Dauerduldungen unattraktiver machen durch Abschaffung der Analogleistungen nach § 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes
Text
Dauerduldungen unattraktiver machen durch Abschaffung der Analogleistungen nach § 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1073
21. Wahlperiode 29.07.2025
Antrag
der Abgeordneten Gerrit Huy, René Springer, Peter Bohnhof, Carsten Becker,
Jan Feser, Hans-Jürgen Goßner, Lukas Rehm, Ulrike Schielke-Ziesing,
Thomas Stephan, Robert Teske, Alexander Arpaschi, Dr. Christina Baum,
Marc Bernhard, Birgit Bessin, Dr. Christoph Birghan, Dr. Michael Blos, René
Bochmann, Erhard Brucker, Marcus Bühl, Thomas Dietz, Tobias Ebenberger,
Hauke Finger, Boris Gamanov, Alexis L. Giersch, Christoph Grimm, Dr. Ingo
Hahn, Lars Haise, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Nicole Höchst,
Steffen Janich, Dr. Malte Kaufmann, Dr. Michael Kaufmann, Rocco Kever,
Kurt Kleinschmidt, Maximilian Kneller, Pierre Lamely, Knuth Meyer-Soltau,
Denis Pauli, Dr. Rainer Rothfuß, Volker Scheurell, Lars Schieske, Carina
Schießl, Jan Wenzel Schmidt, Dr. Paul Schmidt, Georg Schroeter, Bernd
Schuhmann, Martina Uhr, Dr. Alexander Wolf, Dr. Daniel Zerbin, Kay-Uwe
Ziegler, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Dauerduldungen unattraktiver machen durch Abschaffung der
Analogleistungen nach § 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Asylbewerber, Geduldete sowie weitere vom Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)
umfasste Personengruppen erhalten in Deutschland zunächst Leistungen nach dem
AsylbLG. Während der ersten 36 Monate haben sie dabei regelmäßig Anspruch auf
eine Grundversorgung, die in der Erstaufnahmeeinrichtung beginnt.
Im Anschluss jedoch entspricht die Versorgung bei der Hilfe zum Lebensunterhalt
sowie bei der Hilfe zur Krankheit und Pflege grundsätzlich der Versorgung nach dem
Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII). Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr
Asylantrag abgelehnt wurde oder nicht (im Jahr 2025 lag die Ablehnungsquote bei
Asylanträgen in Deutschland bis Ende April bei 81,8 Prozent1). Sie bleiben dann zwar
weiterhin im Regelungsbereich des AsylbLG, wechseln aber zu den sogenannten
Analogleistungen (Leistungen in besonderen Fällen nach § 2 AsylbLG), die in der Höhe
den Leistungen nach SGB II (Bürgergeld) bzw. SGB XII (Sozialhilfe) entsprechen.
Auch haben sie den gleichen Anspruch auf medizinische Versorgung wie Personen,
die Leistungen der Sozialhilfe beziehen, so dass faktisch kein Unterschied mehr zu
gesetzlich Versicherten besteht. Die Abrechnung erfolgt über die gesetzliche Kranken-
1 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/197867/umfrage/abgelehnte-asylantraege-in-deutschland/
(Quelle: destatis vom 13.05.2025 „Ablehnungsquote bei Asylanträgen in Deutschland von 2014 bis 2025“)
versicherung.2 Damit bildet Deutschland europaweit eine Ausnahme 3 und bietet mit
Sozialleistungen, die denen deutscher Sozialhilfeempfänger entsprechen, einen
entscheidenden Pull-Faktor.4
Während das Thema Migration in Deutschland nach wie vor heftig diskutiert wird,
haben fast alle anderen europäischen Länder längst einen drastischen Kurswechsel
vollzogen. Einst als Vorbild für eine humane Asylpolitik bekannt, setzt Schweden
beispielsweise heute auf harte Maßnahmen und strenge Regeln. Im Jahr 2023 gab es nur
noch 12.644 Asylanträge – ein drastischer Unterschied zu den über 160.000 Menschen,
die 2016 nach Schweden kamen. Schweden scheut sich nicht, bis an die Grenzen des
rechtlich Zulässigen zu gehen und alles abzuschaffen, was nicht vom internationalen
und europäischen Recht zwingend vorgeschrieben ist, um ein deutliches Signal der
Abschreckung zu setzen.5
Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat
Deutschland im Jahr 2024 74.622 Rückübernahmeersuche im Rahmen des Dublin-Verfahrens
an andere EU-Staaten gestellt – so viele wie noch nie in einem Jahr. Tatsächlich
zurückgenommen wurden aber nur 5.053 Flüchtlinge. Damit waren nur 6,77 Prozent der
Übernahmeersuchen erfolgreich.6 Allein im Jahr 2024 wurden in Deutschland 250.945
Asylanträge gestellt.7
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf
vorzulegen, der
1. Analogleistungen nach § 2 AsylbLG abschafft;
2. für bisherige Ansprüche auf Analogleistungen nach § 2 AsylbLG angemessene
Übergangsregelungen bis Ende 2025 sicherstellt.
