Rede von Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 12: Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur.
Text
Rede von Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Liebe Kollegen! Liebe Gäste auf den Tribünen und
vor den Bildschirmen! Was wir heute in diesem Hohen
Haus erleben, ist schon bemerkenswert: Ausgerechnet
Die Linke – ausgerechnet Die Linke! – beantragt eine
Aktuelle Stunde, weil in Sachsen-Anhalt in einer
geheimen und parlamentarisch legitimen Wahl
(Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
ein Landtagspräsident aus den Reihen der stärksten
Fraktion gewählt wurde.
(Zuruf von der Linken: Zufällig kam dann so
was raus!)
Ich hätte mir gewünscht, eine andere Fraktion wäre
stärkste Fraktion geworden, nämlich meine. Aber es ist
eben nicht so, und es ist parlamentarischer Brauch, dass
die stärkste Fraktion den Parlamentspräsidenten stellt.
(Isabelle Vandre [Die Linke]: Also
rechtfertigen Sie das, ja? Also ist es richtig, dass die
gewählt wurden?)
Frau Lemke, wenn man jetzt Zeitungen Noten erteilt,
da würde mir auch einiges einfallen. Aber ausgerechnet
die „FAZ“ hier zu nehmen – Sie kennen vielleicht Herrn
Bender, der sehr klug über die AfD schreibt –,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Wir kennen Sie ja, Herr Willsch!)
das ist völlig unangemessen.
(Steffi Lemke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Sie haben mir offensichtlich nicht zugehört!
Sie sollten besser zuhören, wenn Sie mich
ansprechen!)
Und auch Ihre Kritik an Herrn Rhein, unserem
Ministerpräsidenten, ist völlig unangemessen.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das ist doch der, der Bundespräsident
werden will und sich überall ins Gespräch
bringt!)
Er hat nichts anderes getan, als zu sagen: Es gibt
parlamentarische Bräuche und die muss man, wenn man
sich als Parlamentarier ordentlich verhalten will,
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Ach?)
allen gegenüber anwenden. – Das ist der Punkt.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der AfD – Widerspruch bei der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jetzt noch mal zu den vermeintlichen Gewissheiten
hier. Frau Reichinnek stellt sich hierhin und tut, als ob
sie dabei gewesen wäre und jedem über die Schulter
geguckt hätte.
– Das hat Tradition bei Ihrer Partei, das weiß ich.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU
und der AfD – Britta Haßelmann [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Hessische
Staatskanzlei hat sich hier nicht einzumischen!)
Aber das war eine geheime Wahl, und bei einer geheimen
Wahl lässt sich eine False-Flag-Aktion natürlich nicht
ausschließen. Der Bundeskanzler, unser
Bundesvorsitzender, hat völlig zu Recht davor gewarnt, aus
Spekulationen vermeintliche politische Gewissheiten zu
konstruieren. Dass sich ausgerechnet die SED-
Fortsetzungspartei
hier zum obersten Wächter aufschwingt: Man kann es
kaum glauben!
Wer sich anmaßt, Lektionen in Geschichte zu erteilen,
der braucht vielleicht erst einmal eine eigene. Sie sollten
vor der eigenen Haustür kehren!
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und
der AfD – Widerspruch bei der Linken und
dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vielleicht ist es deshalb, insbesondere auch für die
jüngeren Kollegen im Haus,
(Zuruf der Abg. Lisa Badum [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
mal Zeit für eine kleine Nachhilfestunde in Geschichte.
(Zuruf der Abg. Sylvia Rietenberg [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Die eigene Familiengeschichte scheint schnell in
Vergessenheit zu geraten: Die SED wurde 1989 nicht aufgelöst.
Die SED benannte sich um, zunächst in SED/PDS und
später nur noch in PDS. Und warum? Das ist aufgedeckt
worden durch den Bericht die Unabhängigen
Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und
Massenorganisationen der DDR vom 24. August 1998.
So „war ein bestimmendes Motiv für die Nichtauflösung
der SED die Sicherung ihres Vermögens“. Gysi selbst
warnte damals vor der Auflösung, weil das gesamte
Eigentum der Partei damit futsch gewesen wäre. Kurz
gesagt: Der negativ belastete Name sollte verschwinden,
das Vermögen aber – mehr als 6 Milliarden DDR-Mark –
sollte gesichert werden. Und Bisky hat das alles
organisiert und den Übergang gemanagt.
Doch lassen Sie uns zur Gegenwart zurückkommen.
Da ist nicht nur dieser Antrag hier bemerkenswert,
sondern bemerkenswert ist auch das Verhalten von anderen
Fraktionen hier im Kabinett,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Es gibt keine Fraktionen im Kabinett!)
die das mit anschauen und die Hand reichen. Drei Jahre
nach dem barbarischen Massaker der Hamas vom 7.
Oktober 2023 –
(Steffi Lemke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Jetzt hören Sie auf, auch das noch zu
instrumentalisieren! Das ist doch unsäglich!)
bei dem 1 200 unschuldige Menschen ermordet und
251 Kinder, Frauen und Männer verschleppt wurden,
darunter auch deutsche Staatsbürger, an einem solchen
Tag sondieren SPD und Grüne umstandslos mit den
Linken, bei denen die antisemitischen Vorfälle ja massiv
sind und unwiderlegt.
Während auf der einen Seite über
Parteiverbotsverfahren gegen politische Extreme diskutiert wird, verhandelt
man auf der anderen Seite mit den Linken ganz
selbstverständlich über eine Regierung in der Hauptstadt. Die
sollen wieder ins Rote Rathaus.
(Zuruf von der Linken: Genau! – Zuruf des
Abg. Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN])
Wo bleibt die Distanzierung von denen?
Unfassbar: Bevor sondiert werden konnte – man muss
sich das mal auf der Zunge zergehen lassen – –
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