Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland seit 2020
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Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland seit 2020
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1410
21. Wahlperiode 29.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Thomas Dietz, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina
Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L.
Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland seit 2020
Die Geburtenzahlen in Deutschland sind laut Angaben des Statistischen
Bundesamtes im Jahr 2023 auf den niedrigsten Stand seit 2013 gefallen (vgl.
Destatis, 2024, www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_174_
126.html). Bereits 2022 zeichnete sich ein markanter Rückgang ab, der sich
seither fortsetzt (vgl. Rießinger, M. (2023): Signifikanter Geburtenrückgang
9 Monate nach Impfkampagne?, in: Berichte zur Reproduktionsmedizin,
Bd. 17).
Ein signifikanter Rückgang der Lebendgeburten wurde insbesondere ab Mitte
2022 festgestellt – also etwa neun bis zwölf Monate nach dem Höhepunkt der
COVID-19-Impfkampagne in Deutschland (vgl. Eurostat, https://ec.europa.eu/e
urostat/databrowser/view/demo_fmonth/default/table).
International – etwa in der Schweiz (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC
11246222/), in den USA (Boston University, www.bu.edu/articles/2022/do-cov
id-vaccines-affect-menstrual-cycle/) und in Israel (Nature, 2024, www.natur
e.com/articles/s41541-024-00911-2) – wurde über mögliche Auswirkungen der
COVID-19-Impfung auf den Menstruationszyklus berichtet.
Um etwaige Zusammenhänge zwischen medizinischen, sozialen und
politischen Einflussfaktoren auf die Geburtenentwicklung sachlich und
wissenschaftlich zu prüfen, bedarf es nach Ansicht der Fragesteller belastbarer,
ergebnisoffener Daten. Ein zentrales Anliegen ist ihnen daher die wissenschaftlich
fundierte Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen der COVID-19-
Impfkampagne und dem seither beobachteten Rückgang der Geburtenrate. In
diesem Zusammenhang ist in ihren Augen hervorzuheben, dass das Paul-
Ehrlich-Institut (PEI) selbst mehrere Forschungsprojekte initiiert hat, um
Fragen der Impfstoffsicherheit auch im Hinblick auf reproduktive Gesundheit zu
untersuchen.
Dazu zählt die SafeVac-2.0-Studie, ein vom PEI entwickeltes App-basiertes
Monitoring zur Erfassung von Impfnebenwirkungen nach COVID-19-
Boosterimpfungen (vgl. www.pei.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2022/22092
7-safevac-2-0-beobachtungsstudie-geht-in-die-schlussphase.html). Die
prospektive Kohortenstudie SARS-CoV-2-PregVac, koordiniert durch das
Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der
Charité Berlin, untersucht mögliche Auswirkungen der Impfung während der
Schwangerschaft (vgl. https://drks.de/search/en/trial/DRKS00025255). Darüber
hinaus wurde mit der RiCO-Studie (RiCO = Risikokommunikation bei
COVID-19-Impfstoffen) ein populationsbezogenes Evaluationsprojekt
begonnen, das vom PEI gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum, der Uniklinik
Köln und dem Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführt wird (vgl. www.pei.de/
DE/newsroom/hp-meldungen/2024/240927-rico-studie.html).
In Stellungnahmen und Antworten auf parlamentarische Anfragen (vgl.
Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 89 des Abgeordneten Kay-
Uwe Ziegler auf Bundestagsdrucksache 21/664 und die Antwort der
Bundesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion der AfD zur COVID-19-
Pandemie auf Bundestagsdrucksache 20/9036) verweist die Bundesregierung
regelmäßig auf den Cochrane Review (2022) als Beleg für die Sicherheit der
COVID-19-Impfstoffe (vgl. www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651
858.CD015477/full). Gleichzeitig machen die Autorinnen und Autoren des
Reviews transparent, dass es methodische Einschränkungen gibt, die eine
umfassende Bewertung bestimmter Fragestellungen – etwa zu langfristigen
Wirkungen oder spezifischen Nebenwirkungen wie Auswirkungen auf die
Fruchtbarkeit – erschweren. So wird unter anderem darauf hingewiesen, dass in den
analysierten Studien keine individuellen Patientendaten vorlagen („Implications
for practice Due to the trial exclusions, these results cannot be generalized to
pregnant women, individuals with a history of SARS-CoV-2 infection, or
immunocompromized people.“, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36473651/),
dass schwere Nebenwirkungen meist nur als sekundäre Endpunkte betrachtet
wurden und dass der Zeitraum der Nachbeobachtung in vielen Fällen kurz war
(„Most trials had a short follow-up […]“, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/364
73651/). Reproduktive Endpunkte wie Zyklusstörungen oder
Fertilitätsveränderungen wurden im Review nicht systematisch erfasst oder ausgewertet („[…]
these results cannot be generalized to pregnant women, individuals with a
history of SARS-CoV-2 infection, or immunocompromized people.“, https://pu
bmed.ncbi.nlm.nih.gov/36473651/). Die Autorenschaft benennt diese Lücken
ausdrücklich und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Beurteilung
langfristiger Sicherheitsaspekte („Future research should evaluate the long-term
effect of vaccines, compare different vaccines and vaccine schedules, assess
vaccine efficacy and safety in specific populations, and include outcomes such
as preventing long COVID-19. Ongoing evaluation of vaccine efficacy and
effectiveness against emerging variants of concern is also vital.“, https://pubmed.
ncbi.nlm.nih.gov/36473651/).
