Wirtschaft 2045 - GreenTech als Wachstumstreiber nutzen, Technologiesouveränität stärken
Text
Wirtschaft 2045 - GreenTech als Wachstumstreiber nutzen, Technologiesouveränität stärken
Antrag
der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Ayse Asar, Katharina
Beck, Chantal Kopf, Ricarda Lang, Boris Mijatović, Schahina Gambir,
Rebecca Lenhard, Claudia Müller, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Alaa
Alhamwi, Michael Kellner, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Dr. Andreas
Audretsch, Dr. Andrea Lübcke, Claudia Roth, Dr. Sebastian Schäfer
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wirtschaft 2045 – GreenTech als Wachstumstreiber nutzen,
Technologiesouveränität stärken
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Die
Megatrends der Dekarbonisierung und der Digitalisierung fegen über alte
Geschäftsmodelle hinweg und bieten zugleich enorme Chancen. Gleichzeitig nehmen die
geopolitischen Verschiebungen zu: Die USA setzen auf Protektionismus und China
verbindet seinen geopolitischen Machtanspruch mit strategischer Industriepolitik.
Die Green-Tech-Branche beweist, dass deutsche Unternehmen und ihre Beschäftigten
nach wie vor hoch innovativ und stark sind. Nach dem GreenTech-Atlas des
Umweltbundesamtes 2025 hat sich die Branche im vergangenen Jahr zu einem der
relevantesten Wachstumsfelder der deutschen Wirtschaft entwickelt, dort arbeiten rund 7,5
Prozent und damit 3,4 Millionen der deutschen Erwerbstätigen, 9 Prozent der
Bruttowertschöpfung und mehr als 8 Prozent der Exporte sind auf diese Branche zurückzuführen.1
Die Bruttowertschöpfung der Branche2 belief sich im Jahr 2023 auf 314 Milliarden
Euro. Sie ist mit durchschnittlich 5 Prozent Wachstum pro Jahr seit 2010 wesentlich
dynamischer als andere Teile der deutschen Wirtschaft. Der globale Markt für Green-
Tech wächst rasant, mit etwa 40 Prozent der Green-Tech-Patente sind deutsche und
europäische Unternehmen weltweit führend.
Auch das Marktpotenzial ist immens: Nach einer Analyse von McKinsey & Company
könnten die weltweiten jährlichen Investitionen in GreenTech bis 2035 rund 5 Billio-
1 Umweltbundesamt (30.06.2025): GreenTech made in Germany 2025, www.umweltbundesamt.de/
themen/wirtschaft-konsum/wirtschaft-umwelt/wirtschaft-fuer-umwelt-klimaschutz/greentech-atlas-2025#
greentech-made-in-germany-weiterhin-stark-gefragt.
2 Die im GreenTech-Atlas verwendete Definition der Branche umfasst die Produkte und Dienstleistungen der
Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz, erneuerbare Energiesysteme, Minderungs- und Schutztechnologien,
nachhaltige Forst- und Landwirtschaft, umweltfreundliche Mobilität sowie die Wasserwirtschaft. Der Antrag
fokussiert auf diejenigen Technologien und Produkte, die für künftige Wertschöpfungspotentiale und die
Resilienz der deutschen Volkswirtschaft die größte Bedeutung haben.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4754
21. Wahlperiode 17.03.2026
nen Euro erreichen.3 Umweltfreundliche Technologien haben das Potenzial, 1–2
Prozentpunkte zum globalen BIP beizutragen und weltweit 25–30 Millionen Arbeitsplätze
zu schaffen. Rund 75 Prozent dieser Investitionen sind global umkämpft – Europa
konkurriert dabei insbesondere mit den USA und China um industrielle Wertschöpfung,
Skalierung und Technologieführerschaft. Die größten Investitionsvolumina entfallen
auf Elektromobilität, erneuerbare Energiekomponenten und Stromsysteme –
Segmente, in denen Europa über industrielle Kernkompetenzen verfügt, die jedoch
schneller skaliert und wettbewerbsfähiger gemacht werden müssen. Nach Daten von Bruegel
lag etwa die europäische Batteriezellkapazität im September 2025 bei rund 251 GWh
pro Jahr, während die Produktionskapazität für Elektrofahrzeuge etwa 4,6 Millionen
Fahrzeuge jährlich beträgt.4 Die europäische Batterienachfrage lag 2024 bei rund 410
GWh. Während die EU bei Elektrofahrzeugen Nettoexporteur ist, bleibt sie bei
Batteriezellen Nettoimporteur.
