Mögliche Gefährdung der maritimen Sicherheit Deutschlands durch den Rückgang der Anzahl deutscher Seeleute und die Schwächung der Handelsflotte unter deutscher Flagge
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Mögliche Gefährdung der maritimen Sicherheit Deutschlands durch den Rückgang der Anzahl deutscher Seeleute und die Schwächung der Handelsflotte unter deutscher Flagge
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4861
21. Wahlperiode 20.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Alexis L. Giersch, René Bochmann, Wolfgang Wiehle, Lars
Haise, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Stefan Henze, Leif-Erik Holm,
Dr. Rainer Kraft, Hans-Jürgen Goßner, Volker Scheurell, Otto Strauß, Andreas
Mayer, Carsten Becker und der Fraktion der AfD
Mögliche Gefährdung der maritimen Sicherheit Deutschlands durch den
Rückgang der Anzahl deutscher Seeleute und die Schwächung der Handelsflotte
unter deutscher Flagge
Die Zahl der in der deutschen Sozialversicherung erfassten Seeleute auf
Handelsschiffen unter deutscher Flagge geht seit Jahren deutlich zurück. Trotz
verschiedener Förderinstrumente zur Stärkung des maritimen Standortes
Deutschland sinkt der Anteil deutscher sozialversicherungspflichtiger
Besatzungsmitglieder kontinuierlich (https://ichwolltemeer.de/Mewes-News/Abbau-DEUTSC
H-auf-See-geht-geplant-weiter/index.php/).
Gleichzeitig werden zunehmend internationale Crews eingesetzt, wodurch
Beiträge zu den deutschen sozialen Sicherungssystemen ausbleiben und maritime
Ausbildungs- sowie Beschäftigungsperspektiven für deutsche Seeleute weiter
unter Druck geraten.
Diese Entwicklung wirft bei den Fragestellern grundlegende Fragen zur
Wirksamkeit der bisherigen Flaggen- und Förderpolitik des Bundes, zu möglichen
Fehlanreizen im internationalen Register sowie zu den langfristigen Folgen für
die soziale Absicherung, die Fachkräftebasis und die maritime Souveränität
Deutschlands auf. Vor diesem Hintergrund besteht in den Augen der
Fragesteller ein erhebliches öffentliches und parlamentarisches Interesse an einer
umfassenden Darstellung der aktuellen Zahlen, Trendentwicklungen und politischen
Bewertungen durch die Bundesregierung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie erklärt die Bundesregierung den massiven Rückgang der Anzahl
deutscher Seeleute auf Handelsschiffen seit 2010, und welche politischen
Fehlentscheidungen haben nach ihrer Auffassung zu dieser Entwicklung
beigetragen?
2. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragesteller, dass der
drastisch sinkende Anteil deutscher Besatzungen die maritime
Handlungsfähigkeit Deutschlands in Krisen- und Verteidigungsfällen erheblich
schwächt?
a) Wenn ja, welche Auswirkungen sind damit verbunden?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Wie will die Bundesregierung ggf. sicherstellen, dass Deutschland im
Spannungs- oder Bündnisfall noch über ausreichend in Deutschland
ausgebildetes nautisches und technisches Personal verfügt, wenn die Zahl
deutscher Seeleute weiter sinkt?
4. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland die
Arbeitslosenquote bei den seemännischen Berufen, und wie hat sich diese in
den letzten zehn Jahren entwickelt?
5. Wie viele Ausbildungsplätze bzw. Studienplätze für seemännische Berufe
gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell, und wie hat sich deren
Zahl in den vergangenen zehn Jahren verändert?
6. Wie bewertet die Bundesregierung die Attraktivität der seemännischen
Berufe im Kontext der dargestellten Entwicklung, und was beabsichtigt
sie ggf. zu unternehmen, um ein ausreichendes Interesse der Jugend an
diesen Berufen sicherzustellen?
7. Welche konkreten sicherheitspolitischen Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus der fortschreitenden Ausflaggung deutscher Handelsschiffe?
8. Hält die Bundesregierung die derzeitige Entwicklung der
deutschflaggigen Flotte angesichts wachsender geopolitischer Risiken und hybrider
Bedrohungen auf See für verantwortbar?
9. Welche Risiken für die nationale Versorgungssicherheit sieht die
Bundesregierung durch die zunehmende Abhängigkeit von ausländischen
Besatzungen und Flaggenstaaten?
10. Warum ist es der Bundesregierung bislang nicht gelungen, die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Flagge nachhaltig zu stärken, obwohl seit
Jahren ein Rückgang von Schiffen und Besatzungen dokumentiert wird
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
11. Inwiefern überprüft die Bundesregierung ggf. die bestehenden
Förderinstrumente, insbesondere Tonnagesteuer und Lohnnebenkostenförderung,
auf ihre tatsächliche sicherheitspolitische Wirkung?
12. Liegen der Bundesregierung Lagebewertungen vor, die die deutsche
Handelsflotte ausdrücklich als Bestandteil der kritischen Infrastruktur oder der
Gesamtverteidigung einstufen?
a) Wenn ja, zu welchen Ergebnissen kommt sie?
b) Wenn nein, warum nicht?
13. Plant die Bundesregierung angesichts der sicherheitspolitischen Lage eine
nationale maritime Sicherheitsstrategie mit verbindlichen Maßnahmen zur
Stärkung deutscher Besatzungen und der deutschen Flagge?
a) Wenn ja, in welchem Umfang?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, 19. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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