Partnerschaft mit Indien
Text
Partnerschaft mit Indien
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2491
21. Wahlperiode 30.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Deborah Düring, Agnieszka Brugger, Schahina Gambir, Sara
Nanni, Boris Mijatović, Awet Tesfaiesus, Omid Nouripour, Dr. Sandra Detzer,
Lamya Kaddor, Luise Amtsberg, Claudia Roth (Augsburg), Robin Wagener, Julian
Joswig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Partnerschaft mit Indien
Indien und Deutschland verbindet seit 25 Jahren eine strategische Partnerschaft.
In den letzten Jahren hat Indien aufgrund geopolitischer Entwicklungen und
seiner wachsenden wirtschaftlichen Stärke als mittlerweile viertgrößte
Volkswirtschaft der Welt zunehmend an Bedeutung in der Außenpolitik
Deutschlands und Europas gewonnen. Diese neue geopolitische Relevanz hat die
Bundesregierung in den im Jahr 2020 veröffentlichten Leitlinien zum Indo-Pazifik
anerkannt und seitdem die Zusammenarbeit vertieft. Im Jahr 2022
unterzeichneten die beiden Staaten das deutsch-indische Migrations- und
Mobilitätspartnerschaftsabkommen, die deutsch-indische Wasserstoffkooperation, die
Partnerschaft für grüne und nachhaltige Entwicklung und das Abkommen zur
Dreieckskooperation. Zwei Jahre später beschloss die Bundesregierung das
Grundsatzdokument „Fokus auf Indien“, das die weitere Ausgestaltung der bilateralen
Beziehungen beleuchtet und die strategische Partnerschaft, auf eine neue Ebene
heben soll. Im selben Jahr beteiligten sich deutsche Verbände erstmals an einem
multinationalen Militärmanöver in Indien, was auf Indiens langjährigen
Wunsch nach einer engeren sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
zurückzuführen ist (www.swp-berlin.org/publications/products/studien/2024S23_Indien
PartnerDeutschlands_Web.pdf).
Indien ist ein kontrastreiches Land: Einerseits verfügt es über eine boomende
Digitalwirtschaft, ein ambitioniertes Weltraumprogramm, einen wachsenden
Ausbau erneuerbarer Energien sowie zukunftsweisende Modelle für eine
klimaangepasste Agrarökologie. Andererseits findet man im Land veraltete
Industrieanlagen, den dritthöchsten Ausstoß von Treibhausgas sowie eine
ressourcenzehrende industrialisierte Landwirtschaft vor (www.bmz.de/de/laender/indien).
Das Land ist jedoch von großer Ungleichheit gekennzeichnet, sodass nur ein
Teil der Bevölkerung von diesem wirtschaftlichen Fortschritt profitiert.
Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist Indien auch als größte Demokratie
der Welt für Deutschland und Europa potenziell ein wichtiger Wertepartner in
einer Welt, in der die Stärke des Rechts von immer mehr Staaten infrage
gestellt wird. Seit dem Wahlsieg der Bharatiya Janata Party (BJP) und dem
Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi im Jahr 2014 haben sich der
Zustand der indischen Demokratie auf nationaler Ebene sowie die
Menschenrechtslage in vielen Regionen deutlich verschlechtert (www.swp-berlin.org/pub
lications/products/studien/2024S23_IndienPartnerDeutschlands_Web.pdf).
Nach Einschätzung zivilgesellschaftlicher Organisationen und des Hohen
Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte untergräbt die regierende
BJP zunehmend rechtsstaatliche Prinzipien, umgeht demokratische Verfahren
zur parlamentarischen Entscheidungsfindung und geht nicht entschieden gegen
Hetze und Diskriminierung von Minderheiten – insbesondere gegenüber den
muslimischen Bevölkerungsteilen sowie ethnischen und religiösen
Minderheiten, Dalits und Adivasi – vor (www.hrw.org/asia/india). Immer wieder schlägt
die von der Regierung Modis vorangetriebene Hassrede gegen diese Gruppen
in physische Gewalt um (https://freedomhouse.org/country/india/freedom-worl
d/2025; Human rights in India Amnesty International www.amnesty.org/en/loc
ation/asia-and-the-pacific/south-asia/india/report-india/; www.ohchr.org/en/pre
ss-releases/2025/06/india-must-halt-arbitrary-demolitions-targeting-
minoritiesand-marginalised).
