Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkteinstieg (Antwort zu Drs. 21/7421)
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Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkteinstieg (Antwort zu Drs. 21/7421)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7620
21. Wahlperiode 13.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Gerrit Huy, Carsten Becker, Achim
Köhler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/7421 –
Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkteinstieg
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt zunehmend und eröffnet
Unternehmen neue Möglichkeiten zur Automatisierung von Arbeitsabläufen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei nach Auffassung der Fragesteller
die Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Arbeitsmarkt und auf den
Berufseinstieg.
Erste Erkenntnisse aus Deutschland deuten darauf hin, dass sich diese
Entwicklung bereits auf Tätigkeiten auswirkt, die bisher typischerweise von
Berufseinsteigern ausgeführt wurden. Laut einer Umfrage des ifo Instituts setzen
bereits 14 Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz für entsprechende
Aufgaben ein. Weitere 40 Prozent erwarten, dass KI innerhalb der
kommenden drei Jahre Tätigkeiten übernehmen wird, die bislang häufig von
Berufseinsteigern ausgeführt wurden (vgl. www.ifo.de/fakten/2026-01-19/berufseins
teigerinnen-im-fokus-unternehmen-setzen-auf-soft-skills-und-ki).
Unter den Unternehmen, die bereits KI einsetzen, halten knapp 20 Prozent es
für leicht oder sehr leicht, Hochschulabsolventen teilweise durch KI-gestützte,
geringer qualifizierte Beschäftigte zu ersetzen. Rund 15 Prozent sehen sogar
die Möglichkeit, Berufserfahrung durch KI-Unterstützung teilweise zu
kompensieren (vgl. www.ifo.de/fakten/2026-06-12/erste-unternehmen-sehen-kuen
stliche-intelligenz-als-alternative-zu-qualifikation).
Ergänzend dazu berichten internationale Studien, wie die des Schweizer
Dienstleistungsunternehmens JobCloud AG (vgl. www.jobcloud.ch/c/de-ch/bl
og/erster-jobs-ch-ki-report-ki-veraendert-den-berufseinstieg-und-
verunsichertjunge-arbeitnehmende/), dass die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für
Berufseinsteiger seit der Einführung von KI Ende 2022 um 32 Prozent
zurückgegangen ist. Laut der Studie sind insbesondere Berufsfelder in den Bereichen
Administration, Marketing, Finanzen und Informationstechnologie betroffen.
Ob und in welchem Umfang diese Entwicklung auf den Einsatz Künstlicher
Intelligenz oder auf andere Faktoren – insbesondere die konjunkturelle
Entwicklung – zurückzuführen ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, welche
Erkenntnisse die Bundesregierung über die möglichen Auswirkungen des
zunehmenden Einsatzes Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkteinstieg hat
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom
13. August 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
und welche Maßnahmen sie zur frühzeitigen Beobachtung und Bewertung
dieser Entwicklung ergriffen hat.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklungen im Zusammenhang mit
dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) und ihre Auswirkungen auf den
Arbeitsmarkt insgesamt – und somit insbesondere auch auf Fragen des
Arbeitsmarkteinstiegs, sehr genau. Das erfolgt u. a. im Rahmen des bereits seit 2020
im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) angesiedelten
Observatorium KI in Arbeit und Gesellschaft (kurz: KI-Observatorium). Nach
aktuellem Kenntnisstand der Bundesregierung führt der zunehmende Einsatz von KI
in Deutschland bislang nicht zu einem systematischen Beschäftigungsabbau.
Der digitale Wandel führt aktuell vielmehr zu einem Umbau von Tätigkeiten
und Aufgabenprofilen. KI ersetzt in aller Regel nicht ganze Berufe, sondern
verändert und verschiebt Aufgaben innerhalb von Berufen. Berufe passen sich
an neue technologische Gegebenheiten an; umso wichtiger sind Qualifizierung
bzw. Aus- und Weiterbildung für die gesamte Erwerbsbevölkerung – für
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger genauso wie für bereits im
Berufsleben stehende Personen.
1. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, dass sich die in der
Schweiz beobachtete Entwicklung rückläufiger Einstiegspositionen
infolge des zunehmenden Einsatzes Künstlicher Intelligenz auch in
Deutschland abzeichnen könnte?