Neben den Wachstums- und Wertschöpfungspotentialen hat die GreenTech-Branche
enormes Potential, die Resilienz und Souveränität der deutschen und europäischen
Volkswirtschaft zu stärken. Wer zentrale Komponenten des Energiesystems oder der
digitalen Infrastruktur selbst oder mit vertrauensvollen europäischen Partnern
produzieren und decken kann, reduziert Abhängigkeiten und ist gut aufgestellt in einem
schwierigen geopolitischen Umfeld, das zunehmend von Protektionismus,
Aggressivität und Unsicherheit geprägt ist.
Auch für die Stärkung der digitalen Souveränität bieten GreenTechs enorme Chancen:
Wer technologische Unabhängigkeit mit Offenheit, Transparenz und Nachhaltigkeit
verbindet, schafft Vertrauen, schützt Grundrechte und stärkt die Innovationskraft
kleiner und mittlerer Unternehmen. Europas Stärke liegt in seiner Fähigkeit, Kooperation
und Gemeinwohlorientierung mit technologischer Exzellenz zu verbinden.
Und ebenso zentral: Vor dem Hintergrund der zunehmenden Dreifachkrise aus
Klimakrise, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust sowie internationaler
Verpflichtungen wie dem Pariser Klimaabkommen ist die Förderung von GreenTech
entscheidend, um die vereinbarten Ziele zur Emissionsreduktion und zum Schutz der
natürlichen Lebensgrundlagen tatsächlich zu erreichen.
Deshalb ist es richtig, dass die Europäische Kommission zusammen mit dem
Europäischen Parlament konkrete Schritte eingeleitet hat, GreenTech in der EU zu stärken.
Im Rahmen des Clean Industrial Deals (CID) und besonders mit dem Net-Zero
Industry Act (NZIA) wurde das Ziel gesetzt, 40 Prozent der Klimatechnologien in der
EU zu entwickeln und zu produzieren. Bei der konkreten Umsetzung kommt es aber
entscheidend auf die Mitgliedstaaten an. Hier muss die Bundesregierung wesentlich
ambitionierter agieren. China erwirtschaftet derzeit schon mehr Umsätze mit dem
Export von Klimatechnologien als die USA mit dem Verkauf von Gas und Öl.5 Mit ihren
innovativen Lösungen haben die heimischen Unternehmen alle Chancen, in diesem
Wettbewerb zu bestehen – wenn der Wettbewerb fair ist.
Die Bundesregierung hat die GreenTech-Branche bisher sträflich vernachlässigt und
mit ihrem Zickzack-Kurs in der Wirtschafts- und Klimapolitik viel Verunsicherung
verursacht. Die massive Aufweichung des Gebäudeenergiegesetzes und die Streichung
aller Regelungen für erneuerbares Heizen, die Kürzungen bei der Mikroelektronik-
Strategie, das Infragestellen der Klimaziele, die Verschleppung der Kraftwerkstrategie
oder die mangelnde Fehlerkultur bei Ansiedlungsrückschlägen wie Northvolt haben
3 McKinsey & Company (Oktober 2025): Bold Moves, fast scale-up. Europe’s path to cleantech competitivess
(sic!), www.mckinsey.de/de/~/media/mckinsey/locations/europe%20and%20middle%20east/deutschland/-
news/presse/2025/2025-11-26%20europes%20cleantech%20competitiveness/mck%20report%20
europes%20path%20to%20cleantech%20competitivenessvf.pdf.
