Zu existenzbedrohenden Cyberangriffen auf deutsche Unternehmen
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Zu existenzbedrohenden Cyberangriffen auf deutsche Unternehmen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7844
21. Wahlperiode 04.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Micha Fehre, Beatrix von Storch, Thomas Ladzinski, Ronald Gläser,
Peter Bohnhof und der Fraktion der AfD
Zu existenzbedrohenden Cyberangriffen auf deutsche Unternehmen
Die Bedrohungslage für die deutsche Wirtschaft, speziell den Mittelstand,
durch Cyberangriffe hat offenbar eine neue existenzbedrohende Qualität
erreicht. Wie aktuelle Medienberichte belegen, musste das
Traditionsunternehmen ZEGO Textilveredelungszentrum aus Aschaffenburg Insolvenz anmelden,
nachdem ein Cyberangriff Ende März 2026 die Produktion für fast sechs
Wochen vollständig lahmgelegt hatte (vgl. www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wir
tschaft/id_101335202/insolvenz-textil-firma-aus-deutschland-wegen-eines-cyb
erangriff-insolvent.html). Dieser Fall ist beileibe kein Einzelfall; auch der
Mittelständler Fasana, ein Serviettenhersteller aus Euskirchen, geriet infolge
massiver Hackerattacken in eine schwere finanzielle Schieflage (ebd.).
Laut den Daten des Branchenverbands Bitkom von 2024 sind acht von zehn
Unternehmen in Deutschland von Cyberangriffen betroffen, wobei der jährliche
Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft auf rund 267 Mrd. Euro geschätzt
wird (vgl. www.bitkom.org/sites/main/files/2024-08/240828-bitkom-charts-wir
tschaftsschutz-cybercrime.pdf). Besonders Ransomware-Attacken und DDoS-
Angriffe (DDoS = Distributed Denial-of-Service ) führen immer häufiger zu
langwierigen Betriebsausfällen, die gerade für den kapitalgebundenen
Mittelstand oft nur schwer zu kompensieren sind (ebd.).
Aus Sicht der Fragesteller ist es von großer Bedeutung, ob in Ergänzung der
unternehmensinternen Mechanismen der IT-Sicherheit staatliche
Schutzmechanismen zur Unterstützung angeboten werden, um das Rückgrat der deutschen
Wirtschaft – den Mittelstand – wirksam vor den Folgen der digitalisierten
Kriminalität zu schützen, Umsätze zu halten und Arbeitsplätze dauerhaft zu
sichern. Dabei geht es den Fragestellern zum einen um ein möglichst
detailliertes Lagebild, zum anderen um administrative Unterstützungsleistungen in einer
zunehmend vernetzten und damit verwundbaren digitalen Wirtschaftswelt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Cyberangriffe auf Unternehmen in Deutschland sind der
Bundesregierung beziehungsweise den zuständigen Behörden (etwa dem
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik [BSI] und dem
Bundeskriminalamt [BKA]) seit 2022 zur Kenntnis gelangt (bitte nach Jahren und
Unternehmensgröße aufschlüsseln)?
2. Werden im Nationalen Cyber-Abwehrzentrum (vgl. www.bsi.bund.de/DE/
Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Cyber-Sicherheitslage/Reaktio
n/Nationales-IT-Lagezentrum/Nationales-Cyber-Abwehrzentrum/national
es-cyber-abwehrzentrum_node.html) versuchte und im Sinne des
Angreifers erfolgreiche Cyberattacken auf deutsche Unternehmen seit 2022
dokumentiert und evaluiert, wenn ja, mit welchen Ergebnissen und welchen
Konsequenzen, und wenn nein, warum nicht?
3. Mit welchen Maßnahmen zum Schutz durch Aufklärung und Prävention
tritt das BSI seit 2022 an Unternehmen heran, um deren bestehende
Aktivitäten zur Cybersicherheit zu prüfen, zu bewerten und gegebenenfalls zu
verstärken?
