Nachfragen zur Unterstützung der Initiative "Made for Germany" (Antwort zu Drs. 21/1006)
Text
Nachfragen zur Unterstützung der Initiative "Made for Germany" (Antwort zu Drs. 21/1006)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1636
21. Wahlperiode 12.09.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Andreas Mayer, Leif-Erik Holm, Manfred
Schiller, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1006 –
Nachfragen zur Unterstützung der Initiative „Made for Germany“
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Bundeskanzler Friedrich Merz, der Bundesminister der Finanzen, Lars
Klingbeil, und die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina
Reiche, haben sich am 21. Juli 2025 mit Vertretern aus der Wirtschaft bzw. der
Initiative „Made for Germany” („M4G“) im Bundeskanzleramt getroffen
(www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/statement-kanzler-made-for-germ
any-2366322). Der Bundeskanzler gab in seinem Statement zusammen mit
einigen Vertretern der Initiative im Nachgang des Treffens an, dass die
Vertreter der Initiative über viele Investitionsvorhaben berichtet haben, darunter
Investitionen in neue Standorte, in neue Anlagen, in Forschung und
Entwicklung sowie in Infrastrukturen (ebd.). Weiterhin gab er an, dass der Dialog zum
Jahresende oder spätestens zu Beginn des neuen Jahres fortgesetzt werden
solle und Vereinbarungen zwischen der Bundesregierung und der Initiative und
Vorhaben im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD umgesetzt
werden müssten (ebd.).
Kritik von mittelständischen Wirtschaftsverbänden an der Zusammensetzung
des Treffens im Bundeskanzleramt und dass es sich bei dem Treffen um eine
„PR-Aktion“ handle, wies ein Regierungssprecher gegenüber der Presse
zurück: „Das Ganze sei ‚keine PR-Aktion, sondern es ist eine konzertierte
Aktion, mit der Regierung und Industrie zeigen, dass in diesem Land Investitionen
möglich sind und dass sie sich lohnen‘, sagt der Regierungssprecher“ (https://s
z.de/li.3288346).
Aus weiteren Recherchen und Nachfragen der Presse bei den 61 beteiligten
Unternehmen, 8 internationalen Investmentfirmen und der Bundesregierung
geht unter anderem hervor, dass die Initiative „M4G“ im Frühjahr dieses
Jahres 2025 gegründet wurde, das Beratungsunternehmen McKinsey als
Sammelstelle für Meldungen von Investitionsvorhaben der Unternehmen fungierte,
sich die Investitionen auf 631 Milliarden Euro summieren und laut
Regierungssprecher der Bundesregierung nicht bekannt sei, „wie sich die von den
beteiligten Unternehmen angekündigten Investitionen bis zum Jahr 2028 im
Einzelnen zusammensetzen“ (www.zeit.de/2025/32/made-for-germany-investi
tion-unternehmen-friedrich-merz-bundesregierung).
Diese Aussage des Regierungssprechers gegenüber der Presse deckt sich mit
einer zeitgleichen Antwort auf die Schriftliche Frage 84 auf Bundestagsdruck-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
vom 11. September 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
sache 21/1089. „Wie sich die von den beteiligten Unternehmen angekündigten
Investitionen bis zum Jahr 2028 in Neu- und Ersatzinvestitionen aufteilen“,
wisse man nicht, und „hierüber müssten die Unternehmen Auskunft geben“
(ebd.).
Die Fragesteller halten es für problematisch, dass weder die beteiligten
Unternehmen noch die Bundesregierung nach eigener Aussage wissen, wie sich die
vom Bundeskanzler zusammen mit Vertretern der Initiative „M4G“ im
Bundeskanzleramt angekündigten Investitionen zusammensetzen, da dies dem
Vorwurf einer „PR-Aktion“ Vorschub leistet und den Eindruck erweckt, die
Bundesregierung habe sich von Unternehmen für Werbezwecke
instrumentalisieren lassen – auf Kosten der Steuerzahler. Dieser Eindruck sollte bei
zukünftigen Treffen nach Ansicht der Fragesteller vermieden werden.
1. Welche konkreten Erkenntnisse hat die Bundesregierung aus dem Treffen
mit Vertretern der Initiative „M4G“ gewonnen, abseits der nach Ansicht
der Fragesteller trivialen Erkenntnis, dass die im Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD von den die Bundesregierung tragenden
Parteien angekündigten Vorhaben auch von der Bundesregierung umgesetzt
werden sollten?
3. Welche konkreten Vereinbarungen hat die Bundesregierung mit der
Initiative „M4G“ getroffen, die Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem
Treffen im Bundeskanzleramt in seinem Statement gegenüber der Presse
erwähnt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
4. Welche konkreten Ergebnisse wurden auf dem Treffen im
Bundeskanzleramt mit Vertretern der Initiative „M4G“ erzielt (bitte erläutern)?
