Hisbollah-Strukturen in Deutschland und Europa - Rolle Deutschlands als Finanzierungs- und Unterstützungsraum
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Hisbollah-Strukturen in Deutschland und Europa - Rolle Deutschlands als Finanzierungs- und Unterstützungsraum
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5960
21. Wahlperiode 18.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Dr. Alexander Gauland, Markus
Frohnmaier, Sascha Lensing, Dr. Christoph Birghan, Knuth Meyer-Soltau,
Dr. Götz Frömming, Gerold Otten, Alexis L. Giersch, Boris Gamanov, Kay-Uwe
Ziegler, Jörg Zirwes, Thomas Dietz, Dr. Malte Kaufmann, Edgar Naujok, Kurt
Kleinschmidt, Achim Köhler, Uwe Schulz, Andreas Mayer, Bernd Schattner, Udo
Theodor Hemmelgarn und der Fraktion der AfD
Hisbollah-Strukturen in Deutschland und Europa – Rolle Deutschlands als
Finanzierungs- und Unterstützungsraum
Die libanesische Hisbollah ist eine zentrale Kraft im sicherheitspolitischen
Gefüge des Nahen und Mittleren Ostens und verfügt über ausgeprägte
transnationale Strukturen. Neben militärischen Aktivitäten unterhält sie umfangreiche
politische, logistische und finanzielle Netzwerke, die über die Region hinaus
wirksam sind.
Eine aktuelle Studie der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Lina Khatib
(Denkfabrik Chatham House in London) mit dem Titel „The Financial Operations of
Hezbollah in Europe“ weist darauf hin, dass Europa eine zentrale Rolle für die
finanziellen Aktivitäten der Hisbollah einnimmt (abrufbar unter: www.dokume
ntationsstelle.at/fileadmin/dpi/publikationen/DPI-Study-Report_Financial-Oper
ations-of-Hezbollah.pdf). In einem hierzu veröffentlichten Bericht der Berliner
Zeitung vom 17. April 2026 wird Deutschland ausdrücklich als Hauptstandort
für Finanzgeschäfte der Hisbollah in Europa beschrieben (abrufbar unter: www.
berliner-zeitung.de/article/geostrategin-deutschland-ist-der-hauptstandort-
fuerdie-finanzgeschaefte-der-hisbollah-in-europa-10030898). Die Studie hebt
insbesondere komplexe Strukturen der Mittelgenerierung und -verschleierung
hervor, etwa durch Handelsgeschäfte, den Kunstmarkt sowie den Einsatz von
Kryptowährungen und beschreibt dabei enge Verflechtungen zwischen legalen
und illegalen Wirtschaftsbereichen.
Diese Befunde werfen bei den Fragestellern grundlegende Fragen hinsichtlich
der Wirksamkeit bestehender Maßnahmen zur Bekämpfung von
Terrorismusfinanzierung sowie hinsichtlich der außen- und sicherheitspolitischen
Prioritätensetzung der Bundesregierung auf.
Die Bundesregierung hat sich bereits in ihren Antworten auf frühere Kleine
Anfragen, insbesondere in der 19. Wahlperiode (Bundestagsdrucksachen
19/9163 und 19/29678), zu einzelnen Aspekten der Hisbollah und ihrer
Strukturen geäußert, ohne dass dabei eine einheitliche Bewertung oder eine
umfassende Strategie erkennbar geworden ist.
Zugleich bestehen innerhalb der Europäischen Union (EU) weiterhin
unterschiedliche rechtliche und politische Bewertungen der Hisbollah. Wie aus einer
Kurzinformation des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages
vom 9. Mai 2018 hervorgeht, wird in Teilen der EU lediglich der militärische
Arm der Hisbollah als terroristische Organisation eingestuft, während andere
Staaten – auch Deutschland – eine weitergehende Bewertung vornehmen
(Kurzinformation „Zur Einstufung der Schiitenmiliz Hisbollah als
Terrororganisation“ Wissenschaftlicher Dienst Deutscher Bundestag, 9. Mai 2018 –
WD2-3000-056/18, abrufbar unter: www.bundestag.de/resource/blob/564212/0
e5c23c205e1343812c8d233d5e543be/WD-2-056-18-pdf.pdf). Diese
Uneinheitlichkeit kann die Kohärenz und Effektivität gemeinsamer Maßnahmen
erheblich beeinträchtigen.
