Laborursprung des SARS-CoV-2-Virus
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Laborursprung des SARS-CoV-2-Virus
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/502
21. Wahlperiode 17.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia
Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis
Leonard Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon
Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Laborursprung des SARS-CoV-2-Virus
Im März 2025 berichteten mehrere Medien, dass der Bundesnachrichtendienst
(BND) von der damaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel beauftragt
worden war, die Herkunft des SARS-CoV-2-Virus zu untersuchen (www.tagesspieg
el.de/politik/brisante-bewertung-bisher-geheim-gehalten-bnd-halt-laborunfall-a
ls-ausloser-fur-SARS-CoV-2-pandemie-fur-wahrscheinlich-13353190.html).
Bereits im Jahr 2020 kam der BND zu der Erkenntnis, dass das SARS-CoV-2-
Virus mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 bis 95 Prozent seinen Ursprung in
einem Laborunfall hatte. Das Material soll im Rahmen einer
nachrichtendienstlichen Operation namens „Saaremaa“ beschafft worden sein. Sowohl
Dr. Angela Merkel als auch Olaf Scholz wurden laut Presseberichten darüber in
ihren Amtszeiten als Bundeskanzlerin bzw. Bundeskanzler vom BND
informiert. Unklar ist, ob dies auch für den ehemaligen Bundesminister für
Gesundheit, Jens Spahn, und seinen späteren Amtsnachfolger Dr. Karl Lauterbach gilt.
Bereits im April 2020 behauptete der mittlerweile verstorbene Entdecker des
AIDS-Virus und Medizinnobelpreisträger Luc Montagnier, dass das SARS-
CoV-2-Virus ein Laborprodukt sei (www.suedtirolnews.it/chronik/nobelpreistra
eger-sagt-SARS-CoV-2virus-entstand-im-labor). Selbsternannte Faktenchecker
wie das Recherchekollektiv CORRECTIV versuchten, diese These infrage zu
stellen und zu diskreditieren (correctiv.org/faktencheck/2020/05/20/nein-in-sar
s-cov-2-wurden-nicht-im-labor-sequenzen-von-hiv-eingefuegt/).
Die Fragesteller haben die Bundesregierung mehrfach zum Ursprung des
SARS-CoV-2-Virus befragt. Der BND-Bericht wurde in den Antworten der
Bundesregierung auf die Kleinen Anfragen auf den Bundestagsdrucksachen 20/
13289 und 20/14214 sowie auf die Schriftliche Frage 97 auf
Bundestagsdrucksache 20/10170 bisher nicht als Quelle erwähnt, und stattdessen wurde häufig
auf eine mögliche Zoonose in Wuhan als Entstehungsort verwiesen.
So ist in der Antwort auf die Schriftliche Frage 97 des Abgeordneten
Dr. Rainer Rothfuss auf Bundestagsdrucksache 20/10170 zu lesen: „Die
Bundesregierung verfügt über keine Anhaltspunkte dafür, dass Berater bzw.
Beraterinnen der Bundesregierung in ihr unterstellten Instituten oder Behörden aktiv
Evidenzen zur Labor-Theorie bezüglich des Ursprungs von COVID-19 zu
verschleiern oder unwissenschaftlich zu bekämpfen suchten.“
In der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/129 wurden zudem die
Fragen 6 und 7 gestellt: „6. Liegen der Bundesregierung Unterlagen US-
amerikanischer Geheimdienste zur Theorie eines Laborunfalls (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller) vor, und falls ja, von welchen Diensten? 7. Wenn ja,
strebt die Bundesregierung an, sich diese Erkenntnisse amerikanischer
Geheimdienste über eine Laborunfall-These künftig zunutze zu machen, und wenn ja,
inwiefern (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?“
Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf auf
Bundestagsdrucksache 20/284 lautete: „Am 28. August 2021 veröffentlichte der US
National Intelligence Council (NIC) eine „Unclassified Summary of the US
Intelligence Community Assessment of the Origins of COVID-19“. Diese liegt der
Bundesregierung vor. Die Bundesregierung setzt sich für eine umfassende und
transparente Aufklärung der Ursprünge von SARS-CoV-2 ein, durch
internationale Expertinnen und Experten unter Leitung der WHO. Diese dauert an;
weitere systematische Studien sind erforderlich. Daher ist eine abschließende
Bewertung noch nicht möglich.“
Wir fragen die Bundesregierung:
1. An welchem Datum hat die Bundesregierung den BND beauftragt,
wissenschaftliche Daten chinesischer Forschungseinrichtungen wie dem
Wuhan Institut für Virologie bezüglich eines möglichen Laborursprungs des
SARS-CoV-2-Virus zu erlangen, und wie lauteten die genauen
Auftragsziele?
2. Wurden die Informationen im internationalen Geheimdienstaustausch
verifiziert, und wenn ja, mit welchen Methoden, und mit welchen
Ergebnissen?
3. Welche konkreten Informationen lagen der Regierung der damaligen
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu welchen Zeitpunkten im Jahr 2020
über einen möglichen Laborursprung des SARS-CoV-2-Virus vor, und
welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ggf. ergriffen, um die
Glaubwürdigkeit der Laborthese zu überprüfen, sind nach 2020 weitere
Indizien für oder gegen die Laborthese gefunden worden, welche
Konsequenzen wurden ggf. diskutiert, falls die Laborthese sich als richtig
herausstellt, und welche Rolle spielte das Robert Koch-Institut in der
Bewertung der Laborthese?
