Weltraumsicherheitsstrategie
Text
Weltraumsicherheitsstrategie
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3232
21. Wahlperiode 28.11.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Weltraumsicherheitsstrategie
Inhal tsverzeichnis
Seite
Vorwort ......................................................................................................... 2
Zusammenfassung ........................................................................................ 3
Deutschland Weltraumsicherheit ............................................................... 4
1 Der Weltraum als Sicherheitspolitische Dimension ........................ 4
1.1 Normative, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ........ 4
1.2 Relevanz der Weltraumnutzung für unsere Sicherheit ........................ 5
1.3 Weltraumsicherheit als gesamtstaatliche Aufgabe............................... 5
2 Strategische Handlungsfelder .......................................................... 7
2.1 Gefahren und Bedrohungen erkennen, Handlungsoptionen
entwickeln ........................................................................................... 7
2.2 Internationale Kooperation und nachhaltige Ordnung im
Weltraum fördern ................................................................................ 9
2.3 Abschreckung aufbauen, Wehrhaftigkeit und Resilienz stärken ......... 12
3 Aufbau einer nationalen Weltraumsicherheitsarchitektur ............ 13
3.1 Gesamtstaatliche Handlungsfähigkeit im Weltraum ........................... 13
3.2 Resilienzsteigerung ............................................................................. 14
3.3 Forschung und Entwicklung ................................................................ 15
3.4 Schutz und Verteidigung ..................................................................... 16
4 Umsetzung .......................................................................................... 18
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 26. November 2025.
Vorwort
Gemeinsames Vorwort des Bundesministers der Verteidigung und
des Bundesministers des Auswärtigen
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
der Weltraum ist schon länger kein exklusiver Raum friedlicher Forschung mehr.
Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, der
mit Angriffen auf die satellitengestützte Kommunikation der Ukraine begann, hat
gezeigt: Künftige Konflikte werden auch im Weltraum ausgetragen. Längst hat
sich auch diese Dimension zu einem Austragungsort strategischen Wettbewerbs
und globaler Machtprojektion entwickelt. Unsere Freiheit, unser Wohlstand und
unsere Sicherheit sind auch im Weltraum bedroht.
Die wachsende Abhängigkeit unserer Gesellschaft und Wirtschaft von
weltraumgestützten Diensten – von Kommunikation und Navigation bis hin zu
Erdbeobachtung und Zeitsignalen – macht die Sicherheit im Weltraum zu einer
politischen Kernaufgabe. Die vorliegende, erste Weltraumsicherheitsstrategie der
Bundesregierung adressiert die zunehmend komplexen Herausforderungen in dieser
Dimension.
Ziel dieser Strategie ist es, die Handlungsfähigkeit Deutschlands im Weltraum –
sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich – im Frieden, in
Krisensituationen und im Verteidigungsfall zu gewährleisten und nachhaltig zu sichern. Sie
baut auf den Erkenntnissen und Zielen der Nationalen Sicherheitsstrategie und der
Raumfahrtstrategie auf, welche die strategische Bedeutung des Weltraums klar
unterstrichen haben.
Ein zentraler Pfeiler dieser Strategie ist die enge Kooperation mit unseren NATO-
Alliierten und europäischen sowie internationalen Partnern. Nur gemeinsam
können wir Regeln und Normen für eine friedliche, verantwortungsvolle und
nachhaltige Nutzung des Weltraums entwickeln und durchsetzen.
Mit dieser Weltraumsicherheitsstrategie leistet Deutschland einen wichtigen
Beitrag zur Wahrung seiner Interessen und zur Festigung seiner Position als
verantwortungsvoller Akteur im Weltraum. Sie ist ein entscheidender Schritt, um die
Sicherheit und den Nutzen des Weltraums auch für zukünftige Generationen
nachhaltig zu gewährleisten.
Boris Pistorius
Bundesminister der Verteidigung
Johann Wadephul
Bundesminister des Auswärtigen
Zusammenfassung
Mit dieser Weltraumsicherheitsstrategie beschreibt die Bundesregierung die sich aus dem Bereich Weltraum
ergebenden Herausforderungen, Gefahren und Bedrohungen und zieht daraus die notwendigen Schlussfolgerungen
für die Sicherheit unseres Landes.
Weltraumbasierte und weltraumgestützte Daten, Dienste und Produkte durchdringen den Alltag aller Bürgerinnen
und Bürger. Wir nutzen Satelliten zur Positionsbestimmung, Navigation, Verbreitung von Zeitsignalen,
Kommunikation sowie zur Wetter- und Erdbeobachtung. Ein Ausfall oder eine Störung hätten gravierende Auswirkungen
auf unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Notfalldienste der Feuerwehr, der Polizei oder des
Bevölkerungsschutzes wären nur noch eingeschränkt nutzbar oder satellitengestützte Logistik könnte ausfallen. Neben
Wirtschaft und Gesellschaft ist die Weltraumnutzung durch staatliche Stellen, wie zum Beispiel die Bundeswehr, ein
unverzichtbares Instrument der Urteils- und Handlungsfähigkeit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik.
Immer mehr Staaten und Unternehmen streben mit eigenen Fähigkeiten in den Weltraum. Der Wettlauf um den
Zugang zum Weltraum und seinen Ressourcen hat bereits längst begonnen. Zahlreiche staatliche oder private
Akteure und auch die Europäische Union (EU) sehen den Weltraum als Schlüsselbereich für zukünftige
technologische Innovationen und globale Handlungsfähigkeit an.
Geostrategische Ambitionen werden zunehmend auf und in den Weltraum projiziert. Einige Staaten entwickeln
und testen Fähigkeiten, um potenziellen Gegnern die ungehinderte Nutzung des Weltraums verwehren zu können.
Die Bundesregierung setzt sich daher gemeinsam mit ihren Partnern in den Vereinten Nationen für Normen und
Prinzipien eines verantwortlichen Staatenverhaltens im Weltraum ein.
Deutschland ist aufgrund seiner datenbasierten und vernetzten Industrie- und Informationsgesellschaft in hohem
Maße von einer funktionierenden Weltrauminfrastruktur1 und der durch diese bereitgestellten Daten, Dienste und
Produkte abhängig. Daher begegnet die Bundesregierung, gemeinsam mit ihren Alliierten und Partnern, den
Bedrohungen und Herausforderungen im Weltraum mit dem Aufbau eigener Fähigkeiten.
Zivile, staatliche und militärische Aspekte sowie innere und äußere Sicherheit sind im Weltraum untrennbar
miteinander verbunden. Die ungehinderte, sichere und nachhaltige Weltraumnutzung erfordert einen
gesamtstaatlichen Ansatz und eine enge internationale Zusammenarbeit.
In Zusammenarbeit mit unseren Alliierten und Partnern kommt es insbesondere darauf an, dass wir natürliche und
menschengemachte Gefahren und Bedrohungen frühzeitig erkennen und unsere gemeinsame
Weltrauminfrastruktur entsprechend schützen und verteidigen können. Gemeinsam setzen wir uns auf Grundlage des Völkerrechts
für ein verantwortliches Verhalten im Weltraum ein. Wir vertiefen unsere europäischen und internationalen
Kooperationen komplementär zum eigenen Fähigkeitsaufbau und steigern unsere gesamtstaatliche Resilienz im
Weltraum. Wir werden die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands im Weltraum entschlossen und zügig ausbauen.
Ebenso fördern wir die Anwendung und Weiterentwicklung des Weltraumrechts.
Auch im Weltraum werden wir unsere Sicherheit, unserem Wohlstand und unsere Freiheit entschlossen schützen
und verteidigen.
1 Der Begriff „Weltrauminfrastruktur“ umfasst alle funktional mit Betrieb, Nutzung, Schutz und Verteidigung von Weltraumsystemen
verbundenen terrestrischen und orbitalen Infrastrukturen und Einrichtungen, wie z. B. Satelliten, Bodenstationen, Kontrollzentren,
Überwachungssensoren, Weltraumbahnhöfe und zugehörige Datenverarbeitungs- und Kommunikationsanlagen.
Deutschlands Weltraumsicherheit
1 Der Weltraum als Sicherheitspolitische Dimension
In der Nationalen Sicherheitsstrategie hat sich die Bundesregierung zu einem umfassenden Verständnis von
Sicherheit bekannt. Wir wollen Deutschland vor Krieg und Gewalt und ausländischer Einflussnahme schützen,
unsere Freiheit im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verteidigen und unsere
Lebensgrundlagen nachhaltig sichern.
Aufgrund der Bedrohung durch Russland hat sich das Sicherheitsumfeld in Europa drastisch verschlechtert.
Deutschland und seine Alliierten in der NATO sowie seine europäischen Partner müssen mehr Verantwortung für
die Sicherheit Europas übernehmen. Durch den Auf- und Ausbau unserer militärischen Fähigkeiten stärken wir
Abschreckung und Verteidigung und tragen zur transatlantischen Lastenteilung bei.
Für jede moderne, technologisierte Gesellschaft zählt der Weltraum und dessen Nutzung zu den notwendigen
Grundlagen eines Lebens in Freiheit, Wohlstand und Sicherheit. Die Bedeutung der Raumfahrt für unsere
gesamtstaatliche Sicherheit spiegelt sich auch in der Raumfahrtstrategie der Bundesregierung wider.
Im Sinne der Integrierten Sicherheit bauen wir unsere nationale Weltraumsicherheitsarchitektur ressortgemeinsam
aus und beziehen dabei die zivilen, staatlichen, kommerziellen und militärischen Weltraumakteure Deutschlands
sowie Alliierte und Partner mit ein.
Diese Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung bildet unser Verständnis von Weltraumsicherheit ab. Sie
beschreibt, wie Deutschland die Verteidigungsfähigkeit im Weltraum entschlossen und zügig ausbauen wird. Sie
fördert im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung die systematische Integration der Dimension Weltraum
in die Verteidigungsplanungen und trägt damit zur Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und
seiner Verbündeten und Partner in NATO und EU bei.
1.1 Normative, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Der Weltraumvertrag von 1967 schreibt fest, dass die Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des
Mondes und anderer Himmelskörper zum Vorteil und im Interesse aller Länder ohne Ansehen ihres
wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungsstandes durchzuführen und Sache der gesamten Menschheit ist
(„province of all mankind“). Deshalb darf sich kein Staat den Weltraum oder seine Himmelskörper aneignen. Der
Weltraumvertrag, der seitdem um wenige weitere völkerrechtliche Übereinkommen ergänzt wurde, legt auch
erstmals das Prinzip der friedlichen Nutzung des Weltraums im Einklang mit dem Völkerrecht fest. Sein Artikel IV
verbietet die Stationierung von nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen im Weltraum sowie die
Nutzung des Mondes und anderer Himmelskörper für militärische Zwecke. Losgelöst davon ist eine militärische
Nutzung des Weltraums jedoch nicht ausgeschlossen. Insbesondere hat auch im Weltraum jede Nation in Einklang
mit Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen im Falle eines bewaffneten Angriffs das Recht zur individuellen
und kollektiven Selbstverteidigung.
