Verbindungen von Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft zu extrem rechten Netzwerken (Antwort zu Drs. 21/3178)
Text
Verbindungen von Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft zu extrem rechten Netzwerken (Antwort zu Drs. 21/3178)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3469
21. Wahlperiode 29.12.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ferat Koçak, Desiree Becker, Clara
Bünger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/3178 –
Verbindungen von Mitgliedsorganisationen der Deutschen Burschenschaft zu
extrem rechten Netzwerken
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In der Vergangenheit sorgten Vertreter der Deutsche Burschenschaft (DB) und
von deren Mitgliederorganisationen durch rassistische Äußerungen und
Verbindungen zu Rechtsextremen wiederholt für Schlagzeilen. Die DB steht im
Burschenschaftsspektrum „ganz rechts außen [...]. Einige Mitgliedsbünde
werden seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet“ (www.zdf.de/dokumentati
on/zdfinfo-doku/drahtzieher-burschenschaften-die-macht-der-studentenverbin
dung-100.html). Experten und Medien beobachten schon lange eine
ideologische und personelle Radikalisierung, mehrere Burschenschaften haben die DB
daher verlassen (www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/weshalb-rechtsextremis
mus-in-burschenschaften-aufmerksamkeit-verdient-a-869194.html; www.fa
z.net/aktuell/gesellschaft/studentische-verbindungen-die-krise-der-deutschen-
burschenschaft-12795301.html).
Im Leitmedium des Dachverbandes heißt es: „Das Deutsche Reich ist 1945
nicht untergegangen und besteht unverändert fort“ (vgl. Helfried Arnetzl/Hans
Werner Bracht in Handbuch der Deutschen Burschenschaft, 2005, S. 266),
bzw. „Das Deutsche Reich in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 besteht
nach herrschender völkerrechtlicher Auffassung fort. Zahlreichen in- und
ausländische Politikern ist es jedoch ein Dom im Auge, wenn Deutsche die
deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße nicht ohne weiteres preisgeben
wollen […]. Deutschland ist mehr als die territoriale Summe aus zwei
Gebieten westlich und östlich der Elbe“ (vgl. Klaus Oldenhage ebd., S. 281). Und
weiter: „Ausgangs- und Angelpunkt der Verurteilung der Deutschen,
verbunden mit dem Versuch der Identitätsberaubung, ist zunächst der ständige und
wiederholte Vorwurf der Alleinschuld der Deutschen an den Verbrechen des
Zweiten Weltkriegs“ (vgl. Heinz Herrmann/Dieter Niederhausen ebd., S. 246).
Außerdem: „Unter Deutschland verstehen wir den von Deutschen bewohnten
Raum in Mitteleuropa einschließlich der Gebiete, aus denen Deutsche
widerrechtlich vertrieben worden sind. Ein Deutscher ist, wer aufgrund seiner
Abstammung, Sprache und Kultur zum deutschen Volk gehört und sich zu ihm
bekennt“ (vgl. ebd., S. 244). Nicht zuletzt wird geschrieben: „Fehlen ein oder
mehrere Kriterien des Volksbegriffs, beispielsweise bei Menschen deutscher
Abstammung, so muß geprüft werden, ob sie trotzdem nach ihrem Bewußtsein
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 23. Dezember 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutsche geblieben sind“ (vgl. ebd.). Dies stellen nach Ansicht der
Fragestellenden geschichtsrevisionistische und rassistische Sichtweisen dar, die auch
unter Reichsbürgern und anderen Rechtsextremen weit verbreitet sind.
