Zukünftige Ausrichtung der deutschen Küsten- und Meeresfischerei an den Vorschlägen der Zukunftskommission Fischerei
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Zukünftige Ausrichtung der deutschen Küsten- und Meeresfischerei an den Vorschlägen der Zukunftskommission Fischerei
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1156
21. Wahlperiode 07.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dario Seifert, Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt,
Danny Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner, Stefan
Schröder, Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dr. Michael Blos, Olaf
Hilmer und der Fraktion der AfD
Zukünftige Ausrichtung der deutschen Küsten- und Meeresfischerei an den
Vorschlägen der Zukunftskommission Fischerei
Mit der Veröffentlichung des Abschlussberichts der „Zukunftskommission
Fischerei“ (ZKF) am 8. April 2025 hat die Bundesregierung einen neuen
Orientierungsrahmen für die zukünftige Ausrichtung der deutschen Küsten- und
Meeresfischerei gesetzt (www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Fischerei/
abschlussbericht-zkf.pdf?__blob=publicationFile&v=7). Im Zentrum der
Empfehlungen stehen der gezielte Flottenabbau, insbesondere im Bereich der
Kutter- und Krabbenfischerei, der massive Strukturwandel infolge
zunehmender Flächenkonkurrenz durch den Ausbau der Offshorewindenergie und
Meeresschutzgebiete sowie Programme zur Nachwuchssicherung und
Diversifizierung der Einkommensquellen der Fischereibetriebe. Diese Maßnahmen
berühren die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen der betroffenen
Küstenregionen und bergen die Gefahr, traditionelle Berufsstrukturen und regionale
Wertschöpfungsketten nachhaltig zu schwächen (www.fischereischutzverband.de/kl
opfer-des-monats.html). Besonders kritisch erscheinen aus Sicht der
Fragesteller der geplante Rückbau der Fischereiflotte, die Zunahme von
Nutzungskonflikten im Meer und die unzureichende Perspektive für den dringend
notwendigen Berufsnachwuchs. Gleichzeitig bleiben zahlreiche praktische
Umsetzungsfragen und der Umfang vorgesehener Hilfsmaßnahmen bislang offen.
Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
SPD das Ziel gesetzt, die Entwicklung der Fischerei entsprechend den
Empfehlungen der Zukunftskommission Fischerei zu stärken (www.koalitionsvertrag2
025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, S. 40 ff.). Die
Fragesteller sind daran interessiert, zu erfahren, mit welchen Strategien und
Maßnahmen Flottenabbau, Flächenkonkurrenz und Nachwuchssicherung in
Einklang gebracht werden sollen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten zeitlichen und inhaltlichen Vorgaben plant die
Bundesregierung für die Reduzierung der Kutter- und Krabbenfischereiflotte
entsprechend den Empfehlungen der Zukunftskommission Fischerei?
2. Wie hoch veranschlagt die Bundesregierung den Investitionsbedarf für
den geplanten Flottenabbau und die Modernisierung verbleibender
Kutterflotten?
3. Welche Kriterien sind für die Vergabe von Stilllegungs- und
Modernisierungsprämien vorgesehen, und wie wird die Sozialverträglichkeit
sichergestellt?
4. Welche Maßnahmen sind ausdrücklich zum Erhalt kleiner, traditionell
geprägter Familienbetriebe und zur Abfederung existenzbedrohender Härten
bei der Flottenreduzierung geplant?
5. Kann die Bundesregierung garantieren, dass freiwerdende Restquoten
oder Fangrechte vorrangig Betrieben im Haupt- und oder regionalen
Nebenerwerb zugute kommen?
a) Wenn ja, wie kann sie das gewährleisten?
b) Wenn nein, warum nicht?
6. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Belange der deutschen Fischerei
bei der Ausweisung von Offshorewindparks und Meeresschutzgebieten
gleichberechtigt einzubeziehen, und wenn ja, wie möchte sie den
Teilhabeprozess gestalten?
7. Plant die Bundesregierung rechtlich verbindliche Maßnahmen zur
Kompensation für den Verlust von Fanggründen, und wenn ja, welche sind
konkret vorgesehen?
8. Wird die Bundesregierung sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, bestehende
Fangrechte auch in Windparkflächen zu sichern, und wenn ja, wie sollen
ggf. Co-Nutzungsmodelle praktisch ausgestaltet werden?
9. Wird die Bundesregierung die Fischerei an den Entscheidungsfindungen
für künftige Flächennutzungen im Küstenmeer und der Ausschließlichen
Wirtschaftszone (AWZ) stärker beteiligen, und wenn ja, in welcher Art
und Weise soll das geschehen?
10. Sieht die Bundesregierung im Hinblick auf die Fischerei
Anpassungsbedarf bei den bestehenden Raumordnungs- und Beteiligungsregelungen,
und wenn ja, welchen?
11. Wann erfolgt die bundesweite Einführung und Förderung der im
Abschlussbericht der Zukunftskommission Fischerei empfohlenen
Zusatzqualifikation „Fischerei und Meeresumwelt“ („Meeresförster/Sea
Ranger“, Abschlussbericht, S. 23) als offiziell anerkanntes
Ausbildungsprogramm?
