Kenntnisse zum antifaschistischen Aktionsbündnis Widersetzen und dessen mögliche Einordnung
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Kenntnisse zum antifaschistischen Aktionsbündnis Widersetzen und dessen mögliche Einordnung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8042
21. Wahlperiode 17.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Hess, Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Christopher Drößler, Jochen Haug, Steffen Janich, Sascha Lensing, Markus
Matzerath, Arne Raue, Dr. Christian Wirth und der Fraktion der AfD
Kenntnisse zum antifaschistischen Aktionsbündnis Widersetzen und dessen
mögliche Einordnung
Das Bündnis Widersetzen ist eine seit 2024 bundesweit aktive
Kampagnenstruktur, die sich die Verhinderung von Veranstaltungen der Partei Alternative
für Deutschland zum Ziel gesetzt hat. Zu den Initiatoren zählt nach öffentlich
zugänglichen Darstellungen der Bundesgeschäftsführer der Vereinigung der
Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
(VVN‑BdA), Thomas Willms. Nach eigenen Angaben bestand das Bündnis im
Juli 2026 aus rund 91 Ortsgruppen, die vielfach aus antifaschistischen oder
klimaaktivistischen Zusammenhängen hervorgegangen sind (https://de.wikipedia.
org/wiki/Widersetzen).
Das Bündnis mobilisierte unter anderem gegen die Bundesparteitage der AfD
im Jahr 2024 in Essen und im Jahr 2025 in Riesa. Vor dem Bundesparteitag am
4. und 5. Juli 2026 in Erfurt erklärte das Bündnis ausdrücklich, den Parteitag
„mit Aktionen des massenhaften Ungehorsams“ verhindern zu wollen;
Bündnissprecher kündigten an, „alle Zufahrten“ zu blockieren und den Parteitag
„zum Desaster“ zu machen, Fragen nach Gewaltanwendung wurden
ausweichend beantwortet (www.zeit.de/news/2026-07/03/widersetzen-will-mit-blocka
den-afd-parteitag-verhindern; www.welt.de/regionales/thueringen/article6a479
a922e8f13ca8ed2ae5c/widersetzen-will-mit-blockaden-afd-parteitag-verhinder
n.html).
Nach dem Parteitag kündigte das Bündnis an, seinen Kurs fortzusetzen und für
den Fall einer politischen Zusammenarbeit mit der AfD künftig auch
Veranstaltungen von CDU und BSW ins Visier zu nehmen (www.welt.de/politik/deutsch
land/article6a4b36edad32e994f875ce19/nach-afd-parteitag-jetzt-nehmen-aktivi
sten-cdu-und-bsw-ins-visier.html).
Zugleich richtet sich das Bündnis politisch ausdrücklich auch gegen die
Bundesregierung selbst. Deren Sozial- und Migrationspolitik sei ein Grund für das
Erstarken der AfD (www.zeit.de/news/2026-07/03/widersetzen-will-mit-blocka
den-afd-parteitag-verhindern). Vertreter der Bundesregierung haben sich zu
diesem Bündnis nach Kenntnis der Fragesteller bislang nur zurückhaltend
geäußert. Der Bundesminister des Innern, Alexander Dobrindt, erklärte am
30. Juni 2026 bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts auf Nachfrage
lediglich, man blicke „ehrlicherweise mit Sorge auf das, was da entstehen
kann“, und Protest müsse „immer gewaltfrei bleiben“; er sorge sich vor allem
darum, dass die Polizeikräfte die Leidtragenden seien (www.zeit.de/news/2026-
06/30/blockade-von-afd-parteitag-dobrindt-macht-sich-sorgen).