Mehrere Mitgliedsbünde sind teils seit Jahren durch ihre Aktivitäten und
Verbindungen als Teil der extrem rechten Szene in Deutschland und Europa offen
erkennbar. Die „Berliner Burschenschaft Gothia“ (BBG) führte in ihren
Räumen unter anderem mehrfach Veranstaltungen des vom Bundesamt für
Verfassungsschutz (BfV) und der Sachsen-Anhaltischen Verfassungsschutz als
„gesichert rechtsextrem“ eingestuften und inzwischen aufgelösten „Instituts für
Staatspolitik“ (IfS) sowie der ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten
„Identitären Bewegung“ durch. Medien bezeichnen die Burschenschaft als
„Scharnier zwischen rechtsextremen und konservativen Milieus“ (www.spiege
l.de/politik/deutschland/geheime-netzwerke-die-rechten-burschen-von-afd-un
d-cdu-a-b92c1bd6-35e9-432b-bd93-319cacd78982). Mehrere Mitglieder der
Burschenschaft sind laut einem Medienbericht parallel bei der „Identitären
Bewegung“ und der vom Verfassungsschutz ebenfalls als rechtsextremistisch
eingestuften und aufgelösten „Jungen Alternative“, der früheren
Jugendorganisation der AfD, aktiv. Auch Personen mit Verbindungen in die Neonazi- und
Hooliganszene sollen laut Medienberichten zu Veranstaltungen eingeladen
worden sein (www.nd-aktuell.de/artikel/1180629.rechtsextremismus-
berlinerburschenschaft-gothia-fall-fuer-den-verfassungsschutz.html). Verstärkte
mediale Beachtung fanden „Gothia“-Mitglieder im Zuge der Berichterstattung
über rechtsextreme Vernetzungstreffen, etwa im Landhaus Adlon in Potsdam
oder beim Vorsitzenden der Altherrenvereinigung der „Gothia“, Peter Kurth,
bei denen unter anderem über sogenannte Remigrationspläne diskutiert wurde
(www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100324776/peter-k
urth-und-die-rechtsextremen-burschenschaft-und-immobiliendeals.html).
Mitglieder der Burschenschaften Germania Marburg und Rheinfranken
Marburg wurden aufgrund ihrer Verbindungen in die rechtsextreme Szene und zu
nazistischen Organisationen „Der III: Weg“ oder „Die Heimat“ (ehemals
NPD) in den Blick der Verfassungsschutzbehörden genommen. Die
personellen Überschneidungen führen zu den „Identitären“, der rechtsextremistisch
eingestuften und aufgelösten „Jungen Alternative“ oder dem Verein „Ein
Prozent“. (www.hessenschau.de/politik/verfassungsschutz-mitglieder-zweier-burs
chenschaften-in-marburg-als-rechtsextrem-eingestuft-v1,verfassungsschutz-m
arburg-rechtsextrem-burschenschafen-100.html). Mitglieder der
Burschenschaft in Marburg waren immer wieder auch im Zusammenhang mit
Gewaltkriminalität aufgefallen (www.fr.de/rhein-main/ueberfall-in-marburg-anklage-
gegen-drei-burschenschafter-91237439.html; https://taz.de/Messerangriff-durc
h-Burschenschaftler/!5929342/). Da Burschenschaften sich als Lebensbund
verstehen, wirken einmal geknüpfte Beziehungen lange nach, wie manche auf
den ersten Blick überraschenden Verbindungen und Kontakte belegen (www.s
piegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-oberstleutnant-sprach-vor-rechtsext
remen-burschenschaftlern-a-be5fac2c-385c-4aef-b0af-2adf3338d1ed; www.sp
iegel.de/politik/deutschland/verschickt-freitag-6-uhr-mit-sperrfrist-ex-cdu-sen
ator-kurth-spielt-seit-jahren-fuehrende-rolle-bei-ultrarechter-berliner-burschen
schaft-gothia-a-9f902ed5-d44d-44e8-b5f9-89fb92baa8c4).
