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Rede von Eberhard Gienger (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/166

dip / rede 05.06.2008 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.

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Rede von Eberhard Gienger (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/166 Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte zunächst einmal auf Frau Kunert eingehen, die ein Sportförderungsgesetz gefordert hat. Ich darf Ihnen sagen, Frau Kunert: Das, was Sie zu Papier gebracht haben, erinnert mich sehr an den Staatssport der DDR. Ich darf hinzufügen: Die Gerechtigkeit, die Sie gefordert haben, wurde in der DDR in ganz geringem Maße umgesetzt. (Katrin Kunert [DIE LINKE]: Waren Sie überhaupt in der DDR zu der Zeit? Waren Sie überhaupt in einer Sportschule?) Dabei ging es darum, Leistung zu erbringen, und um nichts anderes. Ein Wort zu dir, Wini Hermann. Der Bund unterstützt den Sport mit relativ geringen Mitteln. Im Jahr 2003 betrugen die Ausgaben für den Sport 3,9 Milliarden Euro. Davon haben die Kommunen 80 Prozent getragen, also ungefähr 3,1 oder 3,2 Milliarden Euro, die Länder etwa 650 Millionen Euro. Der Bund hat sich mit bescheidenen 108 Millionen Euro beteiligt. Das war ein ganz geringer Anteil für den Spitzensport. Ich glaube, dass diese Gewichtung richtig ist. Sport spielt in der Bundesrepublik Deutschland eine herausragende Rolle. Das gilt insbesondere für die Bereiche Gesundheit, Kinder, Integration, Umwelt und Naturschutz, aber auch für die Behindertenarbeit. Hochleistungssport ist wichtig, weil er, wenn Sie so wollen, ein Lehrmeister für Athletinnen und Athleten ist. Was kann man im Spitzensport alles lernen? Man kann lernen, erfolgreich sein zu wollen. Man lernt Disziplin und Flexibilität. Man lernt, seine Leistung morgens um acht oder, wenn es sein muss, auch einmal um Mitternacht zu erbringen. Man lernt, mit Sieg und Niederlage umzugehen. Man lernt, aus Talsohlen herauszufinden und nach Siegen nicht abzuheben. Man lernt, dem Trainer, dem Wei- Eberhard Giengerseren, zuzuhören und seine Vorgaben umzusetzen. Man lernt Teamfähigkeit. All das sind Erfahrungen, die man auf das private und berufliche Leben – das gilt zum Beispiel für die Ausbildung –, aber auch auf das politische Leben übertragen kann. Aus diesem Grund und wegen der Repräsentations- und Vorbildwirkung des Sports hat sich der Bund entschlossen, die Sportler stärker zu unterstützen. Die internationale Konkurrenz wird immer größer. Die Bundesrepublik Deutschland steht in Konkurrenz zu vielen anderen Nationen, die bei Olympischen Spielen ebenfalls erfolgreich sein wollen, die sich dafür vorbereitet haben. In Korea, Großbritannien – die Olympischen Spiele finden 2012 in London statt –, Frankreich, Japan und vor allem in Australien wird erfolgreich Geld in den Spitzensport investiert. Dieses Parlament hat im vergangenen Jahr dankenswerterweise die bis dahin gedeckelten Beträge um immerhin etwas mehr als 17,1 Millionen Euro aufgestockt, was dem Sport guttut. Seit 1992 hat sich die Anzahl der Disziplinen bei Olympischen Spielen um 30 Prozent erhöht. Auch die Zahl der teilnehmenden Nationen ist angewachsen. Im kommenden Jahr rechnet man in Athen mit 205 teilnehmenden Nationen, also mit mehr Nationen, als die UN Mitglieder hat. Es sind also gute Rahmenbedingungen geschaffen worden. Allerdings ist auch klar, dass der Spitzensport wegen des Dopings – dieses Thema ist schon angesprochen worden – in einer seiner größten, vielleicht sogar der größten Krise überhaupt steckt. Durch Gesetzesänderungen ist es gelungen, Veränderungen herbeizuführen. Das