Positionierung Deutschlands im Südpazifik - Zur diplomatischen Anerkennung von Niue und zum wachsenden Einfluss der Volksrepublik China (Antwort zu Drs. 21/3989)
Text
Positionierung Deutschlands im Südpazifik - Zur diplomatischen Anerkennung von Niue und zum wachsenden Einfluss der Volksrepublik China (Antwort zu Drs. 21/3989)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4381
21. Wahlperiode 25.02.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Schulz, Diana Zimmer, Udo
Theodor Hemmelgarn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3989 –
Positionierung Deutschlands im Südpazifik – Zur diplomatischen Anerkennung
von Niue und zum wachsenden Einfluss der Volksrepublik China
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Südpazifik ist längst keine geopolitische Randregion mehr, sondern ein
strategisches Schlüsselgebiet für maritime Sicherheit, Rohstoffzugang,
Handelsrouten und militärische Projektion im Indopazifik. Einflussreiche Staaten,
allen voran die Volksrepublik China, bauen ihren Einfluss im Südpazifik
durch gezielte Diplomatie, Wirtschaftsförderung, Infrastrukturprojekte und
sicherheitspolitische Vereinbarungen systematisch aus (https://monde-diploma
tique.de/artikel/!6025881).
Deutschland unterhält diplomatische Beziehungen zu südpazifischen
Inselstaaten wie Fidschi, Palau und seit Januar 2026 auch zu Niue (www.tagesscha
u.de/ausland/ozeanien/anerkennung-suedsee-insel-niue-100.html). Das Atoll
ist seit 1974 ein selbstverwaltetes Gebiet in freier Assoziation mit Neuseeland,
verfügt über stabile Regierungsstrukturen und eine strategisch relevante
maritime Zone.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Wie in den Leitlinien der Bundesregierung zum Indopazifik aus dem Jahr 2020
und deren Fortschrittsberichten festgehalten, zielt die Indopazifik-Politik der
Bundesregierung darauf ab, die Beziehungen mit der Region zu diversifizieren
und zu vertiefen, um eigene Interessen und Resilienz im Rahmen der
regelbasierten internationalen Ordnung zu stärken. Dazu gehört neben dem sicherheits-
und verteidigungspolitischen Engagement der Bundesregierung auch die
Diversifizierung von Lieferketten und die Reduzierung von Abhängigkeiten in
kritischen Bereichen.
Vor diesem Hintergrund ist die Bundesregierung zu einem langfristigen
politischen Engagement in der Region entschlossen.
Die pazifischen Inselstaaten und deren politische Regionalorganisation Pacific
Islands Forum, bei dem auch Niue Mitglied ist, sind insbesondere im Bereich
internationaler Klimaschutz sowie bei der Stärkung des Völkerrechts und der
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 25. Februar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Vereinten Nationen (VN) enge Partner Deutschlands. Diese Partnerschaft
möchte die Bundesregierung insbesondere mit Blick auf die
Herausforderungen, vor denen das multilaterale System steht, vertiefen. Die Bundesregierung
setzt sich gemeinsam mit den pazifischen Inselstaaten für die Einhaltung und
die Fortentwicklung des Völkerrechts ein, vor allem in Hinblick auf die
Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels, u. a. des
Meeresspiegelanstiegs, einschließlich der Wahrung bestehender maritimer Rechte im Rahmen
des VN-Seerechtsübereinkommens. Deutschland eröffnete in diesem Kontext
im August 2023 eine Botschaft in Suva (Republik Fidschi) und nahm im
Februar 2026 diplomatische Beziehungen mit dem Inselstaat Niue auf.
1. Welche Rolle misst die Bundesregierung dem Südpazifik vor dem
Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen und dem Wettlauf um
maritime bzw. submarine Rohstoffe bei?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Die Bundesregierung hat ein großes Interesse an der Wahrung von Stabilität
und Wohlstand in der Region. Mit den Staaten des Südpazifiks eint
Deutschland der Einsatz für den Multilateralismus. Die Region ist zudem relevant für
die Reduzierung von Abhängigkeiten in kritischen Bereichen. Deutschland hat
im Rahmen des Internationalen Seerechtsübereinkommens zwei
Erkundungsverträge für mineralische Rohstoffvorkommen des Tiefseebodens in der
pazifischen Clarion-Clipperton-Zone, einem etwa 7 000 km langem Gebiet mit
wertvollen Rohstoffen wie Nickel, Cobalt und Mangan, geschlossen.
Die Bundesregierung unterstützt die pazifischen Inselstaaten dabei,
Souveränität über ihre Ressourcen zu wahren und eine nachhaltige Nutzung zu fördern.
Sie setzt sich dafür ein, dass Tiefseebergbau erst dann genehmigt wird, wenn
nach ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen schädliche
Auswirkungen auf die Meeresökosysteme ausgeschlossen werden können.
2. Hat sich die Bundesregierung zu dem systematischen Ausbau
chinesischer Einflusszonen im Südpazifik durch Kreditvergabe,
Infrastrukturprojekte und sicherheitspolitische Abkommen eine Positionierung
erarbeitet, und wenn ja, welche?
