Umfassende Analyse der Transparenz, Rückzahlungsdynamiken, Risikosteuerung und nachhaltigen Wirkungen von Darlehen der Finanziellen Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern
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Umfassende Analyse der Transparenz, Rückzahlungsdynamiken, Risikosteuerung und nachhaltigen Wirkungen von Darlehen der Finanziellen Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2377
21. Wahlperiode 22.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Rocco Kever, Matthias Rentzsch, Johann Martel, Denis Pauli,
Arne Raue, Martina Uhr, Dr. Malte Kaufmann, Dr. Alexander Wolf, Kay Gottschalk,
Jan Wenzel Schmidt, Hauke Finger, Christian Douglas, Rainer Groß, Jörn König,
Reinhard Mixl, Iris Nieland, Diana Zimmer und der Fraktion der AfD
Umfassende Analyse der Transparenz, Rückzahlungsdynamiken,
Risikosteuerung und nachhaltigen Wirkungen von Darlehen der Finanziellen
Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern
Ein Artikel der „Berliner Zeitung“ vom 16. September 2025 (https://
www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/43-milliarden-
euroentwicklungshilfe-auf-pump-wie-viel-geld-wird-zurueckgezahlt-li.2357143;
„43 Mrd. Euro Entwicklungshilfe auf Pump: Wieviel Geld wird
zurückgezahlt?“) beleuchtet die Vergabe von Darlehen durch die Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) im Auftrag der Bundesregierung in Höhe von 43,3 Mrd. Euro
seit 2017 im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit. Er weist auf erhebliche
Defizite in der Transparenz hinsichtlich Rückzahlungen, Zahlungsausfällen,
Abschreibungen und Refinanzierungsmechanismen hin und nennt eine
durchschnittliche Rückzahlungsquote von 94 Prozent für die Jahre 2022 bis 2024
(ebd.).
Angesichts der angespannten Haushaltslage in Deutschland, der Notwendigkeit
evidenzbasierter Politikgestaltung und der zentralen Rolle einer nachhaltigen
Entwicklungszusammenarbeit zielt diese Anfrage auf einen maximalen
Erkenntnisgewinn ab. Sie soll eine fundierte Grundlage für die Optimierung der
Finanziellen Zusammenarbeit schaffen und die öffentliche Nachvollziehbarkeit
stärken.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welches Gesamtvolumen an Darlehen hat die KfW im Auftrag der
Bundesregierung im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 25. September 2025 im
Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und
Schwellenländern zugesagt, und wie verteilt sich dieses Volumen auf
Kalenderjahre, Empfängerländer, Projekttypen (z. B. Infrastruktur,
erneuerbare Energien, Bildung), Kreditkonditionen (Zinssatz, Laufzeit,
Tilgungsmodalitäten, Gnadenfristen) und Finanzierungsquellen
(Bundeshaushaltsmittel vs. Kapitalmarktrefinanzierung) (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
2. Welches Gesamtvolumen an Darlehen war zum Stichtag 25. September
2025 ausstehend, und wie verteilt sich dieses Volumen auf Zusagejahre,
Empfängerländer, Projekttypen, Finanzierungsquellen und
Risikokategorien (gemäß KfW-internen Bewertungen), einschließlich einer Analyse der
Altersstruktur der Darlehen (Restlaufzeiten weniger als fünf Jahre, fünf
bis zehn Jahre, mehr als 10 Jahre; vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
3. Wie hoch waren die tatsächlichen Rückzahlungssummen für Darlehen aus
Bundeshaushaltsmitteln in den Kalenderjahren 2017 bis 2024 sowie vom
1. Januar bis 25. September 2025, und wie verteilen sich diese
Rückzahlungen auf Jahre, Empfängerländer, Projekttypen und Soll- vs. Ist-
Summen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
4. Welche exakten Rückzahlungsquoten (in Prozent, definiert als Ist- bzw.
Soll-Verhältnis) wurden für Darlehen aus Bundeshaushaltsmitteln in
jedem Kalenderjahr von 2017 bis 2024 sowie vom 1. Januar bis 25.
