Klimaanpassung in Kommunen
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Klimaanpassung in Kommunen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8199
21. Wahlperiode 24.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sahra Mirow, Dr. Fabian Fahl, Violetta Bock, Doris
Achelwilm, Marcel Bauer, Lorenz Gösta Beutin, Jorrit Bosch, Katalin Gennburg,
Vinzenz Glaser, Mareike Hermeier, Ina Latendorf, Caren Lay, Pascal Meiser,
Luigi Pantisano, David Schliesing, Lisa Schubert, Sascha Wagner und der
Fraktion Die Linke
Klimaanpassung in Kommunen
Hitzeperioden, extreme Trockenheit, erhöhte Waldbrandgefahr und Starkregen
nehmen spürbar zu und werden wegen der menschengemachten globalen
Erwärmung künftig weiter an Intensität gewinnen. Für
Klimaanpassungsmaßnahmen sind in erster Linie die Kommunen verantwortlich. Diese stehen ohnehin
schon vor enormen finanziellen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund
drohen dringend notwendige Klimaanpassungsmaßnahmen nicht oder in nicht
ausreichendem Maße stattzufinden.
Laut aktuellen Daten der Europäischen Wetteragentur ist der europäische
Kontinent momentan am stärksten von der Erderwärmung betroffen (www.tagessch
au.de/wissen/klima/negativ-rekord-klima-zustand-100.html). Bereits jetzt sind
die durchschnittlichen Temperaturen in der Bundesrepublik gegenüber
vorindustrieller Zeit um fast 2,5 Grad gestiegen. Daten des Deutschen Wetterdienstes
(DWD) zeigen nun mit einer Gitterweite von 12 Kilometern genau, wo welche
Folgen der Erderwärmung zu erwarten sind (www.dwd.de/DE/presse/pressemit
teilungen/DE/2026/20260331_pressemitteilung_klima_pk_news.html=). In
Deutschland wird es bis zum Ende des 21. Jahrhunderts deutlich wärmer. Diese
Entwicklung fällt besonders stark in Ost- und Süddeutschland aus –
Tropennächte, eine insgesamt höhere Hitzebelastung und maximale
Waldbrandgefahren sind die Folgen (www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/klima-bilanz-deutschla
nd-zwanzigfuenfundzwanzig-dwd-100.html). Mittlerweile belegt ist auch, dass
in Deutschland die Hitze mehr Tote fordert als der Straßenverkehr (https://ta
z.de/Mehr-Tote-durch-Hitze-als-durch-Verkehr/!6192822/).
Mithilfe der Klimadaten des DWD lassen sich für Kommunen zielgenaue
Maßnahmen umsetzen: Wasserrückhaltung, Kühlungsstrategien für Pflegeheime,
Kitas, Schulen und Krankenhäuser sowie Waldbrandprävention. Gleichzeitig
schieben die Kommunen einen nie dagewesenen Investitionsstau vor sich her.
Dieser liegt mittlerweile bei über 231 Mrd. Euro (www.kfw.de/PDF/Downloa
d-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Kommunalpanel/Kf
W-Kommunalpanel-2026.pdf). Zugleich nehmen die Schuldenstände der
Kommunen neue Rekordwerte an. 2025 haben die Kommunen zusammen ein
Finanzierungsdefizit von fast 32 Mrd. Euro ausgewiesen (www.destatis.de/DE/Press
e/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_114_71137.html), was zu einem neuen
kommunalen Gesamtschuldenstand von fast 200 Mrd. Euro führte (www.destat
is.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_125_713.html).
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Gefahren durch erhöhte
Durchschnittstemperaturen allgemein und was sind nach Kenntnis der
Bundesregierung für Kommunen die größten Gefahren durch eine erhöhte
Durchschnittstemperatur?
2. Wie bewertet die Bundesregierung die Situation der Länder hinsichtlich
deren Möglichkeiten zur Klimaanpassung und der
Unterstützungsmöglichkeiten für die Kommunen (bitte nach finanziellen Ressourcen,
Personal in der Verwaltung, technischen Ressourcen, Katastrophenprävention
und Katastrophenabwehr aufschlüsseln)?