Auch die indische Zivilgesellschaft sieht sich zunehmend mit Einschränkungen
konfrontiert, darunter die restriktive Auslegung von Gesetzen, die die
Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erschweren sowie staatliche
Maßnahmen, die die Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit
einschränken (www.deutschlandfunkkultur.de/indien-ngo-modi-zivilgesellschaft-1
00.html). Dies betrifft auch deutsche Entwicklungsorganisationen, politische
Stiftungen und ihre indischen Partnerorganisationen. Die hindu-nationalistische
Regierung hat zudem diskriminierende Gesetze gegen religiöse Minderheiten
beschlossen und setzt führende Oppositionspolitiker und
Oppositionspolitikerinnen, Journalisten und Journalistinnen, Menschenrechtsverteidiger und
Menschenrechtsverteidigerinnen sowie andere Regierungskritiker und
Regierungskritikerinnen unter Druck (www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-krieg
e-konflikte/215390/indien/ ; https://rsf.org/en/country/india).
Als bevölkerungsreichster Staat der Welt ist Indien, das laut Welthunger-
Index 2025 das Land mit den meisten unterernährten Menschen weltweit ist,
zugleich Partner und globaler Akteur in der Bekämpfung von Hunger, Armut,
Ungleichheit und der Klimakrise. Vor diesem Hintergrund kommt der
deutschindischen Entwicklungszusammenarbeit besondere Bedeutung zu. Deutschland
zählt zu den größten bilateralen Partnern Indiens in den Bereichen Klima,
Energie und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Kooperation ist auf eine
sozialökologische Transformation ausgerichtet, die nachhaltiges Wachstum mit
Armutsbekämpfung und Klimaschutz verbindet (www.bmz.de/de/laender/indien#
anc=id_10356_10356). Im Bereich WASH (Water, Sanitation and Hygiene) hat
Indien in den vergangenen Jahren zwar Fortschritte erzielt – etwa durch
Programme wie „Swachh Bharat Abhiyan“ (Clean India Mission). Doch der
Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung bleibt insbesondere
in ländlichen Regionen unzureichend. Zudem bestehen weiterhin erhebliche
geschlechterspezifische Ungleichheiten. Frauen und Mädchen sind
überproportional von Armut, Gewalt und eingeschränktem Bildungszugang betroffen.
Indien selbst hat in den vergangenen Jahren seine eigene
Entwicklungszusammenarbeit erheblich ausgeweitet und ist zu einem zentralen Akteur der Süd-
Süd-Kooperation geworden. Das Land tritt zunehmend als Alternativmodell zu
westlicher Entwicklungszusammenarbeit auf. Die Programme dienen neben
entwicklungspolitischen Zielen auch der geopolitischen Einflussnahme, etwa
im Wettbewerb mit der chinesischen „Belt and Road Initiative“.
Indiens außenpolitische Maxime der strategischen Autonomie führt zudem zu
einer anderen Einschätzung bezüglich des Angriffskriegs Russlands gegen die
Ukraine. Indien pflegt historisch und geopolitisch begründet enge Beziehungen
zu Russland, auch militärisch, und importiert weiterhin Öl, Dünger und
Rüstungsgüter. Im September 2025 beteiligten sich 65 indische Soldaten am
russisch-belarussischen Militärmanöver „Sapad“. Das hat in Europa zu Recht
zu großen Irritationen geführt, da „Sapad“ explizit als Angriffsmanöver gegen
Europa verstanden wurde.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wurden für die
Bundesregierung verschiedene Kooperationsfelder mit Indien besonders
hervorgehoben. Sie unterstützt die laufenden EU-Freihandelsverhandlungen mit Indien,
plant, Indien als sicheres Herkunftsland einzustufen, und strebt eine Vertiefung
der strategischen Beziehungen insbesondere bei der globalen Energiewende
und bei der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit an. Wie diese
Kooperationen trotz der aktuellen Herausforderungen und Spannungsfelder im
deutschindischen Verhältnis vorangetrieben werden sollen, ist Gegenstand dieser
Kleinen Anfrage.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie beabsichtigt die Bundesregierung, die vielfältige deutsch-indische
Partnerschaft zu gestalten, und welchen Fokus plant sie bei der
Ausgestaltung der Partnerschaft?