Der Vorgang berührt aus Sicht der Fragesteller unmittelbar den
Verantwortungsbereich der Bundesregierung. Erstens ist sie an das Gebot staatlicher
Neutralität im politischen Wettbewerb und an die von Artikel 21 des Grundgesetzes
garantierte Chancengleichheit der Parteien gebunden; Äußerungen wie
Nichtäußerungen von Regierungsmitgliedern gegenüber einem Bündnis, das die
Verhinderung von Parteiveranstaltungen einer im Deutschen Bundestag vertretenen
Partei zum Programm erhebt, sind daran zu messen. Zweitens obliegen ihr der
Verfassungsschutz des Bundes und die Bewertung extremistischer
Bestrebungen. Drittens fördert der Bund zivilgesellschaftliche Träger (Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/6756;
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/6792), die sich nach Erkenntnissen der Fragesteller an den Protesten
in Erfurt zumindest beteiligt haben (vgl. dazu ergänzend die Aussagen des
Bündnisses zur Zusammenarbeit: https://widersetzen.com/about/). Viertens sind
Bundespolizei und Bundeskriminalamt bei derartigen Großlagen regelmäßig
eingebunden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Ziele mithilfe welcher Mittel verfolgt das Aktionsbündnis
Widersetzen nach Kenntnis der Bundesregierung, und vertritt die
Bundesregierung eine Auffassung dazu, ob die eingesetzten Mittel grundsätzlich mit
dem Demokratieprinzip sowie der Chancengleichheit von Parteien
vereinbar sind (bitte ausführen)?
a) Wie problematisch sind aus Sicht der Bundesregierung im Speziellen
koordinierte Massenblockaden von Zufahrtswegen zu Parteitagen
einer nicht verbotenen Partei oder andere Maßnahmen, die eine
konkrete Verhinderung oder einen Abbruch von Parteitagen wie dem
Bundesparteitag der AfD in Erfurt erzwingen sollen?
b) Hat die Bundesregierung die tatsächliche Bereitschaft zur Anwendung
von Gewalt oder auch zur Distanzierung von Gewalt durch das
Bündnis Widersetzen beurteilt, und wenn ja, mit welchem Ergebnis, und
teilt sie die Auffassung der Fragesteller, dass eine fehlende
Gewaltdistanzierung seitens einer politisch aktiven Organisation ein gewichtiges
Indiz für extremistische Bestrebungen darstellt (https://apollo-new
s.net/widersetzen-gibt-tipps-fuer-sprengstoffanschlaege-achte-
daraufkeine-spuren-zu-hinterlassen/; https://apollo-news.net/als-er-zu-politis
cher-gewalt-gefragt-wird-spricht-der-widersetzen-sprecher-ueber-
diepolitik-der-regierung-und-der-afd/; www.focus.de/politik/deutschland/
kommentar-zur-afd-linke-aktivisten-von-widersetzen-entlarven-nach-p
rotesten-gegen-parteitag-ihr-demokratieverstaendnis_71d3eefb-3b4f-4
d8c-a1f8-40dc5a129b51.html)?
c) Hat die Bundesregierung Kenntnisse zur möglichen tatsächlichen
Positionierung hinsichtlich der Begehung oder Förderung von
Straftaten durch das Bündnis Widersetzen entgegen anderslautenden
öffentlichen Bekundungen (https://apollo-news.net/widersetzen-gibt-tipp
s-fuer-sprengstoffanschlaege-achte-darauf-keine-spuren-zu-hinterlas
sen/), wenn ja, welche, und wenn nein, beabsichtigt die
Bundesregierung, sich entsprechende Kenntnisse zu verschaffen?
d) Sind der Bundesregierung die öffentlich ausgesprochenen Drohungen
des Aktionsbündnisses Widersetzen gegen CDU und BSW einer
Ausweitung der Aktionen auf deren Veranstaltungen für den Fall einer
politischen Zusammenarbeit mit der AfD im Hinblick auf die
Einschüchterung demokratisch legitimierter politischer Akteure, eine
etwaige Bereitschaft zur Gewaltanwendung sowie die damit
einhergehende Gefahr für die Funktionsfähigkeit der parlamentarischen
Demokratie bekannt, und inwieweit teilt die Bundesregierung
gegebenenfalls die Analyse, dass derartige Drohungen gegen gewählte Parteien
und deren Kooperationsentscheidungen mit einer wehrhaften
Demokratie unvereinbar sind (www.welt.de/politik/deutschland/article6a4b3
6edad32e994f875ce19/nach-afd-parteitag-jetzt-nehmen-aktivisten-cd
u-und-bsw-ins-visier.html)?
