Politische und europäische Folgen der französischen Überschuldung für die Stabilität der Europäischen Union
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Politische und europäische Folgen der französischen Überschuldung für die Stabilität der Europäischen Union
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3122
21. Wahlperiode 04.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Diana Zimmer, Torben Braga, Gerold Otten, Udo Theodor
Hemmelgarn, Stefan Keuter, Dr. Rainer Rothfuß, Dr. Alexander Wolf, Kay
Gottschalk, Jan Wenzel Schmidt, Hauke Finger, Rainer Groß, Reinhard Mixl, Iris
Nieland, Thomas Korell, Andreas Mayer, Christian Reck und der Fraktion der AfD
Politische und europäische Folgen der französischen Überschuldung für die
Stabilität der Europäischen Union
Die anhaltende Überschuldung Frankreichs und die politischen Spannungen im
Land wirken sich zunehmend auf die Stabilität der Europäischen Union und auf
die außenpolitische Handlungsfähigkeit Europas aus. Frankreich ist – neben
Deutschland – eine der tragenden Säulen der Europäischen Union und
maßgeblich an der Gestaltung europäischer Wirtschafts- und Sicherheitsarchitekturen
beteiligt. Analysen betonen, dass die über Jahre andauernde Überschreitung
fiskalischer Grenzen Frankreichs und die damit verbundenen unkontrollierten
Staatsfinanzen erhebliche Risiken für den Euroraum bergen und von der
Bundesregierung bislang auffällig zurückhaltend kommentiert wurden (vgl. Table-
Briefings: Frankreich ist schuldensüchtig und Deutschland auffällig ruhig,
20. September 2025, https://table.media/ceo/analyse/frankreich-ist-schuldensue
chtig-und-deutschland-auffaellig-ruhig, zuletzt aufgerufen am 13. November
2025). Eine anhaltende Haushalts- und Regierungskrise in Paris kann daher
nicht nur wirtschaftliche, sondern auch diplomatische, sicherheitspolitische und
integrationspolitische Folgen haben.
Im Kontext wachsender geopolitischer Spannungen, einer schwächelnden
europäischen Wettbewerbsfähigkeit und der Notwendigkeit einer abgestimmten
Außen- und Sicherheitspolitik ist die Frage zentral, inwiefern Frankreichs
innere Instabilität die gemeinsame europäische Handlungsfähigkeit beeinträchtigen
könnte. Verschiedene Beobachter verweisen zudem darauf, dass Frankreich
angesichts einer Schuldenquote von rund 114 Prozent, einer fehlenden
Reformstrategie und einer politisch geschwächten Regierung aktuell nicht über die
notwendige Lösungskompetenz verfügt, um die Krise nachhaltig zu bewältigen
(vgl. Cicero: „Frankreich scheint unwillig, seine Krise zu lösen“, 13. Oktober
2025, www.cicero.de/aussenpolitik/frankreich-lecornu-macron-unwille-die-kris
e-zu-loesen, zuletzt aufgerufen am 13. November 2025). Zudem stellt sich die
Frage, wie die Bundesregierung die deutsch-französische Kooperation im
Rahmen der Europäischen Union, insbesondere bei Stabilitäts-, Verteidigungs- und
Investitionsinitiativen, unter den aktuellen Bedingungen bewertet.
Ziel dieser Kleinen Anfrage ist es, die außen- und europapolitischen
Implikationen der französischen Schuldenlage und politischen Instabilität zu
beleuchten sowie den Kenntnisstand und die Position der Bundesregierung hierzu zu
erfragen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat sich die Bundesregierung eine eigene aktuelle Auffassung gebildet zu
der aktuellen Schuldenquote Frankreichs im Verhältnis zu den EU-
Konvergenzkriterien, und wenn ja, welche?
2. Welche strukturellen Ursachen (z. B. Sozialausgaben, Pensionssystem,
Verteidigungsausgaben) betrachtet die Bundesregierung ggf. als
maßgeblich für das hohe Defizitniveau Frankreichs?
3. Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung ggf. in der politischen
Instabilität Frankreichs (u. a. Rücktritt des Premierministers, fehlende
Parlamentsmehrheiten) auf die Finanz-, Wirtschafts- und Außenpolitik des
Landes, und welche erwartet sie ggf. in Zukunft?
4. Hat die Bundesregierung sich eine eigene aktuelle Auffassung gebildet zur
Wahrscheinlichkeit eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens gegen
Frankreich wegen dauerhafter Defizitüberschreitung?
5. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung gebildet zu dem von
der EU-Kommission genehmigten Konsolidierungspfad Frankreichs bis
2029, und wenn ja, welche?
6. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung ggf. der Stabilität
Frankreichs für die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit der
Europäischen Union bei?
7. Inwiefern beeinflusst die Haushaltslage Frankreichs nach Einschätzung
der Bundesregierung ggf. die Umsetzung gemeinsamer EU-Projekte im
Verteidigungs-, Energie- und Innovationsbereich (z. B. European Defend
Fund [Europäischer Verteidigungsfonds], Permanent Structured
Cooperation, Important Projects of Common European Interest)?
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle Frankreichs in der
gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik im Lichte der
aktuellen innenpolitischen Spannungen in Paris?
9. Welche Folgen sieht die Bundesregierung für die deutsch-französische
Kooperation in Verteidigungs-, Sicherheits- und Industriefragen (z. B.
Future Combat Air System-Projekt, Main Ground Combat System-
Panzerprogramm), wenn sich die wirtschaftliche Lage Frankreichs weiter
verschärft?
10. Welche Gespräche hat die Bundesregierung ggf. mit der französischen
Regierung über wirtschaftspolitische Reformen oder finanzielle
Stabilitätsmaßnahmen geführt, die Auswirkungen auf die bilaterale Zusammenarbeit
haben könnten?
11. Welche Position vertritt die Bundesregierung gegenüber der EU-
Kommission hinsichtlich einer möglichen Ausweitung fiskalischer Spielräume
für Frankreich im Rahmen der Reform des Stabilitäts- und
Wachstumspakts?
12. Wie bewertet die Bundesregierung die außenpolitische Signalwirkung der
Rating-Herabstufung Frankreichs durch Rating-Agenturen wie S&P für
die Glaubwürdigkeit der Eurozone und der Europäischen Union als
globaler Akteur?
Berlin, den 14. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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