Strategie der Bundesregierung zur Weltraumsicherheit
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Strategie der Bundesregierung zur Weltraumsicherheit
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2007
21. Wahlperiode 07.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Agnieszka Brugger, Jeanne Dillschneider, Sara Nanni,
Ayse Asar, Claudia Müller, Niklas Wagener, Robin Wagener, Julian Joswig,
Dr. Sebastian Schäfer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Strategie der Bundesregierung zur Weltraumsicherheit
Die Bedeutung des Weltraums für die internationale Politik und unsere
Sicherheit ist in den letzten Jahren noch einmal enorm gestiegen. Durch größere
technische Abhängigkeiten von Systemen im All entstehen neue Chancen, steigen
aber auch Verwundbarkeiten und Bedrohungen. Drohungen und Aggressionen
von autoritären Staaten wie China und Russland nehmen auch im Weltraum zu.
Die Bundesrepublik Deutschland steht vor der Herausforderung, die eigenen
Systeme gemeinsam mit Partnern besser vor Angriffen zu schützen und an
klaren, verbindlichen internationalen Regeln zu arbeiten sowie insbesondere, wo
das nicht möglich ist, Formen der Abschreckung zu etablieren.
Die letzte Bundesregierung hat im Jahr 2023 in ihrer Nationalen
Sicherheitsstrategie betont, wie unverzichtbar die freie und ungehinderte Nutzung des
Weltraums für die nationale Sicherheit ist, und den Prozess zur Erarbeitung
einer Nationalen Weltraumsicherheitsstrategie begonnen. Im ihrem
Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD Anfang 2025 angekündigt, innerhalb eines
Jahres eine solche Strategie vorzulegen.
Angesichts der rasanten technischen und geopolitischen Entwicklungen und
Bedrohungen braucht es auch nach Ansicht der Fragestellenden dringend ein
klares Lagebild und eine Strategie, die in enger Kooperation mit unseren
Partnern und Expertise aus der Wissenschaft und Wirtschaft Risiken und Chancen
für unsere Sicherheit und internationale Zusammenarbeit im Weltraum
adressiert. Dabei sind die Härtung der Systeme und eine größere Resilienz von
besonderer Bedeutung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wann wird die Bundesregierung ihre Weltraumsicherheitsstrategie
vorlegen, und was ist der konkrete Zeitplan hierfür?
2. Wie wurden und werden Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Verbände und
Unternehmen an der Erarbeitung der Weltraumsicherheitsstrategie
beteiligt, und welche Stakeholder wurden und werden beteiligt?
3. Welche Rolle haben Fragen der Weltraumsicherheit bisher im
Sicherheitskabinett und im Nationalen Sicherheitsrat gespielt?
4. Wie soll das Thema Weltraumsicherheit künftig im Nationalen
Sicherheitsrat bearbeitet werden?
5. Welche Ressorts der Bundesregierung und welche Organisationen (wie
etwa außeruniversitäre Forschungseinrichtungen) sind an der Erstellung
eines gemeinsamen Weltraumlagebildes beteiligt?
6. Welche ressortgemeinsamen Beurteilungs- und
Entscheidungsmechanismen existieren derzeit, und welche sollen neu aufgebaut werden?
7. Unternimmt die Bundesregierung konkrete Schritte, damit auf
europäischer Ebene ein gemeinsames Weltraumlagebild geschaffen und die
militärischen und zivilen Weltraumaktivitäten besser koordiniert werden, und
wenn ja, welche, und unterstützt die Bundesregierung zum Beispiel die
Schaffung einer gemeinsamen EU-Einheit zum Schutz unserer
Raumfahrtinteressen?
8. Gab es in den vergangenen fünf Jahren versuchte oder erfolgreiche
Einflussnahme auf deutsche oder europäische Satelliten durch andere Staaten,
und wenn ja, inwiefern?
9. Inwiefern wurden in den vergangenen fünf Jahren Überflüge russischer
Spionagesatelliten in Deutschland durch das Weltraumkommando
registriert und bearbeitet (bitte nach Anzahl und Jahren aufschlüsseln)?
10. Inwiefern wurden in den vergangenen fünf Jahren Annäherungen
russischer Satelliten mit möglicher Spionageabsicht an deutsche oder
europäische Satelliten registriert und mit welchen konkreten Verdachtsmomenten
(bitte nach Jahren und Verdachtsmoment aufschlüsseln)?
11. Inwiefern wurden in den vergangenen fünf Jahren Störungen bzw.
Störungsversuche gegenüber deutschen oder europäischen Satelliten etwa
durch das sogenannte Jamming oder das Blenden durch Laser etc.
festgestellt (bitte mit Datum und Darstellung der Störung aufschlüsseln)?
12. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem Vorfall,
dass zwei russische Satelliten zwei Intelsat-Satelliten verfolgen bzw.
verfolgten, die auch von der Bundeswehr genutzt werden (vgl. Aussagen des
Bundesministers der Verteidigung, Boris Pistorius, am 25. September
2025, www.bmvg.de/de/presse/rede-pistorius-3-bdi-weltraumkongress-ber
lin-5997822)?
13. Hat sich die Zahl der beobachteten Vorfälle seit Beginn der russischen
Vollinvasion in der Ukraine verstärkt, und wenn ja, inwiefern?
14. Wurden in den vergangenen fünf Jahren Annäherungen chinesischer
Satelliten mit möglicher Spionageabsicht an deutsche oder europäische
Satelliten registriert und mit welchen konkreten Verdachtsmomenten (bitte
nach Jahren und Verdachtsmomenten aufschlüsseln), und wenn ja,
inwiefern?
15. Wurden Ausbildungselemente von oder Übungen mit ukrainischen
Streitkräften in Deutschland modifiziert oder abgesagt, weil es Hinweise auf
eine Ausspähung durch russische Satelliten gab, und wenn ja, inwiefern?
16. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über etwaige Fähigkeiten und
Pläne Russlands oder Chinas vor, nukleare Sprengköpfe im Weltall zu
platzieren und zu nutzen, und wenn ja, welche?
17. In welchen Bereichen sieht die Bundesregierung Abhängigkeiten der
kritischen Infrastruktur in Deutschland auf Weltraumdienste, welche
Maßnahmen werden ergriffen, um diese Infrastruktur zu schützen, und wie wird
Vorsorge für einen potenziellen Ausfall getragen?
18. Welche Maßnahmen werden von der Bundesregierung ergriffen, um die
Cybersicherheit der Weltraumsysteme zu gewährleisten und kontinuierlich
auszubauen?
19. Plant die Bundesregierung Maßnahmen oder unterstützt sie Unternehmen,
um im Weltraum militärisch zu wirken, und wenn ja, welche, und welche
Rolle spielen dabei Dual-Use-Systeme, z. B. für die Entsorgung von
Weltraumschrott?
20. Plant die Bundesregierung die Fähigkeit zu Weltraumoperationen, und
wenn ja, welche Fähigkeiten werden angestrebt, und wenn ja, unter
welchen Bedingungen sollen sie eingesetzt werden?
21. Welche primär auf Verteidigung ausgerichteten Fähigkeiten sollen in der
künftigen Satellitenstruktur vorhanden sein (bitte aufschlüsseln, www.han
delsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-bundeswehr-manager-erkl
aert-die-neue-milliarden-industrie-fuers-all/100157424.html)?
22. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung zum Ausbau und zur
Sicherung der Transportkapazitäten in den Weltraum unternommen, und welche
sind geplant?
23. Welche Erkenntnisse führten zur Schlussfolgerung, dass die Bundeswehr
ein eigenes Satellitenbetriebszentrum im Weltraumkommando benötigt
(vgl. Aussagen des Bundesministers der Verteidigung, Boris Pistorius, am
25. September2025, www.bmvg.de/de/presse/rede-pistorius-3-bdi-weltrau
mkongress-berlin-5997822)?
24. An welchen internationalen Regelwerken wird sich die
Weltraumsicherheitsstrategie orientieren, und an welchen Neu- und Weiterentwicklungen
arbeitet die Bundesregierung, für welche Regeln und Normen setzt sie
sich dabei konkret ein?
25. Welche Initiativen treibt die Bundesregierung für Verhandlungen über
internationale Verträge im Weltraum voran, wie etwa zur Durchführung
destruktiver Tests mit bodengestützten Anti-Satelliten-Raketen (ASAT) oder
dem Weltraumvertrag, und sind neue Initiativen zum Schutz im Weltraum
unter Teilnahme der Bundesregierung in Erarbeitung?
26. Mit welchen Staaten und in welchen Programmen arbeitet die
Bundesregierung sicherheitspolitisch bi- und multinational zusammen (bitte
aufschlüsseln)?
27. Wie will sich die Bundesregierung bei den Plänen der EU-Kommission
für einen EU Space Act einbringen, um die Weltraumsicherheit zu
stärken?
28. Welche Technologien und Komponenten sind aus Sicht der
Bundesregierung nationale oder europäische Schlüsseltechnologien, die es zur
Stärkung der eigenen Souveränität und Sicherheit braucht?
29. Welche Abhängigkeiten bestehen bei Lagebild, Kollisionswarnungen und
operativen Weltraumdaten von US-Stellen, und welche Vorsorge gibt es
für ein Szenario mit eingeschränktem Zugang hinsichtlich durch US-
Stellen erhobener Informationen?
30. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um
Forschungseinrichtungen, Universitäten und private Unternehmen im Bereich der Raumfahrt
vor Spionage und unbefugter Einflussnahme zu schützen?
31. Inwiefern sieht die Bundesregierung eine Notwendigkeit, die Forschungs-
und Innovationsförderung im Bereich Raumfahrt sicherheitspolitisch
stärker abzusichern (z. B. durch Prüfmechanismen für internationale
Kooperationen, Exportkontrollen oder besondere Sicherheitsstandards in
geförderten Projekten)?
32. Welche Vorkehrungen trifft die Bundesregierung, um zu verhindern, dass
kritische Erkenntnisse aus der Raumfahrtforschung durch Drittstaaten
abfließen, und wie wird dabei die Balance zwischen Forschungsfreiheit und
Sicherheitsinteressen gewährleistet?
33. Welche Haushaltstitel und Komponenten gehören zum 35-Milliarden-
Paket für eine belastbare Struktur aus Satellitenkonstellationen, wie von
Bundesminister Boris Pistorius am 25. September 2025 angekündigt, und
ist der Bedarf für diese Projekte zusätzlich zu den bisher veranschlagten
Mitteln für Weltraumprojekte- und Sicherheit (www.handelsblatt.com/poli
tik/deutschland/verteidigung-bundeswehr-manager-erklaert-die-neue-milli
arden-industrie-fuers-all/100157424.html)?
34. Wie viele Mittel zur unmittelbaren Stärkung der Weltraumsicherheit hat
die Bundesregierung für das Jahr 2026 im Entwurf zum Bundeshaushalt
veranschlagt, inklusive Forschungs- und Innovationskosten (bitte
titelscharf aufführen)?
35. Sind die 35 Mrd. Euro für Weltraumsicherheit in der Finanzplanung bis
2029 vom Bundesministerium der Finanzen bereits berücksichtigt?
36. Plant die Bundesregierung, Ausgaben für europäische und multinationale
Projekte über die Bereichsausnahme zu finanzieren, und wenn ja welche
Ausgaben?
Berlin, den 29. Oktober 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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