Sofortplan für die Zukunft der Automobilindustrie - Wettbewerbsfähigkeit stärken, Beschäftigung sichern, Klimaziele erreichen
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Sofortplan für die Zukunft der Automobilindustrie - Wettbewerbsfähigkeit stärken, Beschäftigung sichern, Klimaziele erreichen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2233
21. Wahlperiode 15.10.2025
Antrag
der Abgeordneten Julian Joswig, Swantje Henrike Michaelsen, Michael
Kellner, Dr. Julia Verlinden, Dr. Sandra Detzer, Andreas Audretsch, Sascha
Müller, Matthias Gastel, Katrin Uhlig, Dr. Alaa Alhamwi, Sandra Stein, Ayse
Asar, Chantal Kopf, Sylvia Rietenberg, Max Lucks und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Sofortplan für die Zukunft der Automobilindustrie – Wettbewerbsfähigkeit
stärken, Beschäftigung sichern, Klimaziele erreichen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Es ist jetzt an der Zeit, entscheidende Punkte für die Zukunft der Automobil- und
Zuliefererindustrie umzusetzen. Klare Planungssicherheit und Zuverlässigkeit, starker
Rückenwind für die Zukunftstechnologie Elektromobilität und die klare Zusage an
gute Arbeitsplätze brauchen mehr als ein Gipfeltreffen.
Die Automobilindustrie steht mit rund 770.000 direkten Arbeitsplätzen allein in
Deutschland vor einem historischen Wendepunkt. Elektroautos und elektrische
Nutzfahrzeuge gewinnen weltweit rasant an Bedeutung, Batterietechnologien entwickeln
sich weiter und die Nachfrage nach klimafreundlicher Mobilität steigt kontinuierlich.
Länder wie China erreichen bereits einen Elektroanteil von rund 30 Prozent am
Neuwagenmarkt – in Südostasien liegen die Wachstumsraten noch höher. Dadurch sinkt
auch die Nachfrage nach deutschen Verbrennern innerhalb der relevantesten
Exportmärkte der deutschen Automobilindustrie.
Europa steht damit unter erheblichem Handlungsdruck. Nach Jahren, in denen
deutsche Autobauer stark vom Absatz in China profitierten, drängen nun chinesische
Hersteller mit kompakten, bezahlbaren E-Autos auf den europäischen Markt. Zudem
setzen die hohen US-Zölle der deutschen Automobilwirtschaft erheblich zu. Wer jetzt
zögert oder auf vermeintliche „Technologieoffenheit“ setzt, riskiert den
technologischen Anschluss zu verlieren. Die Zukunft der modernen Automobil- und
Zuliefererindustrie entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit Europas, hunderttausende
Arbeitsplätze und über die Frage, wie Autofahren künftig bezahlbar, sicher und
zugänglich für alle Menschen bleibt.
Eine erfolgreiche Antriebswende gelingt nur, wenn ökonomische Stärke, soziale
Sicherheit und ökologische Verantwortung zusammengedacht werden. Dafür braucht es
klare politische Leitplanken und gezielte Investitionsanreize für Elektromobilität,
Ladeinfrastruktur, Rohstoffprojekte, Batterietechnologie und Kreislaufwirtschaft. Statt
Symbolpolitik, Scheindebatten und kurzfristiger Gipfeltreffen braucht es jetzt einen
verbindlichen, sozial gerechten und industriepolitisch wirksamen Sofortplan für die
Zukunft der europäischen Automobil- und Zuliefererindustrie – einen Plan, der
Investitionen fördert, Arbeitsplätze sichert und den Umstieg auf Elektromobilität
beschleunigt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
auf nationaler und europäischer Ebene folgende Maßnahmen zügig umzusetzen:
1. Das vereinbarte Ende der Neuzulassungen von Pkw mit fossilen
Verbrennungsmotoren ab 2035 auf EU-Ebene im Sinne der Planungs- und
Investitionssicherheit zu bekräftigen und keine neuen Ausnahmen oder Aufweichungen
anzustreben.
2. Die Kfz-Steuerbefreiung für E-Autos bis 2035 zu verlängern und ein Bonus-
Malus-System in der Kfz-Besteuerung einzuführen sowie das Dieselprivileg
schrittweise abzubauen.
3. Die steuerliche Förderung der Unternehmensflotten konsequent auf
Elektrofahrzeuge auszurichten und die Subventionierung von Verbrennerfahrzeugen zu
beenden.
4. Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zu verbrauchsarmen
Elektroautos zu ermöglichen, durch staatliche Zuschüsse die Leasingraten zu senken, zu
prüfen, wie gerade Menschen im ländlichen Raum unterstützt werden können,
und nach dem Vorbild des erfolgreichen französischen Modells das Social
Leasing an die europäische Produktion zu koppeln.
5. Die Nachfrage für Elektrobusse über staatliche Förderprogramme ausbauen.
6. Einen verbindlichen Ausbauplan mit jährlich festgelegten Zielmarken für E-
Ladepunkte vorzulegen, der insbesondere ländliche Regionen sowie
Mehrfamilienhäuser und Arbeitsorte berücksichtigt, und sicherzustellen, dass das Laden von
Elektrofahrzeugen an öffentlichen wie privaten Ladepunkten zu fairen
Strompreisen möglich ist. Zudem ist die Stromsteuer für alle auf das europäische
Mindestmaß zu senken, um das Laden von Elektrofahrzeugen bezahlbarer zu machen.
7. Einen verlässlichen Brückenstrompreis für Industriebetriebe einzuführen, um
Produktionskosten zu senken, Standortabwanderungen zu verhindern und
Investitionen in Batteriezellfabriken zu sichern.
8. Ein europäisches Investitionsprogramm zur Forschung, Entwicklung und
Produktion von Batteriezellen und -modulen für elektrische Pkw, Busse und Lkw
aufzusetzen, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Europa jetzt und in Zukunft
zu sichern.
9. Strategische Partnerschaften mit Förderländern für Lithium, Nickel und Kobalt –
sowie für weitere kritische Rohstoffe des CRMA – auf Basis hoher ökologischer
und sozialer Standards auszubauen, sowie Recycling und Wiederverwendung von
Batteriematerialien in der EU massiv zu fördern.
10. Nationale Regeln einzuführen, die Batteriereparatur, Austauschbarkeit und
Recycling verbindlich regeln, um Rohstoffe zu sparen und neue Beschäftigung im
Bereich der Kreislaufwirtschaft zu schaffen.
11. Beratungs- und Weiterbildungsprogramme für Zulieferbetriebe und Beschäftigte
auch branchenübergreifend auf- und auszubauen, die Aufstockung im
Zukunftsfonds Automobilindustrie langfristig zu sichern sowie Forschungs- und
Industriekooperationen im Bereich Software, Sensorik und Leichtbau zu fördern, um
insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) beim Wandel
gezielt zu unterstützen.
Berlin, den 14. Oktober 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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