e) Hat die Bundesregierung sich eine Auffassung zu der Frage gebildet,
ob sie Gefahren für die Demokratie und den Rechtsstaat durch das
bisherige Agieren des Aktionsbündnisses Widersetzen sieht –
insbesondere im Hinblick auf die Anerkennung des parlamentarischen
Mehrheitsprinzips, die Gewaltfreiheit politischer Auseinandersetzung und
die Akzeptanz legitimer politischer Konkurrenz –, und wenn ja, wie
lautet diese, und wenn die Bundesregierung die genannte Gefahr sieht,
auf welche konkreten Erkenntnisse stützt sie diese Einschätzung
(https://apollo-news.net/distanzierung-kann-ich-nicht-liefern-widerset
zen-sprecher-verurteilt-gewalt-gegen-apollo-news-reporter-nicht/)?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnisse dazu, wie groß das
Personenpotenzial des Aktionsbündnisses Widersetzen insgesamt ist und wie viele davon
möglicherweise gewaltbereit sind, wenn ja, welche (bitte gegebenenfalls
den Anteil an Linksextremisten gesondert ausweisen), und wenn nein,
beabsichtigt die Bundesregierung, sich entsprechende Kenntnisse zu
verschaffen?
3. Wie viele der Hauptorganisatoren und Sprecher des Bündnisses
Widersetzen sind nach Kenntnis der Bundesregierung Mitglieder
linksextremistischer Organisationen, und um welche linksextremistischen Organisationen
handelt es sich hierbei anteilsmäßig (https://apollo-news.net/widersetzen-s
precher-kommt-von-linksextremer-organisation-die-vom-verfassungsschu
tz-beobachtet-wird/)?
4. Engagieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung linksextremistische
Gefährder oder Personen, die zum linksextremistischen Personenpotenzial
gezählt werden in diesem Aktionsbündnis, und wenn ja, wie viele (bitte
zwischen gewaltbereiten und nicht gewaltorientierten Personen
unterscheiden)?
5. Hat die Bundesregierung Kenntnisse dazu, wie viele der
Hauptorganisatoren und Sprecher des Bündnisses Widersetzen Mitglieder von im
Deutschen Bundestag vertretenen Parteien sind, wenn ja, welche, (vgl. dazu
https://apollo-news.net/distanzierung-kann-ich-nicht-liefern-widersetzen-s
precher-verurteilt-gewalt-gegen-apollo-news-reporter-nicht/), und wenn
nein, beabsichtigt die Bundesregierung, sich entsprechende Kenntnisse zu
verschaffen?
6. Hat die Bundesregierung Kenntnisse dazu, wie viele Ortsgruppen sich zu
diesem Aktionsbündnis zählen, und wie viele sind dabei gegebenenfalls
einem linksextremistischen Spektrum zuzuordnen, wenn ja, welche
(https://widersetzen.com/about/#buendnis), und wenn nein, beabsichtigt
die Bundesregierung, sich entsprechende Kenntnisse zu verschaffen?
7. Hat die Bundesregierung Kenntnisse dazu, welche politischen Parteien,
Jugendorganisationen von politischen Parteien sowie staatlich geförderten
Organisationen dieses Aktionsbündnis unterstützen, wenn ja, welche, und
in welcher Form (exemplarisch wird auszugsweise auf die Logos der
Grünen Jugend, der Grünen Jugend Heidelberg, von Fridays for Future, der
SPD Heidelberg, der Jusos, der Jusos Heidelberg und Erfurt, der
Linksjugend [’solid], der Linksjugend Solid Heidelberg, Wald statt Asphalt,
Campact und attac auf der Webseite von Widersetzen verwiesen: https://w
idersetzen.com/mitmachen/soli/), und wenn nein, beabsichtigt die
Bundesregierung, sich entsprechende Kenntnisse zu verschaffen?
8. Hat die Bundesregierung geprüft, ob es sich beim Aktionsbündnis
Widersetzen möglicherweise maßgeblich unter Vorschiebung des VVN‑BdA
e. V. im Impressum auf der Webseite (https://widersetzen.com/about/#ges
chichte; https://widersetzen.com/impressum/) tatsächlich um eine
Verschleierung linksextremistischer Kräfte wie beispielsweise der
Interventionistischen Linken, der Roten Hilfe e. V. oder anderer
linksextremistischer Organisationen zur Erhöhung der Anschlussfähigkeit handelt und ob
linksextremistische Organisationen prägend im Hinblick auf die
tatsächlich aktiv handelnden Akteure und Gruppierungen sind, und wenn ja, mit
welchem Ergebnis (s. dazu www.interventionistische-linke.org/sites/defau
lt/files/attachements/202607_zeitung_widersetzen.pdf; https://apollo-new
s.net/widersetzen-sprecher-kommt-von-linksextremer-organisation-die-vo
m-verfassungsschutz-beobachtet-wird/; https://antifa.vvn-bda.de/2026/01/
02/widerstand-intensivieren/)?