Wirken der NADA – Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen sowie unangemeldete Trainings- und Wettkampfkontrollen – hat zumindest bei den Betroffenen ein gewisses Maß an Sensibilität bewirkt. Ich möchte an dieser Stelle eines sagen: Die Athletinnen und Athleten müssen berücksichtigen, dass sich die Zeiten geändert haben, dass sie in einer neuen Zeit leben. Genauso wie sich die Flugreisenden heutzutage auf allen Flughäfen kontrollieren lassen müssen, weil ein paar wenige Terroristen das Gemeinwohl bedrohen, müssen auch die Athletinnen und Athleten davon ausgehen, dass zu ihrem Sport – beim Training und Wettkampf – eine Dopingkontrolle gehört. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie der Abg. Dagmar Freitag [SPD]) Das mag zwar lästig sein, gehört in Zukunft aber zum Training und zum Wettkampf. Frau Kollegin Freitag, Ihre Bemühungen um eine ordentliche Gesetzgebung im Rahmen des DIS – Deutsches Institut für Sportgerichtsbarkeit – hierzu kann ich nur begrüßen. Ich werde das natürlich forcieren. Ich möchte einen weiteren Punkt ansprechen: Sport ins Grundgesetz. Der Deutsche Olympische Sportbund hat im Oktober 2006 für die Aufnahme des Sports ins Grundgesetz plädiert und ein entsprechendes Papier vorgelegt. Wie Sie wissen, hat sich die CDU/CSU mit diesem Thema beschäftigt, sich aber nicht für eine Aufnahme des Sports als Staatsziel ins Grundgesetz ausgesprochen. Als ehemaliger Leistungssportler undMitglied des Präsidiums des Deutschen Olympischen Sportbundes einerseits und Abgeordneter der CDU/ CSU-Fraktion andererseits schlagen zwei Herzen, ach, in meiner Brust: Auf der einen Seite würde mit der Verankerung des Sports als Staatsziel im Grundgesetz die besondere Bedeutung des Sports für unsere Gesellschaft gewürdigt. (Dr. Peter Danckert [SPD]: Dann mach mal was!) Auf der anderen Seite muss man allerdings anerkennen, dass es gute Argumente für eine andere Einstellung zu diesem Thema gibt. Es gibt nämlich sehr wohl Interessenten, die auch andere Staatsziele, wie Kinderrecht oder Nachhaltigkeit verankert wissen möchten. (Dr. Peter Danckert [SPD]: Dann macht doch mal was! Setzt euch mal durch!) Wir müssen uns die Frage stellen: Brächte das Staatsziel Sport dem Sport das, was er sich erhofft, brächte es den Sport weiter? Diese Frage sollte Auslöser dafür sein, neue Gespräche darüber zu führen. Was meine Person anbetrifft, so würde ich gerne den Sport im Grundgesetz sehen. Ich habe aber auch Verständnis für die Argumentation der anderen. Ich möchte noch einige Anmerkungen zur Sinnhaftigkeit der Fusion von Deutschem Sportbund und NOK zum Deutschen Olympischen Sportbund machen. Ich gebe zu, dass auch ich damals kein großer Freund der Fusion war. Ich habe aber zugestimmt, nachdem das Argument vorgebracht wurde, dass der Sport dann mit einer Stimme sprechen könnte. Dadurch sind wir jetzt in einer anderen Situation. 1980, als es um einen Boykott der Olympischen Spiele in Moskau ging, hat sich der Sport gegenseitig zerfleischt: NOK gegen DSB, dazwischen die Deutsche Sporthilfe. Jetzt hat man erreicht, dass der deutsche Sport mit einer Stimme spricht. Aus diesem Grunde wundere ich mich, weshalb dem Deutschen Olympischen Sportbund so viel Kritik entgegenschlägt, er habe als Interessenvertreter seiner Athleten seine Meinung, an den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen, sehr früh bekannt gegeben. (Dr. Peter Danckert [SPD]: Es ging um den Zeitpunkt! Tibet!) Dies hat er in erster Linie getan, weil sich der Dalai- Lama selbst gegen einen Boykott ausgesprochen hat. Winfried Hermann, vielleicht noch eines zu den Bändchen.

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