4 Bruegel (16.12.2025): Europe has a solid basis for battery and electric vehicle manufacturing growth,
www.bruegel.org/analysis/europe-has-solid-basis-battery-and-electric-vehicle-manufacturing-growth.
5 Bloomberg (05.10.2025): China Is Beating the US in the Battle for Energy Export Dominance, www.bloom-
berg.com/news/articles/2025-10-05/china-s-clean-energy-exports-are-beating-us-fossil-fuels.
die Rahmenbedingungen für GreenTech in Deutschland massiv verschlechtert. Mit
ihrem Kurs verbessert die Bundesregierung nur die Marktchancen chinesischer
Wettbewerber und erleichtert ihnen die Auf- und Überholjagd. Ein entschiedenes und
schnelles Handeln der Bundesregierung im Einklang mit den europäischen Zielen ist
unabdingbar. Eine aktive und zeitgemäße Industrie- und Wachstumspolitik muss sich
darauf fokussieren, die Stärken und die Innovationskraft der deutschen Unternehmen mit
den zukünftigen Wertschöpfungsbereichen aktiv und strategisch zu verbinden. Dabei
müssen die Dekarbonisierung und Digitalisierung ebenso berücksichtigt werden wie
die Ziele von Resilienz und Souveränität. Nur so kann Deutschland und Europa seine
Wettbewerbsfähigkeit stärken, sozialen Zusammenhalt sichern und gute Arbeitsplätze
erhalten und ausbauen. Besonders GreenTech hat das Potential, die
Wettbewerbsfähigkeit, gute Arbeit und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit Deutschland und
Europas entscheidend zu stärken und unserer Wirtschaft neue Perspektiven aufzuzeigen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. im Einklang mit den bereits beschlossenen europäischen Zielen des Clean
Industrial Deals und Net Zero Industry Acts (NZIA) die Green-Tech-Branche als
Wachstumsmotor zu begreifen und sie prioritär zu unterstützen;
2. durch verlässliche Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass ihr Anteil an der
deutschen Bruttowertschöpfung von aktuell 9 Prozent bis zum Jahr 2045 auf ca.
20 Prozent ansteigt; hierzu ist ein kontinuierlicher Zuwachs des Green-Tech-
Anteils von durchschnittlich mindestens 0,5 Prozentpunkten pro Jahr anzustreben,
um die im GreenTech-Atlas 2025 aufgezeigten Potentiale von über 620
Milliarden Euro Wertschöpfung voll auszuschöpfen und damit auch die Souveränität der
deutschen Volkswirtschaft in einem souveränen und resilienten Europa zu
stärken;
3. die Vollendung des europäischen Binnenmarktes als wichtigste Exportdestination
für deutsche GreenTechs voranzutreiben;
4. sicherzustellen, dass deutsche und europäische Produzenten von GreenTech faire
Wettbewerbsbedingungen (Level-Playing-Field) vorfinden und ihr Beitrag zur
Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Wirtschaftssicherheit gegenüber
drittstaatlichen Anbietern Anerkennung findet, beispielweise bei Ausschreibungen und
Förderungen; dabei sollten öffentliche Beschaffungen und Förderprogramme
stärker als industriepolitische Leitmarktinstrumente genutzt werden, etwa durch
die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien wie CO₂-Fußabdruck,
Recyclingfähigkeit, Resilienz und Diversifizierung von Lieferketten;
5. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, neue Handelsabkommen nach dem Vorbild
des Agreement on Climate Change, Trade and Sustainability (ACCTS) zu
schließen, um durch den Abbau von Zöllen und bürokratischen Hürden für Güter aus
dem Bereich GreenTech privilegierte Marktzugänge zu schaffen, im beidseitigen
Interesse von EU und Partnerländern; dabei sind gezielt Partnerschaften mit
Staaten zu stärken, die die grüne Transformation als ökonomisches Erfolgsmodell
begreifen, um deutsche Green-Tech-Exporte durch die Kopplung von