September 2025 erzielt, und wie viele Zahlungsausfälle oder
Zahlungsverzögerungen gab es pro Jahr, einschließlich der betroffenen Beträge,
Empfängerländer, Projekttypen und Dauer der Verzögerungen (in Monaten) (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
5. In welchem Umfang wurden Darlehen im Zeitraum vom 1. Januar 2017
bis 25. September 2025 vollständig oder teilweise abgeschrieben, und wie
verteilen sich die Abschreibungsbeträge (absolut und relativ zum
ursprünglichen Kreditvolumen) auf Jahre, Empfängerländer, Projekttypen
und Gründe wie Zahlungsunfähigkeit, politische Entscheidungen oder
Naturkatastrophen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Wie viele Fälle von Zahlungsschwierigkeiten führten im Zeitraum vom
1. Januar 2017 bis 25. September 2025 zu Restrukturierungen (z. B.
Laufzeitverlängerung, Zinsreduktion), und wie hoch waren die betroffenen
Gesamtbeträge, einschließlich einer Aufschlüsselung nach Jahren,
Empfängerländern, Projekttypen, Art der Restrukturierung und resultierenden
Nettoverlusten für den Bundeshaushalt (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
7. Welche Gesamtsummen an Zahlungsausfällen, Abschreibungen oder
Restrukturierungen wurden für Darlehen, die die KfW am Kapitalmarkt
refinanziert hat, im Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 25. September 2025
verzeichnet, und wie verteilen sich diese auf Jahre, Empfängerländer,
Projekttypen und betroffene Volumina, einschließlich einer Quantifizierung
des Ausfallrisikos (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
8. Wie werden Rückzahlungen aus Darlehen (aus Bundeshaushaltsmitteln
und kapitalmarktrefinanziert) bilanziell verbucht, und inwieweit fließen
sie in neue Entwicklungsprojekte oder andere Haushaltszwecke ein,
einschließlich einer Darstellung der Rückflüsse, Rückstellungen für
Ausfallrisiken und Auswirkungen auf den Nettoschuldenstand der
Bundesrepublik Deutschland (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
9. Welche Mechanismen gewährleisten die Transparenz der
Rückzahlungsprozesse unter Berücksichtigung des Bankgeheimnisses, und wie
detailliert werden Rückzahlungsdaten im Einzelplan 23 des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
veröffentlicht, einschließlich Vorschlägen zur Verbesserung der Transparenz
durch anonymisierte, länderspezifische oder projektspezifische Daten
basierend auf Best Practices internationaler Institutionen wie der Weltbank
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
10. Wie wird die nachhaltige Wirkung der finanzierten Projekte (z. B. Just
Energy Transition Partnerships (JETP)) systematisch evaluiert, und
welche Indikatoren (z. B. CO₂-Reduktion, Beschäftigungseffekte,
Armutsreduktion) werden verwendet, um den Return on Investment jenseits
monetärer Rückzahlungen zu bewerten (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
11. Welche Kriterien und Prozesse werden bei der Vergabe von Darlehen
angewandt, um die Kreditwürdigkeit von Empfängerländern zu bewerten,
und wie werden diese Kriterien mit den entwicklungspolitischen Zielen
(z. B. Klimaschutz, Armutsbekämpfung) abgeglichen, einschließlich einer
Analyse der Entscheidungsfindung für das 500-Millionen-Euro-Darlehen
an Südafrika (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
12. Wie hoch ist der Anteil der Darlehen, die im Zeitraum vom 1. Januar 2017
bis 25. September 2025 an Länder mit hohem Ausfallrisiko (gemäß
internen KfW-Bewertungen) vergeben wurden, und wie werden solche Risiken
im Vergabeprozess berücksichtigt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
13. Welche Rolle spielen multilaterale Kooperationen (z. B. G7, Just Energy
Transition Partnerships) bei der Vergabe und Überwachung von Darlehen,
und wie wird sichergestellt, dass die deutschen Beiträge in diesen
Partnerschaften transparent und effektiv eingesetzt werden (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
14. Wie wird die langfristige fiskalische Nachhaltigkeit der Finanziellen