2. Wird die Bundesregierung die Beziehungen zu Indien weiterhin im Sinne
des Grundsatzdokuments „Fokus auf Indien“ gestalten?
a) Wenn ja, inwieweit plant die Bundesregierung, das
Grundsatzdokument weiterzuentwickeln und zu ergänzen?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Plant die Bundesregierung, die Fachkräftestrategie Indien weiterhin
umzusetzen?
a) Wenn ja, inwieweit plant die Bundesregierung, die Strategie
weiterzuentwickeln und zu ergänzen?
b) Wenn nein, warum nicht?
4. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die im in
der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Koalitionsvertrag zwischen
CDU, CSU und SPD verankerte Vertiefung der strategischen Beziehungen
mit Indien auf allen Ebenen, insbesondere im Bereich der globalen
Energiewende und der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, umzusetzen?
5. Inwiefern erfolgt die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Indien im
Rahmen gemeinsamer europäischer Strategien und Initiativen, und wie
gestaltet sich die Koordination der Bundesregierung mit anderen EU-
Mitgliedstaaten in Bezug auf Rüstungskooperationen und
sicherheitspolitische Partnerschaften mit Indien?
6. Wie bewertet die Bundesregierung angesichts des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine die engen Beziehungen Indiens zu Russland, und
welchen Einfluss haben diese auf die deutsch-indischen Beziehungen?
7. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um Indien von
einer Reduktion der Energieimporte aus Russland zu überzeugen, und
wurden dabei Fortschritte erzielt?
8. Plant die Bundesregierung im Kontext ihrer Äußerung, dass Indien ein
Schlüsselpartner für Deutschland ist, auch eine Vertiefung der
kulturpolitischen deutsch-indischen Zusammenarbeit, und wenn ja, mit welchen
Maßnahmen, und in welchen Feldern?
9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Zustand der
indischen Demokratie und der Menschenrechtslage in Indien vor, und
welche Auswirkungen haben diese auf die bilateralen Beziehungen zu
diesem strategisch wichtigen Partner?
10. Inwiefern thematisiert die Bundesregierung Demokratiedefizite und die
Menschenrechtslage in Indien bei bilateralen Gesprächen, insbesondere
den deutsch-indischen Regierungskonsultationen?
11. a) Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über
geschlechterbezogene Diskriminierung und geschlechtsspezifische Gewalt in
Indien vor (einschließlich der strukturellen Benachteiligung von
Frauen, trans* und non-binären Personen), und welche
Auswirkungen haben diese auf die bilateralen Beziehungen?
b) Adressierte die Bundesregierung Frauenrechte und die
Empfehlungen der VN (Vereinte Nationen)-Frauenrechtskonvention während
den letzten deutsch-indischen Regierungskonsultationen, wenn ja,
mit welchem Ergebnis, und wenn nein, warum nicht?
12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Pressefreiheit und
zur Meinungsfreiheit in Indien vor, und welche Schlussfolgerungen zieht
sie daraus für ihre Zusammenarbeit mit Indien?
13. Welche Erkenntnisse zieht die Bundesregierung aus dem EU-Indien-
Menschenrechtsdialog, der im Januar 2025 stattfand?
14. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der
Menschenrechtslage in Indien im Hinblick auf die geplante Einstufung Indiens als
sicheren Herkunftsstaat gemäß § 29a des Asylgesetzes (AsylG)?
15. Inwiefern unterstützt die Bundesregierung bedrohte indische
Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger, und welche
Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, dass
Menschenrechtsaktivisten und Menschenrechtsaktivistinnen teilweise für ihr Engagement durch
staatliche Institutionen in Indien kriminalisiert werden?
