Verbindungen von Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft zu extrem rechten Netzwerken
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Verbindungen von Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft zu extrem rechten Netzwerken
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3178
21. Wahlperiode 10.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ferat Koçak, Desiree Becker, Clara Bünger, Anne-Mieke
Bremer, Agnes Conrad, Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß,
Jan Köstering, Sonja Lemke, Luigi Pantisano, Bodo Ramelow, David Schliesing,
Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Verbindungen von Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft zu
extrem rechten Netzwerken
In der Vergangenheit sorgten Vertreter der Deutsche Burschenschaft (DB) und
von deren Mitgliederorganisationen durch rassistische Äußerungen und
Verbindungen zu Rechtsextremen wiederholt für Schlagzeilen. Die DB steht im
Burschenschaftsspektrum „ganz rechts außen [...]. Einige Mitgliedsbünde werden
seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet“ (www.zdf.de/dokumentation/zd
finfo-doku/drahtzieher-burschenschaften-die-macht-der-studentenverbindung-1
00.html). Experten und Medien beobachten schon lange eine ideologische und
personelle Radikalisierung, mehrere Burschenschaften haben die DB daher
verlassen (www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/weshalb-rechtsextremismus-in-bur
schenschaften-aufmerksamkeit-verdient-a-869194.html; www.faz.net/aktuell/g
esellschaft/studentische-verbindungen-die-krise-der-deutschen-burschenschaft-
12795301.html).
Im Leitmedium des Dachverbandes heißt es: „Das Deutsche Reich ist 1945
nicht untergegangen und besteht unverändert fort“ (vgl. Helfried Arnetzl/Hans
Werner Bracht in Handbuch der Deutschen Burschenschaft, 2005, S. 266), bzw.
„Das Deutsche Reich in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 besteht nach
herrschender völkerrechtlicher Auffassung fort. Zahlreichen in- und
ausländische Politikern ist es jedoch ein Dom im Auge, wenn Deutsche die deutschen
Gebiete östlich von Oder und Neiße nicht ohne weiteres preisgeben wollen
[…]. Deutschland ist mehr als die territoriale Summe aus zwei Gebieten
westlich und östlich der Elbe“ (vgl. Klaus Oldenhage ebd., S. 281). Und weiter:
„Ausgangs- und Angelpunkt der Verurteilung der Deutschen, verbunden mit
dem Versuch der Identitätsberaubung, ist zunächst der ständige und wiederholte
Vorwurf der Alleinschuld der Deutschen an den Verbrechen des Zweiten
Weltkriegs“ (vgl. Heinz Herrmann/Dieter Niederhausen ebd., S. 246). Außerdem:
„Unter Deutschland verstehen wir den von Deutschen bewohnten Raum in
Mitteleuropa einschließlich der Gebiete, aus denen Deutsche widerrechtlich
vertrieben worden sind. Ein Deutscher ist, wer aufgrund seiner Abstammung,
Sprache und Kultur zum deutschen Volk gehört und sich zu ihm bekennt“ (vgl.
ebd., S. 244). Nicht zuletzt wird geschrieben: „Fehlen ein oder mehrere
Kriterien des Volksbegriffs, beispielsweise bei Menschen deutscher Abstammung, so
muß geprüft werden, ob sie trotzdem nach ihrem Bewußtsein Deutsche
geblieben sind“ (vgl. ebd.). Dies stellen nach Ansicht der Fragestellenden
geschichtsrevisionistische und rassistische Sichtweisen dar, die auch unter Reichsbürgern
und anderen Rechtsextremen weit verbreitet sind.
