekündigt und Sendekanäle wie Current Time eingeschränkt wurden. Im März sagten zudem die tschechische Regierung, die EU und Schweden RFE/RL Unterstützung zu. Bei OCB wurde das Team ebenfalls massiv verkleinert: Von ehemals 1.042 Mitarbeitenden blieb im April 2025 lediglich eine 33-köpfige Einheit übrig, die weiterhin für Radio TV Martí zuständig ist. Obwohl ein Gericht die Freigabe von Fördermitteln anordnete, kam es bislang zu keiner Wiedereinstellung entlassener Mitarbeitender.61 Nachdem die Regierung MBN die Förderung gestrichen und den Sender gezwungen hatte, die meisten seiner US-Mitarbeitenden zu beurlauben, verklagte MBN die Trump-Regierung vor dem US-Bezirksgericht für den District of Columbia. Der arabischsprachige Nachrichtensender Alhurra warf der US-Behörde USAGM ebenfalls vor, gesetzlich bewilligte Gelder rechtswidrig zurückzuhalten. Als Reaktion ersetzte der Sender sein Programm durch ein Standbild mit Kritik an USAGM. Die Satelliten- und TV-Ausstrahlung wurde eingestellt, Inhalte erscheinen nur noch über soziale Medien wie X, Instagram und YouTube.62 Angesichts der eskalierenden Militäraktionen zwischen Iran und Israel wurde ein Teil der zuvor entlassenen VOA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Farsi, Mandarin sowie Dari und Paschtu wieder eingesetzt.63 57 VOA 2025a. 58 Reuters 2024a. 59 VOA 2025b. 60 USAGM 2025b. 61 CiberCuba 2025. 62 TheDesk.net 2025. 63 Washington Post 2025. Im Bericht wird die Entwicklung von USAGM abschließend bis zum 15.06.2025 für die DW- Zielregionen weltweit behandelt. Weitere Entwicklungen können aufgrund des Redaktionsschlusses und der Erstveröffentlichung des Berichts zum September 2025 nicht abgebildet werden. Französischer Auslandsrundfunk Angebot und Budget Der französische Auslandsrundfunk besteht aus zwei Hauptorganisationen: – France Médias Monde (FMM) umfasst die internationalen Informationsanbieter France 24, Radio France Internationale (RFI) und Radio Monte Carlo Doualiya (MCD) und bietet Inhalte in 18 Sprachen an.64 – TV5 Monde ist ein öffentlich-rechtlicher audiovisueller Dienst, der seine Inhalte weltweit verbreitet. Der Sender ist ein Gemeinschaftsprojekt der französischsprachigen Länder Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz, wobei der französische Staat der wichtigste Geldgeber ist. TV5 Monde arbeitet eng mit France TV, RTBF, RTS, Arte, Radio-Canada, Télé-Québec und TV Monaco zusammen und sendet ein Programm aus Nachrichten und kulturellen Inhalten auf Französisch mit Untertiteln in zehn weiteren Sprachen.65 Neben dem Hauptsender betreibt TV5 Monde zwei thematische Kanäle für Kinder und Lifestyle und setzt verstärkt auf Koproduktionen mit französischsprachigen Ländern, insbesondere in Afrika. Das Budget von France Médias Monde betrug 2024 insgesamt 276,7 Millionen Euro, eine Erhöhung um 5,2 % im Vergleich zu 2023. TV5 Monde erhielt 2024 ein Budget von 83 Millionen Euro, was einem Anstieg um 4,5 % gegenüber 2023 entspricht66. Sowohl FMM als auch TV5 Monde finanzieren sich hauptsächlich aus Mitteln des französischen Kulturministeriums und kooperieren aus Effizienzgründen auf verschiedenen Unternehmensebenen. TV5 Monde erhält zudem Gelder von Frankreich, der Schweiz, Kanada, Québec, der Föderation Wallonie-Brüssel und Monaco. Nutzung Im Jahr 2023 erreichte FMM eine wöchentliche weltweite Reichweite von 255,5 Millionen Nutzenden, ein Rückgang von 1,8 % gegenüber 2022.67 Der leichte Rückgang könnte auf verstärkte Zensurmaßnahmen insbesondere in Mali, Burkina Faso und Niger zurückzuführen sein. TV5 Monde 64 Arabisch, Chinesisch, Englisch, Farsi, Französisch, Fulfulde, Haussa, Khmer, Mandenkan, Portugiesisch, Portugiesisch für Brasilien, Rumänisch, Russisch, Spanisch, Swahili, Taiwanesisch, Ukrainisch, Vietnamesisch. 65 Arabisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Japanisch, Koreanisch, Niederländisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch. 66 FMM 2024. 67 FMM 2025a. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 34 – verzeichnete im Jahr 2023 wiederum eine wöchentliche Reichweite von 64,2 Millionen Menschen, was einem Zuwachs von 9,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.68 Strategie FMM hat seine digitalen Angebote weiterentwickelt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Präsenz in afrikanischen Ländern, insbesondere in der Sahelregion, mit Inhalten auf Französisch und in weiteren lokalen Sprachen. Zudem wurden strategische Prioritäten wie die Bekämpfung von Desinformation, die Förderung der Frankophonie und die digitale Transformation beschlossen. Teil der Strategie von FMM ist eine Stärkung der internationalen Reichweite und der Ausbau der Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern. 2024 hat FMM die digitale Prüf- und Ermittlungseinheit InfoVérif innerhalb RFIs eingerichtet, die in Zusammenarbeit mit Les Observateurs von France 24 Fake News überprüft und enttarnt. Parallel dazu wurde eine Proximity-Strategie entwickelt – eine Strategie, die auf geographische Nähe setzt, um die Zielgruppe zu erreichen und um Inhalte gezielter an regionale Bedürfnisse anzupassen.69 Insgesamt profitieren die Sprachangebote von FMM von der Initiative der Agence française de développement (AFD), der französischen Entwicklungsagentur, die unter anderem die journalistische Ausbildung junger Menschen fördert. Sie unterstützt auch Canal France International (CFI), die FMM-Tochtergesellschaft für Medienentwicklung. TV5 Monde hat seine digitalen Angebote ebenfalls neu strukturiert, insbesondere in den Bereichen Information, 68 FMM 2024. 