1. Hat die Bundesregierung eine Bewertung der politischen Ausrichtung
der Deutschen Burschenschaft vorgenommen, wenn ja, wie lautet diese,
und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung ist nach sorgfältiger Abwägung zu der Auffassung
gelangt, dass die Frage aus Gründen des Staatswohls nicht – auch nicht eingestuft
– beantwortet werden kann. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV)
sammelt im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags Informationen und wertet diese
aus, vgl. § 3 Absatz 1 des Gesetzes über die Zusammenarbeit des Bundes und
der Länder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und über das
Bundesamt für Verfassungsschutz (BVerfSchG). Durch eine Auskunft zum
Beobachtungsstatus einer Organisation, zu der das BfV bisher keine öffentliche
Stellungnahme abgegeben hat, könnten Rückschlüsse auf den Aufklärungsbedarf,
den Erkenntnisstand sowie die generelle Arbeitsweise des BfV gezogen
werden, unabhängig davon, ob die angefragte Organisation dem gesetzlichen
Auftrag des BfV unterliegt oder nicht. Dies würde die Funktionsfähigkeit des BfV
nachhaltig beeinträchtigen. Nach sorgfältiger Abwägung des parlamentarischen
Fragerechts mit den Folgen einer Beantwortung für die künftige
Arbeitsfähigkeit und Aufgabenerfüllung des BfV ergibt sich, dass eine Beantwortung
hinsichtlich einer etwaigen Beobachtung der Deutschen Burschenschaft (DB)
durch das BfV nicht erfolgen kann. Eine VS-Einstufung und Hinterlegung der
angefragten Informationen in der Geheimschutzstelle des Deutschen
Bundestages scheidet ebenfalls aus, weil bereits die geringe Möglichkeit eines
Bekanntwerdens der Aufklärungsziele sowie des Beobachtungsstatus einer
Organisation zu entsprechenden Abwehrstrategien oder Gegenmaßnahmen führen
könnten.
Bei den einzelnen Mitgliedsburschenschaften der DB handelt es sich um
regionale Personenzusammenschlüsse im Zuständigkeitsbereich der jeweiligen
Landesbehörden für Verfassungsschutz. Für etwaige Bewertungen einzelner
regionaler Studentenverbindungen sind die jeweiligen
Landesverfassungsschutzbehörden (LfV) zuständig.
2. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, und wenn ja,
welche, wie viele Angehörige der Deutschen Burschenschaft und ihrer
Mitgliedsbünde und jeweiligen Altherrenvereine
a) Teil von Heimatschutzkompanien sind,
b) Mitglieder im Reservistenverband sind,
c) Soldaten sind oder für die Bundeswehr arbeiten, und
d) im Polizeidienst tätig sind?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellungen
vor. Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 25 der Kleinen
Anfrage der Gruppe Die Linke auf Bundestagsdrucksache 20/11485, auf die
Antwort der Bundesregierung zu Frage 9 der Kleinen Anfrage der Fraktion
DIE LINKE. auf Bundesdrucksache 20/1039 sowie auf die Antwort der
Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 47 der Abgeordneten Martina Renner
auf Bundestagsdrucksache 20/5289 verwiesen.
3. a) Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse zu möglichen Straftaten
vor, die von Mitgliedern von Untergliederungen der DB begangen
wurden?
Im Bundeskriminalamt (BKA) werden bezüglich einer Mitgliedschaft zur DB
bzw. deren Untergliederungen keine statistischen Daten erhoben. Im Übrigen
wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
b) Hat die Bundesregierung eine Einschätzung der Gewaltaffinität dieses
Milieus vorgenommen, insbesondere vor dem Hintergrund von
Fuxenprüfungen, Ehrenhändeln und etwaigen Übergriffen auf Frauen,
politische Gegnerinnen und Gegner und Mitglieder anderer Korporationen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 1 hingewiesen.
4. Haben Ermittlungsbehörden nach Kenntnis der Bundesregierung bei
rechtsextrem motivierten Straftaten in Deutschland seit 2019 Bezüge zur
DB bzw. ihren Mitgliedsorganisationen, Mitgliedspersonen und
Hausvereinen festgestellt, und wenn ja, bei wie vielen, und welchen?
Politisch motivierte Straftaten werden dem BKA im Rahmen des
Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Fällen Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-
PMK) durch die zuständigen Landeskriminalämter übermittelt und in der BKA-
internen Fallzahlendatei „LAPOS“ erfasst. Bei den erfragten Angaben einer
Zugehörigkeit etwaiger Tatverdächtiger zum burschenschaftlichen Milieu in
Deutschland handelt es sich um kein Pflichtfeld des KPMD-PMK und diese
Angaben können ausschließlich im Freitext der Sachverhaltsbeschreibung
genannt werden, ohne jedoch verpflichtend zu sein.