12. Welche Mittel und Programme sind explizit für die Gewinnung von
Berufsnachwuchs in der Fischerei (z. B. Ausbildungsprämien) vorgesehen?
13. Plant die Bundesregierung, Fort- und Weiterbildungsangebote sowie
Beratungsmaßnahmen für Bestandsbetriebe und junge Berufstätige in der
Fischerei über bestehende Förderprogramme auszubauen?
a) Wenn ja, wie, und wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
14. Möchte die Bundesregierung gesellschaftliche Kampagnen zur
Imageverbesserung des Fischereiberufsbildes und zur Steigerung der
Ausbildungszahlen konkret unterstützen, und wenn ja, wie?
15. Wird die Bundesregierung den im Abschlussbericht der
Zukunftskommission Fischerei empfohlenen „Sonderfonds Liquiditätshilfe
Küstenfischerei“ einrichten, und wenn ja, wie wird er konkret ausgestattet und
administriert werden (ebd., S. 30)?
16. Plant die Bundesregierung, Bürgschafts- und Garantiefunktionen
anzuwenden, um Existenzgründungen und Nachfolgen in der Fischerei zu
erleichtern?
a) Wenn ja, welche sind hier zu nennen, und wie sollen sie ausgestaltet
werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
17. Wird die Bundesregierung sicherstellen, dass insbesondere kleine und
mittlere Fischereibetriebe zeitnah und unbürokratisch Zugang zu den
Hilfen aus dem „Sonderfonds Liquiditätshilfe Küstenfischerei“ erhalten, und
wenn ja, wie?
18. Plant die Bundesregierung konkrete Programme und Investitionen, um die
regionale Wertschöpfung in den Küstenregionen zu sichern und
auszubauen (z. B. gezielte Förderung von Direktvermarktung, Verarbeitung,
Hafeninfrastruktur, maritimen Start-ups)?
a) Wenn ja, welche Programme und Investitionen sind geplant?
b) Wenn nein, warum nicht?
19. Möchte die Bundesregierung gewährleisten, dass insbesondere kleine und
mittlere Betriebe Zugang zu neuen Fördermöglichkeiten erhalten, um so
beispielsweise die regionale Fischvermarktung gegenüber dem Import zu
stärken, und wenn ja, wie?
20. Liegen der Bundesregierung Konzepte vor, um den Mitgliederrückgang
und die finanzielle Notlage von Erzeugerorganisationen (EOs) und
anderen Zusammenschlüssen infolge des Flottenabbaus zu kompensieren und
die Organisationsstrukturen zu sichern?
a) Wenn ja, welche Instrumente sind vorgesehen, um die beschriebenen
Probleme anzugehen?
b) Wenn nein, warum existieren keine Entwürfe zur Problemlösung, und
wird die Bundesregierung ein Konzept erarbeiten?
21. Verfolgt die Bundesregierung Ansätze oder hat sie sich ggf. schon einen
Handlungsleitfaden erarbeitet, um die Wertschöpfungsketten gezielt
regional (z. B. im Land- oder Küstenkreis) zu halten und regionale Identität wie
auch Beschäftigungssicherung zu fördern?
a) Wenn ja, welche Ansätze verfolgt die Bundesregierung, und wie sieht
der Handlungsleitfaden, der ggf. bereits erarbeitet wurde, detailliert
aus?
b) Wenn nein, warum nicht?
22. Fördert die Bundesregierung bereits gezielt innovative Projekte im
Bereich maritimer Start-ups, Aquakultur und Tourismus, um die
Diversifizierung und Resilienz der regionalen Wirtschaft zu stärken?
a) Wenn ja, welche Förderinstrumente sind hier zu nennen, in welchem
Umfang wird bei den einzelnen Projekten gefördert, und sollen
weitere neue Förderprogramme initiiert werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
23. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell der Anteil von
Frauen in der deutschen Meeres- und Küstenfischerei (bitte nach Sektor,
Funktionen und Positionen differenzieren)?
24. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf. zur gezielten
Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen in der Fischerei, insbesondere in
technischen, wissenschaftlichen oder Führungsfunktionen?
25. Gibt es spezifische Programme oder Quotenregelungen, um Frauen für die
Ausbildung, Nachfolge oder Betriebsgründungen im Fischereisektor zu
gewinnen?
26. Sind der Bundesregierung Erfahrungen und Ergebnisse beispielsweise aus
Modellprojekten zur Erhöhung der Sichtbarkeit und Wertschätzung von
Frauen in der Fischerei und im Fischereimanagement bekannt, und wenn
ja, welche Projekte mit den dazugehörigen Ergebnissen sind hier zu
nennen?
27. Werden Gleichstellungsaspekte bei der Gewährung von Fördermitteln, im
Zugang zu Weiterbildung und bei der Besetzung von Gremien auf
Bundes- und Länderebene berücksichtigt, und wenn ja, inwiefern (vgl.
Frage 26)?
28. Plant die Bundesregierung eine öffentliche Kampagne zur Stärkung des
Images von Frauen in der Fischerei und zur Ermutigung junger Frauen
zum Berufseinstieg, und wenn ja, hat sie sich dazu bereits eine Strategie
erarbeitet, und wie sieht diese ggf. aus?
Berlin, den 1. Juli 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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