69 FMM 2025a. Jugend, Afrika, Frankreich und Kultur. Die Untertitelung und Übersetzung wurde verbessert und es wurde verstärkt auf Kooperationen mit afrikanischen Partnern gesetzt, die junge Talente fördern. Im Zuge der geplanten Reform des französischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollen bis 2026 alle Rundfunkanstalten – darunter France Télévisions, Radio France, FMM und das Institut national de l’audiovisuel – unter der Holding-Gesellschaft70 France Média zusammengeführt werden. Diese strukturelle Neuordnung ist Teil einer umfassenden Strategie, mit der Frankreich seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukunftsfähig aufstellen will. Zur Finanzierung der Reformen und zur Steigerung der Effizienz setzt FMM auf ein Bündel von Maßnahmen: Neben Budgetkürzungen wurden Einsparungen unter anderem durch den Rückzug aus dem Pay-TV-Vertrieb in den USA, Rückzug aus Skandinavien sowie durch die Schließung mehrerer UKW- und Mittelwellensender erzielt. Gleichzeitig wird gezielt in die digitale Transformation und internationale Projekte investiert, um die strategische Position langfristig zu stärken. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Frankophonie – vor allem in afrikanischen Ländern. Initiativen wie die Einrichtung regionaler Hubs71 in Beirut und Dakar oder die geplante Einführung eines eigenen France 24-Ablegers für das französischsprachige Afrika bis 2026 zielen darauf ab, die Sichtbarkeit französischer Medien weltweit zu erhöhen. Auch neue Strategien zur Umgehung von Zensur gehören zum Ausbauplan. Vor diesem Hintergrund erfolgt der Ausbau von Sprachen und Programmen derzeit nur zurückhaltend. 70 Siehe Glossar. 71 Siehe Glossar. Organisation Marke Anzahl der Sprachen Regionaler Schwerpunkt Medien France Médias Monde (FMM) France 24 4 weltweit TV und digitales Angebot Radio France Internationale (RFI) 17 weltweit mit Fokus auf Afrika, Asien TV, Radio und digitales Angebot Monte Carlo Doualiya (MCD) 1 Nahost und Nordafrika TV, Radio und digitales Angebot TV5 Monde TV5 Monde 10 weltweit TV, Radio und digitales Angebot Abbildung 5: Angebote der französischen Informationsanbieter FMM und TV5 Monde Stand 2. Halbjahr 2024 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 35 – Paneuropäischer Nachrichtensender Euronews Angebot und Budget Der paneuropäische Nachrichtensender Euronews bietet TV-, Radio- und digitale Angebote in 19 Sprachen an.72 Euronews ist kein klassischer internationaler Informationsanbieter. Es ist eine Aktiengesellschaft und ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer staatlicher und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Europäischen Rundfunkunion. Die Europäische Kommission war seit der Gründung von Euronews eine bedeutende Geldgeberin. So erhielt Euronews im Rahmen des Pan-European Audiovisual Reporting-Programms für 2024 eine Finanzierung von knapp acht Millionen Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich wurden für die ungarischen und polnischen Dienste von Euronews knapp drei Millionen Euro bereitgestellt, ebenfalls für zwölf Monate.73 Im Dezember 2021 wurde bekannt, dass die portugiesische Investmentgesellschaft Alpac Capital die 88 %ige Mehrheitsbeteiligung des ägyptischen Unternehmers Naguib Sawiris an Euronews übernehmen würde. Diese Übernahme wurde im Mai 2022 abgeschlossen. Bis Juli 2023 erhöhte Alpac Capital seinen Anteil auf 97,6 % und ist damit nahezu Alleineigentümer von Euronews.74 Dies führte zu Diskussionen über die Unabhängigkeit des Senders, auch da Alpac Capital Verbindungen zur ungarischen Regierung unter Viktor Orbán nachgesagt werden.75 Seit 2016 verfügt Euronews mit Africanews über ein regionalisiertes TV- und Digital-Angebot für Afrika, das panafrikanische und internationale Nachrichten aus afrikanischer Perspektive in den Sprachen Englisch und Französisch bereitstellt. Nutzung Nach eigenen Angaben erreichte Euronews 2023 monatlich rund 145 Millionen Menschen. Allerdings ist unklar, wie die Daten erhoben werden.76 Strategie Euronews hat in den letzten Jahren eine umfassende digitale Transformation umgesetzt, um die Digitalisierung und 72 Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Georgisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch Ungarisch. 73 Europäische Kommission 2024a. 74 RFE/RL 2021. 75 FAZ 2022a. 76 Euronews 2023a. datenbasiertes Arbeiten in den Mittelpunkt seines Nachrichtenangebots zu stellen. Im Zuge dieser Strategie wurden mehrere digitale Storytelling77-Formate wie Online- Verticals78 eingeführt, darunter Euronews Green, das sich mit Umwelt- und Klimathemen befasst, Euronews Next mit einem Fokus auf Wirtschaft und neue Technologien sowie Euronews Culture, das kulturelle Inhalte aufbereitet. Zudem strebt Euronews eine verstärkte Berichterstattung über EU-Themen an, wobei der Fokus auf Osteuropa und dem Balkan liegen soll. Dahingehend wurden bereits neue Programme gestartet, um europäische Themen und politische Entwicklungen stärker zu kontextualisieren. Im Jahr 2024 eröffnete Euronews ein regionales Büro in der kasachischen Hauptstadt Astana, um seine Präsenz in Zentralasien zu stärken. Zudem wurde eine Partnerschaft mit der Sport-Live-TV- Streaming-Plattform fuboTV für Nordamerika und Spanien geschlossen, wodurch die englischsprachigen Ausgaben von Euronews und Africanews nun auf der fuboTV-Plattform in den USA verfügbar sind. Im März 2023 kündigte Euronews an, seinen Hauptsitz von Lyon nach Brüssel zu verlegen, um näher an den europäischen Institutionen zu sein. Die neue zentrale Nachrichtenredaktion in Brüssel wird durch sechs weitere Büros in Rom, Berlin, Lissabon, Madrid und London ergänzt. Die Umstrukturierung führte zur Streichung von 198 Stellen in Lyon, während gleichzeitig 100 neue Positionen in Brüssel geschaffen wurden. Russischer Auslandsrundfunk Angebot und Budget Das internationale Medienangebot Russlands umfasst zwei zentrale staatlich finanzierte Akteure: – Russia Today (RT) – ein multimediales Netzwerk mit TV- und Digitalangeboten in zehn Sprachen.79 – Sputnik – ein Nachrichtenportal mit Online- und Radioangeboten, das in über 32 Sprachen80 operiert. Zusammen senden RT und Sputnik in insgesamt 32 Sprachen und finanzieren sich primär aus staatlichen 77 Siehe Glossar. 