Waren Weltraumaktivitäten zunächst wenigen staatlichen Akteuren sowie großen oder multinationalen
Raumfahrtagenturen vorbehalten, setzte zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit dem verstärkten Auftreten privater
Weltraumakteure ein enormer Aufschwung der zivilen und kommerziellen Weltraumnutzung ein. Die stetig steigende
Zahl privatwirtschaftlicher Anbieter und neuer kostengünstiger Dienstleistungen machte den Weltraum für eine
Vielzahl neuer Nutzer zugänglich und veränderte gleichzeitig die Weltraumnutzung der etablierten staatlichen
Akteure.
Diese veränderten Rahmenbedingungen haben die Bedeutung der Dimension Weltraum erheblich gewandelt.
Immer mehr Staaten betrachten den Weltraum als eine Dimension, in der sie durch technologische Innovationen
überwiegend privater Unternehmen ihren wirtschaftlichen, politischen und auch militärischen Einfluss stärken
können. Der Weltraum ist zum Austragungsort astro-politischer Ambitionen geworden.2
Neben der Erforschung von Himmelskörpern rücken nun auch die Nutzung und der Abbau von Ressourcen im
Weltraum, wie zum Beispiel seltener Erden, in den Fokus. Entscheidend ist auch eine frühzeitige Belegung von
strategisch wichtigen Orbits und Frequenzspektren. Strategische Rivalitäten im Weltraum umfassen damit sowohl
zivile und wirtschaftliche als auch staatliche und militärische Aspekte. Diese Rivalitäten betreffen insbesondere
2 Unter Astropolitik wird das Streben nach strategischer Präsenz und – damit einhergehend – nach dem Beherrschen von
Schlüsselpositionen und Orbits im Weltraum verstanden. Dies steht in Analogie zur klassischen erdbasierten Geopolitik, welche das Ringen staatlicher
Akteure um die Kontrolle von Räumen, Seewegen oder Landkorridoren umfasst.
den immer stärker genutzten niedrigen sowie den strategisch relevanten geostationären Orbit und werden sich in
naher Zukunft auch in den Bereich des Mondes und darüber hinaus erstrecken.
Deutschland als Hochtechnologieland hat eine starke und innovative Raumfahrtindustrie. Neben international
etablierten Unternehmen entstand in den letzten Jahren eine aktive, deutsche New-Space-Community3. Die
industrielle Basis wird durch eine dynamische und breit aufgestellte Forschungslandschaft unterstützt. Eine enge
industrielle und wissenschaftliche Verzahnung ermöglicht zunehmend den Transfer von Raumfahrttechnologien
in wirtschaftliche Anwendungen, wodurch kontinuierlich Know-how und Kompetenzen in zukunftsfähigen
Schlüsseltechnologien und resiliente Fähigkeiten aufgebaut werden.
Raumfahrttechnologien und hierdurch ermöglichte Anwendungen verfügen über ein inhärentes Dual-Use-
Potenzial, können also gleichermaßen für zivile wie auch militärische Zwecke verwendet werden. Auch viele
kommerzielle Weltraumsysteme verfügen über eine solche Dual-Use-Fähigkeit und können daher grundsätzlich
strategische und militärische Ziele im Hinblick auf bewaffnete Konflikte darstellen.
Der Weltraum ist somit nicht nur ein potenzieller Austragungsort globaler Konflikte, sondern zunehmend selbst
ein Raum, um den Auseinandersetzungen geführt werden.
1.2 Relevanz der Weltraumnutzung für unsere Sicherheit
Deutschlands Status als Raumfahrtnation beruht auf dem Beherrschen von Schlüsseltechnologien, einer
hervorragenden wissenschaftlichen und industriellen Basis sowie langjähriger Erfahrung bei Entwicklung, Betrieb und
Nutzung von Weltrauminfrastrukturen.
Weltraumgestützte Daten und Dienste wie Positionsbestimmung, Navigation, Verbreitung von Zeitsignalen,
Kommunikation sowie Wetter- und Erdbeobachtung sind aus dem täglichen Leben kaum mehr wegzudenken. Ein
Ausfall der globalen Satellitennavigationsdienste hätte massive Auswirkungen auf den weltweiten Transport von
Personen und Gütern, auf Finanztransaktionen und Handel und somit auch auf die gesamtstaatliche Sicherheit. Ferner
sind beispielsweise der Bevölkerungsschutz, die Feuerwehr und die Polizei von satellitengestützter Navigation,
Kommunikation, Wetter- und Erdbeobachtung abhängig und wären bei einem Ausfall dieser Dienste nur noch
eingeschränkt einsatzbereit. Schon ein kurzfristiger Ausfall von weltraumgestützten Diensten würde sich auf den
Alltag aller Bürgerinnen und Bürger und Deutschlands Sicherheit auswirken. Weltraumgestützte Infrastrukturen
werden somit zunehmend auch Teil unserer kritischen Infrastruktur.
Entscheidungen in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik beruhen auch auf weltraumgestützten Daten und
davon abgeleiteten Diensten – etwa, wenn es darum geht, ein umfassendes Lagebild zu erhalten. Insbesondere die
deutschen Sicherheitsbehörden, wie zum Beispiel der Bundesnachrichtendienst oder die Streitkräfte, benötigen
unter anderem für die Informationsbeschaffung und die Landes- und Bündnisverteidigung weltweit zwingend
Aufklärungs-, Wetter- und Erdbeobachtungs-, Kommunikations- und Navigationssatellitendienste. Ohne die
Nutzung von Weltraumdiensten ist zudem eine moderne militärische Operationsführung nicht möglich.
Sicherheitsrelevante Weltrauminfrastrukturen und -systeme4 sind heute essenzieller Teil der
verteidigungsrelevanten Infrastruktur, genauso wie lebens- oder verteidigungswichtige Einrichtungen auf der Erde. Gleichzeitig
entwickelt sich der Weltraum von einer primär unterstützenden Dimension rasant zu einem eigenständigen
Operationsraum, dessen friedliche Nutzung es zu schützen und zu verteidigen gilt.
1.3 Weltraumsicherheit als gesamtstaatliche Aufgabe
Aufgrund der ausgeprägten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sicherheitsbezogenen und militärischen
Abhängigkeiten Deutschlands von der Nutzung des Weltraums bedarf es einer ganzheitlichen sicherheitspolitischen
Betrachtung der Raumfahrtaktivitäten auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.
Neben den Zuständigkeiten von Bundesressorts, Bundeswehr und weiteren spielen auch Wirtschaft und
Wissenschaft eine Rolle bei Fragen der Weltraumsicherheit. Hierdurch entsteht ein hoher Bedarf an Koordinierung.
3 Die New Space Community bezeichnet die weltweite Gemeinschaft von Unternehmen, Start-ups, Investoren, Forscherinnen und
Forschern sowie Enthusiasten, die den kommerziellen, innovativen und zugänglicheren Ansatz zur Nutzung und Erschließung des
Weltraums vorantreiben.
4 Sicherheitsrelevante Weltrauminfrastrukturen und -systeme im Sinne dieser Strategie sind Infrastrukturen und Systeme, welche von
staatlichen Akteuren unmittelbar genutzt werden oder von hoher Relevanz für die Verteidigung sowie für das Funktionieren von Staat,
Wirtschaft und Gesellschaft sind.
Die Komplexität der Weltraumsicherheit erfordert daher das Zusammenwirken von Regierung, Wirtschaft und
Wissenschaft. Hierbei sind im Einklang mit der Nationalen Sicherheitsstrategie und der Raumfahrtstrategie der
Bundesregierung nachfolgende Schwerpunkte zu setzen:
⎯ Erhalt, Ausbau und Stärkung der Fähigkeit, eigene nationale und europäische Weltrauminfrastrukturen zu
betreiben, zu schützen und zu verteidigen;
⎯ Unterstützung einer responsiven, resilienten und innovativen Raumfahrtindustrie, unter anderem über
regelmäßige Auftragsvergabe hoheitlicher Bedarfsträger;
⎯ Unterstützung einer aktiven, innovativen Forschungslandschaft;
⎯ Befähigung zu militärischen Weltraumoperationen;
⎯ Befähigung zu Cyberoperationen sowie Operationen im elektromagnetischen Spektrum in der Dimension
Weltraum;
⎯ Schnellstmögliche Schließung von Fähigkeitslücken, zum Beispiel durch Pooling & Sharing;
⎯ Sicherung der nationalen Handlungsfähigkeit bei strategisch und militärisch relevanten Kernfähigkeiten
durch Reduzierung der Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren durch Erhalt, Ausbau und Stärkung
eigener Fähigkeiten zur Weltraumaufklärung;
⎯ Potenzielle Einbindung deutscher Weltraumsysteme in europäische und internationale Bündnisse und
Partnerschaften wie die NATO, Raumfahrtprojekte und -organisationen;
⎯ Potenzielle Einbindung europäischer Weltrauminfrastrukturen in die hoheitliche Nutzung;
⎯ Ausbau der Fähigkeit zur Erstellung eines Weltraumlagebildes als zivil-militärische Aufgabe, unter anderem
durch Aufbau eines Sensornetzwerks mit globaler Abdeckung;
⎯ Entwicklung von Normen und Prinzipien verantwortlichen Staatenverhaltens im Rahmen der Vereinten
Nationen.
2 Strategische Handlungsfelder
Aus dieser Schwerpunktsetzung ergeben sich drei Handlungsfelder, in denen alle nationalen Weltraumakteure
aktiv werden müssen, um das gemeinsame Ziel der Sicherheit im Weltraum zu erreichen:
⎯ Gefahren und Bedrohungen erkennen, Handlungsoptionen entwickeln;
⎯ Internationale Kooperation und nachhaltige Ordnung fördern;
⎯ Abschreckung aufbauen, Wehrhaftigkeit und Resilienz stärken.
2.1 Gefahren und Bedrohungen erkennen, Handlungsoptionen entwickeln
Weltraumsysteme und die damit bereitgestellten Daten, Dienste und Produkte sind nicht nur Gefahren durch
Weltraumwetter, Weltraumschrott und erdnahe Objekte (Near Earth Objects/NEOs) ausgesetzt, sondern auch
Gefahren, die sich aus dem stetig zunehmenden Weltraumverkehr ergeben.