Da der Begriff „Deutsche Burschenschaft“ bzw. deren Mitgliedsorganisationen
kein Katalogwert im KPMD-PMK ist, ist eine trennscharfe Abfrage der
innerhalb der Fragestellung genannten Parameter nicht möglich.
5. Inwieweit sind gegebenenfalls die DB bzw. einzelne ihrer
Mitgliedsburschenschaften, Mitgliedspersonen und Hausvereine Beobachtungsobjekte
des Bundesamtes oder nach Kenntnis der Bundesregierung eines
Landesamtes für Verfassungsschutz?
a) Welche Landesämter für Verfassungsschutz beobachten nach
Kenntnis der Bundesregierung gegebenenfalls die DB oder einzelne ihrer
Mitgliedsburschenschaften, Mitgliedspersonen und Hausvereine?
b) Welche in der DB organisierten Burschenschaften bzw. Hausvereine
werden nach Kenntnis der Bundesregierung in
Verfassungsschutzberichten der Länder als rechtsextrem oder rechtsextrem beeinflusst
aufgeführt (hier bitte auch die Verdachtsfälle mit einbeziehen)?
Die Fragen 5 bis 5b werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung nimmt zu Ländersachverhalten aufgrund der vom
Grundgesetz vorgegebenen Kompetenzordnung grundsätzlich keine Stellung. Es wird
auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Eine Verpflichtung der Bundesregierung zur Beantwortung parlamentarischer
Fragen besteht grundsätzlich nur dann, wenn durch die begehrte Auskunft ein
Informationsvorsprung der Bundesregierung gegenüber dem Parlament
ausgeglichen werden soll, damit der Deutsche Bundestag und seine Abgeordneten in
die Lage versetzt werden, über die zur Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen
Sachinformationen zu verfügen.
Keine Antwortpflicht der Bundesregierung besteht damit insbesondere dann,
wenn sich die erbetenen Informationen unproblematisch aus öffentlich
zugänglichen Quellen beschaffen lassen.
6. Welche aktuellen Kenntnisse hat die Bundesregierung zu
organisatorischen Verbindungen zwischen Mitgliedsbünden der Deutschen
Burschenschaft und als rechtsextrem eingestuften oder dem rechten
Spektrum zuzurechnenden Organisationen, welche Erkenntnisse hat die
Bundesregierung zu möglichen Verbindungen der DB bzw. von deren
Mitgliedsorganisationen, Mitgliedspersonen und Hausvereinen zu folgenden
Parteien, Organisationen, Vereinen, Gruppierungen, Bewegungen, und
welcher Art sind diese (beispielsweise Doppelmitgliedschaften, Auftritte
bei bzw. Teilnahme an Veranstaltungen, Verfügung bzw. Nutzung von
Räumlichkeiten; bitte einzeln auflisten und nach DB-
Mitgliedsorganisation erläutern)
Es wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
a) Neonazistische Parteien (Die Heimat, Junge Nationalisten (JN), Der
III. Weg),
b) „Alternative für Deutschland“,
c) „Identitäre Bewegung“,
d) „Ein Prozent“,
e) „GegenUni“,
f) „Institut für Staatspolitik“,
g) Gruppen der sogenannten „Anastasia-Bewegung“,
h) der 2023 verbotenen „Artgemeinschaft Germanische Glaubens-
Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“,
i) „Freibund“,
j) „Arische Bruderschaft“,
k) „Kampf der Nibelungen“,
l) „Gefangenenhilfe“ (Nachfolger der Hilfsorganisation für nationale
politische Gefangene und deren Angehörige e. V. (HNG)), und
m) „Reichsbürgerbewegung“?
Eine Antwort hinsichtlich der organisatorischen Verbindungen zwischen
Mitgliedsbünden der Deutschen Burschenschaft und als rechtsextremistisch
eingestuften oder dem rechten Spektrum zuzurechnenden Organisationen kann aus
Gründen des Staatswohls nicht erfolgen. Durch die Beantwortung dieser Frage
könnten Rückschlüsse auf den Erkenntnisstand, die Aufklärungsbedarfe sowie
letztlich auch auf die Arbeitsweise des Bundesverfassungsschutzes (BfV)
gezogen werden. Dies könnte Angehörige des gegenständlichen Phänomenbereichs
in die Lage versetzen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und somit die
Erkenntnisgewinnung des BfV erschweren oder in Einzelfällen sogar unmöglich
machen. Hierdurch würde die Funktionsfähigkeit des BfV nachhaltig
beeinträchtigt, was einen Nachteil für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland
bedeuten würde.