Mehrere Mitgliedsbünde sind teils seit Jahren durch ihre Aktivitäten und
Verbindungen als Teil der extrem rechten Szene in Deutschland und Europa offen
erkennbar. Die „Berliner Burschenschaft Gothia“ (BBG) führte in ihren
Räumen unter anderem mehrfach Veranstaltungen des vom Bundesamt für
Verfassungsschutz (BfV) und der Sachsen-Anhaltischen Verfassungsschutz als
„gesichert rechtsextrem“ eingestuften und inzwischen aufgelösten „Instituts für
Staatspolitik“ (IfS) sowie der ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten
„Identitären Bewegung“ durch. Medien bezeichnen die Burschenschaft als
„Scharnier zwischen rechtsextremen und konservativen Milieus“ (www.spiege
l.de/politik/deutschland/geheime-netzwerke-die-rechten-burschen-von-afd-
undcdu-a-b92c1bd6-35e9-432b-bd93-319cacd78982). Mehrere Mitglieder der
Burschenschaft sind laut einem Medienbericht parallel bei der „Identitären
Bewegung“ und der vom Verfassungsschutz ebenfalls als rechtsextremistisch
eingestuften und aufgelösten „Jungen Alternative“, der früheren
Jugendorganisation der AfD, aktiv. Auch Personen mit Verbindungen in die Neonazi- und
Hooliganszene sollen laut Medienberichten zu Veranstaltungen eingeladen worden
sein (www.nd-aktuell.de/artikel/1180629.rechtsextremismus-berliner-burschen
schaft-gothia-fall-fuer-den-verfassungsschutz.html). Verstärkte mediale
Beachtung fanden „Gothia“-Mitglieder im Zuge der Berichterstattung über
rechtsextreme Vernetzungstreffen, etwa im Landhaus Adlon in Potsdam oder beim
Vorsitzenden der Altherrenvereinigung der „Gothia“, Peter Kurth, bei denen
unter anderem über sogenannte Remigrationspläne diskutiert wurde (www.t-on
line.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100324776/peter-kurth-und-di
e-rechtsextremen-burschenschaft-und-immobiliendeals.html).
Mitglieder der Burschenschaften Germania Marburg und Rheinfranken
Marburg wurden aufgrund ihrer Verbindungen in die rechtsextreme Szene und zu
nazistischen Organisationen „Der III: Weg“ oder „Die Heimat“ (ehemals NPD)
in den Blick der Verfassungsschutzbehörden genommen. Die personellen
Überschneidungen führen zu den „Identitären“, der rechtsextremistisch eingestuften
und aufgelösten „Jungen Alternative“ oder dem Verein „Ein Prozent“. (www.he
ssenschau.de/politik/verfassungsschutz-mitglieder-zweier-burschenschaften-
inmarburg-als-rechtsextrem-eingestuft-v1,verfassungsschutz-marburg-rechtsextre
m-burschenschafen-100.html). Mitglieder der Burschenschaft in Marburg
waren immer wieder auch im Zusammenhang mit Gewaltkriminalität aufgefallen
(www.fr.de/rhein-main/ueberfall-in-marburg-anklage-gegen-drei-burschenscha
fter-91237439.html; https://taz.de/Messerangriff-durch-Burschenschaftler/!592
9342/). Da Burschenschaften sich als Lebensbund verstehen, wirken einmal
geknüpfte Beziehungen lange nach, wie manche auf den ersten Blick
überraschenden Verbindungen und Kontakte belegen (www.spiegel.de/politik/deutschlan
d/bundeswehr-oberstleutnant-sprach-vor-rechtsextremen-burschenschaftlern-
abe5fac2c-385c-4aef-b0af-2adf3338d1ed; www.spiegel.de/politik/deutschland/v
erschickt-freitag-6-uhr-mit-sperrfrist-ex-cdu-senator-kurth-spielt-seit-jahren-fu
ehrende-rolle-bei-ultrarechter-berliner-burschenschaft-gothia-a-9f902ed5-d44d-
44e8-b5f9-89fb92baa8c4).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung eine Bewertung der politischen Ausrichtung der
Deutschen Burschenschaft vorgenommen, wenn ja, wie lautet diese, und
wenn nein, warum nicht?
2. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, und wenn ja,
welche, wie viele Angehörige der Deutschen Burschenschaft und ihrer
Mitgliedsbünde und jeweiligen Altherrenvereine
a) Teil von Heimatschutzkompanien sind,
b) Mitglieder im Reservistenverband sind,
c) Soldaten sind oder für die Bundeswehr arbeiten, und
d) im Polizeidienst tätig sind?
3. a) Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse zu möglichen Straftaten
vor, die von Mitgliedern von Untergliederungen der DB begangen
wurden?
b) Hat die Bundesregierung eine Einschätzung der Gewaltaffinität dieses
Milieus vorgenommen, insbesondere vor dem Hintergrund von
Fuxenprüfungen, Ehrenhändeln und etwaigen Übergriffen auf Frauen,
politische Gegnerinnen und Gegner und Mitglieder anderer Korporationen?