Handelsvorteilen an Nachhaltigkeitsstandards weltweit noch wettbewerbsfähiger zu machen;
6. die Europäische Kommission bei Regulierungsvorhaben für mehr Resilienz und
Wirtschaftssicherheit zu unterstützen und dabei nach dem Prinzip
„Diversifizierung vor Made in Europe“ zu verfahren. Made in Europe-Anforderungen und die
Idee der Trusted Partners sollten – auch im Green-Tech-Bereich – primär für
Komponenten der kritischen Infrastrukturen angewendet werden. Gleichzeitig
muss die Bundesregierung ihre Blockade des Industry Accelerator Acts (IAA)
aufgeben und beispielsweise harmonisierte FDI-Screenings ermöglichen, um
einen entscheidenden Schritt in Richtung mehr Wirtschaftssicherheit zu
ermöglichen;
7. Investoren attraktive Bedingungen durch verlässliche politische
Rahmenbedingungen wie die Einhaltung der Klimaziele und konsistente sowie bürokratiearme
Regulierung zu bieten und darüber hinaus die Stärkung und Vertiefung der
europäischen Kapitalmärkte, zum Beispiel durch den aktiven Einsatz für eine
ausgewogene Lösung beim 28. Regime, konsequent voranzutreiben und das Kapital
institutioneller Investoren stärker für die Finanzierung von Startups und Scaleups
nutzbar zu machen (vgl. BT-Drucksache 21/4269);
8. die Potentiale der Windkraft für Versorgungssicherheit und Klimaneutralität,
sowie Beschäftigung und Energiesouveränität zu stärken und bei Ausschreibungen
auf die pragmatische Umsetzung der „Drei-Komponenten-Regel“ aus dem NZIA
und die Anreizung der europäischen Produktion weiterer Komponenten zu
achten;
9. den Fernzugriff auf Windenergieanlagen durch Anlagenhersteller gesetzlich
durch entsprechende Bestimmungen im BSIG oder EnWG zu regulieren und für
Anlagenhersteller aus Nicht-EU-Staaten die Möglichkeit zur Überprüfung und
gegebenenfalls Untersagung des Fernzugriffes zu schaffen;
10. die Elektromobilität in Deutschland zu stärken und die jetzige Förderung von
Elektroautos zu modifizieren, dass insbesondere deutsche und europäische
Elektroautos gefördert werden;
11. die Solarindustrie in Deutschland gemeinsam mit vertrauenswürdigen
internationalen Partnern zu stärken, um die Abhängigkeit von einzelnen Drittstaaten gemäß
NZIA auf unter 50 Prozent zu reduzieren und insbesondere bei der nächsten
Generation smarter PV-Module die Chance zu nutzen, die Ergebnisse deutscher
Spitzenforschung zum Markthochlauf zu bringen beispielsweise durch attraktive
Ausschreibungskonditionen bei der öffentlichen Vergabe;
12. mit dem zügigen Aufbau des Wasserstoffkernnetzes den Hochlauf der
Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen und dabei den Einsatz von europäisch
produzierten Komponenten wie Elektrolyseuren attraktiver zu machen. Notwendig ist
es, eine verlässliche Nachfrage zu generieren, indem Anreize für Ankerkunden
geschaffen und staatliche Mittel zur Realisierung und Absicherung langfristiger
Lieferverträge bereitgestellt werden;
13. den Einsatz erneuerbarer Wärme durch Planungssicherheit für Unternehmen und
Kunden zu erleichtern und dazu die Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes
(insbesondere die Vorgabe zu mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien im
neuen Gebäudemodernisierungsgesetz) beizubehalten. Im Einklang mit dem 40-
Prozent-Ziel des NZIA müssen bei Wärmepumpen Anreize zur Verwendung
europäisch produzierter Komponenten gesetzt werden;
14. die ökonomischen Potentiale der Kreislaufwirtschaft als Kern einer
ressourceneffizienten und resilienten Wirtschaft zu heben und die Marktsegmente von
nachhaltig erzeugten nachwachsenden Rohstoffen über den Anlagenbau inklusive
Mess-, Steuerungs- und Verfahrenstechnologien bis hin zur Abfallwirtschaft zu