Um ein ganzheitliches Weltraumlagebild zu erlangen, wurde das ressortgemeinsame Weltraumlagezentrum in
Uedem zum Erkennen von Gefahren und Bedrohungen aufgebaut.
Bereits heute sehen wir uns im Weltraum einem komplexen Bedrohungsspektrum gegenüber: Satelliten,
Bodeninfrastrukturen und die dazwischenliegenden Datenverbindungen können auf vielfältige Weise in ihrer
Funktion und Verfügbarkeit beeinträchtigt und eingeschränkt werden. Prinzipiell muss entlang des gesamten
Spektrums von Frieden über Krise und hybride Szenarien bis hin zum bewaffneten Konflikt mit dem Einsatz von
Counter-Space-Fähigkeiten gegen Deutschland und seine Verbündeten und Partner gerechnet werden. Verschiedene
Staaten entwickeln und testen solche Counter-Space-Fähigkeiten5 und setzen diese bereits operationell ein.
Die Besonderheit der Bedrohung durch Counter-Space-Fähigkeiten liegt auch in der breiten Palette an
Technologien, die darauf abzielen, den Zugang zum und die Nutzung des Weltraums einzuschränken. Elektronische
Kampfführung stört Kommunikation und Navigation, während Laserblendung optische Satellitensysteme gezielt außer
Kraft setzt. Cyberangriffe können hingegen sicherheitsrelevante Weltrauminfrastrukturen beeinträchtigen, indem
sie unter anderem deren Steuerung kompromittieren. Destruktive Directed-Energy-Waffen (zum Beispiel Laser-
und Hochenergiewaffen) und andere Arten kinetischen Wirkens bedrohen Satelliten physisch, indem sie diese
stören, beschädigen oder zerstören.
Russland stellte in den letzten Jahren mehrfach Weltraumkriegsfähigkeiten unter Beweis. Russland demonstrierte,
Satelliten kinetisch zerstören und die Nutzung der von Satelliten generierten Daten und Dienste einschränken,
unterbinden oder manipulieren zu können. Im November 2021 testete Russland eine bodengestützte Antisatelliten
(ASAT)-Rakete gegen einen inaktiven russischen Satelliten im niedrigen Erdorbit, wobei rund 1.500 identifizierte
Trümmerteile und schätzungsweise zehntausende nicht identifizierte Objekte entstanden. Manövrierfähige
russische Satelliten nähern sich – mutmaßlich zu Aufklärungszwecken – regelmäßig unangekündigt anderen Systemen
an. Zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erfolgte ein russischer Cyberangriff auf eine
durch die ukrainischen Streitkräfte mitgenutzte kommerzielle Satellitenkonstellation, was über Kaskadeneffekte
auch Auswirkungen auf die europäische terrestrische Energieinfrastruktur hatte. Zudem stört Russland seit
Kriegsbeginn regelmäßig Satellitensignale zur Positionsbestimmung, Navigation und Verbreitung von
Zeitsignalen und beeinträchtigt damit u. a. auch den zivilen Flugverkehr in der EU. Diese Beispiele zeigen, dass Russland
die Abhängigkeiten hochtechnisierter Streitkräfte von weltraumgestützten Daten, Diensten und Produkten gezielt
in seine Operationsplanungen einkalkuliert und ausnutzt. Eine noch größere Bedrohung stellt die mögliche
Entwicklung einer nuklear bestückbaren Antisatellitenwaffe durch Russland dar. Eine Platzierung im All verstieße
klar gegen den Weltraumvertrag, den auch Russland ratifiziert hat.
China verfügt über ein rasant wachsendes Raumfahrtprogramm und investiert erheblich in Entwicklung und
Ausbau seiner Weltraumfähigkeiten, einschließlich destruktiv wirkender ASAT-Systeme. Ein erfolgreicher Test mit
einer bodengebundenen Rakete gegen einen chinesischen Wettersatelliten fand bereits 2007 statt. Im Jahr 2015
erklärte China den Weltraum zu einem neuen Bereich der Kriegsführung. Hierzu entwickelt und erprobt China
kontinuierlich Fähigkeiten zur kinetischen Zerstörung von Satelliten durch bodengestützte Waffensysteme sowie
durch Satelliten. Des Weiteren verfügt China über elektromagnetische Störfähigkeiten, welche die Nutzung von
Satellitennavigations- und Kommunikationssystemen einschränken und gegnerische Radar- und optische
Aufklärungssatelliten stören können. Ebenso hat China seine Fähigkeit zum robotischen Abschleppen von Satelliten im
Orbit demonstriert. 2025 hat China Nahkampfmanöver zwischen Raumfahrzeugen im Erdorbit demonstriert.
5 Counter-Space-Fähigkeiten haben zum Ziel, einem Gegner den Zugang zum Weltraum und dessen Nutzung zu verwehren.
Abbildung 1 Bedrohungen der Dimension Weltraum
Quelle: Bundeswehr
Zusätzlich werden Staaten wie Iran und Nordkorea beim Aufbau eigener militärischer Weltraumprogramme durch
Russland und China unterstützt. Dies könnte die Proliferation von Counter-Space-Fähigkeiten zur Folge haben.
Ein umfassendes Bewusstsein über die Risiken, Gefahren und Bedrohungen in der Dimension Weltraum wird als
Space Domain Awareness bezeichnet. Dieses Bewusstsein geht über das Weltraumlagebild hinaus und umfasst
auch das Wissen um die eigenen Abhängigkeiten, die eigene Lage- und Risikobeurteilung und die
Handlungsfähigkeit – nicht nur in der Dimension Weltraum, sondern auch in allen sonstigen Bereichen mit Weltraumbezug.
Dies ist Voraussetzung für die Entwicklung von politischen Handlungsoptionen.
Das ressortgemeinsame Weltraumlagezentrum der Bundesregierung, betrieben durch die Luftwaffe und die
Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), überwacht im 24/7-
Schichtbetrieb den erdnahen Weltraum, klärt potenzielle Gefahren und Bedrohungen für unsere Satelliten auf und
analysiert die Einflüsse des Weltraumwetters auf orbitale und terrestrische Systeme. Die Deutsche Raumfahrtagentur
betreibt im Weltraumlagezentrum die Datenbank und den Bahndatenkatalog als zentrale Elemente der EU Space
Surveillance and Tracking (EU SST) Partnerschaft.
Neben der Erfassung der Weltraumlage beinhaltet die Fähigkeit zur Gefahrenerkennung und -abwehr folgende
Aspekte:
⎯ Weltraumgestützte Navigationssysteme wie Galileo oder GPS sind für zivile Anwendungen und militärische
Operationen unverzichtbar. Präzise Positions-, Navigations- und Zeitinformationen (PNT) sind entscheidend
für militärische Operationen in den Dimensionen Land, Luft, See und im Cyber- und Informationsraum.
⎯ Satellitengestützte Frühwarnsysteme sind essenziell zur Erkennung und Verfolgung gegnerischer
Flugkörper. Die gewonnenen Daten ermöglichen es, Bedrohungen frühzeitig zu identifizieren und Gegenmaßnahmen
zu koordinieren. Dies verkürzt die Reaktionszeit zur Alarmierung der Bevölkerung und zur Abwehr
potenzieller Angriffe.
⎯ Kommunikationssatelliten wie beispielsweise die COMSATBw-Reihe und Heinrich Hertz sowie
Satellitenkonstellationen wie die geplante Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite
(IRIS²) und das European Union Governmental Satellite Communications Programm (GOVSATCOM)
bieten robuste und sichere Kommunikationskanäle, die für den Aus-tausch von Informationen zwischen
verschiedenen zivilen Nutzern, militärischen Einheiten und Kommandostrukturen entscheidend sind.
⎯ Zivile und militärische Satelliten sollen die notwendige Kommunikations- und
Datenübertragungsinfrastruktur für dimensionsübergreifende Operationen (Multi-Domain Operations) bereit-stellen. Weltraumgestützte
Sensoren liefern zudem wichtige Echtzeitinformationen zur Lageerkennung und -bewertung, die für die
Entscheidungsfindung in komplexen Einsatzszenarien unerlässlich sind.
⎯ Erdbeobachtungs- bzw. Aufklärungssatelliten zur Überwachung und Aufklärung gegnerischer Kräfte sind
ein weiteres Schlüsselelement staatlicher Handlungsfähigkeit und militärischer Operationsführung.
⎯ Für die zivile Sicherheit ist ein einheitlicher Zugangspunkt zu Fernerkundungsdaten und
Prozessierungsressourcen unter anderem für behördliche Nutzung essentiell. Dieser muss mit verstärkter Forschung und
Entwicklung für Cloud-basierte, KI-gestützte Dienste in Europa einhergehen.
⎯ Schutz und Verteidigung von Weltraumsystemen erfordern neue Fähigkeiten zum Führen von
Weltraumoperationen, zum Beispiel Raumgleiter6, Inspektions- und Wächtersatelliten und Satelliten-On-Board-Sensoren
zur Identifizierung etwaiger Annäherungs- und Störversuche.
⎯ Mit dem Konzept Responsive Space werden die Möglichkeiten geschaffen, kurzfristig ausgefallene
Kapazitäten zu ersetzen oder durch schnell in den Orbit verbrachte Fähigkeiten gezielt neue Schwerpunkte zu
setzen.
⎯ Zivile und militärische Satelliten müssen in Zukunft noch resilienter entwickelt werden; dazu braucht es
entsprechend relevante Schlüsseltechnologien und den Aufbau nationaler bzw. europäischer
Eigenständigkeit.
⎯ Für den Einsatz der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie zum Bei-spiel
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in Krisenlagen und Naturkatastrophen, kann die
Satellitenkommunikation eine wichtige logistische Funktion übernehmen. Ihre Daten- und Kommunikationsverbindungen sind in
Situationen unverzichtbar, in denen keine terrestrische Infrastruktur verfügbar ist. Gleichzeitig müssen
entsprechende Einsatzkräfte auch handlungsfähig sein, wenn weltraumgestützte Dienste nicht zur Verfügung
stehen.
⎯ Strategisch angelegte Raumfahrtforschung und -entwicklung sind besonders wichtig, aber auch
kostenintensiv. Der Dual-Use-Charakter kann durch zivil-militärisches Dual-Sourcing nutzbringend eingesetzt werden,
wie beim DLR e.V. und den Fraunhofer-Instituten, erfordert aber die Überwachung eines potenziell
ungewollten Technologieabflusses.