78 Siehe Glossar. 79 Englisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Serbisch, Chinesisch, Hindi, Portugiesisch und Russisch. 80 Abchasisch, Amharisch, Armenisch, Arabisch, Aserbaidschanisch, Belarussisch, Chinesisch, Czech, Dari, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Georgisch, Griechisch, Hindi, Indonesisch, Italienisch, Kasachisch, Kirgisisch, Krim-Tatarisch, Moldawisch, Ossetisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Tadschikisch, Türkisch, Usbekisch, Vietnamesisch. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 36 – Haushaltsmitteln sowie Werbeeinnahmen staatsnaher Unternehmen. Im Jahr 2020 erhielt RT eine staatliche Subvention in Höhe von 230 Millionen Euro.81 Für den Zeitraum von 2022 bis 2024 soll RT insgesamt 820 Millionen Euro82 erhalten haben, was das größte Budget aller staatlichen Medienunternehmen in Russland darstellen würde. Vollständige Transparenz über die tatsächlichen Finanzströme besteht jedoch nicht. Nutzung RT hat für das Jahr 2024 keine spezifischen Nutzungszahlen seiner internationalen Angebote veröffentlicht. Der Sender behauptet jedoch, 2024 weltweit über 900 Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer in mehr als 100 Ländern zu erreichen und über 23 Milliarden Online- Aufrufe zu verfügen.83 Obwohl RT regelmäßig seine weltweite Reichweite betont, lassen sich diese Angaben unabhängig kaum verifizieren. Die EU stufte RT und Sputnik als Instrumente russischer Desinformationskampagnen ein und hat ihre Verbreitung im europäischen Raum untersagt. Am 2. März 2022 verbot der Europarat die Ausstrahlung und Verbreitung von RT und Sputnik in der EU und ließ die RT-Webseite sperren.84 Dadurch wurden die RT-Kanäle auf YouTube, Facebook und Google News blockiert, und Apple, Google und Microsoft entfernten die RT-App aus ihren europäischen App Stores.85 Beide Medien agieren jedoch weiterhin über lokale Partner und nutzen alternative Plattformen, um prorussische Narrative sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas zu verbreiten.86 Auch in den USA ist die RT-Webseite nach wie vor zugänglich; viele Internetprovider und Plattformen begrenzen die Sichtbarkeit aber oder kennzeichnen Inhalte als staatlich kontrolliert. Strategie Russische Auslandsmedien, insbesondere RT, präsentieren das Weltgeschehen aus der Perspektive des Kremls. Sie inszenieren sich als kritische Alternative zu westlichen Medien, verbreiten jedoch gezielt Verschwörungstheorien und Desinformation. Studien, darunter eine Untersuchung der Universität Oxford, belegen die fehlende redaktionelle Unabhängigkeit des Senders und seine enge Anbindung an 81 State Media Monitor 2024a. 23 Milliarden Rubel umgerechnet am 24.03.2025. 82 State Media Monitor 2024a. 83 Milliarden Rubel umgerechnet am 24.03.2025. 83 Russia Today 2025. 84 EU 2022. 85 Politico 2022. 86 RoG 2024a. staatliche Interessen.87 Nach den Einschränkungen in den USA und der Europäischen Union 2022 hat RT seinen Fokus auf den Globalen Süden verlagert. Besonders in Lateinamerika, der arabischen Welt und Afrika baut der Sender seine Präsenz aus. Hinzu kommen neue Angebote wie RT DOC India und RT Balkan, die sich an Regionen richten, die empfänglich für russische Narrative sind. Trotz EU- Sanktionen verbreitet RT Balkan weiterhin prorussische Positionen in Südosteuropa. Um Zugangsbeschränkungen zu umgehen, arbeitet RT mit lokalen Medienakteurinnen und -akteuren sowie Influencerinnen und Influencern zusammen. Laut US- Außenministerium nutzt der Sender Proxy-Server und rekrutiert internationale Journalistinnen und Journalisten, um prorussische Inhalte getarnt als unabhängige Berichterstattung zu verbreiten.88 Ein neues Instrument zur internationalen Einflussnahme ist die 2023 gegründete RT- Akademie. Sie wirbt mit Schulungen für ausländische Medienschaffende, die direkten Zugang zu RT-Strukturen erhalten. Chinesischer Auslandsrundfunk Angebot und Budget Der chinesische Auslandsrundfunk ist in der China Media Group (CMG) organisiert, die 2018 durch den Zusammenschluss von China Central Television (CCTV), China National Radio und China Radio International entstand. CMG untersteht direkt der Zentralen Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und betreibt ein umfangreiches Netzwerk von 47 Fernsehsendern. Dazu gehören sieben internationale Kanäle in sechs Sprachen sowie 17 Radiosender für das chinesische Publikum und Radioprogramme in 44 Sprachen89 für ein globales Publikum. Zu den internationalen Angeboten gehören: – China Global Television Network (CGTN) sendet Nachrichten in fünf Sprachen90, unter anderem über Satelliten, Kabel und IPTV91. Darüber hinaus vertreibt der kommerzielle Anbieter China Central Television (CCTV+) Video- Nachrichteninhalte von CGTN. 87 Elswah & Howard 2020. 88 Politico 2024a. 89 Albanisch, Arabisch, Belarussisch, Bengalisch, Bulgarisch, Burmesisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Esperanto, Farsi, Französisch, Griechisch, Haussa, Hebräisch, Hindi, Indonesisch, Italienisch, Japanisch, Khmer, Koreanisch, Kroatisch, Laotisch, Malaysisch, Mongolisch, Nepali, Paschtu, Philippinisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Sinhala, Spanisch, Swahili, Tamil, Thailändisch, Tibetisch, Tschechisch, Türkisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urdu, Vietnamesisch. 90 Englisch, Spanisch, Französisch, Arabisch, Russisch. 91 Siehe Glossar. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 37 – – China Central Television Network (CCTV-4) ist der chinesischsprachige TV-Auslandskanal mit 50 Kanälen in sechs Sprachen. Zielgruppe sind die im Ausland sowie in Hong Kong, Macao und Taiwan lebenden Chinesinnen und Chinesen. Hinzu kommen regionalisierte Inhalte für die Diaspora in anderen Teilen Asiens, in Europa und den USA. – China Xinhua News Network Corporation (CNC), umfasst ein TV-Angebot und digitale Angebote in zehn Sprachen.92 Organisatorisch gehört CNC zur Nachrichten- und Presseagentur Xinhua der chinesischen Regierung. – China National Radio (CNR) ist das nationale Radionetzwerk Chinas mit Sitz in Peking und Teil der staatlichen China Media Group. Als zentraler Radiodienst strahlt CNR ein breites Spektrum an Programmen aus und erreicht sowohl Zuhörerinnen und Zuhörer in China als auch weltweit. – China Radio International (CRI) bietet Radio- und digitale Programme in 44 Sprachen an und verfügt mit zahlreichen UKW- und MW-Radiostationen im Ausland über ein sehr umfangreiches Distributionsnetz, vor allem in Afrika. Das Budget der CMG wird zwar nicht offiziell veröffentlicht, Schätzungen zufolge beläuft es sich jedoch auf über zwei Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil der Finanzierung stammt aus staatlichen Mitteln, ergänzt durch Werbeeinnahmen. Laut einer Analyse des Media and Journalism Research Center (MJRC) werden mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben durch staatliche Subventionen finanziert. 2023 betrug allein das Budget von CCTV rund 270 Millionen Euro93, wovon 225 Millionen94 aus dem allgemeinen öffentlichen Haushalt stammten.95 Nutzung Die chinesischen Auslandsdienste veröffentlichen keine Nutzungszahlen. Strategie Chinas staatliche Medien verfolgen die Agenda der KPCh und dienen als zentrale Instrumente der politischen Einflussnahme. Unter Xi Jinping hat Peking den globalen 92 Chinesisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Russisch, Portugiesisch, Arabisch, Koreanisch, Japanisch. 93 293 Millionen US-Dollar umgerechnet am 24.03.2025. 94 245 Millionen US-Dollar umgerechnet am 24.03.2025. 95 State Media Monitor 2024b. Einfluss von CGTN, der Nachrichtenagentur Xinhua und CRI massiv ausgebaut. Ziel ist es, chinesische Medien international als seriöse Nachrichtenquellen zu etablieren und kritische Berichterstattung zu unterdrücken. Die CMG verstärkt ihre Präsenz in Afrika und Lateinamerika durch regionale Partnerschaften und den Erwerb von UKW- Frequenzen. Zudem investiert China in technologische Innovationen wie KI für Nachrichtensendungen. Obwohl Chinas Einflusskampagne international auf Widerstand stößt, gewinnt das Land in Ländern des Globalen Südens zunehmend Kontrolle über Informationsstrukturen. Katarischer Auslandsrundfunk Angebot und Budget Die katarische Medienorganisation Al Jazeera konzentriert sich vor allem auf internationale Ereignisse mit Fokus auf die arabische Welt. Themen aus Politik, Gesellschaft und sozialer Gerechtigkeit stehen dabei im Vordergrund. Vor allem das digitale Angebot ist auf ein junges, globales Publikum ausgerichtet. Das Sprachangebot umfasst sieben Sprachen.96 Das Al Jazeera Media Network betreibt über 70 Büros weltweit und beschäftigt mehr als 3.000 Mitarbeitende in 95 Ländern.97 Das Angebot umfasst lineare TV- und digitale Plattformen. Dazu gehören acht TV- Kanäle in Englisch und Arabisch sowie Al Jazeera Balkans, das Inhalte auf Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Serbisch sendete. Al Jazeera Balkans stellte den Betrieb im Juli 2025 jedoch ein. Insgesamt hat Al Jazeera seine digitale Präsenz weiter ausgebaut. Zusätzlich zu den bestehenden digitalen Angeboten in allen sieben Sprachen gibt es den Social- Media-Videodienst AJ+ mit plattformspezifischen Inhalten auf Englisch, Spanisch und Arabisch, die Multimedia- Plattform für interaktive und immersive Inhalte Al Jazeera Contrast, die Plattform für Wirtschaftsthemen AJ Impact und das Podcast-Angebot Jetty. Im Oktober 2024 stellte Al Jazeera English den traditionellen Rundfunk im Vereinigten Königreich ein und konzentriert sich seitdem auf Streaming-Dienste über Plattformen wie Freeview Play und Freely. Al Jazeera ist im Besitz des Emirs von Katar, der auch der wichtigste Finanzier des Netzwerks ist. Der Sender veröffentlicht keine offiziellen Angaben zu seinem Budget. 96 Arabisch, Bosnisch, Englisch, Französisch, Kroatisch, Serbisch und Spanisch. 97 Al Jazeera o.D. a. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 38 – Nutzung Nach eigenen Angaben erreichte Al Jazeera 2024 wöchentlich über 430 Millionen Menschen.98 Allerdings ist unklar, wie die Daten erhoben wurden. Strategie Al Jazeera ist eines der größten und einflussreichsten internationalen Nachrichtenmedien und verfolgt das Ziel, einen fundierten und publikumsnahen Journalismus zu bieten. Mit dem Slogan „The Opinion and the Other Opinion“ hebt der Sender hervor, verschiedene Perspektiven in den Mittelpunkt seiner Berichterstattung zu stellen. Al Jazeera setzt auf Expansion und digitale Innovation, um sein globales Publikum besser zu erreichen. Bereits 2021 wurde Rightly ins Leben gerufen, eine Nachrichtenplattform für ein konservatives US-Publikum, die mit Formaten wie Right Now with Stephen Kent auf YouTube und als Podcast präsent ist. 2024 startete die digitale Plattform Al Jazeera 360, die eine umfangreiche Mediathek mit exklusiven Programmen, Dokumentationen und historischen Archivinhalten bietet. Inhaltlich konzentriert sich Al Jazeera, besonders in seinem englischsprachigen Angebot, auf internationale Themen mit Schwerpunkt auf die arabische Welt. Al Jazeera bleibt Vorreiter in der Entwicklung neuer Erzähltechniken für ein junges Zielpublikum und bietet ein innovatives Portfolio digitaler Produkte – insbesondere mit AJ+, das sich ebenfalls gezielt an ein junges, digitalaffines Publikum richtet. Gleichzeitig wird Al Jazeera von unterschiedlichen Seiten vorgeworfen, eine zu enge Nähe zur katarischen Regierung zu haben und dadurch nicht unabhängig zu sein. Iranischer Auslandsrundfunk Profil und Angebot Die staatliche Rundfunkgesellschaft Irans, Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB), verfügt über das Monopol für Radio- und Fernsehdienste im Land und unterliegt der Kontrolle des politischen Establishments. IRIB betreibt über 150 Fernseh- und Radiosender sowie digitale Angebote, die nationale und internationale Zielgruppen erreichen sollen. Nachrichten, Unterhaltung, Filme, Serien, Dokumentationen, Sport und Bildung gehören zum Programmspektrum. Die Islamic Republic News Agency (IRNA) ist die offizielle Nachrichtenagentur Irans, sie wird von der Regierung finanziert und gibt die Zeitung Iran heraus. 