unterstützen ebenso wie Installations-, Reparatur- und
Beratungsdienstleistungen;
15. die Versorgungssicherheit mit kritischen Rohstoffen als materielle Basis für
GreenTech und Technologiesouveränität sicherzustellen und dafür eine nachhaltige
Rohstoffpolitik zu verfolgen, die an die Einhaltung von Menschenrechten und
Umweltstandards ausgerichtet ist, auch mit Blick auf das Global Europe-
Instrument und die Umsetzung von Global Gateway. Dabei ist die Erreichung der Ziele
des Critical Raw Materials Act (CRMA) als absolute Untergrenze zu betrachten,
wonach bis 2030 mindestens 25 Prozent des jährlichen Verbrauchs der Union an
strategischen Rohstoffen aus heimischem Recycling stammen müssen;
16. sich im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU (MFR) für eine
Mindestüberweisung im Wettbewerbsfähigkeitsfonds (ECF) für die Umsetzung des
NZIA einzusetzen und darauf hinzuwirken, dass die vorgeschlagene
Mittelerhöhung für den EFC und das Horizon-Programm mit Eigenmitteln abgesichert wird.
Zusätzlich sollten Investitionsanreize für GreenTech durch die Europäische
Investitionsbank (EIB) verbessert werden etwa durch die Absicherung von Krediten
oder europäische Anlageprodukte;
17. den zügigen Ausbau der Transport- und Verteilnetze als zentrale Infrastruktur
einer elektrifizierten und dekarbonisierten Wirtschaft der Zukunft zu unterstützen;
die Kosten des Stromnetzausbaus zu senken, zum Beispiel durch Digitalisierung
und Flexibilisierung, sowie durch die Bereitstellung von staatlichem Eigenkapital
für den Netzausbau;
18. die Standortbedingungen für GreenTech-Produktionen in Deutschland zu
verbessern, insbesondere durch wettbewerbsfähige Energiepreise und deutlich
effizientere Genehmigungs- und Planungsverfahren für eine „Industrie der Innovation“;
19. die Sicherung der Fachkräfte als operative Basis der Technologiesouveränität
prioritär zu unterstützen und hierbei insbesondere die Integrationsleistung der
Betriebe und des Handwerks zu würdigen; die Taskforce Gebäudetechnik des
Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zu unterstützen und als Vorbild für
weitere Green-Tech-Qualifizierungsoffensiven zu nutzen;
20. die Sicherung kritischer Infrastrukturen beispielsweise vor IT-Angriffen,
Spionage und Sabotage auch in ihrer Industriepolitik konsequent mitzudenken und die
entsprechenden Gesetze zur Umsetzung von NIS-2- und CER-Gesetzgebung
stetig im Lichte aktueller, stark gestiegener Bedrohungslagen weiterzuentwickeln;
21. beim Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur ambitionierte
Nachhaltigkeitsziele festzulegen, um damit grüne Technologien in dieser Boombranche zu
fördern. Die Bundesregierung sollte Nachhaltigkeit daher als handlungsleitende
Priorität in der Rechenzentrumsstrategie verankern und die geltenden
Effizienzvorgaben für Rechenzentren in der anstehenden Novelle des
Energieeffizienzgesetzes nicht verwässern;
22. bei der Stärkung der Green-Tech-Branche auch die Enabler-Komponenten wie
Halbleiter, Batterien und Künstliche Intelligenz (KI) miteinzubeziehen und dafür
entschlossen mit europäischen und internationalen Partnern
a) die beschlossene Strategie für Mikroelektronik schnellstmöglich
umzusetzen, die Kürzungen aus dem laufenden Haushalt rückgängig zu machen und
die Ansiedlungspolitik der Vorgängerregierung fortzusetzen, um so die
gesamte Wertschöpfungsketten für Halbleiter von der Produktion von
Leiterplatten bis zur Montage inklusive des Advanced Packaging aufzubauen,
dadurch die Abhängigkeiten von asiatischen Anbietern zu reduzieren und
die heimische Wertschöpfung zu stärken;
b) den Aufbau eines „Batterie-Airbus“ mit europäischen und internationalen