Berlin, den 20. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
2 Vgl. www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerzte-und-kliniken/welche-
gesundheitsleistungen-stehen-asylsuchenden-zu-12312#:~:text=Durch%20eine%20
Neuregelung%20(des%20%C2%A7,Krankenversicherung%20in%20Anspruch%20genommen%20werden. (Quelle:
Verbraucherzentrale, Artikel vom 19.03.2024, „Welche Gesundheitsleistungen stehen Asylsuchenden zu?“)
3 Vgl. www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/asylbewerber-vergleich-leistungen-europa-100.html
(Quelle: Tagesschau, Artikel vom 11.03.2025, „Welche Leistungen bekommen Geflüchtete?“)
4 Vgl. www.tagesspiegel.de/politik/migrationsforscher-ruud-koopmans-olaf-scholz-hat-ein-leeres-und-
ausserst-schadliches-versprechen-in-die-welt-gesetzt-12505250.html (Quelle: Tagesspiegel, Artikel vom
29.10.2024, „Migrationsforscher Ruud Koopmans“)
5 Vgl. www.focus.de/politik/ausland/bemerkenswerte-kehrtwende-schweden-war-mal-liberal-jetzt-
reichtschlechtes-benehmen-fuer-eine-abschiebung_id_260315557.html (Quelle: Focus online, Artikel vom
16.09.2024 „Schwedens knallharte Asylpolitik: „Der Knackpunkt war die Integration“)
6 Vgl. www.bild.de/politik/inland/politik-inland/fluechtlinge-bleiben-hier-eu-staaten-lassen-uns-beim-asyl-
im-stich-86806406.bild.html (Quelle: Bild, Artikel vom 18.01.2025 „EU-Staaten lassen uns beim Thema
Asyl im Stich“)
7 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76095/umfrage/asylantraege-insgesamt-in-deutschland-
seit-1995/ (Quelle: destatis vom 10.01.2025„Anzahl der Asylanträge in Deutschland von 2014 bis 2024“)
Begründung
Der ehemalige Bundeskanzler und die Regierungschefs der Länder haben sich in einer gemeinsamen
Besprechung am 6. November 2023 darauf verständigt, dass die Anreize für eine Sekundärmigration innerhalb Europas
nach Deutschland gesenkt werden müssen. Daher verabredeten sie, dass der bisherige automatische Anspruch
auf die sogenannten Analogleistungen statt bisher nach 18 Monaten künftig erst nach 36 Monaten eintritt.8 Aus
Sicht der Antragsteller reicht eine bloße Verlängerung der Wartefrist nach § 2 AsylbLG jedoch nicht aus, um
diesen Pull-Faktor abzubauen.
Die Ausgaben für Asylbewerberleistungen der Bundesländer beliefen sich im Jahr 2023 auf rund 6,3 Milliarden
Euro.9 Davon entfielen rund 25 Prozent (1,56 Milliarden. Euro) auf Analogleistungen (Leistungen in besonderen
Fällen nach § 2 AsylbLG).10 Laut einer schriftlichen Anfrage der AfD-Fraktion an das Bundesministerium für
Arbeit und Soziales im November 2024, Arbeitsnummer 39, erhielten im Jahr 2023 118.115 Bezieher Hilfe zum
Lebensunterhalt und 67.685 Leistungen nach dem 5. bis 9. Kapitel SGB XII als Analogleistungen nach § 2
AsylbLG. Die häufigsten Nationalitäten dieser Leistungsempfänger waren (absteigend sortiert) irakische,
russische, nigerianische und syrische Staatsangehörige.