98 Al Jazeera o.D. a. Das internationale Angebot von IRIB umfasst Programme in 31 Sprachen99 und ist in mehrere Marken aufgeteilt: – PressTV ist das Aushängeschild des internationalen Angebots von IRIB mit einem englischsprachigen linearen TV-Kanal und digitalen Angeboten in Englisch und Französisch. Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf Nordamerika und Großbritannien. – HispanTV ist der spanischsprachige lineare TV-Kanal, zu dem auch ein digitales Angebot gehört. Der Sender kooperiert mit lateinamerikanischen Anbietern. – Al Alam 24/7 ist ein arabischsprachiges digitales und TV- Angebot. Die Webseite ist zudem in Englisch und Farsi verfügbar. – Sahar Universal Network ist ein TV-, Radio- und digitales Angebot in Bosnisch, Azeri, Kurdisch, Kurmanci und Urdu. – Al-Kawthar TV ist ein TV-Angebot über Religions- und Kulturthemen auf Arabisch mit begleitender Web- und Social-Media-Präsenz, das hauptsächlich in der MENA- Region (Middle East and North Africa, Nahost/ Nordafrika) ausgestrahlt wird. – Pars Today bietet Radio- und digitale Angebote laut eigenen Angaben in 30 Sprachen. Die Radioinhalte sind über Kurzwelle, Satellit und online verfügbar. – Jaam-e-Jam ist ein Angebot für die iranische Diaspora in Europa, Nordamerika sowie Asien und Australien. – Quran-TV ist ein TV-Angebot in Farsi zu religiösen Themen und für ein ausländisches Publikum. Alle Sender bieten Informationen und Nachrichten aus iranischer Perspektive und sollen ein positives Iran-Bild vermitteln. Das Budget von IRIB für 2024 beträgt laut Schätzungen 123,9 Millionen Euro, was einem Rückgang um 19,18 % im Vergleich zu den 153,3 Millionen Euro im Jahr 2023 entspricht. Allerdings sind die verfügbaren Budgetzahlen uneinheitlich und variieren je nach Quelle, was ihre Transparenz und Verlässlichkeit in Frage stellt. IRIB finanziert sich durch staatliche Subventionen sowie Werbeeinnahmen, 99 Albanisch, Arabisch, Armenisch, Aserbaidschanisch, Assyrisch, Bengalisch, Bosnisch, Chinesisch, Dari, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Haussa, Hebräisch, Hindi, Indonesisch, Italienisch, Japanisch, Kasachisch, Kurdisch, Paschtu, Russisch, Spanisch, Kisuaheli, Tadschikisch, Talisch, Türkisch, Turkmenisch, Urdu, Usbekisch. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 39 – die offiziell rund 50 % des Gesamtbudgets ausmachen. Ein erheblicher Teil dieser Werbeeinnahmen stammt jedoch von staatlichen Unternehmen, und alle Werbeeinnahmen müssen an staatliche Behörden abgeführt werden.100 Nutzung Die iranischen Auslandsdienste veröffentlichen keine Nutzungszahlen. Strategie IRIB dient als staatliches Sprachrohr des politischen Regimes im Iran und unterliegt strenger Zensur. Journalistinnen und Journalisten erhalten detaillierte Vorgaben zur Berichterstattung, während kritische Debatten systematisch unterdrückt werden. Auch Unterhaltungsinhalte werden stark bearbeitet. Die offizielle Charta von IRIB nennt zwar das Prinzip der Kritikfähigkeit, jedoch steht die Berichterstattung unter der direkten Kontrolle des Obersten Führers und verfolgt die Vorgabe, die „Vorherrschaft des Islam“ zu fördern. Eine unabhängige Überprüfung oder Kontrolle der redaktionellen Unabhängigkeit existiert nicht. Medienberichten zufolge plant die iranische Regierung für 2025 eine Verdreifachung des IRIB-Budgets – die größte Erhöhung in der Geschichte des Senders.101 Diese Entscheidung wird auf den Einfluss der erzkonservativen Paydari-Partei im Parlament zurückgeführt und steht nicht im Zusammenhang mit den Einschaltquoten. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts des Senders ist die Zahl der Zuschauenden in den letzten Jahren stark gesunken – um bis zu 57 % – da immer mehr auf soziale Medien oder ausländische Fernsehsender ausgewichen wird.102 Weitere Anbieter Neben den bisher aufgeführten großen Anbietern betreiben viele weitere Länder internationale Informationsanbieter. Die nachfolgend aufgeführten sind lediglich eine Auswahl, basierend auf der Bedeutung als Mitbewerber der DW in bestimmten Regionen: – Die Türkiye Radyo ve Televizyon Kurumu (TRT World) ist der staatliche Rundfunk der Türkei und wurde 1964 gegründet. Dieser betreibt 14 Fernsehsender, darunter TRT World als internationalen englischsprachigen Nachrichtensender sowie 19 Radiosender. Das internationale 100 State Media Monitor 2025. 101 Ebd. 102 Ebd. Angebot umfasst Programme in elf Sprachen.103 Inhaltlich vertritt TRT World die Positionen der türkischen Außenpolitik. Der TV-Kanal ist weltweit über Satelliten zu empfangen und wird vom türkischen Staat über die TRT-Dachorganisation finanziert. TRT finanziert sich dadurch vollständig aus staatlichen Mitteln, wobei die Hauptquelle Steuern sind. Das Budget belief sich 2021 auf ca. 165 Millionen Euro104, genaue Zahlen für die letzten Jahre sind nicht verfügbar. TRT wird häufig für seine Nähe zur türkischen Regierung kritisiert und gilt laut Medienbeobachterinnen und -beobachtern als regierungsfreundlich.105 Seit 2018 untersteht der Sender direkt der Präsidialkommunikationsbehörde, was die politische Kontrolle weiter verstärkt hat. – Australian Broadcasting Corporation (ABC) bietet in vier Sprachen106 hauptsächlich Radio- und digitale Angebote. Im