Rede von Kay Gottschalk (AfD) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 38a bis 38c: Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris.
Text
Rede von Kay Gottschalk (AfD) – Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen! Wenn
diese Bundesregierung ein Gerechtigkeitsgesetz kreiert,
sollten bei jedem Bürger – also auch bei Ihnen da oben –
und bei den Juristen die Alarmglocken schrillen.
(Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das stimmt nicht!)
Denn wo bei dieser Koalition Gerechtigkeit auf der
Verpackung steht, ist in aller Regel genau das Gegenteil drin;
und das erinnert mich schon stark an das
Sanktionsdurchsetzungsgesetz I und II.
Die Bundesregierung verwirft zwar – und ich sage: gut
so! – das Etikett „Bundesamt zur Bekämpfung von
Finanzkriminalität“, übernimmt aber wesentliche Elemente
des damaligen Ampelkonzeptes. Analyse, FIU-Arbeit,
Geldwäscheermittlung, Sanktionsdurchsetzung und
Datenaustausch – Sie haben es eben gesagt, Kollege
Schrodi – sollen weiterhin auf Bundesebene stärker
zusammengeführt werden. Neu ist allerdings, dass dies
innerhalb einer erheblich ausgebauten Zollverwaltung
stattfinden soll.
Beim Aufklärungsverfahren für verdächtige
Vermögenswerte geht der aktuelle Entwurf allerdings
deutlich über den ursprünglichen Entwurf hinaus. Der
Follow-the-Money-Ansatz ist dem Grunde nach okay, aber
Ihre Ausführungen gerade in den §§ 53 ff. des Entwurfs
sind es nicht. Der Zoll soll künftig nämlich
Vermögenswerte bereits dann beschlagnahmen können, wenn bloße
begründete Zweifel an deren rechtmäßiger Herkunft
bestehen.
Weil den Ermittlungsbehörden also der strafprozessuale
Nachweis einer Straftat zu mühsam ist, verlagern Sie die
Enteignung vor die Finanzgerichte. Das ist absolut
inakzeptabel.
Im Strafverfahren gilt das Recht, zu schweigen. Im
administrativen Zollfahndungsgesetzverfahren dagegen
wird der Bürger mit Mitwirkungs- und
Auskunftspflichten konfrontiert. Wer redet, der liefert der
Staatsanwaltschaft womöglich den Strick für ein
Geldwäscheverfahren. Wer schweigt, riskiert die Entziehung seines
Vermögens. Und das hat meiner Ansicht nach mit
Rechtsstaat und freiheitlichen Rechten überhaupt nichts mehr zu
tun.
(Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Dr. Ralf
Stegner [SPD] und Lisa Paus [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
Sie behaupten, es bleibe beim
Amtsermittlungsgrundsatz. Doch in der Praxis führt dieses Gesetz zu einer
faktischen Beweislastumkehr. Sobald ein Beamter der
Ansicht ist, ein Vermögenswert sei nicht plausibel oder
passe nicht zu den historischen Steuerdaten, muss der
Bürger beweisen, dass er sein Eigentum erarbeitet hat.
Was geschieht bei Erbschaften aus vordigitalen Zeiten?
Was bei legalem Bargeldbesitz? Was bei Schenkungen
innerhalb der Familie? Oder bei Auslandsvermögen, für
die nach zehn oder zwanzig Jahren schlichtweg keine
Quittungen mehr existieren?
Aus einem Abwehrrecht des Bürgers aus Artikel 14
Grundgesetz gegen den Staat wird ein Gnadenrecht, das
man jederzeit auf behördliche Anforderung hin
rechtfertigen muss.
(Frauke Heiligenstadt [SPD]:
Richtervorbehalt!)
Und Ihr Lächeln, Herr Schrodi, verrät Sie wie Ihren
Finanzminister; das muss man an dieser Stelle wohl sagen.
Die Eingriffsschwelle wird an Kriterien wie das
Missverhältnis zu bekannten Einkommensverhältnissen oder
das abstrakte Vertrauen der Bevölkerung in den
Rechtsstaat geknüpft. Wo bleibt da das Bestimmtheitsgebot des
Grundgesetzes?
Jahreslang hat man Clanstrukturen und ausländische
Banden gewähren lassen und das Chaos bei der FIU
ignoriert. Und jetzt soll nicht etwa der Vollzug gestärkt
werden, sondern das gesamte deutsche Volk unter einen
Generalverdacht gestellt werden.
(Frauke Heiligenstadt [SPD]: Quatsch! –
Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Was? Durch dieses Gesetz? Also ich
bin auch Opposition, aber das ist einfach
Quatsch!)
Sie sollten sich wirklich was schämen.
Wir sagen: Den Geldspuren der Täter folgen, nicht die
Eigentümer unter Generalverdacht stellen,
Finanzermittlung stärken, Strafprozessrechte wahren und Entziehung
ausschließlich richterlich sowie auf Grundlage
belastbarer Beweise anordnen.
(Zuruf der Abg. Katharina Beck [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Wer aber das Eigentumsrecht schleift – und da sind die
Sozialdemokraten und die Linken hier im Hause ja sehr
stark, und Sie machen mit – und die Beweislast verdreht,
zerstört das Vertrauen der anständigen Bürger in den
Rechtsstaat.
Unter dem Vorwand der Modernisierung rüsten Sie den
Zoll zu einer allumfassenden Überwachungsbehörde auf.
Schritt für Schritt geht es hin zum gläsernen Bürger,
während die wahren Drahtzieher der Organisierten
Kriminalität längst auf Methoden ausweichen, die von Ihren
Drohnen und KI-Algorithmen nicht erfasst werden
können.
(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Die schützen Sie
doch! Die wollen Sie doch schützen! – Zuruf
der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD])
Meine Damen und Herren, wir lehnen diesen
Gesetzentwurf ab. Er ist ein Eingriff in die Freiheitsrechte.
(Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Wie bitte? – Dr. Ralf Stegner [SPD]:
Sie schützen die Kriminellen!)
Und es ist wohlbekannt, was die Linken da wollen. Liebe
Kollegen von der CDU/CSU, wenden Sie sich von
diesem Gesetzentwurf wirklich ab!
Vielen Dank.
Relationen
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