9. Beobachtet oder dokumentiert die Bundesregierung Fälle (vgl. Frage 8),
in denen nichtextremistische Akteure – namentlich Parteien,
Parteijugendorganisationen und staatlich geförderte Träger – linksextremistischen
Organisationen über gemeinsame Bündnisse Reichweite, Ressourcen oder
politische Legitimität verschaffen (sog. Entgrenzung), wenn ja, mit
welchen Instrumenten wirkt sie diesem Befund gegebenenfalls entgegen, und
wenn nein, warum nicht?
10. Hat die Bundesregierung geprüft, wenn tatsächlich der VVN‑BdA e. V.
die maßgebende Organisation hinter dem Aktionsbündnis Widersetzen ist
(vgl. Frage 8), ob dieser dann parteipolitisch aktiv engagiert ist und dies
der Demokratieförderung dient, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
11. Hat die Bundesregierung geprüft, ob eine Solidarisierung der politisch
grün geprägten „Initiative Better Police“ beziehungsweise von dort
engagierten Polizeibeamten mit dem Aktionsbündnis Widersetzen mit den
hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums problematisch ist, und
wenn ja, mit welchem Ergebnis, und hat die Bundesregierung Kenntnisse
dahin gehend, ob und wie viele Bundespolizeibeamte sich dort engagieren
(zumindest wird die Initiative mit Logo auf der Website von Widersetzen
aufgeführt: https://widersetzen.com/mitmachen/soli/ und zu Better Police
an sich: und www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-polizist-oliver-von-d
obrowolski-gruendet-inititative-better-police-ein-interview-a-44d81e70-a2
95-4c73-8b11-0929d696156d)?
12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Behinderungen,
Bedrohungen und Übergriffen gegen Journalisten und Medienschaffende im
Zusammenhang mit Versammlungen des Aktionsbündnisses Widersetzen
– insbesondere am Rande des AfD-Bundesparteitages in Erfurt – vor (bitte
neben der Anzahl der bekannten Fälle auch Deliktarten und Zuordnung
zum Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität angeben),
und welche Bedeutung misst die Bundesregierung grundsätzlich
gegebenenfalls derartigen Handlungen bei der Bewertung von Bestrebungen
gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mit Blick auf die
Pressefreiheit nach Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) zu (www.
welt.de/politik/deutschland/article6a4c85c0b2ab39bc4a32392d/gewalt-be
i-anti-afd-protesten-aktivisten-geben-apollo-news-schuld-an-gezielter-esk
alation.html; www.focus.de/politik/deutschland/kommentar-zur-afd-
linkeaktivisten-von-widersetzen-entlarven-nach-protesten-gegen-parteitag-
ihrdemokratieverstaendnis_71d3eefb-3b4f-4d8c-a1f8-40dc5a129b51.html)?
13. Kann die Bundesregierung ausschließen, dass Bundesmittel – sei es
unmittelbar oder mittelbar über geförderte zivilgesellschaftliche
Organisationen, Träger oder Intermediäre – an das Bündnis Widersetzen geflossen
sind, und wenn ja, auf welcher konkreten Prüfgrundlage (https://apollo-ne
ws.net/finanzbehoerden-vermuten-tarnstruktur-verein-hinter-
widersetzenwird-steuerrechtlich-ueberprueft/; andernfalls bitte nach Jahr, Ressort,
Haushaltstitel, Programm, Empfänger und Höhe aufschlüsseln)?
14. Wird die Bundesregierung die in Frage 13 aufgeworfene Frage nach einer
möglichen staatlichen Mitfinanzierung des Bündnisses Widersetzen
systematisch und umfassend untersuchen, und wenn nein, wie begründet sie
den Verzicht auf eine solche Prüfung gegenüber den Steuerzahlern?
Berlin, den 20. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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