Mittelpunkt steht die australische Perspektive auf Themen wie Bildung, Gesundheit und Wirtschaft in der Region. – NHK World Japan ist der Auslandssender des japanischen Rundfunks Nippon Hōsō Kyōkai (NHK) und bietet in 20 Sprachen107 TV-, Radio und digitale Angebote. NHK finanziert sich hauptsächlich durch Rundfunkgebühren. Angesichts globaler Herausforderungen will NHK seine internationale Präsenz weiter ausbauen und die japanische Perspektive gezielt in weltweite Medienmärkte einbringen. – Die Canadian Broadcasting Corporation (CBC) ist Kanadas öffentlich-rechtlicher Rundfunk und bietet plattformübergreifende Inhalte in 15 Sprachen.108 Gegründet 1936 als Radiosender, umfasst das Angebot heute TV, Radio, Streaming, Podcasts und digitale Plattformen mit Nachrichten, Unterhaltung und Sport. Der Auftrag zur Förderung der kanadischen Kultur und Demokratie ist gesetzlich verankert. – Al-Arabiya ist ein panarabischer Informationsanbieter, der 2003 in den Vereinigten Arabischen Emiraten als 103 Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Haussa, Mazedonisch, Russisch, Spanisch, Kisuaheli. 104 State Media Monitor 2024c. 5,6 Milliarden türkische Lira umgerechnet am 24.03.2025. 105 State Media Monitor 2024c. 106 Chinesisch, Englisch, Indonesisch, Tok Pisin. 107 Arabisch, Bengalisch, Burmesisch, Chinesisch, Englisch, Farsi, Französisch, Hindi, Indonesisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Thailändisch, Türkisch, Ukrainisch, Urdu, Vietnamesisch. 108 Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Punjabi, Spanisch, Tagalog. Und die indigenen Sprachen: Cree, Dëne Sųłıné (Chipewyan), Dehcho Dene Yati, Gwich’in, Inuktitut, Inuvialuktun, Sahtu Got’ine Godi, Tłı̨ chǫ (Tlicho). Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 40 – Reaktion auf Al Jazeeras kritische Berichterstattung über die saudische Königsfamilie in den 1990er Jahren gegründet wurde. 2021 hat der Sender seinen Hauptsitz nach Riad, Saudi-Arabien, verlegt. Al-Arabiya ist Teil der Middle East Broadcasting Center (MBC) Group, die sich im Besitz saudischer Investoren befindet. Der Sender konzentriert sich hauptsächlich auf Themen aus der arabischen Welt sowie internationale Nachrichten. – Rádio e Televisão de Portugal (RTP) ist der öffentlichrechtliche Auslandsrundfunk Portugals. Er findet vor allem im lusophonen Afrika Verbreitung. Neben internationalen Informationsanbietern, die in Gänze oder in Teilen staatlich finanziert werden, gibt es auch kommerzielle Anbieter, die international tätig sind: – Cable News Network (CNN) ist ein privater US- amerikanischer Nachrichtensender mit TV- und Online- Angeboten in Englisch sowie regionalen Inhalten in neun weiteren Sprachen.109 Mit 37 Büros weltweit, über 1000 angeschlossenen Lokalsendern und mehreren regionalen Netzwerken erreicht der Sender ein großes globales Publikum.110 Zusätzlich lizenzieren Franchise-Partner Inhalte unter der Marke CNN in verschiedenen Sprachen. DG8 Intensiv kooperiert die DW seit Jahren im Verbund der sogenannten DG8, den internationalen Informationsanbietern demokratischer Länder, deren Zusammenarbeit verschiedene thematische Ebenen wie Zensurumgehung umfasst. Dazu gehören ABC Australia, CBC/Radio-Canada, France Médias Monde, NHK World Japan, SRG SSR, BBC und USAGM. Da immer mehr Länder auf der ganzen Welt unabhängige Medien zensieren und die Pressefreiheit verletzen, setzen sich die DG8 dafür ein, die Informationsfreiheit und Medienfreiheit zu schützen, die für demokratische Gesellschaften und den Schutz der Menschenrechte unerlässlich sind. 109 Albanisch, Arabisch, Griechisch, Indonesisch, Portugiesisch, Rumänisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch. 110 CNN 2023. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 41 – DW AKADEMIE Trends in der Medienentwicklungszusammenarbeit Ohne freien Journalismus kann es kein demokratisches Zusammenleben und keine offene Gesellschaft geben. Angesichts von Desinformationskampagnen und grassierender Fehlinformation – insbesondere in digitalen Plattformmedien und teils KI-unterstützt – ist die Integrität des öffentlichen Informationsraumes zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit politischer Entscheiderinnen und Entscheider gerückt, national wie international. So hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Verteidigung der Informationsintegrität in den Mittelpunkt der EU-Initiative eines „Schutzschildes für die Demokratie“ gestellt.111 Damit setzt die EU-Kommission den Kurs fort, den sie in den vergangenen Jahren mit ihrem Aktionsplan für Demokratie verfolgt hat. Das Ziel: Die Mediensysteme der Mitgliedstaaten angesichts politischer und technologischer Veränderungen robust machen. Die Vereinten Nationen haben zusammen mit dem 2024 verabschiedeten Zukunftspakt auch einen globalen Digitalpakt beschlossen und damit ein starkes Signal für mehr Meinungs- und Medienfreiheit gesendet.112 Die UN-Mitgliedsstaaten haben sich darin verpflichtet, Journalistinnen und Journalisten vor Übergriffen zu schützen und allen Menschen Zugang zu unabhängigen öffentlichen Medien zu gewähren. UN-Zukunfts- und -Digitalpakt ergänzen die Sustainable Development Goals (SDGs), die Nachhaltigen Entwicklungsziele, die sich die Vereinten Nationen bis 2030 gesetzt haben. Die SDGs fordern, dass alle Menschen Zugang zu öffentlichen Informationen haben.113 Organisationen wie das UN- Entwicklungsprogramm (UNDP) oder die UN-Behörde für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) warnen seit längerem vor den Gefahren falscher, manipulierter oder irreführender Information.114 111 Europäische Kommission 2024b. 112 UN 2025a. 113 UN 2025b. 114 UNDP 2025. Mängel in Informations-Ökosystemen in Ländern in aller Welt hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie offengelegt. In ihrem Verlauf hat absichtlich oder unwissentlich verbreitete Desinformation Gesundheit und Leben vieler Menschen in akute Gefahr gebracht. Die Weltgesundheitsorganisation sprach von einer „Infodemie“. Es ist klar geworden: Akkurate und vertrauenswürdige Information rettet Leben.115 Die Voraussetzungen für die Produktion verlässlicher Information in Partnerländern verbessern: Das ist auch Teil des Auftrags an die Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Organisationen der Medien-EZ setzen sich für verschiedene Aspekte funktionierender Informations-Ökosysteme ein, darunter Meinungs- und Medienfreiheit, Zugang zu Informationen für alle Menschen, gute Bedingungen für die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Medienunternehmen, journalistische Ausbildung, digitale Rechte oder die Sicherheit von Medienschaffenden. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) setzt mittels ihres Komitees für Entwicklungszusammenarbeit Qualitätsstandards für weite Teile der staatlichen EZ. 2024 hat sie Prinzipien für relevante und effektive Programme zur Verbesserung von Informations-Ökosystemen veröffentlicht. Danach bindet gute Medien-EZ die Expertise der Menschen in den Partnerländern wesentlich ein, fördert Medien, die im öffentlichen Interesse berichten oder nimmt einen ganzheitlichen Blick auf das jeweilige Mediensystem ein.116 Vor dem Hintergrund eines wachsenden internationalen Bewusstseins für die Herausforderungen, die fehlender Zugang zu verlässlicher, qualitativ hochwertiger Information mit sich bringt, hat die Entscheidung der US-Regierung unter Donald Trump, die Entwicklungszusammenarbeit der USA weitestgehend zu stoppen, immensen Schaden 115 DWA 2021. 116 OECD 2024. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 42 – verursacht. Praktisch über Nacht konnten Medien-EZ- Organisationen Anfang 2025 wichtige Projekte nicht mehr weiterführen. Betroffen waren Akteure rund um die Welt, wobei die Auswirkungen besonders heftig an Orten gewesen sein dürften, in denen Menschen für ihre Sicherheit akut auf verlässliche Informationen angewiesen sind, beispielsweise in der Ukraine, in Krisen- und Katastrophengebieten wie Myanmar oder in Geflüchtetenlagern, etwa in Kenia, Uganda oder Bangladesch. Der internationale Medien-EZ-Verband Global Forum on Migration and Development schätzt unter Rückgriff auf Daten der OECD, dass die USA im Durchschnitt der vergangenen Jahre etwas mehr als ein Fünftel aller staatlichen Medien-EZ-Mittel aufgebracht haben, rund 130 Millionen von 620 Millionen US-Dollar im Zeitraum 2020 bis 2024.117 Auch andere wichtige Gebernationen haben zuletzt unter dem Eindruck internationaler Spannungen ihr Engagement in der Medien-EZ teils deutlich verringert, darunter 117 GFMD 2025. das Vereinigte Königreich und die Niederlande. Dies ist eine problematische Entwicklung, da dadurch der autokratische Trend in Teilen der Welt, dem die Medien-EZ entgegenwirken kann, verstärkt wird – mit Sicherheitsrisiken für Europa und die Welt. Bestandsaufnahme des Medien-EZ-Sektors, Stärken verdeutlichen und Verbesserungspotenzial identifizieren: Diese Ziele erfüllt der State of Media Development-Bericht, den DW Freedom, der Medien-EZ-Thinktank der DW  Akademie, im Frühjahr 2025 vorgelegt hat. Als Grundlage der Untersuchung dienten die OECD-Prinzipien für effektive Medien-EZ.118 Der Bericht bildet den Sektor in einem Moment ab, in dem die Relevanz der Arbeit offenkundig und politisch anerkannt ist, gleichzeitig aber externe Schocks wie der US- Finanzierungsstopp für Anpassungsdruck sorgen. Die Ergebnisse können die Grundlage bilden für eine informierte Diskussion über die künftige Ausrichtung der Medien-EZ. 118 DWA 2025a. Digitale Brücken in abgelegene Regionen: Mit Apps wie Colmena und Voice Deck unterstützt die DW Akademie lokalen Journalismus in Uganda – für Geschichten, die gehört werden. © M us ok e La w re nc e Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 43 – EXKURS 1 Zensur als wachsende Bedrohung für die globale Meinungsfreiheit Zensur stärkt autoritäre Strukturen, verzerrt die öffentliche Wahrnehmung, untergräbt demokratische Prinzipien und stellt damit eines der zentralen Themen unserer Zeit dar. Zensur betrifft dabei nicht nur grundlegende Fragen der Informations- und Meinungsfreiheit, sondern geht weit über die rein technische Einschränkung hinaus. Sie baut auf gesellschaftlicher Kontrolle auf, führt zu einer zunehmenden Abhängigkeit von staatlich kontrollierten Informationsquellen und untergräbt dadurch auch die Grundlage für eine stabile Demokratie. Als Macht- und Kontrollinstrument entwickelt sich Zensur auch zur zentralen Herausforderung für unabhängige Medienorganisationen, denen es immer schwerer fällt, ihre Inhalte in den Zielregionen zu verbreiten. Zugleich sieht sich auch die Zivilgesellschaft mit immer größeren Hürden konfrontiert, wenn es darum geht, freien Zugang zu verlässlichen Informationen zu erhalten. Dies wiegt besonders schwer, da gerade in Kriegs- und Krisengebieten sowie in abgeschotteten Systemen unabhängige Medien eine essenzielle Grundlage für freie Meinungsbildung darstellen. Zensur dient vor allem dazu, die eigene Wahrheit zur einzig gültigen zu erklären und kritische und alternative Stimmen zum Schweigen zu bringen. Um die öffentliche Meinung zu steuern, nutzen autokratische Regierungen neben Zensur häufig auch Desinformation und Überwachung als Mittel. In diesem Kontext rückt der digitale Raum zunehmend ins Zentrum der Auseinandersetzung – einerseits als Schauplatz von Wahrheit und Manipulation, andererseits als Werkzeug zur Kontrolle von Informationsflüssen. Im Jahr 2024 war die globale Internetfreiheit zum 14. Mal in Folge rückläufig.119 Vielerorts durch gezielte Unterdrückung kritischer Stimmen durch staatliche Akteure sowie weitreichende Einschränkungen von Informationen bis hin zu Abschaltungen. Der