4. Haben Ermittlungsbehörden nach Kenntnis der Bundesregierung bei
rechtsextrem motivierten Straftaten in Deutschland seit 2019 Bezüge zur
DB bzw. ihren Mitgliedsorganisationen, Mitgliedspersonen und
Hausvereinen festgestellt, und wenn ja, bei wie vielen, und welchen?
5. Inwieweit sind gegebenenfalls die DB bzw. einzelne ihrer
Mitgliedsburschenschaften, Mitgliedspersonen und Hausvereine Beobachtungsobjekte
des Bundesamtes oder nach Kenntnis der Bundesregierung eines
Landesamtes für Verfassungsschutz?
a) Welche Landesämter für Verfassungsschutz beobachten nach Kenntnis
der Bundesregierung gegebenenfalls die DB oder einzelne ihrer
Mitgliedsburschenschaften, Mitgliedspersonen und Hausvereine?
b) Welche in der DB organisierten Burschenschaften bzw. Hausvereine
werden nach Kenntnis der Bundesregierung in
Verfassungsschutzberichten der Länder als rechtsextrem oder rechtsextrem beeinflusst
aufgeführt (hier bitte auch die Verdachtsfälle mit einbeziehen)?
6. Welche aktuellen Kenntnisse hat die Bundesregierung zu
organisatorischen Verbindungen zwischen Mitgliedsbünden der Deutschen
Burschenschaft und als rechtsextrem eingestuften oder dem rechten Spektrum
zuzurechnenden Organisationen, welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung
zu möglichen Verbindungen der DB bzw. von deren
Mitgliedsorganisationen, Mitgliedspersonen und Hausvereinen zu folgenden Parteien,
Organisationen, Vereinen, Gruppierungen, Bewegungen, und welcher Art sind
diese (beispielsweise Doppelmitgliedschaften, Auftritte bei bzw.
Teilnahme an Veranstaltungen, Verfügung bzw. Nutzung von Räumlichkeiten;
bitte einzeln auflisten und nach DB-Mitgliedsorganisation erläutern)
a) Neonazistische Parteien (Die Heimat, Junge Nationalisten (JN), Der
III. Weg),
b) „Alternative für Deutschland“,
c) „Identitäre Bewegung“,
d) „Ein Prozent“,
e) „GegenUni“,
f) „Institut für Staatspolitik“,
g) Gruppen der sogenannten „Anastasia-Bewegung“,
h) der 2023 verbotenen „Artgemeinschaft Germanische Glaubens-
Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“,
i) „Freibund“,
j) „Arische Bruderschaft“,
k) „Kampf der Nibelungen“,
l) „Gefangenenhilfe“ (Nachfolger der Hilfsorganisation für nationale
politische Gefangene und deren Angehörige e. V. (HNG)), und
m) „Reichsbürgerbewegung“?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Vorträge und
Treffen mit rechtsextrem eingestuften Organisationen in Häusern der
jeweiligen Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft vor, und wie schätzt
die Bundesregierung die Einbindung gegebenenfalls der Deutschen
Burschenschaft, ihrer Mitgliedsbünde und Mitgliedspersonen in extrem rechte
Netzwerke ein?
8. Welche aktuellen Kenntnisse hat die Bundesregierung rund um eine
mögliche internationale Vernetzung der Deutschen Burschenschaft und ihrer
Mitgliedsbünde und Mitgliedspersonen mit extrem rechten
Organisationen, und welche Veranstaltungen und Treffen fanden zwischen
Mitgliedsbünden und Mitgliedspersonen der Deutschen Burschenschaften mit
rechtsextrem klassifizierten nichtdeutschen Organisationen, Parteien und
Zusammenschlüssen gegebenenfalls statt?
9. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Altherrenvereine und
Hausvereine, als organisatorische Hintergrundstruktur, in extrem rechte
Organisationen eingebunden, die als gesichert rechtsextrem, aber auch als
Verdachtsfall geführt werden, und wenn ja, inwiefern, welche Kenntnisse
liegen der Bundesregierung hierzu vor?
10. Hat sich das Gemeinsame Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum
zur Bekämpfung des Rechtsextremismus/Rechtsterrorismus (GETZ‑R)
nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 mit der DB bzw. ihren
Mitgliedsorganisationen, Mitgliedspersonen und Hausvereinen befasst, und
wenn ja, wie oft, und zu welchen Zeitpunkten (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
Berlin, den 18. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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