Vor diesem Hintergrund besteht nach Auffassung der Fragesteller ein
erhebliches parlamentarisches Aufklärungsinteresse hinsichtlich der außen- und
sicherheitspolitischen Bewertung sowie des konkreten staatlichen Handelns
Deutschlands und Europas bei der Bekämpfung solcher Strukturen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung seit dem 7. Oktober
2023 zu Finanz- und Unterstützungsstrukturen der Hisbollah in Europa
vor (unter Ausschluss nachrichtendienstlicher Quellen und Methoden)?
2. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung seit dem 7. Oktober
2023 zu entsprechenden Aktivitäten der Hisbollah in Deutschland vor,
insbesondere im Hinblick auf Finanzierungsformen über
Handelsstrukturen, Geldwäsche, Kunstmarkt und Kryptowährungen (unter Ausschluss
nachrichtendienstlicher Quellen und Methoden)?
3. Welche Bundesministerien und Bundesbehörden sind für die Erhebung,
Auswertung und Bewertung von Erkenntnissen zu Finanz- und
Unterstützungsstrukturen der Hisbollah jeweils zuständig und welche Aufgaben
nehmen sie dabei konkret wahr?
4. Auf welcher Datengrundlage nimmt die Bundesregierung eine Bewertung
der Rolle Europas und Deutschlands im Zusammenhang mit Finanz- und
Unterstützungsstrukturen der Hisbollah vor, insbesondere vor dem
Hintergrund der in der Studie „The Financial Operations of Hezbollah in
Europe“ dargestellten Befunde (vgl. Vorbemerkung)?
5. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit dem 7. Oktober 2023
ggf. ergriffen, um der Nutzung Deutschlands als Finanzierungs- und
Unterstützungsraum der Hisbollah, insbesondere im Bereich von
Handelsstrukturen, Geldwäsche sowie alternativen Finanzierungswegen wie
Kryptowährungen, entgegenzuwirken?
6. Welche Initiativen hat die Bundesregierung seit dem 7. Oktober 2023 auf
Ebene der Europäischen Union ggf. zur Bekämpfung von Finanz- und
Unterstützungsstrukturen der Hisbollah eingebracht oder unterstützt?
7. Welche Initiativen hat die Bundesregierung seit dem 7. Oktober 2023 auf
Ebene internationaler Organisationen, insbesondere der G7 und der
Vereinten Nationen, ggf. zur Bekämpfung von Finanz- und
Unterstützungsstrukturen der Hisbollah eingebracht oder unterstützt?
8. In welchen Punkten hat sich die Bundesregierung seit dem 1. Januar 2023
gegenüber EU-Mitgliedstaaten ggf. für eine einheitlichere Einstufung der
Hisbollah eingesetzt?
9. Welche Unterschiede in der rechtlichen und politischen Bewertung der
Hisbollah innerhalb der Europäischen Union sind der Bundesregierung
bekannt?
10. Welche dieser Unterschiede (vgl. Vorfrage) beeinträchtigen nach
Auffassung der Bundesregierung ggf. die Wirksamkeit europäischer Maßnahmen
gegen die Hisbollah?
11. Welche Gespräche hat die Bundesregierung seit dem 1. Januar 2023 mit
der Regierung des Libanon ggf. zur Rolle der Hisbollah geführt (bitte ggf.
nach Datum, beteiligten Bundesministerien bzw. Bundesbehörden und
Gegenstand aufschlüsseln)?
12. Welche Maßnahmen zur Stärkung staatlicher Institutionen im Libanon
unterstützt die Bundesregierung derzeit ggf., die auf eine Begrenzung des
Einflusses der Hisbollah gerichtet sind?
13. Welche Bewertung nimmt die Bundesregierung hinsichtlich der
Umsetzung der Resolution 1701 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vor,
insbesondere im Hinblick auf die Begrenzung nichtstaatlicher bewaffneter
Gruppen im Libanon?
14. In welchen konkreten außen- und sicherheitspolitischen Strategien oder
Konzepten der Bundesregierung wird ggf. die Bekämpfung
transnationaler Unterstützungs- und Finanzierungsstrukturen der Hisbollah
ausdrücklich priorisiert?
15. In welchem Umfang werden ggf. Sachverhalte im Zusammenhang mit
Unterstützungs- und Finanzierungsstrukturen der Hisbollah statistisch auf
Bundesebene erfasst, und aus welchen Gründen erfolgt gegebenenfalls
keine weitergehende Erfassung?
Berlin, den 5. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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