Rede von Eberhard Gienger (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/166
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Eberhard Gienger (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/166
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich
möchte zunächst einmal auf Frau Kunert eingehen, die
ein Sportförderungsgesetz gefordert hat. Ich darf Ihnen
sagen, Frau Kunert: Das, was Sie zu Papier gebracht
haben, erinnert mich sehr an den Staatssport der DDR. Ich
darf hinzufügen: Die Gerechtigkeit, die Sie gefordert
haben, wurde in der DDR in ganz geringem Maße
umgesetzt.
(Katrin Kunert [DIE LINKE]: Waren Sie
überhaupt in der DDR zu der Zeit? Waren Sie
überhaupt in einer Sportschule?)
Dabei ging es darum, Leistung zu erbringen, und um
nichts anderes.
Ein Wort zu dir, Wini Hermann. Der Bund unterstützt
den Sport mit relativ geringen Mitteln. Im Jahr 2003
betrugen die Ausgaben für den Sport 3,9 Milliarden Euro.
Davon haben die Kommunen 80 Prozent getragen, also
ungefähr 3,1 oder 3,2 Milliarden Euro, die Länder etwa
650 Millionen Euro. Der Bund hat sich mit
bescheidenen 108 Millionen Euro beteiligt. Das war ein ganz
geringer Anteil für den Spitzensport. Ich glaube, dass diese
Gewichtung richtig ist.
Sport spielt in der Bundesrepublik Deutschland eine
herausragende Rolle. Das gilt insbesondere für die
Bereiche Gesundheit, Kinder, Integration, Umwelt und
Naturschutz, aber auch für die Behindertenarbeit.
Hochleistungssport ist wichtig, weil er, wenn Sie so wollen, ein
Lehrmeister für Athletinnen und Athleten ist. Was kann
man im Spitzensport alles lernen? Man kann lernen,
erfolgreich sein zu wollen. Man lernt Disziplin und
Flexibilität. Man lernt, seine Leistung morgens um acht oder,
wenn es sein muss, auch einmal um Mitternacht zu
erbringen. Man lernt, mit Sieg und Niederlage umzugehen.
Man lernt, aus Talsohlen herauszufinden und nach
Siegen nicht abzuheben. Man lernt, dem Trainer, dem Wei-
Eberhard Giengerseren, zuzuhören und seine Vorgaben umzusetzen. Man
lernt Teamfähigkeit. All das sind Erfahrungen, die man
auf das private und berufliche Leben – das gilt zum
Beispiel für die Ausbildung –, aber auch auf das politische
Leben übertragen kann.
Aus diesem Grund und wegen der Repräsentations-
und Vorbildwirkung des Sports hat sich der Bund
entschlossen, die Sportler stärker zu unterstützen. Die
internationale Konkurrenz wird immer größer. Die
Bundesrepublik Deutschland steht in Konkurrenz zu vielen
anderen Nationen, die bei Olympischen Spielen
ebenfalls erfolgreich sein wollen, die sich dafür vorbereitet
haben. In Korea, Großbritannien – die Olympischen
Spiele finden 2012 in London statt –, Frankreich, Japan
und vor allem in Australien wird erfolgreich Geld in den
Spitzensport investiert. Dieses Parlament hat im
vergangenen Jahr dankenswerterweise die bis dahin
gedeckelten Beträge um immerhin etwas mehr als 17,1
Millionen Euro aufgestockt, was dem Sport guttut. Seit 1992
hat sich die Anzahl der Disziplinen bei Olympischen
Spielen um 30 Prozent erhöht. Auch die Zahl der
teilnehmenden Nationen ist angewachsen. Im kommenden
Jahr rechnet man in Athen mit 205 teilnehmenden
Nationen, also mit mehr Nationen, als die UN Mitglieder hat.
Es sind also gute Rahmenbedingungen geschaffen
worden. Allerdings ist auch klar, dass der Spitzensport
wegen des Dopings – dieses Thema ist schon
angesprochen worden – in einer seiner größten, vielleicht sogar
der größten Krise überhaupt steckt. Durch
Gesetzesänderungen ist es gelungen, Veränderungen
herbeizuführen. Das Wirken der NADA – Präventions- und
Aufklärungsmaßnahmen sowie unangemeldete Trainings- und
Wettkampfkontrollen – hat zumindest bei den
Betroffenen ein gewisses Maß an Sensibilität bewirkt.