Zusammenarbeit gewährleistet, insbesondere angesichts potenzieller
Ausfälle oder Abschreibungen, und welche Szenarioanalysen führt die
Bundesregierung durch, um Haushaltsrisiken zu minimieren (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
15. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die Wirksamkeit
der finanzierten Projekte in Bezug auf entwicklungspolitische Ziele zu
maximieren, und wie werden die Erkenntnisse aus Projekten mit
Zahlungsausfällen oder Abschreibungen in die zukünftige Projektplanung
integriert (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
16. Wie wird die Refinanzierung der KfW-Darlehen am Kapitalmarkt
organisiert, und welche Auswirkungen haben Zinssatzänderungen oder
Marktvolatilitäten auf die Kostenstruktur dieser Darlehen, einschließlich einer
Analyse der Absicherungsstrategien der KfW (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
17. Inwiefern werden die Rückzahlungserfahrungen einzelner Projekte
systematisch dokumentiert und analysiert, um die Vergabekriterien für
zukünftige Projekte zu optimieren, und welche Datenbanken oder
Berichtssysteme werden hierfür genutzt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
18. Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen in
Empfängerländern bei der Überwachung und Sicherstellung der
Rückzahlungen, und wie wird die Kapazität dieser Institutionen bewertet, bevor
Darlehen vergeben werden (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
19. Wie hoch ist der administrative Aufwand (in Euro und Personalstunden)
für die Verwaltung und Überwachung der Darlehen im Rahmen der
Finanziellen Zusammenarbeit, und wie verhält sich dieser Aufwand im
Verhältnis zu den zurückgezahlten Beträgen (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
20. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Transparenz und
öffentliche Nachvollziehbarkeit der Finanziellen Zusammenarbeit zu
erhöhen, insbesondere hinsichtlich der Kommunikation von
Rückzahlungsquoten, Ausfällen und entwicklungspolitischen Wirkungen, und wie
könnten diese Maßnahmen mit internationalen Standards abgeglichen werden
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
21. Welche Mechanismen werden angewendet, um die Einhaltung von
Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) in den finanzierten
Projekten sicherzustellen, und wie wird die Einhaltung über die
Projektlaufzeit überwacht, einschließlich Fallbeispielen für Verstöße und deren
Konsequenzen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
22. Wie berücksichtigt die Bundesregierung ggf. die Wechselwirkungen
zwischen der Finanzierung internationaler Projekte und den fiskalischen
Einschränkungen in deutschen Kommunen, und welche
Priorisierungskriterien werden angewandt, um nationale und internationale Investitionsbedarfe
auszubalancieren (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
23. Welche Frühwarnsysteme und Risikomanagementstrategien nutzt die
KfW, um Zahlungsausfälle frühzeitig zu identifizieren, und wie effektiv
waren diese Systeme in den Jahren 2017 bis 2025, gemessen an der
Anzahl und dem Volumen verhinderter Ausfälle (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
24. Wie hoch ist der Anteil multilateraler vs. bilateraler Finanzierungen im
Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 25. September 2025, und wie wird die
Risikodiversifikation durch multilaterale Partnerschaften (z. B. G7, JETP)
sichergestellt, einschließlich konkreter Beispiele für erfolgreiche oder
problematische Kooperationen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
25. Welche langfristigen Strategien verfolgt die Bundesregierung ggf., um die
Rückzahlungsquote zu erhöhen und Abschreibungsrisiken zu minimieren,
einschließlich geplanter Reformen der Kreditvergabepolitik und
Maßnahmen zur Kapazitätsförderung in Empfängerländern bis 2030 (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Berlin, den 20. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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