2. Welche Beobachtungen liegen der Bundesregierung gegebenenfalls über
mögliche Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf den
Arbeitsmarkteinstieg in Deutschland vor (bitte nach Branchen aufschlüsseln)?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Grundsätzlich sind die Auswirkungen der zunehmenden Verbreitung und
Nutzung von KI auf den Arbeitsmarkt schwer zu trennen von den Folgen der
anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase sowie dem Strukturwandel durch
Demographie, Dekarbonisierung und Digitalisierung. Daten der Bundesagentur
für Arbeit (BA) zeigen, dass die Abgangsrate von Arbeitslosen unter 25 Jahren
in Beschäftigung seit 2019 gesunken ist. Dieser Rückgang erfolgte aber parallel
zur Entwicklung der Abgangsrate aller Arbeitslosen. Es gibt keine Belege
dafür, dass dieser Rückgang kausal mit der Nutzung von KI verbunden ist.
Eine Aufschlüsselung verschiedener Größen am Arbeitsmarkt – wie z. B. die
Zahl gemeldeter, offener Stellen nach Wirtschaftszweigen – lässt keine
Rückschlüsse über die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkteinstieg zu. Der
Bundesregierung liegen keine Beobachtungen nach Wirtschaftszweigen im
Sinne der Fragestellung vor. Wenngleich die Statistik der Bundesagentur für
Arbeit keine kausalen Analysen erlaubt, stehen Informationen zum
Strukturwandel öffentlich zur Verfügung, z. B. unter dem nachfolgenden Link: https://st
atistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Stru
kturwandel-Berufe/Strukturwandel-Berufe-Nav.html?Thema%3Dueb%26DR_
Gebietsstruktur1%3Dd%26Gebiete_Region1%3DDeutschland%26DR_Region
1%3Dd%26DR_Region1_d%3Dd%26mapHadSelection%3Dfalse
Der aus der Studie des Schweizer Unternehmens JobCloud AG bezogene
Zusammenhang zwischen dem Einsatz von KI und dem Rückgang von
Einstiegspositionen in der Schweiz ist aus mehreren Gründen nicht belastbar, u. a., weil
der berichtete Rückgang bereits im Jahr 2022 und damit vor der breiten
Verfügbarkeit generativer KI ab 2023 einsetzte. Eine Bewertung der Studie ist
aufgrund mangelnder Informationen zur Methodik nicht möglich. Auch die US-
Studie, in der erstmals behauptet wurde, dass der Beschäftigungsrückgang der
Berufseinsteigenden auf den Einsatz von KI zurückzuführen sei, (https://digital
economy.stanford.edu/publication/canaries-in-the-coal-mine-six-facts-about-th
e-recent-employment-effects-of-artificial-intelligence), räumen in einem
Update ein, dass sich der Effekt erst ab 2024 belastbar zeigt und daher eher mit der
veränderten Zinspolitik im Zusammenhang steht.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Bundestagsdrucksache 21/3722
verwiesen.
3. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob Unternehmen
infolge des Einsatzes Künstlicher Intelligenz ihre Einstellungs-,
Ausbildungs- oder Einarbeitungspraxis verändert haben, und wenn ja, welche?
7. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung gegebenenfalls aus
der Einschätzung, dass KI-Systeme zunehmend Tätigkeiten übernehmen
könnten, die bislang dem Kompetenzerwerb und der Einarbeitung von
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern dienten (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Fragen 3 und 7 werden gemeinsam beantwortet.