Deutschland verfügt in den genannten Bereichen der Weltraumnutzung teils über eigene zivile, staatliche und
militärische Fähigkeiten und greift teils auf europäische Systeme (zum Beispiel Galileo) oder
privatwirtschaftliche Dienste zurück. Vor dem Hintergrund der dargestellten Bedrohungslage bauen wir nationale und europäische
Fähigkeiten weiter konsequent auf und aus und erhöhen Resilienzen. Hierbei nutzen wir auch institutionelle
europäische, zivil-hoheitliche sowie kommerzielle Weltraumsysteme und integrieren diese in die zu entwickelnden
Handlungsoptionen.
2.2 Internationale Kooperation und nachhaltige Ordnung im Weltraum fördern
Deutschland ist der friedlichen und regelbasierten Nutzung des Weltraums verpflichtet. Wir setzen uns im Rahmen
der NATO, der EU und der Vereinten Nationen für eine regelbasierte Weltordnung ein. Wir stärken das
weltraumbezogene Völkerrecht auf Basis des Weltraumvertrages und bauen unsere Partnerschaften mit gleichgesinnten
Staaten aus.
Die NATO ist der Grundpfeiler unserer Sicherheit. Deutschland hat gemeinsam mit den Alliierten den Weltraum
2019 als eigenständige militärische Dimension neben Land, Luft, See und Cyber- und Informationsraum
anerkannt. Angriffe im und aus dem Weltraum können den Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags
begründen. Der Aufbau einer Weltraumsicherheitsarchitektur dient somit nicht nur dem nationalen Interesse und der
6 Mit Raumgleitern bezeichnet man wiederverwendbare Raumschiffe, die mit Hilfe einer Rakete ins All verbracht werden und
selbstständig landen können.
Landesverteidigung, sondern stellt auch einen deutschen Beitrag zur Unterstützung der NATO für den Fall der
Bündnisverteidigung dar.
Als größte Volkswirtschaft innerhalb der EU wird Deutschland beim Aufbau einer europäischen
Weltraumsicherheitsarchitektur eine gestaltende Führungsrolle unter Wahrung nationaler Interessen und Kompetenzen
einnehmen. Es gilt, eine europäische Weltraumsicherheitsarchitektur aufzubauen, welche die Weltraumfähigkeiten der
Mitgliedstaaten sinnvoll integriert und Duplizierungen vermeidet. Hierbei nutzen wir auch die einschlägigen EU-
Programme und Instrumente wie die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (Permanent Structured
Cooperation/PESCO), den Europäischen Verteidigungsfonds (European Defence Fund/EDF), das künftige European
Defence Industry Programme (EDIP) sowie mögliche Folgeprogramme. Zugleich müssen deutsche industrielle
Schlüsselkompetenzen erhalten und strategisch entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausgebaut werden.
Deutschland hält an der europäischen IRIS² Satelliten-Kommunikationskonstellation fest und ergänzt diese mit
nationalen Fähigkeiten. Die Nutzung von IRIS² durch deutsche Sicherheitsbehörden könnte einen wichtigen
Beitrag zur Stärkung der nationalen Sicherheit und zur Wahrung unserer digitalen Souveränität leisten. Diese sollte
durch Standardisierungsansätze (Protocol Stack for Space) flexibel erweiterbar sein.
Im Rahmen der EU beteiligt sich Deutschland maßgeblich an der Umsetzung der EU Space Strategy for Security
and Defence (EUSSSD) und des EU White Paper for European Defence Readiness 2030. Wir setzen uns auf
europäischer Ebene zudem für die Weiterentwicklung satellitengestützter militärischer Frühwarnung ein.
Deutschland übernimmt mehr Verantwortung bei Schutz und Verteidigung der EU-Weltraumsysteme und arbeitet
auf die Berücksichtigung sicherheits- und verteidigungsrelevanter Aspekte auch bei zivilen Programmen hin. Dies
schließt die Entwicklung und Anwendung von Technologien ein, um die Erde vor der Kollision mit erdnahen
Objekten zu schützen. Wir befürworten den verbesserten Austausch von nationalen und kommerziellen
Satellitenbilddaten im europäischen Rahmen und fördern die Arbeit des Satellitenzentrums der Europäischen Union
(SatCen).
Europa muss zukünftig mit mehreren wettbewerbsfähigen Trägerraketen- und Raumflugzeug-Programmen einen
unabhängigen und resilienten Zugang zum Weltraum mit ausreichend hohen Transportkapazitäten und
Startfrequenz sicherstellen. Dies gilt perspektivisch auch für eine astronautische Nutzung.
Die Europäische Weltraumorganisation (European Space Agency/ESA) trägt mit ihrem Trägerprogramm
wesentlich dazu bei, einen unabhängigen europäischen Zugang zum Weltraum sicherzustellen. Die ESA kann
maßgeblich dabei helfen, dass Europa Startkapazitäten für alle Nutzlastklassen entwickelt und erhält – so zum Beispiel
durch die European Launcher Challenge. Außerdem verfügt die ESA über relevante Expertise in der Forschung
und Technologieentwicklung sowie in der Missionsdurchführung. Wir denken dabei stets mit, ob und wie die in
ESA-Programmen entwickelten Technologien, Systeme und Infrastrukturen auch für nationale
sicherheitsbezogene Anwendungen genutzt werden können. Mittelfristig sollte die ESA die Entwicklung hochratenfähiger,
europäischer Trägersysteme in allen Nutzlastklassen anstreben, um allen Nutzern einen flexiblen Zugang zum All für
hochagile Missionsprofile zu ermöglichen. Langfristig sollte Europa mit Hilfe der ESA in der Lage sein, alle
relevanten Zielorbits – einschließlich derjenigen um den Mond – zu erreichen. Hierzu setzen wir uns in Europa
dafür ein, die European Launcher Challenge weiterzuentwickeln, sodass mittel- bis langfristig mehrere
wettbewerbsfähige europäische Schwerlastraketen den autonomen Zugang Europas auch zum cislunaren Raum
sicherstellen.
Die Vereinten Nationen (VN) sind eine weitere wichtige Bezugsgröße für die deutsche Weltraumpolitik.
Deutschland setzt sich im VN-Rahmen gemeinsam mit Partnern für die Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum ein
(Prevention of an Arms Race in Outer Space/PAROS). Ein simples Verbot von „Weltraumwaffen“ würde dabei
zu kurz greifen, da es hierfür – auch aufgrund der Dual-Use-Eigenschaft der meisten Weltraumsysteme – keine
allgemein verbindliche Definition gibt. Die Bundesregierung verfolgt daher einen verhaltensbasierten Ansatz, der
auf ein Verbot unverantwortlicher oder bedrohlicher Verhaltensweisen abzielt. Mehrere von Deutschland
mitgestaltete und in die VN-Generalversammlung eingebrachte Resolutionen zu verantwortlichem Staatenverhalten
wurden bereits von der großen Mehrheit der Staaten unterstützt. Vor dem Hintergrund der möglichen Entwicklung
einer nuklear bestückten Anti-Satellitenwaffe durch Russland hat Deutschland zuletzt eine Resolutionsinitiative
im VN-Sicherheitsrat unterstützt und diese – nach einem Veto Russlands im Sicherheitsrat – auch in der
Generalversammlung weiter vorangebracht. Die von einer breiten Mehrheit der Staaten angenommene Resolution ruft
Staaten dazu auf, nukleare und andere Massenvernichtungswaffen nicht zu entwickeln.
Multilateral vereinbarte Normen helfen, verantwortliches von unverantwortlichem oder bedrohlichem Verhalten
zu unterscheiden und angemessen darauf zu reagieren. Unsere – gemeinsam mit zahlreichen Partnern
eingegangene – politische Selbstverpflichtung, auf destruktive Tests mit boden-, luft- oder seegestützten Anti-Satelliten-
Raketen zu verzichten, ist dafür ein anschauliches Beispiel. Weitere Kooperationsinstrumente haben ebenso
positive Wirkung auf die Sicherheit im Weltraum. So ist die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR e.V. im
September 2023 den US-initiierten Artemis Accords für die zivile Erforschung und Nutzung des Weltraums
beigetreten. Ferner wirkt Deutschland im Inter-Agency Space Debris Coordination Committee (IADC), einem Gremium
zur Vermeidung von Weltraumschrott, und im Rahmen der internationalen Charta Space and Major Disasters,
einem wichtigen Instrument des weltraumgestützten Katastrophenmanagements, mit.
Zusätzlich sind weitere multilaterale Vereinbarungen für die Besonderheiten der Nutzung von sehr niedrigen
Umlaufbahnen – im Sinne eines funktionalen Ansatzes des anwendbaren Rechtsregimes – auf einem Höhenband
zwischen 80 km und 100 km über dem Meeresspiegel erforderlich. Dieses gewinnt zunehmend an sicherheits-
und luftfahrtrechtlicher Relevanz, insbesondere durch den Einsatz sehr hoch fliegender unbemannter Plattformen
(High Altitude Pseudo Satellites/HAPS) sowie hyperschallfähiger Flugkörper und Luft- bzw. Raumfahrzeuge.
Deutschland prüft, wie eine nachhaltige Rechtsordnung für den Weltraum auf nationaler oder europäischer Ebene
gefördert werden kann.
Im Bereich der Partnerschaften beteiligt sich Deutschland seit 2019 an der Combined Space Operations (CSpO)
Initiative. Mit unseren CSpO-Partnern Australien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada,
Neuseeland, Norwegen und USA entwickeln wir gemeinsame Vorstellungen für eine Stärkung der Weltraumsicherheit.
Ein zentraler Baustein unserer militärischen Weltraumpolitik ist die Teilnahme an der multinationalen
Weltraumoperation OLYMPIC DEFENDER (OOD). Die enge Zusammenarbeit mit befähigten, gleichgesinnten und
verantwortungsbewussten Partnern (Australien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Neuseeland und USA) soll
feindselige Aktionen gegen unsere Weltraumsysteme abschrecken. Im Rahmen der OOD werden wir zudem den
Schutz und die Verteidigung unserer Weltraumsysteme ausbauen sowie unsere Resilienz gegenüber Gefahren und
Bedrohungen aus dem Weltraum erhöhen.
Deutschland verpflichtet sich, keine destruktiven Tests boden-, luft- oder
seegestützter Anti-Satelliten-Raketen durchzuführen.“
(Deutschland bei der Arbeitsgruppe der VN zu verantwortlichem Verhalten im Weltraum Genf, September 2022)
Die USA sind als führende Raumfahrtnation ein wichtiger bilateraler Kooperationspartner im Bereich
Weltraumsicherheit. Die USA betreiben das weltweit umfangreichste Sensornetzwerk zur Überwachung des
Weltraums und stellen unserem Weltraumlagezentrum wichtige Daten zur Verfügung.
