Berichte über Mobbing an Schulen durch religiös motivierte Bekleidungsvorschriften und insbesondere gegen Schülerinnen, die kein Kopftuch tragen (Antwort zu Drs. 21/883)
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Berichte über Mobbing an Schulen durch religiös motivierte Bekleidungsvorschriften und insbesondere gegen Schülerinnen, die kein Kopftuch tragen (Antwort zu Drs. 21/883)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1020
21. Wahlperiode 31.07.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgit Bessin, Martin Reichardt,
Sebastian Maack, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/883 –
Berichte über Mobbing an Schulen durch religiös motivierte
Bekleidungsvorschriften und insbesondere gegen Schülerinnen, die kein
Kopftuch tragen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Fälle von Mobbing und sozialem Druck unter Schülern, insbesondere
gegenüber Mädchen, die kein Kopftuch tragen, nehmen nach Auffassung der
Fragesteller deutlich zu. Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte beispielsweise ein
Bericht über muslimische Kinder, die an Hamburger Schulen Gleichaltrige
unter Druck setzen, welche kein Kopftuch tragen (www.focus.de/panorama/be
aengstigender-trend-in-hamburg-muslimische-schueler-schikanieren-nichtglae
ubige-eltern-und-lehrer-senden-hilferuf_4a171ca7-dc5e-4ef8-b149-e83a89715
c07.html). Berichte über das Mobbing nichtmuslimischer Schüler durch
muslimische Mitschüler tauchen bereits seit mindestens 15 Jahren immer wieder
auf; die Forschungslage zur Thematik ist jedoch bislang nicht sehr weit
vorangeschritten (www.focus.de/panorama/muslimisches-mobbing-in-hamburg-stu
die-laesst-grosses-problem-vermuten_aadaae4a-a0f3-49e5-80cb-786c7bd962b
8.html).
Die frühere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Franziska Giffey adressierte die Thematik religiösen Mobbings an Schulen
bereits 2018 in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ (www.bmfsf
j.de/bmfsfj/aktuelles/reden-und-interviews/dr-franziska-giffey-bei-gewalt-un
d-religioesem-mobbing-muessen-wir-konsequent-reagieren-122934) und
verwies darin auf die aus ihrer Sicht tauglichen Gegenmaßnahmen: „Wir
schicken damit über 170 Anti-Mobbing-Profis an jene Schulen, die Probleme
haben.“ Auf die Frage der „Passauer Neuen Presse“, ob an Brennpunktschulen
„härter durchgegriffen werden“ müsse, wenn es zu Gewalt oder religiösem
Mobbing kommt, führte Giffey als Sanktionsmöglichkeiten lediglich
pädagogische Gespräche sowie die Einbestellung von Eltern und die Einschaltung der
Polizei an (die von ihr angeführte Verhängung von Bußgeldern bezog sich
dagegen nur auf Schulschwänzer).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend vom 30. Juli 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Grundlage für den Einsatz dieser „Anti-Mobbing-Profis“ war das im Jahr
2018 vom damaligen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) ins Leben gerufene Programm „Respect Coaches/Anti-
Mobbing-Profis“ (www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/wissenschaftli
che-begleitung-des-modellprogramms-respekt-coaches-anti-mobbing-profis--1
82702).
Die vom damaligen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend veröffentlichten Ergebnisse einer Befragung dieser „Respect Coaches“
ergab, dass rund 34 Prozent der Befragten die Thematik „Religiöses
Mobbing“ an den von ihnen betreuten Schulen als „sehr bedeutend“ oder
„bedeutend“ einstufen (www.bmfsfj.de/resource/blob/182692/0678edd3d9f9f4fa0ac2
c939420032da/respekt-coaches-endbericht-wissenschaftliche-begleitung-dat
a.pdf, S. 42).
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g :
Ziel schulischer Bildung – neben dem Wissenserwerb – ist es, Kinder und
Jugendliche altersgerecht zu befähigen, sich in der Gesellschaft zu orientieren
und Verantwortung zu übernehmen. Für Schulen sind nach der föderalen
Ordnung des Grundgesetzes die Länder zuständig. Dies gilt ebenso für
Unterrichtsfächer und -inhalte sowie für Lehrkräfte und deren Unterstützung bei
Konflikten und präventiven Maßnahmen beim Umgang mit Mobbing und Gewalt an
Schulen. Unterschiedliche Statistiken, die ggfls. in den Ländern erhoben
werden, lassen sich nur schwerlich vergleichen um daraus Erkenntnisse abzuleiten.
1. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über Fälle von religiös
motiviertem Mobbing an Schulen in Deutschland vor, insbesondere im
Zusammenhang mit von muslimischen Schülern ausgehenden Anfeindungen
gegen Schülerinnen, die kein Kopftuch tragen, und wenn ja, wie viele
(bitte nach Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
2. Ist der Bundesregierung bekannt, dass in bestimmten Schulen ein
erheblicher sozialer Druck auf Mädchen besteht, ein Kopftuch zu tragen, und
wenn ja, inwiefern?
3. Welche Handlungsspielräume haben Schulleitungen und Lehrkräfte über
die in der Vorbemerkung der Fragesteller unter Bezug auf die frühere
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey wiedergegebenen Maßnahmen
hinaus, um gegen religiös motiviertes Mobbing vorzugehen?
Die Fragen 1 bis 3 werden aufgrund des Sachzusammenhangs zusammen
beantwortet.
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
4. Gedenkt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen
und Jugend, das Bundesprogramm „Respect Coaches“ weiterzubetreiben,
und hält es dieses Programm für ein wirksames Mittel gegen die in der
Vorbemerkung der Fragesteller beschriebene Entwicklung?
5. Nahm bzw. nimmt das Bundesprogramm „Respect Coaches“ religiöses
Mobbing durch muslimische Schüler – und speziell gegen Schülerinnen,
die kein Kopftuch tragen – in den Fokus, und wenn ja, inwiefern, und in
welchem Umfang?
Die Fragen 4 und 5 werden aufgrund des Sachzusammenhangs zusammen
beantwortet.
Das Bundesprogramm Respekt Coaches hat sich seit seinem Start im Jahr 2018
in seiner Ausrichtung stets an aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und
den parlamentarisch festgestellten Bedarf angepasst. Es arbeitet
primärpräventiv und phänomenübergreifend. Ziel ist die Primärprävention gegen jede Form
von Extremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, diese
beinhalten auch Themen im Spektrum des religiös begründeten Extremismus/
Islamismus. Seit dem Jahr 2024 legt das Programm einen Schwerpunkt auf
Antisemitismusprävention.
In den primärpräventiven Gruppenangeboten der Fachkräfte werden alle
Schülerinnen und Schüler zu den o. g. Zielen des Programms aktiv. Die
Schülerinnen und Schüler werden dabei auch in ihrer demokratischen Resilienz gestärkt
und erlernen zahlreiche soziale Kompetenzen.
Damit trägt das Programm langfristig auch zu einem gesunden Klassenklima
und Zusammenhalt in der Schule bei und ist ein Beitrag bei der Prävention
gegen Mobbing jeder Art.
6. Welche Unterstützungsangebote existieren für betroffene Schülerinnen,
die sich religiösem Zwang oder Mobbing ausgesetzt sehen?
Da die primäre Zuständigkeit bei den Bundesländern liegt, findet sich in den
Ländern eine Vielzahl von verschiedenen Unterstützungsangeboten, die
teilweise durch Bundesangebote ergänzt werden.
Die Bundesregierung fördert zusätzlich folgende Unterstützungsangebote, die
auch gegen Mobbing an Schulen wirksam sind:
Die Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern der Nummer gegen
Kummer sind eine wichtige Maßnahme der Bundesregierung, die auch gegen
Mobbing an Schulen greift. Im Jahr 2024 wurde allein am Kinder- und
Jugendtelefon (Rufnummer 116 111) das Thema Mobbing in 5 069 Beratungen
(6,1 Prozent aller Beratungen) thematisiert. Die Beratenden hören zu und
versuchen, mit den Ratsuchenden eine Handlungsstrategie für den konkreten
Mobbingfall zu entwickeln.
Im Bundesprogramm Mental Health Coaches des Bundesministeriums für
Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützen Fachkräfte
Schülerinnen und Schüler rund um das Thema psychische Gesundheit. In präventiven
Gruppenangeboten haben Jugendliche die Möglichkeit, offen darüber zu
sprechen, was sie beschäftigt. Sie erfahren, wie sie mit belastenden Situationen
umgehen und ihre Resilienz stärken können. Dabei entscheiden die Schülerinnen
und Schüler selbst mit, welche Themenschwerpunkte gesetzt werden, zu denen
auch Mobbing gehören kann. Somit trägt das Programm unter anderem auch
dazu bei, Fälle von Mobbing an Schulen zu lösen und junge Menschen in die
Hilfsstrukturen vor Ort zu lotsen (www.mental-health-coaches.de/#start).
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ISSN 0722-8333]