Rede von Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/8540
Teil von Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 35 b: Drucksache 16/8540 –.
Text
Rede von Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksache 16/8540
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist gut, dass die
Koalitionsfraktionen dem Antrag der FDP-Fraktion
nicht zustimmen. Ich finde aber, mit dem Handeln ist es
auch bei der Koalition nicht besonders weit her.
Heute Morgen haben wir ein Gesetzespaket
verabschiedet, das zum Ausdruck bringt, dass die
Klimaschutzziele deutlich verfehlt werden. Dass die
Landwirtschaft für 14 Prozent der Emissionen verantwortlich ist
– darauf hat auch die Kollegin Wolff hingewiesen –,
wird bei den Reduktionszielen nicht einmal
berücksichtigt. Gerade beim aktuellen Thema: der EU-Agrarreform
und dem Health-Check. Alle Vorschläge, die die EU-Kommission macht, um den Umwelt- und Klimaschutz
zu verstärken, werden von der Bundesregierung
blockiert. Hier wäre Handeln gefragt.
Zu den Liberalen muss man sagen – das bereitet mir
wirklich Probleme –: Mit Ihrer Agrarpolitik und mit den
Vorschlägen, die Sie machen, hintertreiben Sie jeden
Ansatz von Klimaschutz. Denn Sie befürworten ganz
eindeutig die Industrialisierung und Intensivierung der
Landwirtschaft, und das ist nicht nachhaltig.
Die Stichworte, die für Sie wichtig sind, lauten:
Chemisierung und Agrogentechnik. Das sind die Ziele, die Sie
mit Ihrem Antrag verfolgen. Dadurch werden die
sozialen und ökologischen Probleme in diesem Bereich
massiv verschärft.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Dr. Edmund Peter Geisen [FDP]: Uns geht es
immer um Nachhaltigkeit!)
Das dürfen wir nicht zulassen.
Was das Recht auf Nahrung – Frau Tackmann hat auf
die FAO-Konferenz in Rom hingewiesen – angeht,
wissen wir doch: Wir brauchen eine Ausrichtung auf die
Förderung von Kleinbauern. Die ländlichen Räume
müssen entwickelt werden. Wir brauchen angepasste
Technologien. Darin bestärkt uns der Weltagrarbericht der
UNESCO. Auch in ihm heißt es, dass die Abhängigkeit
von Agrarkonzernen, von Gentechnik riskant ist.
Umweltschädliche Methoden – dazu zählt die
Agrogentechnik – dürfen nicht weiter forciert werden, sollen
nicht weitere Risiken für die Ernährungssicherheit
herbeigeführt werden. Die Biodiversität muss zum Schutz
der Lebensgrundlagen unbedingt erhalten werden.
(Dr. Edmund Peter Geisen [FDP]: Das wollen
wir auch!)
Wir gehen den Weg in die Nachhaltigkeit mit
angepassten Agrarmethoden, wie sie im Weltagrarbericht
ebenfalls vorgeschlagen werden. Übrigens ist der
Ökolandbau in diesem Hinblick eine der effizientesten
Methoden.
Die FDP hat das in ihrem Antrag mit keinem Wort
erwähnt.
(Dr. Edmund Peter Geisen [FDP]: Weil es
nicht der Fall ist! Er ist nicht die effizienteste
Methode!)
Ich finde das unglaublich.
Dies ist auch das Ergebnis einer großen Konferenz
der FAO: Das Beste für den Klimaschutz und die
Artenvielfalt sind mehrgliedrige Fruchtfolgen,
Stickstoffreduktion wie beim Ökolandbau und dann niedrige
Lachgas- und Methanemissionen.
(Dr. Edmund Peter Geisen [FDP]: Niedrige
Erträge!)
In diesen Bereichen brauchen wir mehr Forschung und
Innovation.
Ulrike HöfkenUm auf den Bereich Bioenergie einzugehen, fehlt mir
die Zeit.
Wir haben einen Antrag zum Gesundheitscheck der
europäischen Agrarpolitik eingebracht, in dem wir
fordern, die anstehende Reform der EU-Agrarpolitik dazu
zu nutzen, nicht nur die Direktzahlungen, sondern beide
Säulen zu stärken – für den Klimaschutz, für den
Artenschutz, für die Umwelt. Cross Compliance, wie die
Kommission auch vorschlägt, sollte entsprechend
erweitert werden. Ganz klar ist – das haben auch die
Milchbauern auf ihrer Demo gestern gesagt –: Wir wollen
nicht weiter in eine wahnsinnige Exportorientierung,
Weltmarktorientierung gehen,
(Dr. Edmund Peter Geisen [FDP]: Das geht
nicht, wenn man einen Weltmarkt hat! Es gibt
kein Zurück!)
wir wollen Qualität und faire Preise. Die Bauern wollen
sich am Verbraucher orientieren. Sie erbringen
gesellschaftliche Leistungen. Dafür brauchen Sie mehr Unter-stützung. Die Bundesregierung kann sie konkret
unterstützen.
Schönen Dank.