Mit Frankreich bestehen bilaterale Kooperationen unter anderem auf Grundlage des Aachener Vertrages.
Schwerpunkte sind die Zusammenarbeit bei der Erstellung der Weltraumlage, Doktrinen, Datenaustausch und
komplementäre Aufstellung der nationalen Sensornetzwerke. Darüber hinaus kooperieren wir seit langem bei der
weltraumgestützten abbildenden Aufklärung.
Ein weiteres Beispiel praktischer Zusammenarbeit mit Partnerländern ist die Kooperation mit Finnland und
Schweden zur Verortung eines Weltraumüberwachungsradars in hohen geographischen Breiten und zum
Datenaustausch. Dies trägt zum Aufbau eines Sensornetzwerks mit globaler Abdeckung bei. Gemeinsam mit
Großbritannien und mit Norwegen etablieren wir Responsive Space-Startmöglichkeiten beispielsweise auf den
Weltraumbahnhöfen in SaxaVord, Schottland, und auf Andøya, Norwegen, mit denen sich zukünftig durch Microlauncher
reaktionsschnell Nutzlasten in den Weltraum verbringen lassen.
Internationale Kooperationen in der zivilen Raumfahrt in bi- und multilateraler Zusammenarbeit zum Beispiel mit
Japan, Kanada, Neuseeland, USA, Südkorea und weiteren strategisch wichtigen Partnerländern müssen weiter
intensiviert werden. Globale Raumfahrtprojekte sind ein wichtiges Instrument, um internationale Partnerschaften
für die friedliche und nachhaltige Nutzung des Weltraums zu stärken. So bestehen bereits gemeinsame
Absichtserklärungen zur zivilen und militärischen Raumfahrtkooperation zwischen der deutschen, der japanischen sowie
der neuseeländischen Regierung. Deutschland wird in Zukunft aktiv weitere Kooperationen suchen und – wo
möglich – als Anlehnungsnation für Staaten mit kleineren zivilen und militärischen Raumfahrtprogrammen
dienen.
Die Stärkung der regelbasierten internationalen Ordnung im Weltraum können wir nur gemeinsam mit unseren
Partnern erreichen. Dafür ist unser fortgeführter Einsatz in multilateralen Foren wie den VN unerlässlich. Die
Bundesregierung bezieht zudem Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft mit ein und wird
neue Partnerschaften mit aufstrebenden Weltraumnationen eingehen.
2.3 Abschreckung aufbauen, Wehrhaftigkeit und Resilienz stärken
Der in der Nationalen Sicherheitsstrategie und den Verteidigungspolitischen Richtlinien 2023 formulierte
Anspruch an eine jederzeit einsatz- und kampfbereite Bundeswehr gilt auch für die Dimension Weltraum. Dies
erfordert die Fähigkeit zur Verteidigung mit dem Ziel der Abschreckung. In der Dimension Weltraum bedeutet
Abschreckung potenzielle Gegner durch eine Kombination aus internationaler Diplomatie und Partnerschaften,
Resilienzmaßnahmen, Verteidigungsbereitschaft und militärischen Fähigkeiten von aggressiven Handlungen gegen
eigene und verbündete Weltrauminfrastrukturen abzuhalten.
Dies umfasst:
⎯ Glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit:
Deutschland muss über notwendige Fähigkeiten verfügen, seine Weltraumsysteme effektiv zu schützen,
Angriffe abzuwehren sowie gegnerische Handlungsmöglichkeiten im Weltraum einzuschränken.
⎯ Transparenz und Kommunikation:
Eine Abschreckung gegenüber potenziellen Gegnern funktioniert auch in der Dimension Welt-raum nur
durch das Vorhandensein von Fähigkeiten und dem Willen, diese einzusetzen, sowie die entsprechende
Kommunikation dieses Willens. Gleichzeitig bekennt sich die Bundesregierung da-zu, als verantwortungsvoller
und Transparenz wahrender Weltraumakteur aufzutreten.
⎯ Internationale Kooperation und Normen:
Im Rahmen von Kooperationsformaten mit anderen gleichgesinnten Weltraumnationen verstärkt
Deutschland eigene Fähigkeiten und Resilienzen im Weltraum. Auch internationale Abkommen und Normen für das
Verhalten im Weltraum tragen zu Stabilität, Sicherheit und Abschreckung bei.
⎯ Technologische Überlegenheit:
Deutschland sichert sich den Zugang zu strategisch wichtigen Weltraumtechnologien und nutzt hierzu seine
zivil-militärische Innovationsfähigkeit.
⎯ Resilienz:
Eine schnelle Rekonstitutionsfähigkeit eigener Weltraumfähigkeiten sowie eine resiliente
Cybersicherheitsarchitektur sind essenzielle Bestandteile dieser Befähigung. Bundeswehr, BOS und staatliche Stellen müssen
auch bei Nichtverfügbarkeit von Weltraumdiensten in der Lage sein, ihre jeweiligen Aufgaben zu erfüllen.
Dazu müssen vor allem Ausweichkommunikations- und Navigationsfähigkeiten vorhanden und das Personal
zur Nutzung geschult sein.
Auf Grundlage einer ressortgemeinsamen Lagebeurteilung sichern wir für die Dimension Weltraum die
Handlungsfähigkeit Deutschlands für das gesamte Spektrum von Frieden über Krise bis hin zur Landes- und
Bündnisverteidigung. Dadurch trägt auch die Dimension Weltraum zur Verteidigungsfähigkeit unseres Landes bei.
3 Aufbau einer nationalen Weltraumsicherheitsarchitektur
Unverzichtbare Bestandteile einer tragfähigen Weltraumsicherheitsarchitektur und Voraussetzung der ei-
genständigen Handlungsfähigkeit im Weltraum sind die Fähigkeit zur Lagebeurteilung, die Erhöhung der Resilienz der
eingesetzten Weltraumsysteme sowie deren Schutz und Verteidigung.
Deutschland gehört zu den größten Geldgebern in der NATO, der EU sowie der ESA. Daneben betreiben wir das
nationale Raumfahrtprogramm für Innovation und internationale Kooperation sowie weitere Aktivitäten mit
Weltraumbezug. Wir wollen die Synergien, die in diesen Programmen liegen und unserer Sicherheit zugutekommen,
noch systematischer nutzen.
Abbildung 2 Weltraumsicherheitsarchitektur
Quelle: Bundeswehr
3.1 Gesamtstaatliche Handlungsfähigkeit im Weltraum
Um die Handlungsfähigkeit Deutschlands bei relevanten Weltraumsicherheitsereignissen zu gewährleisten, bedarf
es einer auf die Dimension Weltraum zugeschnittenen Governance-Struktur. Zum Aufbau einer konsistenten
nationalen Weltraumsicherheitsarchitektur stärkt Deutschland die strategische Steuerung der weltraumbezogenen
Aktivitäten mit Sicherheitsrelevanz.
Der Koordinierungsstab für Weltraumsicherheit wird im Fall absehbarer oder bereits eingetretener
Weltraumsicherheitsereignisse aktiviert, sammelt Informationen, wertet diese ressortübergreifend aus und erarbeitet
Handlungsoptionen. Strategische Raumfahrt- und Weltraumthemen sowie ressortübergreifende Handlungsbedarfe
erörtern die weltraum- und sicherheitsrelevanten Ressorts im Ressortkreis Weltraumnutzung/ Weltraumsicherheit.
Zudem wird die Möglichkeit geschaffen, durch Verbindungsbeamte und -offiziere die Zusammenarbeit zwischen
dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und
Raumfahrt (BMFTR) zu stärken.
Durch die enge Verzahnung dieser Gremien wird sichergestellt, dass auf allen Ebenen der Bundesregierung Fragen
der Weltraumsicherheit beraten und im Bedarfsfall entschieden werden können und jederzeit die notwendige
Weltraumexpertise verfügbar ist. Weltraumsicherheitsthemen sollten künftig in der Arbeit des Nationalen
Sicherheitsrats (NSR) und des Nationalen Lagezentrums sowie des Nationalen Krisenstabs angemessene
Berücksichtigung finden. Wir werden den bestehenden Ressortkreis Weltraumsicherheit in einen interministeriellen Ausschuss
des NSR umwandeln und so direkter anbinden und aufwerten.
3.2 Resilienzsteigerung
Nur eine stabile und reaktionsfähige Weltraumsicherheitsarchitektur schreckt potenzielle Gegner ab. Daher ist es
wichtig, neue Fähigkeiten zum Betrieb, zum Schutz und zur Verteidigung nationaler Weltraumsysteme zu
integrieren. Zivile und kommerzielle Weltrauminfrastrukturen wollen wir in Frieden, Krise und im Verteidigungsfall
unterstützen, entsprechend ausgebildeten Nachwuchs heranziehen und deutsche Unternehmen in ihrem
Kompetenzaufbau stärken. Militärische sowie Teile der sicherheitsrelevanten zivilen und kommerziellen
Weltrauminfrastrukturen sind zukünftig wo nötig als verteidigungsrelevante Infra-struktur zu kennzeichnen und zu
berücksichtigen. Teile dieser Infrastrukturen werden auf Basis des geplanten KRITIS-Dachgesetzes zukünftig auch als
kritische Infrastrukturen im neuen KRITIS-Sektor Weltraum erfasst.
Um eine resiliente Weltraumsicherheitsarchitektur zu schaffen, bedarf es einer Bestandsaufnahme der
Weltraumabhängigkeiten und Vulnerabilitäten. Basierend auf diesen Erkenntnissen erarbeiten wir Handlungsoptionen zur
Steigerung der Resilienz und setzen sie um. Dies betrifft insbesondere die Schnittstellen zwischen
Weltraumsicherheit und anderen Bereichen der Sicherheit wie Innerer und Äußerer Sicherheit, Zivilschutz,
Versorgungssicherheit, Verkehrssicherheit sowie Netz- und IT-Sicherheit. Deutschland engagiert sich aktiv bei der
Ausgestaltung europäischer Systeme und Infrastrukturen, um diese in die nationale Weltraumnutzung einzubringen. Dies
erfolgt durch die gezielte Unterstützung der deutschen Raumfahrtindustrie durch regelmäßige Auftragsvergabe
hoheitlicher Bedarfsträger sowie Nutzung schnell verfügbarer bereits existierender Kapazitäten durch Pooling &
Sharing.
