Sozialer und gemeinnütziger Wohnungsbau
Text
Sozialer und gemeinnütziger Wohnungsbau
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6842
21. Wahlperiode 03.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Caren Lay, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz Gösta
Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Dr. Fabian Fahl, Katalin Gennburg, Mareike
Hermeier, Ina Latendorf, Sahra Mirow, David Schliesing, Sascha Wagner und
der Fraktion Die Linke
Sozialer und gemeinnütziger Wohnungsbau
Das Pestel Institut stellte 2025 in seiner Studie im Auftrag des
Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ einen Fehlbedarf von 1,4 Millionen Wohnungen in
Deutschland fest, bei denen es sich laut Bündnis „fast ausschließlich [um]
bezahlbare Wohnungen und vor allem auch Sozialwohnungen“ handelt
(Pressemitteilung: https://igbau.de/Binaries/Binary22519/2026-PM-02-Sozial-Drama-
auf-dem-Wohnungsmarkt.pdf; Studie: https://igbau.de/Binaries/Binary22521/St
udie-Sozialer-Wohn-Monitor-2026.pdf).
Ende der 1980er-Jahre gab es noch knapp unter 4 Millionen Sozialwohnungen.
Seitdem schrumpft der Bestand stetig. Während der Regierungszeit von
Bundeskanzler Olaf Scholz fielen 72 509 Sozialwohnungen aus der Bindung. Im
Ergebnis ist die Zahl der Sozialwohnungen während zwei Jahren Ampel um
30 000 auf 1 072 266 gesunken. Zwar wurden die Mittel des Bundes für den
sozialen Wohnungsbau zuletzt erhöht. Dass weiter mehr Sozialwohnungen aus
der Bindung fallen als neue hinzukommen, zeigt, dass die Mittel noch immer
nicht ausreichen (Bundestagsdrucksache 21/3513).
Neben dem Problem des Fördervolumens besteht, wurde aus mehreren
Bundesländern zudem zuletzt von einer Überzeichnung der vorhandenen Mittel
berichtet. Bereits bewilligte und geplante Projekte mussten dadurch kurzfristig auf
Eis gelegt werden, weil die notwendigen nächsten Tranchen nicht bereitgestellt
werden konnten (www.br.de/nachrichten/bayern/stopp-bei-bezahlbarem-wohnr
aum-foerdertoepfe-sind-leer; www.nordkurier.de/regional/brandenburg/wohnra
umfoerderung-ueberzeichnet-3935933). Dadurch wird der notwendige Ausbau
bezahlbarer Wohnungen zusätzlich verlangsamt.
Neben der Wohnungsbauförderung existieren weitere Instrumente, bezahlbare
Wohnungen zu schaffen und deren Bezahlbarkeit langfristig zu sichern. Dazu
gehören öffentliche und gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen,
rechtlich flankiert durch die Möglichkeiten einer Wohngemeinnützigkeit.
Letztere wurde 2024 über die Minimallösung in die Abgabenordnung
eingeführt. Allerdings sind die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
vereinbarten flankierenden Investitionsmittel weiterhin nicht hinterlegt und
auch sonst konnte die Bundesregierung keine Bilanz seit Inkrafttreten der Regel
am 1. Januar 2025 liefern (Bundestagsdrucksache 21/4908).
Der Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil hat zudem vor dem
Hintergrund der eingeschränkten Investitionsfähigkeit der Kommunen, die sich auch
auf den öffentlichen Wohnungsbau auswirkt, die Gründung einer staatlichen
Wohnungsbaugesellschaft vorgeschlagen. Diese solle existierende Instrumente
– inklusive der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und der
kommunalen und landeseigenen Wohnungsgesellschaften – nicht in ersetzen,
sondern ergänzen (www.sueddeutsche.de/politik/mieten-wohnungsmangel-lars-kli
ngbeil-bundesregierung-li.3463041?reduced=true). Wie ein solcher Schritt
realisiert werden könnte, ist bislang jedoch noch unklar.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Förderwege gibt es im sozialen Mietwohnungsbau aktuell in
den einzelnen Bundesländern, und wie hoch sind dort die jeweiligen
Einkommensgrenzen (bitte nach Bundesländern getrennt auflisten)?