3. Sieht die Bundesregierung Unterschiede in der Aufgabenlast zur
Klimaanpassung in den einzelnen Bundesländern, und wenn ja, welche?
4. Wie bewertet die Bundesregierung die verschiedenen Anforderungen
verschiedener Regionen an die Klimaanpassung hinsichtlich ihrer
ökologischen Systemleistungen und zieht die Bundesregierung
Schlussfolgerungen hieraus über die Notwendigkeit, bestimmte
Klimaanpassungsmaßnahmen als Gemeinschaftsaufgabe oder gar als Bundesaufgabe zu etablieren?
5. Wie bewertet die Bundesregierung die Situation der Kommunen
hinsichtlich deren finanziellen, materiellen und personellen Möglichkeiten zur
Klimaanpassung?
6. Wie viel von den in den Haushaltsjahren 2025 und 2026
(voraussichtlicher Mittelabfluss) bereitgestellten Mitteln zur Förderung von
Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind abgeflossen (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln und die begünstigten Kommunen auch unter
Nennung der konkreten Projekte und Fördersummen angeben)?
7. Wie wird bei den drei umfangreichsten Klimaanpassungsprojekten
Partizipation der Bürgerinnen und Bürger gewährleistet?
8. Welche konkreten Pläne hat die Bundesregierung, um die Möglichkeiten
der Klimaanpassung in den Kommunen zu erweitern?
9. Wie soll aus Sicht der Bundesregierung sichergestellt werden, dass
Kommunen trotz angespannter Haushaltslage ausreichend
Klimaanpassungsmaßnahmen umsetzen können?
10. Führt die Bundesregierung volkswirtschaftliche Betrachtungen der
Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosystemleistungen, Infrastruktur und
wirtschaftliche Wertschöpfung durch, und falls ja, zu welchen
Erkenntnissen ist sie gekommen?
11. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Kosten durch fehlende und
nicht ausreichende Klimaanpassungsmaßnahmen auf kommunaler Ebene,
beispielsweise durch fehlenden Hochwasserschutz, Dürreanpassung,
Wald- und Flächenschutz?
12. Wie weit ist die Entwicklung einer Methodik vorangeschritten, damit nach
dem in der Deutschen Anpassungsstrategie 2024 vorgesehen Ziel „Ü-2“
künftig Schadenssummen, die auf Schäden durch Wetterextreme
rückführbar sind, erhoben werden können bzw. wann ist mit dem erfolgreichen
Abschluss zu rechnen?
13. Ist die Bundesregierung im Austausch mit besonders von der
Klimakatastrophe gefährdeten Bundesländern und Kommunen und spricht sie
diesbezüglich mit den kommunalen Spitzenverbänden (bitte die einzelnen
Treffen angeben, die Teilnehmenden und die besprochenen Themen)?
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ird durch die lektorierte Version ersetzt.
14. Beabsichtigt die Bundesregierung analog zu ihren Hitzeschutzplänen und
dem Hitzeservice für Kommunen bundesweite Beratungs-, Informations-,
Frühwarn-, Planungs- oder Unterstützungsangebote für Kommunen im
Bereich der Klimaanpassung für die Folgen von (a) Starkregen und
Überschwemmungen, (b) Dürren und Wasserknappheit, (c) Stürmen und
schweren Gewittern sowie (d) Meeresspiegelanstieg und
Küstenhochwasser zu entwickeln oder auszubauen; wenn ja, welche jeweils, und wenn
nein, warum nicht?
15. Wie rechtfertigt die Bundesregierung, dass ihre Modellvorhaben zur
kommunalen Klimaanpassung keinen regionalen Zuschnitt haben, trotz ihrer
Kenntnis darüber, welche Regionen in welchem Maße vom Klimawandel
betroffen sind (vgl. Bundestagsdrucksache 21/6227, Antwort auf
Frage 12a)?
16. Wird die Bundesregierung Erkenntnisse aus den neuen Datensätzen des
DWD, die mit einer Gitterweite von 12 Kilometern genau zeigen, wo
welche Folgen des Klimawandels zu erwarten sind, in ihre Förderung von
Klimaanpassungsmaßnahmen einfließen lassen?