Zugleich erklärte das Paul-Ehrlich-Institut bereits im Sicherheitsbericht vom
29. Juli 2021, dass auf Basis der verfügbaren deutschen Daten keine
abschließende Bewertung zur Impfstoffsicherheit möglich sei (vgl. https://fragdenstaa
t.de/anfrage/kbv-daten-durch-anwalt-von-tom-lausen-ans-pei-uebergeben/8574
28/anhang/02-perspektive-impfsurveillance-digimpfquotenmonitoring-red_ges
chwaerzt.pdf). Dennoch verwies die Bundesregierung in den oben genannten
Bundestagsdrucksachen auf eine „belegte Sicherheit“ – gestützt auf eine
Cochrane-Analyse, die erst im Jahr 2022 erschien (ebd.). Diese zeitliche und
methodische Diskrepanz wirft aus Sicht der Fragesteller Fragen hinsichtlich der
Konsistenz der wissenschaftlichen Grundlage und der Risiko-Kommunikation
auf.
Für die kleinräumige statistische Analyse im Rahmen dieser Kleinen Anfrage
wird auf die sogenannte NUTS-3-Ebene Bezug genommen – die kleinste
regionale Gliederungsebene im EU-Statistiksystem. In Deutschland umfasst sie die
294 Landkreise und 106 kreisfreien Städte (vgl. https://ec.europa.eu/eurostat/w
eb/nuts/background). Diese Gebietseinheiten ermöglichen die Untersuchung
regionaler Unterschiede bei Geburtenraten, Impfquoten und
soziodemografischen Einflussfaktoren.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie entwickelte sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Lebendgeburten in Deutschland im Zeitraum von Januar 2019 bis Mai 2025
auf monatlicher Basis, jeweils aufgeschlüsselt nach Bundesländern,
Landkreisen und kreisfreien Städten (NUTS-3; vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller), und in welchen dieser Gebietseinheiten sind im Zeitraum von
Januar 2021 bis Mai 2025 Rückgänge der Geburtenrate je 1 000 Einwohner
im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahreswerten feststellbar (die Angaben
jeweils monatlich und regional tabellarisch darstellen)?
2. Zu welchem Zeitpunkt seit dem Jahr 2020 ist nach Kenntnis der
Bundesregierung erstmals ein statistisch signifikanter Rückgang der monatlichen
Geburtenzahlen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat
festzustellen, und hat die Bundesregierung spezifische Auswertungen zu
Geburtenrückgängen im Zeitraum von Februar bis Oktober 2022 vorgenommen
oder beauftragt – also jenem Zeitraum, der neun bis zwölf Monate nach
dem Höhepunkt der COVID-19-Impfkampagne in den Monaten von Mai
bis August 2021 liegt?
3. Welche Unterschiede in der Entwicklung der monatlichen Geburtenrate je
1 000 Einwohner sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum
von Januar 2021 bis Mai 2025 zwischen städtisch und ländlich geprägten
Gebietseinheiten (aufgeschlüsselt nach NUTS-3) dokumentiert, und
wurden diese Unterschiede unter Berücksichtigung von COVID-19-
Impfquoten, Altersstruktur oder sozioökonomischen Faktoren statistisch
ausgewertet oder analysiert?
4. Hat die Bundesregierung oder eine ihr nachgeordnete Behörde
systematische Auswertungen zur Korrelation zwischen der COVID-19-Impfquote
(Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen) und der Entwicklung der
monatlichen Geburtenrate je 1 000 Einwohner im Zeitraum seit Januar 2021
durchgeführt oder beauftragt – differenziert nach Bundesländern,
Landkreisen und kreisfreien Städten (NUTS-3) –, und liegen der
Bundesregierung darüber hinaus Meldungen über Impfnebenwirkungen im
Zusammenhang mit Fruchtbarkeit oder Menstruationsveränderungen vor (wenn
ja, bitte Art und Häufigkeit dieser Meldungen nach Jahr, Altersgruppe und
COVID-19-Impfstofftyp aufschlüsseln)?
5. Welche Studien zur reproduktiven Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen
(mRNA, Vektor, Protein) liegen der Bundesregierung vor?
6. Hat die Bundesregierung Kenntnis von statistisch signifikanten
Veränderungen bei der Nutzung reproduktionsmedizinischer Leistungen (z. B.
Invitro-Fertilisation [IVF], Intrazytoplasmatische Spermieninjektion [ICSI])
im Zeitraum von 2021 bis 2024 (wenn ja, bitte ausführen)?
7. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum von Januar 2021
bis Mai 2025 statistisch auffällige Veränderungen in der Häufigkeit von
Fehlgeburten oder Totgeburten festgestellt, insbesondere in den Monaten,
die vier bis 20 Wochen auf eine COVID-19-Impfung während der
Schwangerschaft folgten (wenn ja, bitte ausführen)?
8. Wie begründet die Bundesregierung ihre wiederholte Berufung auf den im
Jahr 2022 veröffentlichten Cochrane Review zur Untermauerung der
Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe, obwohl bereits im Juli 2021 vom PEI
öffentlich erklärt wurde, dass eine fundierte Sicherheitsbewertung auf
Basis deutscher Daten zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich war (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
9. Welche Zwischenergebnisse liegen der Bundesregierung aus der von ihr
geförderten Beobachtungsstudie „SARS-CoV-2-PregVac“ zur Sicherheit
der COVID-19-Impfung in der Schwangerschaft vor (vgl. www.bundesge
sundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschung/handlungsfelder/fo
rschungsschwerpunkte/covid-19-pandemie/sars-cov-2-pregvac.html), und
welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für ihre Kommunikation,
Impfempfehlungen oder weitere Forschung im Bereich der reproduktiven
Gesundheit?
10. Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Entwicklungen der
Geburtenrate in den Jahren von 2021 bis 2024 in Ländern mit hoher Impfquote
(z. B. Portugal, Israel, Kanada) im Vergleich zu Ländern mit niedriger
Impfquote (z. B. Rumänien, Bulgarien), und liegen ihr Informationen oder
Einschätzungen zu möglichen Ursachen etwaiger Unterschiede vor (wenn
ja, bitte ausführen)?
11. Liegen der Bundesregierung belastbare internationale Studien oder
Datenauswertungen vor, die Unterschiede in der Geburtenentwicklung in
Abhängigkeit vom jeweils verwendeten Impfstofftyp untersuchen (z. B.
mRNA-Impfstoffe wie von BioNTech/Pfizer und Moderna gegenüber
Vektorimpfstoffen wie von AstraZeneca oder „Sputnik V“)?
12. Sind der Bundesregierung Studien oder Datenerhebungen internationaler
Institutionen (z. B. Weltgesundheitsorganisation [WHO], Europäische
Arzneimittel-Agentur [EMA], Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung [OECD], Statistisches Amt der Europäischen
Union [Eurostat], Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen [UNFPA])
bekannt, die systematisch einen möglichen Zusammenhang zwischen
COVID-19-Impfungen und der Entwicklung von Geburtenraten oder
Fertilität untersuchen, wenn ja, welche, und wenn der Bundesregierung keine
solchen Studien bekannt sind, warum hat sie sich nicht aktiv dafür
eingesetzt, dass internationale Vergleiche zur Geburtenentwicklung im
Zusammenhang mit der Impfkampagne angestoßen oder finanziert werden?
13. Welche Einschätzung hat die Bundesregierung hinsichtlich des
wissenschaftlichen Nutzens einer international vergleichenden Analyse der
Geburtenentwicklung in Abhängigkeit von Impfquote, Impfstofftyp und
Impfkampagnenzeitpunkt, und plant sie ggf., eine solche Untersuchung zu
initiieren oder international zu unterstützen?
14. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in Beratungen des
Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der EMA
Geburtenrückgänge oder Fertilitätsfragen thematisiert, und wenn ja, inwieweit?
15. Wurden seit 2021 konkrete Forschungsprojekte durch Bundesmittel oder
unter Beteiligung von Bundesbehörden gefördert, die sich mit möglichen
Auswirkungen der COVID-19-Impfung auf Fertilität,
Menstruationszyklus oder Geburtenentwicklung befassen, und wenn ja, welche (bitte ggf.
inklusive Projektträger, Förderhöhe, Startdatum, Zielbeschreibung
auflisten)?
16. Wird durch das Paul-Ehrlich-Institut an einer Studie zur
Langzeitüberwachung möglicher reproduktionsbiologischer Impfnebenwirkungen
gearbeitet, und wenn nein, warum nicht?
17. Warum wurden zentrale Studien wie SafeVac 2.0, SARS-CoV-2-PregVac
oder RICO – die vom PEI selbst angeregt wurden – bislang nicht
abgeschlossen, veröffentlicht oder ausgewertet?
18. Plant die Bundesregierung die Durchführung einer eigenständigen,
bevölkerungsrepräsentativen Studie, um mögliche Zusammenhänge zwischen
COVID-19-Impfungen und Veränderungen der Geburtenzahlen in
Deutschland systematisch zu untersuchen?
19. Beabsichtigt die Bundesregierung, vor dem Hintergrund laufender oder
noch nicht abgeschlossener Evaluationsprojekte (wie SafeVac 2.0, SARS-
CoV-2-PregVac oder RICO) eine zusätzliche eigenständige Untersuchung
zur Entwicklung der Geburtenzahlen in zeitlichem Zusammenhang mit
der COVID-19-Impfkampagne in Auftrag zu geben?
Berlin, den 21. Juli 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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