Ich möchte an dieser Stelle eines sagen: Die
Athletinnen und Athleten müssen berücksichtigen, dass sich die
Zeiten geändert haben, dass sie in einer neuen Zeit leben.
Genauso wie sich die Flugreisenden heutzutage auf allen
Flughäfen kontrollieren lassen müssen, weil ein paar
wenige Terroristen das Gemeinwohl bedrohen, müssen
auch die Athletinnen und Athleten davon ausgehen, dass
zu ihrem Sport – beim Training und Wettkampf – eine
Dopingkontrolle gehört.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
der Abg. Dagmar Freitag [SPD])
Das mag zwar lästig sein, gehört in Zukunft aber zum
Training und zum Wettkampf. Frau Kollegin Freitag,
Ihre Bemühungen um eine ordentliche Gesetzgebung im
Rahmen des DIS – Deutsches Institut für
Sportgerichtsbarkeit – hierzu kann ich nur begrüßen. Ich werde das
natürlich forcieren.
Ich möchte einen weiteren Punkt ansprechen: Sport
ins Grundgesetz. Der Deutsche Olympische Sportbund
hat im Oktober 2006 für die Aufnahme des Sports ins
Grundgesetz plädiert und ein entsprechendes Papier
vorgelegt. Wie Sie wissen, hat sich die CDU/CSU mit
diesem Thema beschäftigt, sich aber nicht für eine
Aufnahme des Sports als Staatsziel ins Grundgesetz
ausgesprochen. Als ehemaliger Leistungssportler undMitglied des Präsidiums des Deutschen Olympischen
Sportbundes einerseits und Abgeordneter der CDU/
CSU-Fraktion andererseits schlagen zwei Herzen, ach,
in meiner Brust: Auf der einen Seite würde mit der
Verankerung des Sports als Staatsziel im Grundgesetz die
besondere Bedeutung des Sports für unsere Gesellschaft
gewürdigt.
(Dr. Peter Danckert [SPD]: Dann mach mal
was!)
Auf der anderen Seite muss man allerdings anerkennen,
dass es gute Argumente für eine andere Einstellung zu
diesem Thema gibt. Es gibt nämlich sehr wohl
Interessenten, die auch andere Staatsziele, wie Kinderrecht
oder Nachhaltigkeit verankert wissen möchten.
(Dr. Peter Danckert [SPD]: Dann macht doch
mal was! Setzt euch mal durch!)
Wir müssen uns die Frage stellen: Brächte das Staatsziel
Sport dem Sport das, was er sich erhofft, brächte es den
Sport weiter? Diese Frage sollte Auslöser dafür sein,
neue Gespräche darüber zu führen. Was meine Person
anbetrifft, so würde ich gerne den Sport im Grundgesetz
sehen. Ich habe aber auch Verständnis für die
Argumentation der anderen.
Ich möchte noch einige Anmerkungen zur
Sinnhaftigkeit der Fusion von Deutschem Sportbund und NOK
zum Deutschen Olympischen Sportbund machen. Ich
gebe zu, dass auch ich damals kein großer Freund der
Fusion war. Ich habe aber zugestimmt, nachdem das
Argument vorgebracht wurde, dass der Sport dann mit
einer Stimme sprechen könnte. Dadurch sind wir jetzt in
einer anderen Situation. 1980, als es um einen Boykott
der Olympischen Spiele in Moskau ging, hat sich der
Sport gegenseitig zerfleischt: NOK gegen DSB,
dazwischen die Deutsche Sporthilfe. Jetzt hat man erreicht,
dass der deutsche Sport mit einer Stimme spricht. Aus
diesem Grunde wundere ich mich, weshalb dem
Deutschen Olympischen Sportbund so viel Kritik
entgegenschlägt, er habe als Interessenvertreter seiner Athleten
seine Meinung, an den Olympischen Spielen in Peking
teilzunehmen, sehr früh bekannt gegeben.
(Dr. Peter Danckert [SPD]: Es ging um den
Zeitpunkt! Tibet!)
Dies hat er in erster Linie getan, weil sich der Dalai-
Lama selbst gegen einen Boykott ausgesprochen hat.
Winfried Hermann, vielleicht noch eines zu den
Bändchen.