Ein Vergleich zeigt, dass sowohl 2023 als auch 2024 ein alleinstehender Asylbewerber (410 Euro/Monat 2023,
460 Euro/Monat 2024) rund 18,3 Prozent weniger bekommt als ein alleinstehender Empfänger von
Analogleistungen (502 Euro/Monat 2023, 563 Euro/Monat 2024). Seit Januar 2025 erhält ein alleinstehender Asylbewerber
441 Euro/Monat und damit rund 22 Prozent weniger als ein alleinstehender Empfänger von Analogleistungen.11
Zudem wird in einem Antrag der AfD-Fraktion vom 24.09.2024, Drs. 20/12960, die Bundesregierung
aufgefordert, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der festlegt, dass für die Dauer des Asylverfahrens bis zur Abschiebung
oder der Anerkennung eines Asylgesuchs eine Versorgung nur in Form notwendiger Sachleistungen erfolgt wie
Essen, Kleidung und Hygienemittel (Brot, Bett und Seife) sowie lediglich eine medizinische Grundversorgung.12
8 Vgl. www.bundestag.de/resource/blob/986462/c13a97b53db6e730db7a28774c646dfe/WD-3-138-23-pdf.pdf (Quelle: Deutscher Bundestag,
Wissenschaftliche Dienste vom 14.12.2023 „Wartefristen für Leistungen m nach § 2 Abs. 1 AsylbLG im Lichte der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts“)
9 Vgl. www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Asylbewerberleistungen/aktuell-asylbewerberleistungen-2023.html (Quelle:
Destatis, zuletzt eingesehen am 20.05.2025 „Asylbewerberleistungen“)
10 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/485434/umfrage/bruttoausgaben-fuer-asylbewerberleistungen-in-deutschland-nach-hilfearten/
(Quelle: Statista, zuletzt eingesehen am 20.05.2025 „Bruttoausgaben für Asylbewerberleistungen in Deutschland nach Hilfearten im Jahr 2023“)
11 Vgl. https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/migrationflucht-asylversorgung.html (Quelle: Mediendienst Integration, Stand
Januar 2025, „Unterbringung und Versorgung“)
12 Vgl. Bundestagsdrucksache 20/12960 (Quelle: dserver.bundestag.de, Antrag „Brot, Bett und Seife – Sachleistungen statt Geldleistungen für
Asylbewerber“)
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- authored ← Alexander Arpaschi (Antrag)
- authored ← Alexander Wolf (Antrag)
- authored ← Alexis L. Giersch (Antrag)
- authored ← Bernd Schuhmann (Antrag)
- authored ← Birgit Bessin (Antrag)
- authored ← Boris Gamanov (Antrag)
- authored ← Carina Schießl (Antrag)
- authored ← Carsten Becker (Antrag)
- authored ← Christina Baum (Antrag)
- authored ← Christoph Birghan (Antrag)
- authored ← Christoph Grimm (Antrag)
- authored ← Daniel Zerbin (Antrag)
- authored ← Denis Pauli (Antrag)
- authored ← Erhard Brucker (Antrag)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Georg Schroeter (Antrag)
- authored ← Gerrit Huy (Antrag)
- authored ← Hans-Jürgen Goßner (Antrag)
- authored ← Hauke Finger (Antrag)
- authored ← Ingo Hahn (Antrag)
- authored ← Jan Feser (Antrag)
- authored ← Jan Wenzel Schmidt (Antrag)
- authored ← Jörg Zirwes (Antrag)
- authored ← Kay-Uwe Ziegler (Antrag)
- authored ← Knuth Meyer-Soltau (Antrag)
- authored ← Kurt Kleinschmidt (Antrag)
- authored ← Lars Haise (Antrag)
- authored ← Lars Schieske (Antrag)
- authored ← Lukas Rehm (Antrag)
- authored ← Malte Kaufmann (Antrag)
- authored ← Marc Bernhard (Antrag)
- authored ← Marcus Bühl (Antrag)
- authored ← Martina Uhr (Antrag)
- authored ← Maximilian Kneller (Antrag)
- authored ← Michael Blos (Antrag)
- authored ← Michael Kaufmann (Antrag)
- authored ← Nicole Höchst (Antrag)
- authored ← Paul Schmidt (Antrag)
- authored ← Peter Bohnhof (Antrag)
- authored ← Pierre Lamely (Antrag)
- authored ← Rainer Rothfuß (Antrag)
- authored ← René Bochmann (Antrag)
- authored ← René Springer (Antrag)
- authored ← Robert Teske (Antrag)
- authored ← Rocco Kever (Antrag)
- authored ← Stefan Henze (Antrag)
- authored ← Steffen Janich (Antrag)
- authored ← Thomas Dietz (Antrag)
- authored ← Thomas Stephan (Antrag)
- authored ← Tobias Ebenberger (Antrag)
- authored ← Udo Theodor Hemmelgarn (Antrag)
- authored ← Ulrich von Zons (Antrag)
- authored ← Ulrike Schielke-Ziesing (Antrag)
- authored ← Volker Scheurell (Antrag)
- part_of_vorgang → Dauerduldungen unattraktiver machen durch Abschaffung der Analogleistungen nach § 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes (Antrag)