Zur Resilienz von Weltraumsystemen gehört auch die Fähigkeit, ausgefallene Systeme schnell zu ersetzen bzw.
Alternativen und Redundanzen zur Verfügung zu haben. Die Abhängigkeit vom Weltraum wird aber auch an
kritischen Stellen reduziert und die Streitkräfte müssen, falls notwendig, auch ohne die Unterstützung aus der
Dimension Weltraum im Kampf bestehen können.
Die weltraumbezogene zivil-militärische Zusammenarbeit muss auch im Verteidigungsfall funktionieren: Hierzu
wird die Bundesregierung entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen und Vertragsgestaltungen schaffen, die
eine Leistungserbringung der Industrie auch im Konflikt- oder Verteidigungsfall sicherstellt. Wir nutzen die
Raumfahrtförderung im Sinne einer resilienzsteigernden Industriepolitik, um die Abhängigkeit von Importen oder
einzelnen Herstellern bei strategisch wichtigen Schlüsseltechnologien zu vermeiden. Dazu gehört auch die
Vermeidung von Single-Source-Situationen beziehungsweise Monopolen. Dabei binden wir auch den
privatwirtschaftlichen Sektor ein, um weitere zivil-militärische Optionen zur Resilienzsteigerung zu schaffen.
Die institutionelle Forschungsförderung der Bundesregierung und geförderte Forschungsprojekte bilden eine
weitere Grundlage für eine resiliente Weltraumsicherheitsarchitektur. Insbesondere die institutionelle Forschung des
DLR e.V. mit der staatlich finanzierten Forschungsinfrastruktur ist eine notwendige Grundlage für künftige
Entwicklungen und soll ausgebaut werden. Hier sind staatliche Rahmensetzung und Förderung, zusammen mit
privatwirtschaftlichen Investitionen, der Schlüssel zum Erfolg.
Basis gesamtstaatlicher Handlungsfähigkeit im Weltraum sind die dafür benötigten industriellen Fähigkeiten. In
der Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie hat die Bundesregierung im Dezember 2024
Raumfahrttechnologien als sicherheits- und verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologien festgelegt, deren
nationale Verfügbarkeit in Teilen aus Gründen des Erhalts der Versorgungssicherheit im wesentlichen nationalen
Sicherheitsinteresse liegt. Die deutsche Raumfahrtindustrie wird daher in Zukunft im Rahmen des Aufbaus der
Weltraumsicherheitsarchitektur eine zentrale Rolle spielen.
Zur Stärkung der auch durch kleinere und mittelständische Unternehmen sowie Start-ups geprägten deutschen
Raumfahrtindustrie müssen kurzfristig die im Sicherheits- und Verteidigungsbereich notwendigen
Zertifizierungen, Sicherheitsüberprüfungen, IT-Anforderungen und Zugangsbeschränkungen transparent gemacht und
beschleunigt durchgeführt werden.
Die Bundesregierung strebt an, wesentliche sicherheits- und verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologien
verstärkt national zu entwickeln und umzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist der 2023 gestartete geostationäre
Kommunikationssatellit Heinrich Hertz, der neben einem aus dem nationalen Raumfahrtprogramm für Innovation und
internationale Kooperation finanzierten wissenschaftlich-technischen Missionsanteil auch eine militärische
Nutzlast umfasst. Zudem sollen verstärkt Demonstrations- und Pilot-Missionen zur schnelleren und unbürokratischen
Technologie- und Fähigkeitsentwicklung genutzt werden. Die Bundesregierung wird ihr Verständnis der
wesentlichen sicherheits- und verteidigungsrelevanten Schlüsseltechnologien für den Raumfahrtsektor näher definieren
und damit zum Schutz und Erhalt der nationalen Raumfahrtindustrie beitragen.
Deutschland engagiert sich in Zusammenarbeit mit Partnern für die Standardisierung und Interoperabilität von
Satellitenplattformen, Kommunikationsschnittstellen, Bodensegmenten und Antennen, die Treibstoffversorgung
von Satelliten, die regelmäßige Verbringung von Nutzlasten mit europäischen Systemen und die Installation von
großen Konstellationen. Gleichzeitig wirken wir auf einheitliche Anforderungen und Standards für Beschaffenheit
und sicheren Betrieb von Weltraumsystemen hin (zum Beispiel Protocol Stack for Space).
Zusätzlich zur industriellen Fertigung muss Europa die Fähigkeit zur eigenständigen geschützten Daten-
prozessierung und (KI-gestützten) Datenauswertung besitzen. Dies gilt nicht nur für die notwendige Soft-ware, sondern
auch für Standorte von Rechenzentren in Europa inklusive deren Datenanbindung und Sicherheitszertifizierung.
Die Bundesregierung setzt sich innerhalb der EU für eine verstärkte Zusammenarbeit in diesem Bereich ein und
fördert die technische Umsetzung.
Daneben integrieren wir technische und organisatorische Maßnahmen der Cybersicherheit bei der Entwicklung
der Weltraumsicherheitsarchitektur. Dazu bauen wir die weltraumspezifischen Cyberabwehrfähigkeiten der
Bundeswehr und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus.
Resiliente Weltraumlagefähigkeiten sind notwendig, um Risiken und Bedrohungen für nationale
Weltraumsysteme zu erkennen. Wir verfolgen daher das strategische Ziel eines Sensornetzwerks mit globaler Abdeckung durch
einen weiteren Aufbau nationaler Sensoren über die bisherigen Planungen hinaus. Wir kooperieren mit
internationalen Partnern, um Sensoren an besonders attraktiven Standorten aufzubauen. Darüber hinaus setzt sich
Deutschland weiterhin für eine starke Rolle in der European Union Space Surveillance and Tracking (EU SST)
Partnerschaft ein, die als Grundlage für einen zukünftigen zivilen Ansatz im europäischen Space Traffic Management
dienen soll.
Wir streben die militärische Nutzung von Heavy Launchern und Microlaunchern, wiederverwendbaren
Raumflugzeugen und Raumgleitern, neuen Antriebstechnologien, On-Orbit Logistik, des cislunaren Raums und
multifunktionaler Satelliten-Megakonstellationen an. Diese Technologien bieten verbesserte Flexibilität, Agilität,
Nachhaltigkeit und strategische Tiefe für resiliente militärische Operationen im Weltraum. Durch die
Weiterentwicklung und Integration dieser Technologien wollen wir unsere Fähigkeiten zur Überwachung, Kommunikation
und Verteidigung erweitern.
3.3 Forschung und Entwicklung
Die wehrtechnische Forschung und Technologie als Teil der Ressortforschung des Bundesministeriums der
Verteidigung bereitet für die Bundeswehr zeit- und auftragsgerecht die bestmögliche Ausrüstung vor. Gemeinsam mit
dem DLR e.V. und der Fraunhofer-Gesellschaft werden im Bereich der Weltraumforschung verschiedene Risiken
und Bedrohungen sowie Methoden und Technologien zu deren Abwehr identifiziert, bewertet und untersucht.
Für den Erhalt und die Stärkung der Resilienz greifen wir verstärkt auf Forschungsergebnisse und Dual-Use-
Technologien zurück. Beispielhaft ist die Nutzung der Forschungsergebnisse und Technologien aus Luftfahrt,
Verkehr, ziviler Sicherheit und Energie im DLR e. V. für die Verbesserung der Weltraumlösungen. Wir werden
nationale und europäische Fortschrittstechnologien identifizieren und als Faktor für die nationale
Weltraumsicherheitsarchitektur einschätzen. Wir werden die zivil-militärische Kooperation in der Dimension Weltraum
kontinuierlich weiterentwickeln. Wir untersuchen, wie sich zum Beispiel:
⎯ Aktiver co-orbitaler Schutz;
⎯ On-Orbit-Servicing;
⎯ Pseudosatelliten im suborbitalen Raum (High Altitude Pseudo Satellites/HAPS);
⎯ Weltraumgestützte Beiträge zur Territorialen Flugkörperabwehr;
⎯ Entwicklung leistungsstarker Raketenantriebe;
⎯ Space-Based Space Surveillance and Tracking;
⎯ Orbitale Vernetzung mit Inter-Satellite-Links;
⎯ Hyperschalltechnologie in der hohen Atmosphäre;
⎯ Technologien für erhöhte Manövrierfähigkeit und Agilität im Orbit;
⎯ Entwicklung von Staustrahltriebwerken;
⎯ Entwicklung leistungsstarker nicht-chemischer Raumantriebe;
⎯ Förderung und Testung von Wiedereintritts- und Landetechnologien;
⎯ Große Konstellationen;
⎯ Klein(st)satelliten;
⎯ Wiederverwendbare Raumgleiter und Raumflugzeuge;
⎯ Microlauncher;
⎯ Quantentechnologien;
⎯ KI-Anwendungen;
⎯ Initiativen eines möglichen Erdbeobachtungsservices auf europäischer Ebene;
zeitnah in die nationale Weltraumsicherheitsarchitektur integrieren lassen, um die Weltraumsicherheit zu stärken
und eine gesamtstaatliche, resiliente Wehrhaftigkeit in der Dimension Weltraum herzustellen.
Der Space Innovation Hub in der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR e. V. hat zum Ziel, deutsche Anbieter von
Raumfahrtdienstleistungen wettbewerbsfähiger zu machen und öffentlichen Bedarfsträgern den Zugang zu
innovativen Raumfahrttechnologien und -dienstleistungen schneller zu ermöglichen. Die Bundesregierung wird den
Space Innovation Hub stärken. Ziel ist unter anderem die für Sicherheit notwendige Entwicklung von
Raumfahrttechnologien in Deutschland von der Forschung bis zur Marktreife voranzutreiben. Notwendige Investitionen
sollen umgesetzt werden, kleinere und mittelständische Unternehmen sollen durch unbürokratische,
unkonventionelle und risikofreudige Ansätze und durch einen stärkeren Austausch mit öffentlichen Bedarfsträgern, wie zum
Beispiel der Bundeswehr, noch besser gefördert werden. Dieser Austausch soll zivilen, militärischen und
nachrichtendienstlichen Bedarfsträgern zugutekommen und insbesondere sicherheitsrelevante Raumfahrttechnologien
und -anwendungen betrachten.