4. Mit welchen Maßnahmen zum Schutz durch Aufklärung und Prävention
tritt das BKA seit 2022 an Unternehmen heran, um deren bestehende
Aktivitäten zur Cybersicherheit zu prüfen, zu bewerten und
gegebenenfalls zu verstärken?
5. Liegen der Bundesregierung differenzierende Informationen zur Art der
genannten Cyberangriffe – etwa DDoS-Attacken, Verschlüsselung der
Daten in erpresserischer Absicht, Diebstahl sensibler Informationen,
Identitätsdiebstahl oder Sabotage – vor (bitte ausführen)?
6. In wie vielen Fällen führten die dokumentierten Angriffe nach Kenntnis
der Bundesregierung zu einer zeitweisen Einstellung des
Geschäftsbetriebs von mindestens einer Woche (bitte ausführen)?
7. Wie viele Fälle von Insolvenzen, bei denen seitens der betroffenen
Unternehmen ein Cyberangriff als (Mit-)Ursache für die Zahlungsunfähigkeit
angegeben wurde, sind der Bundesregierung seit 2022 bekannt geworden
(bitte nach Branchen aufschlüsseln)?
8. Mit welcher Summe beziffert die Bundesregierung den durch
Cyberkriminalität entstandenen direkten wirtschaftlichen Schaden (etwa durch
Lösegeldzahlungen oder Reparaturkosten) sowie den indirekten Schaden (etwa
durch Produktionsausfall oder Reputationsverlust) speziell für den
deutschen Mittelstand seit 2022?
9. Welche konkreten Schutzlücken identifiziert die Bundesregierung derzeit
bei Start-ups sowie bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im
Vergleich zu besonders beobachteten Betreibern kritischer Infrastrukturen
(KRITIS), und welche Maßnahmen werden durch welche Akteure
ergriffen, um diese Lücken zu schließen?
10. In welchem Umfang nehmen Unternehmen nach Kenntnis der
Bundesregierung bei einem laufenden Angriff die Hilfe staatlicher Stellen (etwa
besonderer Einheiten des BSI) in Anspruch, und wie bewertet die
Bundesregierung die Kapazitäten dieser Teams im Verhältnis zur Anzahl der
Angriffe?
11. Welche Informationen liegen der Bundesregierung zur aktuellen
Kooperation zwischen den Landeskriminalämtern, dem BKA und privaten IT-
Sicherheitsdienstleistern im Falle von Erpressungsversuchen durch
Ransomware vor (bitte ausführen)?
12. Existieren aktuell präventive Förderprogramme des Bundes spezifisch für
Start-ups und KMU zur Härtung ihrer IT-Infrastruktur, und wenn ja, wie
hoch waren die Abrufquoten dieser Mittel seit 2022?
13. Plant die Bundesregierung steuerliche Anreize oder
Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Investitionen von Unternehmen in die Cyberresilienz,
um die wirtschaftliche Belastung durch notwendige IT-Aufrüstungen
abzufedern (bitte ausführen)?
14. Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, eine zentrale Meldestelle
für Cyberangriffe zu schaffen, die über die reine Statistik hinaus eine
Soforthilfe-Koordination für Unternehmen, die keine kritischen
Infrastrukturen betreiben, leistet (bitte begründen)?
15. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über konkrete Muster vor, nach
denen Cyberkriminelle gegen Unternehmen vorgehen, differenziert etwa
nach Branchen, Unternehmensgröße, langen Lieferketten und Umsatz
(bitte ausführen)?
16. Kann die Bundesregierung Angaben zu möglichen Motiven hinter den
dokumentierten Cyberattacken machen, und in wie vielen Fällen führten die
Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden zur Identifizierung konkret
Beschuldigter (bitte ausführen)?
17. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über eine mögliche
Dunkelziffer nicht zur Anzeige gebrachter Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen
vor (bitte ausführen)?
18. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, dass durch den
Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) Cyberattacken auf deutsche
Unternehmen seit 2022 an Quantität und Qualität zugenommen haben (bitte
ausführen)?
Berlin, den 24. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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