17. Sind Datensätze von regionalen Klimaprojektionen des DWD für die
Öffentlichkeit verfügbar, und falls ja, wo und in welcher Form?
18. Hält die Bundesregierung die Verfügbarkeit von Datensätzen zu
regionalen Klimamodellierungen für die Öffentlichkeit und insbesondere für
Länder, Kommunen, Behörden, Agrarbetriebe und Wissenschaft für
ausreichend, und falls nicht, plant sie entsprechende Plattformen zu schaffen?
19. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass Ergebnisse der regionalen
Klimamodellierungen des DWD für die interessierte Öffentlichkeit und
kommunale Verwaltungen in einer geeigneten und verständlichen Form
verfügbar sind, und falls nicht, plant sie, hier Abhilfe zu schaffen?
20. Verfügt die Bundesregierung über standardisierte kommunale
Risikoindikatoren auf Basis der neuen Rasterdaten des DWD?
21. Welche Schlussfolgerungen für ihre Förderpolitik hinsichtlich
kommunaler Klimaanpassung zieht die Bundesregierung aus den neuen Datensätzen
des DWD, und der „Kommunalbefragung Klimaanpassung“ (2023) des
Umweltbundesamts, aus der hervorgeht, dass 64 Prozent der befragten
Kommunen einen „sehr hohen“ oder „hohen Handlungsbedarf“ im
Bereich der Klimaanpassung sehen?
22. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über eine mögliche
Veränderung von Dunkelflauten innerhalb der vergangenen 70 Jahre vor und
gibt es Kenntnisse darüber, ob sich hierbei für bestimmte Regionen
Deutschlands unterschiedliche Entwicklungen abzeichnen?
23. Inwiefern steht nach Auffassung der Bundesregierung die Praxis der
Bundesregierung, wonach rund 60 Prozent der Kommunen für Maßnahmen
zur Klimaanpassung Fördermittel des Bundes oder der Länder in
Anspruch nehmen, im Widerspruch zu ihrer Auffassung, dass eine
Breitenförderung des Bundes auf kommunaler Ebene verfassungsrechtlich nicht
zulässig sei, und wie begründet die Bundesregierung diesen nach Ansicht
der Fragestellenden offensichtlichen Widerspruch (vgl. www.umweltbund
esamt.de/system/files/medien/11850/publikationen/34_2024_cc_kommun
albefragung.pdf, S. 54; Bundestagsdrucksache 21/6227, Antwort zu
Fragen 4 bis 6)?
24. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ihrer
Feststellung, dass die angespannte Haushaltslage der Kommunen die Umsetzun-
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gen von Maßnahmen zur Klimaanpassung erschwert (siehe Antwort zu
Frage 3, Drucksache 21/6227)?
25. Unterscheidet sich die kommunale Wärmeplanung von kommunalen
Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen nach Meinung der
Bundesregierung in der Priorität?
26. Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um die
Bekanntheit und Nutzung von Programmen wie, Maßnahmen zur Anpassung an
die Folgen des Klimawandels (DAS), Klimaanpassung in sozialen
Einrichtungen (AnpaSo) und Waldklimafonds zu steigern, insbesondere bei
Landkreisen, Gemeindeverbänden und kreisangehörigen Städten?
27. Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, damit
Publikationen wie der „Hitzeknigge“ oder der Bericht zur „Versorgung gegen
Starkregenereignisse und Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtentwicklung“
häufigere Anwendung in Kommunen finden?
28. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um bei regionaler
Wasserknappheit zwischen betroffenen Kommunen und Bundesländern zu
vermitteln?
29. Wie vermittelt die Bundesregierung bei Zielkonflikten, z. B. bei der
Wasserzufuhr zur Spree, und wie bereitet sich die Bundesregierung darauf vor,
dass nach dem Kohleausstieg die Spree keinen zusätzlichen Wasserzufluss
bekommt?
30. Beabsichtigt die Bundesregierung auf die Bundesländer einzuwirken,
damit diese ihre Kommunen zur Erstellung und Umsetzung von
Hitzeschutzkonzepten verpflichten?
Berlin, den 11. September 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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