Zurückweisungen an den deutschen Grenzen infolge der Weisung des Bundesministers des Innern Alexander Dobrindt
Text
Zurückweisungen an den deutschen Grenzen infolge der Weisung des Bundesministers des Innern Alexander Dobrindt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/524
21. Wahlperiode 19.06.2025
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt und der Fraktion der AfD
Zurückweisungen an den deutschen Grenzen infolge der Weisung des
Bundesministers des Innern Alexander Dobrindt
Am 7. Mai 2025 erteilte der Bundesminister des Innern, Alexander Dobrindt,
die Weisung, dass Asylsuchende an den deutschen Grenzen zurückgewiesen
werden können, sofern sie aus sicheren Drittstaaten einreisen. Ausnahmen
gelten lediglich für vulnerable Gruppen wie Kinder und Schwangere. Obwohl
damit dem § 18 Absatz 2 des Asylgesetzes (AsylG) nicht entsprochen wird –
dieser sieht vor, dass diesen Personen die Einreise verweigert werden muss und
nicht kann –, führte diese Weisung dennoch zu einer signifikanten Erhöhung
der Zurückweisungen (vgl. www.tagesschau.de/inland/dobrindt-zurueckweisun
gen-102.html?utm_source=chatgpt.com).
In der Woche nach Inkrafttreten der Weisung wurden 739 Personen an der
Grenze zurückgewiesen, was einem Anstieg von 45 Prozent im Vergleich zur
Vorwoche entspricht. Unter den Zurückgewiesenen befanden sich auch
Asylsuchende, von denen 32 trotz geäußerten Asylgesuchs zurückgewiesen wurden
(vgl. www.spiegel.de/politik/deutschland/migration-zahl-der-zurueckweisunge
n-laut-alexander-dobrindt-um-45-prozent-gestiegen-a-c26f4d0f-9045-49f2-9d2
4-cffd205f96f1?utm_source=chatgpt.com).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Personen wurden seit dem 7. Mai 2025 an den deutschen
Grenzen zurückgewiesen (bitte nach Kalenderwochen, Grenzübergängen und
Bundesländern aufschlüsseln)?
2. Wie viele dieser Zurückweisungen (vgl. Frage 1) betrafen Personen, die
ein Asylgesuch geäußert haben (bitte nach Kalenderwochen und
Grenzübergängen aufschlüsseln)?
3. Wie viele der zurückgewiesenen Personen gehörten zu den als
„vulnerabel“ definierten Gruppen (bitte nach Kalenderwochen und
Grenzübergängen aufschlüsseln)?
4. Welche Kriterien legt die Bundesregierung bei der Definition von
„vulnerablen Gruppen“ zugrunde?
5. Wie viele der zurückgewiesenen Personen wurden aufgrund fehlender
Einreisedokumente abgewiesen (bitte nach Kalenderwochen und
Grenzübergängen aufschlüsseln)?
6. Wie viele der zurückgewiesenen Personen wurden aufgrund eines bereits
in einem anderen EU-Staat gestellten Asylantrags abgewiesen (bitte nach
Kalenderwochen und Grenzübergängen aufschlüsseln)?
7. Wie viele der zurückgewiesenen Personen wurden aufgrund anderer
Gründe abgewiesen (bitte die Gründe spezifizieren und nach
Kalenderwochen und Grenzübergängen aufschlüsseln)?
8. Wie viele der zurückgewiesenen Personen wurden nach ihrer
Zurückweisung erneut an der Grenze aufgegriffen (bitte nach Kalenderwochen und
Grenzübergängen aufschlüsseln)?
9. Welche rechtlichen Grundlagen wurden für die Weisung des
Bundesinnenministers herangezogen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
10. Wie viele Beschwerden oder Klagen wurden seit dem 7. Mai 2025 gegen
Zurückweisungen an den deutschen Grenzen eingereicht (bitte nach
Kalenderwochen und Gerichtsständen aufschlüsseln)?
11. Wie viele dieser Beschwerden oder Klagen (vgl. Frage 10) wurden
zugunsten der Beschwerdeführer entschieden?
12. Erhalten Bundespolizisten hinsichtlich der Umsetzung der Weisung des
Bundesinnenministers Schulungen oder Anweisungen, und wenn ja,
welche (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
13. Wie wird die Einhaltung der Weisung durch die Bundespolizei kontrolliert
und evaluiert?
14. Haben die Zurückweisungen Auswirkungen auf die Beziehungen zu den
Nachbarstaaten, insbesondere hinsichtlich bilateraler Abkommen und der
Zusammenarbeit im Bereich Migration, und wenn ja, welche?
15. Wie viele Personen wurden seit dem 7. Mai 2025 im Rahmen bilateraler
Abkommen mit Nachbarstaaten zurückgeführt (bitte nach Staaten und
Kalenderwochen aufschlüsseln)?
16. Welche Kosten sind der Bundesrepublik Deutschland durch die
Umsetzung der Weisung des Bundesinnenministers bisher entstanden (bitte nach
Personal-, Sach- und sonstigen Kosten aufschlüsseln)?
17. Wie bewertet die Bundesregierung die Effektivität der Weisung des
Bundesinnenministers hinsichtlich der Reduzierung unerlaubter Einreisen?
18. Plant die Bundesregierung, die Weisung des Bundesinnenministers zu
modifizieren?
19. Wie viele Personen wurden seit dem 1. Januar 2020 durch staatlich
organisierte Maßnahmen (z. B. Charterflüge) nach Deutschland verbracht,
ohne dass sie zuvor auf legalem Weg eingereist waren (bitte nach
Herkunftsstaaten, Aufnahmeprogrammen, Transportmitteln und
Kalenderjahren aufschlüsseln)?
20. Wie viele dieser Personen (vgl. Frage 19) stammten aus Syrien,
Afghanistan oder anderen außereuropäischen Staaten (bitte nach Staat, Jahr und
Maßnahme aufschlüsseln)?
21. In wie vielen Fällen (vgl. Frage 19) handelte es sich um humanitäre
Aufnahmeprogramme, in wie vielen um Evakuierungen oder anderweitige
Regierungsmaßnahmen?
22. Welche rechtlichen Grundlagen nutzt die Bundesregierung für solche
Rückhol- bzw. Einreiseaktionen aus Drittstaaten?
23. Wie viele dieser Personen, die aufgrund von staatlich organisierten
Maßnahmen nach Deutschland kamen, stellten nach ihrer Ankunft einen
Asylantrag (bitte nach Jahr und Herkunftsland aufschlüsseln)?
24. Wie hoch waren die Kosten für diese Maßnahmen seit 2020 (vgl.
Frage 23, bitte nach Jahr, Herkunftsland und Maßnahme aufschlüsseln)?
25. Wie viele der in Frage 23 erfragten Personen haben derzeit einen
anerkannten Schutzstatus in Deutschland, und wie viele Verfahren sind noch
anhängig?
Berlin, den 17. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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