Auch der Südpazifik ist inzwischen Schauplatz eines geostrategischen
Wettbewerbs. Versuche geopolitischer Einflussnahme in der Region beobachtet die
Bundesregierung genau. Der nachhaltige Schutz globaler öffentlicher Güter im
gesamten indopazifischen Raum und der Einsatz für die Achtung des
Völkerrechts, freie Seewege, offene Märkte und Freihandel liegen im deutschen
Interesse. Das gilt insbesondere auch für den Südpazifik, wo die Bundesregierung
kleine Inselstaaten bei der Bewahrung ihrer wirtschaftlichen und politischen
Handlungsfähigkeit und Souveränität unterstützt. Dabei verfolgt die
Bundesregierung einen Ansatz vertiefter und diversifizierter Partnerschaften.
3. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung bislang ggf.
ergriffen, um der chinesischen Einflussnahme auf kleine Inselstaaten und
selbstverwaltete Gebiete im Südpazifik durch deutsche
Interessenverfolgung entgegenzuwirken?
Die Bundesregierung fördert im Rahmen der bilateralen Kooperation mit den
pazifischen Inselstaaten insbesondere Projekte, die zur Anpassung und
Minderung der Folgen des Klimawandels beitragen. Außerdem beteiligt sie sich
finanziell am regionalen Klimafonds „Pacific Resilience Facility“ und unterstützt
die EU-Initiative „Global Gateway“, die auch Investitionen in
Infrastrukturprojekte im Südpazifik fördert.
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
4. Wie beabsichtigt die Bundesregierung, die Beziehungen mit Niue nach
dessen Anerkennung als selbstständiger Staat konkret auszugestalten?
Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen sieht die Bundesregierung die
Akkreditierung der deutschen Botschafterin mit Sitz in Wellington auch für
Niue vor. Auf dieser Grundlage sollen im Folgenden die bilateralen
Beziehungen gemeinsam mit Niue gestaltet werden. Inhaltliche Schwerpunkte werden
insbesondere die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels sowie die
Wahrung der regelbasierten internationalen Ordnung sein. Des Weiteren prüft die
Bundesregierung Möglichkeiten zur wirtschaftlichen, technologischen und
kulturellen Kooperation mit Niue. Im Rahmen der EU setzt sich die
Bundesregierung für die Erweiterung des Wirtschaftspartnerschaftsabkommens EU-Pazifik
und den baldigen Beitritt Niues ein.
5. Stärkt die diplomatische Anerkennung Niues aus Sicht der
Bundesregierung die Durchsetzung einer regelbasierten Ordnung im Indopazifik, und
wenn ja, inwieweit?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen.
6. Welche strategische Bedeutung misst die Bundesregierung den
ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) kleiner Inselgebiete wie Niue im
Kontext maritimer Sicherheit, Fischerei, Rohstoffzugang und globaler
Handelsrouten bei?
Insbesondere kleine pazifische Inselstaaten wie Niue verfügen über eine große
Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) mit entsprechenden
Ressourcenpotenzialen, darunter Fischerei und mineralische Rohstoffe. Gemeinsam mit
pazifischen Inselstaaten setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass diese ihre
Ressourcen in ihrer AWZ souverän nutzen können und maritime Rechte gewahrt
werden.
7. In welchen wirtschaftlichen Bereichen, wie etwa in Fischerei, maritimer
Forschung, Rohstoffen oder Logistik, sieht die Bundesregierung ggf.
Defizite in der Kooperation mit Staaten des Südpazifiks?
Die Bundesregierung kooperiert im Sinne der Fragestellung mit den
pazifischen Inselstaaten insbesondere im Bereich Klimaschutz und
ozeanographischer Forschung.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
8. Inwieweit sieht die Bundesregierung die diplomatische Anerkennung
Niues ggf. als Möglichkeit, um deutschen Sicherheits- und
Wirtschaftsinteressen besser Rechnung zu tragen?
9. Inwiefern sieht die Bundesregierung die diplomatische Anerkennung
Niues ggf. als Teil einer Sicherheits- und Wirtschaftspolitik zum Wohle
Deutschlands im Indopazifik?
Die Fragen 8 und 9 werden zusammen beantwortet.
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen.
10. Ist die Entsendung von Vertretern der deutschen Wirtschaft nach Niue
geplant, wenn ja, wann ist die Entsendung konkret geplant?
Der Bundesregierung ist nicht bekannt, ob deutsche Wirtschaftsunternehmen
eine Entsendung von Vertretern nach Niue vorsehen.
11. Welches Fazit zieht die Bundesregierung ggf. aus den Erfahrungen mit
den Beziehungen zu Fidschi und Palau für die Zusammenarbeit mit
Niue?
Die Zusammenarbeit mit der Republik Palau und der Republik Fidschi ist eng
und freundschaftlich. Sie basiert auf einem gemeinsamen Einsatz für das
Völkerrecht, das multilaterale System und eine ambitionierte Klimapolitik. Auf
dieser Grundlage wird die Bundesregierung auch die bilateralen Beziehungen
mit Niue gestalten.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- answered_by → Auswärtiges Amt
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Positionierung Deutschlands im Südpazifik - Zur diplomatischen Anerkennung von Niue und zum wachsenden Einfluss der Volksrepublik China (Antwort)