Belastbare Aussagen sind derzeit auf Basis verschiedener Studien möglich. Das
KI-Observatorium untersucht die Auswirkungen von KI bereits seit dem Jahr
2020 und stellt so sicher, dass Beschäftigungspolitik vorausschauend gestaltet
wird und technologische Innovationsdynamiken berücksichtigt werden. Mit
dem seit 2021 geförderten Forschungsprojekt „ai:conomics“ werden die
Auswirkungen von KI in der betrieblichen Praxis in experimentellen Feldstudien in
Großunternehmen untersucht. Eine im Rahmen dieses Projekts erstellte
Synthese bestehender Mikroevidenz (Fregin et al. 2026) fasst die aktuelle Forschung
dazu zusammen, wie KI die Arbeit in Betrieben tatsächlich verändert. Demnach
kann KI die Produktivität und Qualität spürbar steigern. Besonders weniger
erfahrene Beschäftigte profitieren davon, da sie schneller lernen und
Leistungslücken schließen. Allerdings setzt ein solch erfolgreicher KI-Einsatz voraus, dass
KI-Anwendungen an konkrete Aufgaben und Prozesse angepasst und
Beschäftigte dazu befähigt werden, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen. Zugleich
verändert KI bislang Arbeit eher, als dass sie sie verdrängt: Während Routine-
Aufgaben an Bedeutung verlieren, gewinnen Bewertung, Kontrolle und
Einordnung von KI-Ergebnissen an Gewicht. Ob die KI-Einführung gelingt,
entscheidet sich deshalb weniger an der Technik als an der Beteiligung der
Beschäftigten, dem Aufbau entsprechender Kompetenzen und transparenter Führung.
Unternehmen werden auch künftig in die Besetzung von Juniorstellen sowie in
strukturierte Ausbildungs- und Einarbeitungsformate investieren müssen, damit
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger die notwendigen Kompetenzen
erwerben können. So lässt sich der Personalbedarf decken und Engpässen bei
Fachkräften vorbeugen. Der Einsatz von KI kann den Kompetenzerwerb
zugleich erleichtern. Adaptive Lernsysteme ermöglichen personalisiertes Lernen
sowie KI-gestütztes Training und Coaching kann die Lernkurve aktiv verkürzen
und hilft insbesondere weniger erfahrenen Beschäftigten, Erfahrungsrückstände
gegenüber Kolleginnen und Kollegen rascher aufzuholen. Statt bei
Neueinstellungen zu sparen, empfiehlt es sich daher zum Beispiel, die Einarbeitungszeit
gezielt zu verkürzen und Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger schneller
an anspruchsvolles Fachwissen und Projektverantwortung heranzuführen.
Zugleich sollten sie bestimmte Aufgaben weiterhin selbst ausüben, um das
Urteilsvermögen aufzubauen, mit dem sich KI-Ergebnisse kritisch bewerten
lassen.
Für den produktiven, sicheren und menschenzentrierten KI-Einsatz ist es aus
Sicht der Bundesregierung zentral, dass Beschäftigte unabhängig von ihrer
Arbeitserfahrung und ihrem Qualifikationsniveau, in der Breite befähigt werden,
mit KI zu arbeiten. Denn in der betrieblichen Praxis entsteht der zusätzliche
Wert erst aus der Mensch-Technik-Interaktion. Investitionen in Qualifizierung
und Weiterbildung sind daher genauso wichtig wie Investitionen in die
technische Infrastruktur. Mit Blick auf die demografische Entwicklung in
Deutschland wäre es zudem kurzsichtig, nicht auszubilden. Die Auszubildenden von
heute sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen und entscheidend
für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls über
mögliche Zusammenhänge zwischen den Veränderungen beim
Arbeitsmarkteinstieg und psychischen Belastungen oder Zukunftsängsten vor?
5. Wie schätzt die Bundesregierung gegebenenfalls das Risko ein, dass der
zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz den Arbeitsmarkteinstieg in
Zukunft nachhaltig erschweren könnte?
Die Fragen 4 und 5 werden gemeinsam beantwortet.
Der zunehmende Einsatz von KI kann den Einstieg für junge Menschen in den
Arbeitsmarkt verändern. Grundsätzlich hat KI großes Potenzial, u. a.
Routineaufgaben zu übernehmen und somit Beschäftigte – Berufseinsteigerinnen und
Berufseinsteiger genauso wie erfahrene Beschäftigte – von repetitiven
Tätigkeiten zu entlasten. Es ist dann eine zentrale Frage der arbeitsorganisatorischen
Gestaltung im Betrieb, inwiefern sich die Tätigkeitsbereiche der Beschäftigten
ändern, wenn KI zum Einsatz kommt.
