Digitale Resilienz unter Beschuss - Aufklärung der Cyberangriffe von Russland gegen Deutschland
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Digitale Resilienz unter Beschuss - Aufklärung der Cyberangriffe von Russland gegen Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7707
21. Wahlperiode 25.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, Sebastian
Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok, Steffen Janich, Dr. Michael
Kaufmann, Micha Fehre, Beatrix von Storch, Ronald Gläser, Peter Bohnhof,
Thomas Ladzinski, Sascha Lensing und der Fraktion der AfD
Digitale Resilienz unter Beschuss – Aufklärung der Cyberangriffe von Russland
gegen Deutschland
Die Sicherheit der Informationstechnik und der Schutz kritischer
Infrastrukturen bilden das Rückgrat eines funktionsfähigen Staates und sind elementare
Voraussetzungen für die digitale Souveränität Deutschlands. In einer
zunehmend vernetzten Welt sind staatliche Stellen, Energieversorger,
Verkehrsunternehmen und Gesundheitseinrichtungen wachsenden Bedrohungen durch
hochprofessionelle Cyberakteure ausgesetzt. Die Resilienz dieser Systeme
gegenüber Sabotage und Spionage ist daher nicht nur eine technologische
Herausforderung, sondern eine Kernfrage der nationalen Sicherheit.
Anlass der vorliegenden Kleinen Anfrage sind die schwerwiegenden
Cyberangriffe auf staatliche Stellen und kritischen Infrastrukturen in Deutschland, die
am 13. Juli 2026 öffentlich bekannt wurden. Nach Angaben der
Bundesregierung und internationaler Partner wurden dabei gezielte Sabotageakte gegen
lebensnotwendige Versorgungsstrukturen verübt und eine Kompromittierung
gesicherter Regierungsnetzwerke vollzogen (www.tagesschau.de/ausland/cyberan
griffe-russland-sanktionen-botschafter-100.html). Die Bundesregierung machte
für diesen Angriff russische Geheimdienste verantwortlich und zog mit der
Einbestellung des russischen Botschafters sowie der Ankündigung weiterer
Sanktionen diplomatische Konsequenzen (www.consilium.europa.eu/de/press/press-r
eleases/2026/07/13/cyber-russia-statement-by-the-high-representative-on-behal
f-of-the-european-union-denouncing-russia-s-malicious-cyber-ecosystemtargeti
ng-the-eu-its-member-states-and-international-partners/pdf/).
Diese aktuelle Angriffswelle verdeutlicht erneut die Verwundbarkeit der
staatlichen IT-Landschaft und die strategische Bedeutung einer modernen
Cyberabwehr. Die offizielle Zurechnung dieser Angriffe zu staatlich gesteuerten
Akteuren unterstreicht das Ausmaß der Bedrohung für kritische Infrastrukturen und
Regierungsnetzwerke (www.tagesschau.de/ausland/cyberangriffe-russland-san
ktionen-botschafter-100.html). Dies wirft dringende Fragen nach dem Stand
der IT-Sicherheit in der Bundesverwaltung, der Wirksamkeit der
Früherkennungssysteme des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik
sowie der allgemeinen Krisenfestigkeit der deutschen Digitalinfrastruktur auf.
Trotz zahlreicher Ankündigungen zur Stärkung der Cybersicherheit im Rahmen
der Staatsmodernisierung offenbaren Vorfälle dieser Größenordnung
regelmäßig strukturelle Defizite in der behördlichen Sicherheitsarchitektur. Es ist für
die parlamentarische Kontrolle von entscheidender Bedeutung, zu erfahren,
welche konkreten Behörden und Infrastrukturbereiche betroffen waren, welcher
Schaden entstanden ist und inwieweit die bestehenden Schutzkonzepte des
Bundes den aktuellen Bedrohungslagen noch gewachsen sind.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zum Umfang, zur
Zielsetzung und zur Schwere der Cyberangriffe vom Juli 2026 vor?
2. Wann und auf welchem Weg wurde die Bundesregierung erstmals über die
Angriffe informiert?