zunehmenden digitalen Repression 119 Freedom House 2024a. setzt die DW das entgegen, was sie seit über 70 Jahren auszeichnet: verlässliche, unabhängige Informationen aus vielfältigen Perspektiven. Gemeinsam mit internationalen Partnern entwickelt sie technische Lösungen zur Umgehung von Internetzensur kontinuierlich weiter und bringt diese direkt zu den Menschen, die von Informationskontrolle betroffen sind. Gleichzeitig war die DW zeitweise in fünf Ländern offiziell gesperrt: China, Iran, Belarus, Russland und Türkei; die Aufhebung der Sperrung in der Türkei erfolgte offiziell am 31. Juli 2025. Doch auch in vielen anderen Regionen wird der Zugang zu unabhängigen Medien systematisch eingeschränkt. Regierungen nutzen gesetzgeberische Mittel wie Fake-News-Gesetze oder Vorschriften zur nationalen Sicherheit, um kritische Berichterstattung zu unterdrücken und den Zugang zum Internet zu kontrollieren. Dabei kommen unterschiedliche Methoden der Zensur zum Einsatz. In China beispielsweise durch die sogenannte Great Firewall, die den Zugang zu ausländischen Webseiten blockiert und soziale Medien zensiert, während staatlich kontrollierte Alternativen wie WeChat gezielt gefördert werden. Neben gezielter Propaganda setzt Russland vor allem auf gesetzliche Instrumente wie das sogenannte „Ausländische-Agenten“-Gesetz, das unabhängige und kritische Medien systematisch unterdrückt. Durch Stigmatisierung, bürokratische Hürden und direkte Repressionen wird ihre Arbeit vor Ort massiv eingeschränkt, sodass sie faktisch unmöglich wird.120 Im Iran wird wiederum vor allem mit ideologischer Zensur gearbeitet und das Internet bei Protesten regional abgeschaltet. Saudi-Arabien kombiniert autoritäre Kontrolle mit Hightech-Überwachung, repressiven Gesetzen und Einschüchterung. In Mexiko und Kolumbien wird Zensur vor allem durch Gewalt und Einschüchterung ergänzt, 120 DW 2022a, 2022b. Drucksache 21/2900 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode– 44 – wodurch die Selbstzensur verstärkt wird. In extremen Fällen, wie beispielweise in Äthiopien, den Palästinensischen Gebieten oder dem Sudan, können politische Krisen auch zu landesweiten Internetabschaltungen führen. Angesichts der zunehmenden Einschränkungen der Meinungsfreiheit setzt die DW auf eine Kombination aus technischen, strategischen und kooperativen Maßnahmen, um ihren Auftrag weiterhin erfüllen zu können. Ein zentraler Bestandteil ist der Einsatz von Zensur- Umgehungstechnologien. Hierzu gehört beispielsweise die Bewerbung von Virtual Private Networks (VPNs)121, die den Standort der Nutzenden verschleiern und ihre Internetverbindung verschlüsseln. Dadurch wird es für Regierungen schwerer, Menschen aufgrund ihres geographischen Standorts oder 121 Siehe Glossar. Director General Peter Limbourg mit Vertreterinnen und Vertretern der DG8, der internationalen Arbeitsgemeinschaft von acht öffentlich-rechtlichen Medienorganisationen. Vereinte Skills und Wissen: Im Rahmen des Welttags gegen Zensur im Internet richtete die DW den Hackathon Hacking for freedom aus. ihrer Internetnutzung zu überwachen oder zu blockieren. Zusätzlich stellt die DW einen eigenen Proxy-Server122 bereit, der Internetanfragen über Server in anderen Ländern weiterleitet und so den Zugriff auf blockierte Inhalte ermöglicht. Darüber hinaus wurden in die DW News App spezielle Zensurumgehungsfunktionen integriert, um auch dort den Zugang zu gesperrten Inhalten zu erleichtern. Auch die Verwendung dezentraler Netzwerke wie Tor123, das durch mehrfache Verschlüsselung Anonymität gewährleistet, trägt dazu bei, den Zugang zu zensierten Inhalten zu ermöglichen. Parallel dazu diversifiziert die DW ihre Verbreitungswege, um ihre Inhalte über verschiedene Plattformen zugänglich zu machen. Neben der eigenen Webseite setzt die DW auf soziale Netzwerke wie YouTube, Facebook und Instagram. Darüber hinaus werden Messenger-Dienste wie Telegram genutzt, um eine direkte und schnelle Kommunikation mit der Zielgruppe zu ermöglichen. Zusätzlich arbeitet die DW eng mit internationalen Partnern zusammen, um eine koordinierte Antwort auf Zensurmaßnahmen zu entwickeln. Im Rahmen der DG8124, dem Netzwerk von international führenden, öffentlich-rechtlichen Medienorganisationen, werden regelmäßig gemeinsame Strategien gegen die wachsende Bedrohung durch Zensur entwickelt.125 Die Strategie der DW zeigt sich als äußerst resilient. Trotz zunehmender Zensurmaßnahmen in zahlreichen Ländern gelingt es ihr, die Reichweite kontinuierlich auszubauen – insbesondere in Krisenregionen. In Venezuela konnte der Rückgang der TV-Nutzung infolge der Sperrung der DW durch eine verstärkte Nutzung von Online-Videos, insbesondere über Instagram, kompensiert werden. Auch in Äthiopien verzeichnet die DW eine wachsende Reichweite – begünstigt durch die gezielte Diversifizierung der Plattformen sowie die Einführung neuer Inhaltstypen. In einer Welt, in der Meinungsfreiheit zunehmend unter Druck gerät und autoritäre Regime den Zugang zu unabhängigen Informationen immer stärker einschränken, gewinnt der Auftrag der DW mehr denn je an Bedeutung. Mit ihrer faktenbasierten, journalistisch hochwertigen Berichterstattung übernimmt sie eine unverzichtbare Rolle als verlässliche Informationsquelle für Millionen Menschen weltweit. Gerade angesichts wachsender Herausforderungen ist es von enormer Bedeutung, den freien Zugang zu den Angeboten der DW als Beitrag zur Stärkung demokratischer Werte und freier Meinungsbildung langfristig zu sichern. 122 Siehe Glossar. 123 Siehe Glossar. 124 Siehe Glossar. 125 Public Media Alliance 2024. © D W © Je nn ife r K os ch / D W Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2900– 45 – EXKURS 2 KI als Triebkraft des digitalen Wandels KI gehört zu den zentralen Triebkräften des digitalen W

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