Entschließung des Bundesrates "60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen"
Text
Entschließung des Bundesrates "60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen"
[Bundesrat Drucksache 213/25
21.05.25
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ISSN 0720-2946
Antrag
aller Länder
Entschließung des Bundesrates „60 Jahre deutsch-israelische
Beziehungen“
Der Ministerpräsident Düsseldorf, 21. Mai 2025
des Landes Nordrhein-Westfalen
An die
Präsidentin des Bundesrates
Frau Ministerpräsidentin
Anke Rehlinger
Sehr geehrte Frau Bundesratspräsidentin,
die Regierungen der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg,
Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen,
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt,
Schleswig-Holstein und Thüringen haben beschlossen, dem Bundesrat den als
Anlage beigefügten Antrag für eine
Entschließung des Bundesrates
„60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen“
zuzuleiten.
Ich bitte, die Vorlage gemäß § 36 Absatz 2 der Geschäftsordnung des Bundesrates
mit dem Ziel der sofortigen Sachentscheidung in die Tagesordnung der Sitzung des
Bundesrates am 23. Mai 2025 aufzunehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Hendrik Wüst
Entschließung des Bundesrates „60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen“
Der Bundesrat möge beschließen:
1. Der Bundesrat würdigt die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel vor 60 Jahren und das feste
Band, das sich seither zwischen beiden Staaten entwickelt hat. Deutschland
und Israel sind durch vielfache Beziehungen eng und freundschaftlich
miteinander verbunden – dazu zählen Beziehungen auf politischer Ebene
ebenso wie die vielfältigen Kontakte zwischen den Gesellschaften.
2. Vor dem Hintergrund der Shoah und der deutschen Schuld an der Ermordung
der Jüdinnen und Juden in Europa war die Aufnahme von Beziehungen vor
60 Jahren keine Selbstverständlichkeit. Es war ein wichtiger Schritt, damit sich
neues Vertrauen herausbilden konnte. Deutschland wird hierfür immer dankbar,
und die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel werden immer
besondere sein. Deutschland bekennt sich zu seiner historischen
Verantwortung. Der Bundesrat bekräftigt, dass zu dieser deutschen
Verantwortung gehört, sich für die Existenz des Staates Israel einzusetzen, für
dessen Sicherheit einzutreten.
3. Der Bundesrat hat die menschenverachtenden Terroranschläge der Hamas auf
Israel mit seiner Entschließung vom 20. Oktober 2023 verurteilt und sich fest an
die Seite Israels gestellt. Der Bundesrat bekennt sich zum israelischen Recht
auf Selbstverteidigung. Nach mehr als eineinhalb Jahren sind noch immer nicht
alle der von der Hamas verschleppten Geiseln in Freiheit. Der Bundesrat
unterstreicht seine Forderungen, dass die lebenden Geiseln umgehend
freigelassen, die sterblichen Überreste Verschleppter von der Hamas
übergeben und die Angriffe auf Israel beendet werden müssen.
4. Der Bundesrat ruft die Bundesregierung auf, sich weiter gemeinsam mit
unseren europäischen und internationalen Partnern für eine Deeskalation des
Konflikts in der Region einzusetzen und auf die Einhaltung des Völkerrechts
und insbesondere des humanitären Völkerrechts durch alle am Konflikt
beteiligten Parteien im Gazastreifen zu dringen. Es muss das gemeinsame Ziel
bleiben, auf eine dauerhafte Regelung zwischen Israel und den
Palästinensischen Gebieten hinzuwirken, die allen Menschen ein Leben in
Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung ermöglicht. Der Bundesrat bekräftigt
seine Überzeugung, dass dies nur in Form einer Zweitstaatenlösung auf Dauer
gelingen kann.
5. Der Bundesrat unterstreicht seine Sorge, dass es seit dem Terrorangriff der
Hamas auf Israel auch in Deutschland zu einer Zunahme antisemitischer
Vorfälle sowie zu antiisraelischen Hassdemonstrationen gekommen ist, bei
denen das Existenzrecht Israels geleugnet und zur Beseitigung des israelischen
Staates aufgerufen wurde. Der Bundesrat verurteilt jegliche Form des
Antisemitismus auf das Schärfste. Vor diesem Hintergrund bekräftigt er, dass
sowohl das Existenzrecht des Staates Israel als auch der Schutz und die
Sicherheit jüdischer Menschen in Deutschland zur deutschen Staatsräson
gehören. Wenn diese Prinzipien angegriffen werden, muss sich Deutschland
als wehrhafter und handlungsbereiter Rechtsstaat erweisen und bewähren.
6. Der Bundesrat betont seinen Willen, die vielfältigen Beziehungen zwischen
Deutschland und Israel zu stärken. Insbesondere in den Bereichen Wirtschaft,
Wissenschaft, Bildung, Jugend und Kultur gibt es viele Potentiale, die zum
beiderseitigen Vorteil weiter zur Entfaltung gebracht werden sollen. Dazu
gehören auch der Ausbau und die Pflege von Partnerschaften zwischen
Städten und Gemeinden, von Bildungskooperationen mit Schulen,
Universitäten und Forschungseinrichtungen genauso wie mit Handwerk und
Kammern, von außerschulischen Projekten und Jugendaustausch sowie von
der Zusammenarbeit zwischen Gedenkstätten und Orten der Erinnerungskultur.
7. Der Bundesrat bekennt sich zu der Aufgabe, die Erinnerung an die Shoah und
an die Folgen dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit wach zu halten.
Diese Aufforderung, sich mit der deutschen Geschichte und ihrer Folgen
auseinanderzusetzen richtet sich an alle, die in unserem Land leben. Es gilt,
was Bundespräsident Joachim Gauck in einer Rede zum Tag des Gedenkens
an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2015 gesagt hat: „Hier ist
jemand eingetreten in eine Verantwortungsgemeinschaft, die nicht aus einer
Erfahrungsgemeinschaft herrührt. Aber wir finden uns wieder in einem
gemeinsamen Willen.“ Diese Verantwortung muss immer wieder neu
übernommen und weitergeführt werden.
Drucksache 213/25 - 2 -]
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