Die Fragen 1, 3 und 4 werden gemeinsam beantwortet.
Die Mitglieder der privatwirtschaftlichen Initiative „Made for Germany“
(„M4G“) haben im Rahmen des Treffens am 21. Juli 2025 ausdrücklich
wertgeschätzt, dass sich die Bundesregierung auf den Weg gemacht hat, das
Investitions- und Innovationsklima in unserem Land zu verbessern. Zugleich haben die
Mitglieder der Initiative deutlich gemacht, dass es sich lohnt, in Deutschland zu
investieren.
2. Haben sich Vertreter der Initiative „M4G“ bei dem Treffen im
Bundeskanzleramt gegen im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
angekündigte Vorhaben der Bundesregierung ausgesprochen, und wenn
ja, gegen welche Vorhaben (bitte auch die jeweils entsprechende Seite im
Koalitionsvertrag angeben)?
Nein.
5. Hat die Bundesregierung die angekündigten Investitionen auf ihre
Plausibilität und ihre Zusammensetzung überprüft, um sicherzustellen, dass
die angekündigten Investitionen einen realen Hintergrund haben?
a) Wenn ja, wie viele Mrd. Euro wollen die an der Initiative „M4G“
beteiligten Unternehmen nach Kenntnis der Bundesregierung in neue
Standorte in Deutschland investieren, wie viele Mrd. Euro werden in
neue Anlagen in Deutschland investiert, wie viele Mrd. Euro werden
in Deutschland in Forschung und Entwicklung investiert, und wie
viele Mrd. Euro werden seitens der beteiligten Unternehmen in
Deutschland in Infrastruktur investiert?
b) Wenn nein, warum nicht?
6. Welche Investitionsmaßnahmen waren seitens der Bundesregierung vor
der Initiative „Made for Germany“ bereits festgelegt, und welche
zusätzlichen Investitionszusagen oder Projektfortschritte wurden durch das
Treffen am 21. Juli 2025 konkret vereinbart, die über bestehende Pläne
hinausgehen?
7. Hält es die Bundesregierung für geboten, sich über die
Zusammensetzung der angekündigten Investitionen hinsichtlich ihrer Verteilung in
Neuinvestitionen und Ersatzinvestitionen Auskunft geben zu lassen, um
beispielsweise eine Instrumentalisierung der Bundesregierung durch
Unternehmen für eigene Werbezwecke ausschließen zu können (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, wann, und von welchem beteiligten Unternehmen will sich
die Bundesregierung über die Zusammensetzung der angekündigten
Investitionen hinsichtlich ihrer Verteilung nach Neu- und
Ersatzinvestitionen Auskunft geben lassen?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 5 bis 7b werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung begrüßt die Initiative der Unternehmen, ist aber selbst
nicht Teil dieser Initiative. Vielmehr ist es eine Initiative von Unternehmen, die
sich zu Investitionen und zum Standort bekennen. Daher sind der
Bundesregierung auch nur die von der Initiative „Made for Germany“ öffentlich
angekündigten Gesamtinvestitionen von über 600 Mrd. Euro bekannt. Laut Initiative
ergibt sich diese Zahl aus der Summe der Einzelinvestitionen, die von den zum
Zeitpunkt des Treffens am 21. Juli 2025 mehr als 60 an der Initiative beteiligten
Unternehmen an diese gemeldet wurden.
8. Wann und zu welchem Mitglied der Bundesregierung haben Vertreter der
Initiative „M4G“ das erste Mal Kontakt zur Bundesregierung
aufgenommen?
Die Mitglieder der Bundesregierung stehen im ständigen Austausch mit
Unternehmen und Vereinigungen der Privatwirtschaft, zu denen auch die
Unternehmen und die von ihnen getragene Initiative „Made for Germany“ gehören. Über
den genauen Zeitpunkt für eine erste Kontaktaufnahme der Initiative mit einem
Mitglied der Bundesregierung lässt sich daher keine Aussage treffen.
9. Welches Mitglied der Bundesregierung ist direkter Ansprechpartner für
die Initiative „M4G“ (beispielsweise hinsichtlich der Koordination
weiterer Treffen), und welches Ministerium ist zuständig?
Grundsätzlich betrifft das Thema Investitionen je nach Branche eine Reihe von
Ressorts der Bundesregierung, die dazu in ständigem Austausch mit
Unternehmen, Verbänden und Vereinigungen wie „Made for Germany“ stehen. Für die
Vorbereitung des Termins am 21. Juli 2025, an der auch das Bundesministerium
der Finanzen und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beteiligt
waren, lag die Koordinierung beim Bundeskanzleramt. Eine formelle
Zuständigkeit für die unabhängig von der Bundesregierung agierende Initiative „Made
for Germany“ ergibt sich daraus hingegen nicht.