Als ein Beispiel für solche Innovationen dienen hypersonische Raumflugzeuge, die zukünftig über das Potenzial
von zahlreichen technologischen Sprunginnovationen verfügen werden. Sie können von konventionellen
Flugplätzen starten und landen, sind wiederverwendbar, erzeugen nahezu keinen Weltraummüll, ermöglichen
schnellere Einsätze als Trägerraketen und verursachen in der Startphase eine geringere Umweltbelastung. Um solche
und vergleichbare militärische Sprunginnovationen zukünftig stärker zu fördern, nutzt die Bundesregierung nicht
nur die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR e. V. und den dort verorteten Space Innovation Hub, sondern auch
die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit
(Cyberagentur) und andere Institutionen. Es wird angestrebt, diese Einrichtung mit den nötigen Freiheiten und einer
soliden Finanzausstattung dazu zu befähigen, mittels innovativer Beschaffungsvorgänge zukünftige Vorhaben im
Bereich der Weltraumsicherheit deutlich zu beschleunigen.
Das Forschungszentrum SPACE der Universität der Bundeswehr München wird mit Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen zur Weiterentwicklung in der Dimension Weltraum beitragen.
Das Zentrum forscht zu Raumfahrttechnik, Satellitenkommunikation, Cybersicherheit und KI. Dies gilt es, in der
Zukunft stärker zu nutzen und zu fördern.
Wir werden die Beteiligung der Bundeswehr an dem 2020 vom DLR e. V. gegründeten Responsive Space Cluster
Competence Center (RSC³) verstärken. In dieser Kooperation werden Fähigkeitspotenziale von Kleinsatelliten
und deren Einsatzmöglichkeiten für die Gewährleistung von Resilienz, Reaktionsschnelligkeit und die Mitigation
von unvorhersehbaren Engpässen erforscht.
3.4 Schutz und Verteidigung
Wir wollen Deutschland in der Dimension Weltraum glaubwürdig abschreckungs- und verteidigungsfähig
aufstellen.
Um ihren Kernauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung zu erfüllen, ist die Bundeswehr auf die Nutzung des
Weltraums angewiesen. Die militärische Nutzung des Weltraums ist daher eine Dauereinsatzaufgabe der
Bundeswehr. Diese umfasst die Lageerstellung für die Dimension Weltraum, die Planung und Führung von
Weltraumoperationen sowie den Schutz und die militärische Kontrolle über den Betrieb von allen Weltraumsystemen im
Weltraumkommando der Bundeswehr, unter Dimensionsverantwortung der Luftwaffe. Diese Aufgabe wird in
Friedenszeiten und im Krisen- und Verteidigungsfall lage- und bedrohungsangemessen erfüllt.
Weltraumoperationen dienen zwei Zwecken:
⎯ Schutz und Verteidigung der eigenen Weltraumnutzung;
⎯ Einschränkungen der gegnerischen Weltraumnutzung.
Der Schutz und die Verteidigung der eigenen Weltraumnutzung vor unrechtmäßigem oder aggressivem Verhalten
ist nicht auf deutsche Militärsatelliten beschränkt. Diese Maßnahmen können sich auch auf deutsche zivile und
kommerzielle Satelliten sowie Satelliten von Alliierten, strategischen Partnern oder der EU erstrecken. Hierbei
folgt Deutschland folgenden Vorgaben:
⎯ Deutschland behält sich das Recht vor, auf unfreundliches Verhalten durch Retorsionen zu reagieren;
⎯ Deutschland behält sich das Recht vor, auf Völkerrechtsbrüche durch Gegenmaßnahmen zu reagieren;
⎯ Deutschland behält sich das Recht vor, im Falle eines bewaffneten Angriffs das Recht zur individuellen oder
kollektiven Selbstverteidigung auch im Weltraum auszuüben.
Der erste Schritt zum Schutz vor Weltraumbedrohungen besteht darin, diese als solche zu erkennen.
Sicherheitsrelevante Ereignisse und Bedrohungen im Weltraum werden analysiert und idealerweise deren Urhebern
attribuiert. Für die Bundesregierung ist die Erstellung eines Weltraumlagebildes daher eine vorrangige zivil-militärische
Aufgabe. Mit den bisherigen Planungen zum System Weltraumüberwachung der Bundeswehr erreichen wir hierzu
eine Anfangsbefähigung, die wir durch weitere operationelle militärische und zivile Sensoren und durch
Kooperationen mit internationalen Alliierten und Partnern ausbauen werden.
Auch das Weltraumwetter kann Satellitensysteme beschädigen sowie bodengebundene Infrastrukturen wie
Stromoder Funknetze stören oder zum Ausfall bringen. Daher werden wir einen europäischen Weltraumwetter-
Beratungsservice im ressortgemeinsamen Weltraumlagezentrum aufbauen.
Weltraumsysteme zur Führung, Aufklärung und Wirkung tragen entscheidend zu einer erfolgreichen militärischen
Operationsführung bei. Wir werden die Architektur unserer nationalen und europäischen
Weltrauminfrastrukturen, insbesondere unserer Satellitenkommunikation und -aufklärung, vor dem Hintergrund der rasanten
technologischen Entwicklung und der internationalen Programme weiterentwickeln. Hierzu werden wir eine vernetzte,
multi-orbitale Gesamtarchitektur einrichten, die sich auf eine größere Zahl von Satelliten in verschiedenen
Bahnhöhen stützt und die Resilienz des Gesamtsystems erhöht.
Über seine unterstützende Funktion hinaus verstehen wir den Weltraum auch als eigenständigen und dynamischen
Operationsraum. Wir stärken die Handlungsfähigkeit der Bundeswehr im Weltraum und versetzen sie in die Lage,
die gegnerische Weltraumnutzung einschränken zu können. Der Betrieb von Weltraumsystemen, die Führung von
Weltraumoperationen sowie die Fähigkeit zum Wirken im Weltraum sind unverzichtbare militärische Fähigkeiten.
Wir werden dies im Planungs- und Führungsprozess und der Fähigkeitsentwicklung der Bundeswehr umfassend
integrieren und die entsprechende Beschaffung deutlich beschleunigen. Wo nötig werden wir die entsprechenden
Rechtsgrundlagen anpassen.
Zur Förderung der Verteidigungsfähigkeit im multilateralen Rahmen wird Deutschland das Weltraumkommando
der Bundeswehr um ein multinationales Führungselement mit dem Angebot multinationaler Beteiligung
erweitern. Diese Dienststelle wird Führungsaufgaben in der Dimension Weltraum für EU, NATO oder multilaterale
Operationen koordinieren und unterstützen.
Für den sicheren Betrieb der verteidigungsrelevanten Weltrauminfrastrukturen wird spezialisiertes Personal mit
Weltraumexpertise benötigt. Wir investieren daher in die Aus-, Fort- und Weiterbildung unseres
Weltraumpersonals.
4 Umsetzung
Aus den strategischen Handlungsfeldern:
I. Gefahren und Bedrohungen erkennen, Handlungsoptionen entwickeln;
II. Internationale Kooperation und nachhaltige Ordnung im Weltraum fördern;
III. Abschreckung aufbauen, Wehrhaftigkeit und Resilienz stärken;
ergeben sich konkrete Handlungslinien und Aufgaben, die dem Aufbau einer gesamtstaatlichen
Weltraumsicherheitsarchitektur dienen. Die Ressorts setzen die Handlungslinien der Strategie in eigener Verantwortung und
Prioritätensetzung im Rahmen ihrer Zuständigkeiten und verfügbaren Mittel in den jeweiligen Einzelplänen und des
jeweils geltenden Finanzplans sowie im ressortgemeinsamen Austausch und Handeln um.
Abbildung 3 Strategische Handlungsfelder
Quelle: Bundeswehr
HANDLUNGSLINIEN
I. Gefahren und Bedrohungen erkennen, Handlungsoptionen entwickeln
Nr. Handlungslinien
1. Gewährleistung der Einsatzfähigkeit der gesamtstaatlichen Weltraumsicherheitsarchitektur
2. Aufbau der resilienten Weltraum- Führungs- und Systemarchitektur der Bundeswehr nach dem
Grundsatz „Einheitlichkeit der Führung“
3. Umsetzung eines Weltraumlage-Sensornetzwerks mit globaler Abdeckung, insbesondere mit dem
Fokus auf Erhöhung der Beobachtungsrate
4. Entwicklung und Beschaffung Weltraumgestützter Frühwarnung, Aufklärung, Überwachung,
Verfolgung in allen Geschwindigkeits- und Höhenbändern, einschließlich von Raketen, Satelliten,
HAPS und hypersonischen Flugsystemen
5. Entwicklung der Fähigkeit zur weltraumgestützten signalerfassenden Aufklärung
6. Herstellung der Kontrolle über den Betrieb von militärischen Weltraumsystemen durch ein
Satellitenbetriebs- und Kontrollzentrum im Weltraumkommando der Bundeswehr
7. Entwicklung und Aufbau von vernetzten und integrierten multi-orbit Satellitenkonstellationen zur
raumgestützten Kommunikation und Daten-Backbone sowie abbildenden und elektronischen
Aufklärung, dabei Betrachtung nationaler und europäischer Infrastrukturen (z. B. IRIS²)
8. Entwicklung und Aufbau von vernetzten und integrierten multi-orbit Satellitenkonstellationen der
raumgestützten abbildenden und elektronischen Aufklärung, priorisierte Umsetzung gemeinsam
mit Partnern
9. Ressortübergreifende Betrachtung von militärischen bzw. sicherheits-/ regulierungsrelevanten
Anwendungsbereichen, Wetter- und Erdbeobachtung, Frühwarnung und Flugkörperabwehr,
Kommunikation, Positions-, Navigations- und Zeitfestlegung, Responsive Space sowie
Weltraumwetter-, Weltraumlage- und Satellitenkontrollsysteme und -infrastrukturen
10. Entwicklung von Betriebs-, Nutzungs-, Beteiligungs- und Bereitstellungskonzepten, die im
Krisenfall eine militärische Kontrolle und priorisierte Bereitstellung von Diensten und Produkten
für die Bundeswehr, den Bevölkerungsschutz und weitere staatliche Akteure sicherstellt
11. Erstellung einer Bestandsaufnahme der Weltraumabhängigkeiten, der Vulnerabilitäten sowie einer
Liste der für die gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge essenziellen sicherheitsrelevanten
Weltrauminfrastrukturen in respektiver Ressortverantwortung
12. Bedarfsorientierte Befassung auf Staatssekretärsebene und des Nationalen Sicherheitsrats mit
strategischen Themen der Weltraumsicherheit
13. Enge Verzahnung der nationalen Weltraumsicherheitsgremien