4. Gab es eine formelle Stellungnahme der Bundesregierung zu den
Berichten über die Labortheorie, und wenn ja, wie lautet diese?
5. Welche Zweifel gab es ggf. zur wissenschaftlichen Schlüssigkeit der
BND-Berichte innerhalb der Bundesregierung, und wer hat diese Zweifel
in welchem Rahmen geäußert und wann?
6. Aus welchen Gründen wurde entschieden, den BND-Bericht über den
möglichen Laborursprung geheim zu halten, und welche Mitglieder der
Bundesregierung, der Bundesministerien, deren untergeordneten
Behörden und Beratergremien der Bundesregierung waren an dieser
Entscheidung beteiligt, und wie passt es zu der o. g. Aussage, dass die damalige
Bundesregierung nichts „verschleiert“ habe (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
7. Wurden das Auswärtige Amt oder andere Bundesministerien in die
Überlegungen zur internationalen Kommunikation bezüglich der BND-
Erkenntnisse zum Laborursprung von SARS-CoV-2 eingebunden?
8. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen wurden für die Geheimhaltung
des BND-Berichts herangezogen?
9. Welche Gründe wurden in der Regierung unter Bundeskanzler Olaf
Scholz für die Fortsetzung der Geheimhaltung der BND-Erkenntnisse
angegeben, und welche Rolle spielte Bundeskanzleramtsminister Wolfgang
Schmidt im Entscheidungsprozess zur Geheimhaltung der Informationen (
apollo-news.net/die-groe-angst-im-kanzleramt-warum-hat-die-bundesregi
erung-die-labortheorie-zurckgehalten/)?
10. Welche Auswirkungen hatte die Geheimhaltung der Informationen ggf.
auf die internationale Zusammenarbeit in der Pandemiebekämpfung, und
welche Rolle spielen die BND-Informationen ggf. in der zukünftigen
Pandemiebekämpfung?
11. Welche in- und ausländischen Institutionen waren nach Kenntnis der
Bundesregierung und des BND in den Jahren 2011 und 2021 an den am
Wuhan Institut für Virologie durchgeführten, virenverändernden Gain-of-
Function-Experimenten beteiligt (www.deutschlandfunk.de/gain-of-functi
on-forschung-viren-bakterien-evolution-labor-100.html), und welche
Informationen hat die Bundesregierung bezüglich der dortigen
Forschungsaufträge (bitte aufschlüsseln)?
12. Welche Verstöße gegen Vorschriften und gegen die Laborsicherheit hat
der BND in seinem Bericht bemängelt (bitte nach Anzahl und Art der
Verstöße, beteiligten Personen und Institutionen aufschlüsseln), und welche
Gegenmaßnahmen wurden im jeweiligen Fall nach den Verstößen
getroffen?
13. Finden sich in den Daten des BND Hinweise darauf, dass ein
gentechnisch verändertes Virus absichtlich aus dem Labor in Wuhan freigesetzt
wurde, und wenn ja, wer hat nach Kenntnis der Bundesregierung den
Auftrag erteilt, und wer hat die Freisetzung durchgeführt?
14. Finden sich in den Daten des BND zum Laborursprung des SARS-CoV-2-
Virus Hinweise, dass zum Zeitpunkt der Freisetzung aus dem Labor
bereits ein „Gegenmittel“ existierte, das für die Entwicklung von
Impfstoffen genutzt werden konnte, und wenn ja, gibt es Daten zur Wirksamkeit
dieses Gegenmittels (bitte ausführen)?
15. Ist die Bundesregierung bereit, die Erkenntnisse des BND zur Operation
„Saaremaa“ kurzfristig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
16. Welche weiteren nichtstaatlichen Agenturen waren ggf. an der Operation
„Saaremaa“ und deren Auswertung beteiligt (bitte nach den Kosten, die
dem deutschen Steuerzahler dadurch jeweils entstanden sind, und den
jeweiligen Empfängern der Zahlungen auflisten)?
17. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung von dem „Unclassified
Summary of the US Intelligence Community Assessment of the Origins of
COVID-19“ (www.odni.gov/files/ODNI/documents/assessments/Unclassi
fied-Summary-of-Assessment-on-COVID-19-Origins.pdf) eine
ausführlichere Version mit Quellenangaben als die im Internet verfügbare, und
wenn ja, ist die Bundesregierung kurzfristig bereit, diese der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
18. Inwiefern war die Bundesregierung in Diskussionen mit der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) über den Ursprung von SARS-CoV-2
eingebunden, und wann fanden diese Diskussionen statt, und welche Vertreter der
Bundesregierung oder der ihr nachgeordneten Behörden waren daran
beteiligt?
19. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bisher aus der
Überprüfung der BND-Daten durch die von der Bundesregierung damit
beauftragten Wissenschaftler, darunter Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts
für Virologie am Campus Charité Mitte, und Dr. Lars Schaade, Präsident
des Robert Koch-Instituts vor, und wann wird diese Überprüfung
abgeschlossen sein, und wann werden die vollständigen Ergebnisse vorliegen,
und hat die Bundesregierung weitere Studien oder Forschungen initiiert,
um die Laborthese wissenschaftlich zu überprüfen?
20. Wird die Bundesregierung den Deutschen Bundestag auffordern, einen
Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Zeit der Pandemie von
2020 bis 2023 einzusetzen, und wenn ja, wann?
Berlin, den 10. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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