10. Existiert ein Protokoll zum Treffen im Bundeskanzleramt mit Vertretern
der Initiative „M4G“?
a) Wenn ja, wie lange dauerte das Treffen?
b) Wenn ja, wie viele Mitarbeiter der Bundesregierung haben an dem
Treffen teilgenommen?
c) Wenn ja, wie viele Vertreter mittelständischer Unternehmen haben an
dem Treffen teilgenommen?
d) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 10 bis 10d werden gemeinsam beantwortet.
Da es sich bei dem Treffen am 21. Juli 2025 um einen vertraulichen Austausch
zwischen Vertretern der Bundesregierung und der Initiative „Made for
Germany“ handelt, wurde, wie in diesen Fällen üblich, kein Protokoll angefertigt.
11. Welche finanziellen Kosten in Euro und zeitlichen Kosten in Stunden
sind der Bundesregierung bisher durch die Unterstützung der Initiative
„M4G“ und durch das Treffen im Bundeskanzleramt entstanden,
beispielsweise für Personal wie Fotografen, Koordination des Treffens im
Bundeskanzleramt, Bewirtung, etc. (bitte nach Kostenart aufschlüsseln)?
12. Mit welchen finanziellen Kosten in Euro und zeitlichen Kosten in
Stunden rechnet die Bundesregierung für die zukünftige Unterstützung der
Initiative „M4G“?
Die Fragen 11 und 12 werden gemeinsam beantwortet.
Die Kosten im Zusammenhang mit der Initiative „Made for Germany“
beziehen sich auf die Vorbereitung und Durchführung des Treffens am 21. Juli 2025.
Sie lagen im Rahmen des für solche Treffen üblichen Aufwands, lassen sich
aber im Detail nicht genau beziffern. Im Übrigen sieht sich die
Bundesregierung nicht als Unterstützer der Initiative „Made for Germany“. Vielmehr fand
das Treffen als Austausch statt, wie ihn die Bundesregierung auch mit anderen
Vereinigungen und Initiativen der Privatwirtschaft regelmäßig führt.
13. Unterstützt die Bundesregierung die Initiative „M4G“ finanziell,
beispielsweise bei der Finanzierung von Werbeanzeigen?
Die Initiative „Made for Germany“ erhält keine finanzielle Unterstützung
seitens der Bundesregierung.
14. Ist derzeit ein weiteres Treffen zwischen Vertretern der Bundesregierung
und der Initiative „M4G“ geplant, und wenn ja, wann, und wer soll für
die Bundesregierung teilnehmen?
Der Bundeskanzler hat im Rahmen seines Pressestatements im Nachgang zu
dem Treffen am 21. Juli 2025 dazu eingeladen, den Dialog mit der Initiative
entweder zum Jahresende oder zu Beginn des neuen Jahres fortzusetzen, ggf.
auch zwischendurch im kleineren Kreis.
15. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Bruttoanlageninvestitionen und ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland von
2018 bis 2024 real entwickelt, und welche Entwicklung prognostiziert
die Bundesregierung beider Indikatoren für die Gesamtjahre 2025 und
2026 (bitte jährlich aufschlüsseln)?
Amtliche Daten zur Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen sind über das
Statistische Bundesamt öffentlich verfügbar unter:
www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnun
gen-Inlandsprodukt/Publikationen/Downloads-Inlandsprodukt/investitionen-xls
x-5811108.xlsx?__blob=publicationFile&v=41.
Amtliche Daten zu ausländischen Direktinvestitionen werden von der
deutschen Bundesbank unter folgendem Link öffentlich zugänglich gemacht:
www.bundesbank.de/dynamic/action/de/statistiken/zeitreihen-datenbanken/zeit
reihen-datenbank/759778/759778?listId=www_sesbop_aw3_2_2a_w1__t.
In ihrer Frühjahrsprojektion hat die Bundesregierung einen preisbereinigten
Zuwachs der Bruttoanlageinvestitionen um 0,4 Prozent im Jahr 2025 und um
3,2 Prozent im Jahr 2026 angenommen. Die Entwicklung der ausländischen
Direktinvestitionen ist nicht Bestandteil der Projektionen der Bundesregierung.
www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Wirtschaft/Proje
ktionen-der-Bundesregierung/projektionen-der-bundesregierung-fruehjahrsproj
ektion-2025.html.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- answered_by → Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- authored ← Bundesregierung
- part_of_vorgang → Nachfragen zur Unterstützung der Initiative "Made for Germany" (Antwort)