14. Ausbilden und Üben von Notverfahren für den Ausfall von weltraumabhängigen Systemen, auch
als Teil von Ausbildung und Übung
15. Erstellung von strukturellen und doktrinären Grundlagen für die Lagebewertung und die
Entwicklung staatlicher Handlungsoptionen zum koordinierten Einsatz ziviler und militärischer
Instrumente
16. Definition sicherheits- und verteidigungsrelevanter Schlüsseltechnologien im Raumfahrtbereich
17. Schutz von Rohstoff- und Lieferketten der Raumfahrtindustrie
Nr. Handlungslinien
18. Beteiligung bei Anwendung der Exportkontrollverfahren in Bezug auf
weltraumsicherheitsrelevante Dual-Use-Produkte, Fähigkeiten und Rüstungsgüter sowie bei
Investitionsprüfungen
19. Aufbau eines nationalen Weltraumwetterberatungsservices im ressortgemeinsam betriebenen
Weltraumlagezentrum
20. Stärkung der Lagebeurteilungs- und Handlungsfähigkeit der EU bei
Weltraumsicherheitsereignissen durch Informations- & Beitragsbereitstellung
21. Entwicklung einer Technologie-Roadmap zur Feststellung gemeinsamer zukünftiger Bedarfe für
zivile, militärische und nachrichtendienstliche Anwendungen zur effizienten Nutzung von
Synergien
HANDLUNGSLINIEN
II. Internationale Kooperation und nachhaltigen Ordnung im Weltraum fördern
Nr. Handlungslinien
1. Bi- und multinationale Kooperationen, insbesondere mit CSpO, OOD, EU, ESA und NATO-
Partnern mit dem Ziel, die Einsatzfähigkeit der gesamtstaatlichen Weltraumsicherheitsarchitektur
auszubauen
2. Ausbau der Beteiligung an der US-geführten Weltraumoperation OLYMPIC DEFENDER zwecks
Realisierung der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit der Weltraumsicherheitsarchitektur
sowie Befähigung zu streitkräftegemeinsamen und multinationalen Weltraumoperationen
3. Entwicklung von nationalen Rechtspositionen zur Umsetzung und Anwendung von
internationalem Weltraumrecht und Beteiligung an der Entwicklung politischer und
einsatzrechtlicher Rahmenbedingungen für die militärische Weltraumnutzung, in Krise und
Konflikt bis hin zur Landes- und Bündnisverteidigung
4. Nutzung internationaler Ausbildungs- und Übungsangebote zum Schutz, zur Verteidigung und zur
Planung und Führung von Weltraumoperationen im Verbund mit USA, Frankreich und weiteren
CSpO, OOD, EU und NATO-Partnern
5. Ausbau bi- und multilateraler sicherheitsrelevanter Weltraumkooperationen und Entwicklung von
Verhaltensnormen mit internationalen Organisationen und Schlüsselpartnern
6. Förderung von Partnerschaften mit dem Ziel einer friedlichen und nachhaltigen Nutzung des
Weltraums durch alle Akteure
7. Bereitstellung weltraumbezogener Daten, Dienste und Produkte an EU und NATO, Ausbau des
Information Sharing im Rahmen der NATO
8. Etablierung Deutschlands mit angemessener Rolle in der künftigen Weltraumsicherheitsarchitektur
der EU, einschließlich der Ansiedlung entsprechender Einrichtungen und Infrastrukturen in
Deutschland sowie personeller EU-Repräsentanz
9. Entwicklung und Abstimmung politischer Positionen, operativer Anforderungen und gestaltender
Beiträge zu den sicherheits- und verteidigungsrelevanten Aspekten europäischer
Raumfahrtaktivitäten und -programme
10. Förderung der Standardisierung und Interoperabilität von Satellitenplattformen,
Kommunikationsschnittstellen, Bodensegmenten und Antennen sowie Treibstoffversorgung von
Satelliten
11. Etablierung eines European Space Component Command (ESCC) als nationales Führungselement
des Weltraumkommandos der Bundeswehr, das auf taktischer Ebene, mit Soldatinnen und
Soldaten aus EU und Partnerstaaten, multinational verstärkt, Führungsaufgaben für die EU,
NATO, oder multilateral in der Dimension Weltraum Operationen koordiniert und durchführt
12. Einbringung sicherheits- und verteidigungsrelevanter Aspekte in EU-Programme der
Weltraumnutzung
13. Systematische Prüfung und Bewertung, ob in zivil ausgerichteten ESA-Programmen entwickelte
Technologien auch für nationale sicherheitsbezogene Anwendungen nutzbar gemacht werden
können
14. Einsatz für politisch verbindliche Vereinbarungen von Normen, Prinzipien und Maßnahmen zur
verantwortungsvollen, friedlichen und nachhaltigen Nutzung des Weltraums und
Rüstungskontrolle zur Eskalationsprävention im Weltraum im Rahmen der Vereinten Nationen
Nr. Handlungslinien
15. Anwendung von Exportkontrollverfahren bei weltraumsicherheitsrelevanten Dual-Use-Produkten
und Fähigkeiten sowie Rüstungsgütern
16. Durchführung einer aktiven Weltraumsicherheitsdiplomatie zwecks Förderung einer regelbasierten
Nutzung des Weltraums, zur Vermeidung von Missverständnissen
17. Fortentwicklung der internationalen Exportkontrollregime für Weltraumtechnologien und
regelmäßige Aktualisierung der entsprechenden Güterlisten
18. Ausbau der Beteiligung am multinationalen Responsive Space Capabilities Memorandum of
Understanding (MoU)
19. Deutschlands zentrale Rolle in der EU Space Surveillance and Tracking (EU SST) Partnerschaft
weiterführen
HANDLUNGSLINIEN
III. Abschreckung aufbauen, Wehrhaftigkeit und Resilienz stärken
Nr. Handlungslinien
1. Schaffung der Befähigung zu Weltraumoperationen zur Sicherstellung einer glaubwürdigen
Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit in der Dimension Weltraum
2. Festlegung der militärischen Führungsorganisation für die Wahrnehmung der
streitkräftegemeinsamen Dauereinsatzaufgabe militärische Weltraumnutzung unter Federführung
der Luftwaffe (German Air and Space Force)
3. Systematische Integration der Dimension Weltraum in Ausbildung und Übungen der Bundeswehr
sowie der EU und NATO
4. Etablierung einer Weltraumakademie der Bundeswehr (Space Defence Academy) im Bereich des
WRKdoBw
5. Etablierung eines einstufungsfähigen Space Wargaming Centers sowie eines Space Simulations
and Testbed
6. Stärkung der Verantwortung des Weltraumkommandos der Bundeswehr in der Wahrnehmung der
militärischen Verantwortung über den Operationsraum Weltraum und der Verbesserung der dazu
erforderlichen Führungsprozesse nach dem Grundsatz „Einheitlichkeit der Führung“
7. Entwicklung technischer und operativer Fähigkeiten zur Einschränkung/ Verhinderung der
gegnerisch-militärischen Weltraumnutzung national und/ oder gemeinsam mit Partnern
einschließlich Deep Precision Strike und hypersonischen Fähigkeiten
8. Entwicklung und Nutzung von hochagilen, standardisierten Inspektions-, Wartungs-, Betankungs-/
Versorgungssatelliten und Raumgleitern/ Raumflugzeugen zur Behebung von technischen
Problemen
9. Entwicklung von aktiven und passiven Schutzmaßnahmen für alle Raumsegmente einschließlich
Härtung gegen elektromagnetische Impulse sowie Härtung gegen Nachwirkungen von Weltraum-
Nuklearexplosionen
10. Entwicklung und Nutzung von hochagilen, signalarmen Wächtersatelliten sowie
Raumgleitern/Raumflugzeugen zur Inspektion von und Wirkung gegen gegnerische Systeme
11. Aufbau und Betrieb von multifunktionalen, vernetzten und resilienten Satellitenkonstellationen
beim Dimensionsverantwortlichen Weltraum der Bundeswehr, priorisierte Umsetzung gemeinsam
mit Partnern und soweit nicht bereits auf EU-Ebene verfügbar
12. Aufbau und Nutzung von Responsive Space national und/ oder gemeinsam mit Partnern
13. Sicherung des Zugangs zum Weltraum im Schwerlastbereich sowie ausreichende Responsive
Launch Transportkapazitäten zwecks nationaler und europäischer Sicherstellung der strategischen
Unabhängigkeit in allen Nutzlastklassen und Transportszenarien
14. Steigerung der Resilienz gegenüber Beeinträchtigungen der Verfügbarkeit und dem Ausfall von
sicherheitsrelevanten Weltraumdiensten
15. Aufbau weltraumsystemergänzender terrestrischer Resilienz-Maßnahmen
16. Optimierung zeitrelevanter Entscheidungszyklen im Rahmen militärischer Operationen (Multi-
Domain Operations, MDO) der Führungsorganisation Bundeswehr
17. Ausbau der Wertschöpfungskette im Segment der Kleinsatelliten, Entwicklung rollierender
Satellitenflotten im Rahmen von Technologieentwicklungen und zur regelmäßigen
kostengünstigen Teilregeneration von Satellitenkonstellationen (national & bi-/multinational)
Nr. Handlungslinien
18. Befähigung zu vollumfänglichen Cyberoperationen sowie Operationen im elektromagnetischen
Spektrum in der Dimension Weltraum
19. Entwicklung und Anwendung von Technologien, um die Erde vor der Kollision mit erdnahen
Objekten zu schützen
20. Entwicklung leistungsstarker nicht-chemischer Raumantriebe
21. Förderung und Testung von Wiedereintritts- und Landetechnologien
22. Gewährleistung der durchgängigen Verfügbarkeit zivilen Schlüsselpersonals in Frieden, Krise und
Krieg
23. Durchführung von gesamtstaatlichen Übungen zur Resilienzsteigerung, z. B. im Rahmen Länder-
und Ressortübergreifendes Krisenmanagement Exercise (LüKEX)
24. Entwicklung öffentlich-privater Bedarfs-, Beschaffungs-, Betriebs-, Bereitstellungs- und
Vermarktungskonzepte zur Deckung des sicherheitsbehördlichen Bedarfs
25. Stärkung des Space Innovation Hub u. a. auch durch Schaffung geeigneter Instrumente um
innovative Ideen mit Sicherheitsbezug bis zur Marktreife unterstützen zu können, Erstellung der
Bedarfe unter Einbeziehung der Bundeswehr
Hinweis:
Dieser Bericht wurde von der Bundesregierung auch als Broschüre im Rahmen
ihrer Öffentlichkeitsarbeit herausgegeben.
Weitere Links:
www.auswaertiges-amt.de
www.bmvg.de
www.bundeswehr.de
www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe
/organisation-/weltraumkommando-der-bundeswehr
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
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