Partnern auf den Weg zu bringen, um den Aufbau von
Batteriewertschöpfungsketten in Deutschland, Europa und Partnerländern zu unterstützen mit
dem Ziel, Technologiesouveränität, Know-how und gute Arbeit zu sichern
und kritische einseitige Abhängigkeiten zu begrenzen. Dazu sollte auch
möglichst zügig ein europäisches Investitionsprogramm zu Forschung,
Entwicklung und Produktion von Batteriezellen und -modulen aufgesetzt
werden;
c) die europäische digitale Wertschöpfung im Bereich Künstliche Intelligenz
zu stärken und gezielt die Entwicklung einer ressourcenschonenden, auf
europäischen Werten basierenden und Open-Source-KI „Made in Europe“ zu
fördern und so auch digitale Abhängigkeiten abzubauen und Europas
Souveränität zu stärken;
d) den Aufbau eigenständiger und nachhaltiger digitaler Wertschöpfungsketten
und Plattformen in Europa aktiv voranzutreiben – von energieeffizienter
digitaler Infrastruktur über ressourcenschonende Hardware und Komponenten
bis hin zu Software und KI-Modellen;
e) Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Sicherheit als Leitprinzipien
digitaler Entwicklung in der deutschen und europäischen Digitalpolitik zu
verankern;
23. den systematischen Wissenstransfer von der Wissenschaft in die industrielle und
gesellschaftliche Anwendung im Bereich GreenTech deutlich zu stärken sowie
leistungsfähige Innovationsökosysteme aufzubauen und weiterzuentwickeln.
Dies gelingt, indem
a) Transferstrukturen an Hochschulen und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen gezielt ausgebaut und so ausgerichtet werden, dass sie
Skalierung, Standardisierung und Markteinführung von Innovationen wirksam
unterstützen;
b) regionale und überregionale Green-Tech-Innovationsökosysteme aus
Wissenschaft, Start-ups, kleinen und mittleren Unternehmen, Industrie,
öffentlicher Hand und Finanzierungspartnern strategisch gefördert werden, um
Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Produkte, Dienstleistungen und
industrielle Prozesse zu überführen;
c) die Transferförderungen des Bundes und der Länder gemeinsam – sowie auf
Bundesebene ressortübergreifend – koordiniert und verzahnt werden und
Antragsbürokratie vereinfacht und abgebaut wird;
d) der Zugang insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sowie
Startups zu Forschungsergebnissen, Test- und Demonstrationsinfrastrukturen,
Daten und geistigem Eigentum entlang klarer rechtlicher Vorgaben
erleichtert wird, um Innovationszyklen zu verkürzen und die technologische
Souveränität Deutschlands und Europas zu stärken;
e) bürokratische Hürden bei Hochschulausgründungen, insbesondere im
Bereich des geistigen Eigentums, durch standardisierte und transparente IP-
Transfermodelle abgebaut werden;
24. die europäische Forschungs- und Innovationsförderung im Bereich GreenTech
gezielt zu hebeln und strategisch zu nutzen, indem
a) nationale Förderinstrumente und Strategien wie die Hightech Agenda
Deutschland konsequent mit europäischen Programmen wie Horizon
Europe, dem European Research Council (ERC) sowie einem im nächsten
Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) vorgesehenen europäischen
Wettbewerbsfonds verzahnt werden, um kritische Technologien schneller zur
industriellen Reife zu führen;
b) deutsche Akteure aus Wissenschaft, Industrie, Start-ups und öffentlicher
Hand bei der Beteiligung an europäischen Forschungs- und
Innovationsprojekten systematisch unterstützt werden, um deren Erfolgsquoten zu erhöhen
und europäische Wertschöpfungsketten zu stärken.
Berlin, den 17. März 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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