2. Wie lange sind die Bindungslaufzeiten nach Kenntnis der
Bundesregierung in den einzelnen Förderprogramm zum Sozialmietwohnungsbau in
den einzelnen Bundesländern?
3. Wie viele Sozialwohnungen sind aktuell im Bestand von öffentlichen
Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, privaten
Wohnungsunternehmen und sonstigen Eigentümern (bitte nach Bundesländern getrennt
auflisten)?
4. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die
durchschnittlichen Baukosten pro neu gebaute Sozialmietwohnung in den vergangenen
Jahren?
5. Wie hoch waren die durchschnittlichen Förderaufwendungen pro neu
gebaute Sozialmietwohnung nach Kenntnis der Bundesregierung in den
vergangenen Jahren?
6. Wie viele Förderbewilligungen seit 2016 für folgende Maßnahmen
wurden im Rahmen der sozialen Wohnungsbauförderung nach Kenntnis der
Bundesregierung jeweils an private, öffentliche, genossenschaftliche bzw.
sonstige Bauherren ausgesprochen:
a) Sozialmietwohnungen,
b) Modernisierungen,
c) Ankauf von Belegungsrechten und
d) Programm Junges Wohnen?
7. Wie viele Fördermittel für sozialen Wohnungsbau flossen nach Kenntnis
der Bundesregierung jeweils an Bauherren folgenden Typs:
a) privat,
b) öffentlich,
c) genossenschaftlich und
d) sonstige?
8. Von wie vielen Sozialwohnungen geht die Bundesregierung aus, die in
den kommenden Jahren bis 2035 ihre Bindungen verlieren (bitte nach
Jahren und Bundesländern getrennt auflisten)?
9. Wie viele Mittel für den sozialen Wohnungsbau wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2016 jeweils für die Förderung von
a) Sozialmietwohnungen,
b) Modernisierungen,
c) Ankauf von Belegungsrechten,
d) Förderung von Eigentum und
e) Programm Junges Wohnen
bereitgestellt?
10. Wie viele Bundesmittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und
Klimaneutralität sind bisher in den sozialen Wohnungsbau abgeflossen
(bitte nach Jahr und Bundesländern getrennt auflisten)?
11. Mit wie vielen neu geförderten Wohnungen rechnet die Bundesregierung
in den kommenden Jahren bis 2030?
12. Wie wurden die Finanzhilfen für den sozialen Wohnungsbau in den
Bundesländern in den letzten fünf Jahren eingesetzt?
a) Wie verteilte sich der reale Mittelabfluss in den letzten fünf Jahren
über die Bundesländer (bitte nach Jahr und Bundesland
aufschlüsseln)?
b) Wie hoch war die Ko-Finanzierung der Bundesländer in den letzten
fünf Jahren (bitte nach Jahr und Bundesländern, absoluten Zahlen und
Prozenten aufschlüsseln)?
c) Wie viele neue Sozialwohnungen wurden in den Ländern in den
letzten fünf Jahren jeweils gebaut?
d) Wie viele Wohnungen sind in den Ländern in den letzten fünf Jahren
aus der sozialen Bindung gefallen?
13. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass die Finanzhilfen für den
sozialen Wohnungsbau, die gemäß Artikel 104d des Grundgesetzes den
Ländern bereitgestellt werden, gegenwärtig nicht in voller Höhe im jeweiligen
Haushaltsjahr verausgabt, sondern über fünf Jahre gestreckt in Tranchen
an die Länder ausgezahlt werden?
a) In welchen Bundesländern sind in der Folge die Mittel nicht
abgeflossen (bitte nach Jahr und Bundesländern aufschlüsseln)?
b) Wie begründet die Bundesregierung das haushaltspolitische Vorgehen
der Tranchierung?
14. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Folgen dieser
Förderpraxis in den Bundesländern vor?
a) In welchen Bundesländern und in welchem Umfang kam es in den
letzten fünf Jahren zu einer Überzeichnung des Förderbudgets (bitte
nach Jahr und Bundesländern aufschlüsseln)?
b) Inwiefern lässt sich die Überzeichnung von Förderbudgets und die
daraus resultierende Ablehnung von Förderanträgen durch die
zuständigen Stellen nach Kenntnis der Bundesregierung mit der tranchierten
Auszahlung der Mittel in Verbindung bringen?
c) In welchem Umfang könnte, nach Einschätzung der Bundesregierung,
durch die Bereitstellung der veranschlagten Finanzhilfen für den
sozialen Wohnungsbau in voller Höhe im jeweiligen Haushaltsjahr die
Zahl der Förderzusagen in den Ländern für mietpreis- und
belegungsgebundene Wohnungen gesteigert werden?
15. Auf welche Weise und wann plant die Bundesregierung die Vereinbarung
im Koalitionsvertrag „Für bewilligte Projekte [des sozialen
Wohnungsbaus] werden schnell ausreichende Mittel zur Abfinanzierung zur
Verfügung gestellt.“ (S. 24) praktisch umzusetzen?
16. Plant die Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag vereinbarte
Ergänzung der Wohngemeinnützigkeit um Investitionszuschüsse umzusetzen,
und wenn ja, wann, und in welcher Höhe werden Mittel bereitgestellt?
a) Erfasst die Bundesregierung, wie viele Unternehmen sich bereits ganz
oder teilweise unter die Regelungen der Neuen Wohngemeinnützigkeit
begeben haben, und wie viele sind es?
b) Wird die Bundesregierung Daten erheben, wie viele neue
gemeinnützige Wohnungen nach seit der Einführung im Rahmen der Neuen
Wohngemeinnützigkeit geschaffen wurden (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln), wie viele sind es, und wie bewertet die
Bundesregierung diese Entwicklung?
17. Über welche Mittel verfügt die Bundesregierung, die
Eigenkapitalausstattung öffentlicher Wohnungsunternehmen zu stärken oder eine
entsprechende Stärkung durch die Länder und Kommunen zu unterstützen,
welche weiteren Maßnahmen werden diesbezüglich erwogen?
18. Erwägt die Bundesregierung die Neugründung einer staatlichen
Wohnungsbaugesellschaft, und wenn ja, welche Eckpunkte zur konkreten
Ausgestaltung liegen bereits vor?
a) Welche Änderungen im Grundgesetz wären nach Ansicht der
Bundesregierung notwendig zur Gründung einer staatlichen
Wohnungsbaugesellschaft, insbesondere mit Blick auf das vom Bundesfinanzminister
Lars Klingbeil vorgeschlagene Modell?
b) In welchem Verhältnis stünde eine nach o. g. Modell eingerichtete
staatliche Wohnungsbaugesellschaft zu kommunalen und
landeseigenen Unternehmen sowie zur BImA?
19. Erwägt die Bundesregierung die Übernahme der Altschulden von
kommunalen Wohnungsunternehmen und Genossenschaften in ostdeutschen
Bundesländern, und wenn nein, wie plant sie, alternativ die
Handlungsfähigkeit der kommunalen Wohnungsunternehmen in ostdeutschen
Bundesländern zu stärken?
Berlin, den 1. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Caren Lay (Kleine Anfrage)
- asked ← David Schliesing (Kleine Anfrage)
- asked ← Fabian Fahl (Kleine Anfrage)
- asked ← Ina Latendorf (Kleine Anfrage)
- asked ← Jorrit Bosch (Kleine Anfrage)
- asked ← Katalin Gennburg (Kleine Anfrage)
- asked ← Lorenz Gösta Beutin (Kleine Anfrage)
- asked ← Luigi Pantisano (Kleine Anfrage)
- asked ← Marcel Bauer (Kleine Anfrage)
- asked ← Mareike Hermeier (Kleine Anfrage)
- asked ← Sahra Mirow (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Wagner (Kleine Anfrage)
- asked ← Violetta Bock (Kleine Anfrage)
- authored ← Caren Lay
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Luigi Pantisano
- part_of_vorgang → Sozialer und gemeinnütziger Wohnungsbau (Kleine Anfrage)