Aus der sorgfältigen Abwägung der Informationsrechte des Deutschen
Bundestages und seiner Abgeordneten mit den negativen Folgen für die künftige
Arbeitsfähigkeit und Aufgabenerfüllung des BfV sowie den daraus resultierenden
Beeinträchtigungen der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland folgt, dass
auch eine Auskunft nach Maßgabe der Geheimschutzordnung und damit
einhergehende Einsichtnahme über die Geheimschutzstelle des Deutschen
Bundestages ausscheidet. Eine Bekanntgabe auch gegenüber einem begrenzten
Kreis von Empfängern wird dem Schutzbedarf nicht gerecht. Dies gilt umso
mehr, als bei einem Bekanntwerden die betroffenen nachrichtendienstlichen
Methoden und Werkzeuge nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr
eingesetzt werden können. Hieraus ergibt sich, dass die erbetenen Informationen
derart schutzbedürftige Geheimhaltungsinteressen berühren, dass das Staatswohl
gegenüber dem parlamentarischen Informationsinteresse überwiegt. Insofern
muss ausnahmsweise das Fragerecht der Abgeordneten gegenüber den
Geheimhaltungsinteressen der Bundesregierung zurückstehen.
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Vorträge und
Treffen mit rechtsextrem eingestuften Organisationen in Häusern der
jeweiligen Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft vor, und wie schätzt
die Bundesregierung die Einbindung gegebenenfalls der Deutschen
Burschenschaft, ihrer Mitgliedsbünde und Mitgliedspersonen in extrem
rechte Netzwerke ein?
Über die Beobachtung der verfassungsschutzrelevanten Neuen Rechten sind
der Bundesregierung einzelne Fälle bekannt, in denen relevante Akteure in
Immobilien einzelner Burschenschaften aktiv waren. Im Übrigen wird auf die
Antwort zu Frage 1 verwiesen.
8. Welche aktuellen Kenntnisse hat die Bundesregierung rund um eine
mögliche internationale Vernetzung der Deutschen Burschenschaft und
ihrer Mitgliedsbünde und Mitgliedspersonen mit extrem rechten
Organisationen, und welche Veranstaltungen und Treffen fanden zwischen
Mitgliedsbünden und Mitgliedspersonen der Deutschen Burschenschaften
mit rechtsextrem klassifizierten nichtdeutschen Organisationen, Parteien
und Zusammenschlüssen gegebenenfalls statt?
Der Bundesregierung liegen bezüglich der ersten Teilfrage keine Erkenntnisse
im Sinne der Fragestellung vor. Darüber hinaus wird auf die Antwort zu
Frage 1 verwiesen.
9. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Altherrenvereine und
Hausvereine, als organisatorische Hintergrundstruktur, in extrem rechte
Organisationen eingebunden, die als gesichert rechtsextrem, aber auch als
Verdachtsfall geführt werden, und wenn ja, inwiefern, welche Kenntnisse
liegen der Bundesregierung hierzu vor?
Der Bundesregierung sind einzelne Aktivitäten sog. „Alter Herren“ in
Beobachtungsobjekten des BfV bekannt. Darüber hinaus wird auf die Antwort zu
Frage 6 verwiesen.
10. Hat sich das Gemeinsame Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum
zur Bekämpfung des Rechtsextremismus/Rechtsterrorismus (GETZ‑R)
nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 mit der DB bzw. ihren
Mitgliedsorganisationen, Mitgliedspersonen und Hausvereinen befasst, und
wenn ja, wie oft, und zu welchen Zeitpunkten (bitte nach Jahren
aufschlüsseln)?
Eine Beantwortung im Sinne der Fragestellung kann nicht erfolgen, da eine
entsprechende Erhebung nicht automatisiert zu generieren ist.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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