Die genauen Effekte des zunehmenden Einsatzes von KI auf den Einstieg in
den Arbeitsmarkt sind dabei vielschichtig: Zum einen können sich durch den
Einsatz von KI Tätigkeitsschwerpunkte innerhalb von Berufen verschieben,
sodass künftig andere Qualifikationen und Kompetenzen benötigt werden. Vor
diesem Hintergrund bewerten junge Menschen auch die eigenen beruflichen
Perspektiven. Nach einer Studie der BARMER Krankenversicherung aus dem
Jahr 2026 halten 6 Prozent der Jugendlichen ihre beruflichen Ideen und Pläne
durch KI für sehr gefährdet, weitere 19 Prozent für eher gefährdet. Dagegen
halten 43 Prozent der Jugendlichen ihre beruflichen Pläne für eher nicht und
weitere 24 Prozent für überhaupt nicht gefährdet. Zum anderen kann KI den
Berufseinstieg auch erleichtern, indem sie Bewerbungs- und Lernprozesse
unterstützt, Arbeitsabläufe vereinfacht und die individuelle Produktivität erhöht.
Zudem birgt der Einsatz von KI für einfache Tätigkeiten die Chance, dass
Berufseinsteigenden früher höherwertigere oder kreativere Tätigkeiten übertragen
werden können. Laut dem vom BMAS geförderten Meinungsmonitor
Künstliche Intelligenz (MeMo:KI) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nehmen
Angst, Ärger und Stress gegenüber der Einführung von KI am Arbeitspatz mit
zunehmender eigener Nutzungserfahrung deutlich ab. Unsicherheit ist demnach
vor allem dort ausgeprägt, wo eigene Erfahrung mit der Technologie fehlt.
Jüngere Erwerbstätige nutzen KI signifikant häufiger und bewerten sie nach
Einschätzung der Studienautoren auch positiver als ältere, sodass
Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger von diesem Zusammenhang tendenziell eher
profitieren dürften (Lünich et al., 2026, MeMo:KI Factsheet Nr. 16).
6. Hat sich die Bundesregierung vor dem Hintergrund der ifo-Studie vom
12. Juni 2026 mit der möglichen Gefahr eines verstärkten Lohndrucks auf
Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen auseinandergesetzt und sich
eine eigene Auffassung dazu erarbeitet, wenn diese zunehmend durch KI-
unterstützte, geringer qualifizierte Arbeitskräfte substituiert werden
können, und wenn ja, wie lautet diese Auffassung?
Der Bundesregierung ist die Erhebung des ifo Instituts vom 12. Juni 2026
bekannt. Es handelt sich dabei um eine Einschätzung der befragten Unternehmen,
die bereits KI nutzen, zu hypothetischen Substitutionsmöglichkeiten, nicht um
eine empirische Messung eines tatsächlichen Ersetzens von Arbeitskräften oder
tatsächlich eingetretener Lohn- oder Gehaltseffekte. So hält es knapp ein
Fünftel der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, für leicht oder sehr leicht,
Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen teilweise durch KI
unterstützte, geringer qualifizierte Beschäftigte zu ersetzen, rund vier Fünftel sieht eine
solche Substitution dagegen nicht als leicht umsetzbar an.
Zwar könnte theoretisch Substitution von menschlicher Arbeitskraft durch KI
die Nachfrage nach Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen
schwächen und damit bei ihnen zu sinkenden Löhnen führen. Jedoch sind KI-
Kompetenzen knapp und teuer. Um Produktivitätssteigerungen zu erzielen,
müssen daher gute Mensch-KI-Interaktionen realisiert werden. Um diese zu
erzielen, müssen die KI-Kompetenzen von Hochschulabsolventinnen und
Hochschulabsolventen gestärkt werden. Dies sorgt für einen Ausgleich auf dem
Arbeitsmarkt bei gleichzeitiger Realisierung von Produktivitätssteigerungen auf
Seiten der Unternehmen.
Künstliche Intelligenz ist für die Bundesregierung nicht nur eine technische,
sondern auch eine gesellschaftliche Frage. Der Profit aus dem Einsatz von KI
darf nicht allein den Unternehmen zugutekommen. Auch die Beschäftigten, mit
deren Wissen und Erfahrung neue Wertschöpfung entsteht, müssen an diesem
Wachstum teilhaben. Ob und in welchem Umfang sich daraus tatsächlich ein
Lohndruck auf Einstiegsgehälter ergibt, hängt neben der technischen
Machbarkeit der Aufgaben durch KI auch von betriebsspezifischen, wirtschaftlichen,
organisatorischen, rechtlichen und ethischen Faktoren ab. Eine eigene kausale
Evidenz hierzu liegt der Bundesregierung derzeit nicht vor. Sie wird diese
Entwicklung, u. a. im Rahmen des Observatoriums KI in Arbeit und Gesellschaft
im BMAS weiter beobachten.