16. Inwiefern unterstützt die Bundesregierung zivilgesellschaftliche
Organisationen in Indien, und welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung
darüber, dass die Arbeit von NGOs, die mit internationalen Mitteln finanziert
werden, erschwert werden?
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, dass diese
Einschränkungen auch Partnerorganisationen deutscher Stiftungen und NGOs
betreffen, und was tut sie zu deren Unterstützung?
18. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die staatliche
Diskriminierung von Dalits, Adivasi und anderen Minderheiten, und fördert sie
Initiativen oder Programme zum Schutz ihrer Rechte, wenn ja, welche, und
wenn nein, warum nicht?
19. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die staatliche
Diskriminierung von religiösen Minderheiten, insbesondere von Musliminnen und
Muslimen, und fördert sie Initiativen oder Programme zum Schutz ihrer
Rechte, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
20. Unterstützt die Bundesregierung Programme der politischen Bildung oder
der Zivilgesellschaft in Indien, die auf interreligiösen Dialog und den
Schutz religiöser Minderheiten abzielen, wenn ja, welche, und wenn nein,
warum nicht?
21. Inwiefern thematisiert die Bundesregierung gegenüber der indischen
Regierung den weiterhin unklaren Staatsangehörigkeitsstatus von ca.
1,9 Mio. Bürgerinnen und Bürgern in Assam, die mehrheitlich muslimisch
sind (India: Freedom in the World 2025 Country Report | Freedom House
https://freedomhouse.org/country/india/freedom-world/2025)?
22. Wie bewertet die Bundesregierung die Wahl Indiens in den
Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen vor dem Hintergrund des Stands der
Umsetzung der internationalen Empfehlungen an die indische Regierung im
Rahmen des Allgemeinen Länderprüfverfahrens?
23. Inwiefern setzt sich die Bundesregierung dafür ein, die indische
Regierung darin zu unterstützen, Empfehlungen der Vereinten Nationen (und
ein entsprechendes Monitoring) umzusetzen, insbesondere in Bezug auf
die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der
Frau (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination
Against Women (CEDAW)), den Internationalen Pakt über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (International Covenant on Economic,
Social and Cultural Rights (ICESCR)), den Internationalen Pakt über die
bürgerlichen und politischen Rechte (International Covenant on Civil and
Political Rights (ICCPR)), das Allgemeine Länderprüfverfahren des
Menschenrechtsrates (Universal Periodic Review (UPR)) sowie weitere
relevante Instrumente, wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
24. Welche Schritte plant die Bundesregierung, um die Zusammenarbeit mit
Indien in der G4-Gruppe weiter zu intensivieren und die angestrebte
Reform der Vereinten Nationen voranzutreiben?
25. a) Inwiefern hat die menschenrechtliche Lage in Indien Einfluss auf die
Entscheidungen der Bundesregierung zu Rüstungsexporten?
b) Inwiefern beeinflusst der Konflikt mit Pakistan die Entscheidungen
der Bundesregierung zu Rüstungsexporten?
26. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, ob aus
Deutschland exportierte Waffen gegebenen, wenn in Fällen von
Menschenrechtsverletzungen seitens der indischen Sicherheitskräfte oder seitens
bewaffneter Gruppen in Indien wie unter anderem in Manipur eingesetzt werden?
27. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko des Transfers sensibler
Technologien an Dritte im Kontext deutsch-indischer
Rüstungskooperationen, und welche konkreten Maßnahmen leitet die Bundesregierung daraus
ab?
28. Inwiefern fördert die Bundesregierung dezentrale Maßnahmen im Klima-
und Energiebereich, von denen auch die lokale Bevölkerung profitiert, wie
zum Beispiel Energiegenossenschaften im Bereich Wind und Solar?
29. Inwiefern finanziert die Bundesregierung direkt oder indirekt, zum
Beispiel über die Beteiligung an Entwicklungsbanken, Vorhaben im Bereich
fossiler oder nuklearer Energien (wenn ja, bitte auflisten und begründen)?