3. Welche konkreten Bundesbehörden, Regierungsnetzwerke oder
Einrichtungen der kritischen Infrastruktur waren von den Angriffen direkt
betroffen?
4. Welche Ziele verfolgten die Angreifer nach Einschätzung der
Bundesregierung primär: Spionage, Sabotage oder die Vorbereitung künftiger
Angriffe?
5. Wurden bei den Angriffen nach Kenntnis der Bundesregierung sensible
Daten abgezogen oder wurden in die Infrastruktur Schadfunktionen
eingeschleust, um künftige Sabotageakte zu ermöglichen?
6. Welche Rolle spielte das Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI) bei der Identifikation und Abwehr dieser Angriffe, ab
welchem Zeitpunkt wurde die Behörde tätig, und wie bewertet die
Bundesregierung rückblickend die Leistungsfähigkeit der eingesetzten
Früherkennungssysteme?
7. Inwieweit waren die betroffenen IT-Systeme der Bundesverwaltung zum
Zeitpunkt des Angriffs auf dem aktuellen Stand der Sicherheitsupdates,
und welche Rolle spielten sogenannte Legacy-Systeme bei der
Infiltration?
8. Welche Rolle spielten nach Kenntnis der Bundesregierung beim
Erstzugriff externe IT-Dienstleister, Cloud-Lösungen oder Wartungszugänge, die
die internen Sicherheitsmechanismen der Bundesverwaltung
möglicherweise umgangen haben?
9. Inwieweit verfügt die Bundesregierung über ein zentrales, echtzeitfähiges
digitales Lagebild der IT-Sicherheit aller Bundesressorts, und wie wird der
Informationsfluss zwischen dem BSI und den IT-Sicherheitsbeauftragten
der Bundesministerien technisch koordiniert?
10. Welchen Stellenwert nimmt das Sicherheitskonzept „Zero Trust“ bei der
Absicherung der Regierungsnetzwerke ein, und inwieweit hat dies bei den
betroffenen Systemen bereits Anwendung gefunden?
11. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den Vorfällen für
die IT-Architektur des Bundes, insbesondere hinsichtlich Netztrennung
sowie Härtung der digitalen Infrastruktur, und welche Maßnahmen sind
bis zum Jahr 2030 geplant?
12. Inwieweit plant die Bundesregierung eine Aufwertung des BSI zu einer
stärkeren operativen Zentralstelle, um die IT-Sicherheit in allen
Bundesressorts nach einheitlichen und verbindlichen Standards durchzusetzen?
13. Welche Auswirkungen haben diese Angriffe auf die aktuelle
Budgetplanung für IT-Sicherheit und den notwendigen Personalaufbau in den
Cyberabwehrzentren des Bundes?
14. Welche Abhängigkeiten von ausländischer Hard- oder Software haben
nach Einschätzung der Bundesregierung zur Anfälligkeit der
angegriffenen Systeme beigetragen?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die Resilienz der deutschen Energie-
und Kommunikationsnetze gegenüber den nun bekannt gewordenen
Angriffs- und Sabotagemethoden?
16. Erfolgte die Kommunikation über die Angriffe an die betroffenen KRITIS
(Kritische Infrastrukturen)-Betreiber rechtzeitig, und gibt es Hürden beim
Austausch von Angriffssignaturen zwischen Staat und Privatwirtschaft?
17. Wie bewertet die Bundesregierung das Risiko durch KI-gestützte,
automatisierte Schwachstellensuche durch staatliche Akteure, und welche
eigenen KI-Verteidigungssysteme werden derzeit entwickelt?
18. Inwieweit führt die Bundesregierung eine Intensivierung der
Zusammenarbeit mit europäischen Partnern durch, um eine gemeinsame, proaktive
Cyberabwehr gegen russische Hackergruppen aufzubauen?
19. Welche Lehren zieht die Bundesregierung für die digitale Souveränität
Deutschlands, um die Angriffsfläche für fremde Geheimdienste
systematisch zu verringern?
Berlin, den 24. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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