8. Werden die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf den
Arbeitsmarkteinstieg durch die Bundesregierung systematisch erfasst oder ausgewertet
(beispielsweise durch das KI-Observatorium des Bundesministeriums für
Arbeit und Soziales), und wenn nein, warum nicht?
Ja. Sowohl im KI-Observatorium des BMAS als auch darüber hinaus im
BMAS bzw. der Bundesregierung werden die Auswirkungen von KI auf die
Arbeitswelt insgesamt und somit auch Entwicklungen bezüglich des
Arbeitsmarkteinstiegs systematisch erfasst und ausgewertet.
9. Welche Vorsorgemaßnahmen hat die Bundesregierung gegebenenfalls
getroffen oder geplant, um möglichen negativen Auswirkungen Künstlicher
Intelligenz auf den Arbeitsmarkteinstieg frühzeitig entgegenzuwirken?
Die Arbeit des BMAS ist – gerade mit Blick auf digitale Technologien wie KI
und ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt – grundsätzlich vorausschauend
ausgerichtet. Beispielhaft dafür steht ein neues Forschungsprojekt
„Schlüsseltechnologien und neue Arbeitswelten: Perspektiven für Jobs, Innovation und
gute Arbeit“ (Informationen unter folgendem Link verfügbar: www.denkfabrik-
bmas.de/schwerpunkte/arbeitsgesellschaft-2040/bmas-forschungsprojekt-zu-sc
hluesseltechnologien). Dabei wird untersucht, wie technologische
Entwicklungen den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Deutschland zukünftig verändern
werden – und welche Auswirkungen daraus für Beschäftigte und Unternehmen
entstehen. In der Analyse kommen auch Ansätze der Strategischen Vorausschau
zum Einsatz, um die Wechselwirkungen verschiedener Einflussfaktoren, z. B.
zwischen geopolitischen und technologischen Dynamiken, abbilden zu können.
Durch den zunehmenden Einsatz von KI gewinnen auch Qualifizierung und
gezielte Weiterbildung an Bedeutung, damit alle Bürgerinnen und Bürger mit KI
arbeiten und sie verantwortungsvoll einsetzen können. Die Bundesregierung
setzt die Nationale Weiterbildungsstrategie in der 21. Legislaturperiode fort
(Bundestagsdrucksache 21/3730). Bis 2030 soll die Weiterbildungsbeteiligung
um 11 Prozentpunkte auf 65 Prozent steigen. Darüber hinaus schlägt das
BMAS vor, KI und Digitalisierung im Rahmen der Weiterentwicklung der
Fachkräftestrategie als zusätzliches Handlungsfeld zu berücksichtigen. Im
laufenden Konsultationsprozess zur Fachkräftestrategie u. a. mit den Ländern und
relevanten Arbeitsmarktakteuren werden Erkenntnisse gewonnen und geeignete
Handlungsansätze identifiziert.
Zudem steht ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot der
Agenturen für Arbeit und der Jobcenter zur Verfügung, um junge Menschen am
Übergang von der Schule in den Beruf bei der Vorbereitung auf eine
Ausbildung und bei deren erfolgreichem Abschluss zu unterstützen. Die
Bundesregierung beobachtet die durch den Einsatz von KI ausgelösten Veränderungen auf
den beruflichen Einstieg von jungen Menschen. Sie überprüft regelmäßig,
inwieweit bestehende Ausbildungs- und Arbeitsmarktförderinstrumente geeignet
sind, den Berufseinstieg junger Menschen – auch unter den durch KI
veränderten Rahmenbedingungen – zu unterstützen. Die Beratung und Vermittlung der
Bundesagentur für Arbeit orientieren sich dabei am individuellen Bedarf. Sie
betrachten die individuellen Stärken, Perspektiven und Potenziale auch im
Hinblick auf KI-Entwicklungen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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