30. Inwiefern unterstützt die Bundesregierung Programme bzw.
zivilgesellschaftliche Initiativen in Indien, die die rechtliche Gleichstellung, den
Schutz vor Gewalt und die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen und
marginalisierten Geschlechtern stärken, und welche Programme zur
wirtschaftlichen Stärkung von Frauen werden derzeit gemeinsam mit
indischen Partnern umgesetzt?
31. Inwieweit fördert die Bundesregierung landwirtschaftliche Vorhaben in
Indien, die agrarökologische Ansätze verfolgen?
32. Welche Programme im Bereich WASH werden derzeit durch das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
oder im Rahmen multilateraler Kooperationen in Indien gefördert, und
inwiefern unterstützt die Bundesregierung Maßnahmen, um den Zugang zu
sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung in den ländlichen
Regionen Indiens zu verbessern?
33. Inwiefern werden in der deutsch-indischen Entwicklungszusammenarbeit
geschlechtersensible Ansätze – etwa in den Bereichen Klima, WASH und
Bildung – systematisch berücksichtigt?
34. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Verletzung von
Minderheitenrechten bei der Umsetzung von Projekten der Infrastruktur
und der Stadtentwicklung mit Enteignungen bis hin zu Vertreibungen?
35. a) Wie bewertet die Bundesregierung die Leuchtturmprojekte der
„Global-Gateway-Initiative“ in Indien hinsichtlich ihrer Wirkung auf
nachhaltige Entwicklung, Infrastrukturverbesserung und
europäischindische Zusammenarbeit?
b) Welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass
Minderheiten und benachteiligte Bevölkerungsgruppen von diesen
Projekten profitieren?
36. Wie bewertet die Bundesregierung die konkrete Ausgestaltung der im
Rahmen des EU-Indien Handels- und Technologierats (TTC)
vorgesehenen Zusammenarbeit im Bereich der wirtschaftlichen Sicherheit,
insbesondere im Hinblick auf Lieferkettensicherheit, kritische Rohstoffe,
Resilienz strategischer Industrien und den Schutz vor wirtschaftlicher
Zwangsausübung („Anti-Coercion-Instrument“), und inwiefern bringt sich die
Bundesregierung aktiv in die entsprechenden Arbeitsgruppen oder
Dialogformate ein?
37. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den aktuellen Stand der
Verhandlungen zum EU-Indien-Freihandelsabkommen (FTA)
insbesondere in Bezug auf das Kapitel Landwirtschaft sowie weitere noch offene
Kapitel (z. B. zu Automobil, Wein und Spirituosen, technische
Handelshemmnisse und Qualitätskontrollmechanismen), und welche Positionen
vertritt sie innerhalb des Rates, um Fortschritte in diesen Bereichen zu
unterstützen, bzw. wo sieht die Bundesregierung selbst potenziell
problematische Auswirkungen für deutsche Wirtschaftszweige (in den genannten
Bereichen oder darüber hinaus)?
38. Wie bewertet die Bundesregierung eine potenzielle Annäherung zwischen
der Volksrepublik (VR) China und Indien, und welchen Einfluss hat diese
auf die deutsch-indischen Beziehungen?
39. Welche konkreten Maßnahmen treibt die Bundesregierung in der
Zusammenarbeit mit Indien voran, um im Kontext der China-Strategie gezielt
zum De-Risking gegenüber der VR China beizutragen?
40. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung unternommen, um nach
dem militärischen Konflikt im Mai 2025, ausgelöst durch einen
Terrorangriff in der Region Kaschmir, zwischen Indien und Pakistan zu
deeskalieren, und welche Initiativen der Bundesregierung oder der Europäischen
Union bestehen derzeit, um vertrauensbildende Maßnahmen zwischen
Indien und Pakistan zu fördern?
41. Welche diplomatischen Initiativen hat die Bundesregierung seit der
Aussetzung des Indus-Wasservertrags unterstützt, um dessen
Wiederinkraftsetzung zu fördern?
42. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die aktuelle Lage und
die Friedensgespräche in Manipur, und welche Schlussfolgerungen zieht
sie daraus auf ihr Engagement in diesem Bundesstaat, insbesondere auf
die Durchführung von Projekten in Manipur bzw. im Nordosten Indiens
etwa im Forstbereich, der Solarenergie oder der Konstruktion von
Stromleitungen?
43. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über die humanitäre Situation
der ca. 65 000 Binnenvertriebenen und Geflüchteten aus Myanmar in
Manipur, die Auswirkungen der wachsenden Drogenökonomie und die
Politik der Zentralregierung im Gewaltkonflikt in Manipur, und welche
Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
44. Wie viele Menschen mit indischer Staatsangehörigkeit und mit indischem
Migrationshintergrund leben in Deutschland, und wie bezieht die
Bundesregierung sie im Hinblick auf ihre Potenziale als Brückenbauerinnen und
Brückenbauer in die vertiefte Zusammenarbeit mit Indien ein?
45. Unterstützt die Bundesregierung indische Diaspora-Organisationen in
Deutschland, wenn ja, welche, und in welcher Form, und wenn nein,
warum nicht?
46. Zu welcher Einschätzung kommt die Bundesregierung bezüglich des
Risikos der transnationalen Repression durch die indische Regierung
gegenüber Angehörigen der indischen Diaspora in Deutschland, und inwiefern
unternimmt die Bundesregierung präventive Schritte, um transnationale
Repression gegenüber Angehörigen der indischen Diaspora, insbesondere
Angehörigen religiöser Minderheiten, Aktivistinnen und Aktivisten in
Deutschland zu verhindern?
47. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um den
wissenschaftlichen Austausch mit Indien zu verbessern und insbesondere den
Aufenthalt deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Indien
zu fördern, angesichts der Tatsache, dass mit rund 60 000 Studierenden
Menschen aus Indien die größte Gruppe unter den ausländischen
Studierenden in Deutschland stellen, während im Verhältnis zur Bevölkerung
deutlich weniger deutsche Studierende oder Akademikerinnen und
Akademiker in Indien tätig sind?
48. Wie bewertet die Bundesregierung die Umsetzung der
Einwanderungsgesetze für indische Fachkräfte?
49. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung für die
deutschindische Zusammenarbeit aus den Bedenken, die von indischen
Kulturschaffenden in Bezug auf die zunehmend hindu-nationalistische
Ausrichtung der indischen Regierung gegenüber der deutschen Bundesregierung
(laut Aussage von Staatsministerin Serap Güler in ihrer Rede am 16.
September 2025 beim Goethe Institut) während ihrer Reise nach Indien
Anfang September 2025 geäußert wurden?
50. Welche Unternehmen und wie viele Vertreterinnen und Vertreter der
deutschen Wirtschaft haben den Bundesminister des Auswärtigen, Johann
Wadephul, bei seiner Reise Anfang September 2025 nach Indien
begleitet?
51. Waren bei der Reise von Bundesaußenminister Johann Wadephul nach
Indien neben Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft auch
Vertreterinnen und Vertreter anderer Sektoren, wie zum Beispiel
zivilgesellschaftlicher Organisationen, der Forschung oder dem Kulturbereich, anwesend,
um eine breitere Perspektive in die deutsch-indische Zusammenarbeit
einzubringen, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 28. Oktober 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Agnieszka Brugger (Kleine Anfrage)
- asked ← Awet Tesfaiesus (Kleine Anfrage)
- asked ← Boris Mijatović (Kleine Anfrage)
- asked ← Claudia Roth (Kleine Anfrage)
- asked ← Deborah Düring (Kleine Anfrage)
- asked ← Julian Joswig (Kleine Anfrage)
- asked ← Lamya Kaddor (Kleine Anfrage)
- asked ← Luise Amtsberg (Kleine Anfrage)
- asked ← Omid Nouripour (Kleine Anfrage)
- asked ← Robin Wagener (Kleine Anfrage)
- asked ← Sandra Detzer (Kleine Anfrage)
- asked ← Sara Nanni (Kleine Anfrage)
- asked ← Schahina Gambir (Kleine Anfrage)
- authored ← Agnieszka Brugger
- authored ← Deborah Düring
- authored ← Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- part_of_vorgang → Partnerschaft mit Indien (Kleine Anfrage)