Drohende Abhängigkeiten durch den Energiedeal EU-USA
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Drohende Abhängigkeiten durch den Energiedeal EU-USA
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2148
21. Wahlperiode 10.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Michael Kellner, Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Lisa Badum,
Dr. Alaa Alhamwi, Katharina Beck, Katrin Uhlig, Rebecca Lenhard, Claudia Müller,
Sandra Stein, Johannes Wagner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drohende Abhängigkeiten durch den Energiedeal EU-USA
Die Europäische Union und die USA haben am 27. Juli 2025 einen Deal
geschlossen, um den seit Monaten andauernden Zollkonflikt zu entschärfen. In
diesem Rahmen hat die EU unter anderem zugesagt, Energie – vor allem
Flüssiggas und Öl – im Wert von 750 Mrd. US-Dollar aus den USA zu kaufen,
während die USA im Gegenzug Zölle auf EU-Importe senken (https://germany.
representation.ec.europa.eu/news/das-eu-us-handelsabkommen-erlautert-energi
easpekte-2025-07-31_de). Bis jetzt gibt es keine Folgenabschätzung der im
Deal getroffenen Vereinbarungen, obwohl sich weitreichende Konsequenzen
für die Energieversorgung der EU ergeben – insbesondere die erneute
Abhängigkeit von einem Lieferanten. Zudem stehen dauerhaft hohe Importmengen
von Fracking-Öl und Gas aus den USA in einem Widerspruch zu dem erklärten
Ziel der Europäischen Union, die Abhängigkeiten von fossilen Energien zu
verringern und Klimaneutralität zu erreichen. Dieses Ziel wurde zuletzt vom
Internationalen Gerichtshof (IGH) unterstrichen, der in seinem Gutachten zum
Klimaschutz vom 23. Juli 2025 die völkerrechtlichen Klimaschutzpflichten der
Staaten darlegt und die Konsequenzen bei Nichtbeachtung aufgezeigt hat.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Liegt der Bundesregierung ein sogenanntes „written agreement“ zum EU-
US-Zolldeal vor, und wenn ja, wie lautet der Inhalt?
2. Ist der Deal im Rahmen der gemeinsamen Erklärung vom 21. August
2025 rechtsverbindlich, wenn nein, warum noch nicht, und als wie
realistisch wird eine vollständige Umsetzung des Deals von der
Bundesregierung eingeschätzt?
3. Wie bewertet die Bundesregierung die Diskussionen und möglichen
Änderungsanträge zu den Umsetzungsverordnungen des Deals im
Europäischen Parlament vor dem Hintergrund der Formulierung „The United
States expects the European Union’s legislative proposals will be
consistent with this Framework Agreement and enacted by the necessary
legislatures.“ im „joint statement“, und wie positioniert sich die
Bundesregierung im Rat im Kontext der Kritik am Deal?
4. Auf welche Summen (in Euro) beliefen sich nach Kenntnis der
Bundesregierung in den vergangenen fünf Jahren jeweils die Importe aus den
USA in die EU von
a) Kohle,
b) Gas,
c) Öl?
5. Welche Lieferverträge bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung
zwischen US-amerikanischen Unternehmen, dem internationalen
Energieunternehmen Uniper und dem internationalen Energieunternehmen SEFE,
sind Ausweitungen der entsprechenden Verträge angedacht, und wenn ja,
warum?
6. Hält die Bunderegierung eine Energieabhängigkeit der EU von den USA
durch die im Deal vorgesehenen massiven Energieimporte für möglich,
wenn nein, warum nicht, und wenn ja, wie plant sie, die
Energiesouveränität Deutschlands dennoch weiter auszubauen bzw. zu verteidigen?
7. Wie bewertet die Bundesregierung die von US-Energieminister Chris
Wright getätigte Ankündigung, die USA wolle russische Energieimporte
in die EU ersetzen (https://euractiv.de/news/interview-trumps-energiemini
ster-sieht-langfristige-eu-abhaengigkeit-von-den-usa/), mit Blick auf das
EU-Sanktionsregime für Energieträger aus Russland?
8. Welche Auswirkungen haben der Deal und die Ankündigung des US-
Energieministers Chris Wright nach Einschätzung der Bundesregierung
auf die freie Wahl von Handelspartnern für europäische
Energieunternehmen in der Zukunft?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die jetzige Einigung, fossile Energien
im Wert von 750 Mrd. Euro einzukaufen, unter dem Gesichtspunkt der
Ziele des European Green Deals (www.tagesschau.de/ausland/green-deal-
101.html)?
10. Wie erklärt die Bundesregierung vor dem Hintergrund des IGH-
Gutachtens vom 23. Juli 2025 zur völkerrechtlichen
Klimaschutzverpflichtung von Staaten den Energiedeal zwischen der EU und den USA?
11. Wie schätzt die Bundesregierung die Auswirkung des Energiedeals auf die
Gaslieferungen aus Russland, Norwegen und Katar nach Deutschland ein?
12. Wie schätzt die Bundesregierung die Auswirkung des Energiedeals auf die
Öllieferungen aus Kasachstan nach Deutschland ein?
13. Liegen der Bundesregierung für die Nordstream-Pipelines
Interessenbekundungen zu Kauf, Betrieb und Nutzung aus den USA vor, und wenn ja,
welche?
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis von Plänen oder Verfahren zur
Investitionsprüfung zur Übernahme weiterer kritischer Infrastruktur durch US-
amerikanische Unternehmen, und wenn ja, welche?
15. Wie schätzt die Bundesregierung die in vielen Medien zu diversen
Anlässen berichtete Sorge um die Meinungsfreiheit in den USA ein (www.zdfh
eute.de/politik/usa-meinungsfreiheit-interview-jason-stanley-100.html)?
16. Hat die Bundesregierung Sorge vor Erpressungen durch die USA mittels
Energielieferung bzw. Einstellung selbiger oder vor Sanktionen durch die
USA bei Nichterfüllung der zugesagten Energieimporte im Rahmen des
Energiedeals?
17. Wie bewertet die Bundesregierung die WTO-Kompatibilität (WTO =
World Trade Organization) des Energiedeals, insbesondere im Hinblick
auf eine mögliche Diskriminierung anderer Handelspartner, und liegen ihr
Hinweise dazu vor, dass der Deal zu handelspolitischen Konflikten mit
Drittstaaten führen könnte?
18. Wie hoch sind nach Einschätzung der Bundesregierung die erwarteten
Belastungen für den Bundeshaushalt durch den Energiedeal (z. B. Garantien,
Förderungen, Beihilfen für Infrastruktur), und welche Auswirkungen hat
die langfristige Bindung an fossile Importe auf Investitionen in
erneuerbare Energien in Deutschland und der EU?
19. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu den Forderungen des US-
Energieministers Chris Wright, wonach die EU zentrale Gesetze wie den
CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), die Methan-Verordnung und
die Lieferkettenrichtlinie „massiv verändern“ müsse, um rechtliche
Risiken für fossile Importeure abzuräumen und den Deal mit den USA
einzuhalten (www.ft.com/content/22f9fa8c-4641-4d7f-ac3b-5c16cbac5128)?
Berlin, den 8. Oktober 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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